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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Johannes Fightestörk</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Azurblau</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 10:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vierundzwanzig Stunden lang bin ich gehangen zwischen einem Außen aus brute luck, optionenfreies, nichtgewähltes Zur-wasauchimmerdasheißt-Welt-Kommen und dem Vorbau, dem kleinen wässrigen lächerlichen Limbus des Erstickens in meiner Mutter.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="560" height="285" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/NPlMkEFuWsc?version=3&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed width="560" height="285" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/NPlMkEFuWsc?version=3&amp;hl=de_DE" allowFullScreen="true" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /></object></p>
<p><em>Stimme: <a title="alan neon" href="http://www.alanneon.de">Alan Neon</a> / Fotografie: Johannes Romer / Text: J. F.<br />
&#8211;</em></p>
<p>Wenn mir das Gute zusehends aus den Fingern gerät, es entschwindet, wenn der längst lohfarbene rororo-Einband Funken schlägt, wenn mir in unhörbarem Knallen der Daumen reißt, ist das »nicht gerade eine unserer Sternstunden, Mr. Bond«, oder doch? Im lichten inselhaften Grasschopf unter einem Donaubaum in die Lederjacke gegraben ruht es sich aus. Schläft es sich. Es sind doch die längsten Tage des Jahres, und sie sind lang. Aber das Schlechte hat Saat in meinem Rachen oder in der Welt, irgendwo klebt es.</p>
<p>»Ich hatte zwei Gründe, meinen Lehrer zu achten: er war wohlwollend, und er hatte einen übelriechenden Atem.« Jean-Paul Sartre, Die Wörter</p>
<p>Das hatte es schon, Herr Ortheil, in meinen Nullerjahren, im Herausgekniffen-Werden aus dem Becken meiner Mutter. Vierundzwanzig Stunden lang bin ich gehangen zwischen einem Außen aus brute luck, optionenfreies, nichtgewähltes Zur-wasauchimmerdasheißt-Welt-Kommen und dem Vorbau, dem kleinen wässrigen lächerlichen Limbus des Erstickens in meiner Mutter. Mit Vergil hätte ich tanzen können. Irgendeinen Ursprung hätte ich haben können, nur noch einem weiteren brutalen Glück beraubt, dem des Aus-Der-Welt-Kommens.</p>
<p>Wie hätte ich ein eingemauertes Dreisamsein als Familie nicht boykottieren können, nicht alleine am Fenster sitzen können, die Decke anspuckend, wie hätte ich nicht alles nehmen und nichts zurückgeben können. Geistig vakuumiert im Fernsehen, in schmutzigen geliehenen Konsolen, im Heldenstrudel der Neunziger.</p>
<p>Alles ist offensichtlich. Nichts ist klar, nichts ist gewonnen, aber das ist der Bestand aller Dinge. Die ganze Welt liegt auf der Hand, sie ist langweilig.</p>
<p>Die Welt ist nicht mein Lehrer, mein Lehrer sind die Bildergeschichten von Wilhelm Busch, die bebilderten Odysseus-Mythen, mein Lehrer ist das deutsche Nachmittagsfernsehen, mein Lehrer sind die Bücher meines Vaters, noch heute weiß ich nichts von der Welt.</p>
<p>»wenn ich mich eine Weile in solchen Zonen aufgehalten habe, durchziehen sie auch meine Kleidung, und ich nehme sie mit hinauf, in meine stille römische Wohnung.« Hanns-Josef Ortheil, Die Erfindung des Lebens</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1773" title="Tür zur Sonne - Fotografie: Johannes Romer" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/tuerzursonne-280x282.jpg" alt="Tür zur Sonne - Fotografie: Johannes Romer" width="280" height="282" />Mit Endlichkeiten war sich nicht zufrieden zu geben, was war schon die Porschestraße, was war der Essigbaum, den ich bekletterte wobei mir schonmal das Fußgelenk raussprang. Ich konnte jeder und alles sein und nur in der Fantasie, die heute die Kunst ist, gab es Erlösung von aller Physik.</p>
<p>Wie leicht wäre es, so weiter zu gehen, und irgendwann tue ich das auch, ich meine nicht in diesem ungebändigten Autismus, sondern in dieser »einzigen Wissenschaft, in der ich studiert bin« (an dieser Stelle ziehe ich die Augenbrauen und die Nasenwinkel hoch), mich selbst (zu behutsam!) zu demontieren, Speiche für Elle für Gelenk, und mir mich selbst zum Fraß vorzuwerfen. Bis mir nurnoch das leere Azurblau im Augenpaar dämmert.</p>
<p>Aber meine linke Hälfte tut mir zu weh, mein Schädel ist zu gebläht und ich will Maultaschen essen, den Commander besteigen und Portwein kaufen, rausfahren, die Scheinwerfer anspringen lassen, mich im Menschengewimmer des Gäubodenvolksfestes verlieren, den bitteren Geschmack vom fehlen fremde Städte kurz runterschlucken. Irgendwo klebt es.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Meister Sakul</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[rauchen]]></category>
		<category><![CDATA[surrealseltsam]]></category>
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		<description><![CDATA[Meister Sakul sprang mit einem großen Satz zum Feuer am Einbauschrank, der war vollgestellt mit Büchern und einzelnen abgestandenen Bieren die sicher schon stanken. Die Kronkorken wellten sich. Darunter erkannte ich eine deutsche Ausgabe der Commedia. Phaidon. Ich hechtete, fischte sie aus der Brunst und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Zieh den Scheiß einfach«, blökte Meister Sakul mit halb geöffneten, geschwollenen Augenschlitzen. »Wenn du dich hinrichten willst, dann mach doch«, sagte ich. Das würde einfach abscheulich werden in unserem Zustand. Tödlich. Keine Nacht für solche Präparate. Irrsinn. Wir diskutierten eine Ewigkeit, ziemlich sicher waren es ein paar Minuten. Rauchten, ließen die Fenster geschlossen und tranken Asbach. Ich ging mich