Nachts am Schreibtisch…

Mal wieder Nacht. Du liegst im Bett mit Nietzsche.
Ich hab die ganzen Bücher schon gelesen.
Der Mond rollt wie mit rostigem Gequietsche
von Dach zu Dach. Und irgendein Verwesen
liegt in der Luft. Ich glaube, ich ersticke,
wenn nicht bald was Heroisches passiert.
Soll ich mich zu dir legen? Deine Blicke
sind wiedermal mit Zuckerguss glasiert.

Noch zwing ich mich zu meinen wirren Reimen.
Sie fließen schlecht. Der Sommer drückt mich platt.
Mir kommt es vor, als würd ich Wörter leimen.
Beschissnes Sattsein! Gottverfluchte Stadt!
Verdammter Lethargien windstiller Hafen! – –
Da stehst du hinter mir und sagst: Nichtwahr,
nie hat man alles? – Ärmster. Lass uns schlafen.
Und, übrigens… du hast ein graues Haar…

mondnacht_350x

Paul Laub

Baujahr '77. Sachse. Zuweilen manisch produktiver Poet von mild-heroischem Gemüt. Gelernter Straßenbauer mit nachgeholtem Abitur. Vorerst akademische Ausbildung verweigert, da Autodidakt mit Hang zur funktionellen Ästhetik. Genießt die Lektüre Nietzsches, ohne dessen Allüren anheim zu fallen. Versucht die "alten" Regeln der deutschen Dichtung in all ihrer bewährten Schönheit beizubehalten und segelt in ihrem Wind zeitgemäß hart am Schaum. Zum Zwecke der Ideenfindung sind ihm Entmenschungen sowohl, als auch Beobachtungen des Alltäglichen und vor allem entspannte Sessions auf bockharten Slacklines notwendiges Elixier. Verdient sein Geld mit Kino. Besuchen Sie ihn auf seinem Projekt "Lyrische Blogfront" (www.blogfront.de).

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