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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Managerin_05</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Leben:</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 11:30:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er hat alles versucht. Hat bleiben versucht und weglaufen, lieben und hassen, war gleichgültig und engagiert, albern und ernst, hat es sich leicht gemacht und schwer, hat sich geärgert und gefreut. War zufrieden und hat sich nicht zufrieden gegeben. Er hat gekämpft, immer wieder -und gelebt. Und das Leben für wertlos befunden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat alles versucht. Hat bleiben versucht und weglaufen, lieben und hassen, war gleichgültig und engagiert, albern und ernst, hat es sich leicht gemacht und schwer, hat sich geärgert und gefreut. War zufrieden und hat sich nicht zufrieden gegeben. Er hat gekämpft, immer wieder -und gelebt. Und das Leben für wertlos befunden.</p>
<p>Er ist müde und enttäuscht. Es kostet zu viel und bringt zu wenig. Es hat keinen Grund und macht keinen Sinn. Die pure Existenz ist ihm zu wenig, aber mehr scheint er nicht vorzufinden, egal, wohin er geht, egal, was er auch macht, egal, wen er trifft. Es ist mal besser und mal schlechter, aber grundsätzlich scheint es sinnlos.</p>
<p>Anhäufen von Aktionen, aneinander reihen von Beziehungen, reden über Dinge - immer und immer wieder. Wozu, wenn es doch zu nichts führt?</p>
<p>Er ist kein Märtyrer, das Schicksal der Menschen im Allgemeinen ist ihm egal. Nur das seiner Brüder nicht, seiner Freunde, Menschen, die ihn lieben und nie fallen ließen. Grimmig lebt er für sie weiter. Sie sind der Grund, sie, und der Himmel und das Meer. Auf alles andere würde er gern verzichten.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Menschlich.</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 11:22:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieses Mal wollte er beides und er nahm es sich. Er fuhr, gab nach, konsumierte, sog auf, verschlang gierig und hinterließ einen Haufen Dinge, die durcheinander und chaotisch vor ihm lagen. Völlig verkatert vom Adrenalin und doch stocknüchtern sah er sich das Chaos an und bereute.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Er verzettelte sich. Wieder und wieder. Und wusste nicht, wie er es ändern oder gar verhindern könnte. Immer wieder geriet er in die gleichen Situationen. <span> </span>Es war wie immer, fiel ihm quasi in den Schoß. Er wollte es eigentlich nicht. Als er mit ihr telefonierte ahnte er, dass es nicht bei einer harmlosen Begegnung bleiben würde und er haderte mit sich. Sollte er fahren und sich der Gefahr einer Affäre hingeben und gleichzeitig der süßen Versuchung, der Aufregung, der neuen Zärtlichkeit? Der neue Horizont, der die Sonne anders auf- und untergehen lässt, der die Farben schriller macht, Geräusche lauter, Gefühle intensiver, Gedanken wirr und frisch, so wie früher, in seiner Jugend. Das war so verlockend, so unglaublich unwiderstehlich, dass er im Grunde schon wusste, dass er es tun würde.</p>
<p class="MsoNormal">Seine vernünftige Seite schalt ihn schlecht. Er zog den Kopf ein, versteckte sich vor ihm – dem schlechten Gewissen. Er wollte nichts davon hören, aber diese Stimme war laut. Sie schrie ihre Bedenken in sein Gehirn und er wagte es fast nicht, sie laut auszusprechen, aus Angst, sie könnte sich als etwas erheben und Gestalt annehmen. Er ließ sich gut zureden, von ihr. Der schönen Unbekannten, am anderen Ende der Welt – so kam es ihm vor. Fast exotisch und doch nicht fremd, lang ersehnt, heiß erträumt, ungeduldig erwartet. Jetzt, in greifbare Nähe gerückt, nur noch mystischer, geheimnisvoll, fremd und doch vertraut.</p>
<p class="MsoNormal">Seine Gedanken rasten, schoben alle Bedenken beiseite. So lange musste er entbehren, musste sich zurücknehmen in der Blüte seines Lebens, mittendrin im Mann sein. Hier und jetzt wollte er es, wollte nicht aufgrund der Vernunft seinen Lebensdrang, seine Gier unterdrücken müssen. Ihm waren schon so lange die Hände gebunden und er lief in seinem Leben auf und ab, rastlos, unzufrieden, hungrig und doch voll bis obenhin mit Ablenkung und Einerlei und Einöde. Er hasste dieses Gefühl, wollte es nie. Er hatte gekämpft – um beides: Freiheit und Sicherheit. Aber beides auf einmal<span>  </span>schien ihm nie zu gelingen, eines musste immer seinen Platz räumen. Er hasste es. Er strampelte sich dafür ab – und scheiterte doch immer wieder und wieder.</p>
