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	<title>Zarathustras miese Kaschemme</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Karriere</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 05:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<category><![CDATA[Karriere]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich war nervös. In einer Stunde sollte ich einen Auszug aus Schillers „Räuber“ vor der Aufnahmejury der hiesigen Theaterhochschule vortragen. Ich würde ein Schauspieler. Jemand, der so tut als ob.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Wasser in der Wanne war mittlerweile kalt, doch Didi wollte noch nicht raus. Mutter gab noch etwas warmes Wasser hinzu und rieb dann Didi’s Kopf mit Kindershampoo ein. Es roch nach Pfirsich und brannte nicht in den Augen. Didi schrie trotzdem und ich saß draußen in der Küche und versuchte zu Lesen. Bei jedem zweiten Satz verlor ich die Konzentration und nippte an meiner Tasse Tee. Wie das Wasser in der Wanne, war auch mein Tee mittlerweile kalt. Ich war nervös. In einer Stunde sollte ich einen Auszug aus Schillers „Räuber“ vor der Aufnahmejury der hiesigen Theaterhochschule vortragen. Ich würde ein Schauspieler. Jemand, der so tut als ob. Ich wollte eigentlich noch mal den Text durchgehen, aber ich hatte Bedenken, dass meine Nervosität mich dazu brachte, die ganze Sache noch mal derartig zu überdenken, dass ich am Ende die „Räuber“ in den Müll werfen würde. Scheiß auf Schiller. Scheiß auf das ganze Theater. Ich nahm meine Tasse und besuchte meine kleine Schwester und meine Mutter im Badezimmer. Ich setzte mich auf den Toilettendeckel und sah zu, wie Mutter mit einem kleinen Eimer Wasser aus der Wanne schöpfte und es dann Didi über den Kopf goss.</p>
<p>“Nimmst du den Bus?” fragte meine Mutter.</p>
<p>Natürlich nehme ich den Bus, ein Auto hatten wir ja nicht.</p>
<p>“Hast du ein frisches Hemd angezogen?”</p>
<p>Es war nicht frisch gewaschen, aber es sah gut aus und das musste reichen. Mutter schrubbte Didi das Shampoo aus den Haaren und kämmte mit den Händen noch mal durch.</p>
<p>“Ja, alles in Ordnung, mach dir keine Sorgen,” sagte ich.</p>
<p>“Gleich fertig, lass die Augen noch zu,” sagte Mutter zu Didi und die wollte einfach nicht hören.</p>
<p>“Es brennt,” protestierte sie und Mutter reagierte schon gar nicht mehr darauf.</p>
<p>“Nimmst du deinen Lebenslauf mit?” fragte mich meine Mutter.</p>
<p>Nein, den denn würde ich nicht brauchen, zumal es sowieso nicht viel zu erwähnen gab. Doch ich log, ich sagte ich hätte alles parat. Meine Kleider, meinen Lebenslauf, mein optimistisches Lächeln.</p>
<p>“Mann, das ist ja mal was. Da wirst du ja bald dein eigenes Büro bekommen, was?”</p>
<p>Nein, das würde ich bestimmt nicht, denn es gab überhaupt kein Vorstellungsgespräch für ein Ausbildungsplatz als Bankkaufmann. Ich würde Schauspieler werden. So wie Klaus Kinski oder Armin Mueller-Stahl, oder vielleicht auch Komiker oder Kabarettist wie Dieter Krebs oder Dieter Hallervorden. Schauspieler, Mutter. Die, die so tun als ob. Ich hatte doch Talent, oder etwa nicht?</p>
<p>“Habe an alles gedacht, Mutter. Keine Sorge.”</p>
<p>“Na dann.” Mutter nahm sich ein Handtuch und half Didi aus der Wanne.</p>
<p>Während sie Didi trocken rieb, gab sie mir noch mal einen abschließenden Vortrag darüber wie glücklich ich mich schätzen sollte.</p>
<p>“Ich hatte nicht diese Möglichkeit, die du nun hast. Das ist wirklich was Einmaliges. Du wirst wohl der erste in der Familie sein, der Karriere macht.”</p>
<p>„Ja, so was in der Art.“</p>
<p>Ich lächelte nur bescheiden und nickte in einer Art und Weise, die ihr signalisieren sollte, dass ich den Vortrag nicht weiter hören wollte.</p>
<p>“Ich will Schokolade,” sagte Didi und hielt das Handtuch, dass Mutter ihr umgelegt hatte fest.</p>
<p>“Na, komm,” sagte Mutter und ich trat als Erster aus dem Badezimmer zurück in die Küche. Didi wurde in ihr Zimmer gebracht und aufs Bett gesetzt. Neben ihr lagen ihre Kleider, die sie heute in die Schule anziehen sollte. Ein schwaches Licht schien aus der halboffenen Tür in den Flur und ich konnte die flüsternden Worte meiner Mutter hören, die Didi dazu bringen wollte sich endlich anzuziehen und die Schokolade zu vergessen.</p>
<p>“Ich will aber noch Schokolade,” hörte ich Didi, die gar nicht daran dachte zu flüstern.</p>
<p>“Du hast dir aber schon die Zähne geputzt.”</p>
<p>“Aber ich esse doch bald sowieso was…”</p>
<p>“Das erste am Tag muss aber nicht gleich Schokolade sein.”</p>
<p>Danach war nur noch der Fön zu hören.</p>
<p>Ich derweilen blickte hinab auf meine billigen Lederschuhe mit den nervigen Gummiabsätzen, in denen ich mir vor kam wie ein Clown. Ich würde mich wohler fühlen, wenn ich mich beim Zirkus beworben hätte. Mein dunkles Jackett, die dunkel-blaue Hose dazu und meine gestylten Haare, die ich wahrscheinlich besser unter einer knallroten Perücke verstecken sollte. Ich sah rüber zur Tür, das kleine Mädchen mit dem verweinten Gesicht stand dort in ihrer Regenjacke und ihrem Tornister umgeschnallt.</p>
<p>“Schokolade,” sagte sie.</p>
<p>“Schokolade willst du?” fragte ich und sie nickte.</p>
<p>“Später kannst du Schokolade haben”, sagte meine Mutter und schlängelte sich neben Didi vorbei.</p>
<p>Ich nahm mir eine saubere Tasse aus der Spüle und trocknete sie mit dem Handtuch ab.</p>
<p>„Ich bring Didi jetzt. Wenn ich zurück komme, bist du bestimmt schon weg.“</p>
<p>„Ja, das ist gut möglich“, sagte ich und goss mir frischen Kaffee ein. Ich nippte an der Kaffeetasse und machte mir schon mal erste Gedanken, was ich später erzählen würde.</p>
<p>"Na, würde meine Mutter fragen, "wie lief das Gespräch?"</p>
<p>"Super", würde ich dann sagen, "ich hab vielleicht die Stelle."</p>
