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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; angst</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Schwarzes Quadrat</title>
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		<pubDate>Sun, 15 May 2011 06:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Wirt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das erstmals 1915 ausgestellte Bild "Das Schwarze Quadrat" von Kasimir Malewitsch ist 79 x 79 Zentimeter groß und kann als Meilenstein auf dem Weg zur Moderne gelten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das erstmals 1915 ausgestellte Bild &#8220;<strong>Das Schwarze Quadrat</strong>&#8221; von <strong>Kasimir Malewitsch</strong> ist 79 x 79 Zentimeter groß und kann als Meilenstein auf dem Weg zur Moderne gelten. Das Kaschemme Musäum der Moderne hat keine Kosten und Mühen gescheut und stellt das inzwischen gemeinfreie Werk einigermaßen exclusiv im Web aus:</p>
<div id="attachment_1497" class="wp-caption aligncenter" style="width: 570px"><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Malevich.black-square.jpg"><img class="size-full wp-image-1497 " title="Kasimir Malewitsch - Das schwarze Quadrat" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/Kasimir_Malewitsch_Schwarzes_Quadrat_gemeinfrei_560.jpg" alt="Kasimir Malewitsch - Das schwarze Quadrat" width="560" height="555" /></a><p class="wp-caption-text">Kasimir Malewitsch: Das schwarze Quadrat (1915, Öl auf Leinwand)</p></div>
<p>Der kühne Kasimir malte noch weitere Quadrate, unter anderem &#8220;Rotes Quadrat&#8221; (1915) und &#8220;Weißes Quadrat auf weißem Grund&#8221; (1919).</p>
<div id="attachment_1498" class="wp-caption aligncenter" style="width: 566px"><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Marevich,_Suprematist_Composition-_White_on_White_1917.jpg"><img class="size-full wp-image-1498 " title="Kasimir Malewitsch: Weisses Quadrat auf weissem Grund" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/Kasimir_Malewitsch_Weisses_Quadrat_gemeinfrei.jpg" alt="Kasimir Malewitsch: Weisses Quadrat auf weissem Grund" width="556" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Kasimir Malewitsch: Weisses Quadrat auf weissem Grund (1918, Öl auf Leinwand)</p></div>
<p>Dann gingen ihm wohl die Ideen aus, und seinem Remake des schwarzen Quadrates, dem &#8220;Schwarzen Quadrat&#8221; (&#8220;in der Version von 1923&#8243;) wird allenthalben nicht mehr jener Impact zugesprochen, wie ihn das erste Schwarze Quadrat (auf weißem Grund) hatte.</p>
<p>Malewitsch starb am 15. Mai 1935, sein <em>Schwarzes Quadrat</em> wird uns ewig erhalten bleiben, ebenso wie die Deppen, die es anglotzen und Dinge sagen wie &#8220;Sowas kann ich auch malen&#8221; oder &#8220;Und das soll Kunst sein?&#8221;.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Wenn ich Kafka wäre, dann hieße es:</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 04:45:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jari N.</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Durch Zufall kommt eines Tages ein Mann vom Lande zu diesem Türhüter und fragt, ob dieser ihn nicht in das Gesetz einlassen könne. Der Türhüter aber antwortet, dass er ihm jetzt nicht gewähren könne, einzutreten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Durch Zufall kommt eines Tages ein Mann vom Lande zu diesem Türhüter und fragt, ob dieser ihn nicht in das Gesetz einlassen könne. Der Türhüter aber antwortet, dass er ihm jetzt nicht gewähren könne, einzutreten. Also fragt der Mann nach kurzem Überlegen, ob er später vielleicht eintreten dürfe. „Das ist möglich“, entgegnet der Türhüter, „nicht aber jetzt.“ Weil das Tor zum Gesetz aber geöffnet steht, wie es wohl immer geöffnet zu sein scheint, und der Türhüter zur Seite tritt, neigt sich der Mann, damit er durch das Tor ins Innere sehen kann. Der Türhüter merkt das, lacht und sagt schließlich: „Wenn du hinein willst, versuche doch, trotz meines Verbotes, einzutreten. Siehe aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der niederste Türhüter. Ich sage dir: von Saal zu Saal stehen Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon beim Anblick des dritten wird mir so übel, dass ich seine Gegenwart nicht einmal mehr ertragen kann.“ Derartige Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht vorausgesehen, das Gesetz soll doch jedem immer zugänglich sein, denkt er sich, und geht rastlos vor dem Tor hin und her.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1565" title="tor" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/03/tor-280x421.jpg" alt="" width="280" height="421" />Nach ein paar Stunden, in denen der Mann überlegt hat, fragt er: „Warum kommt kein anderer und bittet im Einlass?“ „Das Tor ist nur für dich bestimmt.“, antwortet ihm darauf der Türhüter und lacht. Plötzlich mit schäumender Energie geladen macht der Mann einen Satz zum Tor hinein und, obwohl ihn das gleißende Licht blendet, rennt ohne einen Gedanken an Luft und Licht zu verschwenden weiter, immer weiter. Auf seinem Weg kommt er durch viele Türen und Tore – alle bewacht und doch stehen sie ihm alle offen und lodern gewaltig im Licht. Er rennt gedankenlos. Er rennt getrieben. Eine unsichtbare Macht bewegt seine kräftigen Glieder. Alles rauscht vorbei. Aber wie er so rennt, scheint ihm der Sinn allmählich verloren und er fragt sich, was all dies Rennen solle.</p>
