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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Mathias Burkert</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Der Feind</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Aug 2003 12:19:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias Burkert</dc:creator>
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		<description><![CDATA['Wer keine Feinde hat, hat keinen Charakter.'
(S. Hussein)
Ich führte ein langweiliges Leben. Weil ich ein langweiliger Mensch war. Genau deswegen hatte mich auch meine Freundin verlassen. Aber erst die Geschichte von dem Mann, der alle Frauen kriegte, indem er ihnen launenhaft die Tür vor der Nase zuschlug oder sie mit Bier übergoss, öffnete mir die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>'Wer keine Feinde hat, hat keinen Charakter.'<br />
(S. Hussein)</em></p>
<p>Ich führte ein langweiliges Leben. Weil ich ein langweiliger Mensch war. Genau deswegen hatte mich auch meine Freundin verlassen. Aber erst die Geschichte von dem Mann, der alle Frauen kriegte, indem er ihnen launenhaft die Tür vor der Nase zuschlug oder sie mit Bier übergoss, öffnete mir die Augen. Ich musste widersprüchlicher werden, "kantiger".</p>
<p>Als erstes änderte ich meine Frisur dahingehend. Dann erprobte ich das neue Ich an meiner Mutter. Ich besuchte sie und vergaß, mir die Schuhe auszuziehen. Sie sagte nichts dazu und kochte mein Lieblingsessen (Hefeklöße).</p>
<p>Der nächste Schritt war, kein Deo mehr zu benutzen. Der Effekt war enorm. In der Straßenbahn konnte ich mich irgendwo hinstellen und an einer der Schlaufen festhalten - beinah sofort wurde mir ein Platz angeboten.</p>
<p>Ich furzte immer hemmungsloser und zitierte Studien, die dieses Verhalten mit einer höheren Lebenserwartung in Zusammenhang brachten. Auch sah ich keinen Grund mehr, auf Arbeit Krawatte zu tragen. Zuerst hat es gar niemand bemerkt, nur dass ich irgendwie erholt aussah. Wie mein Wochenende war, fragten sie. Statt zu antworten nahm ich Anlauf wie zu einem Bowling-Wurf und schlug einer Kollegin auf den Hintern. Der Bereichsleiter gratulierte mir lachend.</p>
<p>Meine langweilige Ex-Freundin versuchte im gemeinsamen Freundeskreis, mich anzumachen (sie interessierte sich doch gar nicht für Tennis). Ich habe ihr mein Bier über den Kopf gegossen und war plötzlich der Partyknüller. Wir tanzten zu aktueller Musik. Wahllos verließ ich bei einigen Liedern die Tanzfläche zwischen Schrankwand und Glastisch. Immer teilten mindestens drei Leute meine Ablehnung. Ich begann vom Fernsehprogramm zu reden und von der Politik, welche Entertainer und Schauspieler ich nicht leiden konnte. Ich setzte Gerüchte über sie in die Welt. Es war erstaunlich, wie viele "es auch gelesen" hatten. Kanzler verschiebt Autos nach Moldawien. Bayerns Ministerpräsident in SM-Club gesehen.</p>
<p>Ich prahlte öffentlich mit meinen Maßen als Mann und forderte andere zum Schwanzvergleich. Und ich konnte endlich meine analen Abenteuer mit 16jährigen Thaifrauen erzählen. Dann wurde mir klar, dass ich noch einen Tick brauchte. Ich entschied mich für das Tourette's-Syndrom: spontanes, unkontrolliertes Fluchen. War das ein Spaß. Besonders in der Oper.</p>
<p>Aber es reichte mir nicht. Zwar wurde ich geliebt und gehasst: "Der traut sich was", sagten sie, "Dem ist nichts peinlich", "Ein Teufelskerl". Wo ich hinkam, wurde über mich geredet, ich war in ihrer aller Köpfe. Ich erzählte Blondinenwitze, Judenwitze und rassistische Witze je nachdem, ob ich auf einem Feministenkongress, in einer Synagoge oder bei einem Gospelkonzert war. Doch fehlte mir noch ein Feind, einer der mir ebenbürtig ist.</p>
<p>Ich adoptierte einen jungen Ausländer. Er war ein 20jähriger Waisenjunge aus "Kabul"(?) und hieß "Aijumar" oder so. Ich nannte ihn Eimer. Er konnte noch nicht mal sprechen (bis auf sein ausländisches Gestammel). So war es möglich, ihn ganz allein zu erziehen, zu dem Menschen, den ich benötigte.</p>
<p>Er lebte in meinem Arbeitszimmer (den privaten Schreibkram erledigte ich ja inzwischen auf Arbeit). Ich gab ihm Superman-Comics, eine Bibel und ein Wörterbuch, überdies jeden Tag zwei Mahlzeiten. Er lernte schnell und fing an, auf die Wände einzuboxen. Bald fand er heraus, wie man das Fenster öffnete. Glühend schrie er sein biblisches Superman-Pidgin auf die Straße hinunter.</p>
<p>Eines Tages war er entwischt. Ich nahm das Kruzifix und die Axt von der Wand und ging los, ihn zu verurteilen. Scharfschützen kamen mir zuvor. Tja. Aber ich bin auch so ganz glücklich. Ich bin wieder mit meiner Ex-Freundin zusammen und lasse mir jeden Tag etwas einfallen, wie ich sie fertig machen kann.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Aspergillus Flavus</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jun 2003 12:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias Burkert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<category><![CDATA[leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Montag kam sie gegen 10 nach Hause, öffnete den Kühlschrank und schloss ihn gleich wieder. Nix appetitlich.
