<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; Alltag</title>
	<atom:link href="http://kaschemme.de/tag/alltag/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://kaschemme.de</link>
	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
	<lastBuildDate>Wed, 16 May 2012 06:38:42 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
<xhtml:meta xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml" name="robots" content="noindex" />
		<item>
		<title>Augenblick</title>
		<link>http://kaschemme.de/2012/04/guido_rohm_augenblick/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2012/04/guido_rohm_augenblick/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 12:48:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guido Rohm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachter]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>
		<category><![CDATA[menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Träumen]]></category>
		<category><![CDATA[tristesse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1871</guid>
		<description><![CDATA[In den Nächten, da träumen sie von den Gebüschen, aber nie würden sie darüber reden, denn ihr Reden ist zum Schweigen da. So verschweigen sie sich die Lüste, ihre Brüste, die Schenkel, die heimlich nur gespreizt, sich sehnen. Wonach? Das wissen sie wohl, ich weiß es auch, aber ich spreche nicht darüber.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie die wohl leben? Ich weiß es nicht, könnte es mir aber vorstellen.</p>
<p>Könnten ein Haus haben, dort oben gelegen. Vom Hügel aus kann man ins Tal sehen, das in sich versunken ruht. Der Blick schweift, entrückt. Sitzt man dort oben an einem geöffneten Fenster, dann können die Gedanken schweifen, können fliehen. Könnten per Anhalter fliehen, mit dem Zug.</p>
<p>Die eine von ihnen, die ältere, trägt ihr Haar so wie die jüngere, die ihre Tochter ist. Sie laufen seit Jahren dieselben Wege, die sie längst auswendig kennen. Blind könnten sie werden und würden doch nach Hause finden.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1883" title="Augenblick" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/04/beobachter_190hoch.jpg" alt="Augenblick" width="190" height="348" />Im Gleichschritt marschieren sie, erinnern mich, der sie von hier oben auf dem Balkon, verschämt beobachtet, die Augen in Lauerstellung, um sich im Himmel zu verlieren, sollten sie plötzlich zu mir aufsehen, an eine Armee. Ein kleiner Trupp Soldaten sind sie, der sich durchs Leben, nie aber ins Gebüsch schlägt. Denn im Gebüsch, da sind sie sich gewiss, da wohnt der Teufel, der Mann, der sich an ihnen und ihren Leinenbeuteln, an den Blusen und den Röcken vergehen will.</p>
<p>In den Nächten, da träumen sie von den Gebüschen, aber nie würden sie darüber reden, denn ihr Reden ist zum Schweigen da. So verschweigen sie sich die Lüste, ihre Brüste, die Schenkel, die heimlich nur gespreizt, sich sehnen. Wonach? Das wissen sie wohl, ich weiß es auch, aber ich spreche nicht darüber, weil jedes unachtsam gehauchte Wort sie aufschrecken könnte. Wie Hühner würden sie von dannen stürzen, den Hügel hinauf, hin zu ihrem Haus, das hinter Hecken liegt, nicht aber hinter Gebüschen.</p>
<p>Sind sie erst am Zufluchtsort angekommen, dann werden sie verschnaufen, heimlich nur, denn das Leben soll in diesem Verbund leicht wirken, auf sie wie auf andere. Sie werden sich anlächeln, die Mutter wird den Kaffee aufsetzen, die Tochter einen Hut, den sie unlängst bei einem Abenteuerausflug in der Stadt erwarb.</p>
<p>Mit dem Hut wird sie sich zur Mutter hinab begeben, sie umschweben und sie bitten, sie möge mit ihr tanzen. Das Radio wird eingeschaltet werden, damit ein Schlager die Zeit totschlägt.</p>
<p>So könnte es sein, es könnte aber auch ganz anders sein. Nur noch wenige Meter, dann sind sie meinem Blickfeld entschwunden, das ich dann mit neuen Bildern bestellen muss.</p>
<p>-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Mehr Kurzgeschichten von Guido Rohm:</strong></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3940274399/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=kaschemme-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3940274399" target="_blank"><img src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3940274399&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=kaschemme-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" border="0" /> Die Sorgen der Killer</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=kaschemme-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3940274399" alt="" width="1" height="1" border="0" /></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3938973102/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=kaschemme-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3938973102" target="_blank"><img src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3938973102&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=kaschemme-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" border="0" />Keine Spuren</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=kaschemme-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3938973102" alt="" width="1" height="1" border="0" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2012/04/guido_rohm_augenblick/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>30</title>
		<link>http://kaschemme.de/2012/03/dreissig/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2012/03/dreissig/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Mar 2012 06:48:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna Jorek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Betrug]]></category>
		<category><![CDATA[enden]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1866</guid>
		<description><![CDATA[Schwarze Ringe unter den Augen, fleckige Haut, die Haare zerwühlt. Zu viele Gedanken und keine. Eine Reise die ins nirgendwo geht, und das Gefühl, man wäre irgendwo auf dem Weg falsch abgebogen.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schwarze Ringe unter den Augen, fleckige Haut, die Haare zerwühlt.</p>
<p>Zu viele Gedanken und keine</p>
<p>Eine Reise die ins nirgendwo geht, und das Gefühl, man wäre irgendwo auf dem Weg falsch abgebogen.</p>
<p>Stumme Gedanken und keine</p>
<p>Lange Gespräche in denen alles gesagt wurde und nichts</p>
<p>Ein Blick in deine Richtung genügt um zu wissen, dass wir die Dinge anders sehen.</p>
<p>Ein Schluck von deinem Bier, ein Zug an deiner Zigarette und die Gewissheit, dass es dich nicht schert.</p>
<p>Dein Geruch, der irgendwo stehen bleibt und nicht bis zu mir kommt</p>
<p>Deine Worte, die sich mir in die Haut brennen und Narben hinterlassen</p>
<p>Eine Reise, die zu zweit beginnt, und allein endet</p>
<p>Ein Weg, der zu viele Abzweigungen hat, als dass man sich nicht verlaufen könnte.</p>