<p>"Dann kann es ja losgehen mit der Karriere." Und ihre Augen würden voller Stolz funkeln und mich anschauen.</p>
<p>"Ja, das kann es dann wohl", würde ich antworten und voller Scham weggucken.</p>
<p>Anderthalb Stunden später stand ich in der Lagerhalle der Spedition und ein Mann mit blauem Kittel und Firmenlogo auf der Brust zeigte auf die Dachrinnen, die in großen Plastikbeuteln verpackt waren.</p>
<p>„Die kannst du schon mal auspacken. Die langen kommen in den Container A, die mittleren in den Container B und die kurzen in Container C. Hast du das alles verstanden?“</p>
<p>Ich nickte und zog mir die Handschuhe an. Ich würde der erste in der Familie sein, der Karriere macht.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Silberstreifen am Horizont</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 05:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[office]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[tristesse]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Flure des Arbeitsamtes bevölkern Verwahrloste. Entweder stinken sie still vor sich hin, oder sie dehnen ihre Stimmtaue.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aurora, die Sau, grinst mir ins Gesicht, so dass ich Geist und Augen öffnen muss. Jetzt muss ich ihr zusehen, wie sie mich auslacht. „Nichtsnutz“, ruft sie, „füg’ dich in die Gesellschaft und steh auf!“<br />
Ich fauche: „Verpiss dich!“ Dann quäle ich mich aus dem Bett und hauche die Fenstervorhänge herunter.<br />
Telefonschrillen. Ich nehme den Hörer, frage ihn „Hallo?“ und höre ein hundertfaches Echo von überallher.</p>
<p>Die Flure des Arbeitsamtes bevölkern Verwahrloste. Entweder stinken sie still vor sich hin, oder sie dehnen ihre Stimmtaue. Ein Alkoholfahnenträger fällt aus dem Zimmer mit der Aufschrift „MK- MKM“ heraus. Er grölt: „Dich mach’ ich alle, Aller! Worauf du einen lassen kannst.“ Ich gehe an dem Giftgewöhnten vorbei ins Büro. Dort spielt mir ein blasensaftbesudelter Stuhl beinahe einen Streich. Der Beamte bedeutet die Gefahr. Er öffnet das Fenster und versprüht Fichtenduft aus der Dose.</p>
<p>Endlich sitzen wir uns gegenüber, und er fragt: „Was kann ich für Sie tun?“<br />
„Ich suche Arbeit.“<br />
„Aha. Name?“<br />
„Eos.“<br />
„Und weiter?“<br />
„Wie weiter?“<br />
„Ihr Nachname?“<br />
„Eos.“<br />
„Ja, dann sind Sie bei mir falsch. Melden Sie sich im Zimmer 0815.“<br />
„Wieso?“<br />
„Heute ist Vollmond.“ Der Amtmann dreht seinen Stuhl und mir den Rücken zu. „Und jetzt ist Mittag. Guten Tag.“<br />
„Aber ich such’ doch Arbeit.“'<br />
„Suchen Sie im Zimmer 0815!“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Auftrag</title>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 05:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[absurd]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstmord]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wedelmaier! Wahnweiler Markt 3, Kolonialkunst Rostbaum.“
„Alles klar, Chef“, und ab.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und so sieht sich Seppo auf der Straße wieder, was ihm nicht bekommt. Eben hat er noch im sicheren Kontor gesessen, nun sieht er sich den möglichen Blicken vieler Menschen ausgesetzt.</p>
<p>Seppo saß gerade beim Frühstück, als sich die Tür öffnete: „Wedelmaier! Wahnweiler Markt 3, Kolonialkunst Rostbaum.“<br />
„Alles klar, Chef“, und ab.<br />
„Pichler! Altona, Sackgasse 7, bei Schwatzke.“<br />
„In Ordnung“, geht.<br />
„Und Sie, Seppo“, schmatzte die Chefschabe und blinzelte, „Sie fahren zur Hoheluftbrücke und springen dort ins Wasser!“<br />
„Aber“, stotterte Seppo und ließ sein Wurstbrot fallen, „aber Chef, ich bin noch nie im Außendienst gewesen.“<br />
„Sie sehen doch, wir kommen mit der Erledigung der Aufträge nicht mehr hinterher. Da müssen Sie mit ran.“<br />
„Und die Verwaltung?“ flehte Seppo. Er stand auf und stammelte: „Wer kümmert sich darum?“<br />
„Keine Sorge, da haben wir schon Ersatz.“<br />
„Aber...Chef, Chef!“ heulte Seppo und sank auf die Knie. „Ich habe doch noch nie im Außendienst gearbeitet.“<br />
„Lassen Sie sich nicht so gehen!“ barschte der Boss. „Kopf hoch, da müssen Sie jetzt durch!“ Und bevor die Chefschabe ihre Bürotür schloss und den Riegel ein für allemal vorschob, lugte sie ein letztes Mal zu Seppo, der zu Boden gesunken war, zurück. Unter Verzerrung der Gesichtsmuskeln zu einer Fratze drückte ihm das Insekt den Daumen.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1377" title="spring" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/spring-250x80.jpg" alt="spring" width="250" height="80" />Als sich Seppo auf der Hoheluftbrücke stehen sieht, wird ihm ganz anders zumute. Er schließt die Augen und pumpt Luft in die verkrampften Lungenflügel. Ganz und gar nass geschwitzt hat er sich. Schließlich kann sich das Wasser nicht länger in der Blase halten. Es sickert durch den überforderten Muskel. Dann durchläuft ihn eine trügerische Ruhe und Klarheit. Plötzlich springt er über das Brückengeländer. Einige Passanten laufen zu der Stelle, an der sie ihn springen gesehen haben, aber nachdem die letzten Luftblasen auf dem Fluss zerstoben sind, geht jeder wieder seiner Wege.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Einer kommt und einer geht</title>
		<link>http://kaschemme.de/2010/05/einer-kommt-und-einer-geht/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 05:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Hotel]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[treiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sehnte mich nach einem Glas Wasser oder was noch viel besser wäre, einem kalten Bier. Die Mittagssonne stand am Himmel, glänzte und brannte uns entgegen wie ein Feuerball. Meine Kehle war getrocknet und auf der Zunge lag noch immer der viel zu süße Geschmack des Zuckers aus dem Kaffee.

