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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Malorny</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Als Trinker unterwegs</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2005 19:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat. Ein Trinker, dem nicht alles egal ist und der etwas auf sich hält, hat dauernd Angst. Auch wenn er cool ist.</p>
<p>Ein Trinker hat entweder genug Geld in der Tasche, viele Freunde, oder eine &#8211; möglichst zwei &#8211; Kreditkarten. Neben der EC-Karte, die er ja per se bei sich führt, weil sie einem sowieso geklaut wird. Vorausgesetzt, er ist ein richtiger Trinker. Falsche Säufer haben Glück. Mehr als Kinder. Die fallen aus dem sechsten Stock eines Hochhauses und landen in einem Buchsbaum. Unverletzt. Die werden nicht vom Bus überrollt, dass die Knochen krachen, die werden lediglich zur Seite geschubst. Die stehen auf bevor der Notarzt eintrifft, schütteln ihr Sakko und gehen weiter wie jemand, der sich eine Fliege aus dem Gesicht wischt. Aber die Angst sich zu blamieren bleibt. Es könnte ja sein, dass man am nächsten Tag gefragt wird, was man so getrieben hat. Ein positives Zeichen, wenn jemand fragt, denn es bedeutet, er weiß es selbst nicht.</p>
<p>Ab wann muss man zurückfragen, ab wann kann man die eigenen Löcher mit Phantasie füllen? Tja, die Angst des Trinkers. Solange man alleine unterwegs ist, kann man anderen eine Menge erzählen, aber wenn man mit zwei ebenbürtigen Säufern raus geht, bleiben dreimal soviel Gehirnzellen übrig, die einem das Geschehen rekapitulieren.</p>
<p>Ich war mit zwei Trinkern unterwegs. Fatal. Schicksalsgeschwängert, wie man so schön sagt. Der eine hatte etwas mit Literatur zu tun. Der andere auch. Ausgangsposition: Dortmund, Rock Cafe. Was das mit Literatur zu tun haben sollte, wusste ich nicht. Rock und Literatur. Fragezeichen. Als ich reinkam, wusste ich nicht, was der Laden mit mir zu tun hatte. Ausrufezeichen.</p>
<p>Aber keine Sorge, ich bekam ein Bier, wurde sogar nach einem großen oder kleinen gefragt. Durch den Spiegel hinterm Tresen konnte ich die Gäste betrachten, und wenn sich die Bedienung hinterm Zapfhahn bückte, ob sie einen BH trug.</p>
<p>Sie trug einen BH. Definitiv. Das machte die Sache nicht gerade leichter. Die beiden Literaturtypen, nennen wir sie ruhig Thomas und Michael, schätzten mich von der Seite ab und mutmaßten, wieviel Bier ich in meinen Bauch kriegen würde. Dummerweise stand mein Ruf, den ich noch aus vergangenen Jahren in die Gegenwart gerettet hatte, schlechter dar als mir das Alter und die Umstände gestatteten. Wäre noch erwähnenswert, dass die beiden Literaturtrinker &#8211; jeder für sich &#8211; gut ein Dutzend Jahre jünger waren.</p>
<p>Ihr wisst ja, wie das so läuft: einer gibt das Trinktempo vor, die anderen ziehen mit. Ohne es klar auszusprechen, findet eine &#8220;Kampfhandlung&#8221; statt, wenngleich auf sportlicher Basis. Trinken ist Volkssport Nummer Eins, erst dahinter kommen Fußball, Tennis, Boxen und so weiter. Als erfahrener Sportler fängt man im kleinen Bieranzug an, und versucht der Letzte zu sein, der zuerst auf Toilette geht. Damit beweist man eine durchtrainierte Blase. Wichtig ist, sich wie ehemals Mohammed Ali, während der Rundenpausen nicht zu setzen, bzw. das erste Dutzend Gläser Bier stehend zu sich zu nehmen. Anfangs steht man freihändig, das Glas in der Hand oder die Hände in den Hosentaschen. Später lehnt man sich leicht gegen den Tresen, seitlich, so mit den Schultern, und es muss aussehen, als würde man gelangweilt auf den Bus warten.</p>
