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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Daudieck</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Bahnhofsbekanntschaften</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 12:30:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn ich zur Seite schaue, wird mein Blick erwidert. Ich bin gern zu zweit. Manchmal wird meine Einladung abgelehnt, dann bleibe ich allein. Heute Abend diese leere Bank auf dem Bahnsteig, eine einladend leere Bank. Im Sitzen warten, ihn erwarten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich zur Seite schaue, wird mein Blick erwidert. Ich bin gern zu zweit. Manchmal wird meine Einladung abgelehnt, dann bleibe ich allein. Heute Abend diese leere Bank auf dem Bahnsteig, eine einladend leere Bank. Im Sitzen warten, ihn erwarten. Ich wusste, dass er nicht widerstehen kann. Aber sein Tag war anders. Seine Begegnung mit der Frau war von rotem Blut. Sie heißt Liebmich, ein schöner Name, darüber sind wir uns einig. Rotes Blut. Mich stören die Geheimnisse, die er vor mir hat, sie machen mich traurig. Er könnte offener zu mir sein, niemand hört uns zu, er weiß es doch. Er hätte mir vorher sagen sollen, dass Liebmich da ist. Das verzeihe ich ihm nicht, nicht so leicht.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1880" title="Bahnhofsbekanntschaften " src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/04/bahnhof_2010-280x280.jpg" alt="Bahnhofsbekanntschaften " width="280" height="280" />Liebmich steht am Ende des Bahnsteigs vor dem schwarzen Loch, vor der Unterwelt. Die Unterwelt wird den Zug entlassen, er wird sich für Sekunden den Menschen öffnen und wieder entfliehen. Ein Zug muss vieles über sich ergehen lassen. Liebmich sei über die Rolltreppe gekommen, behauptet er. Ich glaube ihm nicht. Die Rolltreppe ist ganz in der Nähe, sie führt auf die Bank zu, auf der wir sitzen. Liebmich musste mich sehen, sie hätte bestimmt gelächelt, mir zugewinkt. Wahrscheinlich wäre sie gekommen und hätte sich neben mich auf seinen Platz gesetzt.</p>
<p>Das sind so seine Behauptungen. Er neigt dazu, sie verletzen mich, da wo die Gedanken in den Kopf eintauchen. Angeblich wäre Liebmich schon vorher dagewesen, sie hätte schon vorher hinten am Bahnsteig gestanden vor dem schwarzen Loch, aus dem der Zug hervorschnellt. Ich wäre ihr hinterhergelaufen, das behauptet er. Ich muss mich sammeln, ich werde ihm so lange mit meinem Schweigen zusetzen, bis er verschwindet. Man kann nicht ständig Leute um sich haben, jeder braucht seine Ruhe. Doch er bleibt. Genug ist genug, ich schreie ihn an.</p>
<p>&#8220;Ist mit Ihnen alles in Ordnung?&#8221;<br />
Vor mir steht ein Mann in Uniform.<br />
&#8220;Es ist nichts. Ich habe mich nur geärgert.&#8221;<br />
&#8220;Mensch ärgere dich nicht.&#8221; Der Mann in Uniform lacht, er beweist seinen Humor, er braucht keine Zeugen, er will mich aufheitern, das steht ihm nicht zu, dazu habe ich ihn nicht aufgefordert. Ich mag keine Anzüglichkeiten, man ist ihnen ausgesetzt, diesen Zubilligungen von Mitgefühl, Wärmekrümel, achtlos hingestreut wie Taubenfutter.<br />
&#8220;Wann kommt der Zug?&#8221;, frage ich.<br />
&#8220;Gleich.