“Ich hab noch ein paar Dollar, wir sollten uns ein Bier besorgen”, sagte ich und deutete auf ein kleines Lokal.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war an einem Mittwochmorgen. Ich saß auf der schwarzen Ledercouch und lauschte der sanften Stimme der Sekretärin, die keine vier Meter vor mir hinter ihrem Schreibtisch saß und beruhigend in den Hörer sprach. “Er wird sich bei ihnen melden... ja, sicher ... vielen Dank ... auf Wiederhören.” Ich schaute über den kleinen Zeitungsstapel, der auf dem Tisch lag, unter ihnen der “New Yorker”, ”LA Weekly”, die “New York Times” und die “Los Angeles Times”. Ich las über die Titelblätter: <em>Democracy in Iraq,  Colombia army chief linked to outlaw militias, Broken Bridges, Yankees On The Run</em>. Ich lehnte mich an und kratzte ungeduldig mit den Fingernägeln über die Zähne. Die Sekretärin blickte mit einem nicht überzeugenden Lächeln rüber und tippte dann weiter auf ihrem Notebook herum. Ich lächelte zurück, doch da schaute sie schon lange wieder auf den Bildschirm. Die Bürotür ging auf und ein Mann in den späten 30gern, mit gebügeltem weißen Hemd und einer gepunkteten blau-weißen Krawatte, kam herausgeschossen.</p>
<p>“Francis…? Francis…” Er versuchte sich zu erinnern, machte dann einen großen Schritt auf mich zu und reichte mir die Hand. “Francis Moon”, platzte es schließlich aus ihm heraus. Er zog mich vom Sessel hoch und führte mich in sein Büro. “Keine Anrufe”, rief er der Sekretärin zu und schloss die Tür hinter sich. Ich stand in seinem Büro. Ein heller Raum im dritten Stock mit Ausblick auf eine T-Kreuzung und ein gut besuchtes Café.<br />
”Nehmen Sie doch bitte Platz”, sagte er und ging rüber zur Kaffeemaschine. “Auch einen?”</p>
<p>“Sicher”, sagte ich und nahm auf dem breiten Ledersessel Platz.</p>
<p>“Schwarz oder mit Milch?”</p>
<p>“Milch.”</p>
<p>“Ein oder zwei Würfel Zucker?”</p>
<p>“Fünf.”</p>
<p>Er lachte, warf gleich sechs Stücke rein, verrührte die Dosenmilch darin und reichte mir die Tasse rüber.</p>
<p>“Ich hab mir ihre Texte mal angeschaut”, sagte er halb aus der Tasse schlürfend und zu seinem Bürosessel eilend. Er war eine nervöse Persönlichkeit. Keine zwei Sekunden vergangen ohne ein flinkes Autozwinkern, oder einer raschen Handbewegung.</p>
<p>“Gefällt mir ganz gut.”</p>
<p>“Das freut mich”, sagte ich und nahm vorsichtig einen Schluck. Ich verzog das Gesicht. Der Kaffee war viel zu süß.</p>
<p>“Na, zu süß, nicht? Das wusste ich. Hab zur Vorsicht noch einen nachgeworfen.”</p>
<p>“Danke”, sagte ich halbgrinsend.</p>
<p>“Willst Du einen Neuen?”</p>
<p>“Nein, danke. Es geht schon.”</p>
<p>Ich war gespannt, was aus diesem Gespräch mit Charly Fish werde könnte. Vor zwei Monaten hatte der richtige Francis Moon seinem Magazin eine Kurzgeschichte geschickt und sah dann, dass sie in der aktuellen Ausgabe des “Yap Yap Magazine” nicht zu lesen war. Dann eines Tages rief seine Sekretärin an und bat Francis vorbeizukommen. Was war denn nun an seiner Geschichte, die Charly nicht gut genug für sein “Yap Yap” (ein doch sehr gut angesehenes Literaturmagazin in Autorenkreisen) hielt, wirklich dran?</p>
<p>“Deine Geschichte, genau…” redete er sich aus seinem zu vorigen Gedanken heraus, "die ist schon was.”</p>
<p>“Das ist gut”, antwortete ich in bescheidener Manier und fühlte mich zum ersten Mal hinters Licht geführt.</p>
<p>“Hast Du noch mehr geschrieben?”</p>
<p>“Ja, sicher, aber die Anzeige gab an nur eine Geschichte einzusenden.”</p>
<p>“Ja ja. Ich weiß. Unter die besten hast du es leider nicht geschafft, aber das liegt nicht an der Qualität der Geschichte, sondern an der Art und Weise ihrer Arbeit.”</p>
<p>“Wie meinst du das?”</p>
<p>“Du hast großes Talent…entweder wird daraus noch was oder du bleibst das ewige Talent, verstehst Du?”</p>
<p>Ich blickte hinter ihm durchs Fenster, sah die Straße runter bis zur Kreuzung und beobachtete die Leute die sich im Café trafen, sich unterhielten und lachten. Charly drehte sich zum Fenster.</p>
<p>“Kennst Du den Laden?”</p>
<p>Ich schüttelte den Kopf. “War schon lange nicht mehr in einem Restaurant oder einem Café”, sagte ich und nahm einen Schluck aus meiner Kaffeetasse. Umso näher ich dem Boden kam, umso süßer wurde es. Bald konnte ich den Zucker auf meinen Zähnen knirschen hören.</p>
<p>“Willst Du rüber gehen auf’n Sandwich?” fragte Charly und sah zu mir mit einem hängenden Blick voller Mitleid. Ich kam mir bescheuert vor. Mein Magen hatte schon mehrere Male geknurrt und ich wollte das Angebot einfach nicht annehmen. Das musste ich mir wirklich nicht an tun. Man kann arm sein, aber das doch bitte mit Würde.</p>
<p>Wir gingen runter zur <em>Melrose Ave.</em> und schlenderten an den Shops und Cafés vorbei.</p>
