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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; peterjkraus</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Weihnachtstagebuch</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2005 15:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA["So, alles klar. Dancer, Prancer, Rudolph und die anderen waren beim Tierarzt, haben ihre Impfungen bekommen. Flugtauglichkeit wurde bestätigt. Schlitten von der Werkstatt geholt, auch hier alles in Ordnung."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>13. Dezember</strong></p>
<p>So, alles klar. Dancer, Prancer, Rudolph und die anderen waren beim Tierarzt, haben ihre Impfungen bekommen. Flugtauglichkeit wurde bestätigt. Schlitten von der Werkstatt geholt, auch hier alles in Ordnung. Verblüffend, was "Reinigungsmaterial und Kleinteile" kosten. <strong>22. Dezember</strong> Schlitten gepackt, last minute Geschenke obenauf . Viel Elektronik dieses Jahr, jede Menge Kriegsspielzeug. Wird wohl die Lage sein. Egal - Kamin runter und untern Baum damit! Der eine Arbeitstag im Jahr.......</p>
<p><strong>24. Dezember.</strong></p>
<div id="attachment_536" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-536" title="hotchristmas" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2005/11/hotchristmas.jpg" alt="Hot Christmas" width="200" height="302" /><p class="wp-caption-text">Hot Christmas</p></div>
<p><span style="line-height: 12px;">Showtime, Freunde! Bisschen warm am Pol heute, aber das hält ja seit Jahren schon an. Neues Licht über Grönland. Global Warming oder Terroristen-Früherkennung? Mal fragen.</span> Mrs. Claus steht vor der Hütte, winkt, wünscht ein Frohes Fest (trotz des Telegramms des amerikanischen Bundes Wiedergeborener Christen, der unter Boykottandrohung fordert, statt politisch korrektem "Fest" oder "Holidays" wieder "Christmas" zu wünschen). Kurz vor Mitternacht - die acht Stunden schaffen wir mit links.</p>
<p><strong>03. August</strong></p>
<p>Heiß hier auf Kuba. Leck mich am Arsch! Seit Ende Juni bin ich ans Zellengitter gekettet, höre auf dem rechten Ohr nichts mehr und scheiße nur noch flüssig. Die Finger heilen aber schön; der junge Mann, der mir grinsend sagte, ich hätte jetzt wenigstens keinen Ärger mehr mit dem Nägelschneiden, hatte recht! Mrs. C wird sich freuen, wenn ich wieder zuhause bin. Die Wampe ist weg, der Bart ist ab und mein orangefarbener Jumpsuit schlottert nur noch! Ich hätte wirklich nicht übers Weiße Haus fliegen sollen. Aber man lernt ja nicht. Schade um Rudolph; die rote Nase war immer eine prima Orientierungshilfe. Wußte nicht, daß ihre hitzesuchenden Raketen sogar auf Furzwärme reagieren. Merke: vor Langstreckenflügen kein Trockenfutter mehr! Gestern war der nette Mann wieder da. Ich glaube, ich tue ihm jetzt den Gefallen und stimme zu, daß der rote Anzug eine Al-Kaida-Uniform ist. Er verspricht ja seit langem, daß wieder nach Hause darf, wenn ich unterschreibe. Mal sehen.</p>
<p><strong>28. November</strong></p>
<p>Endlich wieder daheim! Amnesty hat mich rausgehauen; die kleine Notlüge (ich sei getarnter deep-cover Mossad-Agent) hat gewirkt. Natürlich werde ich mich an mein Versprechen halten, den US-Luftraum nie wieder zu überfliegen. Überhaupt habe ich den Betrieb umgestellt. Ohne Rentiere ist keine Auslieferung mehr möglich, der Schlitten soll angeblich über Mosul im Einsatz sein. Mrs. Claus hat während des Wartens Zehnfingersystem gelernt und wird jetzt für mich den Computer bedienen. Wir sind ab sofort über www.eihnachtsmann.com zu erreichen, verschicken noch am Bestelltag per UPS und nehmen alle von US-Banken ausgestellte Kreditkarten. God Bless America! And Merry Christmas, mit Betonung auf Christ. <em> Santa Craus</em></p>
<div id="attachment_537" class="wp-caption aligncenter" style="width: 450px"><img class="size-full wp-image-537" title="hotchristmas2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2005/11/hotchristmas2.jpg" alt="Hot Christmas" width="440" height="292" /><p class="wp-caption-text">Hot Christmas</p></div>]]></content:encoded>
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		<title>Miniature Noir: Bookies</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Feb 2005 15:40:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