<p>Ein Gesicht, dass in meine Richtung schaut, aber nicht mich ansieht, eine Hand, die dir vorsichtig über den Arm streift und dich nicht berührt</p>
<p>2 Menschen so um die dreißig</p>
<p>Die Angst davor sich zu verändern</p>
<p>Die Angst davor zu bleiben, wie man ist.</p>
<p>Eine Zigarette in der Hand, die man schon längst nicht mehr rauchen wollte, ein Bier, das getrunken werden will.</p>
<p>Viele Worte, ein Blick in deine Augen reicht, um sich zu verlieben, aber kein Mittel dagegen sich wieder von dir zu entfernen.</p>
<p>Die Angst abhängig zu wirken, die Angst zurückgewiesen zu werden, die Angst immer wieder denselben Weg zu gehen, und doch nie anzukommen.</p>
<p>Ein Bein schlägt sich unruhig über das andere, eine Hand rutscht das Kleid zurecht, eine Welt ist aus den Fugen, und ein Fuß wippt aufgeregt hin und her</p>
<p>Eine Hand greift ins Portmonee und kratzt das Kleingeld für das nächste Bier zusammen</p>
<p>Ein Telefon klingelt und eine Hand, die es eilig in der Hosentasche sucht</p>
<p>Die Angst, dass sie es sein könnte und die Vernunft nicht zu fragen ob es so ist.</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2012/03/dreissig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Rechnung mit dem Wirt gemacht</title>
		<link>http://kaschemme.de/2012/02/die-rechnung-mit-dem-wirt-gemacht/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2012/02/die-rechnung-mit-dem-wirt-gemacht/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 Feb 2012 11:33:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Wirt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Remix]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[experimentell]]></category>
		<category><![CDATA[seltsameWelt]]></category>
		<category><![CDATA[ZMK_Exponate]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1863</guid>
		<description><![CDATA[Zwei Menschen beim Italiener, zwei mal Pasta, zwei Gläser Wein, ein Espresso hinterher. Das ist Poesie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/03/alberto.jpg"><img title="alberto" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/03/alberto.jpg" alt="alberto" width="528" height="905" /></a></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #c0c0c0;"><em>Man beachte, dass diese Art der Poesie schon die Werbebanner eingebaut hat&#8230;</em></span></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2012/02/die-rechnung-mit-dem-wirt-gemacht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Yankee-Sugar</title>
		<link>http://kaschemme.de/2012/01/yankee-sugar/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2012/01/yankee-sugar/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[konsumkritisch]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[süß]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1824</guid>
		<description><![CDATA[Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-280x280.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="280" height="280" />Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange, er ernährt sich fast ausschließlich von Cookies, die er aus Amerika einfliegen lässt: Brownies, Muffins, Bagles, Donuts. Sein absoluter Renner ist &#8220;Fluff&#8221;, eine homemade Marshmallow-Creme mit Cranberry-Geschmack von einer private Bakery aus Tallahassee. In Florida hat Sugar sein Eldorado gefunden, er jettet so oft wie möglich rüber, auch wenn er dort mit seinen 280 Pfund manchmal ins Schwitzen kommt.</p>
<p>Zwischen Boca Raton und Pompano liegt das Miccosucee Coconut Grove, sein Stamm-Hotel. Als der Rezeptionist Yankee-Sugar hereinstampfen sieht, verschwindet er sofort nach hinten, um die vorbestellten Schachteln zu holen, einen Stapel Nibble-Boxes mit Cookies der Firma &#8220;Leos Gourmandizer&#8221;, alle einzeln verpackt: ein Miss Chocoholic, ein Berry Berry Lady, ein Mrs. Crumbleberry, zwei Heidi On The Alm und zwei Sugardude.</p>
<p>&#8220;Too warm for the cookies&#8221;, grunzt Sugar statt einer Begrüßung. Der Rezeptionist heißt Solomon, er soll die Sachen gefälligst wieder in den Kühlschrank zurückpacken.<br />
&#8220;Back in the fridge?&#8221;<br />
&#8220;Yeah.&#8221;</p>
<p>Der Flug war anstrengend, das Essen ungenießbar, damn indischer Stuff mit Zitronengras. Sugar ordert bei Solomon &#8220;Pancake Special&#8221; mit echtem Ahornsirup, dazu ein Glas Fluff und Redbull. Für den Durst hat er sich ein eiskaltes Rootbier auf die Terrasse mitgenommen. Hier unter den Palmen sitzt es sich super-angenehm. Sugar streicht sich über seine Glatze, kaum Schweiß. Vor ihm der Highway, dahinter die Beach, auch richtig Traffic da und haufenweise hot Chicks. Sein Entschluss, nach Florida zu gehen, steht fest, es gibt keinen cooleren Platz auf der Welt.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-140x140.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="140" height="140" />Solomon kommt mit einem Berg Pancakes. Lecker, looks delicious &#8212; die Boys von der Hotelküche wissen, was er braucht. Nachdem Sugar alles weggeputzt hat, holt er den Kautabak aus der Hosentasche, natürlich Sweet Black Pig von Gawith Hoggarth, ein anderer kommt nicht in Frage. Das Rauchen hat er cancelled, nervt nur in den Staaten, aber Kauen mit Redbull kommt genauso gut, wenn nicht sogar besser. Gleich heute nach dem Lunch hat er ein Meeting, könnte tuff werden, das Syndikation-Business wird härter, mit dem Cookie-Tracking muss man sich immer mehr in Acht nehmen, doch wenigstens läuft es beim Keyword-Advertising, da ist noch viel Luft. Yankee-Sugar seufzt zufrieden&#8230; nicht ganz zufrieden &#8212; zu den Girls fehlt ihm noch das passende Add-on.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2012/01/yankee-sugar/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Refraktärphasen</title>
		<link>http://kaschemme.de/2012/01/refraktaerphasen/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2012/01/refraktaerphasen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 06:11:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[ ]</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[ich]]></category>
		<category><![CDATA[menschlich]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[schuld]]></category>
		<category><![CDATA[sinn]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1812</guid>
