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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; H.G.Rodenbaum</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Weltfeiertag der Ratten</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Mar 2003 21:03:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>H.G.Rodenbaum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[enden]]></category>
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		<description><![CDATA["Ich habe mir solche Mühe gegeben, mir fast einen abgebrochen zwischen Neandertaler und Cro-Magnon. Großes Hirn, Intelligenz, Bewusstsein. Und was ist draus geworden?" ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie haben sich überall zum Tanzen und Feiern versammelt, die Haus- und Kanalratten, die Feld- und Wasserratten, Wüstenratten und Bisamratten und all die Ratten ohne Namen. Ihr Freudengepfeife ertönt in den U-Bahnen und Abwasserkanälen von New York und London, Washington und Bagdad, Paris und Berlin. Sie pfeifen ihren Sieg von den Minaretten und Kirchtürmen, strömen aus Synagogen und Tempeln. Kein Land ohne Ratten, kein Land ohne Fest.</p>
<p>&#8220;Wir haben gewonnen!&#8221; ruft der Rattenführer.</p>
<p>&#8220;Endlich ist es so weit. Das Ungeziefer, das uns zu vernichten drohte, hat sich als der schlimmste Parasit erwiesen. Und als so dumm, dass es uns die Weltherrschaft nicht mehr streitig machen kann.&#8221;</p>
<p>Jubel aus dem Rattenvolk lässt aus Millionen Kehlen die Welt kurz erbeben. Der Rattenführer fährt fort: &#8220;Sie sind so dumm und unterentwickelt. Sie schlachten sich gegenseitig. Dabei sind sie uns zahlenmäßig längst unterlegen!&#8221; Er wird von einem kleinen Wesen am Pelz gezupft und beugt sich nieder, um der fast unhörbaren Stimme zu lauschen.</p>
<p>Es ist der König der Kakerlaken, die auf ihren Weltfeiertag nicht mehr lange zu warten haben.</p>
<p>&#8220;Lasst uns mit euch jubeln &#8211; bald ist die Fremdherrschaft beendet! Und wenn sie sich so abschlachten wie immer in ihren Kriegen, dann brechen wieder fette Tage für unser Volk an! Wir vermehren uns, wir fressen ihr Getreide und ihre gebunkerten Vorräte. Wir fressen ihre Uniformen und knabbern an ihrem Aas. Wir fressen den Staub, zu dem sie zerfallen werden! Die Welt ist unser! Sieg der wahren Krone der Schöpfung! Endlich hat sich gezeigt, dass es der Mensch nicht sein kann!&#8221;</p>
<p>Mr. God und Mr. Devil, die in einer unentdeckten Galaxie heimlich eine Partie Merde spielen, pulen sich im Ohr, um den seltsamen Erdlärm loszuwerden.</p>
<p>&#8220;Ich hätte das nie gedacht,&#8221; murmelt Mr. God in seinen viel zu langen Bart.</p>
<p>&#8220;Was hättste nich gedacht?&#8221; fragt Mr. Devil und kratzt sich zwischen den Hörnern.</p>
<p>&#8220;Na, als ich Adam und Eva ein Gehirn gab, dass sich entwickeln konnte&#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Hähähä,&#8221; lacht Mr. Devil und schwenkt eine versilberte Schädelhälfte, dass der Wein darin schwappt, &#8220;etwa so wie der hier?&#8221;</p>
<p>Mr. God nimmt seine Schädelhälfte und trinkt mit Mr. Devil auf die Gesundheit. Er fragt: &#8220;Wer war denn deiner?&#8221;</p>
<p>&#8220;Das sind die Überreste von Dabbeljuh, musst ich gar nicht viel rauskratzen!&#8221; meint Mr. Devil.</p>
