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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; idylle</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Ein erfülltes Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 05:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich machte dort weiter, wo ich letzte Nacht irgendwann gegen Viertel vor 4 aufgehört hatte. Jede Nacht holte ich mir zwei Dosen Bier verfeinert mit Ginseng, Taurin und Erdbeerextrakten und las auf dem Boden sitzend den schwarzen Himmel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich saß um kurz nach 3 Uhr morgens auf dem Bordstein vor dem Supermarkt und biss gierig in den Schokoriegel. Ich dachte an meine Fahrt auf dem Fahrrad hier her, die schmalen leeren Gehwege entlang mit den Autos, die links an mir vorbeizogen. Darin saßen ihre Fahrer auf dem Weg zu ihren warmen Apartments oder Häusern. Dort wo ihre Freunde oder die Familie auf sie warteten um zu trinken, zu reden und Partys zu feiern. Ich feierte für mich selber, den kalten Abend, entlang den hart arbeiteten Sprinklern, die auβer den Rasenflächen vor den Häusern auch meine Hosenbeine bespritzten. Verdammt. Die Autofahrer hatten ihre Scheibenwischer, ich hatte die feuchten Bremsspuren. Die hatten die warmen vollen Häuser, ich hatte die dunklen leeren Gassen.</p>
<p>Ich aβ meinen Riegel auf und steckte mir eine Zigarette an. Mein Fahrrad stand drüben an dem Pfeiler, der eine Reklametafel hielt, angelehnt, zwischen den ganzen Autos meiner Mitarbeiter. Einmal mehr spielte ich mit dem Gedanken, auf den feuchten Sattel zu springen und einfach nach Hause zu fahren. Scheiß doch auf alles. Dieser Job war es nicht wert zu leiden. Ich rauchte auf und ging zurück in den Markt.</p>
<p>Bevor es zehn Uhr war, hatte ich Frühstück und Mittag gegessen und setzte den Tag mit kanadischem Whisky für 9 Dollar die Flasche fort. Ich machte dort weiter, wo ich letzte Nacht irgendwann gegen Viertel vor 4 aufgehört hatte. Jede Nacht holte ich mir zwei Dosen Bier verfeinert mit Ginseng, Taurin und Erdbeerextrakten und las auf dem Boden sitzend den schwarzen Himmel. Keine Sterne, nur der Vollmond, der zwischen den Palmen, die am Straßenrand standen hindurch strahlte. Was tat ich hier? Jede Nacht war dieselbe Nacht und jede Nacht war derselbe passive Wutanfall, der in Form eines Rülpsers nach draußen brach. Jede Nacht zählte ich die Sekunden und sehnte mich dem Feierabend entgegen, nur um nach Hause zu fahren, dort noch ein Bier zu trinken und dann todmüde zum nächsten Job, der sowieso nicht genug Geld einbrachte zu eilen. Vielleicht war es an der Zeit für eine Veränderung? Nein, ich denke, diese war schon lange überfällig.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1355" title="nachtmarkt" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/nachtmarkt-250x250.jpg" alt="nachtmarkt" width="250" height="250" />Nachts füllte ich die Regale im Vierundzwanzig-Stunden-Supermarkt, tagsüber saß ich dann zu Hause, rauchte eine Zigarette nach der anderen und sah wie das Bier und der Whisky immer weniger wurde, bis schließlich nichts mehr da war, nur die Müdigkeit, die es mir versagte, noch mal los zu ziehen, um Nachschub zu holen. Bald war der zweite Job dahin.</p>
<p>Es war ein Montagmorgen. Ich legte mich aufs Sofa und döste vor mich hin. Ich stand wieder auf, tippte ein paar Zeilen und spielte ein wenig Musik. Kein Buch, das ich begonnen hatte, war fertig, und ich hatte das Gefühl, mir lief die Zeit davon. Zu viele Jahre waren schon verschenkt, doch den Jahren war es egal. Die zogen vorbei wie die Wagen und Flugzeuge jede Nacht, in denen ich hätte sitzen können auf dem Weg in die lohnende Erleichterung, die sich von der Seligkeit nährte. Alles nur dummer Idealismus. Ein Traum - mal wieder. Ein weiterer Traum, der eine Nummer zog und brennend darauf wartete erfüllt zu werden. Wie sah denn die Realität aus? Zu wenig Schlaf, zu wenig fertige Bücher, zu wenig Geld und zu viel Alkohol. Ende.</p>
