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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Helmut Schida</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Nur Kopien</title>
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		<pubDate>Sun, 31 May 2009 22:23:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Schida</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<description><![CDATA[Er folgt mir bis ins Terrassencafé in der 5. Ebene des Museums, ganz hinten bei den Impressionisten, deutet auf den Stuhl mir gegenüber, wartet mein Zeichen der Zustimmung gar nicht ab und setzt sich. Erst jetzt fallen mir seine schräg übers rechte Auge gezogene Mütze und der dunkle, am Kragen und an den Ärmeln leicht abgenützte Wintermantel auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1103" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px">
<div style="text-align: auto;"><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/06/helmut_schida_25_kirche-von-auvers-van-gogh.jpg"><img class="size-full wp-image-1103 " title="Helmut Schida: Die Kirche von Auvers" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/06/helmut_schida_25_kirche-von-auvers-van-gogh.jpg" alt="Die Kirche von Auvers" width="500" height="593" /></a></div>
<p><p class="wp-caption-text">Die Kirche von Auvers<br />(Helmut Schida, Wien, Juni 2007, Replik nach van Gogh)</p></div></p>
<p>Er folgt mir bis ins Terrassencafé in der 5. Ebene des Museums, ganz hinten bei den Impressionisten, deutet auf den Stuhl mir gegenüber, wartet mein Zeichen der Zustimmung gar nicht ab und setzt sich. Erst jetzt fallen mir seine schräg übers rechte Auge gezogene Mütze und der dunkle, am Kragen und an den Ärmeln leicht abgenützte Wintermantel auf. Ich hab den Kerl schon einmal gesehen! War’s oben am Montmartre? Bevor ich mir ganz sicher sein kann, beginnt er auch schon mit seiner Geschichte.</p>
<p>Sie kennen sich in der Malerei aus. So etwas sehe ich auf den ersten Blick. Ihnen ist die falsche Kirche von Auvers beim Eingang sofort aufgefallen. Sie ist heuer wesentlich kleiner als die Jahre vorher. Stimmt’s? Und wissen Sie, woher das kommt? Sie haben eine andere Kopie aufgehängt.</p>
<p>Sie haben sich darüber auch schon so Ihre Gedanken gemacht. Stimmt’s?</p>
<p>Er sagt zu oft „stimmt’s“, fällt mir auf. Die Kellnerin kommt vorbei. Ich bestelle einen Café au lait. Auch mein Gegenüber nickt der Kleinen zu. Als die beiden Tassen auf dem Tischchen stehen, erzählt der Typ weiter.</p>
<p>Also, kaum eines der wirklich teuren Bilder hängt hier noch im Original. Sind alles Kopien, gut gemacht, aber eben nur Kopien. Sie haben kurz nach dem Anschlag auf die Mona Lisa damit begonnen. Ganz Paris ist seit Jahrhunderten durch ein immenses unterirdisches Geflecht an Gängen, Höhlen und Sälen in mehreren Ebenen unterminiert. Aber darin ist Paris ja nicht allein auf der Welt. Stimmt’s?</p>
<p>Der Louvre und das Musée d’Orsay haben ein ganz besonderes Leben unter Tage. Gegen die anderen Gänge komplett abgeschottet, lässt es sich unter den beiden Museen direkt schöner leben als hier oben bei der Unmenge von ahnungslosen Idioten.</p>
<p>Tief unter uns sitzen – auch jetzt, in diesem Moment - etliche Malergenies, die gerade Monet, Dégas, van Gogh und Kollegen in mühevoller Kleinarbeit kopieren. Rund 80 Prozent aller Ausstellungsstücke sind auf diese Weise in den letzten Jahren schon dupliziert worden. Und einmal im Monat werden nachts etliche Bilder gegen die zuletzt im Keller – wie ich den Untergrund nenne - angefertigten Kopien ausgetauscht. Sie werden sich fragen, wo denn dann die Original bleiben. Stimmt’s?</p>
<p>Lange Zeit waren die Amis die Bestbieter, aber im Moment sind die Oligarchen die eindeutigen Marktführer.</p>
<p>Aber es wird langsam Zeit für mich. Danke für den Kaffee.<br />
Er steht auf, nickt mir zu und im Vorbeigehen flüstert er mir ins Ohr: Ich muss wieder hinunter, um an den Sonnenblumen weiter zu arbeiten. Ist eine harte aber schöne Arbeit. Stimmt’s?</p>
<div id="attachment_1105" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/06/helmut_schida_63_sternennacht-van-gogh.jpg"><img class="size-full wp-image-1105" title="Helmut Schida: Sternennacht" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/06/helmut_schida_63_sternennacht-van-gogh.jpg" alt="Sternennacht" width="500" height="404" /></a><p class="wp-caption-text">Sternennacht<br />(Helmut Schida, Wien, März 2008, Replik nach van Gogh)</p></div>]]></content:encoded>
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		<title>Die Taschenuhr</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 22:28:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Schida</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[erinnern]]></category>
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		<category><![CDATA[tod]]></category>
		<category><![CDATA[vater]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie hat viele Jahre meinem Vater gehört
Er ist längst tot
und ich weine ihm keine Träne nach
Er war ein harter Hund]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich vor der Maschine sitze<br />
und meine Zeilen in sie hineinhämmere<br />
dann mach ich zwischendurch<br />
kleinere oder auch mal größere Pausen</p>
<p>Und dann schaue ich auf die kleine<br />
silberne Taschenuhr<br />
die neben dem Papierstapel auf dem Schreibtisch liegt</p>
<p>Sie hat viele Jahre meinem Vater gehört<br />
Er ist längst tot<br />
und ich weine ihm keine Träne nach<br />
Er war ein harter Hund<br />
und irgendwie schiebe ich ihm die Schuld<br />
für mein eigenes verkorkstes Leben zu</p>
<p>Er hat mich nie geliebt<br />
hat stets für Aufruhr und Unruhe gesorgt<br />
und mit mir oder meiner Mutter herumgebrüllt<br />
Auch den Riemen ließ er ab und zu<br />
auf mich niedersausen</p>
<p>Er war das Arschloch<br />
das meine Entwicklung um mindestens<br />
ein Jahrzehnt gehemmt<br />
und nachhaltig gebremst hat</p>
<p>Und jetzt liegt er schon längst bei den Würmern<br />
falls überhaupt noch etwas von ihm übrig ist<br />
und seine Taschenuhr zeigt mir täglich<br />
mehrmals die genaue Zeit<br />
Und jeden Morgen<br />
wenn ich sie aufziehe<br />
erregt mich ihr glattes kühles Metall<br />
und ihr schlankes zeitloses Aussehen</p>
<p>Ich finde, das ist mehr<br />
als man von einer Uhr verlangen kann</p>
<p>(2001)</p>]]></content:encoded>
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