erleichtern und schlug die Tür hinter mir zu. Was sollte noch werden bis zum Morgen, wenn der Zeitmesser  gedrückt wird und der Rekord wieder nicht gebrochen? Was für eine grausame Vorstellung, unabwendbar zwar, aber einfach grausam, daran jetzt einen Gedanken zu verschwenden. Reiß dich zusammen Störk, geh nicht aus dem Leim, schlag dem Morgen und dem Übermorgen und den ewigen Werbungseinlagen mit Reinigungsmitteln und Versicherungen ein Schnippchen oder zwei. Schizoide Bilder des himmlischen Endkampfs pochten an die Tür meines geistigen Auges. Ich fegte sie fort und stopselte zurück, mit dem festen Entschluss den Scheiß einfach zu ziehen. Gefährliches Zeug. Es kam wie es musste: Sakul hing über dem Haufen und stopfte sich den Scheiß ins Nasenloch. Das hielt doch kein Mensch aus. Er gröhlte laut auf und warf den Nacken in Falten. Strahlen gebündelter Energie schossen ihm aus den Nasenlöchern und versengten den Teppichboden. Mit dem Wahngott selbst in den Augen starrte er mich an und fackelte die ganze Garnitur ab. Stichflammen zischten aus den Schubladen. Er riss die Lider noch weiter auf und die Fensterscheiben platzten mit einem Donnern aus der Fassung.</p>
<p>»Du Hurensohn!«, schrie ich ihm entgegen. »Du bringst uns noch um!«</p>
<p>In dem Moment war der Spuk vorbei. Was für ein Idiot. Er keuchte vor Erschöpfung, dann war er voll da und lachte kreischend wie ein kleines Mädchen.</p>
<p>»Hahahahahahast du das gesehen?«</p>
<p>Klar hatte ich. Die Bude stand in Flammen.</p>
<p>»MIR IST SCHEISSKALT!«</p>
<p>Meister Sakul sprang mit einem großen Satz zum Feuer am Einbauschrank, der war vollgestellt mit Büchern und einzelnen abgestandenen Bieren die sicher schon stanken. Die Kronkorken wellten sich. Darunter erkannte ich eine deutsche Ausgabe der Commedia. Phaidon. Ich hechtete, fischte sie aus der Brunst und trat Sakul vors Gesicht, dass er sich nicht bei lebendigem Leibe verbrannte. Resolut schmetterte ich das Buch auf den Boden, der Plastikeinband hatte schon angefangen zu schmelzen, und trat drauf so fest ich konnte. Das half nicht. Ich schnappte mir die erstbeste Flasche und hielt sie kopfüber auf die Commedia. Es war der Asbach. Das kostete mich die rechte Augenbraue. Um uns herum wurde es immer lauter, der Rauch stieg aus dem Fenster.</p>
<p>»Sieh nur, was du uns eingebrockt hast!«, rief ich über das konstante Rauschen des Feuers hinweg. »Du Kotzbrocken! Ruf die Feuerwehr! Aber bloß nicht die Bullen! Nicht die Bullen! Dafür kriegen wir die Giftspritze!«</p>
<p>Er hantierte auf dem Hosenboden sitzend herum. Zwecklos. Ich hatte keine Wahl. Ich machte den Hosenstall auf und drückte mir das letzte Bisschen Bier raus. Hier bekam man nicht die Giftspritze. Das Buch war gelöscht.</p>
<p>»Was war das überhaupt für ein Scheiß?«</p>
<p>»DAS IST AUS DEM IRAK!«, brüllte er, dass man es noch in München hören konnte. Ich stopfte die Commedia in meine Jackentasche und zog sie zu. Meine Hosentasche vibrierte. Ich nahm ab. »JA?!«, stieß ich heraus. Verdammt, war dieses Fichtenholz laut. Es krachte und knisterte, dass man den Verstand verlieren konnte. Die Decke fing an schwarz zu werden.</p>
<p>»Feuerwehr Regensburg. Um was geht es?«, sagte eine entspannte Männerstimme am anderen Ende.</p>
<p>»Na sie haben doch angerufen!«</p>
<p>»In welchem Stockwerk befinden sie sich?«</p>
<p>Ich ging zum Fensterloch und sah nach.</p>
<p>»Glaube im dritten!«</p>
<p>»Sind sie sich nicht sicher?«</p>
<p>»Nein, könnte auch der Vierte sein! Hören sie mal-«</p>
<p>»Ist das Fichtenholz, das brennt?«</p>
<p>»Ja, aber-«</p>
<p>»Wir sind unterwegs!« Er legte auf.</p>
<p>Ich stopfte das Telefon zurück in die Tasche und machte mir das Hemd auf. Was für eine Hitze.</p>
<p>»LASS UNS IN DIE STADT GEHEN!«, rief der Meister vom Boden. Ich musste ein brennenden Brett wegkicken, das er aufheben wollte. »Eher bleibe ich hier mit dir! Ich begeb mich doch jetzt nicht unter Leute! In deinem Zustand! Du bringst jemanden um!«</p>
<p>»LASS UNS JEMANDEN UMBRINGEN!«</p>
<p>Sakul fand die Kraft aufzustehen und rauschte an mir vorbei, durch die Diele und fiel die Treppen runter. Ich kam gerade so hinterher und sah noch, wie er sich unten angekommen seine Jacke vom Ständer suchte. Ein Blick zurück sagte mir, dass die Wohnung nicht zu retten war. Ich prüfte, ob das Buch noch in meiner Jackentasche war und drehte den Schlüssel drei mal um.</p>
<p>Jemand musste ihn aufhalten.</p>
<p>Drei Gassen weiter hörten wir die Sirenen. Ich hatte Sakul an meinen starken Arm gekettet. Zum Glück war er vom ersten Schock runtergekommen. Keine Chance sich vor der Justiz zu verstecken, dachte ich. Oder vor der Feuerwehr. Wachmeisterköter mit dem Daumen am Mercedeslenkrad, ihre Verachtung für so gefährliche chemische Experimente wie wir welche waren im Anschlag würden uns verfolgen. Vielleicht würden sie uns die Brandstiftung verzeihen, aber nicht das was der wildgewordene Koch an meiner Rechten noch anstellen wird, wenn ich nicht aufpasse. Meine Güte, dieser dritte Stock. Oder vierte. Was war der schon wert. Unkalkulierbarer Schwund. Hätte ja ein Kleinstadtkrimineller abfackeln können, weil der Anwohner Wettschulden hatte. Konnte ja niemand wissen, dass wir nicht wetteten. Nicht aus Prinzip, sondern aus Geldmangel. Nichts zu investieren. Aber genug zu verlieren. Was würden mir für hunderte Filme durch die Latten gehen, wenn ich jetzt weggesperrt werde. Vier Uhr. Die Zeit lief uns davon &#8211; nicht daran denken. Irgendwo saßen Ebenbilder von uns in einem Geräteschuppen im nassen Stiefeldreck und gaben sich den letzten Schuss des Abends. Könnte schlimmer sein.</p>
<p>»Reden die einen süditalienischen Dialekt. Sag mal.«</p>