		<description><![CDATA[Du lebst in einer mittelgroßen Stadt. Was machst du hier? Du gehst einkaufen, du spülst, du putzt deine Wohnung. Du isst. Du wichst wie du pisst: 20 Sekunden oder ein bisschen mehr. Du erhältst dich am Leben; leihst dir Filme aus oder liest ein paar Bücher. Du versuchst von den Menschen nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu erwarten. Manchmal, wenn du ein Stück Wirklichkeit brauchst, gehst zu den Nutten, weil es einfach und unkompliziert ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Es gibt nichts zu tun. Du kannst weder den Tod noch das Leben annehmen. Du sitzt da in deiner Wohnung und hörst das Rauschen der Autos, die unter den geschlossenen Fenstern vorbeifahren. Du bekommst das Studiengeld von deinen Eltern, mit dem du deine Wohnung finanzierst; du hast einen kleinen Nebenjob. Du lebst nicht schlecht, du faule Sau: Du stehst spät auf, du hast keine dringlichen Pflichten, du studierst schon lange nicht mehr. Du hast dein schlechtes Gewissen, du hast deine kleinen Pseudo-Tätigkeiten, mit denen du dein Nichtstun kaschierst. Du hast soviel Zeit und keine Idee, wie es weitergehen soll. Du schiebst dein Leben auf. In dir ist schon lange eine latente Krise, die dein ganzes Leben überschattet. Du wartest auf ein Wunder, auf eine Verzauberung; du wartest auf eine Naturkatastrophe, auf einen Krieg. Du bist dir bewusst, dass alles in und bei dir selbst liegt. Du kennst deine Fehler in- und auswendig; du kannst deine Schwächen und Ängste vor- und rückwärts buchstabieren; du meinst ihre Gründe und Gegengifte zu kennen. Trotzdem änderst du dein Leben nicht.</p>
<p align="justify">Du weißt, dass menschliches Glück unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist: Gute soziale Kontakte, reichhaltige Aktivitäten, eine Arbeit, die Freude bereitet, eine gut funktionierende Partnerschaft, eine optimistische Einstellung dem Leben gegenüber – du musst dich also nicht wundern, dass du ständig am Rande der Verzweiflung lebst. Aber im Grunde interessiert dich das sehr wenig, du bist nicht unbedingt ein erfolgreicher Manager des glücklichen Lebens. Du wirst dich hier nie richtig wohl fühlen und hast dich daran gewöhnt. Du fühlst dich oft krank, aber sagst dir immer wieder: Gesundheit ist zum Ausgeben da. Für deine Rekonvaleszenz brauchst du, neben dem Schutzwall aus Gewohnheiten, die Einsamkeit, die Stille, das Ordnen der Dinge, die Gespräche mit dir selbst. Wie jeder suchst du nach angenehmen Momenten und Empfindungen; du lebst in der Postmoderne, dein Körper verbietet sich jegliche Ahnung von Deprivation. Das Bett ist deine Freundin. Viel schlafen, wenig leben: das ist deine Formel. Du magst den Winter, die Zeit der großen Nacht. Du willst die Ruhe fühlen, die Stille und die Dunkelheit; du willst das Aufhören spüren, die ewige Dämmerung. Du willst das Nicht-Sein aktiv miterleben.</p>
<p align="justify">Deine Augen sind in eine blinde Einstellung gerastet. Du siehst dich aufstehen, dann gehst du aus der Wohnung &#8230; Du kannst deinen ganzen Tagesablauf gedanklich vorwegnehmen: du tust alles nur, um es getan zu haben. Gedämpft hörst du hörst die Autos vorbeirauschen und fühlst dich krank. Du weißt, dass du nur aufzustehen brauchst, die Rollladen hochziehen und die Fenster öffnen musst, um den Kontakt zur Außenwelt wieder herzustellen. Es gibt einen Moment, wenn man so daliegt, einen Moment, wo man schon gewillt, wo man schon ganz kurz davor ist aufzustehen &#8230; und da ist dann dieses Grauen, ein Gefühl, ein absolutes Gefühl der Erschöpfung, der Unmöglichkeit, der Unfähigkeit – dies überwunden, steht man. Du weißt, dass der Ruck, den man sich dazu geben muss, eine Art Geburt ist. Es gibt jeden Tag drei Geburten: Aufwachen, Aufstehen, aus der Wohnung gehen. Alle sind immer wieder aufs Neue ein sanfter Schock.</p>
<p align="justify">Du hast deine Gewohnheiten: die Abfolge deines Waschrituals ist immer dieselbe. Die Griffe, die Bewegungen, die Handhabung der Dinge sind immer die gleichen. Wie du dich abtrocknest, wie du dich anziehst und alles weitere. Deine Gewohnheiten funktionieren wie eine Weiche: sie leiten dich in den Tag um – in das bisschen, was davon eben übrig bleibt.</p>
<p align="justify">Du lebst in einer mittelgroßen Stadt. Was machst du hier? Du gehst einkaufen, du spülst, du putzt deine Wohnung. Du isst. Du wichst wie du pisst: 20 Sekunden oder ein bisschen mehr. Du erhältst dich am Leben; leihst dir Filme aus oder liest ein paar Bücher. Du versuchst von den Menschen nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu erwarten. Manchmal, wenn du ein Stück Wirklichkeit brauchst, gehst zu den Nutten, weil es einfach und unkompliziert ist. Moralischen Einwänden weichst du aus wie den Leuten in der Innenstadt, du trennst den Müll nicht. Du bist unpolitisch, ein Idiot. Du hast dein kleines Leben und deine kleinen Genüsse; du hast deine Angst, da ist diese Leere, die undeutliche Wahrnehmung eines Fehlens, etwas, das du nicht benennen kannst. Da ist diese Entfremdung, die du empfindest, das Gefühl, das Leben wäre unerreichbar, diese unaufhebbare Distanz. Du hast deine Vergangenheit, deine Unwirklichkeit, vereinzelte Bilder. Du betreibst deine Studien: für dich ist alles tief, für dich ist alles ein Verweis. Oft glaubst du gar nichts zu wissen. Vom Leben und überhaupt.</p>
<p align="justify">Du hältst dich nicht für intelligent: du bist langsam. Deine Aufgabe ist es eher, Intelligenzen zu erkennen und dich im Unterschied zu ihnen zu begreifen. Du bist inkompetent. Deine Allgemeinbildung ist mangelhaft. Wozu, sagst du dir, gibt es Bücher, CDs, Festplatten, also verlässlichere Speicherplätze? Das Nichtwissen lastet: es ist schwerer als dein Wissen. Dunkel erahnst du mehr von dem, was du nicht weiß, als das, was du tatsächlich an Wissen vorzuweisen hast. Deine Weitsichtigkeit reicht aus, um deine totale Beschränktheit ins Unendliche ermessen zu können.</p>
<p align="justify">Manchmal fehlen dir Wörter und Begriffe; manchmal wird dir aus der eigenen Sprache eine fremde. Es fällt dir schwer, dich in anderen Nervenbahnen zu orientieren. Du bist nicht diszipliniert, deine Konzentration ist schlecht, dein Hirn voller Löcher, das meiste fällt durch. Du musst öfters Nachfragen und die Leute wiederholen ihre Sätze. Deine Stimme im Kopf ist laut und beharrlich. Du hast deine Themen und Begriffe, die Gedanken, die einen eben haben. Du bist ein Klischee wie jeder andere. Du bist übervoll von dir. Du kotzt dich selbst an. Du kommst dir vor wie ein Behinderter, der gerade eben noch um seine Behinderung wissen kann, ohne sie überschreiten zu können. Dennoch sind, wie du pathetisch meinst, deine Verblödungsversuche allesamt gescheitert.</p>
<p align="justify">Du hast keinen Bereich des Könnens, du hast nie geübt, nie gelernt: weder eine Fremdsprache, noch ein Instrument oder Handwerk. Nicht mal tanzen kannst du. Du hast nie eine lange Zeit im Ausland verbracht, du hast, wie man sagt, nie wirklich etwas gewagt. Du hast dich einmal für eine Frau aufs Spiel gesetzt, aber das war kein Risiko, sondern die blinde Umklammerung eines Neugeborenen. Du warst oft peinlich. Du hast keine besonderen Talente, was die ganze Sache schwierig macht. Indem man sein Genre, seinen Beruf wählt, denkst du oft, wählt man sich selbst. Aber bei dir ist da nirgendwo ein fester Untergrund, auf dem sich wirklich bauen ließe.</p>
