Bis Zum Äußersten

Er spuckte wenn er sprach
Versprühte Geifer
Mit zu Berge stehenden Haaren
Die, die ihm geblieben waren
Er referierte
Während er hastig meinen Wein leerte
Und die Hände ring
Dass das Weisse an den Knöcheln hervortrat
Er hatte einen Ansatz zum Bauch
Angefressen in 25 Jahren Revolutionspause
Jetzt trat er wieder aufs Tapet
Und auf die Barrikaden
Warum gerade jetzt blieb unklar
Er wollte etwas tun
Egal was
Aber es interessierte Keinen
Sie waren zu beschäftigt
Mit der Rettung ihrer Spareinlagen
Und der Spannkraft ihrer Haut
Er fühlte sich wie ein einsamer Wolf in den Abruzzen
Ich bestellte mir einen Espresso
Für meinen Wein gab es eh keine Rettung mehr
Und auch nicht für den alten Aufwiegler
Er würde bis zum Äussersten gehen
Glücklicherweise lag das Äusserste
Knapp hinter seiner Couch
Es bestand also zu keinem Zeitpunkt
Gefahr für die Zivilbevölkerung

Susann Klossek

1966 in Leipzig geboren, lebt in Zürich; grösste Leidenschaft: Scheitern und Lebensverplanung; Versuche im Saxophonspiel, experimentellen Theater, Malerei und in der Zeugung eines Thronfolgers (alle gescheitert); Kolumnistin; Undercover-Schreiberin; Autorin: "Nichts und wieder Nichts", "Männer", "Berührung im Dickicht", "Besser dümpeln", „Tropenfieber“. Hoffnung auf den Literatur-Nobelpreis noch nicht aufgegeben. Letztes Buch: desperate mousewife

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.