<p class="MsoNormal">Dieses Mal wollte er beides und er nahm es sich. Er fuhr, gab nach, konsumierte, sog auf, verschlang gierig und hinterließ einen Haufen Dinge, die durcheinander und chaotisch vor ihm lagen. Völlig verkatert vom Adrenalin und doch stocknüchtern sah er sich das Chaos an und bereute. Und er fuhr zurück in sein ödes Leben, das ihm nichts mehr versprach außer Alltag und Stagnation. Und er dachte und dachte und dachte. Und fand doch keine Lösung. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihm das Gleiche wieder passieren würde. Es gab kein Entkommen und keine Lösung war in Sicht. Es würde auch nichts von allein passieren, das ihm die Entscheidung abnehmen würde. Er wusste aber auch nicht, was er tun konnte, um diesem Irrsinn ein Ende zu machen. Es passierte einfach immer wieder und jeder noch so gute Vorsatz scheiterte bereits im Ansatz. Er ließ es geschehen und er würde es wieder tun. Vielleicht war das sein Leben, vielleicht auch nur ein Irrtum. Was auch immer es war: er würde sich nie sicher sein und es immer wieder geschehen lassen, wahrscheinlich für immer. Mit dieser seinen Gewissheit könnte er vor den Traualtar treten, ihr ewige Treue schwören und es wäre eine Allianz fürs Leben. Und die einzige Konstante, die er jemals haben würde.</p>
<p class="MsoNormal">Seine kühnen Jungenträume von einst wurden zu einer Ahnung. Er ahnte, dass Zeit kein Wert ist, auf den er Einfluss haben würde. Das machte ihn traurig und lähmte ihn. Er ahnte die Sinnlosigkeit seines Lebens – eines jeden Lebens. Und konnte doch nichts dagegen tun.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Nur einen Augenblick in diesem Chaos.</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jan 2008 11:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Habe gerade mal die Sitze abgesaugt, als mich jemand nach dem Weg nach da und da fragt. Ich muss mich entscheiden: entweder ich bin nett und erkläre diesem Menschen den Weg nach da und da, dann sind aber sicherlich die 50 Cent weg, die ich da reingeschmissen habe...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>War letztens an der Tankstelle. Schmeiße den Staubsauger an und beeile mich, um in den lächerlichen 5 Minuten was zu schaffen. Habe gerade mal die Sitze abgesaugt, als mich jemand nach dem Weg nach da und da fragt. Ich muss mich entscheiden: entweder ich bin nett und erkläre diesem Menschen den Weg nach da und da, dann sind aber sicherlich die 50 Cent weg, die ich da reingeschmissen habe und ich habe gerade mal die Sitze geschafft. Und wer bezahlt mir das? Ich mein, das ist 1 Mark. Darf man nicht vergessen.</p>
<p>Na gut, ich bin großzügig und erkläre ihm den Weg nach da und da, höre im Hintergrund das Saugergeräusch und bin nervös, lasse mir aber nichts anmerken.</p>
<p>Endlich, Mensch ist weg und schade, Zeit ist um und „klöter“, 50 Cent fallen durch, Sauger geht aus. Die nächsten 50 Cent eingeworfen. Der überdimensionale Schlauch verselbständigt sich, ich habe mir schon 2 Fingernägel abgebrochen und mein Outfit ist durchgeschwitzt, was platt anklebende Haare zur Folge hat. Warum nur ist es hier so warm?</p>
<p><span> </span>Also weiter, wieder nur 5 Minuten Zeit, klappe die Rücksitze nach vorne und versuche das Ungeheuer zu bändigen. Bevor ich irgendwas machen kann verfängt sich das Ding hinter den Sitzen und legt sich mir geschmeidig um den Hals. Ich schaffe es nicht, die Saugdüse auch nur in Richtung des Teppichbodens zu bewegen und habe vor lauter Anstrengung 2 Kilo abgenommen. Die Zeit sitzt mit weiterhin im Nacken, gleich nach dem Schlauch aus „Alien 3“.</p>
<p>Irgendwann dann habe ich es geschafft, das Auto ist sauber oder zumindest sauberer, ich bin völlig fertig, durchgeschwitzt und schlecht gelaunt und hänge den Schlauch wieder ans Gerät und gucke zu, wie er noch mindestens 2 Minuten seelenruhig vor sich hin saugt.</p>
<p>Kann nicht mal jemand einen vernünftigen Staubsauger erfinden, sage ich noch zu meinem Nachfolger, der schon Schlange steht und sich das Lachen nur mühsam verkneifen kann.</p>