<p align="justify">Deine Interessen sind unsichtbar: es ist das Rätsel, sagst du romantisch, das dich verzehrt. Du hältst nicht viel von der Idee der Individualität: du empfindest dich als leeres Gefäß, das sich mit fremden Dingen anfüllt. Es gibt nur die wechselnden Einflüsse, die mit dir spielen wie der Wind mit allem Losen. Schwammig bist du und diffus. Du kannst dich schlecht abgrenzen, du verlierst dich im Abstrakten. Du bist unfähig, den Widerspruch zwischen Gedanke und Tat zu überwinden, du bleibst im Getriebe des Selbstzweifels stecken. Es werden keine Punkte für besser denken und besser wollen vergeben: Du weißt, dass nur die Tat, dass nur das Machen zählt. Du bist was du machst: du bist nichts. Du sprichst gerne von der Nichtigkeit des Lebens und weißt über sie Bescheid. Überhaupt gelingen dir die Überleitungen vom Persönlichen ins Allgemeine sehr gut.</p>
<p align="justify">Ein Tag wie jeder andere, der Tag geht um, es wird wieder dunkel draußen. Allein ist nichts wichtig; die Ereignisse versanden stumm in einem selbst. Du hast deine Erledigungen gemacht. Du hast tausendmal die gleichen Bewegungen ausgeführt, du hast tausendmal die gleichen Gedanken gedacht. Es ist still in deinem Zimmer, die Menschen sind wieder zur Ruhe gekommen, in deinem Zimmer ist es still. Dieses Leben, was du jetzt führst, ist eine Alternative, es wiegt nichts. Was du jetzt lebst, das ist schlechte Zwischenmusik, vieles, was man weglassen kann. Du hättest auch nicht sein können. Von dir gibt es Unzählige und keinen. Du weißt, dass dein Leid kein Anrecht auf Allgemeingültigkeit hat.</p>
<p align="justify">Die Uhr in deinem Zimmer. Die Stille. Das Ticken. Der Aufstand, der nie kommt. Manchmal zuckt noch eine Welle Wut durch dich. Doch Überdruss und Langeweile warten wie Schlangen in jedem Winkel deines Zimmers. Man muss alle Systeme verlassen, um wahrhaftiger zu sein, denkst du und starrst auf den Wasserhahn, aus dem in unregelmäßigen Abständen ein Tropfen Wasser tropft. Man wird nie klüger. Du spürst den Abgrund in jeder Abteilung deiner Sinneswahrnehmung, in Geräuschen, in Gerüchen, in deinen Gedanken, in jeder Tätigkeit. In der Stille. Du steigst hinter den Alltag, hinter die Zeit; du bist jenseits des Trubels, jenseits der Massen.</p>
<p align="justify">Die Tür öffnet sich, der Raum ist dunkel. Da ist ein Winkel, aus dem Licht zu kommen scheint; da ist ein Buchrücken, den man befühlt. Aus dem Unmerklichen tritt etwas ins Merkliche über. Transduktion. Man lebt. Es gibt ein Auge, das sieht, und ein Auge, das blind ist und in dem man sich spiegelt. Du bläst den Zigarettenrauch gegen deine Fresse und dein Blick ist glasig. Alles ist sinnlos. Hinter dem Spiegel ist nichts. Wir befummeln die Wahrheit mit tausend Dietrichen: sie ist nicht kitzelig; sie bleibt unbeweglich, starr, unbekannt. Nein, du Trottel, das sind keine Zeichen: das sind Selbstverweise. Wir sind eingesperrt in unsere Ordnung. Da liegt ein kaputter Regenschirm im Rinnstein. Der Mensch ist allein. Du bist allein. Draußen zwitschern schon die ersten Vögel. Was sie singen? Morgen wird wie heute sein.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2012/01/refraktaerphasen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Licensing Agent</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/12/licensing-agent/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2011/12/licensing-agent/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 11:04:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven Klöpping</dc:creator>
				<category><![CDATA[Scifi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[futuristisch]]></category>
		<category><![CDATA[unten]]></category>
		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1636</guid>
		<description><![CDATA[Ich seh' noch, wie das hologene 3D-Logo auf seinem T-Shirt klebt, kurz bevor es in NanosekundenschneIIe beginnt, seine Konturen zu verzerren und seine Spuren verwischen ins Nichts. Der rötliche Schimmer um den weißen Schriftzug flackert kurz auf wie bei einer defekten Lichtröhre, bloß um Zeitbruchteile später in der unendlichen Hintergrund-Schwärze des realen T-Shirts zu versinken ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>in a world of brands<br />
</em></p>
<p><em> Alarmsignal.</em></p>
<p>Ich seh&#8217; noch, wie das hologene 3D-Logo auf seinem T-Shirt klebt, kurz bevor es in NanosekundenschneIIe beginnt, seine Konturen zu verzerren und seine Spuren verwischen ins Nichts. Der rötliche Schimmer um den weißen Schriftzug flackert kurz auf wie bei einer defekten Lichtröhre, bloß um Zeitbruchteile später in der unendlichen Hintergrund-Schwärze des realen T-Shirts zu versinken:</p>
<p>Scheiß Schmarotzer.</p>
<p align="left"><img class="alignright size-full wp-image-1637" title="futuristic_building2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/futuristic_building2.jpg" alt="" width="260" height="462" />Aber gerade hat ihm der Strahl des Gesetzes &#8216;n verdammtes Loch in seine Arroganz gebohrt. Der hat wohl gedacht, mit &#8216;nem geklauten Cola-Schriftzug in 3D lassen sich die Weiber hier unten besonders gut abschleppen &#8230; Aber die Tour hab ich ihm gründlich versaut. Jetzt steht er da wie &#8216;n Exhibitionist ohne Weichteile und glotzt Löcher in die verblüfften Mädchengesichter um ihn herum. Wenn er &#8216;ne Waffe zieht, muss ich ihn löschen &#8230;</p>
<p>„Hey, kannste bei meinem Logo nich ma ne Ausnahme machen? Morgen komm ich eh an Credits, dann ist alles wieder okay mit meinem Account und ruf doch mal deine Virtual Memory Card ab, du &#8230;“</p>
<p>Von wegen. Der steckt bis zum Hals in Credits, das kauft ihm doch keiner ab. Verdammt. Soll er schwarz sehen, bis sein Account wieder sauber ist, Scheißkerl. Gar nicht drauf hören. Ich leg&#8217; den ersten Gang rein, flieg weiter, hör noch seine Argumente in meinen Arsch kriechen &#8230;</p>
<p>„Ja ja, ich zahl dir deine gottverdammten Royalties, mach doch nich so &#8216;n Umstand wegen dem beschissenen <em>holografic problem</em>, Alter ..“</p>
<p align="left">Ich reih&#8217; mich wieder in den Verkehr ein und fahr’ einfach weiter. Mittelfinger bringen nichts bei den Typen.</p>
<p align="left"><em>On the road again.</em></p>
<p align="left">Im <em>Visual Sound Channel</em> hinter meinem Lenkrad verrenken sich gerade &#8216;n paar intergalaktische Kometenschweif-Surfer die Knochen, dazu spielen sie „Was ihr wollt&#8221; von den Smashers. Geht echt in die Beine, das Zeug, obwohl&#8217;s ja schon ziemlich alt ist &#8230;</p>
<p align="left">Ich flieg&#8217; bis zum Goethe-Schild, das schon seit &#8216;n paar Jahrzehnten da hängt und Werbung macht für irgendso&#8217;n After Shave, das es wahrscheiidich gar nicht mehr zu kaufen gibt und nur noch aus Image-Gründen da in der Gegend rumhängt, was weiß ich &#8211; auf jeden Fall ist die Lizenz in Ordnung und ich muss rechts ab, auf den Highway.</p>