<p>Da hielt er an und überlegte, ob er nicht umkehren und den Wächter, den er vor einigen Jahren gesprochen hatte, nach dem Weg befragen sollte. Das Licht, das ihn die ganze Zeit über gestört hatte, hatte nun aufgehört zu scheinen. Um ihn herum war es nun eher dunkel und leer. Die riesigen Hallen waren schwarz und in ihrer Höhe unschätzbar. Düstere Stille breitete sich aus. Als er auf seine Füße blickte, bemerkte er, dass sie bluteten. Den Schmerz hatte er den langen Weg über nicht gespürt, jetzt stach und folterte es ihn an seinem ganzen Körper und die Rillen zwischen den Pflastersteinen schienen sich mit seinem Blut zu füllen. Er drehte sich um und lief ein paar Tore zurück, um den Wächter um Hilfe zu ersuchen. Rennen konnte er nicht mehr, vielmehr stürzte er, fiel, weil er nicht mehr stehen konnte. Er war verloren. In der Leere tastete er sich auf allen Vieren vorwärts und rückwärts. Es war schon tiefe, tiefe Nacht. Weder Hand noch Fuß konnte er sehen. Blindlinks und schwer atmend kroch er noch einige Längen, ohne zu wissen, wie viel Zeit verging. Dann verließ ihn die Kraft und er streckte sich aus und blieb liegen. Seine Lungen füllten sich mit Blut. Er lag ruhig und schien in der Ferne plötzlich ein Licht aufflackern zu sehen. Es erlosch, als er in seinem Blut erstickte und das letzte Gurgeln in unerträglicher Weise sein Ohr füllte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Amvettamyn</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 05:07:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angst vor der Existenz ist mehr als der kalte Schweiß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1352" title="amvettamyn" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/amvettamyn.jpg" alt="amvettamyn" width="500" height="374" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Gefangene</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 22:01:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hilfe mußte her, denn er mußte unbedingt zur Arbeit, zu seinem Chef, er durfte nicht noch einmal zu spät kommen, wenn er seine Arbeit, seinen Chef nicht verlieren wollte. Er brauchte Hilfe, von einem Fachmann, er brauchte jemanden, der sich mit widerspenstigen Türen auskannte, der ihren Willen zu brechen verstand.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war, wie es immer war: Er hatte verschlafen, er hatte den Weckruf seines Weckers nicht gehört, dieses verhaßten Helfers seines Chefs, dieses Kainsmal seiner Unfähigkeit, die gewohnten Lebensgleise eines Bürgers, eines Angestellten zu verlassen. Es war, wie es immer war: Er schnellte aus dem Bett und zog sich an, wie ein Soldat, wie ein Feuerwehrmann bei Alarm. Dann stürzten er und die vergangene Nacht, ein Bienenkorb voller Träume, zuerst ins Bad, dann in die Küche. Der Wecker war unterdessen nicht stehengeblieben, er hatte jede Minute, jede Sekunde genau gezählt, wie die Erbsen eines Erbsenzählers. Und nun hielt er ihm die Zeit vor Augen und befahl, auf das Frühstück, auf Brot und Kaffee zu verzichten. Und er, hungrig und durstig wie er war, gehorchte. Er war kein Übermensch, er war nur ein Bürger, einer, der die Gleise seines Lebens nicht verlassen konnte.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1254" title="durchgang_350x" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/11/durchgang_350x-250x250.jpg" alt="durchgang_350x" width="250" height="250" />An der Wohnungstür aber passierte es: Die Tür ließ sich nicht öffnen. Er drehte den Schlüssel einmal, zweimal herum, der Riegel zog sich mit Krach, mit Getöse zurück, doch die Tür blieb fest verschlossen, sie gab keinen Spalt weit nach. Er drehte den Schlüssel weiter, immer weiter, dreimal, viermal, fünfmal, doch die Tür blieb hart und unbeweglich wie eine Wand. Er schwitzte, Hände und Gedanken zitterten. Er drehte den Schlüssel im Schloß herum, er hörte, wie sich der Riegel krachend und tosend zurückzog, und dennoch ließ sich die Tür nicht öffnen. Sie gab nicht nach, sie widersetzte sich seinem Willen, seiner Gewalt.</p>
<p>Hilfe mußte her, denn er mußte unbedingt zur Arbeit, zu seinem Chef, er durfte nicht noch einmal zu spät kommen, wenn er seine Arbeit, seinen Chef nicht verlieren wollte. Er brauchte Hilfe, von einem Fachmann, er brauchte jemanden, der sich mit widerspenstigen Türen auskannte, der ihren Willen zu brechen verstand. Im Telephonbuch boten sich die Fachmänner wie zweifelhafte Frauenzimmer an, da tummelten sich die Namen von Schlossern und ihre Telephonnummern. Doch das half ihm letzten Endes nicht, all die Schlosser, die ihre Dienste anboten, konnten ihm nicht helfen, denn sein Telephon war tot, kein Freizeichen, kein Rauschen, nichts. Eine jähe Angst überfiel ihn. Sie sprang wie eine große, fette Spinne auf sein Herz und klemmte es wie in einem Schraubstock ein. Die Spinne stopfte Watte in seine Luftröhre, in seine Lungen, so daß er zu ersticken glaubte, und sie stieß ihn in die Kälte, in ewiges Eis, so daß er zitterte und bibberte. Die Spinne wuchs und wuchs, sie wuchs über sich und ihn hinaus, bis sie alles überragte, bis sie alles andere unter sich begrub. Dann hetzte sie ihn, sie trieb ihn vor sich her, von Zimmer zu Zimmer, sie zwang ihn zum Fenster, um es aufzureißen und um Hilfe zu rufen, um zu schreien wie ein Wahnsinniger. Doch auch das Fenster, das eine wie das andere, ließ sich nicht öffnen, es gab wie die Wohnungstür um keinen Millimeter nach, weder auf Bitten, auf Flehen noch auf Gewalt. Auch die Fensterscheiben gaben sich nicht geschlagen, obwohl sie sich einem Hagel von Hammerschlägen ausgesetzt sahen. <img class="alignright size-thumbnail wp-image-1255" title="fenster-zum-hof.jpg" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/11/fenster-zum-hof.jpg-250x250.jpg" alt="fenster-zum-hof.jpg" width="250" height="250" />Die Leute auf der Straße nahmen ihn nicht wahr, weder das Hämmern gegen die Fenster, noch seine Hilferufe oder sein Winken. Mancher Passant blickte zwar zu ihm hinauf, mancher verlangsamte seinen Schritt oder blieb sogar stehen, dann aber schüttelte er seinen Kopf, zeigte ihm einen Vogel und ging weiter. Auch die Nachbarn nahmen keine Notiz von ihm, selbst die Empfindlichen, die Hellhörigen und Nervösen nicht, die schon das leiseste Geräusch in ihrer Ruhe störte. Ihre Aufmerksamkeit erwachte erst mit dem Gestank, der sich im Hausflur auszubreiten begann. Sie beschwerten sich über den Pesthauch, der die Kehle zuschnüre, der zum Erbrechen reize, sie beschwerten sich beim Hausmeister, beim Vermieter. Als diese in seine Wohnung eindrangen, fanden sie ihn im Bett. Sie fanden eine zum Skelett abgemagerte Leiche, der sich die Qualen des Hungers ins Gesicht gefressen hatten, sie fanden die Reste eines Vergessenen, die sich zu mumifizieren begannen. Sonst fanden sie nichts.