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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Journal</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Burning Man Festival</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 1998 15:09:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Tief in der Wüste von Nevada, am einsamsten Highway der Vereinigten Staaten, wo an der Area 51 die UFOs landen, brennt ein riesiger Mann. Und zwanzigtausend Nackte tanzen in der sternenklaren Nacht um ihn herum. Trommeln dröhnen durch die Einsamkeit und Tamburins klirren im Takt. In der Ferne heult ein Coyote. Die Hippies sind wieder da.</p>
<p>Die Fete in der nördlichen Sandwüste des Glücksspielparadieses Nevada heißt <a href="http://www.burningman.com/" target="_blank">Burning Man Festival</a>, und sie gilt heutzutage als größtes Kunst-Happening im Land. Seit einer Woche schon kommen Langhaarige in alten VW-Bussen und Alternative auf der Harley in die Black Rock Desert und stellen ihr Zelt auf, bringen Bands ihre Instrumente und versuchen mannhaft, knatternde Dieselgeneratoren zu übertönen, und seit einer Woche dreht der Sheriff des menschenleeren Washoe County durch. Denn die Besucher kommen aus aller Welt, sie verstehen sich als Künstler und Freigeister, als Revoluzzer und Partylöwen, und die baumlose Ebene als ihre Bühne. Ringsum Indianerreservate, mittendrin Anarchie - das bringt den stärksten Sheriff um den Verstand.</p>
<p>Eigentlich begann die Tradition des Männchenverbrennens damit, daß die Freundin des jungen Larry Harvey aus San Francisco mit einem anderen durchbrannte, was Künstler Larry zum Anlaß nahm, ein Bildnis des Nebenbuhlers zu zimmern, an den Baker Strand zu schleppen und im Kreise seiner Freunde symbolisch abzufackeln. Dann tranken sie den Rotwein aus und gingen nach Hause. Und weil´s so schön war, wiederholten sie die Verbrennung im Jahr darauf. Aber bald hatten sich dreihundert Leute am Strand eingefunden, und die Polizei drohte mit Knast, falls nochmal Brand gestiftet würde. Also zog man im nächsten Jahr in die Wüste - nach Nevada. Und je mehr Leute von der Fete erfuhren, umso mehr kamen. Wer in Kalifornien zum hippen Underground gehören wollte, mußte am Labor-Day Wochenende zum Burning Man.<br />
Burning Man Festival</p>
<p>Mitten in der topfebenen Eintönigkeit der Black Rock Desert durfte man, was woanders nicht ging. Nackt herumtanzen, während man nordkalifornischen Sinsemilla durchzog. Tage- und nächtelang trommeln, rocken, schießen, Auto- und Motorradrennen veranstalten, mitgeschleppte oder am Ort angefertigte Kunst ausstellen und sich selber als Kunstobjekt geben. Alles ging, bis auf Kommerz. Der war verpönt, denn die Avant-Garde war doch hier unter sich, und da kassiert man nicht voneinander. Alles muß hereingeschleppt werden, Lebensmittel und Wasser, Zelt und Sprit, denn Gerlach, die nächste Siedlung, ist viele Meilen entfernt.</p>
<p>Die Burning Man Feten dehnten sich aus bis sich endlich die Woche etablierte, die heute als Minimum gilt. 1994 wurden die ersten riesigen Kunstinstallationen aufgestellt; professionell gestaltete Werke, die die Aufmerksamkeit der Medien erregten. BBC kam mit einer Kameracrew, und CNN war da, womit das Insidertum zum Teufel ging. In den nächsten Jahren wurde Burning Man zum Massenspektakel, zum Open-Air mit Feuerwerk und strengen Verhaltensnormen, eine ferngesteuerte Kunstorgie, wo während einer wilden Woche flanellgrau dem Ganzkörpersonnenbrand weichen muß. Um Voyeure fernzuhalten, sollen Besucher der Wüstenvernissage die ganze Woche Staub schlucken; vorher abreisen wird mit gesellschaftlicher Aechtung bestraft. Trotzdem soll es Gutsituierte geben, die den Familienluxusfuhrpark um einen verrosteten VW-Bus erweitern, damit sie stilecht beim Burning Man auftreten. Die finden nichts dabei, daß zum heute beginnenden 13. Burning Man Festival erstmal hundert Dollar pro Besucher geblecht werden müssen. Hippie ist inzwischen nur noch eine Moderichtung.</p>]]></content:encoded>
