Anklage an den Süden

SuedenSüden, du Prahler, wo ist dein Licht, ich will meine Ansichtskartenfarben, nicht dein Hitzeflimmern, nicht das staubige Graugrün vor dem Verdorren, Süden, du Bilderbuch, du hast die Seiten deiner Landschaften verschlagen, du Aufschneider, ausgemergelt bist du, du kannst mich nicht mehr täuschen mit deinen Bougainvillea-Klecksen, in den schneeweißen Häusern schwitzt eine schwere Schwärze, die Palmwedel aus Bountypapier rascheln hart im Wind, Süden, du hast deine Strände zu streng frisiert, ich habe die Sandkörner gezählt, es waren zu wenige, wie nichts rannen sie mir durch die Finger, Süden, du hast dich verausgabt, nun sind deine Wanderdünen zu blond geworden, mit Farbgewittern hast du alles Bunte verjagt, du verschreckst das scheue Blau des Meeres mit deinen klebrigen Küsten, ach Süden, wie du einmal geduftet hast, Strandidyllnach Mandelblüten, nach Leichtigkeit, nach Nächten und naivem Mädchenlachen, nun treibt der Gestank von Pommes aus deinen Tavernas, Süden, nun erstickst du in Schwaden von Sprays, in den Ausdünstungen der tasty Burgers und der traurigen Touristenmenüs, du bist verloren im Mief der Milchshakes und Muffins, deine Straßen riechen nach Schweißfüßen, nach Menschenmassen-Aroma, nach dem adstringierenden Geruch des Geldes, Süden, du Angeber, du warst immer laut, aber Krach hast du nie gemacht, du hast friedlich gelärmt, gehupt, geschimpft, geschnattert, du hast deine eigene Musik gemacht, nicht die Bässe bis zum Anschlag aufgedreht, Süden, ich vermisse dich, ich suche nach deinen Sonnenuntergängen und finde nur Spektakel am Abendhimmel, Süden, du hast mich so sehr verlockt, gib mir deine Stimmung zurück, ich will nicht die aus dem Tetrapack, gib mir meine Sehnsüchte wieder, du hast sie einbehalten, Süden: Du bist mir noch etwas schuldig.

Daudieck

– seit 1952 als Mensch geführt durchlatsche ich so meine Existenz, ich denke öfter nach, weiß aber nicht, warum, später möchte ich im Altersheim mit bunten Bällen werfen, meine Freundin ist die Tastatur, sie ist geizig, will immer die schönen Sätze für sich behalten – manchmal falle ich einfach über sie her. Ich hab jetzt übrigens einen eigenen Blog, wo ich bisher der einzige Besucher bin – macht trotzdem irgendwie Spaß: deeplooker.com

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