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		<description><![CDATA["All right, Guilio. You´re a bookie, admit it!"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>"All right, Guilio. You´re a bookie, admit it!"</strong></p>
<p><em><strong>"I ain´t admittin´nuthin´, ya dirty, stinkin´cop!"</strong></em></p>
<p>Der Bulle holte weit aus und klatschte dem Streifenanzugträger eine.<br />
<strong>"Goddamn bookie trash"</strong>, murmelte er und biß in sein Schokoladen-Donut.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein typischer Scheisstag in Los Angeles (Für deutsche Verhältnisse garnicht übel)</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2004 15:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA["U.S. Says 300 Fighters Killed 
Zum Bundesliga-Auftakt gehen die Lichter aus
Job Growth Meager, Markets Stunned"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>U.S. Says 300 Fighters Killed<br />
Zum Bundesliga-Auftakt gehen die Lichter aus<br />
Job Growth Meager, Markets Stunned<br />
Schweizerische Post gibt Briefmarken aus Holz heraus<br />
Bush Defends Terror Alert<br />
Karlsruhe lässt Alcopop-Steuer passieren<br />
U.S. Adding More Oil to Reserve<br />
14-Jährige nach versuchter Vergewaltigung erstochen<br />
Poor Jobs Figure a Sharp Blow to Bush<br />
HypoVereinsbank verdreifacht Gewinn<br />
Funk Musician Rick James Found Dead<br />
Sparer in Thüringen räumen wegen Hartz IV Konten leer<br />
Abu Ghraib Was Hell, U.S. Soldier Tells Hearing<br />
Polizei suchte auf Campingplatz türkische Extremisten<br />
Few Troops Available for Darfur, U.S. Senator Says<br />
Unwetter auf Mallorca</p>]]></content:encoded>
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		<title>Klauen</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Feb 2001 15:42:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Papa: ...und klauen. Klauen darf man auch nicht.
Kind: Warum, Papa?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Papa:</strong> ...und klauen. Klauen darf man auch nicht.<br />
<strong>Kind:</strong> Warum, Papa?<br />
<strong>P:</strong> Weil du ja auch nicht willst, daß einer kommt und dir was wegnimmt, oder?<br />
<strong>K:</strong> Nee. Aber du sagst doch immer, daß die Verbrecher vom Finanzamt einem die Butter vom Brot klauen.<br />
<strong>P:</strong> Das ist was anderes. Das verstehst du nicht.<br />
<strong>K:</strong> Aber ist doch geklaut, oder?<br />
<strong>P:</strong> Na ja, eigentlich schon. Aber nicht so, wie normal geklaut wird. Gegen das Finanzamt kann man keine Polizei rufen, zum Beispiel.<br />
<strong>K:</strong> Weil die Brüder alle unter einer Decke stecken? Sagst du doch immer.<br />
<strong>P:</strong> Ja, auch deshalb. Geh jetzt spielen.<br />
<strong>K:</strong> Aber die Mama sagt doch immer, die kommen eines Tages und nehmen dich mit. Klauen die auch Papas?<br />
<strong>P:</strong> Willst du nicht sehen, ob Michael schon auffem Spielplatz ist?<br />
<strong>K:</strong> Der ist doof. Ist bescheißen auch klauen?<br />
<strong>P:</strong> Klar. Geh jetzt.<br />
<strong>K:</strong> Aber warum sagt dann der Mann an der Tankstelle immer, er bescheißt die Brüder auch, aber lange nicht so frech wie du?<br />
<strong>P:</strong> MUTTER! Zieh den Jungen an! Der will raus!<br />
<strong>K:</strong> Und lügen, Papa. Darf man auch nicht, oder?</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die NSA und der Rest der Welt</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 1998 15:12:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Lieutenant Colonel James P. Thudpucker stand stramm, obwohl er sich in Gegenwart des Präsidenten immer unwohl fühlte. Der hatte die New York Times vor sich und deutete auf einen Artikel, den Thudpucker in seinem Kellerbüro bereits mit hellem Vergnügen gelesen hatte."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieutenant Colonel James P. Thudpucker stand stramm, obwohl er sich in Gegenwart des Präsidenten immer unwohl fühlte. Der hatte die New York Times vor sich und deutete auf einen Artikel, den Thudpucker in seinem Kellerbüro bereits mit hellem Vergnügen gelesen hatte.</p>
<p>"Was ist da dran?" wollte der Präsident mit Donnerstimme wissen, und Thudpucker beeilte sich mit der Antwort.</p>
