Der Eier-Kopf-Mörder    



Der 2. Krimi für starke Frauen

Kriminalhauptkommissarin Samantha Lauschke fährt mit ihrem nagelneuen Flitzer am Tatort vor. Zärtlich tätschelt sie ihren knallroten Radarfallenschrecken mit dreifach gedoppeltem Turboüberlader und Klimaanlage mit integriertem Internetanschluss. Die steht heute auf Wahlmodus “sibirischer Sommer mit 5% Irischer Frühling”. Das braucht die toughe Dame im pythonengen Lederkostüm heute, denn das Opfer ist ein Mann. Mal wieder.

“Und?” wendet sie sich vielsagend an das Expertenteam vor Ort.

“Und? Was?” Der Leiter der Spurensicherung wischt sich die Brille mit einem nagelneuen Papiertaschentuch, das er auf dem Boden vor der verstümmelten Leiche fand. Zuerst setzt er eine Flasche Tomatensaft an die Kehle und dann setzt er an zum Sprechen: “Leiche, männlich. Nein, eigentlich nicht mehr, weil das Wichtigste fehlt. Ab. Weg. Messer oder sehr scharfes Werkzeug.”

Die Kommissarin überzeugt sich selbst, indem sie sich über den grausigen Fund beugt: “Der hat ja seinen Kopf zwischen den Beinen!” schmatzt sie genüsslich vor sich hin, “und guckt genauso blöde aus der Wäsche, wie die vier Opfer vor ihm.”

Der Polizeifotograf unterbricht sie: “Nö, Wäsche ham wer nich gefunden. Nu ‘nen gefälschten Trauschein. Ich tippe auf Ritualmord, wie immer.”

Samantha Lauschke blitzt ihm mit ihren Augen zu und knurrt: “Sie tippen gefälligst auf Ihren Auslöser, ansonsten ist das nicht ihr Bier!” Sie hat genug gesehen, um den Fall endlich zu lösen. Diesmal war der Mörder unvorsichtig und hat seine Hinterlassenschaft unterschrieben. Nein, seine Unterschrift hinterlassen.

“Weitermachen, zumachen, wegmachen…wer trinkt jetzt mit mir ein Bier?” Und schon ist sie weg, die schöne, intelligente Kriminalhauptkommissarin, die Männer benutzt wie Obstmesser oder Wischlappen, weil sie weiß, dass Frauen ohne Putzen und Schälen nicht glücklich werden.

Vor dem Kommissariat wartet eine Meute Schlagzeilenschinder und Kameravoyeure auf ein Ergebnis: “Was haben Sie im Fall des Eier-Kopf-Mörders herausgefunden, Frau Kommissarin? Sind Sie endlich einen Schritt weiter? Haben Sie endlich Ergebnisse?”

Kriminalhauptkommissarin Samantha Lauschke dreht sich auf der obersten Treppenstufe zur Menge wie ein Topmodel: “Kriminalhauptkommissarin bitte. Ja, seit heute bin ich einen Schritt weiter. Ich habe eben erkennen können, dass die Schnittstelle am Hals darauf hindeutet, dass das Tatwerkzeug zu stumpf war. Für die Eier hat das Messer gereicht. Aber für den Kopf werde ich jetzt doch eine kleine Guillotine basteln müssen.”

“Warum, glauben Sie, macht der Mörder dieses idiotische Ritual?” prescht ein besonders vorwitziger Reporter vor.

“Hat nicht ein jeder Mann seinen Kopf in der Hose?” fragt Emma Lauschke mit betörendem Perlweiß-Lächeln, “Sie, Sie könnten der nächste Idealmann sein. Kommen Sie heute Nacht zum Exklusivinterview!”





"Der Eier-Kopf-Mörder" © , publiziert: ~16. Oct 2001
DDD wollte eigentlich als Frau auf die Welt kommen, hasst aber Frauenkrimis zu sehr. Brüllte bei Abnabelung Heavy Metal und trägt immer noch keine Krawatten. Mit fünf Jahren leere Sprechblasen aus Comics als Hörbuch eingelesen. Erstes Poem mit zwölf Jahren: „Mein Ascher stinkt wie blaue Weizenklei’“. Jobs als Fernfahrerbeifahrer, Leichenwäscherhelfer, Literaturpreismanuskriptesortierer, Siebdruckfarbanrührer und Tanzboy. Studium bei Raymond Chandler und Dagobert Duck. Erster Roman über die Sprechpausen Phil Marlowes. Gewann fünf Pfund Butter beim renommierten Regiokrimi-Preis „Butter bei die toten Fische“. Lieblingsschriftsteller: Jack Torrance. DDD lebt und arbeitet nach dem Prinzip von Tschechows Rasierklinge in Cleveland, Neustadt an der Weinstraße und Clichy.

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