Geschichte    



Wildcat! BBSZarathustras miese Kaschemme – Magazin für exzentrische Literatur – entstand 1989 als Autorenmailbox im klassischen BBS-Stil. Das müssen Sie sich so vorstellen: Sie sitzen zu Hause am Wählscheibentelefon, wählen eine Nummer, quetschen den Hörer in ein paar Saugnäpfe, hören wildes Gefiepe, warten, fluchen, wiederholen das ganze … bis Sie eine Verbindung kriegen. Dann sehen Sie nicht die Welt oder das Web, sondern genau EIN System, und zwar im Textmodus, schlimmer als Btx (aber besser als Bildschirmtext). Wer sich mit dem Thema beschäftigen will: Es gibt heute noch ähnliche Systeme, über die man sich via Internet einwählen (‘telnetten’) kann – Anleitung und Infos z.B. auf telnetbbsguide.com.

Die Kaschemme startete anfangs mit Wildcat! BBS über ein Hyundai-Modem mit 1200 bps (man kann sich das kaum noch vorstellen…). Der Rechner, ein schon damals rarer 80186-PC, stand in meiner Küche, denn er röhrte die ganze Nacht durch und ließ jeden fluchen, der versuchte, mich ‘telefonisch’ (schon damals: veraltet) zu erreichen. Das Modem hob manchmal nicht ab, dann musste ich vor die Tür, zu einem Münzfernsprecher, und mich selbst anrufen, um zu prüfen, ob die Mailbox ‘abhebt’. Usw. Im Rückblick völlig bizarr. Und was haben die Frauen (Mütter, Freundinnen) mich gehasst …
Später lief die Kaschemme mit BinkleyTerm und Maximus BBS unter OS/2 als Multiline-Mailbox <noch mehr Technobabble hier hindenken> und Gründungsmailbox des kulturell orientierten Netzes (‘kultNET’ – das Kulturnetzwerk), das zu seinen Glanzzeiten in den DACH-Ländern auf 88 Nodes kam. Was heute natürlich lächerlich ist, aber damals richtig hip war.

Hotel Garni

Kaschemme = Komfort

Ein Gewitter mit Blitzschlag raffte die ursprüngliche Kaschemme etwa 1993 dahin, samt Modem, Platten, Mainboard und Netzteil. Das damals erstmals für Normalsterbliche verfügbare Internet hätte diesen Job aber früher oder später selbst erledigt, denn wer will schon in eine Mailbox, wenn er die ganze Welt haben kann?

Mit der Verfügbarkeit des Web für Normalsterbliche ~1994 erhob sich die Kaschemme wie eine alte Kippe aus der Asche, noch mit Trumpet Winsock auf Windows for Workgroups 3.11, aber immerhin schon mit satten 56K auf der (Modem-)Seite des Kaschemmenwirts. Sie lag bei muc.de und cube.net mit einem schäbigen Verzeichnis, ich weiß nicht mehr, irgendwas mit “~” vorne dran. Sie nutzte…

HTML 3.0,
animierte GIFs,
und natürlich war alles mit <center></center> formatiert.

Alles fliesst, sagt Heraklit.

Alles fliesst, sagt Heraklit.

Mehreren kleinen Relaunches folgte 2002 ein großer Neustart mit dem letzten tabellenbasierten Design, einer selbst entwickelten, jazzenden, rauchenden und sprechenden (!) Flash-Navigation (hab ich noch nirgendwo sonst gesehen, war aber – zugegeben – auch etwas nervig ;-) und einem selbstgebastelten Semi-CMS mit SSI und PHP (mein letzter Versuch in dieser Richtung; andere können das besser).

Seit Anfang 2009 läuft kaschemme.de auf WordPress, das hier als CMS zweckentfremdet wird. Das verwendete Design basierte von 2009 bis 2011 auf WyntonMagazine mit vielen Änderungen, Weisheiten aus Mimbo und eigenen Erweiterungen in PHP. Seit 2009 finden Sie uns auf Twitter, seit 2010 gibt es eine Facebook-Page. Braucht keine Sau, aber egal. Seit Anfang 2011 kommt ein auf Basis dieser Erfahrung stark modifiziertes MagZine zum Einsatz. Das ist auch schon wieder veraltet. Aber letztlich machen wir hier ja LITERATUR, nicht Webdesign.

Awards

GEGENtext

GEGENtext

Wenn führende internationale Literaturmagazine, zum Beispiel das renommierte Wiener Kulturblatt GEGENtext (R.I.P.), einen Award vergeben, dann horchen selbst abgebrühte dotcoms auf. Was ist da los? Wurde die sonst knallharte Jury mit etwas Schnee bestochen? Oder hat und beweist man im Ausland mal wieder mehr Geschmack und Traute als hier, wo der Prophet bekanntlich nichts gilt, wenn er nicht bereit ist, auf öden Literaturtagen noch öderen Kunst-Shit vorzubrabbeln?