<p>"Stimmt genau, Sir. Die verdammten Russen haben in der Tat unsere geheimsten Militärcomputer geknackt, schreiben seit über einem Jahr alles mit und ab, und das FBI ist nicht in der Lage, die Hackerei abzustellen". Er blickte traurig aber forsch, was bei Clinton immer wirkte.</p>
<p>"Und warum weiß ich nichts davon?" wunderte sich der Mächtigste Mann der Welt.</p>
<p>"Weil Sie der NSA verboten haben, die verdammte Schnüffelnase, wenn ich zitieren darf, in innenpolitische Angelegenheiten zu stecken. Dafür sei die Bundespolizei zuständig, ließen Sie mich wissen, und daß ich mich um meine eigentliche Aufgabe kümmern soll, die darin bestehe, Schaden von den USA und seiner politischen Führung abzuwenden. Sir". Zur Bestätigung wollte der Oberstleutnant noch kurz die Hacken zusammenschlagen, entschied sich aber im letzten Augenblick dagegen, weil der Chef doch nicht gedient hatte und für die akustisch-optische Schönheit einer solchen Geste vermutlich nichts übrighatte.</p>
<p>*</p>
<p>Clinton lehnte sich im Sessel zurück, schaute an die Decke und fragte sanft, womit sich die Nationale Sicherheits Agentur denn in letzter Zeit beschäftigt habe.</p>
<p>"Schaden von den USA und seiner politischen....."</p>
<p>Ja, ja, unterbrach der Boss unwirsch, aber womit genau? Es ginge doch nicht an, daß sich vierzigtausend Geheime, die derart geheim seien, daß sie offiziell nichtmal existieren, nur um die Abwendung irgendwelcher Schädchen kümmern und den gewaltigen Schaden einer ausländischen Cyberinvasion einfach ignorieren. Oder? Er schaute wieder frech - Zivilist eben, ein verdammter Politiker, der keine Ahnung von der richtigen Welt hatte. Thudpucker stand noch strammer.</p>
<p>"Geheimsache "Kuckucksei" läuft seit drei Jahren - seit sich die Gerüchte bewahrheiteten, daß die Krauts den Weltautomobilmarkt mit einer Neuauflage ihres Käfers an sich reißen wollen. Und ich darf sagen, Sir, daß die Aktion sehr erfolgreich ist. Schauen Sie an, was aus dem Ding geworden ist! Keine Verkaufszahlen, keiner nimmt den Verein mehr ernst, und in Detroit sind die Arbeitsplätze sicherer denn je. Zumal wir als Beiprodukt unserer Wühlarbeit in Deutschland denen noch Chrysler verscherbeln konnten". Thudpucker konnte nicht mehr - seine militärische Haltung verpuffte in schallendem Gelächter, der Präsident wieherte und lief schon tiefrot an. Die zwei ungleichen Diener des Volkes erlaubten sich einen Moment der Sorglosigkeit, der Heiterkeit.</p>
<p><span style="line-height: 12px;">Der Oberstleutnant setzte sich. Es würde länger dauern - aber als Vize des Nationalen Sicherheitsberaters hatte er natürlich eine Antwort auf alle Fragen. Nicht umsonst brannte im Tiefgeschoß des Weißen Hauses manche Nacht das Licht; die NSA war sich ihrer Pflicht gegenüber des amerikanischen Volkes, des Großartigsten Volkes der Welt, bewußt. Und ihres Präsidenten, natürlich, auch wenn sie über seine Person herzogen, dort unten im lautlosen Keller dieses Mächtigsten Gebäudes der Welt. Konnte eben nicht jeder ein Reagan sein; so einen Patrioten, so einen Überamerikaner gab´s nun mal selten. Na ja. Er konzentrierte sich auf die Ausführungen dieses Bauernlümmels aus Alabama. Oder Arkansas. Aus irgendsoeinem Scheißstaat halt.</span></p>
<p><span style="line-height: 12px;">"Aber vierzigtausend Leute? Da muß doch irgendjemand für die Sicherheit des Pentagons zuständig sein, verdammt noch mal.".</span></p>
<p>"Nicht so einfach, Sir. Wie Sie sicher wissen, läuft dann noch die Aktion "Nachtwächter" irgendwo in Deutschland, oder vielleicht in Bayern, so genau kenne ich mich da nicht aus, Sir. Rekrutierung Einheimischer, Sie erinnern sich: Und Auftrag "Furz" im Norden, wo es um die Ausspähung der teutonischen Windenergietechnologie geht. Dann soll die Bundesregierung irgendwann nach Berlin umziehen, aus ihrem Dorf dort am Rhein, oder sie sind schon umgezogen, weiß ich´s? Da sind einige unserer Leute rund um die Uhr dran. Wissen Sie, mit der ganzen Infrastruktur, die für so einen Riesenauftrag nötig ist, fehlen uns jede Menge Leute, die wir sonst hätten einsetzen können."</p>
<p>"Scheiße" murmelte der Führer des Freiesten Landes der Welt, und der Vize des Nationalen Sicherheitsberaters brummelte nickend Zustimmendes.</p>
<p>"Aber wieso konnten die verdammten Russkis, die doch von nichts eine Ahnung haben, unsere gesicherten Computer knacken? Ich denke, die arbeiten noch mit Abacus"</p>
