Der am Kreuz

„ich wollt ja eigentlich die bibel neu schreiben,
hab dann aber gleich als erstes mit der kreuzigung angefangen“
–A.M.

kreuzzugSohn: „Mein Vater, warum hast du mich verlassen?“

Vater: „Mein Sohn das eine lass dir gesagt sein: Solange Du deine Beine unter meinen Tisch stellst, tust du, was ich dir sage!“

Sohn: „Aber Vater, sind wir nicht eins? Ich bin Du und Du bist ich?“

Vater: „Pfaffengeschwätz!“

Sohn: „Aber Vater, ich glaube an Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen …“

Vater: „Junge, glauben heißt nichts wissen. Hör auf, von dir auf andere zu schließen“

Ein Mann namens Schiller betritt die Bühne

Schiller: „Geben Sie Glaubensfreiheit, Sire!“

Gutenberg, ein Kupferstecher tritt auf.

Gutenberg: „Verpiss dich, Schiller! Du bist zu früh dran! Erst kommt meine Bibel, dann dein Worte!“

Gutenberg und Schiller setzen sich erst tätlich auseinander und dann zu einem Bier zusammen. Der Vater-Sohn-Konflikt, sattsam bekannt aus den Schriften des Herrn Franz K. aus Prag, erreicht seinen Höhepunkt.

Sohn: „Mein Vater, warum hast du mich verlassen?“

Vater: „Sohn, du nervst langsam.“

Sohn: „Aber he! Nix zu fressen, nix zu saufen. Du lässt mich hier elend verrecken in dieser Scheißgegend?!“

Vater: „Nun hör mal Sohn, meinetwegen musst du nicht sterben! Du stirbst für die Menschheit.“

Sohn: „Na super! Und warum ich? Warum nicht mein Bruder?“

Vater: „Weil du keinen Bruder hast, Sohn! Nur eine uneheliche Schwester, aber von der will Josef nichts wissen.“

Sohn: „Und, aber, ich mein ja nur … Wie wäre es mit ein wenig Emanzipation?“

Vater: „Die wird erst erfunden werden, Sohn. Dein Pech. So, nun halt die Backen und stirb. Eva kommt grad mit dem Paradiesapfel. Mahlzeit.“

Der Vater ab. Gutenberg und Schiller haben sich mittlerweile versöhnt. Beide liegen sturzbetrunken unter dem Tisch und kotzen der Frau Wirtin vom blauen Bock vor die Füße. Der Sohn hängt nach wie vor am Kreuz, ein junger Römer kommt des Wegs und hämmert zur Sicherheit die Nägel noch einmal nach.

Römer: „Ein Zimmermann, ans Gebälk genagelt. Das nenn ich Ironie des Schicksals.“

Sohn: „Scheißjob“

Alexander Mägdefessel

since 1964, Obb __ motto: „Es schreibt mich.“ __ kürzester roman: Biografie eines Selbstmörders Ich wollte Dir nur zeigen, was Du an mir hast – hattest. __ gewünschte grabinschrift: „Woll’n hätt er schon noch, aber mög’n hat er nimmer.“

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