<p>Kurble hektisch die Fenster herunter, weil ich das Gefühl habe, dass in dem Auto mindestens 40 Grad sind und ärgere mich über jeden Krümel, den ich mit meinen Schuhen ins Auto trage.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine liebe Geschichte.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Apr 2006 10:53:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mann kommt, Frau ist entzückt, Mann und Frau verlieben sich. Manchmal kommt auch Frau zuerst und Mann ist entzückt, manchmal kommt Frau, und Mann ist entsetzt oder auch umgekehrt. Eigentlich scheißegal, denn sie landen im Bett - garantiert!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mann kommt, Frau ist entzückt, Mann und Frau verlieben sich. Manchmal kommt auch Frau zuerst und Mann ist entzückt, manchmal kommt Frau, und Mann ist entsetzt oder auch umgekehrt. Eigentlich scheißegal, denn sie landen im Bett - garantiert! Puh, wie öde. Na, is wurscht, weiter im Text.</p>
<p>Liebe läuft, mal gut, mal schlecht. Mal ein paar Monate oder nur Wochen, manchmal Jahre, manchmal sehr VIELE Jahre. Wie auch immer, dann kommt Krach und aus und vorbei! So oder so, in statistisch gesehen immerhin 25% der Fälle (gefühlte 95%). Puh, wie öde. Egal.</p>
<p>Mann geht, Frau ist traurig, meistens umgekehrt. Ist Mann dann traurig oder nur geistig verwirrt? Man weiß es nicht genau. Ist im Grunde ja auch egal. Mann und Frau schleichen herum, schwören sich dies und schwören sich das, haben Hass und Milde gleichzeitig und versuchen zu verstehen, zu verzeihen, zu vergessen.</p>
<p>Neuer Mann kommt zu neuer Frau oder umgekehrt. Siehe Absatz 1.</p>
<p>He Leute, DAS isses jetzt, oder wie? Na toll - wie öde ist DAS denn, bitte? Kann man die Kette irgendwie unterbrechen, diese Ödnis, diese Verdammnis, diese Langeweile?</p>
<p>Mann und Frau kommen zusammen, poppen, lachen, haben Spaß, streiten, reden, essen und trinken, schlafen, teilen, weinen, küssen, hassen, bewundern und lieben? Um sich dann wieder zu trennen und alles geht irgendwann wieder von vorne los?</p>
<p>Irgendwie ja schon geil. </p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Morgen davor und danach.</title>
		<link>http://kaschemme.de/2005/11/ein-morgen-davor-und-danach/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2005 10:56:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wohlig recke ich mich und genieße den Platz auf 160x200 Zentimeter für mich ganz allein und bin doch deprimiert, weil das Radio so traurig spielt. Heute ist so ein Morgen. Einer davor und danach.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liege. Der Wecker springt an und spielt eine traurige klassische Klaviermelodie. Sterbender Schwan? Mondscheinsonate? Man weiß es nicht genau.<br />
Ein Blick nach links: Alles leer. An meinem Kopf kurzes Stirnrunzeln gefolgt von sofortigem achja. Wohlig recke ich mich und genieße den Platz auf 160x200 Zentimeter für mich ganz allein und bin doch deprimiert, weil das Radio so traurig spielt.</p>
<p>Heute ist so ein Morgen. Einer davor und danach. Einer, wie jeder andere und doch anders. Denn was gestern noch so wichtig und unplanbar wie heute war, ist heute vergangen und vergessen, wie es morgen für heute sein wird. Was für ein Einerlei.</p>
<p>Ein gen(i)aler Tag steht bevor. Ein weiterer, von sehr leider sehr wenigen. Der Flo(h)zirkus in meinem Bauch kündigt es bereits an - es ist zuviel. Zuviel von Davor und zuviel von Danach. Könnte die Zeit nicht nur ein einziges Mal so bleiben, wie sie ist? Die Frage ist dann nur: wie lange soll sie so bleiben, ohne dass die Zeit nicht ewig und endlos oder der Wiedereintritt in die Alltagsatmo zu heftig wird? Der Elektric Boogie-Smog in meinem Schlafzimmer wird Schuld sein, an dem verwirrten Wirrwarr hinter meiner Stirn.</p>
<p>Ein Gang auf die Straße durch die belebte Shoppingmeile zur Arbeit bestätigt es; selbst das Breakdance-Personal auf ihrer Parkettfläche ist heute mächtig gut drauf und hat fette Moves am Start. Apfel-Annie hat besonders schöne Rotknacker, die saftig süß verlocken, die Straßenkehrer pfeifen ein Liedchen, die Penner sitzen still und zufrieden mit einem Muckefuck von Burger King in einer Ecke und rühren sich nicht und da - ganz plötzlich - kommt die Sonne raus.</p>
<p>Abends liege ich. Mit einem sehnsüchtigen Liedchen auf den Lippen döse ich ein: "sage mir doch, dass heut Sonntag sein soll…" und denke: Morgen ist wieder ein Morgen davor und danach - was für ein Einerlei.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Modernste Verarschung.</title>
		<link>http://kaschemme.de/2004/06/modernste-verarschung/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2004 10:59:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Makler. Ein Wort - ein Schreck.
