Autor: Hartmut Malorny

Friedhof / Foto © M.Schober

Dressed to kill

Angefangen bei den Füßen mit den
rotlackierten Nägeln, die in bizarren
blauen Sandalen stecken.
Die Beine bis zu den Oberschenkeln
nackt und in einer Form wie am
zweiten Tag von Gott gemacht.

Muay Thai

Der Boxring war der Mittelpunkt einer überdachten Halle, ringsherum hatte man Tresen und Tische drapiert, an denen Nutten bedienten und Bier, Schnaps und sich selbst verkauften, während die Touristen zum Kurzweil auf die Boxer wetteten. Obwohl in Thailand beides verboten ist, nämlich die Prostitution und das Glücksspiel, florierte es prächtig. Darum baute der Veranstalter jeden Abend eine kleine Sensation ein, nach dem Motto, Thais gegen den Rest der Welt, und mal war es ein grimmiger Russe, ein überheblicher Amerikaner, ein knorriger Australier oder ein weltfremder Europäer.

Hartmuth Malorny: Rooms

Hotel America

„Es sind Kinder, quadratisch und rund zugleich. Besser gesagt: voluminös. Sie haben Plastikeimer dabei, sie füllen sie schichtweise mit Toast, Würstchen, Marmelade und Rührei. Die Mutter bittet einen Kellner um Traghilfe. Bevor sie alle meinen Tisch erreichen, bin ich weg. 10 Uhr, die Bar öffnet. Ich brauche meinen Arm nur auf den Tresen zu legen, damit der Kellner das dämliche Armband erkennt, dann mixt er mir einen Gin-Tonic. All-inclusive. Wer das bucht, braucht Potenzial, ob in Leber, Leib oder Seele.“

Hartmuth Malorny: Rooms

Rooms

Hartmuth Malorny: Rooms (Foto)

my name is murderkid (Foto: H.Malorny)

Leonardo

Leonardo bewegte sich nicht, er stand da und war vom Relief der alten Steinmauer kaum zu unterscheiden. Warten war sein Job. Er blieb nicht lange in einer Stadt. Niemand kannte ihn, weil niemand genau sagen konnte wer er war. Seine Hände rochen permanent nach Desinfektionsmittel, sie waren feingliedrig und weiß und lang. Der Rest seines Körpers glich einer Schlange, er fiel nirgends auf, weil nichts auffälliges an ihm war.

Quim Monzó, Barcelona und die London-Bar.

Die alten Peso-Taxifahrer sind gewieft und wirken entspannt. Seit Einführung des Euros, seit Billigflieger Billigtouristen in die katalanische Hauptstadt bringen, und weil das Zubrot nicht mehr mit einem utopischen Währungskurs zu machen ist, fahren sie das Ziel kreisförmig an, d.h. sie umkreisen es zuerst weitläufig. La Rambla ist die am häufigsten genannte Destination, ca. 25 Euro vom Flughafen El Prat entfernt.

Träume brauchen keinen Stoff

Ein dreiviertel Jahr vor seinem Tod traf ich Herbert Huncke im New Yorker Chelsea Hotel, dort, wo sich schon Sid Vicious mit H. die Kante gab. Er war nicht nur Muse der Beat-Generation, er hatte W.S. Burroughs 1945 an die Nadel gebracht.

Als Trinker unterwegs

„Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat.“

Weihnachten in einer WG

„Nach Streichholzziehen und Knobeln und lauten Diskussionen bewaffnete ich mich mit einem Schlachtermesser und begegnete dem Fisch da unten im Keller, in der Kinderbadewanne.“