<p>Die Tage gingen so dahin. Ich schaute mir koreanisches Glücksrad im Fernsehen an. Ich hatte mir zwei Pizzabrote für drei Dollar besorgt und kaute nun auf der flauen Salamischeibe herum und hoffte, dass ich bald satt sein würde. Das ganze Ding würde ich nie und nimmer runter bekommen. Der Käse schmeckte nach abgestandener Milch und die Wurst nach Salz und das war‘s. Bloß schnell den Magen voll kriegen, dann eine rauchen und anschließend vor dem Fernseher einschlafen bis der Wecker klingelt.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Vatermörder</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 05:43:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
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		<description><![CDATA[Warten vor der Residenzverwaltung, Blick auf die Speisekarte: Montag Putengeschnetzeltes auf Curryreis, Obst nach Saison, Dienstag Obst nach Saison, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warten vor der Residenzverwaltung, Blick auf die Speisekarte: Montag Putengeschnetzeltes auf Curryreis, Obst nach Saison, Dienstag Obst nach Saison, Mittwoch... ich habe die  Plastikhaube abgehoben und eine Mandarine entdeckt, ich glaube, sie hat sich vor mir erschreckt – eine verlorene schreckhafte Mandarine auf einer runden Plastikplatte, groß genug für eine Torte.</p>
<p>Die Residenz nimmt zwei Stockwerke in einem Neubau ein, der Residenzverwalter ist ein glatter Aal, er schwamm vom Sargasso-Meer bis in einen Schlickgraben vor der Stadt, aus dem er sich herausschlängelte, um ein Mensch zu werden. Sein Büro riecht nicht nach Tod, es riecht nach den Plastikpflanzen, die vor dem Fenster stehen und vom Blühen träumen. Nein, ich möchte nichts trinken, schon wieder, überall die giftgrünen Selterflaschen, für Babynahrung geeignet, auf den Fluren, in den Zimmern, unten im Foyer der Residenz stapeln sie sich kistenweise, alle Gäste der Residenz setzen ihr Gedärm unter kohlensaures Wasser, damit sie nicht austrocknen.</p>
<p>Die Formalitäten, der Aal lacht wie ein Aal eben lacht - Finanzstatus, Gesundheitsstatus, Familienstatus, Statusdenken einmal anders, Endstatusdenken. Vor mir Formulare, daneben ein Montblanc-Kugelschreiber. Ich kann alles unterschreiben für meinen Vater, ich frage ihn, warum die Alten hier so still sind, ich will vom Aal wissen, ob die Alten mit sehenden Augen tot sind. Er windet sich, er kriecht über seinen Kugelschreiber auf mich zu. Die Mandarine steckt noch in meiner Manteltasche, sie sollte es gemütlich haben. Ich nehme sie heraus, ich zerquetsche sie, der Saft tropft auf die Anträge, der Aal zuckt zurück, blitzschnell kriecht er an der Knopfleiste des weißen Oberhemds auf den Hals zu, auf den offenen Mund, auf das schwarze Loch zu. Bevor ich gehe, nehme ich die Selterflasche und gieße die Blumen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Anblick…</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/11/anblick/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 22:02:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Augenblick]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>

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		<description><![CDATA["In solche Augen möcht ich manchmal schauen: / die irgendetwas wissen und nicht flunkern, ..."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In solche Augen möcht ich manchmal schauen:<br />
die irgendetwas wissen und nicht flunkern,<br />
die eine große Sehnsucht in sich bunkern<br />
und die so schön sind wie ein Morgengrauen.</p>
<p>Ich möchte ihren Blick mit Rausch betrachten,<br />
vielleicht, dass sie sich an mir kurz erschrecken,<br />
und möchte dann dies sanfte Glitzern schmecken,<br />
wenn sie sich in Beruhigung umnachten. </p>
<p>(28. Oktober 2009)</p>]]></content:encoded>
