Markiert: Titelstory

schildkrötenmonument

Monumente

der größte schmerz, ausgelöst durch einen kuss, war anstoß in den bus zu steigen und zu beginnen. am bahnhof lechstraße startete ich meine reise zu einem ort, an den ich mich vom drachensteigen her erinnerte. die linie 8 fuhr mich zum fuß des brandlbergs, den ich schwer stapfend hinauf lief. auf der kurzen fahrt bedachte ich nochmals robert smithson, truman capote und vielleicht auch stanley kubrick…

Twingo

„Ich mach das schon“, sagte Moga. Dann stieg er aus. Ich drehte den Rückspiegel so hin, dass ich das Gespräch unauffällig beobachten konnte. Ich sah, wie sie redeten. Die Blonde und Moga, das andere Mädchen sagte weiter nichts. Sie wirkte ein bisschen schüchtern. Schließlich stiegen sie tatsächlich ein, die beiden Mädchen hinten, Moga setzte sich wieder auf den Beifahrersitz. „Zum See“, sagte er nur. Ich legte den ersten Gang ein, fuhr …

Foto: drakegoodman

Einschlafprobleme

Heute Nacht, also in der vergangenen, habe ich nach langer Zeit wieder einmal nicht schlafen können. Ich habe, nachdem ich mich wie jeden...

Scheiß auf Hollywood

Drehschluss des ersten Tages. Jeff stand in seinem Wohnwagen und goss sich das fünfte Glas Whisky ein. Pur. Den hatte er bitter nötig. Das gesamte Filmgeschäft blieb ein Haufen Scheiße, um den sich die größten Schmeißfliegen des Planeten tummelten. Und er gehörte noch immer dazu, war kein bisschen weiser geworden. Im Gegenteil, jetzt verkaufte er sich bloß noch schlechter. Er kippte den Drink hinunter und schüttete nach. Es klopfte an der Tür.

Einbecker mexikanisch

Viel war nicht passiert in den zwei Wochen, die ich weggewesen war. Enttäuscht betrachtete ich die beiden neuen Bekanntmachungen, die mit Kreide an die Rückwand der Bushaltestelle geschmiert worden waren. Die erste war der eigenwilligen Mischung aus Druck- und Schreibschrift nach zu urteilen, von Hartwig. Achtung, las ich, Alena Kühne hat Muschipilz.

Sie schlief

Sie schlief. Er strich ihr sanft über die Schulter und schmiegte sein Gesicht an sie.

Das Nagen an den Gitterstäben

Theo war 47 Jahre alt und hatte es als Schriftsteller noch immer nicht geschafft. Zwei Ehen und zwei Scheidungen hatte er hinter sich gebracht. Das Resultat war eine Tochter, die nichts von ihm wissen wollte. Er bewohnte ein Einzimmerappartement einer Hochhaussiedlung am Stadtrand. Mit den Alimenten war er im Rückstand. Aber auch sonst gab der Kühlschrank zum Monatsende nie viel her. Seine zerschlissenen Kleider hingen schlaff an ihm herunter. Er trank zu viel.

Ein Tag wie blaue Seidenschleier

Dackel stehen schon seit langem auf der Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten, da sich die Mode, dass alternde Damen ihre Einsamkeit mit Dackeln teilen, geändert hat. Frauen, die heutzutage vom Verfall überfallen werden, frönen anderen Vorlieben: Sie lassen sich die schlaffe Haut straffen, um nicht länger alt auszusehen, oder sie halten sich Haustiere, die nicht die Langeweile und Spießigkeit …