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		<title>\/\/ebTYP.0L0G!E &#8211; Grundtypen von Webkünstlern</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 1998 13:31:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aw</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Niemand kennt sie, keiner will etwas von ihnen wissen und deshalb werden es immer mehr: richtig, die Rede ist von den K&#252;nstlern, die im Web vergeblich nach Rum suchen. An ihrem Wesen sollt ihr sie erkennen, hei&#223;t es schon in der Bibel und da auch wir eine Fibel des Wissens sind, stellen wir sie einfach mal zusammen an die Wand: die Webtypen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="winz">
Niemand kennt sie, keiner will etwas von ihnen wissen und deshalb werden<br />
es immer mehr: richtig, die Rede ist von den Künstlern, die im Web vergeblich nach<br />
Rum suchen. An ihrem Wesen sollt ihr sie erkennen, heißt es schon in der Bibel und da auch wir eine Fibel des Wissens sind, stellen wir sie einfach mal zusammen an die Wand:</p>
<h5>Der	JAVA-CODER</h5>
<p>Literatur ist, wenn es blinkt und flimmert. Setzt er einen Satz in eine Endlosschleife, denkt er, es wäre ein unsterblicher Roman. Neigt zu Verzweiflungsanfällen, weil niemand seine Werke je gesehen hat. Deshalb programmiert er sich eine Fangemeinde, die ihm täglich 20 LoveMails ins Haus schickt. Er gilt als Meister des Systemabsturzes, endet deshalb meist im Suff. Seine letzten Lebensjahre fristet er als Zählermanipulator, dessen Hochstand er infolge von Altersdemenz auch zu glauben beginnt. Literarische Vorbilder: Noname-Autoren von Sybex und Data Becker, früher die ROM-Listings von C64 und ZX81.</p>
<h5>Der HTML-AUTOR</h5>
<p title="Guck mal, was der Browser kann!">
  Innovation ist, was in &lt;eckigen Klammern&gt; steht. Deshalb werden die Buchstaben außerhalb der &gt;eckigen Klammern&lt; mit <span style="font-size: xx-small;">Hunderten</span> von Farb- und Fontsize-Attributen zu Kunst aufgewertet. Nackter Text ist ihm ein Brechmittel. Sinnlose <span style="text-decoration: underline;">Hyperlinks</span> sorgen für atmosphärische Dichte und verleihen den Baumstrukturen eine verschachtelte Untiefe. Gerne zeigt er seine K&amp;uuml;ste auch durch&amp;nbsp;Aufdecken der HTML&lt;TAG&gt;s. Sein Wunschtraum ist es, einen Leser zu finden, der mehr als dreimal klickt. Bevor er einen Editor einsetzt, sucht er lieber stundenlang nach einem Fehler. Lieblingsthema: Heißt es nun »in HTML programmieren« oder doch »gestalten«? Vor dem Internet-Age eifriger Benutzer billiger DTP-Programme und intensiver Verwender von möglichst vielen Millionen Fonts und Cliparts. Literarische Vorbilder: HTML-4.0-Draft des W3C.</p>
<h5>Der GRAFIKER</h5>
<p>Buchstaben sind Bilder, und lassen sich beliebig verwechseln. Die kleinste JPEG-Schliere erzeugt bei ihm einen Wutausbruch und wegen eines Wortes wie »Farbreduktion« wird er auch schon mal zum Mörder. Nach anfänglichen Experimenten in HTML geht er zum ausschließlichen Einbinden von Grafiken über. Eine Seite, die schneller als in 10 Minuten geladen ist, findet vor seinen Augen keine Gnade. Literarische Vorbilder: aufwendig gestaltete Bildbände mit gleißenden Goldbuchstaben und handgemalten Initialen mit beigepackten DVDs. Bekennender Mac-User, was als Logo auch auf keiner Seite vergessen wird.</p>