&#8221;</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1881" title="Bahnhofsbekanntschaften 2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/04/bahnhof_2010_hochkant.jpg" alt="Bahnhofsbekanntschaften 2" width="160" height="784" />Verlassen hat er mich. Nun vermisse ich ihn. Ich hätte ihn nicht anschreien dürfen, er ist empfindlich. Er lässt sich nicht mehr blicken, es kommt vor, dass er tagelang schmollt. Der Zug wird gleich einfahren. Wenn ich zu Liebmich will, dann wird es Zeit. Mein Weg führt dicht an dem Mann in Uniform vorbei, der Mann hat sein Gesicht verloren, er sucht es. Wenigstens kann er mir nicht mehr nachblicken und mir Glück wünschen. Ständig wünschen die Menschen anderen Menschen Glück. Als ob Glück wünschbar wäre. Dem Mann in Uniform ist alles zuzutrauen, ich beschleunige meine Schritte, ich lasse ihn unendlich weit hinter mir. Der Bahnsteig ist lang. Kurz vor dem Ziel werde ich überrascht, er springt hinter einer der mächtigen Säulen hervor, die das Bahnhofsgewölbe tragen. Er ist wieder da. Wir begrüßen uns nur kurz, man kennt sich. Ich flüstere ihm zu, dass ich das rote Blut sehen will. Er wendet er sich ab, er wirkt bekümmert.</p>
<p>Liebmich sieht blass aus neben dem schwarzen Loch, aus dem der Zug im nächsten Moment hervorschnellen wird. Kein rotes Blut. Sie streckt mir ihr Gesicht entgegen, ihr Sehnen, sie breitet ihre Arme weit aus. Seine Warnung ist unnötig, ich fühle, dass ich sie nicht umarmen darf, sie würde zu weinen anfangen, sie würde in mich hinein zerbrechen. Und dann steht er einfach daneben. Auch ich breite meine Arme aus. Wir beugen uns vor. Unsere Augen sind es, unsere Münder, sie treffen sich, zwei offene Münder, die sich aneinanderschmiegen, eine Zunge ertastet die andere, sie umschlingen sich im Speichelschaum. Liebmich schaut mir in die Augen, unsere Augen werden ein Sehen, unsere Blicke verschmelzen, ein einziger Lichtraum, in dem wir uns vereinigen.</p>
<p>Der Zug ist ein wütendes Ungeheuer, plötzlich steht es neben uns, es faucht, zischt, will uns überschlucken, uns fressen.<br />
&#8220;Einsteigen!&#8221; Vor mir steht der Mann in Uniform, er hat sein Gesicht wiedergefunden, es hat sich verbogen, es passt nicht mehr genau, es ist verkantet, gratige Risse am Kopfrand. Der Mann in Uniform verdeckt ihn, er lugt hinter ihm hervor und winkt mir aufmunternd zu. Ich soll mit Liebmich alleine wegfahren. Er bleibt auf dem Bahnsteig zurück, zusammen mit dem Mann in Uniform, hier, nachts in diesem Bahnhof tief unter der Erde.<br />
&#8220;Einsteigen!&#8221;<br />
Liebmich ist unentschlossen, sie zögert einen Augenblick zu lange. Ich packe sie, da entgleitet sie mir, ich fühle, wie sie noch im Sturz zerfällt, wie sie aufschlägt auf dem Schotter zwischen der Bahnsteigkante und den Gleisen. Der Mann in Uniform hat mich in den Zug gestoßen, ich stolpere hinein, erschrockene Blicke von Fahrgästen, die nichts verstehen. Die Fahrgäste verstehen nichts. Ein freier Platz neben einer dicken Frau, Körperkontakt, flüchtig, voneinander abrücken. Schlecht wie nie fühle ich mich, niemand ist mehr bei mir, ich kann nur ein Wort denken: Liebmich.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Hinterm Mond</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 06:52:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[phantastisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausschwärmen in den Deep Space / Die Stanislawlemminge ergießen sich / in den kelvinkalten Kosmos ....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ausschwärmen in den Deep Space<br />
Die Stanislawlemminge ergießen sich<br />
in den kelvinkalten Kosmos<br />
Verlassen der Wüstenplanet<br />
Sagans Sendboten und Lensmen<br />
hyperventilieren durch das Vakuum<br />
Die Quasare quellen aus dem Nichts<br />
Arisier aus Castrop-Rauxel jagen<br />
Eddorier vor dem Pferdekopfnebel<br />
beamen sich zu den weißen Zwergen<br />
Unter algorithmischen Zuckungen<br />
befackeln sie die dunkle Materie<br />
mit Laserstrahlen und Votivkerzen<br />
Die fiebernden Synapsen setzen<br />
Himmel und Hölle in Bewegung<br />
Apfelbäumchen pflanzen<br />
in den schwarzen Löchern</p>]]></content:encoded>
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		<title>Licht aus, Spot an</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 06:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Text]]></category>