<p align="left">Im Vorbeischweben seh&#8217; ich noch einen alten Bekannten: Stevie Notrix nennt er sich, hat seine Haare hochgestellt, Seiten abrasiert und aus dem voll Iizensierten Sound-Shirt dröhnen vergangene Melodien von Slime und den Sex Pistols in meine Richtung. Der Typ ist halt &#8216;n echter Nostalgiker.</p>
<p align="left">„Hey Agent, alles okay? Willste nich heute abend im „Anarchy UK&#8221; mit deinem piekfeinen Alabaster-Schlitten mal aufkreuzen &#8211; denn heute ist mein erster Auftritt!<em>“</em></p>
<p align="left">Er grinst mich fett und flashig an, als ob er sich was von den neuen, frisch lizensierten Mutter-Theresa-Pillen besorgt hätte, schraubt mit ungeheurem Taktgefühl weiter an dem glänzenden Stahlrundrohr, das den ganzen Highway erleuchtet und weiß ganz genau, dass ich mit meinem gestylten Privat-Glider niemals in seiner Anarcho-Spelunke aufkreuzen würde, hab ja auch keinen Grund: da ist alles zu 100 % lizensiert.</p>
<p><em>Zweites Alarmsignal.</em></p>
<p>Verdammt, ausgerechnet jetzt.</p>
<p>Ein knallroter Cursor blinkt irgendwo in der Navigationsleiste, das sind stark verkleinerte 3D-Hologramme, die sich bei der geringsten Berührung in ihre virtuellen Moleküle zerstreuen und meinen aktuellen Standpoint anzeigen.</p>
<p>Per Touchscreen bestimme ich meine Route quer durch den Dschungel aus Straßen, Highways, Fluglinien, Seitenstraßen &#8230; bis ich innerhalb weniger Standard-Zeiteinheiten am Ort des Verbrechens eintreffe.</p>
<p>Schäbige Wohngegend, Vorstadt-Ghetto, eintönige Fassaden: hinter der 5. Mülltonne hockt einer von diesen verlausten Sprayertypen und wartet auf sein Urteil.</p>
<p>So steht&#8217;s im Protokoll, das aber normalerweise viel schneller reagiert &#8230;</p>
<p>Und als ich mich umblicke, merke ich auch schon bald, was los ist: Der Typ hat doch tatsächlich die komplette Fassade des <em>Buckingham Palace</em> auf die schmierigen, verrußten Wände der ganzen verdammten Scheiß-Straße gesprayt!</p>
<p>Das gibt Ärger.</p>
<p>Verdammt &#8211; warum bin ich über so eine Scheiße nicht schon früher informiert worden? Das kann mich den Job kosten, verfluchte Scheiße &#8230;</p>
<p><em>Sorry, control system failed.</em></p>
<p>Ja, ja, fail dich selbst, du beschissener Apparat. Ich kann jetzt sehen, wie ich aus dem Mist rauskomme, oder hast du &#8216;n besseren Einfall?</p>
<p><em>Keine Antwort.</em></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1638" title="futuristic_building" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/futuristic_building.jpg" alt="" width="260" height="462" />Kurz noch mal checken, ob der Strahler richtig sitzt, dann gleitet die Tür zur Seite und ich marschiere direkt auf den verdammten Junkie und halt&#8217; ihm meine Laserkanone direkt in seine holografische Mozart-Fresse &#8211; ich wette, dafür hat er keine Lizenz.</p>
<p>Allein das wär&#8217; schon ein Grund, ihn mitzunehmen, aber ich hab&#8217; noch was vor mit dem Wichser.</p>
<p>„Hey, Arschloch! Was hast du dir dabei gedacht?“ scheiß ich ihn an. Dabei muss ich mich noch kräftig zurück halten, damit ich ihm nicht gleich hier und jetzt zur Begrüßung ein paar aufs Maul trete.</p>
<p>Der langhaarige, zottelige Typ stottert mit weit aufgerissenen Augen durch die Gegend, fängt an zu winseln &#8211; anscheinend weiß er, was für&#8217;n verdammten Mist er mit seinem verstrahlten Schädel gebaut hat: „B &#8230; b &#8230; bitte &#8230; A-a-agent &#8230;&#8221; Die Nadel steckt noch in seinem Arm, das Blech mit dem Stoff liegt neben ihm und glüht wahrscheinlich noch von der Flamme des <em>burning tools</em>.</p>
<p>Was soll ich nur der Zentrale melden, verdammt? „Unidentifizierter Penner sprüht seine Junkie-Visionen an Ghetto-Fassaden im 5. Bezirk?“ Klingt mehr wie aus&#8217;m schlechten 3D-ThriIIer, auch wenn&#8217;s leider wahr ist &#8211; verdammt! Vielleicht ist dieser beschissene Bezirk sogar &#8216;n drittklassiger 3D-Thriller und ich merk&#8217;s nicht mal, wie die Quoten sich über mich schräg lachen und die <em>touch rates</em> den TKP<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> in die Höhe treiben &#8230;</p>
<p>Die Zentrale meldet zwar, dass sie Bescheid weiß über den Ausfall des Kontrollsystems, aber trotzdem bin ich jetzt in einer beschissenen Scheiß-Situation und kann nix dagegen machen.</p>
<p>So eine herunter gekommene Sackratte, fast hätte ich abgedrückt.</p>
<p>Ich zittere, die Laserkanone kann jeden Moment losgehen, <em>private war against criminality</em> oder wie war das &#8211; einer gegen alle. Nur ein unkontrolliertes Zeigefinger-Zucken reicht aus und die Strahlung würde diesem lebensmüden Chaot das Gesicht zerfetzen wie &#8216;ner nordsibirischen Wassermelone.</p>
<p>„Du Wichser! Morgen ist das alles weg!&#8221; brülle ich dem Typen mitten durch seine Drogen vernebelten Wahnvorstellungen, mache eine ausholende Handbewegung, wobei der Penner zusammen zuckt und drehe mich wutschnaubend zu meinem Glider.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Buckingham Palace</em>, so ein Idiot. Talent hat er ja wenigstens, sonst hätt&#8217; ich ihn schon längst abgeknallt.</p>
<p>Verdammt. Wenn er sich wenigstens &#8216;ne Lizenz dafür leisten könnte, gäb&#8217;s überhaupt keine Probleme und vielleicht würde sogar &#8216;n verdammter Künstler aus ihm, mit &#8216;nem richtigen Markennamen auf seinem Identity- Chip.</p>
<p>Aber so &#8230; Eigentlich hätt&#8217; ich ihn abknallen müssen.</p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> TKP = Tausender-Kontakt-Preis (Werbedeutsch)</p>
</div>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&amp;x=0&amp;ref_=nb_sb_noss&amp;y=0&amp;field-keywords=sven%20kl%C3%B6pping&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;_encoding=UTF8&amp;site-redirect=de&amp;tag=sflex-21&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=19454" target="_blank">Sven Klöpping</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/394253309X/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=394253309X"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=394253309X&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Menschgrenzen</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2011/12/licensing-agent/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Weihnacht</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/12/weihnacht/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2011/12/weihnacht/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 05:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jari N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Augenblick]]></category>
		<category><![CDATA[sinn]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1566</guid>