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Dessous für die Damen</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 05:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Köpfe hatte er abgeschnitten und weggeschmissen – er sorgt ja für Nachschub. Mit der Fülligen würde die Geschäftsfrau perfekt harmonieren. Es kommt darauf an, dass ihm der Ausdruck gelingt. Die Hauttöne machen die meisten Schwierigkeiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Niemand sonst will auf der Bank direkt an der Hauptstraße sitzen. Er lehnt sich zurück, er hört den Lärm nicht. Eine Taube tapst um seine Füße herum, schaut schräg zu ihm hoch – kalte Augen. In der Innentasche seiner Jacke stecken zweitausend Euro.</p>
<p>Ein Tag ohne Himmel und ohne Sonne. Die Innenstadt quillt über vor Menschen. Er weiß nicht, ob er zufrieden sein soll. Heute hat er schon eine neue Frau gefunden, ziemlich früh sogar. Eine Geschäftsfrau mit dem idealen Gesicht. Mit seinem Super-Zoom konnte er sie ein paar Mal abschießen: gute Bilder dabei, Glück gehabt, vergessen die Tage, an denen bis abends gar nichts gelaufen war.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg-250x250.jpg" alt="dessous_damen_350x.jpg" title="dessous_damen_350x.jpg" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1220" /></a>In seinem Fotostudio auf dem Land liegen einige nackte Körper, die ihm reichen. Er braucht sich nicht genau an sie zu erinnern, denn sie sind sich ähnlich, bis auf den fülligen mit den ärgerlichen Rissen im Papier. Von ihm gibt es mehrere Fotos, doch dieses eine mag er am liebsten. Die Köpfe hatte er abgeschnitten und weggeschmissen – er sorgt ja für Nachschub. Mit der Fülligen würde die Geschäftsfrau perfekt harmonieren. Es kommt darauf an, dass ihm der Ausdruck gelingt. Die Hauttöne machen die meisten Schwierigkeiten.</p>
<p>Er geht seine Stimmen durch. Auf der CD hat er eine Sammlung davon, darunter Radiosprecherinnen, eine Fernsehmoderatorin mit einmaligem Timbre, eine weibliche Hauptrolle aus einer Filmkomödie, sehr angenehm – doch vor allem die elegante Dame vom Wurst-Tresen. Von ihrer Stimme ist er besessen. Eines Tages stand sie vor ihm in der Reihe und sprach die Bedienung an. Der Klang ihrer Stimme elektrisierte ihn, er kramte hektisch nach dem kleinen Aufnahmegerät in seiner Jacke. Diese Stimme musste er haben. Die Dame sagte: „Noch zweihundertfünfzig Gramm von der Gutsleberwurst, bitte!“ Danach blieb sie eisern stumm.</p>
<p>„Noch zweihundertfünfzig Gramm von der Gutsleberwurst, bitte!“ Was für ein Satz – Leberwurst passt einfach nicht zu dieser Dame, und dann auch noch ein halbes Pfund. Wahrscheinlich wählte sie instinktiv die geadelte Sorte, wahrscheinlich ist ihr selbst Leberwurst zuwider und nur ihr Mann frisst sie fingerdick aufs Brot geschmiert in sich hinein. Die Dame hätte auch beim Bäcker für ein Croissant anstehen können: „Kann ich bitte ein Croissant haben?“ Damit wäre er glücklich geworden, das hätte sich nach etwas angehört. Vielleicht wird er die Stimme aus der Filmkomödie für seine Geschäftsfrau nehmen – oder die Leberwurst wieder ignorieren. Bisher hat das funktioniert. </p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg-250x250.jpg" alt="dessous_damen_350x.jpg" title="dessous_damen_350x.jpg" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1220" /></a>Sein Problem ist das Vergessen. Was er vergessen will, brennt sich in ihm ein, doch an Schönes kann er sich nur schwer erinnern. Er machte schon Frauen, die er in seinem Kopf nicht wiederfinden kann. Sie verflüchtigen sich, mal nach Tagen, mal nach Wochen – einfach weg, sie verstecken sich in den dunklen Nischen seiner Gehirnwindungen und lachen ihn aus. Dann steht er vor dem Nichts. Er muss in seiner Phantasie Frauen neu gestalten, die er eigentlich schon kennt. Diese Schöpfungsprozesse setzen ihm zu, sie geben ihm den Rest.</p>
<p>Heute wird sich alles ändern. Elf nackte Körper im Großformat besitzt er. Als er ihnen gestern mit den Gesichtern seine Art von Leben einhauchen wollte, als die Hochglanz-Torsos aufgereiht vor ihm auf dem Fußboden lagen – da bemerkte er seinen Fehler: Die Kleidung fehlt. Gesichter, Körper, aber keine Kleider. Frauen ziehen sich ebenso gern an wie aus, eine Art Naturgesetz. Oder sie wurden irgendwann so zivilisiert, dass sie nicht mehr ständig nackt sein wollen, deshalb. Seitdem gibt es die Mode. </p>
<p>Im Eingang des Kaufhauses wird er von einem Luftstrom erfasst, der seine spärlichen Haare durcheinander wirbelt. Für einen Moment kommt er in Panik, greift sich verzweifelt an den Kopf. Kaufhäuser sind eine fremde Welt für ihn. Er steht vor einem Leuchtdisplay – Damen-Oberbekleidung zweiter Stock. </p>
<p>Eine Mutter will mit ihrem Kinderwagen die Rolltreppe hochfahren, sie schaut sich hilfesuchend um. Er flüchtet sofort in die Gänge, wo der Brechreiz langsam wieder nachlässt. Da sind andere Leute, die der Mutter helfen können. Wahrscheinlich darf man die Rolltreppe mit einem Kinderwagen gar nicht benutzen. Schwierigkeiten kann er nicht gebrauchen. </p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg-250x250.jpg" alt="dessous_damen_350x.jpg" title="dessous_damen_350x.jpg" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1220" /></a>„Kann ich helfen?“, fragt eine weibliche Stimme hinter ihm. Er zuckt zusammen. „Nein, äh&#8230; ich glaube nicht. Nein, danke.“<br />
„Gestern sind unsere neuen Kollektionen eingetroffen. Wollen Sie mal schauen?“<br />