<p>Das Thema Literatur handelten wir während der ersten 10 Gläser Bier ab. Warm up. Suche nach der nötigen Gelassenheit. Kontrolle der Mimik im Barspiegel. Verbale Lockerungsübungen.</p>
<p>Dann der erste Schnaps. Nachschub aus dem Zigarettenautomaten. Die Bedienung leerte den Aschenbecher, hatte aber vergessen den BH auszuziehen. Macht nichts. Phase Numero Zwo. Man gefällt sich mit der nötigen Promillezahl, Schulterklopfen, Anerkennung über dies und das, und beste Gelegenheit über zukünftige Projekte zu sprechen.</p>
<p>Klar, uns kam nichts besseres in den Sinn, als der Menschheit eine Art Kaschemmenführer präsentieren zu wollen, obschon die Branche, gleich neben Kochbüchern, von Reiseführern überschwemmt wird. Doch Thomas und Michael hatten den Ruf von reisewütigen Beobachtern weg &#8211; Paris, 36 Kneipen in 5 Stunden. Zum Beispiel.</p>
<p>Ich dagegen besuchte alle paar Monate die Kneipe an der Ecke, blieb bis zum Zapfenstreich und torkelte anschließend über die Straße zur Haustür. Es gab selten etwas darüber zu berichten, weil selten was passierte. Es sei denn, ich stieß aus Versehen ein Bierglas um. Allerdings ist das meiner Beherrschung zu verdanken, denn früher war alles anders. Erst mit 30 hatte ich den Dreh raus, und konditionell befand sich meine Leber in der Lage 3,5 bis 4 Promille Alkohol zu verarbeiten, ohne dass ich gleich die Bedienung vergewaltigen wollte. Damals hielten sich Genuss, Exzess und Erinnerungsvermögen die Waage.</p>
<p>Noch ein Bier? Einen Absacker? Wir schließen gleich.</p>
<p>Schöne Worte von der Frau mit BH unterm T-Shirt. Mittlerweile saßen wir vor dem Tresen, Thomas und ich leicht angelehnt, Michael in der Mitte, sozusagen freischwebend und wegen der lauten Musik und dem Umstand, dass wir eine Unterhaltung führten. Wir saßen im Dreieck. Wir redeten übers Goldene Dreieck, übers Reisen, und weil Träume aufgekommen waren, die erst durch die Phantasie des Alkohols beflügelt werden. Dementsprechend lautete unser nächstes Ziel: Thai-Pub, Westenhellweg.</p>
<p>Folge einem Trinker nur, wenn du ihn nicht aus den Augen verlierst. Halte einen oder zwei Schritte Abstand, so kann er nicht sehen ob du schon torkelst. Bleib im Gespräch, damit er sich nicht umdreht und sieht, wie du torkelst. Schließe hin und wieder auf, klopfe ihm auf die Schulter und bleibe wieder zurück. Aber mache keine Gewaltmärsche &#8211; den Westenhellweg hoch und runter ist genug. Nehme für längere Strecken ein Taxi.</p>
<p>Phase Numero Drei. Auf der Spitze des Besoffenseins. Wäre man vernünftig, würde man zwischendurch ein Wasser trinken. Das verringert den Kater am nächsten Morgen. Eventuell weniger rauchen. Das lindert den Kopfschmerz.</p>
<p>Aber nein, der Laden war nett und in bläuliches Schummerlicht getaucht. Ein freier Platz am Tresen, und die Frauen wirkten schöner, als sie vor Stunden reingekommen waren. Typische Trinker-Fatamorgana. Die dritte Phase beleuchtet den Schluss, dem man wie im Kino, nach 80 Minuten, entgegenfiebert. Happyend? Horror?</p>
<p>Thomas und Michael zogen ihrer Register. Und zwar komplett. Schnaps und Longdrinks. Mai-Tai. Ich ging zur Toilette und erwartete, dass mir, wie Michael schon geschehen, jemand an den Schwanz packt. Blick in den Spiegel. Ich war allein. Wasser ins Gesicht, aufatmen und wieder raus zur letzten Runde.</p>