		<description><![CDATA[Draußen tobt der Sturm. Alle sitzen stumm ums Feuer, in dicke Decken eingehüllt, nur die Kinder spielen mit den paar alten Puppen und Eisenbahnwaggons, die sie eben auspacken durften. Der Wind heult und pfeift durch die Ritzen.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Draußen tobt der Sturm. Alle sitzen stumm ums Feuer, in dicke Decken eingehüllt, nur die Kinder spielen mit den paar alten Puppen und Eisenbahnwaggons, die sie eben auspacken durften. Der Wind heult und pfeift durch die Ritzen.</p>
<p>Großmutter ist bereits eingenickt. Niemand spricht ein Wort, allein das Knacken des warmen Feuers scheint wie ein zutrauliches Flüstern. Als mein Blick zum Christus hinaufwandert, erschrecke ich –– seine Augen wirken zornig und hohl durch die Schatten, die das Licht nicht erreicht.</p>
<p>Ich weiß, dass der kalte Schnee auf mich wartet. Ich muss gehen und etwas Holz holen: das ist meine Aufgabe, ich kann mich ihr nicht entziehen&#8230; Also stehe ich auf, hebe den Korb neben dem Kamin und stelle ihn zur Tür. Ich werfe mir geschwind den Flickenmantel über, dann öffne ich die Tür und stehe Angesicht zu Angesicht mit der Gewalt der Natur, die mir eiskalte Flocken ins Gesicht treibt. Ich verstehe, dass es Sinn ergibt. Dass ich nur hier draußen dem Risiko begegnen und fortgeschleudert im Wirbeln des Sturms meine eigene Geschichte schreiben kann.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2011/12/weihnacht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zucht und Ordnung</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/10/zucht-und-ordnung/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2011/10/zucht-und-ordnung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 09:59:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stöger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Blockwart]]></category>
		<category><![CDATA[seltsameWelt]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>
		<category><![CDATA[zigaretten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1652</guid>
		<description><![CDATA[Weder Uniform noch ähnliche Insignien machten ihn kenntlich. Und doch - dieses raumgreifende Wippen in den Beinen. Dieses stete Rearrangieren der Achselpartie, als müsse er imaginäre Schulterklappen zurechtrücken. Gestrengen Blickes musterte er alle Passanten, einem tatendurstigen Zerberus gleich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es begab sich eines schönen Mittages. Genauer gesagt, am letzten Februartag dieses Jahres.<br />
Ich hatte eben ein Geschäftslokal verlassen und war guter Dinge (eine für mein veraltetes Betriebssystem passende AGP-Karte in der Tasche, welche zufällig gerade &#8230; aber das gehört nicht hierher). Wie auch immer. Ich blinzelte in die Sonne, zündete mir eine Zigarette an und begab mich frohgemut zur U-Bahn-Station.<br />
Nicht, daß Sie nun denken, ich wollte Schwarzfahren. Weit gefehlt! Meine Finger umspielten bereits die Zwei-Euro-Münze, als ich mich der schweren Glastür näherte.<br />
Und da war er.<br />
Weder Uniform noch ähnliche Insignien machten ihn kenntlich. Und doch &#8211; dieses raumgreifende Wippen in den Beinen. Dieses stete Rearrangieren der Achselpartie, als müsse er imaginäre Schulterklappen zurechtrücken. Gestrengen Blickes musterte er alle Passanten, einem tatendurstigen Zerberus gleich.<br />
Sie ahnen, was folgt? Sie täuschen sich. Und ich &#8211; zumal in Unkenntnis narrativer Kausalität &#8211; registrierte die merkwürdige Gestalt nur im Augenwinkel, während ich auf die (wenige Meter hinter den erwähnten Türflügeln befindlichen) Automaten zuhielt.<br />
&#8220;Wann ihnan do drin wer mit da Zigarettn dawischt, kost des vierzig Euro!&#8221;</p>
<p>Ich hielt inne. Eine Hand am Türgriff, wandte ich den Kopf dem eifrigen Sprecher zu. Was wollte er? Lächelnd erkundigte ich mich, ob es wohl gestattet sei, mir einen Fahrschein zu kaufen und dann hier draußen fertigzurauchen.<br />
Seine Hände &#8211; eben noch amtlich am Steißbein gekreuzt &#8211; fuhren in abwehrender Geste nach oben. &#8220;Na, mir is jo wurscht! Ii bin ned von die Verkehrsbetriebe! Ii sog nua.&#8221;<br />
Leicht verwirrt betrat ich das Foyer, löste eine Karte und begab mich brav wieder hinaus. Wer immer dieser seltsame Heilige sein mochte; schließlich konnte ich auch von hier oben das Nahen der Züge verfolgen (für Ortskundige: es war die U4-Station &#8220;Unter St.Veit&#8221;).<br />
Ich rauchte. Ich wartete. Hinter mir waren durch den Verkehrslärm federnde Schritte zu vernehmen, auf und ab marschierend.<br />
Dann ging mit einem Male alles sehr schnell. Ich sah den Zug kommen, warf die Zigarette weg, griff nach der Tür &#8230;<br />
&#8220;Und wanns den Tschick do heraußn wegschmeißn, kost des sechsadreißig Euro!!!&#8221;<br />
&#8230; und ging hinein. Indes ich mir am Weg über die Stiege noch dieses Triumphgeheul zu erklären versuchte &#8211; von unten war bereits das Rattern nahender Räder zu hören -, ertönte die Stimme abermals, in meinem Rücken: &#8220;Hee! Sie! Se san verpflichtet, mir ihren Ausweis zu zagn!&#8221;<br />
Ich warf einen Blick über die Schulter, der Mann kam schnaufend hinter mir hergerannt, er schrie: &#8220;Wos is &#8211; werma de Polizei brauchn?!&#8221;<br />
Der Triebwagen hatte fast das Ende der Station erreicht. Ohne die Schritte zu verlangsamen, fragte ich den Wütenden konsterniert, was er überhaupt im Sinn hätte; ich wußte es wirklich nicht. Ein Verrückter? Oder hatte auch er Probleme mit seinem Betriebssystem?<br />
<img class="alignright size-medium wp-image-1764" title="Hund" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/10/Hund-280x210.jpg" alt="" width="280" height="210" />&#8220;Sie ham eine Zigarette weggeschmissen! Das ist verboten! Gemäß dem Wiener Reinhaltungsgesetz!!&#8221;</p>
<p>Stop.<br />
Halten wir den Film kurz an. Standbild: Zwei Personen auf der Treppe, noch etwa zehn Stufen vom Absatz entfernt. Ein Zug, eingefahren; am Bahnsteig Wartende, die sich den Waggontüren nähern.<br />
Ich überlege. Wer ist der Mann? Nach eigener Aussage kein Bediensteter der Verkehrsbetriebe. Warum läuft er mir dann jetzt nach? Ich beginne, zu verstehen. Ein Magistratsbeamter offenbar, mit der Tagesmission, achtlose Raucher zu stellen.<br />
Ah, ja. Der Stationsbereich der Wiener Linien ist nicht sein Revier, aber er weiß: davor lassen sich einschlägige Umweltsünder am ehesten ertappen. Wer nun &#8211; wie ich &#8211; samt Tschick hineingeht, entkäme ihm als Kandidat. Also zitiert er hilfsbereit die Vorschriften der Verkehrsbetriebe, lockt den Kunden zurück und harrt seiner Chance &#8230;<br />
Nein. Man müßte wahrlich paranoid sein, anzunehmen, daß sich unsere wackeren Stadtbediensteten solch perfider Tricks befleißigten. Zumal nicht weggeräumter Hundekot auch 36,- einbringt. Respektive einbrächte; oder haben Sie schon jemals erlebt, daß ein Herrl von einem Organ des Magistrates angesprochen wurde (bzw. gar mit der Androhung von Polizeigewalt konfrontiert)? Eben.<br />