Das klingt locker. Er schaut sich tatsächlich um, er ist in der Dessous-Abteilung gelandet. Die Verkäuferin gefällt ihm, obwohl sie Jeans trägt und eine enge Bluse. Sie scheint noch jung zu sein, sie gibt sich sehr selbstbewusst. Weiter vorne taucht sie mit ihren Händen in eine Reihe Unterwäsche ein. Er weiß nicht, warum er ihr folgt.<br />
„Hier, ein reizendes Set in Savanna-Pink, topaktuell. Mit raffinierten Strumpfhaltern, echte Spitze, cool.“ Sie hält etwas Undefinierbares in der Hand.<br />
„Packen Sie’s ein.“ Er überlegt: Die Damen-Oberbekleidung kann er weglassen. In der Dessous-Abteilung wird er alles finden. Mehr Kleidung brauchen seine Frauen nicht.</p>
<p>„Gibt es das in mehreren Farben?“<br />
„In drei Farbtönen.“<br />
„Ok, ich nehme alle.“<br />
„Wirklich? Und welche Größe?“<br />
Das ist es, was ihn bei Frauen wütend macht, diese sinnlosen Nachfragen. „Normal, so einssiebzig“, antwortet er schnell<br />
„Schlank?“<br />
„Ja, ja. Und dahinten, was hängt da?“<br />
Der Blick der Verkäuferin wird kritisch, sie sagt: „Torselets, Mieder und Bustiers. Soll ich nicht erstmal diese Sets&#8230;?“<br />
„Gut, machen Sie das. Ich bin da drüben. Bringen Sie die Sachen bitte mit.“</p>
<p>Als die junge Verkäuferin mit einer älteren Kollegin ankommt, hat er schon fünf Mieder ausgesucht und wühlt sich in dem Hängeregal weiter vor.<br />
„Guten Tag, mein Herr!“ Die Begrüßung ist ein Verweis. Er reagiert gelassen: „Guten Tag. Moment, bitte – ich bin gleich durch.“<br />
„Normalerweise probiert man eine Corsage vor Ort an“, erklärt die Neue streng. „Sie sollten ihre Frau mitbringen. Und die meisten Stücke sind vom Umtausch ausgeschlossen. Haben Sie die Preisschilder gelesen?“<br />
„Das geht in Ordnung. Ich bezahle bar.“<br />
Die Neue bleibt hartnäckig: „Sie haben überhaupt nicht auf die Größen geachtet – da, fast alle verschieden, sehen Sie? Damit werden Sie ihrer Frau bestimmt keine Freude machen.“<br />
Mit dieser Tante darf er sich nicht anlegen: „Die Sachen sind für eine Tombola in meinem Betrieb. Mehrere Mitarbeiterinnen, verstehen Sie? Die können dann ja später durchtauschen.“<br />
Mit einem Schwung will er der Neuen den Packen Mieder überreichen, doch die bewegt sich plötzlich rückwärts: „Nein, nein! Dafür ist meine Kollegin zuständig.“ Sie verschwindet in einem Meer von Dessous.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/dessous_damen_350x.jpg-250x250.jpg" alt="dessous_damen_350x.jpg" title="dessous_damen_350x.jpg" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1220" /></a>„Was hat die denn?“, fragt er die junge Verkäuferin.<br />
„Na, ja&#8230; schon komisch, wie Sie Dessous einkaufen.“ Sie lacht. „Dessous für eine Tombola? Hab’ ich noch nie gehört, ehrlich. Find’ ich aber lustig.“<br />
„Hätten Sie Lust, zu kommen&#8230; zur Tombola?“ Die Einladung ist ihm herausgerutscht.<br />
Sie lacht, sie lacht schon wieder so laut. Er beginnt zu zittern, er wartet auf ihre Antwort.<br />
„Danke – nein, lieber nicht.“<br />
Die Erleichterung bringt ihn ins Wanken. Er bewundert das Mädchen. Nicht alle haben diesen Überlebensinstinkt.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Sind Zombies literaturfähig?</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jul 2009 08:47:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Wirt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein österreichischer Literatur-Wettbewerb stellt Zombies in den Mittelpunkt. Hey, warum nicht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Night_of_the_Living_Dead?uselang=de"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1152" title="Night of the living Dead" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/zombies_nightofthelivingdead-250x250.jpg" alt="Night of the living Dead" width="250" height="250" /></a>Neulich schrieb ich in einem Nebensatz</strong> etwas wie <em>&#8220;fanden das so großartig, als hätte soeben Jesu Wiederkehr stattgefunden&#8221;</em>. Da ich mir inzwischen kaum noch selbst traue, was die Korrektheit solcher Wendungen angeht, prüfte ich das mal nach. Unter dem Eintrag &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parusie" target="_blank">Parusie</a>&#8221; findet sich bei Wikipedia neben der Erklärung &#8220;<em>In der christlichen Theologie bezeichnet Parusie &#8230; die erwartete <strong>Wiederkunft Jesu Christi</strong> am Jüngsten Tag&#8221;</em> auch folgender Hinweis:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Bedeutung: Nach christlicher Auffassung werden dann alle Toten auferstehen.&#8221;</strong></p></blockquote>
<p><strong>Was das nun aber konkret bedeute,</strong> darüber bestehe ein relativ breites Meinungsspektrum im Christentum, heißt es in Wikipedia weiter. Wer in seiner <strong>sündigen Jugend</strong> den einen oder andere Zombie-Streifen im Rahmen eines Chips-und-Bacardi-Videoabends mit seinen Kumpels gesehen hat, weiß hingegen sofort, was gemeint ist: <em>Sie kommen, um uns zu holen.</em></p>
<p><strong>Zombies sind so eine Sache</strong>. Die meisten halten sie für ein Stück <strong>Schundkultur</strong>. Und doch ist die Mutter aller Zombie-Filme, der inzwischen gemeinfreie &#8216;<em>Die Nacht der lebenden Toten&#8217; (<a href="http://www.archive.org/details/night_of_the_living_dead" target="_blank">Night of the Living Dead</a>)</em> Teil der Filmsammlung des Museum of <a href="http://www.moma.org/" target="_blank">Modern Art</a>. Und Genre-Kenner werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die besseren Filme stets eine Bedeutung haben, die über den handlungslastigen Existenzkampf der Protagonisten hinausreicht: Militärs, die sich unverhältnismäßig verhalten; Wissenschaft, die Grenzen übertritt; oder Gesellschaftskritik wie bei den Untoten aus &#8216;<em>Zombies im Kaufhaus&#8217; (<a href="http://www.imdb.com/title/tt0077402/" target="_blank">Dawn of the Dead</a></em><em>)</em>, die äußerlich kaum von normalen Shoppenden &#8211; uns <em>Konsum-Zombies</em> - zu unterscheiden sind.</p>