<p>"Aba-was, Sir? Kenne ich nicht. Die haben sich scheinbar irgendwelche Experten aus Deutschland geholt. Schauen Sie". Der Oberstleutnant zog die Zeitung näher und überflog den Artikel, bis er die Stelle fand, die er suchte.</p>
<p>"Hier steht´s, Sir. Die Hacker brachen immer nur an Wochentagen zwischen acht Uhr und siebzehn Uhr Moskauer Zeit ein, nie am Wochenende und nie am Feiertag. Außterdem pausierten sie im vergangenen Jahr dreimal jeweils zwei Wochen - vermutlich waren sie da im Urlaub. Können also nur Deutsche sein"</p>
<p>Der Präsident nickte zustimmend. Ja, da hatte der Kommißkopp recht - die Arbeitsweise, das sah selbst ein erfahrener Politiker wie er, deutete auf Deutsche hin. Ganz klar.</p>
<p>"Verdammten Krauts kommen uns überall in die Quere!" Spiegelabonnent Clinton zog unwirsch die Stirne in Falten - vielleicht sollte man sich doch noch mal mit dem neuen Mann in Deutschland unterhalten. Nicht Kohl, der andere. Weiß der Teufel, wie der schon wieder heißt. Muß mal Hillary fragen. Die kennt sich aus.</p>
<p>"Was machen wir nun mit der Hackerei? Kann man die nicht auch behacken? Denen die paar Geheimnisse klauen, die sie noch haben? Das CIA hat doch eine neue Cyberabteilung - wie sieht´s denn mit denen aus?" Der Präsident beugte sich über den Schreibtisch, seinem Besucher zu. Das war psychologisch wichtig, zeigte Interesse und Anteilnahme, also bestanden seine Berater darauf, daß er sich alle vier Minuten über den Tisch beugte. So in Fleisch und Blut übergegangen war die Geste, daß er sich auch dann vorbeugte, wenn gerade mal niemand da war. Alle vier Minuten. Das mußte sein.</p>
<p>"Stimmt, Sir - die haben in der Tat eine neue Entwicklungsabteilung. Haben Sie gerade erst mit einem Jahresbudget von 28 Millionen Dollar ausgestattet. Aber dessen Boß muß erst noch Erfahrung sammeln. Den hat das CIA mit eingekauft, als sie dessen Firma übernahmen. Computerspiele haben die bisher entwickelt, Das mag noch dauern, bis der zum Geheimen ausgebildet ist."</p>
<p>So ist das nun, wenn man der Mächtigste Mann des Universums ist. Nur Kleinkram zu erledigen, den ganzen Tag nur Mist. Gott sei Dank ist das bald vorbei - dann hat Al den Scheißdreck am Hals, Hillary sitzt als Senatorin in Washington und ich habe endlich meine Ruhe. Der Chef der Freien Welt seufzte. Thudpucker schreckte aus seinen Gedanken auf.</p>
<p>"Cal Tech, Sir. In Kalifornien. Die Fortschrittlichste Technische Universität der Welt. Die sollen sich drum kümmern. Von denen hat doch jeder einen Computer, und die surfen doch den ganzen lieben Tag lang im Internet. Die sind für den Job wie geschaffen. Zumal deren bisherige Forschungsaufgabe gerade in die Hose ging. Die freuen sich über den Überbrückungsauftrag." Na, wie war das? Aus dem Stegreif gelöst, das Ding. Der Oberstleutnant war sichtlich mit sich zufrieden. Daß die Marssonde, die Cal Tech auf den Roten Planeten steuerte, deshalb ihr Ziel um einige tausend Meilen verpaßte, weil die Herstellerfirma alle Maße in Fuß und Zoll angab, die Akademiker aber annahmen, es handele sich um Meter und Millimeter, das ging den Chef ja nichts an. Irren ist schließlich menschlich.</p>
<p>"Gut. Wird gemacht. Sie leiten das in die Wege.Vielen Dank, lieber Oberstleutnant". Clinton stand auf und salutierte. Darauf bestanden seine Berater ebenfalls - Militärs mußten vom Oberkommandierenden der Streitkräfte immer salutierend verabschiedet werden. Auch wenn der OdS lieber nach Oxford als nach Saigon gegangen war, damals.</p>
<p><span style="line-height: 12px;">Die Kommunikationswissenschaftler der kalifornischen Uni freuten sich wirklich über den Regierungsauftrag. Einer ihrer talentiertesten Nachwuchsleute bekam sofort die Anweisung, sich in das russische Regierungscomputernetz einzuwählen. Er ließ sich erstmal von der Telefongesellschaft Pacific Bell die Vorwahl Moskaus geben. Durch einen bedauerlichen Übertragungsfehler wurde ihm allerdings von einer in ihrer knappen Freizeit fleißig englisch büffelnden vietnamesischen Neueinwanderin bei der Auskunft die Nummer des guatemaltekischen Roten Kreuzes genannt, was jedoch nicht weiter auffiel. Seither wird jeder, der dem lateinamerikanischen Hilfsverein eine Spende gibt, von Dreiermannschaften der NSA beschattet. </span></p>]]></content:encoded>