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		<category><![CDATA[Licht]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir wollen es am späten Abend machen, wenn die Träume zwischen den Wänden um sich schlagen, wenn sie einbrechen in die Kabuffs zwischen den Ohren, wenn sie in den Innenwelten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Wir wollen es am späten Abend machen, wenn die Träume zwischen den Wänden um sich schlagen, wenn sie einbrechen in die Kabuffs zwischen den Ohren, wenn sie in den Innenwelten zwischen die Paravents mit den Fototapeten schleichen, tünchen, eilig retuschieren &#8212; dann haben wir Ruhe, dann, draußen vor dem Geheul der Illuminationen, lähmen wir die knallenden Peitschenlampen und sehen, wir knicken die Lichtstrahlen vor den Kinos, verschleudern die Displays, zürnen den Leuchtreklamen, bis sie ersterben, bis sich Millionen Glühbirnen aus den Gewinden schrauben und sich die Neonröhren ausfließen &#8212; dann sehen wir, wollen die Dunkelheit gewinnen, die Totalität der Schwärze. Wisset, ihr eklektisch funzelnden Lichtgestalten, die ihr aus den Koital-Steckdosen herausgezuckt seid und die ihr ungeerdet im Wechselstrom eurer elektrisierten Sehnsüchte Existenz halluziniert &#8212; wisset, dass ihr nur sehen könnt, wenn die Blicke nur noch suchen &#8212; wisset, ihr schwachbrüstigen Elektromagneten voller Hirngespinste, Heulanfälle und Hämorrhoiden, wisset dass ihr erst erkennt, wenn euch nichts mehr vor dem Nichts im Augenweg steht, kein Oszillieren, keine magmatischen Protuberanzen, kein Abglanz vor dem Horizont, wenn keine angeknipsten Halos mehr um eure kümmerlichen Kakerlaken-Kosmen wabern. Erst wenn sich im tiefsten Dunkel des göttlichen Schattens die Welle mit dem Korpuskel vereint &#8212; erst dann wird euch ein Licht aufgehen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Yankee-Sugar</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-280x280.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="280" height="280" />Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange, er ernährt sich fast ausschließlich von Cookies, die er aus Amerika einfliegen lässt: Brownies, Muffins, Bagles, Donuts. Sein absoluter Renner ist &#8220;Fluff&#8221;, eine homemade Marshmallow-Creme mit Cranberry-Geschmack von einer private Bakery aus Tallahassee. In Florida hat Sugar sein Eldorado gefunden, er jettet so oft wie möglich rüber, auch wenn er dort mit seinen 280 Pfund manchmal ins Schwitzen kommt.</p>
<p>Zwischen Boca Raton und Pompano liegt das Miccosucee Coconut Grove, sein Stamm-Hotel. Als der Rezeptionist Yankee-Sugar hereinstampfen sieht, verschwindet er sofort nach hinten, um die vorbestellten Schachteln zu holen, einen Stapel Nibble-Boxes mit Cookies der Firma &#8220;Leos Gourmandizer&#8221;, alle einzeln verpackt: ein Miss Chocoholic, ein Berry Berry Lady, ein Mrs. Crumbleberry, zwei Heidi On The Alm und zwei Sugardude.</p>
<p>&#8220;Too warm for the cookies&#8221;, grunzt Sugar statt einer Begrüßung. Der Rezeptionist heißt Solomon, er soll die Sachen gefälligst wieder in den Kühlschrank zurückpacken.<br />
&#8220;Back in the fridge?&#8221;<br />
&#8220;Yeah.&#8221;</p>
