Eine kleine Gutenachtgeschichte

Es ist ein ganz normaler Tag im Leben von Sarah B.!

Normal?

Klar, jeder Mensch hat seine ganz persönliche Definition davon, aber für eine Frau wie Sarah ist er normal. Nachdem Sie folgende Geschichte zu Ende gelesen haben, könnte der Ein oder Andere von Ihnen behaupten „Quatsch, das kann alles überhaupt nicht stimmen“.

Berechtigte Zweifel?

Blödsinn.

Ich kann Ihnen versichern, das alles in dieser Geschichte der Wahrheit entspricht, schließlich bin ich Expertin – soweit man so etwas überhaupt sein kann – in Bezug auf diese Frau. Ich gebe schon zu, persönlich sind wir uns niemals begegnet. Aber im Laufe der vielen Jahre, in denen ich Sarah bereits beobachte, ist es auf keinen Fall übertrieben zu behaupten, daß mir ihre Gewohnheiten vertraut sind. Nun gut, Schluß mit dem Geschwafel. Zurück zur Geschichte…

Wie anfangs erwähnt, ein normaler Tag, genauer gesagt ein Dienstag. Es ist gerade acht Uhr, Sarah liegt wie üblich eingekuschelt in ihrem Bett, als es draußen anfängt, ungemütlich laut zu werden. Es ist nicht das übliche Vogelgezwitscher, an das sie sich im Laufe der Zeit mehr oder minder gewöhnt hat. Soviel steht definitiv fest!

Oh ja… das Vogelpiepsen. Die süßen kleinen gefiederten Freunde. Als Sarah B. vor drei Jahren in diese gemütliche Wohnung eingezogen war, machte sie es sich zur Aufgabe, die kleinen mit Geschick und einer Harpune aufzuspießen. Vier trällernde Piepmätze – alle auf einen Streich natürlich – waren ihr Rekord. Danach wurde es langweilig und so nahm sie eben das morgendliche Gezirpe, wie schon gesagt, mehr oder minder hin.

Nein, heute morgen rattert, klopft und kracht es, als würde eine Horde wildgewordener Straßenarbeiter versuchen, das gesamte Viertel mit einer Pershing-2-Rakete ins All zu befördern.

Das ist zuviel! Aus dem Schlaf gerissen, schnappt sie sich die am Bett lehnende Pumpgun, will gerade rasend vor Wut losballern als…

STOP.

Konzentrieren!

Natürlich, das Fenster ist noch geschlossen.

Also: Fenster auf, ein paarmal schießen, horchen – endlich Ruhe.

Gegen Mittag sieht Sarah sich gezwungen aufzustehen. Das ist immer so, ab elf Uhr fängt der Magen an zu knurren und wenn nicht gerade Tequila in Reichweite steht, quält sie sich aus dem Bett. Da der Kühlschrank nur eingemachte Pflaumen, eine halbe Flasche Wodka und eine Dose Mais beinhaltet, entschließt sich Sarah, ihren Vorrat an Lebensmitteln aufzufüllen. Kein schlechter Gedanke, weil wie wohl jeder weiß, Pflaumen, Wodka und Mais über einen längeren Zeitraum nicht unbedingt miteinander harmonieren.

Auf geht’s…

Erst kurz nachdenken.

Falls sie noch nicht alle Gehirnzellen an den Alkohol verloren hat – davon gehe ich übrigens aus – müßte sie jetzt den Weg zur Bank einschlagen. Nachdem Sarah bereits zweimal versucht hat ohne Geld einzukaufen, dabei allerdings eine Spur der Verwüstung hinter sich gelassen hat, ohne an Konsequenzen zu denken, war sie ein wenig vorsichtiger geworden. Nicht jeder Ladenbesitzer mag es eben, wenn seine Kunden einkaufen, zerstören, zermatschen und dann einfach gehen, ohne einen Pfennig Geld auf die Theke zu legen. Das hat auch Sarah begriffen.

Aha, ich hatte recht, sie geht zur Bank.

Sehr gut, dann läuft ja alles glatt.

Aber… was soll das schon wieder?

Ein Fahrradkurier hält neben ihr an und fragt sie nach einer Adresse. Sie lächelt. Er lächelt zurück. Sekunden später knallt sein Kopf auf den Lenker.

Sarah zündet noch schnell seinen buschigen Haarzopf an und drückt ihm eine herumliegende, zersplitterte Bierflasche in den durchtrainierten Bauch. Er schreit auf, sie tritt zum Abschluß noch einmal zu, schnappt sein mit Spikes bespicktes Mountainbike und radelt davon.

Schnell und präzise ändert sie den Kurs des Rades so, das drei, etwas faule und dröge Tauben ihr Leben lassen müssen. Phantastisch. Was für ein sportlicher Kick – besser als Joggern Handgranaten zwischen die Füße werfen auf jeden Fall.