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		<title>Burning Man Festival</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 1998 15:09:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Tief in der Wüste von Nevada, am einsamsten Highway der Vereinigten Staaten, wo an der Area 51 die UFOs landen, brennt ein riesiger Mann. Und zwanzigtausend Nackte tanzen in der sternenklaren Nacht um ihn herum."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tief in der Wüste von Nevada, am einsamsten Highway der Vereinigten Staaten, wo an der Area 51 die UFOs landen, brennt ein riesiger Mann. Und zwanzigtausend Nackte tanzen in der sternenklaren Nacht um ihn herum. Trommeln dröhnen durch die Einsamkeit und Tamburins klirren im Takt. In der Ferne heult ein Coyote. Die Hippies sind wieder da.</p>
<p>Die Fete in der nördlichen Sandwüste des Glücksspielparadieses Nevada heißt <a href="http://www.burningman.com/" target="_blank">Burning Man Festival</a>, und sie gilt heutzutage als größtes Kunst-Happening im Land. Seit einer Woche schon kommen Langhaarige in alten VW-Bussen und Alternative auf der Harley in die Black Rock Desert und stellen ihr Zelt auf, bringen Bands ihre Instrumente und versuchen mannhaft, knatternde Dieselgeneratoren zu übertönen, und seit einer Woche dreht der Sheriff des menschenleeren Washoe County durch. Denn die Besucher kommen aus aller Welt, sie verstehen sich als Künstler und Freigeister, als Revoluzzer und Partylöwen, und die baumlose Ebene als ihre Bühne. Ringsum Indianerreservate, mittendrin Anarchie - das bringt den stärksten Sheriff um den Verstand.</p>
<p>Eigentlich begann die Tradition des Männchenverbrennens damit, daß die Freundin des jungen Larry Harvey aus San Francisco mit einem anderen durchbrannte, was Künstler Larry zum Anlaß nahm, ein Bildnis des Nebenbuhlers zu zimmern, an den Baker Strand zu schleppen und im Kreise seiner Freunde symbolisch abzufackeln. Dann tranken sie den Rotwein aus und gingen nach Hause. Und weil´s so schön war, wiederholten sie die Verbrennung im Jahr darauf. Aber bald hatten sich dreihundert Leute am Strand eingefunden, und die Polizei drohte mit Knast, falls nochmal Brand gestiftet würde. Also zog man im nächsten Jahr in die Wüste - nach Nevada. Und je mehr Leute von der Fete erfuhren, umso mehr kamen. Wer in Kalifornien zum hippen Underground gehören wollte, mußte am Labor-Day Wochenende zum Burning Man.<br />
Burning Man Festival</p>
<p>Mitten in der topfebenen Eintönigkeit der Black Rock Desert durfte man, was woanders nicht ging. Nackt herumtanzen, während man nordkalifornischen Sinsemilla durchzog. Tage- und nächtelang trommeln, rocken, schießen, Auto- und Motorradrennen veranstalten, mitgeschleppte oder am Ort angefertigte Kunst ausstellen und sich selber als Kunstobjekt geben. Alles ging, bis auf Kommerz. Der war verpönt, denn die Avant-Garde war doch hier unter sich, und da kassiert man nicht voneinander. Alles muß hereingeschleppt werden, Lebensmittel und Wasser, Zelt und Sprit, denn Gerlach, die nächste Siedlung, ist viele Meilen entfernt.</p>
<p>Die Burning Man Feten dehnten sich aus bis sich endlich die Woche etablierte, die heute als Minimum gilt. 1994 wurden die ersten riesigen Kunstinstallationen aufgestellt; professionell gestaltete Werke, die die Aufmerksamkeit der Medien erregten. BBC kam mit einer Kameracrew, und CNN war da, womit das Insidertum zum Teufel ging. In den nächsten Jahren wurde Burning Man zum Massenspektakel, zum Open-Air mit Feuerwerk und strengen Verhaltensnormen, eine ferngesteuerte Kunstorgie, wo während einer wilden Woche flanellgrau dem Ganzkörpersonnenbrand weichen muß. Um Voyeure fernzuhalten, sollen Besucher der Wüstenvernissage die ganze Woche Staub schlucken; vorher abreisen wird mit gesellschaftlicher Aechtung bestraft. Trotzdem soll es Gutsituierte geben, die den Familienluxusfuhrpark um einen verrosteten VW-Bus erweitern, damit sie stilecht beim Burning Man auftreten. Die finden nichts dabei, daß zum heute beginnenden 13. Burning Man Festival erstmal hundert Dollar pro Besucher geblecht werden müssen. Hippie ist inzwischen nur noch eine Moderichtung.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Bagdad Café &#8211; Wo endet der Traum, beginnt das Leben?</title>