<p>&#8220;Du, das ist köstlich, genau wie bei meinem, Saddam hieß der und war genauso hohl!&#8221; antwortet Mr. God.</p>
<p>Nachdenklich hält er inne und murmelt: &#8220;Ich habe mir solche Mühe gegeben, mir fast einen abgebrochen zwischen Neandertaler und Cro-Magnon. Großes Hirn, Intelligenz, Bewusstsein. Und was ist draus geworden?&#8221;</p>
<p>&#8220;Niedliche Trinkschalen!&#8221; keckert Mr. Devil.</p>
<p>&#8220;Was ist schiefgelaufen?&#8221; fragt verzweifelt Mr. God.</p>
<p>&#8220;Na, hättste damals nich so tief in die Weinschale geschaut mit mir, weisste noch? Damals hastes eingebaut!&#8221;</p>
<p>Mr. God versteht nicht.</p>
<p>Sein Spielpartner wird genauer: &#8220;Den Irrtum, mein Lieber, und das Bescheissen. Hättste nich Merde gespielt und gesoffen, sondern gleich Ruhe gehalten beim Schöpfen und nich erst am siebten Tag! Ich hatte dich ja gewarnt.&#8221;</p>
<p>Mr. God fasst sich an die Stirn, streicht Mr. Devil über den Arm und flüstert: &#8220;Kannst du mir noch einmal verzeihen, dass ich dich aus dem Himmel stürzte, aus Neid, weil du Ratten und Kakerlaken besser hingekriegt hast?&#8221;</p>
<p>Mr. Devil lacht lauthals und schlägt Mr. God auf die Schulter. Er sagt: &#8220;Kumpel, nimm&#8217;s nicht so schwer, die nächste Schöpfung überlassen wir unseren Großmüttern. Und wir trinken derweil einen.&#8221;</p>
<p>Der himmlische Klang, mit dem die beiden mit ihren Schädelhälften anstoßen, führt bei einer großen Anzahl von Ungeziefer der Menschenart zu Tinnitus. Ungerührt senden Mr. God und Mr. Devil eine Grußadresse an Ratten und Kakerlaken und spielen mit Inbrunst weiter Merde*.</p>
<p><small>* Merde = Scheisse, französisches Idiotenpoker,<br />
bei dem es darauf ankommt, zu betrügen.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Von der Kunst, das Glück zu beglücken</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jul 2001 21:06:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>H.G.Rodenbaum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
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		<description><![CDATA[Denn ich habe mein Glück gefunden. Ich habe den Schlüssel zum Glück gefunden! Jeder wird verstehen, dass ich hier die wichtigsten dreizehn Weisheiten meiner Glückssuche teilen und verschenken will]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich war 45 und spürte eine tiefe Traurigkeit in mir. Meine Frau hatte ihren Lebenstraum verwirklicht und levitierte trotz ihrer überflüssigen Pfunde mit Leuchteaugen über den Bettvorlegern dahin. Mein eigenes Glück war farblos und schal geworden, irgendwann gestorben in Überstunden ohne Klimaanlage, in den Hotels und Konferenzsälen fremder Städte. Ich spürte, dass es so nicht weiterging. Mein Sohn hatte mich eines schönen Wochenendes nicht mehr erkannt: &#8220;Mama, ist das der Mann, der immer zu uns kam, als ich noch klein war?&#8221; Mein Gartengrill hasste mich und blies mir dicken Rauch ins Gesicht, der Kühlschrank bekam ein eigenartiges Brummgeräusch. Blind meiner Umwelt gegenüber war ich nicht, ich konnte ganz genau erkennen, dass die Gartenzwerge im Vorgarten neuerdings hämisch grinsten und selbst die Mülltonne mir nur ihre abweisende Seite zeigte.</p>
<p>&#8220;Junge,&#8221; meinte grinsend mein älterer Kumpel, &#8220;Junge, du musst dein Glück wiederfinden, musst zu dir selbst kommen. Wann hast du denn mal richtig gelebt?!&#8221;</p>