<p>Der Flug war anstrengend, das Essen ungenießbar, damn indischer Stuff mit Zitronengras. Sugar ordert bei Solomon &#8220;Pancake Special&#8221; mit echtem Ahornsirup, dazu ein Glas Fluff und Redbull. Für den Durst hat er sich ein eiskaltes Rootbier auf die Terrasse mitgenommen. Hier unter den Palmen sitzt es sich super-angenehm. Sugar streicht sich über seine Glatze, kaum Schweiß. Vor ihm der Highway, dahinter die Beach, auch richtig Traffic da und haufenweise hot Chicks. Sein Entschluss, nach Florida zu gehen, steht fest, es gibt keinen cooleren Platz auf der Welt.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-140x140.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="140" height="140" />Solomon kommt mit einem Berg Pancakes. Lecker, looks delicious &#8212; die Boys von der Hotelküche wissen, was er braucht. Nachdem Sugar alles weggeputzt hat, holt er den Kautabak aus der Hosentasche, natürlich Sweet Black Pig von Gawith Hoggarth, ein anderer kommt nicht in Frage. Das Rauchen hat er cancelled, nervt nur in den Staaten, aber Kauen mit Redbull kommt genauso gut, wenn nicht sogar besser. Gleich heute nach dem Lunch hat er ein Meeting, könnte tuff werden, das Syndikation-Business wird härter, mit dem Cookie-Tracking muss man sich immer mehr in Acht nehmen, doch wenigstens läuft es beim Keyword-Advertising, da ist noch viel Luft. Yankee-Sugar seufzt zufrieden&#8230; nicht ganz zufrieden &#8212; zu den Girls fehlt ihm noch das passende Add-on.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Pflanzzeit</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 06:00:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf den Pflanzenkarton neben ihm ist ein Schatten gefallen, länglich, konkret. Wo der Schatten endet, stößt sein Blick auf ein Frauenbein, auf einen bestrumpften Unterschenkel. Weiße Halbschuhe, fast ohne Absatz, mit roten Schnürsenkeln: Marietta.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bryonia_dioica_005.JPG"><img class="alignright size-full wp-image-1783" title="Bryonia dioica (Foto: H. Zell, GNU 1.2)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/bryonia_dioica.jpg" alt="Bryonia dioica (Foto: H. Zell, GNU 1.2)" width="140" height="556" /></a>So ein Tag. Der Geruch von Erde, schwer und betörend. Die Erde ist bereit, die Pflanzen aufzunehmen. Über ihm ein strahlend blauer Himmel. Er schaut hoch, genießt den Wind, das Licht, die Wärme des Frühsommers.</p>
<p>Auf den Pflanzenkarton neben ihm ist ein Schatten gefallen, länglich, konkret. Wo der Schatten endet, stößt sein Blick auf ein Frauenbein, auf einen bestrumpften Unterschenkel. Weiße Halbschuhe, fast ohne Absatz, mit roten Schnürsenkeln: Marietta.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sie fragt, was er macht. Er pflanzt, er möchte in Ruhe pflanzen, man kann es gar nicht übersehen. Sie fragt, was für ein Zeug das ist, in dem Pappkarton.</p>
<p>Sein Nacken verspannt sich. Da erscheint Mariettas zweites Bein, ihr weißes Kleid verdunkelt seinen Einkauf, für den er im Gartencenter zwei Stunden verbrachte. Er wählte aus, er verwarf, er entschied sich um, er ließ seiner Phantasie freien Lauf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Zeug im Karton&#8230; rotbeerige Zaunrüben, Rankpflanzen, vier kerngesunde Exemplare. Warum soll er es Marietta sagen? Warum? Es interessiert sie nicht. Nein, es interessiert sie nicht. Doch sie ist neugierig.</p>
<p>„Bryonia dioica.“</p>
<p>„Was?“ Marietta ist zusammengezuckt.</p>
<p>„Die rotbeerige Zaunrübe.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie groß ihre Augen sind, wunderschöne Augen. Jetzt schließen sie sich, Marietta hat ihren Kopf zurückgeworfen, sie schüttet ihr helles Lachen über ihm aus. Kontrollverlust, typisch.</p>
<p>„Rüben direkt an der Hauswand? Du wirst nie ein Bauer.“</p>
<p>„Die rotbeerige Zaunrübe ist eine Rankpflanze. Verdammt noch mal! Sie heißt nur so.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Marietta ist eine Nachbarin, redselig, nett, eine Nachbarin. Sie wohnt etwa einen Kilometer entfernt in einem kleinen Häuschen, wo alles bunt angemalt ist, selbst der Kühlschrank. In dieser einsamen Gegend besucht man sich manchmal. Er hat sie grob zu sich herangezogen, seine Hände umfassen ihren Hintern.</p>
<p>„Wie heißt sie noch, deine Rübe?“, will Marietta wissen.</p>