Am Dienstag kam sie gegen 9 nach Hause, öffnete den Kühlschrank, schloss ihn wieder. Nix appetitlich. Aber die Cola.
Am Mittwoch kam sie gegen 8 nach Hause. Sie hatte außer Haus gegessen. Frühstück holte sie beim Bäcker, Mittags nutzte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag kam sie gegen 10 nach Hause, öffnete den Kühlschrank und schloss ihn gleich wieder. Nix appetitlich.</p>
<p>Am Dienstag kam sie gegen 9 nach Hause, öffnete den Kühlschrank, schloss ihn wieder. Nix appetitlich. Aber die Cola.</p>
<p>Am Mittwoch kam sie gegen 8 nach Hause. Sie hatte außer Haus gegessen. Frühstück holte sie beim Bäcker, Mittags nutzte sie die Kantine. Abends aß sie oft außer Haus, in Gesellschaft oder gar nicht.</p>
<p>An einem Donnerstag kam sie gegen 7 nach Hause, öffnete den Kühlschrank, ekelte sich und schloss ihn wieder.</p>
<p>An einem Freitag hatte sich Aspergillus Flavus über den ganzen Käse ausgebreitet und begann zu sprechen.</p>
<p>Bald sprach er ganze Sätze, fragte, wie es ihr geht, ob es was Neues gibt und ob es möglich sei, das Licht dauerhaft anzulassen. Erst erschrak sie, dann wollte sie ihn wegmachen. Doch Aspergillus Flavus gab sich solche Mühe freundlich zu sein und putzte den Kühlschrank mit seinem Pelz.</p>
<p>Er entwickelte sich prächtig, nahm bald ein ganzes Fach ein und kletterte die Rückwand hoch. Dann war er verschwunden.</p>
<p>Über drei Monate sah und hörte sie nichts von ihm. Das Fenster war geschlossen, er musste sich unter der Küchentür durch und durch den Briefschlitz gezwängt haben. Sie vernagelte den Briefschlitz mit einem Stullenbrett. An einem Montag kam sie gegen 10 nach Hause.</p>
<p>Er hing an der Küchendecke und schaute sie an. Sie bemerkte ihn, als er einen Fühler nach ihr ausstreckte.</p>
<p>Er sei wiedergekommen. Er hat sein Glück in der Welt suchen wollen. Doch die Welt ist schlecht zu ihm gewesen. Niemand mochte ihn. Alle haben sich abgewandt. Am schlimmsten waren die Kinder. Sie haben geschrieen, laut geschrieen nachdem ihnen wer gesagt hat, was er ist. Davor hätten sie ihn fast gestreichelt. Frauen wie sie haben auch geschrieen. Er weiß gar nicht warum. Und wussten sie es denn? Als Gipfel der Peinlichkeit hat er Ärger mit der Polizei bekommen. Er ein Verbrecher. Er ist angeschossen. Aber es wächst wieder zu.</p>
<p>Sie sagte nichts. Sie bewegte sich nicht. Sie spürte sein Misstrauen.</p>
<p>Möglich auch, er käme auf die Idee, sie zu umarmen.</p>
<p>Er könnte unter der Tapete leben. Sie würde gar nichts mitkriegen. Er will doch nur leben und ... vielleicht ein bisschen Liebe.</p>
<p>Es erschien gering, was er verlangte. Trotzdem, es ging nicht. Er könnte immer Staub wischen. Ausgeschlossen. Wie er überhaupt hereingekommen ist. Durch die Wand.</p>
<p>Durch die Wand. Sie umschloss das Eisen in ihrer Hosentasche. Glatt und kompakt. Nicht bewegen. Er war noch immer über ihr. Und setzte sich in Bewegung. Langsam, langsam kroch er von der Decke die Wand hinunter, und Teile von ihm verschwanden schon hinter dem Kühlschrank. Sie hielt es für eine günstige Gelegenheit. Und: sie wollte Aspergillus Flavus brennen sehen. Das Feuerzeug kam ans Licht, klappte auf und zündete. Im Nu loderte er hell und zerfledderte zu feiner Asche, die hinter den Kühlschrank fiel.</p>
<p>Die auf die Tapete übergesprungenen Flammen waren leicht zu löschen. Sie musste nur einige Tassen Wasser an die Wand klatschen lassen. Wenn sie erst einen Topf nähme statt einer Tasse, würde das Feuer leicht zu löschen sein. Töpfe hatten mehr Platsch. Zwar ließen sich die Spritzer aus der Tasse eindeutig höher schleudern als die Güsse aus dem Topf, nämlich dorthin, wo die Flammen waren, aber sie konnte ja auf die Spüle klettern.</p>
<p>Dort hatte sie keinen festen Stand. Es gelang ihr nicht, das Wasser so viel höher zu wuchten, nicht bis an die Decke. Hohe Räume hatten eben auch Nachteile.</p>
<p>Inzwischen war die Rauchentwicklung so stark, dass sie aus dem Zimmer ging und die Feuerwehr anrief. Als die kam, fünfzehn Minuten später, stand sie schon unten und besah mit Schaulustigen das Lichterspiel. Sie konnte von Glück sprechen. Die Hälfte ihrer Wohnung blieb verschont, und die Versicherung zahlte sofort. Der Umzug kam ihr gelegen. Unschönes möchte man gern vergessen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Gastropoden: Abstimmung der Bäuche</title>
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		<pubDate>Wed, 28 May 2003 12:14:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias Burkert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir kommen öfters her. Zum Essen. Aber manchmal KOMMEN wir nicht zum Essen, weil die Schlangen so lang sind, die Pommes Nuggets Zwiebelringe pappig, die Burger hart ... Das lassen wir nicht mit uns machen! Da sind WIR hart.