Noch hundert Meter bis zur Bank. Endspurt. Sarah tritt noch ein letztes mal kräftig in die Pedale, braust über zwei herumlungernde Obdachlose und kommt mit einem Salto genau fünf Meter vor dem Geldautomaten zum stehen. Nach genauem Untersuchen der Jackentaschen bemerkt sie, daß die passende Karte wahrscheinlich immer noch auf dem Küchentisch zwischen Pflaumen und Wodkaresten liegt. Scheiße.

Eine junge Frau nähert sich. Sie hat zwei kleine Kinder bei sich, davon eins an der Hand und das andere in einem Tuch um den Bauch geschlungen. Sie huscht, gestreßt von soviel Quäkerei, zum Automaten, und tippt hektisch ihre Geheimzahl ein.

Jetzt ist Timing gefragt.

Sarah schnappt sich das Ältere der beiden Kinder, wirbelt es durch die Luft und läßt es elegant vor eins der vorbeifahrenden Autos plumpsen. Während die junge Mutter krampfhaft versucht, ihren Schock zu überwinden, um ihrem zermatschten Kind zu helfen, es allerdings nicht schaffen kann, weil die Ärmste nun wirklich nicht nach einer Gehirnchirurgin aussieht, greift Sarah sich das von der Frau vergessene Geld und schlendert gemütlich Richtung Supermarkt. Dort angekommen bewegt sie sich geradewegs auf den Ständer mit den Einkaufswagen zu.

Eine altes, knöcheriges, kränkliches Großmütterchen versucht gerade, ihren Einkaufswagen wieder in die dafür vorgesehene Box zu rollen, als Sarah hinter ihr steht.

„Den Einkaufswagen bitte“, sie lächelt charmant.

Die Oma dreht sich erschrocken um.

„Den Wagen, sagte ich“, diesmal mit etwas mehr Nachdruck und einem weniger charmanten Lächeln.

„Junge Frau, ich bitte doch um etwas mehr Höflichkeit und Respekt Älteren gegenüber!“

??? Wie konnte sie so etwas sagen? War ihr nicht klar wen sie vor sich hatte? Mut bewies sie, das stand außer Frage. Sarah ist für einen Augenblick verdattert, blickt zu Boden und fängt langsam an zu grinsen.

„Verzeihen Sie, Gnädigste“, das Grinsen breitet sich inzwischen über ihr gesamtes Gesicht aus. Schließlich…, man hat ja vor, im Supermarkt einzukaufen, und nicht, sich mit klapprigen Omas herumzuplagen, schnappt sie sich den Einkaufswagen, rattert damit rekordverdächtige vierhundertsiebzehnmal über die Alte, läßt eine herumstehende Schwangere das Vehikel säubern und schlendert gemütlich in Richtung Eingang…

STOP.

Um Sie nicht weiter mit Einzelheiten zu langweilen und dieser Geschichte einen halbwegs würdigen Ausgang zu verschaffen, werde ich den Rest von Sarahs Tag wohl lieber allein beobachten und Ihnen später davon berichten. Also: lehnen Sie sich zurück, legen Sie die Lesebrille zur Seite und genießen Sie die Stille.

… … … … … … … … … … … … … … … … …

Nun gut, der Tag ist vorüber und Sarah liegt friedlich schlummernd in ihrem Bett.

Was es zu berichten gibt?

Hmmm, nun ja – es gab siebzehn Tote durch Handgranaten, ein paar tote bzw. schwerverletzte durch eine aus dem Hinterhalt kommende Pumpgun-Attacke, zwei gesprengte Minderjährige, eine ziemlich matschige Oma, ein zerschmettertes Kind, einen Fahrradkurier, dessen Körper ihm auch nicht mehr viel bedeuten kann und eine gedemütigte Schwangere. Ach ja, nicht zu vergessen zahllose tote Tauben und zwei durchlöcherte, mit Spikes gespickte Obdachlose.

Mehr gibt es zu diesem Dienstag nicht zu sagen, außer vielleicht: „Kann mir jemand erklären, wie eine hübsche, elfengleiche, geradezu engelhafte Frau soviel Ärger machen kann, ohne dafür bestraft zu werden?“

In diesem Sinne, Ihnen, Ihren Kindern und natürlich auch Ihren Freunden und Verwandten eine Gute Nacht und angenehme Träume.

Kraszentia

Unbekannte Autorin unbekannter Herkunft. Nach Anfeindung durch selbstgerechte Mainstream-Medien verschollen. Verständlich, denn der 'Journalist', der 'Pumpgun' bei Google eingab und das 'Recherche' nannte, hatte keinen Kontakt mit ihr aufgenommen, ehe er seine Dünnsäure hochauflagig verklappte. Anders als seine von ihm verführten Leser, die ihr (und dem Wirt) Morddrohungen mailten.

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