One fits all

Sie soll da sein, bei ihm sein muss sie nicht, zu viel Nähe
verzehrt ihn, er kann nicht mehr hinter ihre Augen treten
sich nicht mehr zwischen ihre Schatten stehlen im Zwielicht
Sie betastet seine Mundwinkel mit Blicken, sanft, alles wird gut
Sie ist da, ihre Scherenschnitte, ihr Lachen
ihre Liebe – one fits all

Hunger, die Arbeitsplatte, er macht sich ein Brot aus Resopal
Durst, ein Hebelmischer ist kein Barmixer
Geräusche, der Fernseher ist nicht ausgegangen, er ist geblieben
Im Wohnzimmer drängen sich Moderatoren und Marionetten
Die Sofakissen knicken ein unter den Schicksalsschlägen
Sie im Sessel mit der Schere, inhaliert Rohheiten, Rührungen
Romanzen – one fits all

In ihm rumoren Emotionen, Embryonales flackert auf
Die Nacht wartet, Traumterror nach eleven, Stundentod
im Kopfkrematorium der Sehnsüchte
Er igelt sich ein in seinen Rahmenhandlungen, kaut den Kunststoff
er schmeckt wie gewöhnlich, Speichelproduktion, viel Spucke
Er kann fast alles schlucken
Morgen wieder ihr Lächeln, aufgeräumt wie im Keller
Morgen Liebe aus dem Fernseher, morgen wieder Zuneigung
Morgen wieder ein Tag mit ihr – one fits all

Daudieck

– seit 1952 als Mensch geführt durchlatsche ich so meine Existenz, ich denke öfter nach, weiß aber nicht, warum, später möchte ich im Altersheim mit bunten Bällen werfen, meine Freundin ist die Tastatur, sie ist geizig, will immer die schönen Sätze für sich behalten – manchmal falle ich einfach über sie her. Ich hab jetzt übrigens einen eigenen Blog, wo ich bisher der einzige Besucher bin - macht trotzdem irgendwie Spaß: deeplooker.com

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