<p>Sakuls leerer Blick verhakte sich in ein vorbeilaufendes Paar. Zwei Männer.</p>
<p>»Ja, das passiert manchmal um diese Jahreszeit«, sagte ich.</p>
<p>Bilder von einer Platonbüste irgendwo in Athener Marmorfluchten tauchten vor mir auf. Doktor Faustus steht davor und Platon spuckt ihm entgegen: »Philosophieren ist wie Sterben.« Schauderlich.</p>
<p>»Er hätte ihn auch nicht retten können«, sagte Sakul nebenbei, als wäre es garnichts ungewöhnliches, meine Gedanken zu lesen. »Nicht vor diesem verdammten Mephistopheles.«</p>
<p>Die Haare auf dem Armen stellten sich mir auf. Warum wusste er, was ich dachte?</p>
<p>»Was war das überhaupt für ein Scheiß?«, fragte ich.</p>
<p>»Ach, das ist aus dem Irak. Fällt da unter irgend eine Sprengwaffenverordnung. Geheime Sache. Frag mich nicht. Hast du noch Schnaps?«</p>
<p>Er griff mir unwillkürlich in die Jackentasche und bekam die Commedia zu fassen. »Lass das, Arsch«, zischelte ich und schlug ihm auf die Finger. Hoffentlich jagte der Scheiß nicht die ganze Straße in die Luft, den wir liegengelassen haben. Weiß der Teufel, wie das auf Hitze reagiert. Oder die halbe Stadt. Geradeausdenken.</p>
<p>Vielleicht sollte ich ihm kaltes Wasser rüberschütten. Oder mir. Vielleicht war ich ja unkontrollierbar. Sakul kam mir plötzlich so nüchtern vor. Ich gab mir eine Ohrfeige und hielt noch die andere Backe hin. Keiner schlug zu. Er fing an irgend eine Melodie zu pfeifen, die mir bekannt vor kam. Wir bogen um die Ecke und ich stimmte ein.</p>
<p>Kurz darauf fanden wir uns wider jeder Vernunft in einem gefüllten Lokal wieder und bestellten Single Malt Scotch. Nach fünf Minuten des Waffenstillstandes sagte der Meister, einen letzten Schluck gurgelnd: »So.« &#8211; er schluckte &#8211; »Jetzt bringen wir jemanden um!« Und er schlug auf die Theke mit seinen Kochpratzen, sehnig und fest vom Gemüsehacken und Saitenschlagen, dass sämtliche Flaschen und Gläser auf dem Tresen den Halt verloren und zu Bruch gingen. Er war nicht kräftig, das waren Österreicher nie. Das musste dieses irakische Plutonium sein.</p>
<p>»Das werdet ihr alles bezahlen!« Die stämmige Barfrau kam hervorgeschossen. Sie hielt einen langen Glassplitter in der Hand. Ich wollte etwas sagen, aber Sakul flüsterte mir laut hörbar ins Ohr, ob er sie umbringen sollte. Er mache das ganz schnell, dann verpissen wir uns. »Garkein Problem«, sagte ich, um ihn zu übertönen. Ich knallte alles auf den Tisch was ich hatte. Zwei oder drei größere Scheine. »Wartet mal.« Wir gingen, und kaum waren wir vor der Tür, war die Musik zu Ende und lautes Gesplitter und Gekreische kam von hinten. Eine Frau. Sie schrie jemanden an, warum er sowas behaupte und dass er ein Hurensohn sei. Wieder splitterte ein Glas. Nur raus hier. Ich überlegte, ob wir uns in irgend einer Spielhölle verkriechen sollten. Sonst würden wir noch draufgehen.</p>
<p>Zwei Tauben schissen den Stadtplatz voll.</p>
<p>Wir landeten in einer einsamen Einkaufspassage. Schuhgeschäfte, Ballkleider, Krankenhauslicht. Nicht mehr weit vom Geräteschuppen entfernt. Halb 6 sagte der Chronometer. Bald ging die Sonne auf und wir hatten einen Scheiß erreicht.</p>
<p>»Scheiße«, brachte Sakul heraus und kotzte Asbach. Wir setzten uns eine Bank tiefer in die Passage.</p>
<p>»Stell dir vor, die Nacht ist gelaufen. Bald kaufen hier irgendwelche Wichser Schuhe.«</p>
<p>»Ist heute Sonntag?«, fragte der Meister. Es war Freitag. Das heißt Samstag.</p>
<p>Auf ein mal hatte er wieder diese Augen. Er zog saugend an seiner Zigarette und blies den Rauch aus den Nasenlöchern wie ein Drache aus einem Rittermärchen. »Hahahahaha!« Er bekam sich nicht mehr ein.</p>
<p>»ICH KRIEG BEIM AUSATMEN KEINE LUFT MEHR!«</p>
<p>Bevor ich etwas sagen konnte, kamen da diese Schritte. Das Plutonium kochte in Sakul hoch. Rauch stieg ihm einfach so aus der Nase. Ich machte mich auf alles gefasst. Endkampf. Der nie zum Engel gewordene Ikarus schnellt im Kamikazesturzflug auf die Heerschaaren des Bösen herunter, nur mit seinen Fingernägeln bewaffnet.</p>
<p>Es waren drei Türkendeutsche mit Pelzkapuzen. Volltrunken von Energizergemisch. Sie hätten deutscher nicht sein können.</p>
<p>Sakul nahm einen Zwei-Zentimeter-Zug von seiner Kippe und stand auf. Jetzt war es unvermeidlich, dachte ich. Aber er stand nur da und schaute und aus seiner Nase stieg eine Unmenge Rauch.</p>
<p>»He!«, plärrte der mittelgroße von den dreien. Er war am besten frisiert.</p>
<p>»Was macht ihr hier?!«</p>
<p>Ich witterte eine letzte Möglichkeit, den Zusammenprall zu verhindern. »Und ihr?«, fragte ich nicht zu höflich.</p>
<p>»Ich wohn&#8217; hier! Verpisst euch!«, rief ein anderer. Sakuls Augen wurden groß. Tut das nicht, flehte ich in mich rein. Fasst ihn bloß nicht an. Sie wussten nicht, worauf sie sich da einließen. Keine Ahnung.</p>
<p>»Lasst es bleiben!«, schrie ich in einem ungemäß kleinen Anflug von Verzweiflung.</p>
<p>Sie kamen schnurgerade auf den Koch zu. Keine Ausweichmöglichkeit. Der Gang war einfach zu eng. »WAS?!«, brüllte der Größte und war bald da. Er holte schon aus. Es sollte ein rechter Schwinger werden. Ich saß unbeweglich auf der Bank. Die drei mit ihrem osmanischen Temperament und den gleichen Jacken hatten heute Nacht sicher schon einige Banksitzer umgehauen. Wir sollten die letzten werden.</p>
<p>Meister Sakul war nicht stark, oder groß, oder schnell. Aber er war schnaubend auf den Einfall der Osmanen gefasst. Er hatte die gefährliche Fehleinschätzung von Adolf Hitler, Österreicher war er ja. Ergebnis von jahrelangen Testreihen. Es war aus. Mephisto hatte uns am Kragen. Ich dachte kurz, der Boden würde Risse bekommen. Meine Augenbraue tat weh.</p>