Das sind Menschen mit gelb unterlaufenen Augen und Sabberfaden am Kinn, die dir ein 2-Zimmer-Loch an 4-spurigen Hauptstraßen mit kaputter Spüle als Designer-Loft in individueller Gestaltung für 800,- Euro kalt verkaufen wollen.
Ich hasse Makler wirklich von Herzen. Und doch weiß ich, dass ich Ihnen immer wieder begegnen werde. Wie zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Makler.</strong> Ein Wort - ein Schreck.</p>
<p>Das sind Menschen mit gelb unterlaufenen Augen und Sabberfaden am Kinn, die dir ein 2-Zimmer-Loch an 4-spurigen Hauptstraßen mit kaputter Spüle als Designer-Loft in individueller Gestaltung für 800,- Euro kalt verkaufen wollen.</p>
<p>Ich hasse <strong>Makler</strong> wirklich von Herzen. Und doch weiß ich, dass ich Ihnen immer wieder begegnen werde. Wie zum Beispiel an diesem Samstag.</p>
<p>Beim Frühstück mit riesiger Zeitung auf dem Schoß. Ich lese:</p>
<ul> "Gemütliche Dachgeschosswohnung mit Charme, VB, EBK, französischer Balk., Flur, Keller zu sof. oder später, 700,- zzgl. NK/KT/Ct., Besicht. Heute 12 Uhr, Eppendorfer Weg 12."</ul>
<p>Ein Blick auf die Uhr - das schaff' ich noch - losgehetzt, ins Auto gesprungen, während der Fahrt Zippe in den Mund und Stadtplan auf den Schoß. Hausnummern zählen, 6, 8, 10 - da! Wieso ich mich so tierisch beeile weiß ich gar nicht.</p>
<p>Parkplatz ist nich', egal, stell mich hier an den Rand, springe ja nur kurz rein. Aus dem Auto, kurz das Haus von außen angeguckt, und laufe weiter, was heißen soll, dass das Haus von außen nicht so abstoßend ist, dass ich gleich wieder umdrehe. Das ist die halbe Miete, der Rest kann nicht mehr so schlimm sein.</p>
<p>Treppen hoch, selbstgemalte Schilder weisen den Weg. Noch 'ne Treppe und noch 'ne Treppe (4. Stock ohne Fahrstuhl), Menschenmengen im Flur murmeln leise oder laut.</p>
<p>Ich gehe beherzt rein.</p>
<p>"Guten Tag" schreie ich, keinen interessiert's.</p>
<p>Ich gucke mit Hühnerhals an die Decken, die Fenster die Türen, den Boden (Holzdielen, natürlich nicht trittschallgedämmt), der französische Balkon ist ein Gitter vor dem Wohnzimmerfenster mit Blick auf die Straße (4-spurig, na ja, macht ja nix), das VB ist schmuddelig weiß und ziemlich dunkel (Altbauschlauch), ob in die Badewanne auch meine Beine noch reinpassen...?</p>
<p>"Ach, einen Waschmaschinenanschluss, ja, wo soll sie denn noch hin, die Waschmaschine - na ja wenn man eine Leiter zur Hand hat, damit man über die Waschmaschine zur Badewanne gelangt, müsste es gehen"!</p>
<p>Der <strong>Makler</strong> guckt schon komisch, versteht den Zynismus gar nicht, er verkauft ja gerade eine Traumwohnung vom Feinsten, da sind solche Kommentare nicht sehr beliebt. Die EBK ist zusammengezimmerter Einzelschepper, großzügigerweise ohne Abfindungszahlung von diversen Vormietern dagelassen.</p>
<p>"Wieso steht eigentlich immer "Flur" in den Anzeigen, gibt's etwa Wohnungen ohne Flur?" Er guckt wieder komisch.</p>
<p>Toller Flur, passen sogar meine 40 Paar Schuhe rein, wenn ich die Wände bis zur Decke mit Regalen vollballere, was ich diesmal nur denke, nicht ausspreche.</p>
<p>"Wie groß ist denn der Keller", frage ich den genervten <strong>Makler</strong>, er blättert in seinen Unterlagen. 3,89 qm - wow, da kriege ich sogar ein paar leere, zusammengefaltete Kartons rein (gedacht, nicht gesagt, <strong>Makler</strong> sind so empfindsam).</p>
<p>"Ja nö, aber der Boden is schön, wie viel kostet die jetzt? 950,- inkl. allem, ja hm, ist ja nicht gerade wenig - na ja zu zweit... achso, Sie würden lieber nur an eine Person vermieten am liebsten an einen Nichtraucher, hm, ich rauch' nich'. Wie viel qm sind das jetzt? 77, aha, na ja, danke erst mal."</p>
