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	<title>Zarathustras miese Kaschemme</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Leblosung</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 06:10:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian Gahr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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		<description><![CDATA[Nur das Hineindingen ins Unterholz  / bleibt  / als Schnitzwort in ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nur das Hineindingen ins Unterholz<br />
bleibt<br />
als Schnitzwort in der Daseinsrinde.<br />
Schon die Scheide verklingt<br />
im Raunen der rieselnden Erde.<br />
Der Schmutz trägt den Lorbeer<br />
und trinkt und feiert<br />
seine Reglosigkeit.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Rechnung mit dem Wirt gemacht</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Feb 2012 11:33:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Wirt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwei Menschen beim Italiener, zwei mal Pasta, zwei Gläser Wein, ein Espresso hinterher. Das ist Poesie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/03/alberto.jpg"><img title="alberto" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/03/alberto.jpg" alt="alberto" width="528" height="905" /></a></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #c0c0c0;"><em>Man beachte, dass diese Art der Poesie schon die Werbebanner eingebaut hat&#8230;</em></span></p>]]></content:encoded>
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		<title>Licht aus, Spot an</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 06:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Licht]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir wollen es am späten Abend machen, wenn die Träume zwischen den Wänden um sich schlagen, wenn sie einbrechen in die Kabuffs zwischen den Ohren, wenn sie in den Innenwelten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Wir wollen es am späten Abend machen, wenn die Träume zwischen den Wänden um sich schlagen, wenn sie einbrechen in die Kabuffs zwischen den Ohren, wenn sie in den Innenwelten zwischen die Paravents mit den Fototapeten schleichen, tünchen, eilig retuschieren &#8212; dann haben wir Ruhe, dann, draußen vor dem Geheul der Illuminationen, lähmen wir die knallenden Peitschenlampen und sehen, wir knicken die Lichtstrahlen vor den Kinos, verschleudern die Displays, zürnen den Leuchtreklamen, bis sie ersterben, bis sich Millionen Glühbirnen aus den Gewinden schrauben und sich die Neonröhren ausfließen &#8212; dann sehen wir, wollen die Dunkelheit gewinnen, die Totalität der Schwärze. Wisset, ihr eklektisch funzelnden Lichtgestalten, die ihr aus den Koital-Steckdosen herausgezuckt seid und die ihr ungeerdet im Wechselstrom eurer elektrisierten Sehnsüchte Existenz halluziniert &#8212; wisset, dass ihr nur sehen könnt, wenn die Blicke nur noch suchen &#8212; wisset, ihr schwachbrüstigen Elektromagneten voller Hirngespinste, Heulanfälle und Hämorrhoiden, wisset dass ihr erst erkennt, wenn euch nichts mehr vor dem Nichts im Augenweg steht, kein Oszillieren, keine magmatischen Protuberanzen, kein Abglanz vor dem Horizont, wenn keine angeknipsten Halos mehr um eure kümmerlichen Kakerlaken-Kosmen wabern. Erst wenn sich im tiefsten Dunkel des göttlichen Schattens die Welle mit dem Korpuskel vereint &#8212; erst dann wird euch ein Licht aufgehen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Gruß an Tommy G.</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 06:07:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven Klöpping</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[entertainer]]></category>
		<category><![CDATA[gottschalk]]></category>
		<category><![CDATA[klöpping]]></category>
		<category><![CDATA[leben]]></category>
		<category><![CDATA[resumee]]></category>
		<category><![CDATA[streetlife]]></category>

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		<description><![CDATA[Gruß an Tommy G. &#160; Deine goldblonde Mähne (und dein guter Riecher) haben dich berühmt gemacht, doch am Ende (wenn du in der Kiste liegst) bleiben nur die Supernasen, Haribo und Wetten dass …? Wieso man nicht „Gottschalk live“ eingeschaltet hat, als du auf dem Weg warst dich zu bessern, fragst du dich und ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/2012/02/grus-an-tommy-g/la-nuova/" rel="attachment wp-att-1860"><img class="alignright size-full wp-image-1860" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/02/la-Nuova.jpg" alt="" width="240" height="240" /></a></p>