<h5>Der MULTIMEDIALIST</h5>
<p>HTML, Active-X und JAVA sind für ihn überlebte Archaismen, und Text hat den Stellenwert von Neanderthaler-Gestammel. Aus mindestens dreihundert Sampling-CDs rührt er riesige Click-Events zusammen, die nur auf seinem heimischen Superboliden lauffähig sind. Nach ärgerlichen Erfahrungen mit Providern, deren Großrechenanlagen während des Hochladens seiner Page durchbrannten, verfügt er über einen eigenen Hyperbreitband-Internetanschluß mit MegaByte-SHOOT-Technologie. HorrorWave- und MediaMassacre-PlugIns sind Voraussetzung. Besitzer völlig überholter Pentium IV++-PCs mit 4000 MegaHz Taktrate sollten sich aber erst im FAQ über Alternativen informieren. Literarische Vorbilder: Videoclips, in denen verwaschene Bilder von Gullys im 20 ms-Takt geschnitten sind und von stöhnend heruntergehauchter Depressivlyrik begleitet werden.</p>
<h5>Der EXHIBITIONIST</h5>
<p>Der Vater hat ihn verprügelt, die Mutter war eine Hure, die Schwester lutschte seinen für fünf Mark, er selbst wichste drei Mal am Tag über den Pornos aus dem Bücherregal des Bruders, der heute Anwalt ist, und das alles erfahren wir sofort und ohne Reime. Seine »Wie spielt der Könner mit Genitalien«-Seite ist oft besuchte Internetlegende, die mit vielen Posingbildern brilliert. Ein detaillierter Lebenslauf informiert über alle seine Selbstmordversuche und die perversen Praktiken seiner Ex-Freundinnen, deren Adressen freundlicherweise weitergegeben werden. Literarische Vorbilder: Keine, weil er schon von der Grundschule flog. Guckt heimlich Biolek.</p>
<h5>Der LYRIKER</h5>
<p>Kein Thema ist ihm fremd, die Ode auf den zerbrochenen Blumentopf, die Hymne an die summende Festplatte, alles ist auf seinen wohldurchdachten Webseiten zu finden. Aus Rücksicht auf die Leser verwendet er schreiend-bunte Bildschirmhintergründe, auf denen die Texte nicht mehr zu erkennen sind. Bei keinem Bildchen fehlt der danktriefende Hinweis auf den anonymen Künstler. Linksammler, die ihn nicht unter <em>hoffnungslos beknackt </em>klassifiziert haben, werden auf gesonderten Dankseiten angeschleimt. Leicht zu erkennen am Selbstportrait auf der Über-den-Autor-Seite. Literarisches Vorbild: Die LYRIKERIN.</p>
<h5>Die LYRIKERIN</h5>
<p>Kein Thema ist ihr fremd, aber meist geht es um Geranien, und immer macht es wahnsinnig betroffen, zumindest, wenn man gerade besoffen ist. Als Feministin unbemerkt äußerst erfolgreich, weil es keinen Mann gibt, der sich beim Anblick der Lila, Fuchsia und Violetthintergründe mit gelber und rosiger Schrift nicht spontan übergeben hätte. Literarische Vorbilder: Eugenie Marlitt und Irmgard Adam-Schwätzer.</p>
<h5>Der TASTATOURIST</h5>
<p>Keine Newsgroup, Mailingliste oder Website ist vor seinen Beiträgen sicher. Er schreibt mindestens fünfzig Mails pro Tag zu allen nur denkbaren Themen. Lieblingsthema ist aber die eigene Telefonrechnung. Bleibt noch Zeit, zieht er sein Tagespensum an Texten auf die Homepage. Unter dem Leitsatz »erst schreiben dann denken« benutzt er schliesslich nur noch kleinbuchstaben und smileys damit nichts in den falschen hals kommt am nde knn kennr me sene tekt lesn :-)))</p>
<h5>dEr MO_DERNE</h5>
<p>er schreibt nicht / wie andere SCHREI-Benn WUERDEn. und<br />
ver_hindert jede lesb = arkeit : - liteRARische FROHbilder:<br />
literaturMAGERtsine mit AUflage<br />