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		<title>In Stadt und Land</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/11/in-stadt-und-land/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 22:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich gehe in das Land hinein und sehe. Ich gehe in die Stadt hinein und sehe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gehe in das Land hinein und sehe Kühe und Ochsen, hinter Zäunen, die Neuigkeiten von gestern und vorgestern wiederkäuend. Ich sehe Hirten, gewissenhaft ihrem Beruf nachgehend, auf dass sich nichts und niemand über Zäune und Gesetze hinwegsetze. Und ich sehe Seher, die nur sich selbst sehen, Seher mit beschlagenen Brillen auf den Nasen. Sie alle, Kühe und Ochsen, Hirten und Seher, bewundern ihre Spiegelbilder, sie lieben sich abgöttisch, in einer endlosen Kette von Orgasmen vergehend, jauchzend und frohlockend.</p>
<p>Ich gehe in die Stadt hinein und sehe Kühe und Ochsen, hinter Zäunen, die Neuigkeiten von gestern und vorgestern wiederkäuend. Ich sehe Hirten, gewissenhaft ihrem Beruf nachgehend, auf dass sich nichts und niemand über Zäune und Gesetze hinwegsetze. Und ich sehe Seher, die nur sich selbst sehen, Seher mit beschlagenen Brillen auf den Nasen. Sie alle, Kühe und Ochsen, Hirten und Seher, bewundern ihre Spiegelbilder, sie lieben sich abgöttisch, in einer endlosen Kette von Orgasmen vergehend, jauchzend und frohlockend.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Feierabend…</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/10/feierabend/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 05:02:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich geh nach Haus. Die Gasse schweigt wie tot.
Und Fenster blicken müde aus St. Nikolai.
Im Hinterhof: Geruch von frischem Brot,
entwichen aus der nahen Bäckerei.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/gasse_nachts.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1187" title="gasse_nachts" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/gasse_nachts.jpg" alt="gasse_nachts" width="120" height="282" /></a></p>
<p>Ich geh nach Haus. Die Gasse schweigt wie tot.<br />
Und Fenster blicken müde aus St. Nikolai.<br />
Im Hinterhof: Geruch von frischem Brot,<br />
entwichen aus der nahen Bäckerei.</p>
<p>Zwei Bier im Arm. Die Außentreppe knackt.<br />
Wahrscheinlich schläfst du seit fünf Stunden schon.<br />
Und weil du weißt, ich komm noch, schläfst du sicher nackt.<br />
Ich schließ die Tür auf ohne einen Ton.</p>
<p>Die Dielen seufzen herzliches Willkommen.<br />
Es riecht nach Ingwer, Toast und irgendwas mit Huhn.<br />
Wie gern hätt ich den Zug davor genommen -<br />
indes es gab -wie oft- so viel zu tun.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Kambodschaner schläft</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/09/der-kambodschaner-schlaeft/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 05:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[apollinisch]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>
		<category><![CDATA[schuld]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Kambodschaner kann er sich unterhalten. Spark gefällt es, auf die unbewegte Miene vor ihm einzureden, er könnte sich keinen besseren Gesprächspartner vorstellen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An dem Herbsttag hält Spark vor seinem Tor. Es hat keinen Antrieb, er muss es von Hand aufmachen. Als er aus dem Auto steigt, zuckt er zusammen, ein Dröhnen, unangenehm laut – neuerdings wird das Laub der Bäume mit großen Maschinen von der Straße gesaugt. Einige Arbeiter folgen dem Ungetüm, sie kehren die Reste zu Haufen zusammen, ein trister Job.</p>
<p>Einer der Männer hat den Anschluss verloren. Er fegt den Rinnstein an der Einfahrt, so akkurat, dass Spark aufmerksam wird.<br />
„Saubere Arbeit!“, ruft er ihm zu.<br />
Der Mann dreht sich um, zeigt ein fremdländisches Gesicht, nickt unsicher.<br />
