Kriemholde

Eine Idee für ein klassisches Drama:

Eines vergangenen Tages werden einmal drei Menschen in einer gleichschenkligen Dreiecksbeziehung leben. Da gibt es einen Tänzer, den Hagen heißt und der so arm ist, daß er sich nicht einmal eine Hand in den Mund leisten kann. Zweitens lebt da ein reicher Mann, der sich Schnödfried nennt und bei dem nebenan bemerkt der Intellekt nie so richtig heimisch wurde. Beide aber sind warmblütig in Kriemholde verliebt und buhlen um ihre Gunst herum.

Der Hagen, der kann Gedichte schreiben, daß einem ganz warm am Ohr wird, und das imponiert der Kriemholde sehr, aber leider ist Schmalhans sein Einbauküchenmeister und so knurrt Hagens Magen recht laut, während er ihr dick Verse aufträgt, was der Stimmung schon ein wenig Abbruch antut.

Hagen springt nun auf und tanzt zu einem langen Pulmoll der Geigen eine komplizierte Figur, um ihr öffentlich anzuzeigen, daß er sich Stein und Bein ausreißen würde, um sie zum Weibe zu erfreuen. Leider ist sein Unterfangen zum Scheitern gekrönt, als Schnödfried auf der Bildfläche aufleuchtet. Dieser ergreift sogleich zu seinem Schwert und versucht, dem Hagen gehörig die Atemtätigkeit zu vermasseln. Hagen trippelt mit der Feighaft einer Schabe auf den großen Zehen herum, was anzeigen soll, das es jetzt lieber Zuhause wäre, um nachzusehen, ob er das Licht im Kühlschrank richtig ausgemacht hat.

(Ich überlege, ob ich GOTT nicht eine kleine Nebenrolle gebe. Er hebelt in einer Bühnenecke ein wenig an den Hebeln herum, die die Welt bedeuten und sieht zyklisch auf eine alte Stechuhr, bei der die Zeiger fehlen.)

Schnödfrieds Anblick beansprucht ein beachtliches Stück Netzhaut, da er von minderer Schlankhaftigkeit ist. Er tanzt eine Schraube voller Drehzahl und Fliehkraft, reißt Choreographie und Kriemholde an sich und verspricht ihr ein Leben voller H-Milch und Honig. Dann umfasst er sie auf eine Art, die sicherlich schon ein wenig an eine Leibesvisitation bei der Einreise nach Thailand erinnert.

Ein Bote platzt in Schnödfrieds rostfreies Unterfangen und rettet Hagen damit wahrscheinlich aus höchster Eisenbahn. Er setzt Kriemholde mittels aufwendigem Gesange in Kopie, daß ihr einziger Vater beschlossen hat, einen Schlaganfall zu erwerben. Kriemholde, eben noch die Balz der beiden Hormonopfer genießend, wird von schweren Tränensäcken geschüttelt und tritt gegen die Heimreise an.

Schnödfried wirft Hagen einen entzündeten Blicke zu, willens, ihm Kopf und Kragen zu entwenden. Dieses Handgemenge dringt an das Ohr der Götter, die beschließen, ein paar Blitze abzufeuern, ein paar Stromrechnungen zu bezahlen und die beiden Streithähne vor eine Prüfung zu stellen. Oder mehrere, da ist man sich noch nicht ganz einig. (Entgegen der stadt- und landläufigen Meinung haben Götter keine Nationalität und sind somit auch keine Patrioten oder so was. Die Geschichte, in denen ein Grieche von den Göttern aus einem Schiffsabsturz befreit wird, währenddessen der Sumerer ersäuft, weil er die Bedienungsanleitung der Schwimmweste nicht lesen kann, sind in ganzer Völle an den Haaren vorbeigezogen!)

Unter aufwandsvollem Getöse erscheint der Göttervater Felsbert. (Im Orchestergraben werden derweil die Becken mit Pauken und Trompeten vermöbelt!) Aber was sehen die angewunderten Zuschauer? Kriemholde kehrt unzeitgemäß vom Hofe ihres schlaganfälligen Vaters zurück, hat sich aber in der Zwischenzeit anatomisch recht umfangreich ernährt und verlangt, die beiden Hinterbliebenen mögen sie doch nunmehr "Lawine" nennen. Das Verlangen der beiden Männer nach der Einstmaligen wendet sich dem Mageninhalt zu und beide fliehen mit halbvoller Wucht von der Bühne. (Hagen ergibt sich fortan dem Austrunke von Bier hin, Schnödfried indes hüpft noch ein wenig zur Harfe und dringt dann in eine Fremde ein.)

Lawine wirft ihren Kernschatten auf Felsbert, der sich auf der Bühne mehr als flüssig vorkommt. Sie singt ihm was über die ungefüllte Liebe und Probleme mit Kleidern in Übergröße. Felsbert verzieht erst sein Gesicht und dann sich selbst. Die traurige Lawine, endgültig ihrer Lebhaftigkeit überflüssig, entnimmt ein Dolch aus ihrem Gewand und steckt ihn ganz in die Nähe wieder ein. Dann scheucht sie ihre Stimmbänder noch ein wenig herum und bricht dann todvoll zusammen. (Den Schnee am Ende des Dramas simuliere ich mit 2000 Paketen Haferflocken.)

Der Vorhang ist sehr locker angebracht und fällt daher herunter. Sollte jemand klatschen, so bin ich auch darauf vorbereitet...

 
"Kriemholde" (C) onkelhoste ~01/2002.
onkelhoste 1961 Geburt | 1980 Gründung von AmA (Art meet Art). Zeichnungen und Collagen | 1985 erste literarische Gehversuche | 1990 mehrere kurze SciFi-Stories ernsterer Coleur | 1993 erste satirische Stories | 1999 www.onkelhoste.de wird geboren _|_ 2000 Erstkontakt ZYN!, bis zum Ende über 200 Texte und ein paar Cartoons _|_ 2000 Idee für Buch wird geboren, SciFi-Satire "Sonnenwind & Salmonellen" (leidlicher Fortschritt....) | seit 2001 diverse Kapriolen bei Kaschemme.de

Abgeheftet und gestempelt als: Plan////////.

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