<p>„Los Angeles ist eine mystische Stadt, findest du nicht? Ein modernes Sodom."</p>
<p>Charly rieb sich die Schweißperlen von der Stirn und blinzelte hoch zur Sonne.</p>
<p>"Ich frage mich, wann das große Beben kommt und uns auffrisst."</p>
<p>Ich sehnte mich nach einem Glas Wasser oder was noch viel besser wäre, einem kalten Bier. Die Mittagssonne stand am Himmel, glänzte und brannte uns entgegen wie ein Feuerball. Meine Kehle war getrocknet und auf der Zunge lag noch immer der viel zu süße Geschmack des Zuckers aus dem Kaffee.</p>
<p>“Ich hab noch ein paar Dollar, wir sollten uns ein Bier besorgen”, sagte ich und deutete auf ein kleines Lokal, dass an der Ecke auf der anderen Seite lag.</p>
<p>“Fein”, sagte er und drehte sich zum Bordstein um die Straße zu passieren. Wir liefen rüber und nahmen uns einen Tisch für Zwei neben zwei jungen Mädchen draußen vor dem großen Fenster. Bald kam der Kellner und nahm unsere Bestellung auf.</p>
<p>“Weißt Du was, ich hab’s mir anders überlegt. Bring mir doch bitte ne Margarita, schön kühl”, sagte Charly zum Kellner und zeigte dann auf mich.</p>
<p>“Ich nehme ein Bier, was Importiertes, wenn’s geht.”</p>
<p>Der Kellner machte sich seine Notiz und zog ab.</p>
<p>„Du gefällst mir“, sagte er und lächelte.</p>
<p>Ich lächelte zurück.</p>
<p>Er kratzte sich an der Stirn und blickte zur Seite. Er wurde etwas nervös und ich hatte das Gefühl, ich würde wieder in seinem Büro sitzen und wäre sein Angestellter und genau in diesem Moment würde ich gefeuert werden. Dann kamen die Getränke, aber ohne sein Glas zu beachten schaute er daran vorbei und mir direkt in die Augen.</p>
<p>„Das mit deinen Geschichten das wird nichts mehr. Sie sind einfach Scheiße. Versuch am Besten mal anderes. Malst du gerne?“</p>
<p><em>Fuck you</em>, schoss mir durch den Kopf.</p>
<p>„Sehr gerne“, sagte ich und trank mein Bier in einem Zug leer.</p>
<p>Mit großen Augen verfolgte er wie mein Glas wieder auf dem Tisch platziert wurde. Ich hatte ihn beeindruckt.</p>
<p>„Ich geh dann mal“, sagte ich und verschwand.</p>
<p>Eine Stunde später befand ich mich wieder im Süden der Stadt und trabte langsam den staubigen und steinernen Weg, der sich bei den Schienen am LAX zum Freeway hin lang zog. Eine mageres Abbild einer vergessenen Wüste aus Abfallresten, grauen Steinen und zerplatzten Reifen. Neben mir einmal mehr die Straße, die in ihrer Abgeschiedenheit fast noch mehr an eine Wüste erinnerte. In knapp 40 Minuten würde ich wahrscheinlich bei ihm sein, wäre da nicht dieses unwohle Gefühl in der Magengegend, dass mich dazu veranlasste, möglichst bald eine Toilette aufzusuchen erzeugen. Beim nächsten Motel machte ich halt und klingelte an der Rezeption. Ein alter Koreaner trat hinter der Glasscheibe hervor, seine Augen ganz klein durch die dicken Brillengläser.</p>
<p>“Guten Tag”, begrüßte ich hin und wischte mir den Schweiß von der Stirn. “Ganz schön heiβ da draußen”, sagte ich.</p>
<p>“Wollen Sie Zimmer?”</p>
<p>“Ja…ich meine…nein. Ich müsste mal aufs Klo. Haben Sie ne Toilette hier?”</p>
<p>“Nur Mitarbeiter.”</p>
<p>“Ah, okay. Könnte ich vielleicht eines der Zimmer mal kurz benutzen?”</p>
<p>“Sie wollen Zimmer?”</p>
<p>“Ja, aber nicht für lange. Ich müsste nur mal aufs Klo. Ginge das? Ich weiß, das klingt merkwürdig, aber…”</p>
<p>“Sie wollen auf‘s Klo?”</p>
<p>“Ja.”</p>
<p>“Ich kann sie nicht in ein Zimmer lassen für Toilette.”</p>
<p>“Sie können doch im Zimmer auf mich warten. Dauert nicht länger als fünf Minuten.”</p>
<p>“Kann nicht machen.”</p>
<p>“Drei Minuten.”</p>
<p>“Nein. Geht nicht.”</p>
<p>“Okay, was kostet das Zimmer für drei Minuten?”</p>
<p>“Geht nur Tag oder Woche. Ein Tag 33. Eine Woche 151. Plus Steuern.”</p>
<p>“Aber ich….” Bevor ich weiter auf der Toilettendebatte herumritt, genehmigte ich mir einen Blick durch die kleine Empfangshalle. Von einer Halle konnte man nicht sprechen, aber die Wände schienen frisch gestrichen, die Pflanze, die auf dem Ecktisch mit den gepolsterten Stühlen stand war echt und die Klimaanlage in der Ecke funktionierte auch. Ich konnte wenn ich meine beiden Arme ausstreckte die Wände an beiden Seiten berühren und auch wenn der Ort klein und kalt wirkte, konnte von Dreck oder Verfall soweit keine Rede sein.</p>
<p>“Sagten sie 151 für eine Woche? Plus Steuern?”</p>
<p>“151 für Woche. Plus Steuern.”</p>
<p>Mein Lächeln kam zurück und ich unterdrückte die Magenschmerzen.</p>
<p>“Können sie einen Dollar wechseln?”</p>
<p>Es klingelte zweimal, dann nahm er ab.</p>
<p>“Rudy?” fragte ich in den Hörer. Rudy war mein Vermieter und neuerdings Hundezüchter. “Was machen die Dobermänner, Rudy?”</p>
<p>“Das sind Pitbulls, Mann.”</p>