		<link>http://kaschemme.de/1995/11/bagdad-cafe-wo-endet-der-traum-beginnt-das-leben/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Nov 1995 15:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon kurz nach dem Frühstück ist es unerträglich heiß in der kalifornischen Mojavewüste. Die Septemberhitze flimmert über dem brüchigen Asphalt der alten Route 66, Coyoten stehen mit heraushängender Zunge hechelnd im kurzen, trockenen Gestrüpp und schneeweiße Wolkenfetzen sorgen im endlosen ausgebleichten Himmel für Perspektive]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon kurz nach dem Frühstück ist es unerträglich heiß in der kalifornischen Mojavewüste. Die Septemberhitze flimmert über dem brüchigen Asphalt der alten Route 66, Coyoten stehen mit heraushängender Zunge hechelnd im kurzen, trockenen Gestrüpp und schneeweiße Wolkenfetzen sorgen im endlosen ausgebleichten Himmel für Perspektive. Da freut sich der Reisende sogar über eine der trostlosen Wohnwagen- und Bretterbudensiedlungen, mit denen die Mojave gespickt ist; über diese ganz besonders, denn sie heißt Newberry Springs und ist Heimat des legendären Bagdad Café.</p>
<p>Ausgerechnet ein Deutscher, den hierzulande kein Mensch kannte, machte das kleine Wüstencafé zum Begriff. Regisseur Percy Adlon drehte mit Marianne Sägebrecht, der Afroamerikanerin CCH Pounder und dem Uralt-Hollywoodchargen Jack Palance mitten in der Mojave seine Vision zweier kollisionsbestimmter Welten, die der Vorsehung ein Schnippchen schlagen. Als "Out of Rosenheim" wurde das Lichtspiel uraufgeführt, doch die Eleganz und Einfachheit des sprachlich neutralen "Bagdad Café" überzeugte, also hieß der Streifen künftig nach seinem Handlungsort, und das war gut.</p>
<p>Weil das Eremitendorf Bagdad schon lange bis auf ein Ortsschild zu Wüstenstaub zerfallen war, machte Regisseur Adlon kurzerhand das Sidewinder Café im benachbarten Newberry Springs zum bis dahin imaginären Bagdad Café. Und weil es entgegen landläufiger Meinung auch außerhalb Kaliforniens eine Welt gibt, kommt die seither in die Einöde, um das Café aus dem Kultfilm zu erleben. Daß der Filmname blieb, daß aus dem Sidewinder das Bagdad wurde, versteht sich von selbst. The business of America is business - also wird selbst in der ausgedörrten Grenzenlosigkeit der Mojave um jeden Penny gerungen.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-518" title="pjk_route66bagdadcaf_2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcaf_2.gif" alt="pjk_route66bagdadcaf_2" width="150" height="248" />Es ist eigentlich nichtssagend, das rote Rechteck mit dem alpin wirkenden spitzgiebeligen Dach. Außen wie innen fade - doch es gleicht dem Adlon-Werk darin, daß weder Landschaft noch Architektur die Hauptrolle spielen, sondern die Menschen, die sich im Café treffen, die Durchreisenden und diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer dort wohnen. Dort oder nebenan - es ist gleich, denn in diesem dahinsiechenden Straßendorf dreht sich wahrhaftig alles um das Bagdad Café. Chefin Andre, die sich den europäischen Besuchern zuliebe Andrea nennt, ist so eine Art blondierter Ortsmittelpunkt, ein amerikanischer mit langen Fingernägeln und einem fest eingebrannten Dauerlächeln, die auch den miesepetrigsten Gast "Honey" nennt und "Sweetie", Schatz und Liebling. Sie sammelt Filmmemorabilien - daß dieser kleine Streifen des German director gewaltige Wellen schlägt, merkt sie jeden Tag. "Von überallher kommen sie, aus Frankreich und Italien, und natürlich jede Menge Deutsche. Im Sommer wie im Winter - verdammt viel Urlaub müssen die in Europa haben, und einen Haufen Geld" staunt die Wirtin und schenkt vom schwächlich-braunen Kaffee nach.</p>
<p>Der Herr am Nebenhocker nickt bestätigend. Seine weißen Locken wippen im Takt des schweren Kopfes, die schwieligen Hände umklammern den weißglasierten irdenen Kaffeebecher, und nach einer höflichen Pause rückt er näher. "Das beklagt ja meine Tante auch immer" unterstreicht er Andres Worte, die sich, Augen gen Zimmerdecke rollend, durch die Schwingtür in die Küche verdrückt. "Aber das wissen Sie doch. Sie läßt übrigens schön grüßen. Und ich soll Ihnen ausrichten, daß Sie nach wie vor ihr zuverlässigster Mann in Europa sind. Ohne Sie wäre dort drüben jetzt der Teufel los - Tante Elizabeth vermutlich im Tower eingesperrt und die verdammten Kommunisten im Palast". Der Angesprochene staunt, und langsam schleicht sich eine Ahnung ein. "Ihre Tante ist....?" Der Weißhaarige blickt hurtig um sich, beugt sich herüber und macht mit spitzem Mund ein sch-Geräusch. Man nickt. Klar. Die Queen. HRH höchstselbst. Elizabeth von Gottes Gnaden. Also muß es sich bei diesem netten älteren Bürger, der wieder in seinem Kirschkuchen stochert, um den General Bob handeln. Gründer der CIA und Agentenführer par excellence. Liebhaber, Diplomat, britischer Hochadel. Den kennt man in der Wüste.</p>