<p>Dann ging alles schnell.</p>
<p>Sakul riss einen Feuerlöscher am Schlauch in einem Rutsch aus dem Putz heraus. Er holte aus wie ein berittener Kreuzritter mit einem Morgenstern. Er erwischte den Kerl mit einer aberwitzigen Geschwindigkeit am Ohr. Er fiel um wie ein Blatt im Oktober. Nur war es für ihn noch zu früh. Sein Gesicht splitterte und es trieb ihm das Jochbein ins Hirn. Er war sofort tot.</p>
<p>Sakul schnaubte wie ein riesiger Deckhengst. Er ließ den verbeulten Metallklumpen sofort fallen und stieg über den Typen hinweg. Die anderen beiden hatten in ihrem Rausch noch nicht wahrgenommen, was passiert war. Er bekam sie gleichzeitig mit chirurgischer Präzision an der Kehle zu fassen. Der eine wand sich und verpasste ihm einen kräftigen Schlag auf die Stirn.</p>
<p>»Heeeeh!« schrie der andere und trat ihm, noch halb im Lauf, auf die Kniescheibe. Noch eine Gerade. Sie verirrte sich und brach Sakul die Nase quer durch. Er drückte zu. Steckte in den Magen und auf die Brust ein. Es rauchte ganz schön. Er hatte ihre Luftröhren im Griff. Nach einer halben Sekunde, in der garnichts zu passieren schien konnte man sehen, wie er die Finger dahinter schloss. Sakul blieb so stehen. Sie wehrten sich nicht mehr. Sie drehten die Augen nach innen und zuckten epileptisch. Es kam noch mal ein Schlag von einem. Dann war Ruhe. Er drückte nochmal fester zu, bevor er sie fallen ließ. Ihre Köpfe knallten auf den Fließenboden. Der Koch röchelte kurz Luft in sich rein und beugte sich dann, um munter darauf einzuschlagen.</p>
<p>Ich griff in meine Jacke. Die Commedia war noch da. Ich saß rum und sah zu. Bei dem einen hörte er erst auf, als sich das Ohr vom Rest löste. Die Haut war aufgeweicht. Er drehte sich um.</p>
<p>»SCHAU MAL!« Er ließ das Ohr umherbaumeln. Der andere Osmane keuchte. Er bekam den Stiefel ins Gesicht und war ruhig. Dann war es vorbei. Sakul kicherte und kam her.</p>
<p>»Jetzt hast du es geschafft«, sagte ich vorwurfsvoll.</p>
<p>»LASS UNS WAS ESSEN GEHEN!«, schrie er.</p>
<p>»Du hast den Verstand verloren. Völlig den Verstand verloren.«</p>
<p>Meine Hosentasche vibrierte. Ich zog das Telefon raus und nahm ab. Eine Frauenstimme.</p>
<p>»Polizei Regensburg. Was kann ich für sie tun?«</p>
<p>Kaum zu fassen. Was für eine Scheiße. Ich hatte genug. Ich schmiss das Telefon in den Mülleimer und packte Sakul am Arm.</p>
<p>»Komm«, sagte ich.</p>
<p>Wir gingen rüber ins Parkhaus und verschanzten uns in einem nicht abgesperrten Wagen. Sakul schnallte sich mit vorfreudigem Blick an. »Ich will was rauchen!« Er war wieder etwas beruhigt, aber ihm kam immer noch Dunst aus der schiefgeschlagenen Nase. »Du Vollidiot«, setzte er noch dazu. Ich atmete durch und versuchte nicht an den Tod zu denken. Sie wussten nicht was sie tun. Selbst schuld. Das Parkdeck leuchtete. Ich drückte auf den Zeitmesser. Die Commedia schlummerte in meiner Tasche.</p>
<p>»Lass uns was Essen gehen«, sagte ich.</p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
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<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
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		<title>Portwein</title>
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		<pubDate>Sun, 08 May 2011 02:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir reißen die Straßen auf mit unseren Hacken im Großstadtsuff, wütend, mit geblähten Hemden fackeln wir die müllgefütterten Bäuche der Glashäuser ab, und lassen uns nicht aufhalten von unsichtbaren Linien und Kreidestrichen, von Generaldirektoren und Agenturräten gezogen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>(Stimme: Alan Neon; Fotografie: Rafael Pielorz; Text: J. F.)</em></p>
<p><object width="600" height="371"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/f6_2ik6OdqI?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/f6_2ik6OdqI?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="371" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Wir reißen die Straßen auf mit unseren Hacken im Großstadtsuff,<br />
wütend, mit geblähten Hemden fackeln wir die müllgefütterten Bäuche der Glashäuser ab,<br />
und lassen uns nicht aufhalten von unsichtbaren Linien und Kreidestrichen, von Generaldirektoren und Agenturräten gezogen,<br />
von schmalgesichtigen Polizisten die aus Silberschweifen hechten und ihre Schultersterne sprechen lassen,<br />
von der kosmischen, unverzeihenden Investigationstruppe,<br />
von den Lou Salomés in den einladend pulsierenden musikzerrütteten Stätten mit den einladend pulsierenden Körpern,<br />
von den Blechmonstern, die uns am anderen Ende der Welt wieder ausspucken,<br />
von den Heilanstalten, den vollgestopften, die uns wild gestikulierend aufnehmen würden, denn nicht mal dort gibt es noch große Menschen,<br />
von den tollwütigen Hundebesitzern auf der Straße, den tollwütigen geprellten Laternennutten in ihrem Kiezer Zwirn,<br />
von hysterischen vollgeschnupften Halbglatzen, Diamantenhändlern, von philosophielosen Ärschen, die unter Röcken herausschießen,<br />
von Fixern in der leergesaugten Morgendämmerung,<br />
wir sind uns selbst überdrüssig, der Linke ist dem Rechten überdrüssig, wir spucken auf unsere eigenen Gräber,<br />
der Linke auf den Epitaph des Rechten, wir rotzen auch den Generaldirektoren und den Louise von Salomés und den Psychiatern und dem Linken aufs Grab,<br />
in lustloser Masturbation gegen die Würde selbst gerichtet, den rechteckigen Tullamore Dew im Holster, die Revolvertöpfe in Fensterspalten prustend koksen wir für die Ehrlichkeit,<br />
