Mit Öl gesalbt

Der neue Betafilm aus Drollywood!!!

In den Hauptrollen:

  • Peter Ustinov als J.R.
  • Mr. Lincoln als Merowingermessias einer royalistischen Geheimgruppe, die aus drei Personen besteht, nämlich ihm, seiner Ehefrau und seinem Metzger.

Regie, Drehbuch und alle kostenintensiven Arbeiten:

  • Dirt Diggin‘ Dog

Ein heruntergekommenes, fast ausgestorbenes Dorf voller Ruinen und Ölseen hinter dunklen, blauen Bergen. Die Bewohner sind verschlossen, mißtrauisch und mürrisch. Sie sprechen seltsam ausländisch. Nirgendwo brennt Licht, in den Schlaglöchern der kleinen Landstrasse schillert Öl. Das Ortsschild ist von Schüssen durchlöchert. Da…ein Schloss…weiss wie Alabaster ragt es hinter jahrhundertealten Mammutbäumen auf. Doch auch im Schloss brennt kein Licht. J. R. hat sich in sein unscheinbares Fachwerklabor zurückgezogen, wie immer um diese mitternächtliche Zeit. Mit gespanntem Blick studiert er beim Licht einer Petroleumlampe die alten Aufzeichnungen des Alchimisten seines Urgroßvaters.

Aha, der Erdölbrunnen war also doch der Venus nach ausgerichtet und neigte sich leicht gen Merkur! J. R. streicht sich nachdenklich den Bart, als sein Blick auf ein geheimes Pergament des Simplicissimus fällt: „Gülden Wasser aus öligen Dörflein!“ Das ist es!!! Das ist die Rettung der Krone!!! Mindestens zwei Szenen lang scheinen sich J. R’s Haare im Aurenschein der Petroleumlampe aufzustellen, da kPompe a tete de cheval - Foto: Nicolas GOSSMANN - Nord-des-landes.comlatscht er unverhofft mit der flachen Hand auf den abgenutzten Mahagonitisch und weckt die Zuschauer wieder auf.

J. R. entwickelt eine seltsame Aktivität. Außerirdische landen auf sein Geheiß im Schlosshof und verschrecken die Bauern in der Dorfkneipe mit ihrem „Nudelbier!“. In der Eile haben sie ihre Transponder nicht genau justiert und verzweifeln schier, dass keiner ihr „noch ein Bier!“ versteht. Sie schwören Rache am vierten und fünften Stand und allen Banausen. Derweil köchelt J. R. Rohöl und flüssigen Asphalt mit geheimen Ingredienzien. Er hat Rezepte der Prieuré de Sion in der Hand und Anleitungen des berühmten Cagliostro. Genau aus der Zeit von dessen Geheimloge in Strasbourg, die dazu diente, Sexorgien zu verdecken und der Königin ein unverschämt teures Halsband anzudrehen, was wiederum zur Französischen Revolution… heeeee, Erzähler…. aufwachen!!!

J. R. kocht die Diamanten der Königin ein, ein bisschen Merowingerblut von den Schaffotten der Geschichte und spricht merkwürdige astronomisch klingende Sentenzen. Plötzlich klingelt sein Handy. Die Außerirdischen mahnen J.R. zur Eile, denn eben ist der Zukunftsgeist des Messias per Charter am Charles de Gaulle gelandet. Der künftige König Frankreichs verlangt eine Kutsche bis zum Schloss! Die Gespräche gehen unter im Blubbern der Glaskolben, wirrem Handyklingeln (mit der Melodie von Mission Impossible) und einem verrückt gewordenen Pergament der Prieuré, das vergessen hat, dass Pergamente nicht Hosianna singen dürfen.

J. R. verzweifelt fast…wo soll er um diese Zeit eine Kutsche auftreiben! Er kann jetzt unmöglich den Destilliervorgang abbrechen, sonst erhält er wieder nur Pflaumenschnaps wie das letzte Mal. Also schnippt der Schlossherr mit den Fingern und seine Hausgnome schwingen sich auf Bergwerksesel, um den Gesalbten abzuholen und den langatmigen Film abzukürzen. Hallo Regisseur, wo waren wir? Was ist denn das für ein Plot! Verdammt, wo bleibt die Spannung!!!???? – Ey cool, Mann, dasiss’n Beta, Mann…

