Zur Rettung der Nation    



Bemühe dich nicht, reich zu werden,
Und laß ab von deinen Fündlein.(Salomo, 23,4)

Was kümmert es Kapitalkakerlaken, was kümmert es Satte, wenn es mit ihrem Land bachab, den Wirtschaftsbach runtergeht? Diese Prachtschaben! Die, die alles haben, sie bleiben unempfindlich, solange ihnen niemand etwas wegnehmen will. In Zeiten aber, da das Volk sich mit Ratten um Hungertücher balgt, fliehen Betuchte scharenweise außer Landes. Sie stehlen ihr Diebesgut durch Steuerschlupflöcher, über unbefestigte Grenzen hinweg, dann, wenn sie und ihr Erbeutetes gefragt sind, wenn Land und Leute Rat und Tat und Hilfe brauchen. Was ist das für ein Weltgebäude, was für ein Morschgemäuer, das seine Sanierung Schwachen und Bedürftigen aufhalst!

Wohlhabende überfahren Verhungernde. Sie preschen mit Vollgas in Armutsprozessionen, in Hungerdemonstrationen. Sie schubsen Verzweifelte ehrlich entrüstet, ethisch und moralisch gerüstet, Tod und Teufel in die Klauen. Kein Grund zum Anhalten, Nachdenken, Hinterfragen. Und sollten Fragen, sollten Schuldgefühle aufbrechen, dann schütteln die Engelmacher ihr tragbares Gewissen ab. Sie werfen sie armen Sündern auf die Schultern, in die Seele. Sie können es sich leisten. Sie sind reich, und wer reich ist, hat recht. Und wer es nicht hat, kauft es sich. Das Recht sitzt auf Seiten der Satten, der Kapitalkakerlaken. Das sehen die Armen genauso. Deshalb streben alle nach Reichtum. Das ist die Wahrheit. Wahrheit? Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit verwest in Bankschließfächern.





"Zur Rettung der Nation" © , publiziert: ~17. Oct 2008
geboren 1966 | Wohnhaft in Hamburg | Soziologe | zuletzt erschienen: Neues von der Heimatfront (Roman). Bench Press Publishing, 2008. Siehe auch www.myspace.com/leereimer - Noch zu haben: Nachtstühle - Erzählungen und Prosa

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