heute: känguruhsteak

sein unmittelbarer vorgesetzter schaute ihm nicht in die augen an diesem morgen, mit seinen mittelbaren vorgesetzten hatte er heutzutage nichts mehr zu tun, wohl weil die flachen hierarchien nicht mehr so flach waren.

die enten auf dem fluß, der ummauert, sie mit einem stetigen strom nach unten zieht, schwimmen alle gegen den strom. einige paddeln nicht schnell genug um sich an der gleichen position zu halten und driften nach hinten ab, andere paddeln schnell genug um den strom auszugleichen und an der gleichen stelle zu bleiben. einige davon die abdriften, erheben sich und fliegen nach vorne um das stück auszugleichen. einige davon die abdriften gehen weiter hinten ans ufer, dort wo es eins gibt.

es sollte einen scan der mitarbeiter geben hieß es kurz vor den feiertagen. er war nicht profitablel, das war ihm klar, schon zu dem zeitpunkt, er war auch nicht der top gun, er war der letzte in seinem competence-center, die einzige die ihm von den skills unterlegen war, war jetzt im betriebsrat. sein competence-center bestand eigentlich nur noch aus 3 leuten, ihm inbegriffen. doch es sollte keine competence-center mehr geben. es sollte pools geben von nun an. der pool süd beinhaltete auch die filiale in osteuropa. endlich konnte man konsequent outsourcen.

riesenschritt heißt die straße.

er hatte sich dieses treffen anders vorgestellt, er, der held nahm darin die nachricht stoisch und souverän entgegen, keinerlei verzogene miene auf seinem pokerface. was auch immer man ihm sagte, er hatte nur ein verachtendes grinsen aufgesetzt das ihnen vermittelte wie kalt ihn das ließ.

beim design gab es seit wochen mehrere kandidaten, die potentiell gehen sollten. hinter den kulissen schlossen sich koalitionen wer wen deckt, man gab den anderen als schwächstes glied in der kette an.

er hatte einen liste mit zitaten vor augen, ohne namen, doch war der kontext auch ein name. es waren an den haaren herbeigezogene vorwürfe, ‚zu viele köche verderben den brei‘ hatte er mal vor monaten versucht seinen sozial kompetenten mitarbeitern zu erklären nach dem dritten mal als man ihm seine simplen dateien überspielt hatte, obwohl es keinen grund oder auftrag gab diese noch anzufassen. das war der beweis, er war nicht teamfähig. weil er nicht teamfähig war mußte er sich zu seinem competence-center dazusetzen. er sollte lernen im team zu arbeiten. das konnte er in den monaten seitdem tun. mit der projektmanagerin hatte er fast gar nicht mehr zu tun, nachdem sie sich hinter seinem rücken über ihn beschwert hatte und nicht mehr mit ihm arbeiten wollte. das hatte ihn sehr überrascht damals, weil er der als unbedarft bekannten projektmanagerin versucht hatte positives feedback zu geben um sie zu unterstützen. sie schien zu keiner zeit außer sich oder auch nur aufgeregt zu sein. er sollte sich seitdem nicht mehr soviel auf seine soziale kompetenz einbilden. sein team war fähig. der top gun sprach kaum und antwortete auch kaum auf fragen oder blicke. er war eher der stille ‚für eine handvoll dollar‘-typ. der top gun schätzte ihn nicht sehr, denn die flache hierarchie bildete sich nach skills und know-how. da er oft nachfragte konnte er wohl nicht viele skills vorweisen. jedenfalls erklärte ihm der top gun auch selbstverständliche dinge die erkennen ließen wie hoch er ihn einschätzt. die andere kollegin, die sich beim gleichen projekt über ihn beschwert hatte er sei nicht teamfähig weil er seine dateien nicht überspielt haben wollte, meinte die ersten monate er müsse sie jetzt hassen und könne zudem nicht mal sauberes html, deswegen hasste sie ihn scheinbar und ließ ihn zudem spüren, daß er nicht mal html kann, sie aber darin die unangetastete autorität sei. man solle die tags so einrücken wie sie das tut. auch sie neigte nicht dazu oft zu lachen und war bekannt dafür nicht leicht erträglich zu sein. sein unmittelbarer vorgesetzter war ein mann wie ihn die frauen lieben und das tun sie, lange haare, voller dynamik, immer ein lockerer spruch auf den lippen. zwar ging das zu lasten seiner kollegin, aber die fauchte beinahe genauso zurück und gelegentliche ausfälle seines unmittelbaren vorgesetzten, der art wie ‚gleich werde ich Dich vergewaltigen‘ blieben die ausnahme. zwar meinte er dann zu seinem unmittelbaren vorgesetzten jetzt hätte er endlich einen grund seinen boss zu verprügeln, diesem fiel es aber leicht mit seiner autorität im rücken das letzte wort zu behalten (’nein, Du hälst sie fest!‘).