<p>„Das sind Strümpfe“, staunt er, „mit Strumpfhaltern.“</p>
<p>„Na und?“</p>
<p>„Nichts drunter.“</p>
<p>„Das hast du längst gefühlt mit deinen Patschhänden. Mach ja das Kleid nicht schmutzig!“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tihanyi_Kompoz%C3%ADci%C3%B3s_v%C3%A1zlat.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1782" title="Compositional Sketch by Lajos Tihanyi (1885–1938)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/compositional_sketch_by_tihanyi.jpg" alt="Compositional Sketch by Lajos Tihanyi (1885–1938)" width="280" height="371" /></a>Er hebt sie mit einem Ruck hoch. Marietta macht sich an seiner Hose zu schaffen.</p>
<p>„Die Bryonia dioica”, keucht er, „ist außerdem eine gefährliche Giftpflanze.“</p>
<p>„Ach so.“ Marietta ist beschäftigt, die Hose rutscht schon herunter.</p>
<p>„Aber die Sumpfmeisen fressen ihre Beeren sehr gern, da sind sie ganz scharf drauf.“</p>
<p>„Sumpfmeisen?“</p>
<p>„Die rotbeerige Zaunrübe vermehrt sich eingeschlechtlich, männlich oder weiblich.“</p>
<p>„Mein Gott, wie langweilig.“ Sie lächelt, sie gibt ihm einen Kuss. „Du bist ein Idiot.“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Ringer beim Pulloverkauf</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 23:01:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Ringer beim Pulloverkauf beobachtet auf dem Weg ins Kaufhaus diese Vorfälle: Als eine Giraffe in der Straßenbahn stolpert, richtet sich der vierbeinige Gregorio Scarta, seines Zeichens kriminalistischer Schäferhund, auf und...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tzara_by_Tihanyi.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1779" title="Image PD - based Portrait of Tristan Tzara by Lajos Tihanyi (1885–1938)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/tzara_by_tihanyi-280x280.jpg" alt="Image PD - based Portrait of Tristan Tzara by Lajos Tihanyi (1885–1938)" width="280" height="280" /></a>Der Ringer beim Pulloverkauf beobachtet auf dem Weg ins Kaufhaus diese Vorfälle: Als eine Giraffe in der Straßenbahn stolpert, richtet sich der vierbeinige Gregorio Scarta, seines Zeichens kriminalistischer Schäferhund, auf und wird kurzweilig zum Zweibeiner, der beim Fahrkartenkontrolleur einen Bourbon ordert und vom ihm bekommt, bevor er das gefleckte Savannen-Fluchttier befragt, warum es sich seinem Wesen unentsprechend geduckt in einem überdachten öffentlichen Verkehrsmittel aufhält – die Giraffe jedoch pocht statt zu antworten mit ihrem linken Vorderhuf auf einen Eisblock mitten im Durchgang der Straßenbahn, in dem ein tiefgekühlter Mittelstürmer erstarrt verharrt, ohne im Besitz eines gültigen Fahrausweises zu sein, woraufhin der dem Fahrkartenpflichtgesetz verpflichtete Fahrkartenkontrolleur mit seinem metallenen Kleingeldabzählkasten auf den tiefgekühlten Mittelstürmer einschlägt – allerdings bleibt der Schlag auf den Schädel physikalisch bedingt wirkungslos und lässt den Mittelstürmer durch die Reflexionen des Eismantels hindurch zu einer Schönheit werden. An der nächsten Haltestelle klärt Straßenbahnrevisor Chico Pipa, der dem Schäferhund Gregorio Scarta seine vergessenen Socken bringen will, die angespannte Situation auf, er ruft seinen Chef Carlo Manzoni an, der verfügt, dass die Giraffe ab sofort zu Fuß gehen muss und dass der Mittelstürmer nach dem Auftauen den doppelten Fahrpreis zu entrichten hat.</p>]]></content:encoded>