<div id="attachment_519" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-519" title="Bagdad Café - Peter J. Kraus &amp; General Bob" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_bagdadcafe_cptbob.gif" alt="Bagdad Café - Peter J. Kraus &amp; General Bob" width="460" height="345" /><p class="wp-caption-text">Peter J. Kraus &amp; General Bob</p></div>
<p>Früher mal hieß er Robert Gray und war Soldat. Einer von der einfachen Sorte, einer, auf den zuerst geschossen wird. Er soll, erzählt man sich hier, als blutjunger Freiwilliger während des Zweiten Weltkrieges mitgeholfen haben, Flüchtlinge und Kundschafter aus dem nazidominierten Europa herauszuschleusen. Danach blieb er beim Militär, wegen der Pension und weil er zwischen Schulabschluß und Kriegsdienst weder Zeit noch Gelegenheit hatte, einen Zivilberuf zu erlernen. Die Jahre vergingen, die Karriere des Soldaten Gray erfuhr den bescheidenen Aufstieg, den die US Army zu Friedenszeiten demjenigen zubilligt, der sich ohne bescheinigte akademische Reife durchs Leben schlägt. Nach außen hin war er mit seinem Los wohl zufrieden, doch irgendwann tauchte aus den dunkelsten Verliesen seiner im Krieg dauerhaft geprägten Seele der General auf, machte sich in der Vorstellungswelt des nicht mehr jungen Mannes breit und übernahm das Kommando.</p>
<p>Nun ist er der General Bob, der alte Herr mit dem Einsteinkopf, der den Europaflüchtigen zu neuem Leben verhalf. Er wohnt ganz in der Nähe des Bagdad Café, in einem kleinen Holzhäuschen, für das die Rente gerade noch reicht. Seine Garderobe wählt er sorgfältig aus dem Fundus des örtlichen Thrift Store, des in jeder noch so kleinen Gemeinde anzutreffenden Second-Hand Ladens, durch dessen Betrieb sich die amerikanischen gemeinnützigen Vereine das nötige Kapital verschaffen. Uniformen gibt es da zu kaufen, Uniformen, durch die sich die Hamburgerbräter voneinander unterscheiden, die braunen von McDonald´s und die rot-weiß-blauen vom patriotischen Jack-in-the-Box. Sie sind alle schon bis zur Abnutzungsgrenze getragen, die Polyesterplünnen, aber der General kauft und trägt sie gern, weil er darin in der Menge aufgeht. Unauffällig sein, im Volk mitschwimmen, wie das der Erzfeind Mao einst seinen Jüngern anempfahl - selbst der Gründer der CIA und Neffe Ihrer Königlichen Hoheit lernt von der Konkurrenz, eignet sich noch das Beste aus den Verhaltensvorschriften des roten Beelzebub an.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-520" title="pjk_route66bagdadcaf_3" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcaf_3.gif" alt="pjk_route66bagdadcaf_3" width="150" height="116" />Stammgast ist er im Bagdad Café, der General Bob. Es ist sein Büro, sein Treff, denn jeder Gast aus Europa oder Japan, mit dem der General ein Gespräch beginnt, steht natürlich im Dienst der USA. Hier an der kurzen Theke kann man Geheimnachrichten austauschen und Anweisungen geben, kann sich gemeinsam auf die nächste Aufgabe, das kommende Abenteuer vorbereiten, und wenn der General abends heimgeht, dann tut er das im guten Gefühl, wieder einen Tag lang den Weltfrieden und somit den American Way of Life geschützt zu haben.</p>
<p>Andrea, die eigentlich Andre heißt und nach einer Karriere als Hollywoodagentin und Drehbuchautorin in die Wüste zog, hat sich an den General gewöhnt. Anfangs war´s nicht ganz einfach, meint sie, aber inzwischen kennt sie seine Eigenheiten, auch wenn ihr gelegentlich der Gaul durchgeht und sie ihn dann einen crazy old man schimpft. Aber Bob weiß, daß sie´s nicht so meint. Denn auch für Andre gibt´s nicht nur Sonnenschein. Sie steht tagein, tagaus im Café hinterm Tresen, kümmert sich um jeden Dreck und muß dazu immer guter Dinge sein, sonst bleiben die Leute weg. Das kann selbst einer starken Frau ans Leder gehen. Und wenn sie abends die sieben oder acht Meilen nach Hause fährt, auf ihre Ranch, die einige Quadratkilometer sandiges, steiniges Kalifornien umfaßt, dann warten ihre fünfzig Straußenvögel auf die Abendfütterung; fünfzig riesige, hungrige Laufvögel, die ja eigentlich schon längst zu fettarmem Hackfleisch, cholesterinfreiem Filet und grobporigen Lederhandtaschen verarbeitet sein sollten. Aber Andre hat einen solchen Narren an ihrer Investition gefressen, daß die dämlich glotzenden Straußen ihren betrüblichen Nutzviehstatus gegen den wesentlich angenehmeren des Haustieres eintauschten. Nun traben sie den ganzen Tag über Andres staubige Prärie, scheißen nutzlos in den Sand und können nicht einmal ihr eigenes Futter suchen.</p>
