Das Bahnhofsklo nennt sich heute Mc Clean

Das Bahnhofsklo nennt sich heute Mc Clean
Ist hermetisch fliesenweiss und bakteriensauber abgeriegelt
Selbst die Ratten trauen sich nicht mehr in diesen Bedürfnispalast

Für einsfünfzig öffnet sich eine Schranke
Und du kannst tun, was du tun musst

Gegenüber den Toilettenbecken ist ein Spiegel angebracht
Damit du dich beim Scheissen beobachten kannst
Wer braucht das?
Das ist Luxus, um den wir nicht gebeten haben

Ich verweile sinnentleert auf der Klobrille
Im Wald wäre es umsonst, nicht so bequem steril
Eben animalisch

Die Sauberfrauchen verabschieden mich aus ihrer gläsernen Mc Clean-Zentrale heraus
Das Leben verlangt uns so einiges ab!

Susann Klossek

1966 in Leipzig geboren, lebt in Zürich; grösste Leidenschaft: Scheitern und Lebensverplanung; Versuche im Saxophonspiel, experimentellen Theater, Malerei und in der Zeugung eines Thronfolgers (alle gescheitert); Kolumnistin; Undercover-Schreiberin; Autorin: „Nichts und wieder Nichts“, „Männer“, „Berührung im Dickicht“, „Besser dümpeln“, „Tropenfieber“. Hoffnung auf den Literatur-Nobelpreis noch nicht aufgegeben. Letztes Buch: desperate mousewife

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