Kameraschwenk. Mit Gloriolenschein reitet der geheimgehaltene Merowinger auf seinem blinden Esel in das immer noch dunkle, mürrische, misstrauische Dorf. Weißgekleidete Maiden, deren Väter schon damals in der Zukunft kollaboriert hatten, werfen dem Edlen mit dem Bierbauch Palmenblätter zu Füssen, die sie direkt aus den französischen Kolonien einfliegen ließen. – Dieser verdammte Drehbuchschreiber, der kann was erleben! Weiß der immer noch nicht, dass der Film 1874 spielt!!!???? – Ey cool, Mann, dasiss’n Beta, Mann…

Krönungszeremonie im Schloß. Der Bürgermeister hat seine Schärpe über die fettbefleckte Weste gezogen, J. R. steht bereit mit einem Reagenzglas, die Ausserirdischen halten in Reifröcken Hof und die Damen stehen entreift und schwer errötet in den Ecken. Der König wird endlich gekrönt werden. Jetzt und mit Wirkung für die Begegnung im Jahr 2001. J. R. schreitet würdig und respektvoll auf den zukünftigen einzigen Dauerkönig des Landes zu und gibt ein wenig güldenes Öl aus seinem Reagenzglas auf dessen spärliches Haar. Der Ofensetzer setzt ein wahrhaft ofensetzerisches Grinsen auf und fühlt die Ofenwärme in sich aufsteigen. Endlich, endlich hat er es geschafft. Im Publikum klatscht ein Domestik mit zwei Genossen zu früh. Man erkennt in ihnen eindeutig bekannte Bestsellerautoren. …Plötzlich die Sinfonie mit dem Paukenschlag…Paukenwirbel…

J.R. reibt langsam, des wichtigen Augenblicks bewusst, das güldene Öl ins schüttere Haupt. Da Zengpammbummplitzklirr!!!!!! Der Merowinger schrumpft zusammen!!! Was ist das, was passiert da??? Dem Merowinger wächst ein Schwanz!!! Hilfe, alles schwankt erschreckt nach hinten zur Wand. Ein Schwanz!!! Hinten!!!! Grün und schaurig. J. R. rückt seinen Halsbinder zurecht, schreitet so ruhig wie immer auf die Menge zu und zwinkert einer der Damen zu, bevor sie sich bei ihm einhakt. Wie hast du das gemacht? fragt die eindeutig zu modern gekleidete Frau flüsternd. J. R. zwinkert schon wieder, wie Sonnenstrahlen sind seine Augen von Lachfalten umgeben: Ich habe einfach ein paar Seiten deines Romans eingerührt…

Kameraschwenk…allgemeines Entsetzen und volles Hollywoodchaos mit Zengpammbummplitzklirr…statt des Messias steht jetzt Alien da. Ja, Alien! Ey Leute, was glaubt Ihr eigentlich, was wir für die Rechte an dieser Szene hinblättern mussten, nur um euch zu zeigen, wer der Merowinger wirklich ist und warum er dauernd wieder aufersteht!!! Habt ihr gedacht, ihr könntet jetzt meckern? Ach so…Happy End…okiedokie…

Die Ausserirdischen tanzen Menuett mit den entreiften Damen. Alien flüchtet in die Dorfkneipe und verwüstet den Tresen, „Nudelbier“ murmelnd. J. R. und die geheimnisvolle Schriftstellerin sitzen im Labor, trinken Pflaumenschnaps und feixen wie die Bekloppten. Ey, was, das reicht euch nicht? Ihr wollt mehr? Ey cool, Mann, dasiss’n Beta, Mann…!!!!!!

Dirt Diggin Dog

DDD wollte eigentlich als Frau auf die Welt kommen, hasst aber Frauenkrimis zu sehr. Brüllte bei Abnabelung Heavy Metal und trägt immer noch keine Krawatten. Mit fünf Jahren leere Sprechblasen aus Comics als Hörbuch eingelesen. Erstes Poem mit zwölf Jahren: „Mein Ascher stinkt wie blaue Weizenkleie’“. Jobs als Fernfahrerbeifahrer, Leichenwäscherhelfer, Literaturpreismanuskriptesortierer, Siebdruckfarbanrührer und Tanzboy. Studium bei Raymond Chandler und Dagobert Duck. Erster Roman: über die Sprechpausen Phil Marlowes. Gewann fünf Pfund Butter beim renommierten Regiokrimi-Preis „Butter bei die toten Fische“. Lieblingsschriftsteller: Jack Torrance. DDD lebt und arbeitet nach dem Prinzip von Tschechows Rasierklinge in Cleveland, Neustadt an der Weinstraße und Clichy. Aktuelles Buch: „Rouge & Revolver – 10 Schnellkrimis“ (under dem Pseudonym Dan Rocco).

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