<p><strong>Gruß an Tommy G.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Deine goldblonde Mähne</p>
<p>(und dein guter Riecher)</p>
<p>haben dich berühmt gemacht,</p>
<p>doch am Ende</p>
<p>(wenn du in der Kiste liegst)</p>
<p>bleiben nur die Supernasen, Haribo und Wetten dass …?</p>
<p><span id="more-1859"></span></p>
<p>Wieso man nicht „Gottschalk live“ eingeschaltet hat,</p>
<p>als du auf dem Weg warst dich zu bessern,</p>
<p>fragst du dich</p>
<p>und ich</p>
<p>- ja, ich –</p>
<p>erinner mich</p>
<p>an Pulle,</p>
<p>dem Dortmunder Original,</p>
<p>das pilstrinkend im Park nach Nichts Ausschau hielt,</p>
<p>oder auch an Basti,</p>
<p>der zwischen Reggea hören und Bhong rauchen</p>
<p>einfach mal an Nichts denken konnte,</p>
<p>oder auch an Bille,</p>
<p>den Dortmunder Straßenpunk,</p>
<p>der sich nach verschiedenen Süchten wieder so weit fangen konnte,</p>
<p>dass er mit mir Dosenfußball spielen konnte,</p>
<p>oder auch an mich</p>
<p>- ja, mich –,</p>
<p>der ich jetzt immer noch hier sitze,</p>
<p>alkzersetzt und drogenzerfressen,</p>
<p>vor meinem alten Compi</p>
<p>und einen neuen Text verfasse,</p>
<p>in dem es mal ausnahmsweise nicht darum geht,</p>
<p>wie sehr ich dich,</p>
<p>den großen Tommy G. doch hasse,</p>
<p>- nein –</p>
<p>sondern darum,</p>
<p>wie ich es lasse.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Nachtbegattung</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 06:19:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian Gahr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[sex]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Dämmerung ist eine Hündin / und reißt das dampfende Fleisch / aus den Bäuchen der lahmenden Tage.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Dämmerung ist eine Hündin<br />
und reißt das dampfende Fleisch<br />
aus den Bäuchen der lahmenden Tage.</p>
<p>Sie entzünden ihr Lichtspiel im Blütenkelch<br />
einer schwarzen Abendrose.<br />
Doch sogleich spielt ein Sonnenmond<br />
mit dem glimmenden Docht aller Sterne.</p>
<p>Nur in der Deckung der flüchtenden Schatten<br />
malt die Kohle ein Strichlein Nacht.<br />
Wir trinken schlaflos und erregt<br />
in unsere glasigen Kehlen<br />
den öligen Nektar der Finsternis.</p>
<p>Hinter den Schlündern im Schwefelspalt<br />
schäumen die Jahreszeiten.</p>
<p>So kantig und rauh ist die Luft,<br />
ihr Relief wird erklettert<br />
und man kauert sich<br />
unter das Firmament.</p>
<p>In der Ferne die glühende Bronzeschmiede<br />
und das unaufhörliche Scheitern<br />
einer gefallenen Sonne aus Teer.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Raum</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 06:45:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian Gahr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[experimentell]]></category>
		<category><![CDATA[ich]]></category>
		<category><![CDATA[Wirklichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Unergründlichkeit meines unmittelbaren Habitats hat mich vorsichtig werden lassen, ich versuche das Fenster immer im Rücken zu haben und, wenn sich eine Hinwendung bei gewissen Verrichtungen nicht vermeiden lässt, dann zumindest die Augen zu schließen. Jetzt, wo mir die Gewichtigkeit der kleinen Details, ihr unbarmherziges Sein, das einen zur Kenntnisnahme und sorgfältigen Berücksichtigung nötigt, ja ihre Grausamkeit bewusst ist, die einen wie ein brutaler Herrscher ängstigt und ein stilles, kaum bemerkbares Leben im Kleinen führen lässt und einem immer wieder vor Augen führt, unter welch frappierendem Grad an Blindheit und Mangelhaftigkeit man leidet, beginne ich die Verlogenheit meines Lebens vor dem Raum, also außerhalb des Raumes zu begreifen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kenne den Raum, finde mich auch bei Dunkelheit in ihm zurecht. Bekennen muss ich, dass es nicht besonders schwer ist, sich in dem wenige Quadratmeter großen Raum selbst nach kürzester Zeit bestens auszukennen. Wobei es relativ ist, wenn man sagt, dass man sich irgendwo bestens auskennt. Es ist ja der Sprachgebrauch der uns zwingt, das zu behaupten, sobald man nachts den Weg auf die Toilette findet ohne sich irgendwo anzustoßen. Betrachtet man die Sache aber etwas genauer, ist man genötigt festzustellen, dass man sich eigentlich nie vollständig irgendwo auskennt. Nehmen wir zum Beispiel den Verputz in dem Raum, in dem ich mich befinde. Es handelt sich um einen gleichmäßig weiß gestrichenen Rauhputz, dessen