„Saubere Arbeit!“ Die Wiederholung ärgert Spark. Wie um sich zu entschuldigen spricht er den Mann noch einmal an: „Da, mein Garten.“ Er lacht verlegen. „Viel Laub, viel totes Holz. Sie... Sie könnten mir helfen, wenn Sie wollen. Natürlich gegen Bezahlung.“<br />
Es ist kein Türke, kein Russe, eher ein Chinese. </p>
<p>Ein Kambodschaner – er hat Samstag angefangen und bis Sonntagabend den ganzen Garten in Ordnung gebracht. Der hagere Mann strahlt eine faszinierende Ruhe aus, Spark ist beeindruckt. Obwohl er am Wochenende nur das Nötigste im Haushalt gemacht hat, fühlt er sich wie gerädert. Es muss an der Scheidung liegen, er kommt einfach nicht darüber hinweg. Manchmal besucht ihn eine neue Freundin, sie bleibt meistens nur für eine Nacht, bis zum Frühstück. </p>
<p>Mit dem Kambodschaner kann er sich unterhalten. Spark gefällt es, auf die unbewegte Miene vor ihm einzureden, er könnte sich keinen besseren Gesprächspartner vorstellen. Immer wieder huscht ein Ausdruck von Zustimmung, sogar von Humor über die fremden Gesichtszüge. Der Mann wird ihm von Minute zu Minute vertrauter, vielleicht kann er wirklich alles verstehen.</p>
<p>Das Gartenhaus stammt noch aus den schlechten Zeiten. Spark kann den Schlüssel nicht im Schloss herumdrehen – da sieht er neben sich die Hand des Kambodschaners. Innen riecht es muffig. Sie müssen sich durch Netze von Spinnweben hindurcharbeiten, um die Fenster zu öffnen. Der Kambodschaner schaut sich andächtig um, er berührt die Spinnennetze, als ob sie sehr kostbar wären. Spark ist nicht mehr allein. </p>
<p>Seine Freundin steht vor der Tür, eine schöne Frau, so wie er sie sich in seinen Träumen vorgestellt hat. Sie schlafen zusammen, später sehen sie fern.<br />
„Dahinten im Gartenhaus brennt Licht. Hast Du vergessen, es auszuschalten?“<br />
„Nein“, sagt Spark. „Da wohnt ein Mann, vorübergehend. Er hilft mir im Garten.“<br />
Er ahnt, dass sie sich damit nicht zufriedengeben wird.<br />
„Das passt gar nicht zu dir. Was für ein Mensch ist das?“<br />
„Ein Kambodschaner.“ In diesem Moment denkt er wieder an die Scheidung.<br />
„Wen Du alles so kennst...“ Sie schüttelt den Kopf und schaut wieder auf den Fernseher.<br />
„Er ist eben bei mir.“</p>
<p>Der Tag kommt, als Spark schreit. Es hat Ärger gegeben, er verlässt schon vormittags das Büro. In der Fußgängerzone entdeckt er seine geschiedene Frau mit seiner Tochter. Ein hübsches Mädchen, er sie hat sie so lange nicht gesehen. Seine Hand fährt hoch, sie bemerkt es nicht. Dann sieht er die Wodka-Flaschen im Schaufenster. Auf der Fahrt nach Hause nimmt er immer wieder einen kleinen Schluck. Über Nacht hat es geschneit. Spark schreit, er stiert durch das Fenster auf das schneebedeckte Dach des Gartenhauses. Der Wodka steigt ihm zu Kopf. Was macht der Kambodschaner noch hier? Seine Freundin ist auch misstrauisch. Er schiebt entschlossen die Terrassentür auf und steuert das Gartenhaus an.</p>
<p>„Warum sagst du nichts?“<br />
Aber der Kambodschaner reagiert kaum. Je lauter Spark wird desto gelassener wirkt der Fremde. Er bleibt stumm, er scheint nur überrascht zu sein.<br />
„Ich will dich nicht mehr sehen!“ Sparks Stimme schnappt über. Plötzlich ist diese Angst da, eine fürchterliche Angst, die ihn würgt. Er stürzt abrupt in die Nacht hinaus, fast wäre er lang hingeschlagen. Wie wild rennt er vor dem Kambodschaner weg, quer durch den Garten, den rettenden Eingang im Blick. Die Schnapsflasche fliegt in die Büsche. Drinnen schließt er sofort die Terrassentür ab. </p>
<p>Erst am Abend wacht Spark wieder auf. Er hält seinen Kopf unter den Wasserhahn, bis alle Gedanken ausgewaschen sind und er nur noch dumpfes Pochen spürt. Im Wohnzimmer sieht er die Vorhänge vor dem Terrassenfenster. Ungewöhnlich, er muss sie selbst zugezogen haben, dieser elende Wodka. Durch einen Spalt späht er hinaus – Dunkelheit... nein, nicht nur Dunkelheit, im Gartenhaus brennt Licht.</p>
