Marc Mrosk
Marc Mrosk
Jahrgang 82, jobbt, schreibt Geschichten, baut Luftschlösser. Zahlreiche Veröffentlichungen in verschiedenen Literaturmagazinen. Eigenes Magazin: "Lost Voices" auf mySpace und issuu.com/elvau . Aktuelles Buch: Los Perdidos
Von Marc Mrosk in der Kaschemme:
Gossenkinder
Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um. „Niemand zu sehen“, sagte ich. „Gut, mach auf.” Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung. Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken. [mehr]
Ein Brief
Ich will versuchen mit jedem Wort ein wenig Weiß wegzubekommen. Ich mag dieses Weiß auf diesem Blatt nicht. Ich glaube, ich fange gleich an in den Schubladen nach einem Tuschkasten zu suchen und male das ganze Ding einfach schwarz. Aber das wäre doch albern. [mehr]
Jedes Gedicht nur 50 Cent
Tener grinste mich an und wedelte mit dem Fetzen Papier in der Hand umher. Er sprang wieder auf und zog hektisch ein paar Runden um den Tisch. Er murmelte etwas dabei, was ich aber nicht verstehen konnte. Dann schaute er zu mir rüber und seine Worte wurden wieder verständlicher: »Habe gerade drei davon verkauft und habe sogar noch zwei Anfragen ... [mehr]
Wo nichts lebt, da kann nichts sterben
„Mein Bruder hat mich gestern aus Boston angerufen“, sagte Carl und nahm einen Schluck aus der gerade geöffneten Dose. „Und was will er?“ „Seine Frau ist gestorben.“ „Das tut mir leid, Carl.“ [mehr]
Karriere
Ich war nervös. In einer Stunde sollte ich einen Auszug aus Schillers „Räuber“ vor der Aufnahmejury der hiesigen Theaterhochschule vortragen. Ich würde ein Schauspieler sein. Jemand, der so tut als ob. [mehr]
Einer kommt und einer geht
Ich sehnte mich nach einem Glas Wasser oder was noch viel besser wäre, einem kalten Bier. Die Mittagssonne stand am Himmel, glänzte und brannte uns entgegen wie ein Feuerball. Meine Kehle war getrocknet und auf der Zunge lag noch immer der viel zu süße Geschmack des Zuckers aus dem Kaffee. “Ich hab noch ein paar Dollar, wir sollten uns ein Bier ... [mehr]
Ein erfülltes Leben
Ich machte dort weiter, wo ich letzte Nacht irgendwann gegen Viertel vor 4 aufgehört hatte. Jede Nacht holte ich mir zwei Dosen Bier verfeinert mit Ginseng, Taurin und Erdbeerextrakten und las auf dem Boden sitzend den schwarzen Himmel. [mehr]
Im Land der Würmer
Ich klopfte gegen das Holz, aber niemand schien mich zu hören. Wie auch? Ich lag zwei Meter unter der Erde in einem Sarg mit einer Ladung Erde darauf. [mehr]
Fahrkarten
Wir sitzen im letzten Wagon / Ohne Fahrkarten / Und hoffen, dass die nächste Station / Eher kommt als die Kontrolleure [mehr]
Wolkenschwimmer
„Nach Paris.“ - „Willste mich verarschen? Ich radel dir hier bis zur Ecke, dann fliegt mir fast die Lunge raus.“ - „Ich fahr dir in fünf Tagen nach Paris.“ - „Ja, da komm ich mit. Ich schmeiß mir dann was, dann geht das.“ [mehr]