eingerahmt für die nächsten Stunden, mit teuren Lederstiefeletten und wildwüchsigen Haaren, ungewaschen und unparfümiert die Straße tretend,<br />
die Welt wird nach hinten geschoben, nicht wir vorwärts – im Staccatogalopp vorbei am Morgengrauen,<br />
an Persiluhren und Abendkinos, an alten, verschmutzten und verfetteten Göttern,<br />
Existenzialisten in Mindestpreis-Polyesterhosen,<br />
berühmt an den Tastaturen, von der Kritik gefeiert,<br />
mit Starkstromkabeln im Zirkus Maximus,<br />
irgendwann Essen an Zechenhäuser in dunkelroten Vans ausliefernd oder<br />
in Apartments mit Glasfronten und rauchenden Mädchen auf dem Balkon<br />
oder in der Strafvollzugsanstalt wegen Selbstjustiz und Exhibitionismus,<br />
mit einer biologischen Uhr mit siebzehn Zeigern und keiner einzigen Zahl,<br />
unbenutzte italienische Stillets in der Brusttasche und keine zwei Zentiliter Blut zu vergeuden,<br />
mit Kiloweise Hass auf großmäulige Scharen in Theatersälen und unter Wärmepilzen in Wintergärten,<br />
auf kalte deutsche Wälder, auf Lichterketten in den multiplen dreckigen Seitenarmen von Imbiss-Hauptstraßen,<br />
auf Richard Wagner, auf alle Zigarettenmarken außer Marlboro, mit Hirnen wie Boas im Kampf,<br />
sich um sich selbst windend, luftlos, glatt und tödlich,<br />
Sie sperren sich in Toilettenkabinen weg, mit Antibiotika im Rachen und Melonenkernen in den Taschen,<br />
Herbie Hancock die ganze Nacht in den Ohren, und trinken Filterkaffee am nächsten Morgen:<br />
Guten Morgen ihr norwegischen Bärenjäger, ihr Frühaufsteher, Shaolinmönche mit Eiern wie Zwei-Euro-Stücke, ihr Taschentotschläger,<br />
guten Morgen Brandlöcher in Anzughosen, guten Morgen Kiew, guten Morgen ihr Fensterläden und Chesterfieldsessel,<br />
guten Morgen ihr runden Arschlöcher rotgerieben vom abendlichen Schiß, guten Morgen Vietnam,<br />
guten Morgen ihr dänischen Biere die nach Brausepulver schmecken, guten Morgen Kolibris die für einen Fick 500 Herzschläge brauchen,<br />
guten Morgen Galgen, du wirst vom Berg geschnitten!<br />
Und sie reißen den Tag runter und fürchten sich vor nichts und trinken Portwein am nächsten Abend.</p>
<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/05/portwein.jpg" alt="Fotografie: Rafael Pielorz" title="Fotografie: Rafael Pielorz" width="600" height="300" class="aligncenter size-full wp-image-1586" /></p>
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<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
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<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
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</tbody>
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		<title>Im Spiegel</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 09:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<description><![CDATA[An Tagen wie diesen, an denen man leicht von der eigenen Minderwertigkeit umspielt wird, kommt man sich von dieser nur geweckt vor, nur gekniffen, aber man könnte ebenso an diesem Kniff verbluten, weil sie so mordlustig und bösartig ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1456" title="Spiegel-Kugeln" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/spiegelkugeln_1.jpg" alt="" width="100" height="346" />An Tagen wie diesen, an denen man leicht von der eigenen Minderwertigkeit umspielt wird &#8211; vielleicht nicht mal eine, die dir zeigen will, dass Jemand oder Etwas höher ist als das Du (Ich), in dem man sich nur gefangen sehen kann, aber nie ausbrechen will, in einem Schwindel der Freiheit, dem man sich immer ausgesetzt fühlt, aber nie erliegt, eingeschweißt in die eigene Pathologie, sondern gar eine, die jede Zuschreibung eines Sinnes im vielleicht dem Menschen in dieser Zeit eigenen ewiglichen Herumtraben und Einstampfen von papierischen Numerologien, Gratiscoupons, Altmetall von Feuerzeugsteinen und Postkastenständern und Rückspiegeln, Reue, Lippenstifthaltern, alten Büchern, neuen Büchern, Glas und Vorurteilen, dem Einstampfen des Ichs (Dus) quer hindurch verbietet, ins Absurde führt, das uns ganz alleine einmullt, nicht wie einen Kranken, sondern wie einen völlig krank werdenden, unrettbaren Retten-Müsser &#8211; man denkt jedenfalls, dass man sich retten müsse &#8211; kommt man sich von dieser nur geweckt vor, nur gekniffen, aber man könnte ebenso an diesem Kniff verbluten, weil sie so mordlustig und bösartig ist und mit ihrem Gesicht aus tausend Gesichtern von vor zwei Minuten und vor ein paar Jahren, von Gesprochenem und Gesehenem tollwütig in das eigene lacht.</p>
<p>Gibt es für dich daran einen Witz, spricht er sich wohl nur als der, dass an diesen Tagen die einzigen Schwächen, und das als solche, die größten Pranken haben und das Stärkste in dir sind, als Ausspruch der unveränderlich ist &#8211; wenn dir Lacan fest ins Ohr beißt weißt du, wie tief sich der Gott den es gibt weil er in deinen Gedanken und auch außerhalb ist oder vielleicht auch nicht in die Faust lacht. Selig sind, die Leid tragen. Aber du trägst es nicht, du versprachlichst Gemeinheiten, Absonderlichkeiten, reibst sie dir selbst in den Nacken und kannst auch nur von dir selbst sprechen, weil das die einzige Wissenschaft ist, in der du studiert bist, du träumst von aufgeschnittenen Stallhengsten und Poolanlagen mit goldbrüstigen Mädchen und von Kokain im nächtlichen violetten Tokio, weil es dich eben gibt weil du in deinen Gedanken und auch außerhalb bist oder vielleicht nicht &#8230; in die Faust lacht.</p>