15 schtück, die 15 AUtoREN haben. AHN<br />
twortet auf keine un/anfrage // da das sEInen Nimm=<br />
BUSSihhhhh des urnVERStanden<br />
seINs IN fRAGE stellen könnte. stendig hofft er / daSS ER<br />
NST jandL im internet kOMmt=, doch dafür ist es zu sp8.</p>
<h5>Der ALLESKÖNNER</h5>
<p>Sammelt Genres und Sujets wie andere Geschlechtskrankheiten, einfach alles ist auf seiner Webseite zu finden: SciFi, Horror, Krimi, echte Literatur, Essays, Gedichte, Hyperfictions, Essays, Rezensionen, Kalauer und Niveauloses, Anstrengendes, Expressionistisches, Berliner, Frankfurter, Meerbuscher und Schlumpfhausener Schule. Message des ganzen: Ich kann alles, da ist es nicht schlimm, daß ich nichts richtig kann. Oft im Verbund mit dem MULTIMEDIALISTEN und dem GRAFIKER zu sehen. Privat beschäftigt er sich mit Videoinstallationen und Bildhauerei, spielt E-Gitarre bei der Punk-Rock-Band ANILIN-NATION und Violine im CHORKUSS-QUARTETT und macht bald eine Ausstellung mit Gipsabdrücken beschnittener Vaginas.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Bagdad Café &#8211; Wo endet der Traum, beginnt das Leben?</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Nov 1995 15:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peterjkraus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon kurz nach dem Frühstück ist es unerträglich heiß in der kalifornischen Mojavewüste. Die Septemberhitze flimmert über dem brüchigen Asphalt der alten Route 66, Coyoten stehen mit heraushängender Zunge hechelnd im kurzen, trockenen Gestrüpp und schneeweiße Wolkenfetzen sorgen im endlosen ausgebleichten Himmel für Perspektive]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon kurz nach dem Frühstück ist es unerträglich heiß in der kalifornischen Mojavewüste. Die Septemberhitze flimmert über dem brüchigen Asphalt der alten Route 66, Coyoten stehen mit heraushängender Zunge hechelnd im kurzen, trockenen Gestrüpp und schneeweiße Wolkenfetzen sorgen im endlosen ausgebleichten Himmel für Perspektive. Da freut sich der Reisende sogar über eine der trostlosen Wohnwagen- und Bretterbudensiedlungen, mit denen die Mojave gespickt ist; über diese ganz besonders, denn sie heißt Newberry Springs und ist Heimat des legendären Bagdad Café.</p>
<p>Ausgerechnet ein Deutscher, den hierzulande kein Mensch kannte, machte das kleine Wüstencafé zum Begriff. Regisseur Percy Adlon drehte mit Marianne Sägebrecht, der Afroamerikanerin CCH Pounder und dem Uralt-Hollywoodchargen Jack Palance mitten in der Mojave seine Vision zweier kollisionsbestimmter Welten, die der Vorsehung ein Schnippchen schlagen. Als "Out of Rosenheim" wurde das Lichtspiel uraufgeführt, doch die Eleganz und Einfachheit des sprachlich neutralen "Bagdad Café" überzeugte, also hieß der Streifen künftig nach seinem Handlungsort, und das war gut.</p>
<p>Weil das Eremitendorf Bagdad schon lange bis auf ein Ortsschild zu Wüstenstaub zerfallen war, machte Regisseur Adlon kurzerhand das Sidewinder Café im benachbarten Newberry Springs zum bis dahin imaginären Bagdad Café. Und weil es entgegen landläufiger Meinung auch außerhalb Kaliforniens eine Welt gibt, kommt die seither in die Einöde, um das Café aus dem Kultfilm zu erleben. Daß der Filmname blieb, daß aus dem Sidewinder das Bagdad wurde, versteht sich von selbst. The business of America is business - also wird selbst in der ausgedörrten Grenzenlosigkeit der Mojave um jeden Penny gerungen.