Das Lachen der Silberfische

Ich war nie ein guter Esser gewesen
und als die Dame aus dem Schreibwarenladen
sagte, Sie werden ja immer dünner,
ist es auch mir aufgefallen.

Seit Tagen hatten ich nichts mehr gegessen,
konnte das wahr sein,
ich stellte auch noch das Trinken ein
und wurde immer
dünner und blasser,
die Leute konnten nicht verstehen
wie ich mich auf den Beinen hielt,
auch ich nicht,
bis ich ganz farblos war
und mich keiner mehr sah.

Da ich kein Geld für Essen
und Trinken aufbringen musste
und sich das Klopapier somit
erübrigte, verließ ich die
Wohnung gar nicht mehr,
hing in der Schwebe
unter der Zimmerdecke.

Unter mir verscherbelte
der Vermieter meine paar
Habseligkeiten,
er sah mich nicht
und ich
wollte nichts sagen.

Auch versuchte er die Wohnung
wieder zu vermieten, doch
wollte sie keiner haben,
wegen des Gestanks.

So blieb ich unter der Decke,
beobachtete die Stubenfliegen
die auf mir landeten und
die Mücken und die Spinnen
wie sie sich dann und wann
eine von ihnen schnappten
und die Wanderung der
Silberfische durch die
sperrigen Dielen.

Die Fliegen schissen auf mich.
Die Mücken zerstachen mir den Rücken.
Die Spinnen legten mich in Ketten.
Und die Silberfische lachten
jede Nacht über mich.

Ich war ihnen komisch,
einer der nichts tat, und
so beschloss ich mein Glück
woanders zu versuchen.

Als ich durchs Fenster war
stieg ich höher und höher
mit nichts weiter als dem
Lachen der Silberfische.

Frank Trummel

1984 in Wuppertal geboren. Fachabitur. Zivildienstleistender. Supermarktaushilfe. Küchenjunge. Kurierfahrer. Ausbildung zum Augenoptiker. Arbeitsloser. Halbtagsoptiker. Wird fortgesetzt…

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