<p><strong>Der langen Rede kurzer Sinn</strong>: Das österreichische <strong>Popkultur-Magazin </strong><a href="http://www.evolver.at/" target="_blank"><strong>EVOLVER</strong></a> startet unter dem Titel <a href="http://www.evolver.at/stories/EVOLVER_Literaturwettbewerb_05_09/" target="_blank">You´re coming to get us!</a> einen <a href="http://www.evolver.at/stories/EVOLVER_Literaturwettbewerb_05_09/" target="_blank"><strong>Zombie-Literaturwettbewerb</strong></a>. Dessen Jury gehört auch euer geliebter Kaschemmenwirt an, denn es geht um Zombie-<strong>Literatur</strong>. Und das ist verlangt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Eine Zombie-Geschichte. Eine, die Hand und Fuß hat (mögen die auch noch so verwest sein). Vielleicht sogar eine, die sich in heimischen Gefilden abspielt.&#8221;</p></blockquote>
<p>Eben. Es muß ja nicht immer Amerika sein. Genaueres <a href="http://www.evolver.at/stories/EVOLVER_Literaturwettbewerb_05_09/" target="_blank">hier</a>. Also nichts wie hin!</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/evolver_zombie_literatur_wettbewerb.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1151" title="evolver.at - Zombie-Literaturwettbewerb" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/evolver_zombie_literatur_wettbewerb.jpg" alt="evolver.at - Zombie-Literaturwettbewerb" width="580" height="361" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Für die Kinder</title>
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		<pubDate>Sun, 10 May 2009 22:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hier gab es sie alle: Junge, aufstrebende Literaturstudenten, die schon heimlich ihre Dankesrede für den Nobelpreis geschrieben hatten oder die verträumten Boulevard-Zeitschriften-Dichter, die Posie für ihre Blumentapete schrieben. Es gab Schreiber, die Kredite aufgenommen hatten, damit sie ihre Book-on-Demand Bücher in den Druck geben konnten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>“Warum schreiben wir? Wie oft hat sich das schon einer von euch gefragt? Geht es um die Dinge, die wir nicht vergessen können &#8211; oder wollen? Dinge, die wir nicht verstehen und….” Der Professor ließ seinen Kopf nach unten fallen, um über seine runde Brille schauen zu können, und zog die Augenbrauen hoch. Die Falten auf seiner Stirn waren so tief, dass man dachte, jemand hätte sie mit einem Messer in die Haut geritzt. Ein junger Teilnehmer des Schreibkurses, der weiter vorne saß hatte seine Hand gehoben.</p>
<p>“Ja bitte”, sagte der Professor und deutet auf den jungen Mann in der zweiten Reihe, der seinen Arm nun wieder runternehmen konnte.<br />
“Ich hab Angst vor Papier”, sagte der junge Typ verlegen.<br />
“Was hat das mit meiner Frage zu tun?”<br />
“Das nennt man Papyrophobie”, rief einer von ganz hinten.<br />
Paul mit dem Schnurrbart fing an zu lachen.<br />
“Der hat ja voll einen an der Waffel” platzte es aus ihm heraus.<br />
Der Typ aus der zweiten Reihe drehte sich zu Paul.<br />
“Was ist denn da so komisch dran?”<br />
“Nun lasst uns doch mal bitte zu meiner Frage zurückkehren.” Der Professor bat wieder um Aufmerksamkeit und klopfte mit seinem Stift auf das Pult.<br />
“Um unserer Fantasie ein Forum zu geben?”, rief ein anderer dazwischen.<br />
Der Professor nickte nicht ganz unzufrieden.<br />
“Um nicht zu vergessen”, sagte ein junges Mädchen aus der ersten Reihe.<br />
“Gut möglich”, so der Professor.<br />
“Weil wir nichts anderes können”, sagte ich ohne meinen Arm zu heben.</p>
<p>Unruhe kam auf. Einer sagte, dass es mit Sicherheit noch viel mehr gebe, dass er gut beherrschen würde, aber das Schreiben würde ihn halt reizen. Ein weiterer Teilnehmer machte auf das instinktive menschliche Verlangen, sich mitzuteilen, aufmerksam, während ein älterer Typ seine Brille zurecht rückte und noch hinzufügte, dass es auch den Reiz, nicht vergessen zu werden, in sich berge.<br />
“Das hab ich doch gerade gesagt”, sagte das Mädchen aus der ersten Reihe und drehte sich um.<br />
“Du hast gesagt, um nicht zu vergessen … nicht vergessen zu werden ist aber was ganz anderes”, antwortete der Typ mit der Brille prompt.<br />
“Glaubst du denn wirklich in hundert Jahren liest noch einer deine Geschichten?”, fragte das Mädchen kess.<br />
“In hundert vielleicht nicht, aber…” Der mit der Brille stockte und dachte nochmal eine Sekunde darüber nach. “Ja, warum denn nicht?”<br />
Das Mädchen drehte sich wieder zum Pult und lachte.<br />
“Ha, das Vierauge denkt, er wäre ein Apostel.”<br />
“Was ist denn das für eine schwachsinnige Aussage”, feuerte er gleich zurück.<br />
“Kinder, Kinder”, rief der Professor ins Klassenzimmer und hielt die Hände ermahnend hoch, “Wir wollen uns doch hier nicht gegenseitig die Motivation stehlen. Ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen.”<br />
“Ich hab die 75 Euro im Voraus bezahlt, gibt es die Möglichkeit, einen Teil davon wieder zubekommen, sagen wir mal, wenn man mit dem Seminar nicht zufrieden war?”, fragte Paul ganz beiläufig.<br />
“Das steht hier nicht zu Debatte, jeder von ihnen wird hier schon auf seine Kosten kommen”, versicherte uns der Professor.</p>