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-518" title="pjk_route66bagdadcaf_2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcaf_2.gif" alt="pjk_route66bagdadcaf_2" width="150" height="248" />Es ist eigentlich nichtssagend, das rote Rechteck mit dem alpin wirkenden spitzgiebeligen Dach. Außen wie innen fade - doch es gleicht dem Adlon-Werk darin, daß weder Landschaft noch Architektur die Hauptrolle spielen, sondern die Menschen, die sich im Café treffen, die Durchreisenden und diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer dort wohnen. Dort oder nebenan - es ist gleich, denn in diesem dahinsiechenden Straßendorf dreht sich wahrhaftig alles um das Bagdad Café. Chefin Andre, die sich den europäischen Besuchern zuliebe Andrea nennt, ist so eine Art blondierter Ortsmittelpunkt, ein amerikanischer mit langen Fingernägeln und einem fest eingebrannten Dauerlächeln, die auch den miesepetrigsten Gast "Honey" nennt und "Sweetie", Schatz und Liebling. Sie sammelt Filmmemorabilien - daß dieser kleine Streifen des German director gewaltige Wellen schlägt, merkt sie jeden Tag. "Von überallher kommen sie, aus Frankreich und Italien, und natürlich jede Menge Deutsche. Im Sommer wie im Winter - verdammt viel Urlaub müssen die in Europa haben, und einen Haufen Geld" staunt die Wirtin und schenkt vom schwächlich-braunen Kaffee nach.</p>
<p>Der Herr am Nebenhocker nickt bestätigend. Seine weißen Locken wippen im Takt des schweren Kopfes, die schwieligen Hände umklammern den weißglasierten irdenen Kaffeebecher, und nach einer höflichen Pause rückt er näher. "Das beklagt ja meine Tante auch immer" unterstreicht er Andres Worte, die sich, Augen gen Zimmerdecke rollend, durch die Schwingtür in die Küche verdrückt. "Aber das wissen Sie doch. Sie läßt übrigens schön grüßen. Und ich soll Ihnen ausrichten, daß Sie nach wie vor ihr zuverlässigster Mann in Europa sind. Ohne Sie wäre dort drüben jetzt der Teufel los - Tante Elizabeth vermutlich im Tower eingesperrt und die verdammten Kommunisten im Palast". Der Angesprochene staunt, und langsam schleicht sich eine Ahnung ein. "Ihre Tante ist....?" Der Weißhaarige blickt hurtig um sich, beugt sich herüber und macht mit spitzem Mund ein sch-Geräusch. Man nickt. Klar. Die Queen. HRH höchstselbst. Elizabeth von Gottes Gnaden. Also muß es sich bei diesem netten älteren Bürger, der wieder in seinem Kirschkuchen stochert, um den General Bob handeln. Gründer der CIA und Agentenführer par excellence. Liebhaber, Diplomat, britischer Hochadel. Den kennt man in der Wüste.</p>
<div id="attachment_519" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-519" title="Bagdad Café - Peter J. Kraus &amp; General Bob" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_bagdadcafe_cptbob.gif" alt="Bagdad Café - Peter J. Kraus &amp; General Bob" width="460" height="345" /><p class="wp-caption-text">Peter J. Kraus &amp; General Bob</p></div>
<p>Früher mal hieß er Robert Gray und war Soldat. Einer von der einfachen Sorte, einer, auf den zuerst geschossen wird. Er soll, erzählt man sich hier, als blutjunger Freiwilliger während des Zweiten Weltkrieges mitgeholfen haben, Flüchtlinge und Kundschafter aus dem nazidominierten Europa herauszuschleusen. Danach blieb er beim Militär, wegen der Pension und weil er zwischen Schulabschluß und Kriegsdienst weder Zeit noch Gelegenheit hatte, einen Zivilberuf zu erlernen. Die Jahre vergingen, die Karriere des Soldaten Gray erfuhr den bescheidenen Aufstieg, den die US Army zu Friedenszeiten demjenigen zubilligt, der sich ohne bescheinigte akademische Reife durchs Leben schlägt. Nach außen hin war er mit seinem Los wohl zufrieden, doch irgendwann tauchte aus den dunkelsten Verliesen seiner im Krieg dauerhaft geprägten Seele der General auf, machte sich in der Vorstellungswelt des nicht mehr jungen Mannes breit und übernahm das Kommando.</p>