reliefartige Oberflächenstruktur ich seit einigen Jahren im Detail studiere. Mir ist bewusst, dass der Systematik in all der Unregelmäßigkeit seiner Struktur eine spezielle menschliche Arbeitsweise zugrunde liegt, genauer gesagt die kinetische Willkür des Arbeiters, den ich nicht kenne und der die Rohmasse des Verputzes mit irgendeinem Werkzeug auf das Mauerwerk aufgetragen hat. Es hat mich einige Zeit gekostet, aus den beim näheren Hinsehen erkennbaren Schwüngen, Strichen und bizarren Formationen die ursächlichen Handbewegung herauszulesen, doch kann ich jetzt behaupten, dass ich diese Kunst nun beherrsche. Ich beherrsche es also bei einem beliebigen Blick auf eine der Wände, mir vorzustellen, wie er es damals gemacht hat, aber ich finde mich immer noch nicht auf den Wänden zurecht. Damit meine ich, dass mir die Strukturen der einzelnen Wandabschnitte immer wieder entfallen, sich dem dauerhaften Zugriff meines Gedächtnisses hartnäckig entziehen. Besonders problematisch ist die Südwand, deren Zerfahrenheit, wilde Arabesken und unregelmäßig dick aufgetragener Verputz ich mir nur dadurch erklären kann, dass der Arbeiter unter Zeitdruck stand oder einfach nur schnell Feierabend machen wollte. Ihre Unberechenbarkeit ist es, die mich am stärksten quält. Ich stelle mit immer vor, ich wäre eine Fliege und diese 5 Wände &#8211; den Boden, der aus Holz ist, ausgenommen, wobei auch er mit seiner Maserung schwer zu durchschauen ist &#8211; wäre mein Lebensraum. Hätte ich meine Eier in eine der kleinen Rillen gelegt, ich würde sie nie wieder finden. Das stimmt mich hoffnungslos. Zwar bin ich keine Fliege und lebe in der Gesamtheit des Raums, auf dessen Holzboden noch ein Tisch und zwei Stühle sowie ein Bett stehen, doch ist es schon ein wenig erbärmlich für einen wie mich, der nichts hat als diesen Raum und sich dann nicht einmal die trivialsten Aspekte dieser an sich übersichtlichen Umgebung merken kann. Ach, es gäbe noch viel zu klagen über meine Unzulänglichkeit. Angefangen bei der komplexen Maserung des Holzbodens, dem an so vielen Stellen abgeblätterten Lack des Blechmobiliars mit dem so entstehenden Wechselspiel aus Weiß und Blechgrau und der vielfach gerissenen und teilweise abgesprungenen Keramikoberfläche der Toilettenschüssel und des Waschbeckens bis hin zu den unzähligen Kerben und Dellen meiner Türe, die ich nicht selbst aufschließen kann. Da ich von dieser Vielfalt übermannt bin, wage ich es nicht aus dem Fenster zu blicken, das, ohne Vorhänge oder Rouleaus ausgestattet, den Tag über völlig ungehemmt das Licht hereinlässt und mich lockt. Die Unergründlichkeit meines unmittelbaren Habitats hat mich vorsichtig werden lassen, ich versuche das Fenster immer im Rücken zu haben und, wenn sich eine Hinwendung bei gewissen Verrichtungen nicht vermeiden lässt, dann zumindest die Augen zu schließen. Jetzt, wo mir die Gewichtigkeit der kleinen Details, ihr unbarmherziges Sein, das einen zur Kenntnisnahme und sorgfältigen Berücksichtigung nötigt, ja ihre Grausamkeit bewusst ist, die einen wie ein brutaler Herrscher ängstigt und ein stilles, kaum bemerkbares Leben im Kleinen führen lässt und einem immer wieder vor Augen führt, unter welch frappierendem Grad an Blindheit und Mangelhaftigkeit man leidet, beginne ich die Verlogenheit meines Lebens vor dem Raum, also außerhalb des Raumes zu begreifen. Damals schritt ich durch die Welt und glaubte, die Dinge zu erkennen, nicht wissend, dass ich nur Larven, ja lauter bunte Fassaden sah. Ich spielte mit den Eindrücken, jonglierte mit meinen Sichtweisen und – tanzte unwissentlich auf Drahtseilen. Möglich war dies durch Ahnungslosigkeit, nein, gewalttätige Naivität. Jetzt weiß ich, dass ich schwerfällig taumelte und es nur Zufall war, dass mich die Einzelheiten verschont und nicht endgültig zu Fall gebracht hatten. Zwar bin ich aus diesen Gründen dankbar für meine Isolation, die mir ein an sich zumutbares Minimum an relevanten Unterschieden und nüchterne Beschaulichkeit bietet, doch ist es andererseits so, wie ich bereits gesagt habe, dass ich schon damit überfordert bin und bisweilen daran denke, die Augen nicht mehr zu öffnen. Beginne ich, wenn ich es einmal exemplifizieren darf, erneut an der kühnen Struktur der Südwand zu verzagen, beruhige ich mich bisweilen, dass es mir wenigstens gelungen ist, mich von meinem anfänglichen Übermut zu befreien, während der Tageszeit aus dem Fenster zu starren und meine Aufmerksamkeit auf unerträgliche Weise von dem bunten, zufälligen Treiben und seiner monströsen Vielschichtigkeit dort draußen