<p>“Hör zu Rudy, ich zieh vielleicht aus.”</p>
<p>“Das sagst du schon seit zwei Monaten. Was ist überhaupt mit den letzten beiden Monatsmieten…?”</p>
<p>“Ich weiß, Rudy. Ich weiß. Ich wollte dir nur Bescheid sagen. Ich komm nachher mal bei dir rum, okay? Sperr nur vorher deine Bullterrier ein.”</p>
<p>“Das sind Pitbulls, Mann.”</p>
<p>Ich hing auf, lies die anderen drei 25 Cent Stücke in meiner Hand klimpern und rechnete mir aus, wie ich die erste Woche überleben könnte. Es wäre nicht allzu schwer. Knapp 215 Dollar sind mir noch geblieben und am Ende der nächsten Woche wäre mein nächster Scheck fällig.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1324" title="matraze_350x250" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/01/matraze_350x250-250x250.jpg" alt="matraze_350x250" width="250" height="250" />Ich nahm mir ein Zimmer und ruhte mich ein paar Minuten auf dem Bett aus. Es war ein wunderbares Gefühl. Ein altes Radio mit hölzerner Verkleidung stand auf dem kleinen Nachttisch. Ich suchte einen Sender und hörte bald die Stimme Frank Sinatras, die in lieblicher Agonie <em>“In the Wee Small Hours of the Morning”</em> sang. Ich bekam irgendwie gute Laune, auch wenn mich, dass alles auch irgendwie ziemlich runter zog.  Bald würde es wieder anfangen, dass ich mich beschissen fühlte. Die gute Laune würde nicht lange anhalten, da war ich mir sicher. Ich verließ das Zimmer und das Motel und suchte mir einen Schnapsladen. Mit einem Sechserträger Bier und einer Flasche Whiskey ging ich wieder auf mein Zimmer und feierte ein wenig bei melancholischer jazziger Musik. Es war großartig. Alles war vergessen. Die Autorenkarriere, die zahlreichen Geschichten, die Arbeit und das öde Leben. Als es anfing zu dämmern (draußen und in meinem Kopf), machte ich mich auf vors Motel, um noch eine zu rauchen. So gut hatte mir schon lange keine Zigarette mehr geschmeckt. Ich war total benebelt. Alles drehte sich und der Himmel schaute auf mich herab, wie ein großes schwarzes Auge.</p>
<p>“Nicht ein Stern zu sehen”, sagte ich mir und blickte auf. Mir wurde irgendwann kalt und ich ging zurück zur Eingangstür. Ich hörte ein Motorrad die Straße entlang dröhnen und drehte mich noch einmal um. Auf der anderen Seite sah ich einen Obdachlosen den staubigen Weg entlanggehen. Ein trauriges Bild. Er war kaputt, stand kurz vor dem Zerfall. Er war gebeutelt von diesem Leben. Ein langer zerfetzter Mantel, Vollbart im Gesicht und zerrissene Joggingschuhe. So schlimm hatte es mich nicht erwischt. Er hatte die alten Kleider, die dreckige Straße. Ich hatte das warme Bett, den Whiskey und das Bier. Ich verschwand in meinem Zimmer und stellte das Radio wieder an. Immer noch, oder schon wieder Sinatra. Er sang <em>„That’s Life“ </em>und ich musste an den einsamen Menschen denken, der jetzt durch die dunklen Straßen lief.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Nurkörpermann</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 15:10:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war ein nieselnasser Novembermorgen, als der dicke Herrmann mit seinem Führer und andern Hysterikern von München nach Berlin aufbrachen. Dort wollten sie das Regierungsruder an sich reißen, um das Reich in einen Krieg zu steuern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein nieselnasser Novembermorgen, als der dicke Herrmann mit seinem Führer und andern Hysterikern von München nach Berlin aufbrachen. Dort wollten sie das Regierungsruder an sich reißen, um das Reich in einen Krieg zu steuern.</p>
<p>Als sie aus dem Bürgerbräukeller hinaus in den Regen traten, mauserten sich Herrmann, sein Führer und die andern Aufgeregten von Idioten zu Putschisten.</p>
<p>Der warme Ernst kniff Herrmann in den Hintern. Dabei verkniffen sich die Schmisse seines Latrinengesichts. Der Dicke drängelte sich nach vorn, er drängelte sich zu seinem Führer in die erste Reihe. Vor diesem wusste er sich sicher. Adolf stand nur auf sich selbst...und auf Schäferhunde.</p>
<p>„Heil Herrmann!“ höhnte Hitler, „Schon so früh auf den Beinen?“</p>
<p>„Ja, mein Held. Ich weiß doch, wie wichtig dir die Macht ist.“</p>