<p>Gelähmt vor Fassungslosigkeit und Enttäuschung verlasse ich das Etablissement, stecke mir eine Zigarette an, und sehe ein weißes Zettelchen an meinem Scheibenwischer im Wind flattern. Ein tiefes Seufzen ist alles, was ich mir abringen kann..</p>
<p>Es fängt an zu regnen, wie immer in Hamburg. Ich lebe seit 100 Jahren hier und habe 12 Schirme, aber nie einen zur Hand. DAS, meine Lieben, wird sich auf jeden Fall ändern!</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Noch schlichter.</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Feb 2004 11:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich sehe sehr gut und besonders gestochen scharf sehe ich seine muskulösen Oberarme unter seinem T-Shirt. Plänkel plänkel, diddel daddel quatschen wir ein bisschen Smalltalk. Ich: nervös - sehr nervös. Und sorry - sehr scharf auf den Macker.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mann kommt auf mich zu und blitzt mich mit seinen weißen Zähnen an.</p>
<p>"Puh" entfährt es mir in Gedanken, sieht der gut aus. Aber nein - jetzt bloß nicht von Oberflächlichkeiten blenden lassen.<br />
"Stell' Dir vor mein Kind", sagt dann meine Oma, "Du bist blind. Würdest Du ihn dann genauso toll finden?" Boah Omma, was ist denn das für'n Mist? Das denke ich natürlich nur und sag's nicht.</p>
<p>"Hm hm", mach' ich.</p>
<p>Ich bin aber nicht blind. Ich sehe sehr gut und besonders gestochen scharf sehe ich seine muskulösen Oberarme unter seinem T-Shirt. Plänkel plänkel, diddel daddel quatschen wir ein bisschen Smalltalk. Ich: nervös - sehr nervös. Und sorry - sehr scharf auf den Macker. Meine Hormone fahren Achterbahn. Seit wann das denn eigentlich? Ich habe keinen Schimmer, seit wann ich so schnell reizbar bin - und zwar in jede Richtung (Tränenausbruch beim Bäcker, weil kein Rosinenbrötchen mehr da...).</p>
<p>Er: cool - sehr cool. Und irgendwie kein bisschen scharf auf mich. Shit! Mach' ich mich jetzt zum Affen und balze hier peinlich rum oder bin ich ganz cool und schmeiße mich mit dem Rücken an die nächste Häuserwand, sobald ich um die Ecke bin?</p>
<p>Ich überlege hin und her: Zum Affen machen - cool bleiben - zum Affen machen - cool bleiben. Wie in "Lola rennt". Aber jetzt heißt es nur "Macker pennt", weil der Typ einfach nichts rafft. Ich balze mir 'n Wolf und bin charmant, blendend, witzig, toll. Und er erzählt mir total tumb von irgendwas, was ich gleich wieder vergessen habe.</p>
<p>Ich werde nervös. Der Gesprächsstoff geht uns aus, es wird nicht mehr lange dauern und wir sagen "Tschüß, du, bis dann" und ich hab nicht bekommen, was ich wollte und er hat nichts gerafft. Und während mir die gesamte Etikette des Benehmens durch den Kopf und die Lappen geht ist der Punkt erreicht: "Tschüß, du..." und so weiter. Benommen bleibe ich zurück und versuche, den Adrenalinschock zu verdauen.</p>
<p> </p>
<p>Am Abend erzähle ich das meiner Omma. Den Teil mit dem Scharf-sein lasse ich natürlich weg.<br />
Omma lacht nur und sagt "Ja, dachtest du denn, Männer merken so was von allein?"</p>
<p>Ich nicke wissend.<br />
"Nein", seufze ich, "natürlich nicht".</p>
<p>"Sie sind <em>noch</em> schlichter" sagt sie und kichert.</p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Dunkle Feuer.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Feb 2003 11:04:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Sie konnte vom Bett aus durch das Fenster nach draußen sehen. Wie lange war es her, dass sie sich so schlecht gefühlt hatte? Sie wusste es nicht mehr. Denn letzte Nacht hatte sich alles verändert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gab es etwas schöneres, als den frisch gemähten Rasen zu riechen? Die Vögel zu hören, wie sie an Sommermorgen am schönsten sangen? Was für ein Tag.</p>