überfordern zu lassen. Nicht zuletzt dies ist mir tatsächlich gelungen, den Blick von dieser wankelmütigen, niemals beherrschbaren Mannigfaltigkeit mit ihren frechen Tändeleien abzuwenden, was mich in Augenblicken der Verzweiflung ein wenig stolz sein lässt. Meine Beziehungen zu den Dingen haben sich, seitdem ich in dem Raum bin, radikal verändert. Ich sagte bereits, dass ich früher ein rechter Luftikus im Umgang mit den Objekten gewesen war. In meiner gegenwärtigen Lage ist es verständlich, dass es für mich nicht mehr die Dinge sind, die ich als Objekte bezeichne, sondern mich ganz allein für das einzige existierende Objekt halte, auf das sich alles hinrichtet und das von allem irgendwie in die Funktion genommen wird. Bereits meine Rolle in dem Verhältnis zwischen den Wänden und mir offenbart die eigene Unterlegenheit. Der Zwang, sich in der Umgebung nicht nur relativ zurecht zu finden, ist also, selbst wenn er mich so stark in Besitz genommen hat, glaube ich, nur ein vernachlässigbarer Aspekt eines wesentlich komplexeren Gefüges, in dem man, auch wenn man es nicht merkt, noch sehr viel feiner gefordert und verbraucht wird. Doch will ich die Kirche im Dorf und mich nicht von verspielten Spekulationen verführen lassen, denn wirklich klar ist mir nur meine eigene Vernachlässigbarkeit in Anbetracht der Größe des Raumes, von dem es mir nicht gelingen mag, ihn zu fassen. Nur äußerst ungern gestehe ich es, aber ich weiß jetzt, dass ich an der Südwand scheitern werde. Westen, Norden, Osten und das weiße rechteckige Firmament beherrsche ich zwar noch nicht vollständig, doch lassen mich meine rasanten Fortschritte der letzten Jahre diesbezüglich zuversichtlich sein. Die Südwand wird mir unbekannt bleiben, sie ist wie ein schlüpfriges Geheimnis, ein unlösbares Rätsel, dem man trotzdem immer wieder aufs Neue entgegentritt. Ich werde sie höchstens irgendwann einmal erahnen können. Ich weiß nicht, wann das sein wird. Ach ja, gestern habe ich erfahren, dass ich bleiben darf und im Raum sterben werde. Vielleicht reicht dies aus. Es würde mich ein wenig beruhigen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Gossenkinder</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 06:06:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[abenteuerlich]]></category>
		<category><![CDATA[dreck]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[street]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um.  „Niemand zu sehen“, sagte ich. „Gut, mach auf.” Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung. Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir lungerten uns noch sehr spät draußen rum. Frankie und ich balancierten die Bordsteine unserer Straße auf und ab. Zwei verlorene Kinder, er 14 und ich 12, die auf dem dunklen Asphalt irgendwo zwischen unseren Wohnhäusern herumturnten, während die anderen zu Hause waren und fernsahen. Wir wollten nicht nach Hause, vor allem nicht Frankie. Wir hatten seinen Vater besoffen nach Hause kommen sehen und nach trinkfesten Stunden in der Kneipe am Ende der Straße schlug er gerne mal zu. Frankie machte sich um seine Mutter Sorgen, aber er konnte ja an der ganzen Misere sowieso nichts ändern. Bei mir im trauten Heim lag ebenfalls ein überflüssiger Streit in der Luft und so schloss ich mich Frankies Abstinenz an. Wir hatten Glück, dass der Regen ausblieb, die Kälte war erträglich.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1841" title="Plattenjugend" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/plattenjugend1.jpg" alt="Plattenjugend" width="180" height="1770" />„Ich hab nen Hunderter”, sagte Frankie und zog einen Hundert-Mark Schein aus der Gesäßtasche seiner verwaschenen Jeans, die ihm mindestens zwei Nummern zu klein war. Ich war erstaunt. Das war erst das zweite Mal, dass ich einen Hundert-Mark Schein sah.<br />
„Ich hab auch Zigaretten”, sagte er und zog gleich mal vier Selbstgedrehte aus der linken Brusttasche seines gestreiften Hemdes, mit dem er wie einer von der Olsenbande aussah. Auch wenn seine Hose viel zu klein war, gefiel sie mir um einiges besser als meine. Meine sah so billig aus und barg nichts anderes als Sand und Kieselsteine.<br />
„Wo hast du das Geld und die Zigaretten her?”, fragte ich ihn.<br />
„Meinem Vater ausm Schrank geklaut.”<br />
Wir gingen runter zum Imbiss und kauften uns vier Portionen Pommes, sechs Bratwürstchen und jeder zwei Hamburger. Nach den Bratwürstchen waren unsere Mägen voll und wir ließen den Rest auf dem Spielplatz liegen.<br />
„Was jetzt?”, fragte ich und Frankie begann zu überlegen.<br />