<p>Vor der Feldhurenhalle sperrten Polizisten die Straße ab. Sie versperrten den Weg, besorgt, die Umstürzler könnten sich Blasen laufen. Die Landsknechte wussten, was Gewehre sind. Sie zeigten keine Angst vor ihnen. <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Goeringcaptivity.jpg&amp;filetimestamp=20061015064455"><img class="alignright size-full wp-image-1373" title="Bild: Hermann Göring in captivity May 9, 1945" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/goeringcaptivity.jpg" alt="goeringcaptivity" width="200" height="331" /></a>Die Putschproleten marschierten auf die Postenkette zu. Sie hatten einen wichtigen Wahn zu erfüllen: Sie müssten, wähnten sie, Teutschland retten; vor wem oder was, stand im Kaffeesatz. Doch die Liktoren feuerten aus ihren Feindschaftsflöten, dass es donnerte und krachte. Geschrei und Blutspritzerei. Weltkriegsverlierer Ludendorff, auch er war dabei, passierte die Polizeikette. Die Kugeln machten einen großen Bogen um ihn. Zweizentnerherrmann aber traf es im Schritt. Seine Samenbank wurde zu einem Großteil weggerissen. Nur ein Nebengebäude konnte gerettet werden.</p>
<p>Zwanzig Jahre später - endlich hatten sie ihren Krieg! - soff Dreizentnerherrmann in einem Offizierskasino. Längst war er zum Massenmörder aufgestiegen und gereift. Vor Fliegerasseln rühmte sich der Morphinist damit, mit seinem Restsack, mit seinem Fetzen zwei Kinder gezeugt zu haben. „Los, lobt mich!“ lachte er, „Oder wollt Ihr ins KZ?“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Sarkastische Dackelfrisuren und Kalauer-Klammern</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 05:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Maisel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bis vor kurzem lebte ich im Glauben, die Werbeleute des 21. Jahrhunderts hätten sich von bestimmten Methoden abgewendet, weil sie ihnen selbst zu blöd geworden sind. Mit diesem naiven Gedanken wandelte ich letzthin zwischen den Regalen eines Nahrungsmittel-Verticker-Stores, als ich auf eine Reklame eines Ketchups stiess.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1346" title="weisserturnschuh" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/weisserturnschuh.jpg" alt="weisserturnschuh" width="258" height="80" />Bis vor kurzem lebte ich im Glauben, die Werbeleute des 21. Jahrhunderts hätten sich von bestimmten Methoden abgewendet, weil sie ihnen selbst zu blöd geworden sind. Mit diesem naiven Gedanken wandelte ich letzthin zwischen den Regalen eines Nahrungsmittel-Verticker-Stores, als ich auf eine Reklame eines Ketchups stiess, dessen "(h)einzigartiges" Aroma angepriesen wurde. Die Zweckentfremdung der Klammer zur Konstruierung von hanebüchensten Kalauern lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und sei dieser noch so russig. Doch wer weiss, vielleicht ist das die Vorhut eines Kalauer-Klammer-Revivals. Vermutlich sollen wir bald "f(r)ische Heringe" oder "g(l)ute(inhaltige) Brötchen", und was sonst noch in kranken Gehirnen gärt, kaufen. Solche Unhübschheiten sollte man ein für alle mal wegsperren, wie schultergepolsterte Blousons aus den Achtzigern. Doch leider kann ich das nicht entscheiden, bin ich leider kein Mitglied der sogenannten Meinungsführerschaft. Wenn die Oligarchie der Meinungsführer morgen beschlösse, es wäre doch ganz schön lässig, Frisuren in Form von Dackelköpfen zu tragen, übermorgen blickte ich in unzählige haarige Dackelaugen. Dackelfrisuren wären nur ein weiteres Kind des Techtelmechtels zwischen der Meinungsführerschaft mit dem Sarkasmus. Alles gar nicht so gemeint, Satire auf den Biedermann und die Kleinbürgerin. Doch in 30 Jahren wird man ein ernstes Problem haben, die Dackelfrisuren als Sarkasmus zu erklären. Die Jugendlichen der Zukunft werden sagen, oh Lord, was habt ihr denn da auf dem Kopf getragen? Es wird ihnen entgegnet, das sei eine Satire auf Biedermann und Kleinbürgerin gewesen. Doch in 30 Jahren wird der Sarkasmus wahrscheinlich ausgestorben sein, und die heutigen Dackelgirls und -boys stehen in sehr schlechtem, kaum vorhandenen Licht da. Damit werden sie noch mehr die Achtung ihrer Kinder verlieren, die sich dann erst recht nichts mehr sagen lassen wollen und sich ganz den synthetischen Drogen widmen, die von den Albert Hofmanns der Zukunft noch entwickelt werden. Wenn sie nicht auf dem Strich landen, müssen sie sich in einer Werbeagentur verdingen und den ganzen Tag im Wörterbuch blättern, um Wörter zu finden, aus denen sich per Klammer lustige Kalauer basteln lassen. Die so weit gesunkenen Individuen lassen sich meist nur noch per Rasterfahndung aufspüren.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Affentheater (glutenfrei)</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 05:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Clemens Ettenauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[absurd]]></category>
		<category><![CDATA[job]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[sinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Boris und Malte sitzen in einem Zimmer; die Vorhänge sind geschlossen, weil die Sonne scheint kommt trotzdem ein bisschen Licht herein; unverkennbar schwebt der Duft von Marihuana und schalem Bier in der Luft.