<p>Nun ist er der General Bob, der alte Herr mit dem Einsteinkopf, der den Europaflüchtigen zu neuem Leben verhalf. Er wohnt ganz in der Nähe des Bagdad Café, in einem kleinen Holzhäuschen, für das die Rente gerade noch reicht. Seine Garderobe wählt er sorgfältig aus dem Fundus des örtlichen Thrift Store, des in jeder noch so kleinen Gemeinde anzutreffenden Second-Hand Ladens, durch dessen Betrieb sich die amerikanischen gemeinnützigen Vereine das nötige Kapital verschaffen. Uniformen gibt es da zu kaufen, Uniformen, durch die sich die Hamburgerbräter voneinander unterscheiden, die braunen von McDonald´s und die rot-weiß-blauen vom patriotischen Jack-in-the-Box. Sie sind alle schon bis zur Abnutzungsgrenze getragen, die Polyesterplünnen, aber der General kauft und trägt sie gern, weil er darin in der Menge aufgeht. Unauffällig sein, im Volk mitschwimmen, wie das der Erzfeind Mao einst seinen Jüngern anempfahl - selbst der Gründer der CIA und Neffe Ihrer Königlichen Hoheit lernt von der Konkurrenz, eignet sich noch das Beste aus den Verhaltensvorschriften des roten Beelzebub an.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-520" title="pjk_route66bagdadcaf_3" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcaf_3.gif" alt="pjk_route66bagdadcaf_3" width="150" height="116" />Stammgast ist er im Bagdad Café, der General Bob. Es ist sein Büro, sein Treff, denn jeder Gast aus Europa oder Japan, mit dem der General ein Gespräch beginnt, steht natürlich im Dienst der USA. Hier an der kurzen Theke kann man Geheimnachrichten austauschen und Anweisungen geben, kann sich gemeinsam auf die nächste Aufgabe, das kommende Abenteuer vorbereiten, und wenn der General abends heimgeht, dann tut er das im guten Gefühl, wieder einen Tag lang den Weltfrieden und somit den American Way of Life geschützt zu haben.</p>
<p>Andrea, die eigentlich Andre heißt und nach einer Karriere als Hollywoodagentin und Drehbuchautorin in die Wüste zog, hat sich an den General gewöhnt. Anfangs war´s nicht ganz einfach, meint sie, aber inzwischen kennt sie seine Eigenheiten, auch wenn ihr gelegentlich der Gaul durchgeht und sie ihn dann einen crazy old man schimpft. Aber Bob weiß, daß sie´s nicht so meint. Denn auch für Andre gibt´s nicht nur Sonnenschein. Sie steht tagein, tagaus im Café hinterm Tresen, kümmert sich um jeden Dreck und muß dazu immer guter Dinge sein, sonst bleiben die Leute weg. Das kann selbst einer starken Frau ans Leder gehen. Und wenn sie abends die sieben oder acht Meilen nach Hause fährt, auf ihre Ranch, die einige Quadratkilometer sandiges, steiniges Kalifornien umfaßt, dann warten ihre fünfzig Straußenvögel auf die Abendfütterung; fünfzig riesige, hungrige Laufvögel, die ja eigentlich schon längst zu fettarmem Hackfleisch, cholesterinfreiem Filet und grobporigen Lederhandtaschen verarbeitet sein sollten. Aber Andre hat einen solchen Narren an ihrer Investition gefressen, daß die dämlich glotzenden Straußen ihren betrüblichen Nutzviehstatus gegen den wesentlich angenehmeren des Haustieres eintauschten. Nun traben sie den ganzen Tag über Andres staubige Prärie, scheißen nutzlos in den Sand und können nicht einmal ihr eigenes Futter suchen.</p>