<p>Hier gab es sie alle: Junge, aufstrebende Literaturstudenten, die schon heimlich ihre Dankesrede für den Nobelpreis geschrieben hatten oder die verträumten Boulevard-Zeitschriften-Dichter, die Poesie für ihre Blumentapete schrieben. Es gab Schreiber, die Kredite aufgenommen hatten, damit sie ihre Book-on-Demand Bücher in den Druck geben konnten, um dann jeder Tussi im Bekanntenkreis von ihrer Autorenkarriere zu berichten. Eine junge Frau saß an einem Tisch in der Ecke des Raumes. Sie trug eine Brille mit schwarzem Gestell und stellte dauernd Fragen nach der Philosophie des Schreibens. Sie lächelte so gut wie nie und kümmerte sich stets um den korrekten Sitz ihres spitzen Kragens. Sie hatte eine lange Nase, ein sehr schmales Gesicht, das von dunkel-blonden Locken umgeben war. Im Sarah Jessica Parker Double Contest hätte ich ihr auf jeden Fall das Halbfinale zugetraut. In jüngeren Jahren war sie bestimmt mal die Herausgeberin der Schüler-Frauenzeitschrift, die in jeder zweiten Ausgabe ein Gratis-Kondom mit herausbrachte. Ficken ja, aber verlieben nein, denn Männer sind ja sowieso alles Arschlöcher und wir emanzipierten Frauen mit Designerbrillen und Zehner-Karte fürs Fitness-Center mit Gratis-Protein-Shake im Monat, haben etwas Besseres verdient. Hier saß ich nun und trauerte meinen 75 Euro nach. Das ich mich zur Teilnahme an diesem Kurs entschieden hatte, war mehr oder minder eine Kurzschlussreaktion gewesen. Ich saß zu Hause herum, blätterte durch meine Absagen zahlreicher Verlagshäuser und dachte mir, dass ich es vielleicht mal über einen akademischen Umweg versuchen sollte. Wie viele Schreiber hatten es denn schließlich schon von der Straße geschafft? Nicht jeder wird ein Bukowski, ein John Fante oder ein Hubert Selby Jr. Diese Leute haben doch den vielen verlorenen Schreiberseelen den ganzen Mist erst eingebrockt. Ich sehe diese verzweifelten Schreiberlinge vor meinem geistigen Auge: sie sitzen zu Hause, leeren eine Flasche Bier nach der anderen, schreiben von ihren Tagen in der Gosse und hoffen auf ihren großen Durchbruch. Fante hat&#8217;s geschafft. Dann pack ich das auch! Ich sollte vielleicht einfach eine Geschichte schreiben, sie zwanzigtausend Mal ausdrucken und dann die Blätter in der Innenstadt verteilen. Vielleicht kommt ja jemand daher und erzählt mir was für ein unglaubliches Talent ich doch besitze. Dann lächele ich und fühle mich geschmeichelt. Oh, Mann. Ich sollte vielleicht auch mal meinen Arm heben und eine Frage stellen. Schließlich habe ich einiges hingeblättert für diesen Kurs.</p>
<p>Ich hob meinen Arm und kurz darauf nahm mich der Professor auch schon dran.<br />
&#8220;Wann, denken Sie, ist der Punkt gekommen, an dem man sich eingestehen sollte, dass man es einfach nicht drauf hat?&#8221;, fragte ich und der Professor schaute nachdenklich zu Boden. Mit einer müden Bewegung stand er auf und trottete langsam durch den Raum. Er nahm seine Brille ab und begann auf dem Gestell herum zu kauen. Er bemerkte meine negative Haltung zu der ganzen Sache und wollte nun einmal mehr das Boot vor dem sicheren Untergang bewahren. Er atmete tief ein, kratzte sich die Stirn und machte seinen gekrümmten Rücken gerade. Er stand da, als wäre er im Begriff, vor der ganzen Nation die Nationalhymne zu singen, doch stattdessen sagte er einfach nur in lakonischer Art: &#8220;Jedem ist es selbst überlassen, wann er aufgeben will, aber raten würde ich es keinem.&#8221;</p>
<p>Ich war mit der Antwort nicht sonderlich zufrieden, aber wahrscheinlich wäre ich mit keiner Antwort zufrieden gewesen. Jeder schaute in diesem Moment auf zu unserem Kursleiter wie zu einem Fremdenführer, der uns aus der trostlosen Wüste hinein ins gelobte Land führen sollte. Doch dieser Führer hatte eigentlich gar keine Ahnung. Er wusste nicht mehr als wir. Jeder hier wusste eigentlich gar nichts und doch nahm er sich das Recht eines angehenden Fachmanns heraus. Wir waren doch nichts. Wir schrieben auch nichts. Wir sagten auch nichts. Wir verbrachten nur unsere gottgegebene Zeit hier und stierten Löcher in die Luft.</p>
<p>&#8220;Lasst uns eine Geschichte schreiben&#8221;, sagte der Professor schließlich und gab uns als Hausaufgabe für den nächsten Tag eine Geschichte ohne irgendeinen Themenbezug auf. Alle verabschiedeten sich und schmiedeten schon heimlich Pläne, wie man wohl am morgigen Tag den gesamten Kurs mit einer fetzigen Geschichte weghauen könnte. Ich ging nach Hause, trank zwei Flaschen Wein und machte mich an die Arbeit. Bis zu der Sekunde, in der ich vor den anderen Schreibern in spe den Text vortrug war mir eigentlich nicht ganz bewusst, was ich überhaupt geschrieben hatte. Ich setzte an und las vor. Immer wieder verdrehten die Leute im Kurs die Augen oder fingen an zu lachen, während ich vorlas. Dann war es irgendwann zu Ende und überraschenderweise blieb der Applaus aus. Vielleicht hätte ich vorher dem Kursleiter etwas besser folgen und den einen oder anderen Hinweis zur Kenntnis nehmen sollen.</p>
<p>&#8220;Deine Geschichte ergibt doch überhaupt keinen Sinn&#8221;, sagte Paul zu mir und ich lächelte.<br />
&#8220;Der tiefere Sinn steckt im zweiten Absatz&#8221;, sagte ich und versicherte mich selbst nochmal. Ja, genau dort lag er verborgen. Aber das versteht ihr alle nicht. Ich nehm mir jetzt mein Robert-Frost-Gedichtebuch, stell mich in die Ecke und höre einfach nicht mehr zu. Da lerne ich doch bestimmt mehr, als in dieser inkompetenten Runde hier. Doch lasst mich vor meinem großen Abtritt noch einmal kurz jemanden zitieren. Ja, ein Zitat. Das passt hier so wunderbar her. Ich zitiere also Bertolt Brecht: <em>So mancher wollt so manches haben was für manchen gar nicht gab: Er wollt sich schlau ein Schlupfloch graben und grub sich nur ein frühes Grab.</em></p>
<p>&#8220;Der nächste, bitte&#8221;, sagte der Professor und die Blümchentapeten-Dichterin legte los. Nach der Vortragsstunde bat der Professor jeden von uns zu einem persönlichen, abschließenden Gespräch zu sich ins Büro.<br />
&#8220;Herr &#8230; ,&#8221; begann er und versuchte sich zu erinnern.<br />
&#8220;Nennen Sie mich wie Sie wollen.&#8221;<br />
&#8220;Genau da liegt das Problem.&#8221;<br />
Er goss sich Kaffee aus der Kanne in seine Peanuts-Tasse und begann ein paar Zuckertüten aufzureißen. Das Büro wirkte auf mich mehr wie eine kleine Kantine, als ein Büro. Ein Kühlschrank, eine Mikrowelle, Elektroherd, frische Weintrauben in einer mit Wasser gefüllten Schale, Bananen, glänzende Kirschen in einem Schälchen. Ein kleines Schlaraffenland mit einem schmalen Schreibtisch, einem hölzernen Stuhl davor und ein gerahmtes Mark Rothko Bild an der Wand, das hier ungefähr so gut reinpasste wie der Teufel in den Petersdom.<br />