Boris (nach einer längeren Pause): Malte, wir sind wie Hamster, eingesperrt in einem Käfig trotten wir durch das Laufrad der Zeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1364" title="duerchdievorhaengelicht" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/duerchdievorhaengelicht-250x250.jpg" alt="duerchdievorhaengelicht" width="250" height="250" />Boris und Malte sitzen in einem Zimmer; die Vorhänge sind geschlossen, weil die Sonne scheint kommt trotzdem ein bisschen Licht herein; unverkennbar schwebt der Duft von Marihuana und schalem Bier in der Luft.</p>
<p>Boris (nach einer längeren Pause): Malte, wir sind wie Hamster, eingesperrt in einem Käfig trotten wir durch das Laufrad der Zeit.</p>
<p>Malte (nach einer ebenso langen Pause): Boris, gestern hab ich einen sogenannten „Verrückten“ in der Straßenbahn gesehen. Er brabbelte Unverständlichkeiten vor sich hin, aber er lächelte dabei. Darum habe ich ihn beneidet, offensichtlich war dieser Mensch glücklich.</p>
<p>Boris betrachtet die Knabberzeugschachtel in seiner Hand für ein paar Sekunden. Dann greift er zum Telefon (mit Wählscheibe!) und wählt sehr langsam die Nummer von der Packung.</p>
<p>Boris: Hallo? Bin ich hier bei Snackworld gelandet? Ich hätte da mal eine Frage: Auf ihrem Nuss-Mix steht: „Kann Spuren von verschiedenen Nüssen enthalten!“</p>
<p>Malte holt inzwischen die Post.</p>
<p>Boris: Was heißt „was meine Frage ist“? Ich mach mir nur Sorgen um euch…</p>
<p>Malte kommt mit einem Flugblatt in der Hand zurück (Werbung für Sicherheitsschlösser). Er nimmt Boris das Telefon vom Arm und wählt.</p>
<p>Malte: Hallo! Sie machen da ja Werbung auf Ihrem Flugblatt für mehr Einbrüche, aber sagen Sie mal: Wie kommen denn Sie eigentlich in die Wohnhäuser rein?</p>
<p>Pause.</p>
<p>Malte: Mhm.</p>
<p>Längere Pause.</p>
<p>Malte: Eigentlich interessiert mich das alles gar nicht…</p>
<p>Malte legt auf.</p>
<p>Boris: Lass uns weiter am Weihwasser-Unternehmen arbeiten…</p>
<p>Malte: Es läuft nicht, niemand will Weihwasser kaufen, das von Pfaffen am Fließband gesegnet wurde. Die Leute legen Wert auf Handarbeit bei solchen Sachen.</p>
<p>Boris: Um drei Uhr kommt eine Bewerberin.</p>
<p>Malte verrenkt seinen Kopf Richtung Wanduhr.</p>
<p>Malte: Das ist jetzt.</p>
<p>Die Türglocke bestätigt es.</p>
<p>Malte: Aber wir wollen doch gar niemanden einstellen…</p>
<p>Boris: Weißt du einen besseren Zeitvertreib?</p>
<p>Boris geht zur Tür.</p>
<p>Malte stopft inzwischen seine kleine goldene Marihuanapfeife.</p>
<p>Boris kommt mit einem etwa 20-jährigen Mädchen ins Zimmer.</p>
<p>Boris: Das ist Anne. Sie will sich hier bewerben. Hast Du die Unterlagen vorbereitet?</p>
<p>Malte (nimmt einen Zug): Hää?</p>
<p>Anne: Hallo…</p>
<p>Malte: Ähm, ja, hallo auch!</p>
<p>Boris geht zum Schreibtisch und holt eine paar zerfledderte Zettel aus einer der Laden hervor.</p>
<p>Boris: Also gut, Anne. Dann erzähl uns mal, warum du gerade in UNSERER FIRMA arbeiten willst?</p>
<p>Anne: Naja, da stand „keine Vorkenntnisse“ im Inserat, außerdem ist das hier nur fünf Minuten von mir Zuhause weg…</p>
<p>Boris (macht sich Notizen, verzieht dabei die Mundwinkel): Verstehe. Wo siehst du dich in FÜNF JAHREN?</p>
<p>Anne: Da hab ich noch nicht so drüber nachgedacht, hoffentlich nicht mehr im Studium (grinst).</p>
<p>Boris (macht sich wieder Notizen, schüttelt dabei den Kopf): Könntest du dir eine Affäre mit mir am Arbeitsplatz vorstellen?</p>
<p>Anne: Das ist ein Scherz, oder?</p>
<p>Malte lacht und hustet: Nein, das meint der schon ernst.</p>
<p>Anne: Kann ich jetzt noch nicht sagen, dafür kenn ich dich zu wenig.</p>
<p>Boris (nickt lächelnd und macht sich Notizen): Setz dich mal an den Tisch da drüben (deutet auf den Schreibtisch).</p>
<p>Anne geht hin, Boris legt ein Blatt vor sie.</p>
<p>Boris: Hier sind ein paar Denksportaufgaben, um deine analytischen Fähigkeiten zu überprüfen.</p>
<p>Anne: Kurvendiskussion? Das ist bei mir aber schon länger her… „Löse das P/NP-Problem“… ist das nicht eines dieser mathematischen Rätsel, für deren Lösung ein amerikanischen Institut eine Million Dollar ausgesetzt hat?</p>
<p>Boris: Die Zeit läuft. 15 Minuten.</p>
<p>15 Minuten später.</p>
<p>Boris sieht sich den Zettel an, schüttelt dabei den Kopf: Wir melden uns. Was machst du heute Abend?</p>
<p>Anne geht wortlos, Malte schlägt die Gratiszeitung „Austria“ auf.</p>
<p>Malte: Schlagzeile: „HASCH-NEGER RAUCHTE MARIHUANA. DROHT IHM JETZT DIE ABSCHIEBUNG?" Auf Seite 5, mit Foto einer Gruppe Neger, aufgenommen von einem unserer Lesereporter. Dafür gibt’s 50 Euro!</p>
<p>Boris reißt ihm die Zeitung aus der Hand, blättert herum: Wo ist das Horoskop?</p>
<p>Malte (genervt): Letzte Seite…</p>
<p>Boris (findet es): "Schneenashorn: Veränderungen stehen an in nächster Zeit. Riskieren sie nicht zu viel. Ein Freund wird etwas Unerwartetes tun. Das Wetter kann schwanken.“</p>
<p>Boris wirft die Zeitung in die Ecke.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Amvettamyn</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 05:07:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angst vor der Existenz ist mehr als der kalte Schweiß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1352" title="amvettamyn" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/amvettamyn.jpg" alt="amvettamyn" width="500" height="374" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>THE NAZI ISLAND MYSTERY</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 08:51:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Wirt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[bücher]]></category>
