Nachts auf einer schlecht beleuchteten Autobahn

Ein Mann fährt nachts auf einer schlecht beleuchteten Autobahn mit seinem LKW. Ich habe Funkkontakt mit ihm. Er meint, die Straße ist gar nicht so gefährlich, wie alle sagen. Plötzlich löst sich der Straßenbelag vor ihm in Luft auf und er stürzt mit seinem LKW in die Tiefe. Dort landet er auf einer anderen Autobahn, auf der es Tag ist. Er fährt in einen Tunnel. In diesem steht ein ausgebranntes Auto quer und versperrt auf diese Weise die Fahrbahn. Ich höre Splittergeräusche und dann ein Rauschen.

Dann sitze ich selbst in einem LKW und fahre auf einer Autobahn. Ich versuche den Mann zu finden. In einer langgezogenen Kurve, in der es noch dazu extrem steil bergab geht, bemerke ich, dass die Bremsleistung meines Gefährts nicht die beste ist. Wieder in der Ebene, taucht sofort eine Ampel vor mir auf, natürlich rot und schon zahlreiche Autos davor. Ich mache eine Vollbremsung, krache aber dennoch in einen mit Bauschutt beladenen LKW vor mir. Allerdings mit verhältnismäßig langsamer Geschwindigkeit, niemand wird verletzt. Der Fahrer des LKWs vor mir stellt diesen an den Rand und kommt zu mir. Er lächelt und wir kommen ins Gespräch, es ist sehr nett. Ich steige dann aus und sehe nach, was ich eigentlich geladen habe. Es sind lauter kleine gelbe Kugeln. Nicht in Kartons verpackt, sie liegen einfach so auf der Ladefläche, der ganze LKW ist von oben bis unten voll damit. Als ich das dem anderen Fahrer erzähle, lacht er.

Wie ich dann wieder in meinen LKW einsteige, merke ich, dass die Treppe, die den Einstieg erleichtern soll, fehlt. Also ziehe ich mich mühsam ins Fahrerhaus hoch und setze mich auf den Fahrersitz. Der ist plötzlich sehr hoch eingestellt, sodass ich mich bücken muss, um das Lenkrad zu erreichen. Das verursacht mir starke Rückenschmerzen. Dennoch beginne ich die Fahrt, denn die Kugeln müssen ja rechtzeitig an ihr Ziel, wie mir nun zum ersten Mal seit Beginn der Fahrt klar wird. Ich entdecke einen Knopf auf dem Lenkrad, der mir zum ersten Mal auffällt. Ich drücke ihn, und er verwandelt sich in einen Stab, was das Lenken auch noch unbequemer macht. So fahre ich dann stundenlang dahin. Irgendwann sitzt plötzlich eine Frau neben mir, sie will nach Paris, wo ich ja auch hin muss, wie mir bewusst wird. Wir überqueren gerade die Grenze von Vorarlberg nach England (sic!), da gerate ich plötzlich auf die Gegenfahrbahn, und mir kommen drei Straßenbahnen auf der Autobahn (sic!) entgegen, denen ich nur mit viel Glück ausweichen kann.

Ich steuere auf einen Rastplatz zu, der sich in Frankreich (sic!) befindet. Ich steige aus, um die Sitzhöhe einzustellen und drücke den seltsamen Knopf auf dem „Lenkrad“ mehrere Male, immer nimmt es dabei eine andere Form an, unter anderem ein herzförmiges Lenkrad in der Farbe beige. Irgendwann habe ich eine annehmbare Form gefunden und wir steigen wieder ein. Ich fahre ganz langsam los, da taucht vor mir eine Stiege auf. Ich bremse, weil ich weiß, dass der LKW diese mit der geringen Geschwindigkeit nicht überwinden kann, also lege ich den Rückwärtsgang ein und schiebe zurück.

Clemens Ettenauer

Clemens Ettenauer wurde 1986 in St. Pölten geboren. Nach häufigem
Sitzenbleiben hat er an einem Abendgymnasium maturiert. Er lebt mit Freundin und Katzen in Wien, wo er bei einem Buchmagazin arbeitet und nebenbei Komparatistik studiert. Neben dem Schreiben fabriziert er am liebsten Telefonstreiche. Facebook: facebook.com/clemens.ettenauer Im Oktober 2010 erscheint sein erstes Buch „Morbuso geht ab“ im PROverbis Verlag.

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