<p>Sie konnte vom Bett aus durch das Fenster nach draußen sehen. Wie lange war es her, dass sie sich so schlecht gefühlt hatte? Sie wusste es nicht mehr. Denn letzte Nacht hatte sich alles verändert. Mit Gänsehaut dachte sie an die nächsten hundert Jahre. So lange, glaubte sie, würde sie brauchen, um ins Leben zurückzufinden. Falls es noch ein Leben für sie gab.</p>
<p>Vor zwei Jahren lernte sie David in der Firma kennen, in der sie arbeitete. Sie mochte ihn sofort und er sie. Das gute daran war, dass er schwul war und nichts Körperliches von ihr wollte.</p>
<p>David war reizend zu ihr, behandelte sie wie eine Dame, war immer höflich und niemals verletzend. Bis zu diesem einen Tag war er der perfekte Gentleman. Sie wünschte, dieser Tag wäre niemals gekommen, sie wünschte, sie wäre an diesem Tag nicht in der Firma gewesen. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen.</p>
<p>Es fing schon damit an, dass nicht David persönlich sie zur bevorstehenden Kundenpräsentation rief, sondern seine Sekretärin vorschickte. Er hatte miese Laune und reagierte sehr heftig aus Tianas wohlgemeinte und liebevolle Ratschläge.</p>
<p>Was war bloß mit ihm los, er war schon seit Monaten so gereizt. Das konnte doch nicht nur mit dieser Präsentation zusammenhängen? Warum schnauzte er sie nur so an? Sie fühlte sich schlecht und hatte Schuldgefühle. Wenn sie doch nur wüsste, warum er so schlecht auf sie zu sprechen war.</p>
<p>Sie musste mit ihm darüber sprechen und nahm sich vor, ihn heute Abend zu besuchen - ohne Vorankündigung. Abends rief sie ihn an. Seine Mailbox sprang an. Sie sprach ihm drauf und versuchte unbeschwert zu klingen. Normalerweise rief er spätestens nach einer Stunde zurück. Es vergingen 3 Stunden, ohne dass er zurückrief. Sie hielt es nicht mehr aus und setzte sich direkt vom Büro aus ins Auto, um zu ihm zu fahren.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-398" title="halteverbot" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/halteverbot.gif" alt="halteverbot" width="150" height="237" />Die Straßen waren leer und sie kam gut durch. Hastig parkte sie im Halteverbot und lief in großen Schritten zu Davids Haus. Sie klingelte fast Sturm und wurde sich dessen plötzlich bewusst. Es war ihr peinlich und die versuchte sich zu beruhigen. <em>Bloß in nichts reinsteigern,</em> dachte sie. Sie drehte sich seufzend um und wollte schon gehen, als sie plötzlich ein lautes Gepoltere hinter der Tür hörte. Mit einem großen Satz war sie wieder bei der Tür.</p>
<p>"David!", rief sie, "bist Du das?" Sie lehnte das Ohr an die Tür. "Mach doch auf, bitte!</p>
<p>Eine Weile war es still, dann hörte sie zwei Stimmen, die laut flüsterten. Beide Stimmen kamen ihr vertraut vor. David's erkannte sie ja gleich, aber die andere... angestrengt überlegte sie, kam aber so schnell nicht drauf. Sie klopfte nochmals leise.</p>
<p>"David! Mach auf - komm schon!" Wieder Rascheln und Flüstern. Dann klackte das Schloss und David öffnete die Tür. Sie sah ihn an. Er sah sie an, sein Gesicht war ernst. Sie lächelte erleichtert. Ein Glück, er war gesund und munter, nur sein Gesichtsausdruck gefiel ihr nicht.</p>
<p>"Ich muss mit Dir reden", sagte sie, "hast Du Zeit"?</p>
<p>David sah sie einen Augenblick ernst an. "Ja", sagte er kurz und knapp, "komm' rein." Erleichtert betrat sie seine Wohnung. Und dachte, sie sah nicht richtig.</p>
<p>"Was machst DU denn hier"? Große, vertraute blaue Augen sahen sie stumm an. Mario sagte gar nichts. Sie sah zwischen Ihrem Fast-Ehemann und ihrem besten Freund hin und her. Zuerst hatte sie überhaupt keine Vorstellung, was er hier verloren hatte und dachte im ersten Augenblick nur an einen harmlosen Besuch ihres Mannes bei ihrer besten (schwulen) Freund.</p>
<p>Dann begriff sie, dass die beiden in Hemd und Unterhose vor ihr standen und das DAS irgendwie nicht in dieses Bild passte. Es dauerte gute zehn Sekunden, bevor sie begriff, was hier abging. An ihren Gesichtszügen hingen kleine Gewichte und sie hatte Angst, dass Ihre Mundwinkel gleich bis zum Boden hängen würden.</p>