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		<title>An der Nordseeküste</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 06:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das wilde Meer, die Nordsee, sie hatte sich meinen Blicken entzogen. Nicht einmal den Horizont vermochte ich auszumachen im Zwielicht dieses Tages. Auch keine Sonne, nur Schlieren von Glanz auf dem Watt, ein irisierender Glanz, der in die Augen biss, darüber Dunst, gleißend hell, grenzenlos.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1680" title="Nordsee Wattenmeer" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/nordsee2.jpg" alt="Nordsee Wattenmeer" width="190" height="724" />Im vorigen Frühjahr schleppte ich mich spätabends mit einem Schnappmesser im Bizeps durch die Bronx, glatter Durchstich, aber der Abbruch meines Urlaubs. Nachdem die Wunde ausgeheilt war, wuchs die Verlockung umso mehr. Über Weihnachten sog ich statt Spekulatiusduft den Verwesungsgeruch in Kalkutta ein, es war am Morgen der Heiligen Nacht, als ich dem Leichenkarren durch den Morgennebel folgte, der sich vom Ganges her ausgebreitet hatte. Die Männer arbeiteten sich routiniert Straße für Straße vor, bis der Wagen vollgeladen war und vereinzelt bläuliche Arme und Beine von der Ladekante herabhingen.</p>
<p>Wieder zu Hause, während der Nachbehandlung des Brechdurchfalls, feilte ich fieberselig an meinem nächsten Urlaubsziel: Sommerfrische in Cuxhaven. Mein Nachbar, ein Zinnkrüge-Sammler von Rang, hatte sich über die Vorzüge des Nordseebades an der Elbmündung so eindrucksvoll ausgelassen, dass ich diesen Ort unbedingt besuchen musste.</p>
<p>Der Sommer kam. Meine Erwartungen schienen sich zu erfüllen, denn schon am Ankunftstag durfte ich bei einem Spaziergang wohlig unter dem Hammerschlag der tidenabhängigen Tristesse erschaudern. Mit wachsender Begeisterung gab ich mich der Betrachtung des Gästehauses Pape hin, wo ich mich für die kommenden Tage eingemietet hatte. Das Gebäude gab seine Funktion unübersehbar preis, durch den Schriftzug ‘Gästehaus Pape’. Als Vorhut der Rezeption wachte ein grüner Müllcontainer auf Rollen neben dem Eingang, mit dem die Geschäftsleitung das Fassungsvermögen ihrer sauberen Absichten demonstrierte. Ich hatte einen Volltreffer gelandet, herrlich, das Gästehaus Pape war fraglos ein Kleinod baulicher Enthaltsamkeit, flächendeckend umgeben von grauem Betonstein-Pflaster, das die Betreiber von der Notwendigkeit enthob, einen Garten anzulegen, mit Widrigkeiten wie Unkräutern und ausufernden Rasenkanten, mit all dem Wildwuchs, den die Natur hervorbringt.</p>
<p>Das Gästehaus Pape erregte meine Phantasie, es übte eine faszinierende Ausstrahlung auf mich aus. Ich überlegte – ja, hier wurde dem Gast schon von außen verdeutlicht, dass der Zweck die Mittel heiligt, dass er hier sein Haupt zur Nachtruhe betten sollte, dass Ausschweifungen, etwa sich bis in die Morgenstunden hinein zu verlustieren, strafende Blicke der Bedienung beim Frühstück nach sich ziehen würden. In meiner Vorfreude näherte ich mich immer mehr dem Eingang, doch dann riss ich mich zusammen und ging auf das Meer zu.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1679" title="Nordsee Wattenmeer" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/nordsee1.jpg" alt="Nordsee Wattenmeer" width="190" height="724" />Das wilde Meer, die Nordsee, sie hatte sich meinen Blicken entzogen. Nicht einmal den Horizont vermochte ich auszumachen im Zwielicht dieses Tages. Auch keine Sonne, nur Schlieren von Glanz auf dem Watt, ein irisierender Glanz, der in die Augen biss, darüber Dunst, gleißend hell, grenzenlos. Da lag es das Watt, dieser Grenzhort maritimen Lebens aus Sand und Schlick, mit Prielen und Abflüssen, mit tückischen Schwemmsänden, die gelegentlich Menschen, sogar ganze Kaltblüter in ihren Schlund hinabzogen, mit Unmengen von Lachen, in denen es wimmelte vor Würmern und Krebstierchen. Für einen Moment erstarrte ich – welch ein Gedanke, dass die See endgültig zurückweichen könnte, die Flut ausbleiben, der Mond hinter der Erdkugel verharren könnte, entgegen allen Gesetzen der Physik.</p>
