Ein wohlwollend formuliertes Mädchen

in Mann versieht sich hoffnungsfrei in eine Prinzessin, die Kreuzfahrer von ihrer Familie amputiert haben. Sie kommt also aus dem Orient, hat aber eine Vorliebe für Grünkohl. (Ich weiß bisher ungenau, ob das wirklich so ist, weil es mir einfach nicht heimleuchten will, was daran wohl so kriegsentscheidend sein soll!)

Der Mann also, nennen wir ihn Theodor Fontäne (der Erfinder der Wasserkunst) nähert sich in einem handelsüblichen Stadtpark der Prinzessin, nennen wir sie Pomeranza, was ungewöhnlich ist, weil sie ja Zeitlebens ortsunansässig war, also nähert sich ihr, blond vor Liebe, ziemlich unziehmlich und zwar dergestalt, daß sie daraufhin einen Blumentopf aus ihrem korpulenten Ausschnitt entwendet und ihm auf den Kopf stellt. (Das erscheint mir die arabische Variante unserer Usambaraveilchen-Absage zu sein. Die Szenerie ist von einer bewölkten Orchestrierung umzäumt.)

Nun schaut der Mann dumm aus der Herrenoberbekleidung. Durch ihre Finte ist er phototrop und muß fortan dem Sonnenstand folgen. Da er aber immer noch nicht von ihr lassen kann, hebt er sein Haupt und zu singen an. (Ich überlege, ob ich an dieser Stelle einen klassischen Tänzer auftreten lasse, der Theodors Sehnsüchte in Tanzfiguren ausdrückt. Immer, wenn sich in Theodors Augenwinkel eine Träne erbricht, plumpst der Tänzer gekonnt in den Bach, auf dem gebratene Schwäne dümpeln. Während der restlichen Zeit ist er gezwungen, Pirouetten selbstzudrehen. Gute Idee! Unbedingt aufschreiben!)

Als ob diese Tragödie nicht schon deprimierend genug wäre, erfährt der tief geneigte Cineast jetzt, warum die Prinzessin dem Wassersüchtigen einen Korb verlieh: Sie weiß aus murmelnder Quelle, daß Theodor unviel von der Einehe hält und an den restlichen Wochentagen bereits mit einem recht miederträchtigen Weibsbild, nennen wir sie Tretmina von Barnheim, zusammengeheftet ist, welche recht extrovertiert und lautmalerisch die Szene betritt und dem Liebestrunkenen mit einem Nudelholz die Heimkehr anrät. (Die Kamera fährt in die Totale, um die unschlanke Tretmina in einem Stück zu belichten und aus irgendeinem Grunde, der mir nicht einfällt, hatte sie keine Zeit mehr, sich anzuziehen und kommt am Nachmittag im Spitzennachthemd daher.)

Pomeranza greift ein und wird von Tretminas Holze am Kopf genötigt. Aufgrund dieser Pechseligkeit fällt sie final und zweckgebunden auf den Weg. (Sie wär´ eh die Nächste gewesen!) Sie beschließt ein Leben in Leblosigkeit und eine Lerche flügelt durchs Bild, welche die Seele Pomeranzas symbolisiert, die malerisch gen Himmel kollabiert. (Das Orchester beruhigt sich derweil. Es werden Schnittchen und Kautabak unter den Cellisten gereicht)

Natürlich könnte an der bezeichneten Stelle jetzt die Abenddämmerung aus dem Gebüsch herausbrechen, nachdem sie das Weite gesucht, aber nicht gefunden hat und als Zeichen ihrer Anstrengung mehrmals laut in Richtung der Kamera schnaufen, ohne direkten Augenkontakt mit dem ohnehin knappen Celluloid aufzunehmen. Aber ich fürchte mich so sehr, daß die Theateradaption viel schwerer und alles völlig an den Haaren vorbeigezogen ist...

 
"Ein wohlwollend formuliertes Mädchen" (C) onkelhoste ~01/2001.
onkelhoste 1961 Geburt | 1980 Gründung von AmA (Art meet Art). Zeichnungen und Collagen | 1985 erste literarische Gehversuche | 1990 mehrere kurze SciFi-Stories ernsterer Coleur | 1993 erste satirische Stories | 1999 www.onkelhoste.de wird geboren _|_ 2000 Erstkontakt ZYN!, bis zum Ende über 200 Texte und ein paar Cartoons _|_ 2000 Idee für Buch wird geboren, SciFi-Satire "Sonnenwind & Salmonellen" (leidlicher Fortschritt....) | seit 2001 diverse Kapriolen bei Kaschemme.de

Abgeheftet und gestempelt als: Plan////.

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