<p>Und das machst du ständig, nicht nur als Mittel, derer gibt es mehr irgendeinen Gott zu verleugnen und die Welt zu schultern als es dann möglich wäre, etwas anderes über das Faustlachen zu sagen als dass es profan und unzeitgemäß und langweilig ist, wenn man nämlich am Galgen baumelt muss man lachen und es liegt mehr Romantik darin als in fast allem Anderen, nur mit einem blauen Auge lässt es sich leben, und meistens nicht ein mal dann.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1457" title="Spiegel-Kugeln" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/spiegelkugeln_2.jpg" alt="" width="100" height="328" />Wenn er in den Spiegel schaut&#8230; schreibt Jotie T&#8217;Hooft Neunzehnhundertachtundsiebzig und schon in der nächsten Schrift kapituliert er vor seinen Heroinwehen. Wenn ich in den Spiegel schaue erkennt mich eine Nase mit großen Schlöten wieder, wie von einem Schwein, sie schauen mich mit runden schwarzen Augen an. Weiterhin gibt es da ein ausdrucksloses Grinsen, mit einem schmalen Kiefer mit recht geraden Zähnen und äffischen, spitzen Eckhauern, festen Backen und geröteten Jochbeinen. Dreckigblonde Haare von strohiger Konsistenz über polarblauen Augen. Ich erkenne darin keine Schönheit oder ein Konzept. Es ist wohl neutral. Vielleicht ein wenig unbedarft, mit einem bösartigen Einschlag.</p>
<p>An solchen Tagen sehe ich in den Spiegel und suche meinen Hals ab nach dem Käfer mit den großen harten Säbelzangen, den man Weltschmerz nennen mag, wenn man an meinem Tag mit schnauzbärtischem Pathos aufgewacht ist, von Zeit zu Zeit lässt er die Luft aus meinen Venen, und dann zischelt eine Stimme wie aus einem grobporigen Fahrradschlauch: »Siehst du, das passiert, wenn man zu viele Fragen stellt!«</p>
<p>Dann muss ich zusehen, wie sich mein Genick langsam zusammenfaltet, mein Schädel verwelkt und erst wenn alle Luft raus ist, kann ich wieder anfangen zu atmen. Dann liege ich in meinem Bettgestell oder in einem Busbahnhof oder in meiner Armbeuge und sobald wieder Luft an das Hirn unter den unkämmbaren Haaren kommt, durchfahren mich zur selben Zeit all die lächerlichen Angelegenheiten, um die ich mich sonst nie kümmere, als ob etwas in mir aufwacht und mir vorwirft, dass ich andere Schmerzen als die der vielen, gemeinen Kleinigkeiten gar nicht zu tragen hätte, dass keine der großen, schweren Warums mein Geschäft wäre &#8211; und das sind sie wohl auch keinesfalls &#8211; aber ein Vertrag, der nie unterschrieben wurde und nie unterschrieben hätte werden sollen, lässt sich nicht abändern. <img class="size-full wp-image-1457 alignright" title="Spiegel-Kugeln" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/spiegelkugeln_3.jpg" alt="" width="100" height="359" />Wie lange komme ich noch mit all dem Gift davon, das ich so begeistert in mich reinschlucke und reinatme? Ist es die Einsamkeit, die ich brauche, oder ist sie mein ärgster Feind mein liebster Feind mein verhasster Freund? War ich schon mal vollkommen, ohne es zu bemerken? Diese Fragen würde ich noch mit Sicherheit beantworten können, Stück für Stück. Aber nicht heute, und sie waren nie lächerlich, nur lächerlich einfach zu beantworten. Veränderung ist mir schwer zu akzeptieren, sie bedeutet dir, dass du noch nicht abgeschlossen warst.</p>
<p>Wie kann man nur so verbittert sein, so skeptisch und in einer eisigen Rille festgefahren, und das vor seinem einundzwanzigsten Geburtstag, voller energiesaugender Zecken im Kopf.</p>
<p>Einbildung, Fantasie, Rausch?</p>
<p>Mit verkohltem Schädel hört das Ich (Du) irgendwann immer wieder auf, sich Sorgen zu machen, sich zu fürchten, sich zu ekeln. Wenn es etwas schönes vernimmt, einen Schutthaufen im süffigen Morgenwind erklimmt, eine Flasche Augustiner und ein Bündel Telefonkabel zwischen den Fingern, in ein Handtuch vergraben die eigene Nase in der Adriasonne beobachtet, eine Rechte in den Magen geschoben bekommt und dabei lachen muss, wenn plötzlich die Sonne ihre Arme durch die Wolken plumpsen lässt und sie dir das Gesicht warm verpacken, wenn ein Mädchen auftaucht, aus dem nichts und doch lang herbeigesehnt, das die Tage plötzlich anders macht. Wenn du mit Sartre zusammen vor Streifenpolizisten flüchtest. Wenn die Welt kurz aufplatzt und dich unter ihren Rock sehen lässt, noch hinter der Naht, wenn du auf ein mal ganz klar die Fäden zählen kannst.</p>
<p><img class="size-full wp-image-1459 alignleft" title="Spiegel-Kugeln" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/spiegelkugeln_4.jpg" alt="" width="100" height="360" />An jenen und an diesen Tagen, das heißt fast immer, bin ich doch um eines reich und frei von so manchen Unterwerfungen und vom Bereuhen und von den Stirnschmerzen die hier säuberlich in grellfarbene Rucksäcke und Reisekoffer und Mänteltaschen gebettet sind. Ich sage »Ja« und »Nein« zum Leben, aber niemals: »Vielleicht«</p>
<p>Das mag die einzige Kunst sein, die ich je gelernt habe und lernen musste, als wohlbehüteter, aber immer gefährdeter und gefährlicher Prototyp und unreifer Steinewerfer unter den Kindern des ausgehenden Jahrtausends, unter den Geburten aus dem Kalten Krieg und dem Mauerfall heraus. Keinesfalls macht mich das, als Tugend die nur aus der Not entsteht zu etwas Besonderen oder auch nur Alleinigem, bleibe ich doch immer ein Exemplar unter Exemplaren, ein lädiertes, hinkendes zwar, aber weder ein schnelleres noch ein langsameres, wenn die Tüpfelhyänen die Hälse nach Kranken recken. In meiner Sonnenbrille und der unauffälligen nächtlichen Garderobe scheine ich doch gut verpackt und kerngesund. Das beeindruckt bestenfalls mich, aber das und mein Restgenießen in absonderlichen Momenten, in kleinen Altstadtkinos und über Buchbäuchen und an Theken mit Bierflaschen wie Pilze in den bayrischen Wäldern, immer um einen Stamm versammelt, und einer davon anstimmt »Ich trinke um zu vergessen dass ich trinke«, in Gedanken an Reisen in südliche Länder im Sommer und dem Nehmen und Geben mit meiner geliebten, durchtriebenen Frau lässt mich heute weiter Gipfel bejubeln und in Tälern lachen.</p>