<p>Doch sie ist zufrieden, die Chefin. Ihr Café läuft dank seines Filmruhmes recht gut. Sechzig Prozent ihrer Gäste, meint sie, kommen aus Übersee - Route 66-Touristen, die auf ihrer Reise ans pazifische Ende Amerikas die Sehenswürdigkeit Bagdad Café abhaken. Gästebücher hält die Andre/Andrea für ihre ausländische Kundschaft parat - dreihundertseitige, und sieben Folianten sind schon vielsprachig vollgeschrieben. Auch im Internet hat sie sich etabliert für diejenigen, die sich nicht trennen können, und kürzlich wurde auf ihrem Wüstengelände eine artesische Quelle entdeckt. Klar, daß die Bagdadbossin das Wüstenwasser auf Flaschen ziehen läßt. Sogar bis nach Europa will sie´s verkaufen, mit dem dort hoffentlich umsatzträchtigen Namen ihres Bagdad Café.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-521" title="pjk_route66bagdadcaf_1" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcaf_1.gif" alt="pjk_route66bagdadcaf_1" width="150" height="130" />Ob Percy und Eleonore Adlon überhaupt wissen, was aus ihrer südkalifornischen Wüstenkulisse geworden ist? "Felix Adlon war mal hier" erzählt Andrea, "der Sohn der beiden. Er wohnt in Hollywood, ist natürlich auch Regisseur, und war vom Café so begeistert, daß er gleich seine Eltern in Deutschland anrief und ihnen brühwarm berichtete, was hier so vor sich geht." Daß Andreas Hamburger nach den kultgewordenen Filmfiguren heißen - der "Jack Palance" ist ein recht dürrer, mit Speck garniert, der "CCH Pounderburger" voller Saft und Kraft und der "Marianneburger" bringt natürlich die doppelte Fleischportion auf die Waage - ,daß immer irgendein Filmfan von irgendwoher in der Bude im brütendheißen Niemandsland sitzt, und daß sich die Andrea mit ihrer ganz eigenen Gastlichkeit als ideale Verkörperung der gewachsenen, gewandelten Zelluloidfigur CCH Pounders erweist.</p>
<p>Denn das Leben spiegelt auf seltsame Weise den Film. Trotz der Trostlosigkeit der Mojave, der Abgeschiedenheit und der ständigen Bullenhitze sind die Menschen vom Bagdad Café recht glücklich. Andre/Andrea betrachtet ihr Stückchen Mojave als Belohnung für ein hektisches Arbeitsleben im Moloch Los Angeles, ihre Mitwirkung im täglich neu ablaufenden Realitystreifen Bagdad Café als Fortsetzung ihrer Hollywoodarbeit. Sie hat nun mal ihren Geschäftssinn, also wird sie auch immer etwas anbieten, ohne das die Welt nicht leben kann. Und wenn einer abgebrannt daherkommt, dann weist sie ihn auch nicht ab. Einen Kaffee und ein Stückchen Cherry Pie hat Andre immer übrig - und selbst der fußlahmste Wüstenwanderer heißt bei ihr noch Schätzchen.</p>
<p>General Bob gehört zum Inventar der Wüstenkneipe, ein rundlicher Jack Palance, der mit roter Hamburgerbräteruniform und blauer Plastikhandtasche getarnt am kleinbürgerlichen Leben Newberry Springs´ teilnimmt. Doch Haltung und Ausstrahlung strafen der äußeren Erscheinung Lügen; nicht ein etwas hilfloser Alter schlurft da zur benachbarten zerfallenden Tankstelle, sucht im Schatten der ausladenden Tanksäulenüberdachung vor der erbarmungslosen Mittagssonne Schutz, sondern ein Herr, einer von der alten Sorte. Jemand, dessen Wort etwas gilt. Ein Gentleman in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes - ein sanfter, ein gütiger, ein liebenswürdiger Herr. Gäbe es doch nur mehr Generäle seiner Art.</p>
<div id="attachment_522" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><img class="size-full wp-image-522" title="Bagdad Café" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/pjk_route66bagdadcafe.jpg" alt="Wo endet der Traum, beginnt das Leben?" width="460" height="306" /><p class="wp-caption-text">Wo endet der Traum, beginnt das Leben?</p></div>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Alle Fotos: (C) </em><em><a href="http://peterjkraus.com/" target="_blank">Peter J. Kraus</a></em></strong></p>]]></content:encoded>