<p>Wenn man betrunken aus der Toilette kommt, hat man das Gefühl von allen Augen beobachtet zu werden. Wer da nicht ein bisschen schauspielern kann, ist verloren. Man glaubt es zumindest. Also Tür auf, Augen geradeaus und schnurstracks zum Tresen, zu den Mitstreitern. Gott sei Dank wirkt der Alkohol bei jedem &#8211; mal eher, mal früher. Thomas kriegte nicht mal mit, dass ich auf Toilette war, Michael wiederholte eine Frage, die er mir in meiner Abwesenheit gestellt haben musste. Mai-Tai lächelte. Eine Milchschokoladenschönheit stand auf dem Podest und übte sich im Mitsingen eines thailändischen Schlagers. Karaoke. Zumindest asiatisch. Etwas fern der Heimat. Dann der Gong, als jemand reinkam und berichtete, dass es draußen mittlerweile hell sei.</p>
<p>Uhrenvergleich. Die zwölfte Runde.</p>
<p>Ich konnte nur hoffen, dass es auf ein Unentschieden hinauslaufen würde, dann bestellte Michael ein Taxi aus Witten, guter Kumpel, wie er sagte, und ich überlegte, ob ich auch so ein Kumpel gewesen wäre, und wir traten in die Lichtung des Morgens, die unsere Augen blendete, und wir warteten.</p>
<p>Zaghaft zeigte sich ein Stück der Sonne. Wir standen da zu dritt, Hände in den Hosentaschen, mit wippendem Oberkörper, wir gingen einen Schritt vor und zurück, um das Gleichgewicht auszupendeln, nahmen anschließend die Hände zur Hilfe sobald wir etwas sagten.</p>
<p>Ein Taxi brauste heran. Im Begriff schon einzusteigen stutzten wir, als uns ein zweiter Wagen mit quietschenden Reifen fast über den Haufen fuhr. Aha. Der Kumpel aus Witten. Thomas und Michael grinsten, zwei Literaturfreaks, denen ich auf den Leim gegangen war, die mich runtergesoffen hatten und mir nun zeigten, wie man sich ohne Blamage aus der Affäre ziehen kann.</p>
<p>Wie gesagt, als Trinker hat man immer Angst sich zu blamieren. Ich tat es erst, nachdem ich mit dem Autoschlüssel versuchte die Haustür zu öffnen. Genauer, ich blamierte mich, indem ich sämtliche Nachbarn aus dem Bett schellte und im Flur offenbarte, der Weltuntergang würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.</p>
<p>Wenigstens hatte ich nichts auf die Schnauze bekommen. Soweit ich mich erinnern kann.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Als der GEZ-Mann dreimal klingelte</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2005 19:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Ding Dong. Ich wohnte in der ersten Etage und öffnete, weil ich dachte, es wäre eine Nutte die bevorzugt Hausbesuche macht."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Wirklichkeit klingelte er nur ein Mal. Ding Dong. Ich wohnte in der ersten Etage und öffnete, weil ich dachte, es wäre eine Nutte die bevorzugt Hausbesuche macht. Schon durch den Spion betrachtet, erschien mir die Person nicht wie eine hübsche langbeinige Nutte, zumal ich keinen Stöckelschlag auf den Stufen gehört hatte und meine Freundin im Begriff war sich auszuziehen.</p>
<p>Dummerweise war ich selbst bereits so leicht bekleidet, wie man eine Nutte auf Hausbesuch erwartet. Ich öffnete etwas entnervt, mein Ding verlor die Hälfte seines Volumens.</p>
<p>&#8220;Guten Tag, ich bin vom WDR&#8221;, dabei zeigte er einen Ausweis, den er, noch bevor ich ihn richtig begutachten konnte, wieder dezent in der Jackentasche verschwinden ließ. Natürlich, wie sich gleich darauf herausstellte, war der Typ nicht vom WDR. Er arbeitete im Auftrag des WDRs und wollte wissen, ob ich Radio- oder Fernsehgeräte besaß. Was ich verneinte.<br />
&#8220;Wir haben konkrete Hinweise, dass sie Rundfunk- und Fernsehempfänger betreiben.&#8221;</p>
<p>Er sprach dezent leise. Vermutlich einer von der besseren Sorte, dachte ich. Oder alleinstehend und ohne große Ansprüche.<br />
&#8220;Guter Mann&#8221;, begann ich, und hatte eigentlich keine Lust weit auszuholen und hätte lieber die Tür zugeknallt und mich meiner abklingenden Erektion gewidmet, &#8220;nun mal keine falschen Beschuldigungen, wir sind hier nicht in Simbabwe.&#8221;<br />