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<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
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<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
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		<title>Amvettamyn</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 05:07:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angst vor der Existenz ist mehr als der kalte Schweiß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1352" title="amvettamyn" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/amvettamyn.jpg" alt="amvettamyn" width="500" height="374" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Echsen der Stadt</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 05:04:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Wände der großen Glasfelsen standen hinauf in das Wetter des Tages. In gestreckten Italolettern steht da »La Défense« und die Schrift zerlief in ihren Farben auf dem Metall, ohne dass es jemand bemerkte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wände der großen Glasfelsen standen hinauf in das Wetter des Tages. In gestreckten Italolettern steht da »La Défense« und die Schrift zerlief in ihren Farben auf dem Metall, ohne dass es jemand bemerkte. Sie lief herab, aber die Zeit, die Fräsung zu erreichen und leise auf den Beton zu klatschen war noch nicht gekommen. Die Menschen sind hier sehr empfindlich. Ihre dünnen Hälse reichen kaum zum Kragen ihres Hemdes hinaus. Ihre langen Augen sehen sich ständig selbst auf die Schulter und dann tippen zwei schnelle Finger darauf. »Sterbe ich für etwas Gutes?«, fragte ich ihren König vor dem grauen Stahleck. Geometrie ragte über mich hinweg. Vierecke. Vierecke. »Lass Feuerworte sprechen«, sagte der König und seine Sprache rollte durch die leeren Schluchten. Die Menschen hier verstecken sich gut, sie sehen sich selbst nur in Spiegeln. Du siehst sie nie. Phantasmen. Phantasmen. »Aber ich kann nicht, mein Mund ist von Fäulnis bedeckt. Wie soll ich sprechen, mir fault der Mund davon« , und ich sehe auf meine Hände herab und sie sind todgelb. »Geh jetzt, und tu was getan werden muss.«</p>
<p>Er schreitet vor mir her, seinen Revolver in der Hose. Hinter mir zwei Schatten. Phantasmen. Meine Lippen schmerzen. Stinkender Sud läuft mir am Kinn entlang. Wir gehen mit gesenkten Köpfen und das Schafott steht bereit, schon sehe ich es hinter den langen Treppen. Ich werde es nicht tun. Ich bin so oft entkommen. Wer ist schon dieser König. Ich reiße meine Hand in seine Tasche, er hantiert, aber schon hat er eine Kugel tief im Hals stecken. Es schäumt aus meinem Mund. Vier Lange Hände strecken sich über mich. Ich bring euch um. Reiß euch die Augen aus. Ich zertrümmere euch. Es tut mir so leid. Vergebt mir. Ich fiel auf die Knie und konnte nicht sprechen. Vierecke stürzten auf mich ein. Glas brach. Die Worte liefen aus meinem Mund, und klatschten leise auf den Beton. »Ihr kriegt mich nicht.«</p>
<p>Da verkrochen sie sich hinter den Spiegeln, die Echsen der Stadt.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1349" title="echsen_blau_" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/echsen_blau_.jpg" alt="echsen_blau_" width="500" height="376" /></p>
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<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
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<small>Sinthom</small></a></td>
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		<title>Schwarze Stiere</title>
		<link>http://kaschemme.de/2010/02/schwarze-stiere/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 22:01:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hier starren dich Flecken von Rasen wie grüne Grimassen aus den Schneehaufen an, lachen dich aus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier starren dich Flecken von Rasen wie grüne Grimassen aus den Schneehaufen an, lachen dich aus. Ein rundes, dumpfes Glas Wasser steht am Fensterbrett. Es bewegt sich nicht einmal einen Millimeter. Zwei fiebrige Hände tauchen daraus auf, mit letzter Kraft halten sie dir ein Gewehr ins Gesicht.</p>
<p>Die Füße der ersten Welt trampeln Vorhöfe kaputt, Lichtschocks sprenkeln Hausanlagen, Paparazzis zucken zum Regen. Ekelhafte Schläge schallen von den Kleinwagenverdecken. Überall in der Stadt liegen flache braune Umschläge mit den abgezählten Beträgen für die Heizkosten des Jahres.<br />
Die meisten werden zu früh geboren. Viele zu spät.</p>
<p>Seine zwei Stiefel stehen im Staub wie wütende, schwarze Stiere. Um seine Finger bläst ein trockener Wind. Er drückt sie tief in den Schlund des Holsters, und du stirbst.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-1332" title="schwarzer_stier" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/01/schwarzer_stier.jpg" alt="schwarzer_stier" width="350" height="250" /></p>
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<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
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		<title>Der rote Haifisch</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/12/der-rote-haifisch/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Dec 2009 22:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[simulacrum]]></category>

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		<description><![CDATA[...