„Lass uns ne Flasche Schnaps kaufen”, sagte er und ich willigte sofort ein. Ich hatte vorher noch nie Alkohol getrunken.<br />
Wir gingen runter zur Ecke, wo der Kiosk war. Der Kioskbesitzer war ein alter Witwer, den alle nur „Tasche“ nannten. Wieso wusste ich nicht. Er saß in seinem Kiosk und las wie immer in einem seiner Groschenromane. Ich blickte aufs Titelblatt und sah einen Cowboy, der einen Indianer erschoss.<br />
„Was macht ihr denn so spät noch draußen?”, fragte er.<br />
„Was für meinen Vater kaufen“, antwortetet Frankie.<br />
„Zigaretten?”<br />
„Nee, Weinbrand.”<br />
„Mariacron?”<br />
„Ja, wie immer.”<br />
Tasche legte sein Heft zur Seite und streckte sich, um die Flasche auf dem Holzregal über der Eistruhe zu greifen.<br />
„Das ist sie”, sagte Frankie und legte seine Hände erwartend auf dem Tresen ab. Ich blieb im Hintergrund. Frankie hatte mehr Erfahrung im Einkaufen von Alkohol und Zigaretten. Schon ein paar Mal hatte er für seinen Vater bei Tasche Nachschub geholt. Frankie nahm die Flasche in seine Hand und reichte sie an mich weiter. Da lag sie nun in meinen Händen. Ich wollte aus lauter Neugier sofort einen Schluck nehmen, doch musste erst mal warten, bis Frankie bezahlt hatte und wir in sicherer Umgebung waren.<br />
Frankie legte das Geld auf den Tresen und wir verabschiedeten uns.<br />
„Und sag ihm seine neue Drehmaschine ist hier,” sagte Tasche und Frankie nickte ihm zu. „Mach ich.”</p>
<p>Wir gingen zurück zum Spielplatz, beschattet vom sterbenden Plattenbau westlich von uns gesehen. Tauben hatten sich inzwischen über unser Essen hergemacht. Sie pickten mit ihren Schnäbeln durch die Alufolie und verstreuten die Gurken und Tomaten der beiden Hamburger über den Boden. Frankie lief rüber zum Tisch und schrie sie an. Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um.<br />
„Niemand zu sehen“, sagte ich.<br />
„Gut, mach auf.”<br />
Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung.<br />
Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken. Es muss unglaublich auf der Zunge brennen, dachte ich mir.<br />
Frankie nahm einen kleinen Schluck und ließ ihn im Mund. Er versuchte zu Schlucken, doch es fiel ihm sehr schwer.<br />
„Was ist denn?”<br />
„Mmmm mmmm”, murmelte er mit vollem Mund und gab mir die Flasche zurück. Ich nahm den nächsten Schluck und ließ ihn sofort in den Magen wandern. Als Frankie das sah, schluckte er ebenfalls und beide fingen wir an zu husten, während unsere Kehlen wie das Höllenfeuer brannten.<br />
„Einen nehmen wir noch und dann kannste sie nach Hause bringen.“<br />
Ich nahm noch einen Schluck und dann wieder er.<br />
„Schaffst du noch einen?”, fragte er und ich wollte mich nicht geschlagen geben. Ich nahm einen weiteren Schluck und dann war er wieder am Zug.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1842" title="Plattenjugend2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/plattenjugend2.jpg" alt="Plattenjugend2" width="173" height="1534" />„Voll der Brennstoff”, sagte er und hechelte. Wir hatten den Flaschenhals leer bekommen und fühlten noch nichts. Ohne was zu sagen, nahm ich noch einen Schluck und hielt die Flasche triumphierend in meiner Hand. Frankie schaute nachdenklich und griff sich die Pulle siegeswillig. Er trank und gab sie wieder zur mir zurück. Mein Rachen war wie taub und ich spürte die Wärme im ganzen Körper. Wir saßen mitten in der Hölle und genossen es. Gossenkinder, die Spaß an Dummheiten hatten.<br />
„Glaubst du wir schaffen die ganze Pulle?”, fragte er und ich trank erneut.<br />
„Wir hätten Kaugummis kaufen sollen.”<br />
Er nahm den nächsten Schluck. Dann wieder ich und dann wieder er. Bald machte uns das Brennen im Hals nicht mehr viel aus und wir setzten die kleinen Schlucke fort. Wir gingen zu den Bäumen rüber und pinkelten. Wieder zurück auf dem Tisch nahmen wir jeder noch einen Schluck.<br />
„Mann, das Zeug ist echt hart”, lallte Frankie und übergab sich kurz darauf. Seine Augen waren ganz glasig und ich fühlte mich, als hätte ich seit Tagen schon nicht mehr geschlafen. Der Alkohol drückte mich runter. Ich sah sein Erbrochenes vor der Bank und schon wurde mir übel.<br />
„Mir ist ganz komisch”, sagte Frankie und konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten.<br />
„Ich glaube ich sterbe“, sagte er und fing an zu weinen. Ich legte ihm meine Hand auf den Rücken und versuchte ihn zu beruhigen, aber als ich mir anfing vorzustellen, wie wir beide in den nächsten Minuten das Bewusstsein verlieren würden, um dann kurz vor dem Sandkasten im Dreck zu krepieren kam es mir hoch. Er drehte den Kopf zur Seite, fiel fast vornüber und kotzte neben mir auf die Bank.<br />