Die Wohnzimmertür stand offen. Von drinnen hörte man die charakteristischen Dialoge einer Daily-Soup. Aus dem laufenden Fernseher.<br />
Nach zwei Sekunden sagte der Typ: &#8220;Sollen wir anmelden?&#8221;<br />
&#8220;Wenn ich dann den Pulitzerpreis kriege?&#8221;</p>
<p>Was einem in solchen Fällen klar sein sollte: Die GEZ, sprich Gebühreneinzugszentrale der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands, beschäftigt keinen Außendienst. Die sind viel zu schlau, um sich selbst in die Nesseln zu setzen, sie heuern Freiberufler an, arme Selbständige, die von Provisionen leben müssen. Manche leben nicht schlecht, das sind eben jene, die über ein Repertoire an Phantasie verfügen.<br />
Zuerst würden sie gerne Einlass in die Wohnung bekommen. Aber das dürfen sie nach ihrem Status genauso wenig wie ein Zeitschriftenwerber.<br />
&#8220;Und, was höre ich da? Sind das nicht die Geräusche aus einem Fernseher?&#8221;<br />
&#8220;Nee, das ist meine Freundin, die macht nach was sie vorhin, in ihrem eigenen angemeldeten Fernseher gehört hat. Sie will gleich gefickt werden. Keine große Sache.&#8221;<br />
&#8220;Darf ich mich davon überzeugen?&#8221;, fragte der GEZ-Scherge.<br />
&#8220;Wie ich meine Freundin ficke???&#8221;<br />
Es hat sich längst rumgesprochen, dass man weder Drücker noch GEZ-Schergen in die Wohnung lassen muss. Erstere kriegen meisten einen Fußtritt, zweitere werden noch höflich behandelt, obwohl bei beiden, rechtlich gesehen, kein Unterschied besteht. Die GEZ ist ein Teil der Öffentlich-Rechtlichen, und die sind keine Behörde. Einen Fernseher oder ein Radio nicht anzumelden entspricht einer Ordnungswidrigkeit. Wie falsch Parken.<br />
&#8220;Ich könnte die Nachbarn fragen, ob die gehört haben, ob Sie einen Fernseher besitzen&#8221;, sagte der Kopfgeldjäger.<br />
&#8220;Ich dachte, Sie hätten einen konkreten Verdacht?&#8221;<br />
&#8220;Also, es ist doch offensichtlich, machen wir das Formular. Ansonsten drohen bis zu 1000 Euro Strafe.&#8221;<br />
Er hatte das Antragsformular und den Kugelschreiber längst in der Hand.<br />
&#8220;Ich habe nichts&#8221;, murmelte ich, was gleichzeitig bedeuten konnte, ich sage nichts.<br />
&#8220;Dann müssen wir ein Ermittlungsverfahren einleiten.&#8221;</p>
<p>Ermittlungsverfahren, dachte ich, Heilige Scheiße, der Typ spinnt. Was ich ihm auch leicht abgeschwächt sagte. Mir war ebenfalls klar, dass die GEZ Adressen vom Einwohnermeldeamt kriegte und in der freien Wirtschaft, besonders bei Zeitschriftenverlagen, Adressen kaufte. Usus in der BRD. Nur zwei oder drei ostdeutsche Bundesländer, die berechtigte Angst vor einem findigen und im Datenschutz gewieften Kläger hatten, der selbst das Verfassungsgericht nicht scheuen würde, enthielten sich dieser Praxis.</p>
<p>Tja, der arme Mann, der lediglich Geld verdienen wollte, merkte, dass sein Argument eines sogenannten Ermittlungsverfahrens kläglich scheiterte. Mir war bewusst, wie die GEZ arbeitete: Das Haus in Köln-Bocklemünd beherbergt gut 800 Angestellte, hauptsächlich Frauen. Sie sitzen an weißen Schreibtischen die auf grünen Teppichböden stehen und lesen Briefe. Ca. 50 000 am Tag. Und verschicken noch mehr. Das komplette Forcieren der Sache fällt diesen Frauen zu: Adressen werden aus Datenbänken abgeglichen, werden von Fremdfirmen gekauft und vor allem wird jeder Umzug, jede An-und Abmeldung des Einwohnermeldeamtes registriert. Notorische Gebührensparer, wie ich es einer bin, bombardiert man insgesamt drei Mal: Die Erstaufforderung, nach 8 Wochen eine Erinnerung, dann, weitere 8 Wochen später, noch eine. Dann ist erst mal Schluss. Zumindest schriftlich. Jetzt muss man sich nur noch vor den rund 1000 Freiberuflern in Acht nehmen.<br />
