Hundstage    



Der 3. Krimi für starke Frauen

Es ist heiß, so verdammt heiß, dass mir die Leberwurst vom Brot in die Tastatur läuft und mein Fuß im aufgeweichten Linoleum versackt. Der Sirius steht im zweiten Quadranten auf Crash mit meinem Kommunionshoroskop. Wenn jetzt auch noch Jupiter auf Kollisionskurs mit der Divergale zwischen 13. Haus und meinem Nachbarn geht, bin ich geliefert. Aber das bin ich sowieso. Der Whiskey schmeckt nicht mehr. Schon mal 30 Grad warmen Glenlivet im 34 Grad kalten Schatten getrunken? Ist wie Nelkenessenz an einem Spritzer Knockout.

Wo war ich stehengeblieben? Mein Nachbar, Kollision… ach ja. Gestern haben sie seine Leiche rausgeschafft. Hatte mit dem Kopf in einem vorher unversehrten Teller Pasta mit Tintenfisch an Weißwein-Knoblauchsauce gelegen. Warum müssen Leichen bloß immer in den Thymian, die Badewanne oder das saubere Ehebett fallen? Und das bei dieser Hitze! Pasta mit Weißwein-Knoblauchsauce und die Reste meines Nachbarn. Der ganze Vorgeschmack versaut. Der Erkennungsdienst angelte ihm ein verdächtig aussehendes Shrimp aus dem Auge. Aber das half mir auch nicht weiter. Es war das einzige Shrimp unter all den Tintenfischen. Eins von denen, die im Sommer ihre Salmonellen mit lachsrosa Mayonnaise tarnen. Leider konnte es nicht sprechen.

Die Ehefrau war nicht vernehmungsfähig. Ihrem herzerfrischenden Gegacker hielt keiner stand. Ich schaffte nicht mal das berühmte Gespräch von Frau zu Frau, so glücklich lachte sie. Ich konnte ihr nur meine Visitenkarte da lassen. Auf deren Rückseite hatte ich die Nummer meines Pizzadienstes notiert. Ich fuhr zum Chinesen. Mir war nach Chop Suey und Glasnudeln. Lang und feucht wie das Haar meines Nachbarn an Weißwein-Knoblauchsauce.

Die Hundstage sind für gewöhnlich so heiß, dass man weder kochen will, noch kochen kann. Selbst Hamburger sollte man vor dem Verzehr abkühlen lassen oder kurz ins Gefrierfach legen. Meine Leberwurst ist davongetropft. Aber vor mir steht eine neue, geeiste Flasche Whiskey. Als ermittelnde Kommissarin muss ich mir ein bisschen geistige Anregung gönnen, denn der Fall ist verzwickt. Immerhin, der Gestank aus der Küche meines nachbarlichen Dreisterne-Kochfanatikers stört mich endlich nicht mehr. Seine Witwe hat jetzt die Nummer meines Pizzadienstes. Ach, diese Hitze! Ich habe vergessen, sie vor der Pizza mit Shrimps zu warnen!





"Hundstage" © , publiziert: ~16. Aug 2002
DDD wollte eigentlich als Frau auf die Welt kommen, hasst aber Frauenkrimis zu sehr. Brüllte bei Abnabelung Heavy Metal und trägt immer noch keine Krawatten. Mit fünf Jahren leere Sprechblasen aus Comics als Hörbuch eingelesen. Erstes Poem mit zwölf Jahren: „Mein Ascher stinkt wie blaue Weizenklei’“. Jobs als Fernfahrerbeifahrer, Leichenwäscherhelfer, Literaturpreismanuskriptesortierer, Siebdruckfarbanrührer und Tanzboy. Studium bei Raymond Chandler und Dagobert Duck. Erster Roman über die Sprechpausen Phil Marlowes. Gewann fünf Pfund Butter beim renommierten Regiokrimi-Preis „Butter bei die toten Fische“. Lieblingsschriftsteller: Jack Torrance. DDD lebt und arbeitet nach dem Prinzip von Tschechows Rasierklinge in Cleveland, Neustadt an der Weinstraße und Clichy.

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