Sarkastische Dackelfrisuren und Kalauer-Klammern

weisserturnschuhBis vor kurzem lebte ich im Glauben, die Werbeleute des 21. Jahrhunderts hätten sich von bestimmten Methoden abgewendet, weil sie ihnen selbst zu blöd geworden sind. Mit diesem naiven Gedanken wandelte ich letzthin zwischen den Regalen eines Nahrungsmittel-Verticker-Stores, als ich auf eine Reklame eines Ketchups stiess, dessen „(h)einzigartiges“ Aroma angepriesen wurde. Die Zweckentfremdung der Klammer zur Konstruierung von hanebüchensten Kalauern lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und sei dieser noch so russig. Doch wer weiss, vielleicht ist das die Vorhut eines Kalauer-Klammer-Revivals. Vermutlich sollen wir bald „f(r)ische Heringe“ oder „g(l)ute(inhaltige) Brötchen“, und was sonst noch in kranken Gehirnen gärt, kaufen. Solche Unhübschheiten sollte man ein für alle mal wegsperren, wie schultergepolsterte Blousons aus den Achtzigern. Doch leider kann ich das nicht entscheiden, bin ich leider kein Mitglied der sogenannten Meinungsführerschaft. Wenn die Oligarchie der Meinungsführer morgen beschlösse, es wäre doch ganz schön lässig, Frisuren in Form von Dackelköpfen zu tragen, übermorgen blickte ich in unzählige haarige Dackelaugen. Dackelfrisuren wären nur ein weiteres Kind des Techtelmechtels zwischen der Meinungsführerschaft mit dem Sarkasmus. Alles gar nicht so gemeint, Satire auf den Biedermann und die Kleinbürgerin. Doch in 30 Jahren wird man ein ernstes Problem haben, die Dackelfrisuren als Sarkasmus zu erklären. Die Jugendlichen der Zukunft werden sagen, oh Lord, was habt ihr denn da auf dem Kopf getragen? Es wird ihnen entgegnet, das sei eine Satire auf Biedermann und Kleinbürgerin gewesen. Doch in 30 Jahren wird der Sarkasmus wahrscheinlich ausgestorben sein, und die heutigen Dackelgirls und -boys stehen in sehr schlechtem, kaum vorhandenen Licht da. Damit werden sie noch mehr die Achtung ihrer Kinder verlieren, die sich dann erst recht nichts mehr sagen lassen wollen und sich ganz den synthetischen Drogen widmen, die von den Albert Hofmanns der Zukunft noch entwickelt werden. Wenn sie nicht auf dem Strich landen, müssen sie sich in einer Werbeagentur verdingen und den ganzen Tag im Wörterbuch blättern, um Wörter zu finden, aus denen sich per Klammer lustige Kalauer basteln lassen. Die so weit gesunkenen Individuen lassen sich meist nur noch per Rasterfahndung aufspüren.

Lukas Maisel

Ich möcht‘ so gern auch mitmachen, zurzeit habe ich leider alle meine wichtigen Lebensdaten vergessen und kann daher die Kurbiografie, äääääh.

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