Gebühreneinzugsbeauftragte bedienen sich der Angst und Einschüchterung, und selbst das Gerücht einer möglichen Hausdurchsuchung macht hartnäckig seine Runde.</p>
<p>&#8220;Sie müssen damit rechnen, dass wir ihnen einen Peilwagen vor die Tür setzen.&#8221;<br />
&#8220;Na ja,&#8221;, sagte ich, &#8220;solange der nicht im Halteverbot steht &#8230;&#8221;</p>
<p>Ich knallte ihm die Tür vor der Nase zu und betrachtete im Spion, wie er sekundenlang blieb wo er stand und etwas notierte. Vielleicht appellierte er an meine Angst, dass ich den Fernseher, die Musikanlage und das kleine Radio in der Küche demnächst verstecken oder verkaufen müsste, um nichts dergleichen in der Wohnung zu haben und meiner Freundin sagen, sie dürfe diese Geräte nicht mehr einschalten. Wegen dem Peilwagen.</p>
<p>Dumm ist nur, dass die GEZ gar keine Peilwagen besitzt. Was das Straßenbild an Transportern mit Antennen auf den Dächern hergibt, sind die Peilwagen der Telekom, und die sind allein im Auftrag IHRER Firma unterwegs, um elektromagnetische Störfelder aufzuspüren.</p>
<p>&#8220;Wer war denn das?&#8221;, fragte meine Freundin.<br />
&#8220;Ach, so ein Kerl der Zeitschriften verkaufen wollte.&#8221;<br />
&#8220;Du bist mir einer&#8221;, sagte sie, &#8220;ich hätte den Typen sofort vor die Tür gesetzt. Du mit deiner Freundlichkeit.&#8221;</p>]]></content:encoded>
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		<title>Weihnachten in einer WG</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Dec 2001 19:08:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Nach Streichholzziehen und Knobeln und lauten Diskussionen bewaffnete ich mich mit einem Schlachtermesser und begegnete dem Fisch da unten im Keller, in der Kinderbadewanne."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_595" class="wp-caption alignright" style="width: 110px"><img class="size-full wp-image-595" title="hartmuth_ingolf_malorny" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/hartmuth_ingolf_malorny.gif" alt="Malorny" width="100" height="145" /><p class="wp-caption-text">Malorny</p></div>
<p>Wir bewohnten damals ein baufälliges Einfamilienhaus in einer baufälligen Gegend, und da die Bagger auch zum Ende des Jahres nicht anrückten, luden wir einen Bekannten zum traditionellen Weihnachtsabend ein. Mein Bruder und seine Verlobte, und ich und meine Verlobte, hatten einen Karpfen (blau) in der Röhre, und als der Bekannte endlich an die Tür klopfte, war die Hälfte der Geschichte bereits vorbei. Während unsere Verlobten noch die Rezepte studierten, tranken wir den Wein aus der Korbflasche, der für die Sauce vorgesehen war.</p>
<p> </p>
<p>Nach Streichholzziehen und Knobeln und lauten Diskussionen bewaffnete ich mich mit einem Schlachtermesser und begegnete dem Fisch da unten im Keller, in der Kinderbadewanne, und wie alle Beteiligten später bemerkten, eignete ich mich nicht zum Killer, und das Resultat war entsprechend. Wir schoben den Leichnam ohne Kopf und Schwanz in den Ofen, und die gefährlich aussehenden Stellen retuschierte meine Verlobte dezent mit einem Bund Petersilie.</p>
<p>Zuerst wollte mein Bruder den Karpfen mit dem Luftgewehr füsilieren, doch da sagte SEINE Verlobte: &#8220;Stop, so geht das nicht.&#8221;</p>
<p>Wie gesagt, als unser Besuch an die Tür klopfte, war das Massaker beendet und wir empfingen ihn mit glänzenden Augen, die uns der Wein aus der Korbflasche beschert hatte.</p>
<p>Nach dem Essen wurde es noch lustig.</p>