		<category><![CDATA[sex]]></category>
		<category><![CDATA[Starke-Frauen-Krimis]]></category>
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		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja, es werden noch Bücher gedruckt. Fans kurzweiliger Trash-Literatur müssen dieses hier unbedingt haben ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die österreichische Netzzeitschrift EVOLVER, <a href="http://www.evolver.at/" target="_blank">www.evolver.at</a>, prägt seit fast 14 Jahren die Popkultur im Web, euer geliebter Kaschemmenwirt verschwendet dort ebenfalls seine Lebenszeit mit <a href="http://www.evolver.at/account/evo.andreas.winterer/stories" target="_blank">Kolumnen und Reviews</a> zweifelhafter Qualität und sitzt des weiteren derzeit in einer ominösen <a href="http://www.evolver.at/stories/EVOLVER_Literaturwettbewerb_05_09/" target="_blank">Jury</a>, was auch der Grund für diesen erfreulichen Werbe-Beitrag ist. </strong>Der EVOLVER, die beste popkulturelle Netzzeitschrift in deutscher Sprache, entert jetzt nämlich die Bücherregale. Der frisch gegründete Buchverlag EVOLVER BOOKS debütiert am 26. April 2010 mit der ultimativen Fassung des Internet-Pulp-Romans „<strong>The Nazi Island Mystery</strong>“.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/395025580X?ie=UTF8&amp;tag=scarewarede-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=395025580X" target="_blank"><img class="alignright size-medium wp-image-1385" title="the_nazi_island_mystery_600x" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/the_nazi_island_mystery_600x-319x500.jpg" alt="the_nazi_island_mystery_600x" width="319" height="500" /></a>Das erste von EVOLVER BOOKS verlegte Buch ist der überarbeitete, verbesserte und noch knalligere Director’s Cut von THE NAZI ISLAND MYSTERY, inkl. Regiekommentar, Star-Galerie und Interviews. Der Schmutz &amp; Schund-Roman der Sonderklasse erzählt das erste Abenteuer der sexy Geheimagentin Kay Blanchard – blutig, spannend und obszön, wie sich das gehört. Autor des knalligen Spektakels ist Co-Verleger Robert Draxler, der die schrille Story unter dem Pseudonym <strong>r.evolver</strong> veröffentlicht und . Peter Hiess beschreibt „The Nazi Island Mystery“ als <strong>die wahre Rückkehr der Pulp-Fiction</strong>. Pate standen die Romane um Modesty Blaise, die Ilsa-Filme und die Ullstein-Krimis der sechziger und siebziger Jahre mit dem roten K, die von Autoren wie Nick Carter, John Edwards und Ellery Queen geschrieben wurden.</p>
<p>Leicht und locker in zwei, drei Stunden zu lesen und trotzdem spannend. Sex und Gewalt, Drogen und Rock’n’Roll – und dann noch einmal ordentlich viel Sex. Und natürlich ist das in Wirklichkeit Große Kunst, sonst würden wir das hier in der Kaschemme gar nicht erwähnen.</p>
<p><strong>THE NAZI ISLAND MYSTERY</strong>, € 8,90 zzgl. Versandkosten<strong><br />
Leseprobe:</strong> <a href="http://www.evolver.at/stories/Nazi_Island_Mystery_01_2009/" target="_blank">www.evolver.at</a><strong><br />
Buchbestellungen direkt bei EVOLVER BOOKS:</strong> <a href="http://www.evolver-books.at/" target="_blank">www.evolver-books.at</a></p>
<p>Amazon geht auch, die Kaschemme kriegt dann auch ein paar Cent ab: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/395025580X?ie=UTF8&amp;tag=scarewarede-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=395025580X">The Nazi Island Mystery bei Amazon kaufen</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=scarewarede-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=395025580X" border="0" alt="" width="1" height="1" />.</p>]]></content:encoded>
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		<title>die zerstörung des meistgeliebten und das bedauern im ewigen wechselspiel</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 06:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>onkelhoste</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Abgrund]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerzen]]></category>

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		<description><![CDATA[willst du mein dunkler engel sein?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>willst du mein dunkler engel sein?<br />
ich schlag dich mit dem hammer klein</p>
<p>ich liebe dich, du schoene puppe<br />
ich koch dir eine heisse suppe</p>
<p>ich schuett sie dir in dein getriebe<br />
damit du siehst, dass ich dich liebe</p>
<p>zum schluss, da hau ich dich entzwei<br />
dein flehen ist mir einerlei</p>
<p>wie du so liegst, das tut mir weh<br />
die traenen formen einen see</p>
<p>ich nehm dich hoch in meinen arm<br />
du siehst mich an, du bist noch warm</p>
<p>mein engel, geh, schau nicht zurueck<br />
nimm mit von mir das groesste stueck</p>
<p>leg eine locke auf mein grab<br />
damit ich weiss, dass es dich gab</p>
<p>wenn ich erwach, faellt es mir ein<br />
willst du mein dunkler engel sein?</p>]]></content:encoded>
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