Lassen wir den Film also weiterlaufen.</p>
<p>Ich schnauzte den Echauffierten ungnädig an, mir gefälligst nicht auf die Nerven zu gehen, und setzte meinen Weg fort. Woraufhin er stehenblieb und drohend sein Handy zückte.<br />
An dieser Stelle hielt die Regie noch eine etwas unnötige Pointe bereit &#8211; die Garnitur fuhr nämlich durch. Es war eine Fahrschule. Die Anzeige am Perron verkündete &#8220;3 Minuten&#8221; bis zur Ankunft des regulären Zuges.<br />
Damit war das Spannungspotential aber auch schon erschöpft, denn weiter geschah nichts, das die Handlung zu einem originellen Ende gebracht hätte. Ich ging langsam zum hinteren Stationsbereich und überließ den Hüter der Reinlichkeit seinem Schicksal.<br />
Wen mag er wohl angerufen haben? Falls es die Exekutive war, benötigte sie anscheinend länger als drei Minuten, um den Tatort zu erreichen. Vielleicht hat er aber auch nur der Telefonseelsorge sein Leid geklagt.<br />
Ich jedenfalls war um die Erkenntnis reicher geworden, daß es theoretisch teurer kommt, in den Gefilden der Wiener Linien eine Zigarette zu rauchen, als eine solche auf die Straße zu werfen. Oder seinen Hund aufs Trottoir &#8230; na, Sie wissen schon.</p>
<p>Später in der U-Bahn dann &#8211; die Sonne schien freundlich durchs Fenster &#8211; plagte mich doch ein wenig das schlechte Gewissen. Schließlich hatte er mir ja nur helfen wollen, vier Euro zu sparen.</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2011/10/zucht-und-ordnung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Oktagon</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/10/oktagon/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2011/10/oktagon/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 21 Oct 2011 10:07:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Wippermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1706</guid>
		<description><![CDATA[After-Show-Party nach einer öden Modenschau im Oktagon. Hab mich bequatschen lassen, Caro zu dieser Gaudi zu begleiten. Sie war schon Tage vorher aufgedreht und redete über nichts anderes, verschleuderte ein Monatsgehalt für die Abendgarderobe und sieht doch längst nicht so gut aus wie heute morgen, als sie vom Weckergeheul hochschreckte und ihr eine Locke in den Augen hing.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>After-Show-Party nach einer öden Modenschau im Oktagon.<img class="alignleft size-full title=" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/kommerz_sale_1.jpg" alt="" width="190" /> Hab mich bequatschen lassen, Caro zu dieser Gaudi zu begleiten. Sie war schon Tage vorher aufgedreht und redete über nichts anderes, verschleuderte ein Monatsgehalt für die Abendgarderobe und sieht doch längst nicht so gut aus wie heute morgen, als sie vom Weckergeheul hochschreckte und ihr eine Locke in den Augen hing.</p>
<p>Jetzt wuselt sie durch die Menschentrauben, ziellos wie eine Flipperkugel, und ich versuch mir möglichst viel von dem kostenlosen Empfangssekt reinzuschütten. Hab ernsthaft das Gefühl, dass ich das hier brauchen werde. Alle Anwesenden haben sich in Schale geworfen, nur um noch am selben Abend geknackt zu werden. Vorher werden sie in ihrem Inneren noch eine schillernde Perle produzieren, die ihr irgendein Halunke dann stibitzen kann, wenn sie sich auf ein paar Schmeicheleien hin öffnen. Gehört wohl irgendwie dazu. Teil des Spektakels.</p>
<p>Ich sitze an der Theke, verschleppe Krankheiten und ertränke Gefühle, kippe mir das nächste Glas und betrachte diesen Karneval voller Abscheu.</p>
<p>Verlaufenes Theaterblut, Corpsepaint wie auf nem Mayhem-Gig, Gruftbeleuchtung, verwässerte Cocktails mit unaussprechlichen Namen aus den Schädeln von Primaten.</p>
<p>Die schönsten Frauen der Welt sind aufgetakelt wie Schabrackenhyänen, mit klobigen Blutdiamanten behangen. An ihren schlanken Hälsen baumeln lebendige, hilflos zappelnde Fauchschaben.</p>
<p><img class="alignright size-full title=" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/kommerz_sale_2.jpg" alt="" width="190" />Caro kommt herangerauscht, herausgeschleudert aus einem Pulk betont verfallener, ausgehungerter Seite-3-Mädchen in raffiniert enthüllenden Grabgewändern. Andere haben sich mit Kletten, Knöterich oder Efeu umwachsen lassen, um ihren Hang zur Natur zu symbolisieren. Sie sind alle moderne Kunst. Also mindestens genauso nichtssagend und beliebig.</p>
<p>„Du amüsierst dich ja gar nicht. Sitzt nur hier rum und lässt dich zulaufen. Rede doch mal mit irgendwem.“</p>
<p>„Mit wem soll ich denn hier reden?“</p>
<p>„Gibt ja wohl genug kreative, spannende Leute hier. Schau mal, Oh mein Gott, das ist Sylvia Malade.“</p>
<p>„Wer soll das sein? Hör den Namen zum ersten Mal.“</p>
<p>„Scheiße, das ist die Designerin, von dir ich dir so viel erzählt hab. Die ist in ihrer Mode und ihren Ansichten ja sowas von radikal. Ich kann nicht fassen, dass du die nicht kennst. Weia, sie kommt rüber. Sag jetzt bloß nichts Dummes.“</p>
<p>„Ich und was Dummes? Nene.“</p>
<p><img class="alignleft size-full title=" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/kommerz_sale_1.jpg" alt="" width="190" />Sylvie Malade stellt sich zu uns. Sie erinnert mich an Cruella DeVille aus der Disney-Verfilmung, nur mit mehr missglückten Schönheitsoperationen. Und eine furchtbare Stimme hat sie noch dazu. Der Ohrenschmalz rieselt von der Deckenbefestigung unserer Innenohren, als sie beginnt um Bestätigung zu betteln. Sie wiehert wie ein bestiegenes Pferd: „Na, Kinders. Wie hat euch denn meine Show gefallen?“</p>
<p>„Oh, es war einfach wahnsinnig intensiv und so sensibel und trotzdem noch radikal. Ich meine, du hast so viel ausgedrückt. Einfach unglaublich.“, schnattert Caro.</p>
<p>„Yeah. Das hat schon ne verdammte Menge ausgedrückt. Nur frag ich mich noch immer was.“, sage ich.</p>
<p>Caro lacht nervös und stößt mir ihren Ellenbogen in die Seite.</p>
<p>Sylvie fällt in das künstliche, bis zur Hysterie gesteigerte Lachen ein. Sie drückt auf nem Luftpolster in ihrem Dekolleté rum, bis ein paar künstliche Tränen aus ihren Augenwinkeln perlen.</p>
<p>Als sie sich wieder beruhigt hat, beginnt sie selbstgefällig zu erzählen: „Die Arbeit an meiner Linie <em>Komandeuse</em> ist maßgeblich von Ilse Koch beeinflusst. Sie steht für den eigenen Weg einer selbstbewussten Frau in einer von Männern dominierten Welt und für den Körper als Projektionsfläche jeglicher Sehnsucht. Sie ist der Inbegriff des Stils über das Leben.“</p>
<p><img class="alignright size-full title=" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/kommerz_sale_2.jpg" alt="" width="190" />Ich kann’s nicht fassen.</p>
<p>„Ilse Koch? Scheiße, die Frau hat aus der Haut von KZ-Insassen Lampenschirme gemacht! Die war ein Monster und keine Heldin! Was seit ihr eigentlich für ne widerwärtige Bande?“</p>