<p>Ich suchte, bis ich auf etwas Konkretes stieß, zuerst auf die Buhnen, hunderte von Metern ins Watt hineingebaut, um das Meer zu bezähmen, an den Spitzen bevölkert von Erholungssuchenden, die sich dem Zauber der lautlos auflaufenden Wassermassen überließen, dem Kribbeln von Gefahr, dem Gefühl, eine Urgewalt zu erleben, sich ihr sogar bis über die Sohlen der Badelatschen auszusetzen.</p>
<p>Fast unaufhaltsam zog es mich zur Trinkkurhalle am Ende des asphaltierten Gehweges auf dem Deich. Die Trinkkurhalle sollte zum Höhepunkt meines Trips werden, ich wurde nicht enttäuscht. Hier saßen alte Menschen, die sich am Meerestiefenwasser labten, an diesem sagenhaften Lebenselixier, sie tranken es schweigend, geradezu andächtig. Zuerst hatte ich den Eindruck, eine etwas verstaubte Gaststätte zu betreten, aber dann, als ich vor meinem Glas Meerestiefenwasser saß, veränderte sich dieser Eindruck langsam – ich kam mir vor wie in einer Kapelle, ich spürte Werden und Vergehen. Hier war es wieder, das Ende, mein bevorzugtes Reiseziel. Der Blick hinaus auf das Meer, nun konnte ich es sehen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Kraftmeier</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Oct 2011 09:59:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[enden]]></category>
		<category><![CDATA[Kampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher hat er alles gestemmt, sein Wesen nahm ein, gab wenig ab / Er nahm die Weltwunder mit und ließ sie wieder fallen, Kraftmeier der Absauger, der Allesfresser, nahm sich die Frauen aus den Pralinenschachteln, Nougat, Krokant, Pfirsich-Melba ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kraftmeier ist eine Wunde, sein Leben Narbenbildung<br />
Er schwärt, er heilt nicht ab, jeden Morgen bricht die Wunde wieder auf, der Aufbruch in den Tag eitert, Kraftmeier weiß wer sein wildes Fleisch will. Da züngelt sie, die Warteschlange mit dem tödlichen Biss, Kraftmeier steht nie an, meidet Rücken vor sich, meidet Vorrücken, diesen einen Schritt vor den anderen, <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Santa_Monica_Theater.jpg?uselang=de"><img class="alignright size-full wp-image-1677" title="Kinokasse" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/cinema_box_office.jpg" alt="Kinokasse" width="190" height="280" /></a>den letzten bis zur Abendkasse, die nur noch schlechte Karten hat<br />
Früher hat er alles gestemmt, sein Wesen nahm ein, gab wenig ab<br />
Er nahm die Weltwunder mit und ließ sie wieder fallen, Kraftmeier der Absauger, der Allesfresser, nahm sich die Frauen aus den Pralinenschachteln, Nougat, Krokant, Pfirsich-Melba<br />
Kurz waren die Wege von den Blowjobcentern in die Muschibuden wo seine Steckenpferde durch die Nacht galoppierten<br />
Trari, trara, der Benz ist da, Kraftmeier hat immer ganz durchgetreten, hat den linken Ellenbogen locker aufgelegt und mit zwei Fingern gesteuert, abgefahrene Zeiten, Kraftmeier hat die Zeiten abgefahren, hat immer aufs Tempo gedrückt<br />
Er blickt in den Spiegel mit dem Riss, sieht die Pflaster, die Gaze die Mullbinden, Kraftmeier wird sich das letzte Drama ansehen<br />
Die Vorstellung ist ausverkauft, aber vielleicht bekommt er seine Karte an der Abendkasse.</p>]]></content:encoded>
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		<title>freier imbiss</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 15:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[dreck]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[krakauerwendend übt der wurstmaxe / heimlich den hüftschwung / brät prall bedärmtes kross / bedient bauernlümmel mit bier / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1614" title="Pommes + Burger" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/freier_imbiss-280x280.jpg" alt="Pommes + Burger" width="210" height="210" />krakauerwendend übt der wurstmaxe<br />