<p>Recht hatte er. Ich hatte den Rasen gemäht, während meine Frau mit den Gartenzwergen kokettierte. Ich hatte den Kühlschrank repariert, als mein Sohn fragte, ob wir in die Eisdiele gehen könnten. Ich hatte die Fenster gestrichen, als die Sonne perfekt für ein gemütliches Barbecue stand. Und ich hatte für all das Geld verdient und herbei geschafft, jahraus, jahrein. Während meine Frau nur mit dem Kind spielte, den Kühlschrank leer fraß und ihren Lebenstraum mit der von mir bezahlten Muse entwickelte. Das Leben ist ungerecht. Für einen erfolgreichen Mann in höherer Position ist es grausam. Reicht einem mit der rechten Hand den Vorstandsposten und zieht einem mit der linken das Glück weg.</p>
<p>Wie es sich für einen Mann in meiner Position und meinem Alter gehört, verließ ich Frau, Kind und Haus und zog aus, das Glück zu suchen. Mein Leben sollte ein grundlegend anderes werden. Ich las buddhistische Bestseller, ging ins Zenkloster, vernaschte vier Zwanzigjährige, fuhr 240 auf der Autobahn, fing Bisamratten im kanadischen Winter, schwieg monatelang mit einem indischen Guru, hängte meine Seele an ein Bungee-Seil, schlief unter Pariser Brücken, soff und kiffte, schamanisierte und schattenboxte, trainierte Selbstfindung und Selbstentäußerung. Ich war in Männer- und Frauengruppen, spielte Transvestit und half in Kindergärten als Kasperle aus. Heute kann ich jedem Mann in meiner Lage dieses 13-Monats-Programm wärmstens empfehlen.</p>
<p>Denn ich habe mein Glück gefunden. Ich habe den Schlüssel zum Glück gefunden! Jeder wird verstehen, dass ich hier die wichtigsten dreizehn Weisheiten meiner Glückssuche teilen und verschenken will: </p>
<ul>
<li>Wenn dein Kühlschrank brummt, höre ihm zu. Er hat dir etwas Wichtiges zu sagen.</li>
<li>Sei nicht eifersüchtig, wenn deine Frau mit Gartenzwergen kokettiert, die unter 1,75 m messen.</li>
<li>Egal, wessen Unterhosen du trägst, du kannst deinen eigenen Fürzen nicht entkommen.</li>
<li>Wenn dein Sohn dich nicht mehr erkennt, überprüfe, ob er überhaupt dein eigener ist.</li>
<li>Bungeespringen lohnt sich nur, wenn man nachher auch unter der Brücke aufgegriffen wird.</li>
<li>Mit 240 km/h auf der Autobahn sprengst du keine Fesseln, solange du in der Geschäftlimousine sitzt.</li>
<li>Schau öfter in den Spiegel deiner Seele &#8211; Du stehst deinem Glück selbst im Wege und stichst es mit Nadelstreifen.</li>
<li>Die effektivste Methode, vom Kopf- zum Bauchmenschen zu werden, ist ein Harakiri-Kurs.</li>
<li>Du willst weicher werden? Hör auf, Fenster zu streichen. Mäh die Gänseblümchen nicht ab.</li>
<li>Du liebst deine Frau nicht mehr? Das ist normal. Schau dich doch bloß mal an!</li>
<li>Du suchst das verlorene Paradies, das Prickeln von früher? Stell den Zeitzünder rückwärts ein.</li>
<li>Du suchst Liebe und Glück? Verschenk beides.</li>
<li>Du willst endlich wieder glücklich sein? Beglück dein Glück. Sei nett zu ihm, schenk ihm die vollen Seiten deines Terminkalenders. Denn das Glück ist eine Frau. Fordernd und flüchtig.</li>
</ul>
<p>Herzlichst, Ihr Hans-Günter Rodenbaum, leitender Direktor und Vorstandsmitglied bei der Auspower AG.</p>]]></content:encoded>
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