aber du kannst nicht sagen
was heißer brennt
deine versengten Ohren
oder der Drehzahlmesser
und das amüsiert dich
...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wegen all der Zerstäubung<br />
und der Gewalten<br />
hinter deiner Stirn<br />
und zwischen den kaputten Enzymen<br />
und den Kunststoffstreben, der Spiegelmeile<br />
besteht vielleicht nur zuweilen Verbindung<br />
zwischen deinem Hirn und deinen Händen<br />
und die Brille auf der Nase hängt in Fetzen<br />
und das Lenkrad spürst du nicht zwischen den Fingern<br />
aber du kannst nicht sagen<br />
was heißer brennt<br />
deine versengten Ohren<br />
oder der Drehzahlmesser<br />
und das amüsiert dich<br />
noch Tage danach</p>
<p>Turnschuhe bäumen sich auf<br />
und Nierenhaken schallen an Fenstern vorbei<br />
ständig schreit sich irgendwer wund.<br />
Und alle rauchen mit krummen Fingern.<br />
Wenn der rote Lack irgendwann runterfällt<br />
greifst du vielleicht in die Tasche und<br />
fängst nochmal neu an<br />
vielleicht</p>]]></content:encoded>
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		<title>DDR/DEFA/1970</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 22:01:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[bessereWelt]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>

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		<description><![CDATA[Er drückt sich durch die 
knallharte Lackholztüre 
und entknöpft seine 
Hemdmitte mit 
spitzen Fingern ...
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er drückt sich durch die<br />
knallharte Lackholztüre<br />
und entknöpft seine<br />
Hemdmitte mit<br />
spitzen Fingern<br />
Er schiebt seine Brille auf den Tisch<br />
und geht zum Eisschrank<br />
drückt einen Würfel<br />
von dem Aluminiumblech<br />
Er zieht seinen Stuhl beiseite<br />
und sucht das Besteck<br />
dass er braucht<br />
um sich den ersten<br />
Schuss des Tages zu drücken<br />
Er faltet die Tasche auf,<br />
schaltet den Fernseher an,<br />
und Angelica Domröse<br />
steht vor den Schaukelseilen<br />
»Ich wollte, es wäre so.<br />
Aber es liegt ganz zurück<br />
und ich hab&#8217; es nur einmal<br />
versuchen wollen.<br />
Ach, wie schön es war<br />
und wie mir die Luft wohl tat;<br />
mir war, als flög&#8217;<br />
ich in den Himmel.<br />
Ob ich wohl hineinkomme?«<br />
Und Niemeyer packt ihren<br />
Kopf und sagt:<br />
»Ja, Effi,<br />
du wirst.«</p>]]></content:encoded>
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		<title>Menoitios</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 22:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[experimentell]]></category>

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		<description><![CDATA[Er hat also seine ganzen Schleimhäute voll von diesem Leipziger weißen Teufel und denkt noch:
Ich könnte da runter und mir ein Bier holen, bevor die ganzen bändertragenden Schaumschläger einen Geschwindigkeitshügel vor dem Tresen bilden und mich noch wütender machen als ich schon bin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat also seine ganzen Schleimhäute voll von diesem Leipziger weißen Teufel und denkt noch:<br />
Ich könnte da runter und mir ein Bier holen, bevor die ganzen bändertragenden Schaumschläger einen Geschwindigkeitshügel vor dem Tresen bilden und mich noch wütender machen als ich schon bin &#8211; jedenfalls will ich keine Schlägerei aufkochen lassen und eigentlich denke ich wenn ich vor den Höllentoren stehe werde ich ein gutes Wort für all die Nutten und Rucksackbuben einlegen &#8211; denn es passiert, dass man durch das Fegefeuer läuft und sich die Kruste vom Rücken schabt und sich vor dem Publikum verbeugen darf: Vielleicht werfen sie mir ihre Zigaretten an den Kopf und rufen »tragt ihn fort!« und schon hat mich die Pest eingeholt, denn wo soll man sie suchen wenn nicht im Menschen; und ich liege in der mottenzerfressenen unteren Etage eines Heimbettes und fingre an einem schlechten Roman und einem Fläschchen Poppers rum und alles war nur ein Traum &#8211; manchmal springt man eben mit den Füßen voraus aus dem Fenster &#8211; und irgendwann bringt es dich um und ich war nie <img class="alignright size-full wp-image-1305" title="psychowalk_200lang" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/11/psychowalk_200lang.jpg" alt="psychowalk_200lang" width="200" height="500" />tiefer in der Hölle als am Fuße des Meeres und keiner hat je mehr auf mich gehalten als einen Sportrevolver vor die Augen auf einer Baustelle in Turin, der Mann mit den großen Augen und dem tief hängenden Kinn, bereit mir die Stirnwand zu zerschießen, wusste auch nicht, welcher Krieg jemals gerecht war und welcher nicht, einer um Frauen vielleicht schon, wenn sie denn lachen können wie die Frauen, wegen denen du jemandem einen Revolver zwischen die Zähne stecken würdest &#8211; auf jeden Fall muss ich meinen Hals abgießen, da unten schmeckt es bitter und ist zu trocken, bald lässt es sich kaum mehr Schlucken, erstmal gehe ich aber noch aufs Klo und füttere mein Gehirn, das Faltblatt ist schon fast leer und überhaupt macht sich das schlecht auf dem Spülkasten aber wo soll man denn auch sonst hin &#8211; zack &#8211; hab ich den Geldbeutel heute zerrissen &#8211; raus hier woher stammt eigentlich das Symbol interessante Konstellation aus Beinen vertrittst du da am Boden jetzt gebt mir ein verdammtes Bier oder<br />
und als er am Tresen war, bestellte er sich noch ein Bier.</p>]]></content:encoded>
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