heimlich den hüftschwung<br />
brät prall bedärmtes kross<br />
bedient bauernlümmel mit bier<br />
mit thüringern auf pappe<br />
mit toastbrot schneeweiß<br />
ein yuppie will mehr curry<br />
ein fettabscheider will salat<br />
ein junkie mehr senf zur bulette<br />
wirft wütend seinen heißen kaffee<br />
gegen den ostwind</p>
<p><img class="size-medium wp-image-1614 alignleft" title="Pommes + Burger" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/freier_imbiss-280x280.jpg" alt="Pommes + Burger" width="210" height="210" />die stadt versiegt in den straßen<br />
im land des hechelns<br />
verdämmert der tag zu restlicht<br />
lockt die nacht hinter vorhänge<br />
rattenscharfe konditoren zuckern schon<br />
die tortenheber trauen sich<br />
komasäufer kleckern in den rinnstein<br />
ein kleiner hund geht zu schnell<br />
kotelettfresser spähen nach kokotten<br />
am langen arm der schaltknüppel<br />
verhungert die liebe</p>]]></content:encoded>
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		<title>Socken für Dimitrij</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 04:06:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Auftragskiller]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Socken]]></category>
		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>

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		<description><![CDATA[„Im Winter beschwert ihr Männer euch, dass keine da sind. Du hast es erledigt, Dimitrij?“ „Ja.“
„Schwierigkeiten?“
„Es war ein Geistlicher... in einer schwarzen Soutane.“
„Das wusstest du vorher.“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Du stopfst immer noch Socken, Tante Mila&#8230; keine Frau stopft heute noch Socken.“<br />
„Ich habe sie selbst gestrickt.“ Die alte Miljena blickte zu ihrem Neffen auf, dann wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu. „Im Winter beschwert ihr Männer euch, dass keine da sind. Du hast es erledigt, Dimitrij?“<br />
„Ja.“<br />
„Schwierigkeiten?“<br />
„Es war ein Geistlicher&#8230; in einer schwarzen Soutane.“<img class="alignright size-full wp-image-1521" title="Socken strickende Dame" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/socken_stricken_knitting_socks_for_soldiers_solo.jpg" alt="Socken strickende Dame" width="121" height="259" /><br />
„Das wusstest du vorher.“ Tante Mila’s Ton wurde streng. Sie konzentrierte sich darauf, einen neuen Faden durch das Nadelöhr zu schieben. „Wir töten, Dimitrij, zwei Familien leben vom Töten. Das Geschäft läuft gut, wir haben mehr als genug Aufträge. Ein Geistlicher, und wenn schon – ein greiser Pfaffe, dem Tode nahe.“ Sie seufzte. „Warum bloß hat Gott mir keinen Sohn geschenkt?“</p>
<p>„Es war so einfach“, sagte Dimitrij leise. „er saß auf einem Stein direkt vor der Steilküste, er schaute aufs Meer.“<br />
„Wo?“<br />
„Bei Nizza.“<br />
„Ja, die Welt ist groß&#8230; viele fremde Orte, weit weg. Es soll schön sein am Mittelmeer. Du hast ihn runtergestoßen.“<br />
„Er überschlug sich in der Luft – der Mann sah mich noch an.“</p>
<p>„Ja, darum musstest du dich wieder betrinken!“, schrie die alte Miljena. „Musstest durch die Straßen torkeln, so laut vor dich hin brabbeln, dass es jeder hören konnte! Bis hierher nach Kirgisien konnte man es hören.“<br />
„Wer hat mich beschattet, Tante Mila?“ Der Schock saß tief, es dauerte, bis er sich wieder im Griff hatte. „Eine Viertelmillion Dollar, ist doch nicht zu verachten&#8230; oder?“</p>
<p>Tante Mila machte bedächtig ihr Nähkästchen auf. Dimitrij erkannte sofort das Klicken ihrer kleinen Pistole.</p>]]></content:encoded>
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