Ein Hassausbruch

Ein Hassausbruch (Nach Hörensagen erzählt). Soll also einer zwei oder drei Wochen – Genauigkeit in den Details ist nicht nötig – nach dem Tod seines Vaters (Herzinfarkt) nachts über den Friedhofszaun gestiegen sein und habe, völlig unbeeindruckt von Eulenrufen und anderen Schauergeräuschen, das Grab geöffnet und die Urne entnommen, sodann gründlich die Spuren verwischt und sogar frische Blumen aufs Grab gepflanzt; anschließend habe er auf der Flussbrücke die Asche dem Wasser überantwortet, die Urne zertreten und mit einem letzten Fluch die Scherben in die Tiefe geworfen: und sich ein paar Tage später gegenüber mehreren Angehörigen und Freunden mit der Tat gebrüstet. Niemand habe gewagt, seine recht prahlerischen Angaben zu überprüfen, hätte dies doch bedeutet, den Spaten in das Grab zu stoßen; und nach einer kurzen Zeit des Zögerns und Nachdenkens darüber, wie diese Tat zu bewerten sei, hätten sich alle, Verwandte wie Bekannte, recht zufrieden gezeigt.

Joachim Friedrich

Ich bin ein ruhiger Mensch. Habe mir damals im Fernsehen die Beerdigung der vier toten (ach was: gefallenen) Soldaten angesehen, und ich bin ganz ruhig geblieben. Begegnungen: Sah in den Siebzigern den MONARCH spielen, in OPPERMANNS SPIELHÖLLE; kennt den noch jemand? – Innerhalb eines Jahres habe ich zweimal Wolfgang Völz getroffen. – Einmal mit Markus Wolf Wartburg gefahren; ich saß auf der Rückbank. Haltungen: 1. Pazifist, natürlich. 2. Kompromissloser Anhänger der ACHT-PUNKTE-PROKLAMATION DES POETISCHEN ACTES. 3. Glaube an Freuds „Charakter und Analerotik“ (aber nur ein bisschen). Ansonsten bin ich voller Hoffnung; ich denke oft an den Nordpol, an weißes Land, an Oben; ich schreibe gerne über den Tod.

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