&#8220;Also, Herr &#8230; .&#8221; Der Professor schob seine Brille hoch. &#8220;Wie spricht man das aus?&#8221;<br />
&#8220;Hat ihnen meine Geschichte gefallen?&#8221; fragte ich.<br />
&#8220;Im Großen und Ganzen &#8230; sagen wir mal &#8230; ja.&#8221;<br />
Ich schmunzelte und trauerte einmal mehr meinen 75 Euro nach.<br />
&#8220;Das Problem mit ihrem Text ist, dass ich nicht sonderlich schlau daraus werde.&#8221;<br />
&#8220;Ach ja?&#8221;<br />
&#8220;Was soll er aussagen und für wen soll er geschrieben sein?&#8221;<br />
&#8220;Sie meinen so eine Art Botschaft?&#8221;<br />
&#8220;Genau. Wie jede Geschichte sie hat.&#8221;<br />
&#8220;Könnte es nicht sein, dass Sie die Botschaft einfach nicht bemerkt haben?&#8221;<br />
&#8220;Aber wenn ich sie nicht bemerke, dann haben Sie doch irgendwie das Ziel verfehlt.&#8221;<br />
&#8220;Das Problem ist wohl, dass, und nun sind wir beim zweiten Punkt, den Sie angesprochen haben, meine Zielgruppe wahrscheinlich nicht aus solch hochangesehenen, akademischen Schwergewichtlern besteht.&#8221;<br />
&#8220;Und wer ist Ihre Zielgruppe? Für wen schreiben Sie?&#8221; fragte er abschließend und nahm seine Brille ab.<br />
Ich ging einen Moment in mich und überlegte mir, ihm eine Antwort darauf zu geben, aber ich dachte mir, er wird vielleicht selbst früher oder später darauf kommen oder er wird mich einfach vergessen. Keine fünf Sekunden nachdem ich aus der Tür bin, wird er schon den nächsten Kursteilnehmer zu sich herein bitten und ihn mit ähnlichen Kritikpunkten konfrontieren, ohne auch nur einen Funken Erinnerungsvermögen an mich zu verschwenden.</p>
<p>&#8220;Kann ich mir eine Banane mitnehmen?&#8221;, fragte ich höflich, und in seiner Perplexität brachte er es nur zu einem Nicken. Ich griff mir das Obst, begann schon beim Hinausgehen mit dem Schälen und verschwand.<br />
&#8220;Vielen Dank und viel Glück noch&#8221;, sagte ich und biss zu.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Schuld</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 19:15:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf dem Waldboden liegt ein Teppich aus Moosen, Blumen und Gräsern, und in der Nähe rauscht ein Bach. Und plötzlich steht ein Junge vor ihm, ein Junge wie er.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da steht er vor ihm, der Wald, die Gehölzgesellschaft, da steht er nun davor, vor dem Wald, vor dem ihm Großmutter so oft gewarnt hatte. Und dann ist er drin im Wald, trotz der Warnungen, trotz der Furcht vor dem dunklen, undurchdringlichen Dickicht. Vor einem Jahr hätte er sich das noch nicht getraut, vor einem Jahr und in den Jahren davor, während der Sommerferien, die er bei Großmutter auf dem Land verbrachte. Da hatte er noch an die Märchen vom schwarzen Mann geglaubt, vom Kinderfresser und von den Seelen seiner Opfer, die durch den Wald geisterten.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/wald_350.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/wald_350.jpg" alt="wald_350" title="wald_350" width="350" height="250" class="alignright size-full wp-image-1065" /></a>Buchen und Eichen zu beiden Seiten des Feldwegs, Baumstämme wie hohe, braune Pfeiler und Kronen wie lichte grüne Kirchenkuppeln. Auf dem Waldboden liegt ein Teppich aus Moosen, Blumen und Gräsern, und in der Nähe rauscht ein Bach. Und plötzlich steht ein Junge vor ihm, ein Junge wie er, wie aus dem Gesicht geschnitten, er steht da und lächelt. „Keine Angst“, sagt sein Ebenbild, „ich bin auf deiner Seite!“</p>
<p>Die Jungen setzen sich an den Bach. Der eine erzählt seine Geschichte, er erzählt die Geschichte vom Alleinsein, von der Einsamkeit in der Stadt. „Hat dich jemand in den Wald gehen sehen?“ unterbricht ihn der Waldjunge plötzlich. Noch ehe der andere den Kopf schütteln, noch ehe er verneinen kann, knackt es hinter ihnen. Und als sie sich umdrehen, sehen sie die Dorfgemeinschaft, sie sehen hundert, zweihundert Menschen auf sich zukommen. Die Großmutter tritt aus dem Pulk heraus und giftet: „Ich habe dir hundertmal gesagt, wer in den Wald geht, kommt nicht wieder heraus. Ich habe dich hundertmal gewarnt, du aber konntest nicht gehorchen.“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Mehr gab&#8217;s nicht</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Apr 2009 05:01:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich setzte den Stift ab und visierte den oberen Teil der Serviette an. Hier fang ich an. Hier kommt das erste Wort hin. Ich könnte ja was über den Kellner schreiben und sein unmögliches Verhalten, der ist nämlich gar nicht so scheiß-freundlich, sondern gierig auf das Trinkgeld.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte Angst, aber das muss ja nicht unbedingt was heißen. Jeder hat mal Angst. So wie jeder Mensch Fieber kriegt. Dann zitterst du und hoffst, dass es dir bald wieder besser geht. Angst hast du an den schönsten Tagen deines Lebens. Doch sie kommt und geht wie ein Regenschauer. Du wirst nass und suchst nach Schutz. Angst hat jeder. Wenn man dein Gehalt kürzt, oder erst gar keine Arbeit findet, oder wenn man dir eine Pistole an die Stirn drückt, oder wenn du draußen in einem Café sitzt und nach deinem Kleingeld suchst, das du nicht mehr hast. Die Angst kommt ohne dich zu warnen, so wie der Kellner, der plötzlich neben mir stand und sich dezent vorbeugte.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/kaffeehaus_350x250.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1029" title="kaffeehaus_350x250" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/kaffeehaus_350x250-250x250.jpg" alt="kaffeehaus_350x250" width="250" height="250" /></a>“Möchten Sie denn noch was trinken?”<br />
Nein, verdammt, ich kann ja noch nicht mal den Kaffee hier bezahlen.<br />
“Ja, ich hätte noch gerne einen Weinbrand.”<br />
“Sehr wohl.”</p>