„Mann, nicht auf die Bank“, sagte Frankie mit seiner weinerlichen Stimme und schubste mich von der Seite.</p>
<p>Frankie sah auf und deutet mit seinem Zeigefinger auf den Nachthimmel, als plötzlich ein Schuss die Luft zerriss und ihn am Oberschenkel traf. Frankie schrie kurz auf und blickte dann rüber zu den Balkonen des Plattenbaus. Irgendwo da oben stand er. Gerd, 15 Jahre alt und heißer Kandidat fürs Jugendamt. Er schoss auf Tauben, streunende Katzen und hatte nun Frankie und mich ins Visier genommen. Wir verschanzten uns hinter der Bank und warteten auf den nächsten Schuss, der aber nicht mehr kam. Frankie lachte und holte ein Taschentuch hervor. Für ihn war es der Anfang einer verheißungsvollen militärischen Karriere, die knapp 13 Jahre später im Norden Afghanistans durch einen Sprengstoffanschlag beendet wurde. Ich hingegen wurde Grundschullehrer und sah manchmal, wenn meine Schüler auf dem Pausenhof Krieg spielten, noch immer den binnen weniger Sekunden gebastelten Molotov-Cocktail aus Weinbrand in Richtung Plattenbau fliegen, dazu der Ruf von Frankie: „Den Hurensohn werden wir braten.“ Es zauberte stets ein Lächeln in mein Gesicht. Ja, mein Gesicht, das durch den steigenden Alkoholkonsum immer mehr an Ästhetik und Autorität verloren hatte. Zwei Jahre und zwei Monate nach meiner ersten Unterrichtsstunde ging ich in den Entzug. Zurück blieb nichts als ein schlechtes Gewissen, ein toter Freund und ein peinliches Feuer auf dem Rasen vor dem Plattenbau, das gefühlte vier Minuten gebrannt hatte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Luise M.</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 06:38:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanna M. Scotti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die alte Krähe / würgt wirren / Unflat in ihren / Pflegestufen drei / Teller ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1798" title="Hanna M. Scotti: Luise M." src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/hanna_luise_m.jpg" alt="Hanna M. Scotti: Luise M." width="560" height="747" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Unternehmen Vlad</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 06:06:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Roßmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als mein Vater erfuhr, dass sie Prostituierte in Hahnenkostüme steckten und solange kämpfen ließen, bis eine tot war, ging er im Dachboden zwei Stunden lang im Kreis, kam dann zurück ins Wohnzimmer, telefonierte kurz, schnappte sich seine Aktentasche, gab meiner Mutter einen Kuss und nahm mich bei der Hand. Auf dem Weg zur Garage erklärte er mir, dass es Zeit war, die Welt kennen zu lernen.]]></description>
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<p align="justify">Als mein Vater erfuhr, dass sie Prostituierte in Hahnenkostüme steckten und solange kämpfen ließen, bis eine tot war, ging er im Dachboden zwei Stunden lang im Kreis, kam dann zurück ins Wohnzimmer, telefonierte kurz, schnappte sich seine Aktentasche, gab meiner Mutter einen Kuss und nahm mich bei der Hand. Auf dem Weg zur Garage erklärte er mir, dass es Zeit war, die Welt kennen zu lernen und dass sich heute die Gelegenheit ergab, mich auf meinen künftigen Job vorzubereiten. Weil ich noch nicht volljährig war und er sich als Einsatzleiter strenger an das Gesetz halten musste als jeder andere, kam Waffengebrauch für mich nicht in Frage, aber er deutete mit dem Daumen über die Schulter auf einen für mich bestimmten rechteckigen, weißen Karton auf dem Rücksitz. Ich sah, dass neben dem Karton zwei Farbdosen standen, von denen die eine rote, die andere schwarze Farbe enthielt. Aus einem zwischen die Dosen geklemmten Plastiksack ragten zwei Pinsel hervor. Ich war einerseits stolz, dass mein Vater mich an diesem Einsatz teilnehmen ließ, andererseits befürchtete ich, dass es lebensgefährlich werden könnte, selbst wenn ich nur als Künstler mitwirkte. Natürlich nahm ich nicht an, dass ich ein Gemälde herstellen sollte, aber der Auftrag, den ich bekam und den ich im Büro hinter dem Versammlungsraum ausführte, während mein Vater mit seinen Leuten den Einsatzplan durchging, verlangte zumindest einen sicheren Umgang mit Pinsel und Farbe und ein gutes Gefühl für Raumaufteilung. Ich machte ein paar Probestriche auf einem Blatt Papier, bevor ich mich entschied, den Untergrund schwarz und die Schrift rot