In der Kaschemme knallen derweil die Korken und die Melange des Dankes strömt mit einem Extraschuss Schlagsahne in unser geliebtes Österreich. Denn der GEGENtext-Award blieb bis heute unsere einzige Auszeichnung, als solche hat sie sogar das auszeichnende Magazin (!) überlebt. Was dafür spricht, dass es Zarathustras miese Kaschemme noch geben wird, wenn dieses lächerliche Restweb außerhalb unseres Magazins längst vergessen sein wird…

Leserbriefe

Das Kaschemme.de-Team sagt: „Danke!“ zu Leserbriefen. Bitte denken Sie auch daran, dass (fast) alle Texte eine Kommentarfunktion besitzen. Aus der wir übrigens sachfremden Kommentar-Spam, Nazi- oder Gutmenschen-Gemaule gnadenlos entfernen, also verzichten Sie besser gleich drauf.

„Eure Seite hätte ich eigentlich schon viel eher entdecken sollen – große Klasse.“ — Andre Z.

Wie schön!

„endlich ne Seite, wo man ooch mal rülpsen kann.“ — Matthias B.

Das hören wir gern!

„Die Autoren verherrlichen häufig Pumpguns als Waffen für kaltblütige Morde und zelebrieren Schüsse aus dem Hinterhalt“ — Holger Kulick

Du hättest Journalist werden sollen, dann hättest Du vielleicht ein minimales Interesse gehabt, gelegentlich den korrekten Sitz der Realität zu prüfen, anhand von so was obsoletem wie Fakten oder Recherche. Schäm Dich!

„Ihr habt Rechtschreibfehler in der Seite!“

Mangels Kommerzialität haben wir keine Schlussskorecktur, die Neue Deutsche Rechtsschreipfeler rausmachen tun würde. On top kommt, dass wir mit fucking Anglizismen so überhaupt no problems haben, comprende/comprés?

„Ihr seid Nazis –  wegen Nietzsche und Zarathustra und Übermensch und so“

Jawoll, Herr Doktor Gutmensch! – Aber dafür fahren wir nicht auf Autobahnen! – Wirklich, wir haben jeden denkbaren Vorwurf, der sich am ‘Zarathustra’ abmüht, bereits gehört – jeder weitere kann uns also nur langweilen. ‚Das Halbwissen ist siegreicher, als das Ganzwissen: es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender.‘, schrieb der olle Nietzsche, also lesen Sie den doch einfach mal, bevor Sie mit Vorwürfen unseren Posteingang und Ihre Seele vergiften. Dabei sollten Sie auch einen leckeren Bagel essen und Hava Nagila singen, das macht den Kopf frei. Wieder zitieren wir den guten alten Fritz: ‚Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.‘ Ja, der Mann wusste einfach Bescheid… (zitiert nach Wikiquote).

„war ja auch lustig, habe grad mit einem freund telefoniert und von der seite erzählt, daraufhin hat der mich gefragt, wie ich denn auf diese seite gekommen war. das wusste ich angesichts meines weiseweinangesichts nicht mehr. also habe ich die seite nicht gesucht, sondern gefunden. ich bin nicht auf die seite gegangen, sie ist zu mir gekommen. entsetzt warf ich das telefon um.“ — Simon R.

Dramatisch!

„Diese Seite ist wohl der größte Schwachsinn der mir seit Jahren begegnet ist.“ — anonym

Das kam wirklich so rein, ohne weitere Worte. Es fehlte also auch nur der Hauch einer sachlichen Begründung. Kommt die sachliche Begründung aus der Mode? Naja, sie wäre uns ohnehin wurscht. Denn ja: Kaschemme.de ist keine Schulliteratur; es gibt hier keinen Goethe, keinen Schiller, keinen Böll, Handke oder Fried; keinen Clancy, King oder Crichton. Denn das gibt es doch alles schon. Das man doch im Laden kaufen. Das wollen die doch nicht wirklich hier nochmal serviert kriegen. Dafür braucht man doch keines der vielen Literaturmagazine im Web – siehe Links.

„Ihre seite ist scheisse. Da ich mich mit wahrer literatur auskenne, empfehle ich ihnen…“ — anonym (wie bei den Maulern immer)

…und so weiter, meist folgen Nummer-Sicher-Empfehlungen wie Kafka oder Hölderlin, nie etwas Originelles, was nicht schon bei Reclam oder insel verramscht wird. Autoren solcher Leserbriefe haben meist “edle Buchclub-Gesamtausgaben” im Mahagoni-Regal stehen, bei denen die Seiten noch zusammen kleben, weil sie nie einer gelesen hat. Pfui deibel.

Die einzig mögliche Kritik an einem Text ist ein besserer Text. Die einzig mögliche Kritik an einem Literaturmagazin ist ein besseres Literaturmagazin. Wenn Sie in solches machen, schicken Sie uns den Link. Der kommt auf die Seite mit Literatur-Links – und alle haben was davon. Wenn Sie kein solches machen: Surfen Sie doch bitte einfach mal ganz leise woanders hin….

“Einige Analphabeten der Nazis, die wohl deshalb unter die Hitlerschen Schriftgelehrten aufgenommen worden sind, weil sie einmal einem politischen Gegner mit dem Telephonbuch auf den Kopf gehauen haben,
nehmen Nietzsche heute als den ihren in Anspruch. Wer kann ihn nicht in Anspruch nehmen! Sage mir, was du brauchst, und ich will dir dafür ein Nietzsche-Zitat besorgen.”
Kurt Tucholsky

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