<p>Fragend, mit großen Bambiaugen und kreisrundem geöffneten Mund starrte sie von einem Mann zum anderen. Die beiden wichen ihren entsetzen und enttäuschten Blicken aus. Sie fühlten sich mehr als schlecht, denn Tianas Gesichtsausdruck glich dem eines kleinen Mädchens, das gerade erfahren hatte, dass sie nicht mit Papi zur Kirmes fahren würde. Sie tat ihnen leid. Mehr als das. Aber es war nun einmal so, wie es war.</p>
<p>Niemand sagte etwas.</p>
<p>Tianas Träume zerrissen wie Pergamentpapier. Die letzten drei Jahre ihres Lebens wurden ausgelöscht, zerfielen zu Staub. Das Bild, dass sie sich von ihrem zukünftigen Leben gemacht hatte, wurde zu einer blassen Erinnerung, wie aus Tusche gemalt, auf die Regen fällt. Ihre Pläne, ihre Sehnsüchte, schöne Augenblicke mit einem ihr nun völlig fremden Mann, alles nichts mehr wert, alles umsonst. Die ganze Mühe, die ganze Kraft, so viele Tage und Nächte, in denen sie nur über diesen Mann und die Zukunft mit ihm nachgedacht hatte.</p>
<p>Sie hatte immer gedacht, dass das schlimmste sein würde, ihn an eine andere Frau zu verlieren oder - noch schlimmer - durch den Tod. Aber das stimmte nicht. Wäre er einfach nur gestorben, hätte sie ihren Stolz bewahren können, hätte sich nicht so schlecht, so schäbig, so ausgeschlossen gefühlt.</p>
<p>Sie hasste beide dafür, sie hasste sich, sie hasste dieses Gefühl, abgewiesen und ungeliebt zu sein. Und sie war sehr verzweifelt. Denn keiner der beiden feigen Hunde sagte auch nur ein Wort. Keine Entschuldigung, kein Bedauern. Nur Neutralität und das Gefühl, kein Teil dieses Bundes zu sein. Das Gefühl unendlicher Einsamkeit beschlich sie und sie wollte sterben. Jetzt auf der Stelle. Stumm, mit Tränen in den Augen und großem Kloß im Hals dreht sie sich langsam um. Sie ging zur Tür und wusste, dass eine sehr schmerzhafte und leidvolle Zeit auf sie wartete. Und wünschte sich nichts mehr, als alles rückgängig machen zu können. Ein dunkles Feuer breitete sich in ihr aus.</p>
<p>Wenn sie doch David niemals kennen gelernt hätte, wenn sie doch nicht so blind gewesen wäre und so blöd, wenn sie doch damals nur "nein" zu Marios Antrag gesagt hätte...<em>Wenn...</em> vier Buchstaben, die für das Nichts standen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Sicht der Dinge.</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Oct 2002 11:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als sie ankamen, hoffte sie, dass er sich gut benehmen würde, dass er nicht so viel trinken würde, dass sie sich nicht so viel dummes Zeug anhören mußte von Fremden, die sie nicht wirklich interessierten, dass der Abend nicht endlos würde, dass sie sich zumindest ein klein wenig amüsieren würde...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als sie ankamen, hoffte sie, dass er sich gut benehmen würde, dass er nicht so viel trinken würde, dass sie sich nicht so viel dummes Zeug anhören mußte von Fremden, die sie nicht wirklich interessierten, dass der Abend nicht endlos würde, dass sie sich zumindest ein klein wenig amüsieren würde, dass er sie nicht nur um der Höflichkeit Willen mitgenommen hatte, sondern, weil er stolz auf sie war, weil sie zu ihm gehörte und er das jedem zeigen wollte, ob's interessierte oder nicht.</p>