<p>Da wir den Frauen den Einkauf überlassen hatten, fehlte uns für die obligatorische Feuerzangenbowle der brennbare 54%ige Rum, und so stöberte mein Bruder im Keller eine Flasche Methylalkohol auf, und auch den Hinweis des Bekannten, der meinte, von Methylalkohol könne man blind werden, ignorierten wir gelassen, denn das was wir sahen bestand aus zwei Dauerverlobten und einem baufälligen Haus. Den Höhepunkt des Abends bildete dann auch die bläulich zur Decke zischende Flamme, die sich (unerklärlicherweise) in die vergilbte Wohnzimmergardine fraß, doch da war schon der Bekannte mit der feuerfesten Form zur Stelle, in der sich &#8211; neben Fischgräten &#8211; noch gut ein Liter Fischsud befand, welcher sich hervorragend zur Löschung anbot.</p>
<p>Anschließend tranken wir die kalte Bowle in der Küche. Dummerweise hatte unser Kumpel so eine Art Gewissensbisse, und nachdem er bemerkt hatte dass sich die Situation zuspitzte, verschwand er. Mein Bruder und ich tranken ohne Gewissensbisse die Bowle, den restlichen Wein und das Bier aus.</p>
<p>Irgendwann zwischen 6-7 Uhr morgens warf mir die Verlobte meines Bruders schräge Blicke zu, aber es war ja nicht meine Verlobte, und so tranken wir noch die drei Flaschen Sekt leer, die wir nach langer Suche in der Abstellkammer fanden. Dafür war es dann MEINE Verlobte, die mich sturzbetrunken aus der Küche in die Abstellkammer verfrachtete, und ich merkte es erst, als mein Bruder am späten Nachmittag in eben dieser Kammer nach Sekt, Wein oder Bier suchte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Sex kann göttlich sein</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Feb 2001 19:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<category><![CDATA[sex]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier wird mich bestimmt keiner so schnell finden, in diesem schäbigen 8 qm-Zimmer, weit weg vom Irgendwo, nah genug am Nirgendwo. Es kommt mir vor wie das Nirwana, ein Teufelsplatz für die Abtrünnigen, für das Strandgut der europäischen Kultur, die sich etablierte Absteigen nicht leisten können oder wollen, in das ich aus bestimmten Gründen, hineingestoßen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier wird mich bestimmt keiner so schnell finden, in diesem schäbigen 8 qm-Zimmer, weit weg vom Irgendwo, nah genug am Nirgendwo.<br />
Es kommt mir vor wie das Nirwana, ein Teufelsplatz für die Abtrünnigen, für das Strandgut der europäischen Kultur, die sich etablierte Absteigen nicht leisten können oder wollen, in das ich aus bestimmten Gründen, hineingestoßen wurde. Hier wohne ich Wand an Wand mit einem neuzeitlichen Jesus Christus, einem Touristen aus Texas, und schräg gegenüber haust eine Nutte aus New Jersey.</p>
<p>Seit ich sie vor zwei Stunden das erste Mal gesehen habe, bemühe ich mich verzweifelt, ihre Aufmerksamkeit zu erregen.</p>
<p>Ich drehe mein Transistorradio auf, klappere mit der Tür, indem ich alle 15 Minuten auf Klo im Flur gehe, und führe interessante Selbstgespräche. Der Jesus-Freak ballert von rechts seine Bibel gegen die Wand, und von links macht sich der Tourist entsprechend bemerkbar.</p>
<p>Schräg gegenüber bleibt es ruhig.</p>
<p>Nach mehreren Dosen Bier erinnere ich mich an den Grund meines Daseins, und daß ich hier bin, um mich vor denen dort, die mein Geld und meine Seele wollen, zu verstecken.</p>
<p>Am nächsten Morgen finde ich 2 Zettel an der Tür.</p>
<p>Auf dem einen steht:<br />
&#8220;Jesus liebt dich.&#8221;</p>
<p>Und auf dem anderen:<br />
&#8220;Jessica liebt dich für 70 Dollar.&#8221;</p>]]></content:encoded>
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