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		<title>Italienische Rouladen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 1989 13:28:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das folgende Rezept ist mehrfach erprobt, nie mißlungen und immer eine gute Wahl, wenn es darum geht, Gäste ordentlich abzufuettern. (Pro Person ungezählte Kalorien; Ballaststoff- und Vitaminarm. - Zubereitungszeit: 2 bis 2 1/2 Stunden)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="right">Das Rezept ist natürlich geklaut von Muttern, die diese plagiatorische Schandtat beim Surfen selbst entdeckt hat...</p>
<p>Das folgende Rezept ist mehrfach erprobt, nie mißlungen<br />
und immer eine gute Wahl, wenn es darum geht, Gäste ordentlich<br />
abzufuettern. (Pro Person ungezählte Kalorien; Ballaststoff-<br />
und Vitaminarm. - Zubereitungszeit: 2 bis 2 1/2 Stunden)</p>
<h5>INPUT (für 4 Rouladen)</h5>
<ul>
<li>4 GROSSE &amp; BREITE Rouladen</li>
<li>frischer Parmesan, 200g am Stück</li>
<li>Parmaschinken, flächenäquivalent zu den Rouladen</li>
<li>1-2 Zwiebeln, 1-3 Zehen Knoblauch (je nach gusto)</li>
<li>viel frische Petersilie, ein gutteil Oregano, sowie Salbei<br />
&amp; Basilikum</li>
<li>Salz, Pfeffer, Zitrone, (Dijon-)Senf, kalt erwischtes Olivenöl</li>
<li>Weißwein, Brühe (1/2-1 Liter)</li>
<li>große Dose Tomatenmark sowie ein (1!) Becher Creme Fraiche</li>
</ul>
<h5>ALGORITHMUS</h5>
<ul>
<li>Rouladen mit Salz und Pfeffer bestreuen</li>
<li>mit viel Zitrone beträufeln (macht Rouladen<br />
morsch &amp; zungenzergehend)</li>
</ul>
<ul>
<li>Parmesan reiben (200g -&gt; 4 Rouladen)</li>
<li>Zwiebel(n), sehr fein hacken</li>
<li>Knoblauch, äußerst fein hacken</li>
<li>durchaus massiv: Petersilie, gehackt</li>
<li>auch 'ne Ecke: Oregano, Salbei, Basilikum verhackt</li>
<li>Senf (1 Eßlöffel)</li>
<li>Olivenöl</li>
<li>Das ganze zusammenrühren.</li>
<li>Solange Olivenöl dazugeben, bis das ganze Zeug tatsächlich<br />
eine pastige (keine krümelige!) Konsistenz hat.</li>
<li>(Schmeckt übrigens auch kalt breits sehr gut :-)</li>
</ul>
<ul>
<li>die Paste aus 2. auf die Rouladen streichen</li>
<li>jeweils ne ordentlich große Scheibe Parmaschinken<br />
d'rauflegen</li>
<li>Rouladen einrollen, sicher &amp; sorgfältig<br />
zusammenstecken</li>
</ul>
<ul>
<li>Rouladen mit Bratfett scharf-knackig und bei hoher<br />
Hitze anbraten, regelmässig wenden, bis alle Seiten gebräunt<br />
sind (Vorsicht, brennt leicht an!)</li>
<li>Hernach mit Weißwein ablöschen, restliche<br />
Flasche austrinken.</li>
<li>Anschließend mit vorbereiteter Gemüsebrühe<br />
REICHLICH Sauce erzeugen -- nunmehr 10 Minuten köcheln lassen.</li>
<li>Jetzt die große Dose Tomatenmark rein (kein<br />
Passato di Pomodoro!) und den Hexensud 1-2 Stunden köcheln<br />
lassen (zwei ist besser).</li>
<li>Kurz vor Ende mit einem (1!) Becher Creme Fraiche<br />
anrühren, abschmecken nicht nötig :-)</li>
<li>Dazu Nudeln, die viel Sauce vertragen, etwa reiskornähnliche<br />
Pasta oder frische Bandnudeln, und dazu einen dunklen, kräftigen<br />
Roten mit herbem Charakter</li>
</ul>
<p>Guten Appetit!</p>
<p>PS: Alternativ (und dem italienischen Original entsprechend)<br />
kann man das Ganze auch als _eine riesige_ Roulade zubereiten,<br />
sofern man einen Metzger findet, der eine entsprechend satt überlappende Roulade<br />
hat.</p>]]></content:encoded>
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