<p>Jeder Augenblick zählte. Ab sofort oder auch schon länger. Sie wußte nicht mehr, wann das begonnen hatte. Irgendwann wurde ihr bewusst, dass ihre Zeit nicht endlos, ihr Leben nicht ewig so jung bleiben würde. Sie musste sich beeilen. Noch nie zuvor hatte sie so deutlich gespürt, dass sie alt werden würde. Nicht irgendwann, sondern schon sehr bald. Die ersten 31 Jahre waren bereits vorbei und die nächsten 30 würden genauso schnell vergehen. Nicht in diesem Augenblick, nicht in einer Woche, aber im Ganzen dennoch rasend schnell, sodass man sich ständig anstrengen musste, seiner Zeit bewusst zu werden, sich zu erinnern an jeden Augenblick so gut das in dieser Zeit eben ging. Misstrauisch war sie geworden. Guckte sich jeden und alles genau an und fragte sich schon so oft, wem oder was sie in der vergangenen Zeit begegnet war. So vieles hatte sie schon vergessen, an so viele Worte konnte sie sich nicht mehr erinnern, weil sie stets sorglos umgegangen war, mit dem kostbaren Jungsein.</p>
<p>Seine subtilen Gemeinheiten nagten schon so lange an ihr, deren er sich selbst noch nicht einmal bewusst war. Umso schlimmer traf es sie, wenn er sie mal wieder enttäuschte, ohne es zu wissen. Als sie ankamen, ging er vor ihr her, nahm sie nicht bei der Hand, auch nicht in den Arm. Sie kannte das schon und doch ärgerte sie sich darüber. Dieser Umstand wäre spätestens nach den ersten drei Drinks vorbei, dann erst würde er sie umarmen, vielleicht sogar mal küssen oder bei der Hand nehmen. Dieses Ritual war ihr wohlbekannt, schon so oft beobachtet und analysiert. Aber alle Gründe dieser Welt interessierten sie nicht. Sie sah nur, dass er sie nicht behandelte, wie man seine Geliebte behandelt. Alle sahen das, nur er selbst nicht. Seine Souveränität beschränkte sich darauf, sie mitzuschleppen, vorzustellen, meist jedenfalls und ansonsten gepflegte Konversation zu betreiben über banale Dinge, die jeder jedem erzählt, weil er nichts anderes zu erzählen hat. Nie kam er aus sich heraus, nie tanzte er mit ihr oder küßte ihr die Hand. Wie gern hätte sie sich ausgelassen mit ihm amüsiert bis in den frühen Morgen. Wie gern hätte sie in seinem Mittelpunkt gestanden, die anderen waren ihr egal. Ihn wollte sie betören, ihn wollte sie verführen und glücklich sehen.</p>
<p>Kaum dachte sie, dass es ein schöner Abend wird, verfing er sich in ein langweiliges Gespräch mit einem seiner Freunde und ließ sie sitzen. Lange sitzen. Viel zu lange. Die Blicke der anderen Männer sagten, was sie dachte: wieso läßt der Idiot sie so lange allein. So eine Frau läßt man nicht warten. Wenn ich an seiner Stelle wäre... sie kannte diese Blicke und wusste, was sie bedeuten. Sie ignorierte sie, stimmte ihnen aber insgeheim zu. Nicht um der anderen Männer Willen. Sondern, weil ihre Zeit so verdammt knapp war. Zu knapp, um in irgendeiner Barecke zu versauern.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-395" title="drin_und_zichte" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/drin_und_zichte.gif" alt="drin_und_zichte" width="200" height="130" />Sie wehrte sich dagegen böse zu werde, wollte keine schlechte Laune bekommen, wollte ihn mit ihren Zickigkeiten nicht bloß stellen vor seinen Freunden und Kollegen. Mühsam unterdrückte sie ihren Ärger, schluckte ihn mit ihrem Wasser hinunter, rauchte ihn mit ihren Zigaretten weg, so gut es ging. Immer wieder fragte sie sich, was er an ihrer Stelle machen würde, würde sie ihn so sitzen lassen. Aber diese Gelegenheit ergab sich nie.</p>
<p>Sie überlegt seine Reifen zu zerstechen, seine Wohnung anzuzünden, ihn vielleicht sogar umzubringen. Aber ach - dazu ist sie viel zu feige.</p>
<p>Und so scheitert eben alles, was wir tun und anfangen zu tun. Man bleibt immer an der Laune anderer hängen, fühlt sich ausgeliefert und sitzen gelassen, schlecht behandelt und ungeliebt. Was einst so heiß ersehnt und so kühn toleriert und geliebt, wächst zu einem Geschwür, dass man sich herausoperieren lassen will. Und dann wird aus Liebe Hass, aus Hass wird Wut und aus Wut Gleichgültigkeit. Und so wird es weitergehen, bis in alle Ewigkeit.</p>]]></content:encoded>
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