<p>Wider spüre ich Caros Ellenbogen. Sie hats wohl darauf abgesehen, mir die Rippen rauszubrechen und daraus Kleiderbügel anzufertigen oder so.</p>
<p>„Halt die Klappe.“, zischt sie mir zu, „wenn du mir diesen Abend versaust, werd ich dir das nie verzeihen.“</p>
<p>Ich beiß mir auf die Lippen. Sie ist das Beste, was mir je passiert ist.</p>
<p>„Okay. Ich warte im Wagen, Baby.“</p>
<p>Ich tanke mich nach draußen und pralle dabei mit einem Model zusammen, dass einen Umhang aus tätowierter Menschenhaut elegant um ihre knochige Figur geschwungen hat. Sie schaut mich angewidert an, als ich mich vorbeidränge und ich versuch dasselbe, aber bei mir wirkt es einfach viel weniger überzeugend.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2011/10/oktagon/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Mann, der die Suppe ausbröckelt [sic].</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/10/der-mann-der-die-suppe-ausbroeckelt-sic/</link>
		<comments>http://kaschemme.de/2011/10/der-mann-der-die-suppe-ausbroeckelt-sic/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 10:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna Jorek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Hund]]></category>
		<category><![CDATA[Mann]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[spass]]></category>
		<category><![CDATA[suppe]]></category>
		<category><![CDATA[unten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kaschemme.de/?p=1647</guid>
		<description><![CDATA[Ein Freund hat ihm eine Stelle in einem Büro besorgt, da hat er dann drei Jahre lang gesessen, immer von acht bis vier. Eines Morgens ist er aufgewacht, und konnte drei Sprachen fließend. Einfach so. Englisch, französisch und portugiesisch. Das war mal was, sagte er sich, und hat seinen Freund angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht mehr kommt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Himmel vor seinem Auge verdunkelt sich, mischt an seinem Rand ein bizarres Spiel aus orange und rot. Die wenigen Häuser stehen wie dunkle Schatten in dem Bild, das ein Maler nicht besser hätte zeichnen können, denkt er sich.</p>
<p>Der Ausblick erinnert ihn an eine Welt in einer Lavalampe, die kalten schwarzen Gebäude sind die Luftblasen, der blutrote Himmel das heiße Gestein.</p>
<p>Der Mann sitzt in der Straßenbahn und starrt nach draußen. An der Leine der große Hund, den er hat, seit der klein ist. Er hört auf den Namen Otto. Heute Morgen beim Aufwachen war noch alles weiß, der Reif hat sich auf die Landschaft gesetzt, jetzt ist er verschwunden. Otto hat wie immer sein Herrschen geweckt und ihm die Zeitung und heißen Kaffee ans Bett gebracht. Bei dem Gedanken muss der Mann lächeln.<br />
Er trägt eine Stofftüte mit einer unbekannten Stickerei. Wenn er sein ganzes Hab und Gut, also das von Wert, denkt er, nur das von Wert, von persönlichem Wert, natürlich, zusammensuchen würde, es passte in zwei Stoffbeutel, denkt er. Der Rest ist doch nur unnötiger Ballast, da hängt sein Herz nicht dran.</p>
<p>Wieder wandert sein Auge nach draußen. Noch muss er nicht aussteigen, ein geübter Blick verrät ihm das. Die Türen schließen sich und er schaut ob Otto noch neben ihm liegt. Mit geschlossenen Augen saugt er die Umgebung auf. Das was er zu fassen kriegt, sind Gesprächsfetzen. Eine Stimme möchte die Unisachen verbrennen, eine andere rät ihr dazu, zu warten, bis sie mit der Uni fertig ist, dann könnte sie gleich ein Feuer im Hinterhof veranstalten und die Sachen hinein werfen. Er stellt sich eine junge Frau vor, die nackt um ein Feuer springt und dabei Blätter zerreißt, die sie Stück für Stück in das Feuer wirft. Dann wendet er seine Gedanken nach innen. Er hat selbst einmal studiert. Siebeneinhalb Jahre lang. Dann ist er entlassen wurden, ohne Abschluss. Er hat nie geraucht und keinen Alkohol getrunken. Ab und zu mal einen Kaffee und zum Frühstück ein dunkles Brötchen. Ein Freund hat ihm eine Stelle in einem Büro besorgt, da hat er dann drei Jahre lang gesessen, immer von acht bis vier. Eines Morgens ist er aufgewacht, und konnte drei Sprachen fließend. Einfach so. Englisch, französisch und portugiesisch. Das war mal was, sagte er sich, und hat seinen Freund angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht mehr kommt. Jetzt vergewissert er sich, dass Otto noch neben ihm liegt. Ein Magen knurrt, welcher das ist, weiß er nicht, der vom Hund oder sein eigener. Otto ist sein bester Freund.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1649" title="china-restaurant" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/china-restaurant.jpg" alt="" width="200" height="355" />Ich bin der, der immer die Suppe aufbröckelt, schiebt er einen Gedanken vor sich her, doch der will nicht so recht passen.</p>
<p>Einbrockt<br />
Aufbröckelt<br />
Otto schaut ihn an und kann ihm nicht helfen.</p>
<p>Dann wiederholt der Mann den Satz in den anderen drei Sprachen. Englisch, französisch und portugiesisch, die er beherrscht. Er kam nie dazu, sein Können unter Beweis zu stellen, aber Otto nickt ihm jetzt zustimmend zu.</p>
<p>Sie möchten bitte?, fragt der kleine Mann hinter dem Verkaufsfenster.<br />
Ich habe noch nicht entschieden.<br />
Ahso.</p>
<p>Heute hat das kalte Licht ganz scharfe Konturen geschnitten; jetzt sieht man nicht einmal mehr die Umrisse der Häuser. Die Knie des Mannes sind ganz wund, weil die Federn des Bettes hervorstechen. Eine neue Matratze kann er sich nicht leisten. Noch nicht. Der Rücken ist ganz krumm, vom vielen Lesen.<br />
Dann kommt eine dicke Frau mit Pudel auf dem Arm und stellt sich neben ihn. Der Pudel zwinkert dem Mann zu, er lächelt zurück, leicht verlegen, der Pudel erinnert ihn an wen. An wen nur, überlegt er und kommt nicht drauf. Die Dame kennt er nicht.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1648" title="china-food" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/china-food.jpg" alt="" width="200" height="355" />Darf ich bitten, sagt er zu dem Hund und lässt ihn dem Vortritt. Der frisierte Pudel wedelt mit dem Schwanz. Die Frau bestellt. Ente knusprig.<br />
Otto läuft das Wasser im Mund zusammen.<br />
Ja bekommst gleich dein Süppchen, sagt der Mann und überlegt er wieder, wie hieß das gleich nochmal?<br />
Aufbröselt?</p>
<p>Als die Frau und der Pudel in der Nacht verschwinden, schüttelt der Mann den Kopf, nein, das kann nicht sein, in dieser Gegend, eine solche Dame von Welt.<br />
Sie möchten.<br />
Ich nehme die Suppe.<br />
Er zählt sein Kleingeld.<br />
Eins, fuffzich.<br />
Hier bitte.</p>
<p>Er trägt nun, außer dem Stoffbeutel noch eine Plastiktüte mit Suppe nach Hause. Ja, ja, ich bin der, der die Suppe auslöffelt, denkt er, und für Otto wird etwas abfallen.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kaschemme.de/2011/10/der-mann-der-die-suppe-ausbroeckelt-sic/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