<p>Der Kellner verließ mich und ich faltete weiter mit nervösen Fingern meine Serviette. Ob man hier mal einen Stift bekommen könnte, damit ich endlich das Falten sein lassen und stattdessen was auf die Serviette schreiben kann? Der Kellner kam wieder und drehte sich auf seinen flachen Gummiabsätzen zu mir, um sich ganz dezent dem Weinbrandglas zu entledigen.</p>
<p>“Bitte, ein Weinbrand.”<br />
“Danke. Haben Sie vielleicht einen Stift zur Hand?”<br />
“Aber junger Mann, ich bin doch der Kellner. Natürlich habe ich einen Stift.”<br />
Er lachte penetrant und zog ganz fix einen Stift aus seiner Tasche.<br />
“Bitte, ein Stift.”<br />
“Mehr brauch ich nicht.”<br />
“Natürlich.”</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/kaffeehaus_350x250.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1029" title="kaffeehaus_350x250" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/kaffeehaus_350x250-250x250.jpg" alt="kaffeehaus_350x250" width="250" height="250" /></a>Der Kellner verschwand wieder und ich faltete die Serviette sorgfältig auf. Ich testete die Tauglichkeit des Stiftes in der Ecke der Serviette und sah mit an, wie sich der schwarze Streifen von der Miene aus über das weiße Tuch lang zog. Ich setzte den Stift ab und visierte den oberen Teil der Serviette an. Hier fang ich an. Hier kommt das erste Wort hin. Ich könnte ja was über den Kellner schreiben und sein unmögliches Verhalten, der ist nämlich gar nicht so scheiß-freundlich, sondern gierig auf das Trinkgeld. Das ist ne ganz linke Sau, wie er nämlich vorhin raus kam und die dicke Blondine dort in der Ecke wie ein Triebtäter angestarrt hat, gingen im wahrscheinlich die perversesten Gedanken durch den Kopf. Ja, er kam dann ein wenig später wieder raus und schmiss sich sofort an sie ran, ging ihr mit der Hand sogar an den Busen und sie hat sich das einfach so gefallen lassen. Weder er noch sie waren es wert, auf diese Serviette zu kommen. Ich blickte mich um und ließ mich von den anderen Gästen inspirieren. Ein Ehepaar, das während des Essens nicht einen Ton von sich gab. Er ist Bankdirektor und sie die strahlende Hausfrau. Nein, die werden sich hier auch nicht auf dem Weiß wieder finden. Da saßen noch andere, ein junger Mann mit Brille, der sich nach jedem Griff an die Gabel die Finger abwischte und dann wieder links in seinem Männermagazin las, während seine Autoschlüssel mit dem goldenen Mercedesanhänger die Seiten vorm Wind schützte. Du hast auch verschissen. Ja und mehr gab’s auch nicht mehr. Ich glaub ich steh jetzt auf und hau ab.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Straßenrand (Rückschnitt)</title>
		<link>http://kaschemme.de/2008/12/strasenrand-ruckschnitt/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Dec 2008 22:23:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tjbeck</dc:creator>
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		<category><![CDATA[angst]]></category>
		<category><![CDATA[feiertage]]></category>
		<category><![CDATA[oben]]></category>
		<category><![CDATA[tristesse]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Weihnachtsabend 1997 fuhr ich zu meiner Freundin, um ihr ihr Geschenk zu  geben und um sie zu sehen. Um ca. 18.00 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2008/12/xmas_350x250.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2008/12/xmas_350x250.jpg" alt="xmas_350x250" title="xmas_350x250" width="350" height="250" class="alignright size-full wp-image-888" /></a>Am Weihnachtsabend 1997 fuhr ich zu meiner Freundin, um ihr ihr Geschenk zu geben und um sie zu sehen. Um ca. 18.00 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. Irgendwie hatte ich nicht mehr allzu viel vom Weihnachtsfest zu erwarten und schon zwei von den 25 Kilometer gefahren, denke ich mir, dass der Weihnachtsabend immer schon etwas Besonderes gewesen ist. Ein breites Wonnegefühl macht sich in mir breit: Ich bin ergriffen, zufrieden und im Innersten ruhig, grundlos. In der Erwartung eines unbeschreiblichen Ereignisses. Ich fahre und warte, auf eine Art von Zeichen, weil Weihnachten ist und ich bin mir sicher: Es wird geschehen. Noch in solchen Gefühlen und gedankenversunken, fahre ich Richtung nächster Ortschaft . Von weiten sehe ich rechts jemanden stehen. Es ist ein Anhalter. Ob es das ist? Ich weiß nicht ob es diese gespannte Erwartung, dass etwas passieren werde oder doch die Abenteuerlust war: Nach 500 Meter drehe ich um, fahre einen Kreis und stehe vor ihm. Es regnet und ich glaube, eine wirklich gute Tat zu tun, wie ich ihn ins Auto lasse. Natürlich habe ich in dem Moment Angst. Zuvor schon habe ich mir Gedanken über Kriminelle gemacht. Meine linke Hand am CS-Gas. Er steigt ein. Er sagt hallo. Er riecht furchtbar nach Alkohol. Mein Puls ist ziemlich nach oben und ich atme flach. &#8220;Wo wollen sie denn hin?&#8221; Er will in die nächste Ortschaft, sich mit Freunden treffen, sonst wäre er alleine heute. Er sitzt neben mir. Ihm ist sicher schon von Anfang an aufgefallen, wie nervös ich bin. Er richtet seine Jackentasche, in der er seine Hand hat, auf mich. Mir bleibt das Herz stehen. Ein verschmitztes Grinsen in seinem Gesicht. Was für ein Schrecken! So ein Arschloch. Wir unterhalten uns, was er macht, was ich mache usw. Das Wirtshaus in der nächsten Ortschaft hat geschlossen. Ich nehme ihn die 20km mit nach Bamberg, zum Bahnhof, weil halt Weihnachten ist. Ich fühle mich so toll. Er erzählt Dinge wie: Wenn er noch mal jung wäre, er würde nach Indien zu Mutter Theresa gehen, um den Armen zu helfen. Es klingt ein wenig märchenhaft. Ich denke nach. Am Bahnhof sitzen wir noch eine Weile im Auto, des Gesprächs wegen. Er hat mir so viel zu sagen. Noch ein paar Minuten und ich werde froh sein, seine Alkoholfahne nicht mehr riechen zu müssen. Er steigt aus: &#8220;Frohe Weihnachten!&#8221; &#8220;Frohe Weihnachten!&#8221; Der restliche Abend zu Hause und in der Kirche war eher langweilig.</p>]]></content:encoded>
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