auszuführen. Ich wurde gerade zum richtigen Zeitpunkt fertig, als mein Vater den Code-Namen des Einsatzes bekannt gab. Als hätten wir die Aktion einige Male geprobt, hob ich das Schild in die Höhe, und mein Vater konnte darauf deuten, während er den von mir geschriebenen Code-Namen schrie: „Unternehmen Vlad“. Das Raunen, welches durch den Raum ging, war Beweis für mich, dass mein Schild bei der Einsatztruppe auf Anerkennung stieß. Eine Frau meldete sich mit einem Lob zu Wort, doch als sie beginnen wollte, die Qualitäten meiner Arbeit näher zu analysieren, unterbrach sie mein Vater, da ab jetzt das Unternehmen lief und die Gegner keine Sekunde Vorsprung bekommen durften. Ich kannte den Ruf meines Vaters, und ich wusste, dass er tatsächlich hart sein konnte, trotzdem war ich überrascht von der Kompromisslosigkeit seiner Vorgangsweise. Eine Spielhölle nach der anderen wurde gestürmt, schwer bewaffnete Leibwächter mussten sich auf den Boden legen, Zuhälter wurden an die Wand gestellt und nach Waffen durchsucht, nackte und halbnackte Frauen liefen kreischend durch Gänge. Es gab massenweise Verhaftungen, und jeder Zeuge hätte die Aktion als durchschlagenden Erfolg werten müssen. Aber ich konnte nach mehreren Razzien im Gesicht meines Vaters erkennen, dass er beunruhigt war. Keiner jener vermeintlich so weit verbreitet und zu jeder Zeit stattfindenden Hahnenkämpfe war entdeckt worden. Er setzte sich auf einen der herumstehenden Plüschsessel und dachte nach, dann ließ er die nackten Frauen Ein Text von Kai Roßmann vorführen. Eine nach der anderen musste sich vor ihn auf einen Stuhl setzen und wurde von ihm verhört. Allerdings brachten ihre Aussagen keine brauchbaren Hinweise. Als klar wurde, dass die Operation nicht in der geplanten Zeit abgeschlossen werden konnte, rief er meine Mutter an und teilte ihr mit, dass sie nicht auf uns zu warten brauche. Anscheinend stellte sie die Frage, ob ich ebenfalls bleiben müsse, denn er reagierte gereizt mit der Bemerkung, dass es schließlich auch um meine Zukunft ginge. Dabei sah er mich an, und ich nickte ihm zu. Das Telefonat trug nicht zu seiner Beruhigung bei, im Gegenteil, er steckte das Handy mit einer wütenden Geste in seine Tasche zurück, und ich hatte den Eindruck, dass er es sogar noch kurz vorher ausgeschaltet hatte. Dann zögerte er kurz, öffnete seine Aktentasche, holte ein Ringbuch heraus und reichte es mir mit dem Auftrag, Skizzen von allen wichtigen Vorkommnissen zu machen. In meiner ersten Skizze hielt ich das Verhör einer nackten Prostituierten fest. Diese saß nach vorn gebeugt auf der Stuhlkante und hatte die Unterarme auf ihre Oberschenkel gestützt. Schon aus der Skizze ging hervor, dass aus ihr nichts herauszuholen war. Zwei weitere Verhöre fanden statt, die ich ebenfalls darstellte, und die ebenso wenig Hilfreiches zu Tage förderten. Ich konnte verstehen, dass mein Vater keinen Sinn darin sah, weitere Verhöre dieser Art durchzuführen. Man konnte annehmen, dass man von diesen Frauen belogen wurde und dass womöglich viele darunter waren, die in Wahrheit an Hahnenkämpfen teilgenommen hatten. Ich wählte mir einen erhöhten Platz, von dem aus ich die notwendige Übersicht hatte, um aussagekräftige Skizzen anfertigen zu können, musste allerdings noch einmal herunterklettern und meinem Vater helfen, einen der Tische in die Mitte des Raumes zu rücken und von Spielkarten, Aschenbechern und leeren Gläsern zu befreien. Wir stellten zwei Lampen an die beiden Längsseiten des Tisches und mein Vater zog den von der Decke hängenden Leuchter ein Stück tiefer, was für bessere Lichtverhältnisse auf der Glasplatte sorgte. Sobald ich an meinen Platz zurückgekehrt war, ließ mein Vater die erste Frau vortreten, ihren Namen sagen und sich ausgestreckt auf die Tischplatte legen. Die Untersuchung dauerte drei bis vier Minuten. Außer eines Muttermals war auf ihrem Körper nichts Auffälliges zu finden. Die nächste Frau besaß extrem weiße Haut, wodurch eine Wunde oder Narbe sofort ins Auge gesprungen wäre. Mein Vater ließ sie, nachdem er sie abgetastet hatte, sich in Bauchlage drehen, untersuchte ihren Rücken, ihr Gesäß und die Rückseite ihrer Beine, musste sie aber genauso ergebnislos entlassen wie ihre Vorgängerin. Obwohl die Untersuchung der dritten Frau doppelt so lang dauerte wie jene der vorangehenden, fiel das Ergebnis ebenso unbefriedigend aus. Ich fühlte die wachsende Frustration meines Vaters. Seine Anweisungen wurden schärfer, seine Berührungen gröber. Plötzlich, es musste sich um die Untersuchung der sechsten oder siebenten Frau