Manch einer beschwert sich und bekommt neues Essen. Uns anderen ist der Appetit gründlich vergangen. Wir lassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir kommen öfters her. Zum Essen. Aber manchmal KOMMEN wir nicht zum Essen, weil die Schlangen so lang sind, die Pommes Nuggets Zwiebelringe pappig, die Burger hart ... Das lassen wir nicht mit uns machen! Da sind WIR hart.</p>
<p>Manch einer beschwert sich und bekommt neues Essen. Uns anderen ist der Appetit gründlich vergangen. Wir lassen das Essen ungegessen liegen, und so bleibt es. Mitunter lassen wir sogar die Tabletts auf den Tischen stehen, statt sie in den Wagen zu stellen. Mit dem Essen drauf. Lassen wir sie stehen. Aus Protest. Wir haben schließlich dafür bezahlt.</p>
<div id="attachment_220" class="wp-caption alignright" style="width: 110px"><img class="size-full wp-image-220" title="McVenice" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/01/mc_venice.gif" alt="McVenice" width="100" height="389" /><p class="wp-caption-text">McVenice</p></div>
<p>Nicht selten drücken wir unser Ungenügen, lass das Essen ruhig normal sein - drücken wir unser Ungenügen auch dadurch aus, dass wir die Tische beschmieren. Gründlich beschmieren. Leider wissen wir nicht, ob wir verstanden werden, denn wir beschmieren die Tische auch aus andern Gründen: Ungeschick, Zufall, hemmungsloser Genuss, Selbstvergessenheit, Gewohnheit ...</p>
<p>Öfters kommen wir mit dem Auto und essen im Auto. Dann sind wir natürlich vorsichtiger. Ist das Essen nicht in Ordnung, werfen wir es aus dem Fenster.</p>
<p>Meist ist es ja genießbar. Wenn einmal nicht, vergessen wir es bald wieder. Und kommen wieder, trotz allem. Zum Essen. Wir haben schließlich Hunger. Wir sind unersättlich. Und wir kommen, um uns zu überzeugen, dass das Essen wirklich fast immer genießbar ist. Indem wir immer wiederkommen, überzeugen wir uns. Mag das Essen überteuert sein und der Geschmack illusorisch: etwas wonach man giert und das schon beim ersten Bissen enttäuscht, weil es nicht so herrlich ist wie es irgendwann vor Jahren mal war. Ja, eigentlich ist das Essen auch wenn es gut ist schlecht. Die Pommes sind fade und die Burger eine klebrige, süßliche Masse mit einer Salatschicht drin. Das einzig Leckere sind die Soßen. Die Freundlichkeit der Belegschaft lässt auch zu wünschen übrig, und auf den Toiletten findet man seit Jahren weder die Flüssigseife, noch die Papiertücher nachgefüllt ...</p>
<p>Wir kommen wieder und überzeugen uns von allem.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Tagesgespenst</title>
		<link>http://kaschemme.de/2002/05/tagesgespenst/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2002 12:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias Burkert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Gespenst geht um
Nicht nur in Europa
Geisterzüge rollen
Hier und da ein Opa
Autos fahrn Ressouren
Über den Planeten
Wälder roden Bauern
Hollywoodstars beten
Gott macht jährlich Urlaub
Auf den Balearen
Gala rät den Frauen
Zu gefärbten Haaren
Männer mögen Aktien
Katzen kaufen Whiskas
Kapital macht Arbeit
Alle Welt ist glücklich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gespenst geht um<br />
Nicht nur in Europa<br />
Geisterzüge rollen<br />
Hier und da ein Opa</p>
<p>Autos fahrn Ressouren<br />
Über den Planeten<br />
Wälder roden Bauern<br />
Hollywoodstars beten</p>
<p>Gott macht jährlich Urlaub<br />
Auf den Balearen<br />
Gala rät den Frauen<br />
Zu gefärbten Haaren</p>
<p>Männer mögen Aktien<br />
Katzen kaufen Whiskas<br />
Kapital macht Arbeit<br />
Alle Welt ist glücklich</p>]]></content:encoded>
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