sein unmittelbarer vorgesetzter bat ihn also in ein leeres zimmer, von wo er erstmal seinen mittelbaren vorgesetzten herausgebeten hatte (flache hierarchie). nur kurz, er wolle einen wie ihn nicht entlassen. er sei ja nicht jemand den man nicht leiden könne. es gebe aber eine beschwerdenliste. ‚zu viele köche verderben den brei‘. der scan hatte ergeben er sei nicht profitabel (auf nachfrage hin). er versuchte noch zu den vorwürfen was klarzustellen, aber das war nicht erforderlich. seine position war nicht von belang. ganz oben hätte mit human resources schon entschieden, aber man wolle ihn ja nicht entlassen. er sollte sich einen rotwein nehmen und bis morgen 12uhr einen entschluß fassen. man wolle ihn shiften und einen neuen, diesmal befristeten vertrag aufsetzen. es war schon 16uhr und er ging früher wegen dem rotwein. es war eine simple if-else-abfrage.

die designerin, die ganz oben auf der liste stand auch weil sie oft zu oft nachfragte (nicht selbständig lautete einmal der vorwurf ihm gegenüber als man ihn mit ihr verglich), fragte ganz laut ins zimmer hinein, ‚dieses gespräch ist dann das ganz normale mitarbeitergespräch das jedes halbe jahr stattfindet?‘. ’so kannst Du es sehen‘, war die antwort meines und jetzt auch ihres unmittelbaren vorgesetzten, der nach wie vor so unmittelbar war, daß man ihn nur mit seinem vornamen ansprach. der mittelbare vorgesetzte dessen zimmer für vertrauliche gespräche nutzbar war, hatte schon vor- und nachnamen. der vorgesetzte darüber hatte entweder herr davor aber einen selbst gewünschten kosenamen (flache hierarchie). die vorgesetzten darüber hatten trotzdem noch vornamen denn sie waren von anfang an dabei, außer der eine vorstand, der relativ neu war und von der old economy (so wie der mit dem selbst gewünschten kosenamen). er hatte eine vorliebe für martialische ausdrücke (‚da draußen herrscht krieg!‘).

obwohl der betriebsrat inzwischen eingeschaltet war, (von wem war nicht offen gesagt worden, doch sein unmittelbarer vorgesetzter schaute ihn ohne was zu sagen länger an, als er von dem betreffenden meeting zurückkam), hatte die designerin ganz oben auf der liste kein glück. sie stand da weil sie nicht in einem zimmer mit den restlichen designern und art-directoren saß. sie war etwas älter, nicht ganz so attraktiv und hatte kinder. sie hatte aber kaum fürsprecher. er hatte ein paar, er hatte mit einem der mittelbaren vorgesetzten zweiter stufe direkt in einem team zusammengewirkt, er hatte ihn damals eingestellt, jetzt war er halber standort-leiter. deswegen konnte er shiften. und weil er lange genug auf zeit spielte und oft genug nachfragte zog human resources (‚es gibt gute nachrichten‘ meinte sein unmittelbarer vorgesetzter) den vorschlag mit dem befristeten vertrag zurück. man hatte für ihn entschieden, er sollte einfach nur geshiftet werden. er hatte nur langsam nachgegeben, das war schon genug um den druck auf ihn abzuschwächen. man hatte sich nur die schwächsten ausgesucht und meinte er sei einer davon, sein understatement mißdeutend.

sie war eine der schwächsten, ihre fragen beantwortete human resources im gang während er gerade vorbeilief und der kontext ihm nicht unbedingt verriet, was sie etwas später verstört herausrief ‚wißt Ihr schon das neueste, mir ist gekündigt worden‘, außer ihr wußten es wohl schon alle vorher).

der vehementeste vom betriebsrat hatte beim meeting der unmittelbaren vorgesetzten ohne kontext verlautet, falls jemand jemals einen schief anschaut, wenn er zum betriebsrat geht, sorgt er dafür daß derjenige die firma verläßt. zuvor hatte er sich erkundigt ob es bereits scans gebe. sein fall war berichtet worden, es handle sich nur um ein shiften.

Doc Tom

arbeitet im Internet.

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