handeln, bemerkte ich einen dunklen Fleck auf deren Haut unterhalb des Schlüsselbeines. Ich stellte fest, dass sich der Fleck langsam vergrößerte, allmählich seine kreisrunde Form verlor und zu einem Tropfen wurde, der Sekunden später in Richtung ihrer Achsel davon lief. Ich war nicht sicher, ob mein Vater den Vorgang bemerkt hatte, denn er war gerade mit der Außenseite ihres Oberschenkels beschäftig, und ich wollte ihm schon ein Zeichen geben, hielt mich aber zurück und hob stattdessen den Weg des Tropfens in meiner Skizze markant hervor, um später eine Analyse zu erleichtern. Die Notwendigkeit dafür erübrigte sich allerdings schon im nächsten Moment, denn als ich aufblickte, war bereits mehr Blut aus der Wunde gequollen und eine weitere Wunde hatte sich auf der linken Seite ihres Bauches geöffnet. Mein Vater richtete sich auf und wirkte erleichtert. Er hatte es nicht eilig, die Blutung zu stoppen. Diese Art von Verletzung konnte nur von einem messerscharfen Gegenstand wie einer Kralle herrühren. Ich bemerkte, wie sehr ich mich gesorgt hatte, dass die von meinem Vater geleitete Operation im Nichts verlaufen würde. Nun lag der Beweis für die Richtigkeit seiner Vorgangsweise auf dem Tisch. Die Kämpfe fanden statt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man auch die Hahnenkostüme finden würde. Ich war stolz, nicht heimgelaufen zu sein und den Einsatz bis zu seiner entscheidenden Phase mitgemacht zu haben. Auch sollten meine Skizzen eine gute Grundlage für mich bilden, um in zehn oder fünfzehn Jahren Nachfolger meines Vaters in diesem Job werden zu können. </p>]]></content:encoded>
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		<title>Yankee-Sugar</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-280x280.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="280" height="280" />Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange, er ernährt sich fast ausschließlich von Cookies, die er aus Amerika einfliegen lässt: Brownies, Muffins, Bagles, Donuts. Sein absoluter Renner ist &#8220;Fluff&#8221;, eine homemade Marshmallow-Creme mit Cranberry-Geschmack von einer private Bakery aus Tallahassee. In Florida hat Sugar sein Eldorado gefunden, er jettet so oft wie möglich rüber, auch wenn er dort mit seinen 280 Pfund manchmal ins Schwitzen kommt.</p>
<p>Zwischen Boca Raton und Pompano liegt das Miccosucee Coconut Grove, sein Stamm-Hotel. Als der Rezeptionist Yankee-Sugar hereinstampfen sieht, verschwindet er sofort nach hinten, um die vorbestellten Schachteln zu holen, einen Stapel Nibble-Boxes mit Cookies der Firma &#8220;Leos Gourmandizer&#8221;, alle einzeln verpackt: ein Miss Chocoholic, ein Berry Berry Lady, ein Mrs. Crumbleberry, zwei Heidi On The Alm und zwei Sugardude.</p>
<p>&#8220;Too warm for the cookies&#8221;, grunzt Sugar statt einer Begrüßung. Der Rezeptionist heißt Solomon, er soll die Sachen gefälligst wieder in den Kühlschrank zurückpacken.<br />
&#8220;Back in the fridge?&#8221;<br />
&#8220;Yeah.&#8221;</p>
<p>Der Flug war anstrengend, das Essen ungenießbar, damn indischer Stuff mit Zitronengras. Sugar ordert bei Solomon &#8220;Pancake Special&#8221; mit echtem Ahornsirup, dazu ein Glas Fluff und Redbull. Für den Durst hat er sich ein eiskaltes Rootbier auf die Terrasse mitgenommen. Hier unter den Palmen sitzt es sich super-angenehm. Sugar streicht sich über seine Glatze, kaum Schweiß. Vor ihm der Highway, dahinter die Beach, auch richtig Traffic da und haufenweise hot Chicks. Sein Entschluss, nach Florida zu gehen, steht fest, es gibt keinen cooleren Platz auf der Welt.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-140x140.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="140" height="140" />Solomon kommt mit einem Berg Pancakes. Lecker, looks delicious &#8212; die Boys von der Hotelküche wissen, was er braucht. Nachdem Sugar alles weggeputzt hat, holt er den Kautabak aus der Hosentasche, natürlich Sweet Black Pig von Gawith Hoggarth, ein anderer kommt nicht in Frage. Das Rauchen hat er cancelled, nervt nur in den Staaten, aber Kauen mit Redbull kommt genauso gut, wenn nicht sogar besser. Gleich heute nach dem Lunch hat er ein Meeting, könnte tuff werden, das Syndikation-Business wird härter, mit dem Cookie-Tracking muss man sich immer mehr in Acht nehmen, doch wenigstens läuft es beim Keyword-Advertising, da ist noch viel Luft. Yankee-Sugar seufzt zufrieden&#8230; nicht ganz zufrieden &#8212; zu den Girls fehlt ihm noch das passende Add-on.</p>]]></content:encoded>
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