<p>Doch sie ist zufrieden, die Chefin. Ihr Café läuft dank seines Filmruhmes recht gut. Sechzig Prozent ihrer Gäste, meint sie, kommen aus Übersee - Route 66-Touristen, die auf ihrer Reise ans pazifische Ende Amerikas die Sehenswürdigkeit Bagdad Café abhaken. Gästebücher hält die Andre/Andrea für ihre ausländische Kundschaft parat - dreihundertseitige, und sieben Folianten sind schon vielsprachig vollgeschrieben. Auch im Internet hat sie sich etabliert für diejenigen, die sich nicht trennen können, und kürzlich wurde auf ihrem Wüstengelände eine artesische Quelle entdeckt. Klar, daß die Bagdadbossin das Wüstenwasser auf Flaschen ziehen läßt. Sogar bis nach Europa will sie´s verkaufen, mit dem dort hoffentlich umsatzträchtigen Namen ihres Bagdad Café.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-521" title="pjk_route66bagdadcaf_1" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcaf_1.gif" alt="pjk_route66bagdadcaf_1" width="150" height="130" />Ob Percy und Eleonore Adlon überhaupt wissen, was aus ihrer südkalifornischen Wüstenkulisse geworden ist? "Felix Adlon war mal hier" erzählt Andrea, "der Sohn der beiden. Er wohnt in Hollywood, ist natürlich auch Regisseur, und war vom Café so begeistert, daß er gleich seine Eltern in Deutschland anrief und ihnen brühwarm berichtete, was hier so vor sich geht." Daß Andreas Hamburger nach den kultgewordenen Filmfiguren heißen - der "Jack Palance" ist ein recht dürrer, mit Speck garniert, der "CCH Pounderburger" voller Saft und Kraft und der "Marianneburger" bringt natürlich die doppelte Fleischportion auf die Waage - ,daß immer irgendein Filmfan von irgendwoher in der Bude im brütendheißen Niemandsland sitzt, und daß sich die Andrea mit ihrer ganz eigenen Gastlichkeit als ideale Verkörperung der gewachsenen, gewandelten Zelluloidfigur CCH Pounders erweist.</p>
<p>Denn das Leben spiegelt auf seltsame Weise den Film. Trotz der Trostlosigkeit der Mojave, der Abgeschiedenheit und der ständigen Bullenhitze sind die Menschen vom Bagdad Café recht glücklich. Andre/Andrea betrachtet ihr Stückchen Mojave als Belohnung für ein hektisches Arbeitsleben im Moloch Los Angeles, ihre Mitwirkung im täglich neu ablaufenden Realitystreifen Bagdad Café als Fortsetzung ihrer Hollywoodarbeit. Sie hat nun mal ihren Geschäftssinn, also wird sie auch immer etwas anbieten, ohne das die Welt nicht leben kann. Und wenn einer abgebrannt daherkommt, dann weist sie ihn auch nicht ab. Einen Kaffee und ein Stückchen Cherry Pie hat Andre immer übrig - und selbst der fußlahmste Wüstenwanderer heißt bei ihr noch Schätzchen.</p>
<p>General Bob gehört zum Inventar der Wüstenkneipe, ein rundlicher Jack Palance, der mit roter Hamburgerbräteruniform und blauer Plastikhandtasche getarnt am kleinbürgerlichen Leben Newberry Springs´ teilnimmt. Doch Haltung und Ausstrahlung strafen der äußeren Erscheinung Lügen; nicht ein etwas hilfloser Alter schlurft da zur benachbarten zerfallenden Tankstelle, sucht im Schatten der ausladenden Tanksäulenüberdachung vor der erbarmungslosen Mittagssonne Schutz, sondern ein Herr, einer von der alten Sorte. Jemand, dessen Wort etwas gilt. Ein Gentleman in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes - ein sanfter, ein gütiger, ein liebenswürdiger Herr. Gäbe es doch nur mehr Generäle seiner Art.</p>
<div id="attachment_522" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-522" title="Bagdad Café" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcafe.jpg" alt="Wo endet der Traum, beginnt das Leben?" width="460" height="306" /><p class="wp-caption-text">Wo endet der Traum, beginnt das Leben?</p></div>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Alle Fotos: (C) </em><em><a href="http://peterjkraus.com/" target="_blank">Peter J. Kraus</a></em></strong></p>]]></content:encoded>
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