Mein eigenes Tagebuch
Eins
Joseph Pillermann ist zeitlebens ein komischer Vogel gewesen, der seine genialen Gedanken aus Überzeugung nur auf nackter Haut hinterließ. So drang er oftmals in öffentliche Bäder ein, kramte umständlich die Brust einer beliebigen Schwimmerin hervor und notierte ein paar kurze Sätze darauf, bis er sich regelmäßig mit dem Thema der Einwandbehandlung herumschlagen mußte.
Zwei
Ich gebe hiermit zur Kenntnis, daß ich es nach all meinem Engagement zutiefst bedauere, daß sich bisher kein einziger Mensch über den tieferen Sinn des Begriffs der “doppelläufigen Hündin” Gedanken gemacht hat. Ich erwäge ernsthaft, einer ganzen Reihe von zufällig ausgewählten Leuten pure Ignoranz zu unterstellen.
Drei
Die Menschheit wird eines Tages, das ist zumindest meine Hofffnung, eine Rakete zum Sternbild “Angina Pectoris” schicken, die lediglich ein Blatt enthält auf dem “Ich bin ein unbeschriebenes Blatt!” steht. Ich denke, das wird einigen Berufsbetroffenen da oben ganz schön zu denken geben.
Vier
Dem Umstand, daß ich es für wichtiger hielt, inmitten des gestrigen Meetings mein linkes Knie zu streicheln, ist zuzurechnen, daß ich dem Verlauf eines offenkundig wichtigen Vortrages nicht folgen konnte, der sich inhaltlich um Probleme bei der Erringung von Aufmerksamkeit drehte.
Fünf
Ich möchte ein Theaterstück schreiben: Ein Mann öffnet ein technisches Gerät und findet verwirrte Drähte vor. Danach tritt er in die Hinterlassenschaft eines Hundes. Mit fehlt nur noch der Zusammenhang.
Sechs
Nach einer Reihe von Selbstversuchen komme ich zu dem Schuß, daß es physikalisch scheinbar tatsächlich unmöglich ist, daß zwei Dinge den gleichen Raum zur selben Zeit einnehmen können. Ich versuche seit Monaten eine bestimmte Frau zu einem Rendevouz mit mir zu bewegen, aber sie weicht mir aus. Möglicherweise kommt hier ein Abstoßungsgesetz zum Tragen, für das, anders als beim Magnetismus, falsches Rasierwasser die Ursache sein könnte.
Sieben
Seit einem beschämenden Vorfall, den ich heute Morgen in einer Warteschlange erlebte, weiß ich nun sicher, daß wir alle Akteure im Traum eines schlafenden Gottes sind, dessen Lieblingssendung “Gute Zeiten – Schlechte Zeiten” ist.
Acht
Ein Philosoph ist neulich gestorben, dessen Spezialität die Dekonstruktion der Sprache war. Ich dagegen werde sterben, ohne jemals ein Semikolon verwendet zu haben.
Neun
Meinen Plan, ein Liebesgedicht zu schreiben, ist endgültig gescheitert. Nach “Du warst sehr geschickt von Amor und hast mein Herz abgebrochen …” bog sich das Auditorium vor Lachen. Ich gebe heute nach langem Schweigen endlich öffentlich zu, daß diese Reaktion seinerzeit beabsichtigt war, entband es mich doch dauerhaft von der Pflicht, mich mit Lyrik auseinander setzen zu müssen.
Zehn
Eines meiner Lieblingspostulate ist die Heisenbergsche Unschärferelation, die sich mit der Bewegung und der Position von Objekten beschäftigt. Dabei besagt sie nichts weiter, als daß eine physikalische Manifestation, sagen wir mal ein Paar schöne Schuhe, nach dem Ausscheidungsprinzip entweder zu teuer oder vergriffen ist.
"Mein eigenes Tagebuch" © onkelhoste, publiziert: ~15. Oct 2004







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