<p>Spark reißt mit einem Ruck die Tür auf. Er wird diesen Zustand beenden, auch wenn er Gewalt anwenden muss. Als er seine Freundin entdeckt, erstarrt er vor Schreck. Sie sitzt allein im Gartenhaus, auf dem einzigen Stuhl, unter der nackten Glühbirne, die ihn blendet.<br />
„Was machst du denn hier? Wo ist der Kambodschaner? Ist er weg?“<br />
„Ich weiß nicht.“ Seine Freundin schaut ihn an. „Er ist irgendwo. Der Kambodschaner schläft. Lass’ ihn in Ruhe, dann lässt er auch dich in Ruhe.“ Sie kommt zu ihm, streichelt seine unrasierten Wangen, sie flüstert: „Denk’ einmal an nichts.“</p>
<p>Die Kälte hat ihn nüchtern gemacht. Er wartet vor der offenen Tür, wagt es nicht, sich umzudrehen. Dann tut er es doch. Das Gartenhaus ist leer, überall die Spinnweben. Seine Freundin verabschiedet sich nicht, sie geht einfach weg, eine Gestalt im Mondlicht. Spark wendet den Blick von ihr ab. Er friert.<code></p>]]></content:encoded>
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		<title>Manie in 4-hebigen Jamben…</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 05:02:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mir ist nach fetten Prodigy-dawn-epic-fickt-euch-Triphop-Bässen, nach krank-heroischem Esprit und morgendlichen Taulichtmessen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir ist nach fetten Prodigy-<br />
dawn-epic-fickt-euch-Triphop-Bässen,<br />
nach krank-heroischem Esprit<br />
und morgendlichen Taulichtmessen.</p>
<p>Mir ist nach Rausch und Liebelein -<br />
nach allem was sich sonder Gnaden<br />
in Hirn und Magen und Gebein<br />
einfrisst. Mir ist nach Maskeraden</p>
<p>von ignoranten Fressen hau‘n…<br />
nach Überwindung und Vollendung.<br />
Mir ist nach Stadtluftschlösser bau‘n<br />
und Tanz in manischer Verblendung.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Fahrkarten</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 05:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir sitzen im letzten Wagon / Ohne Fahrkarten / Und hoffen, dass die nächste Station / Eher kommt als die Kontrolleure]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sitzen im letzten Wagon<br />
Ohne Fahrkarten<br />
Und hoffen, dass die nächste Station<br />
Eher kommt als die Kontrolleure<br />
Ich kam zu spät zur Arbeit<br />
Und er hatte keine mehr<br />
Wir sprechen wie Vertraute<br />
Doch kennen uns kein Stück<br />
Er ist so alt und billig<br />
Ich so jung und planlos<br />
Wir wagen uns immer weiter voran<br />
Neben uns die Wiesen und Bauern<br />
Wir mit Fliegen in den Händen<br />
Und sonst nichts<br />
Sagen uns die Namen nicht<br />
Denn wir vergessen sie sowieso<br />
Sprechen einfach so<br />
Merken uns nur das Gesicht<br />
Und machen uns Notizen<br />
<em>Besser<br />
Keiner<br />
Leichter<br />
Schöner</em><br />
Diese Fahrt war nicht umsonst</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Müder Morgen…</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 05:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
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		<category><![CDATA[urban]]></category>

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		<description><![CDATA[Entspanntes Rühren in Mojitoresten. / Sechsuhrgelaüt / und Hunger auf was ganz unbändig Ganzes.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein letzter Schluck. Wie schön der Morgen dräut.<br />
Die ersten Stunden sind die besten.<br />
Entspanntes Rühren in Mojitoresten.<br />
Sechsuhrgeläut<br />
und Hunger auf was ganz unbändig Ganzes.<br />
Schlafmangeldèjávus, die mild-heroisch,<br />
ins Atmen fallen. Stoisch<br />
das Amsellied. Des Sonnenglanzes<br />
Tautropfenglimmen weht durch Birkenzweige.<br />
Stadfenstermatinée.<br />
Ich träum ein schwarzes Haar im Milchschaumschnee,<br />
indes ich mich zum Abschied neige.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Wolkenschwimmer</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 05:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[apollinisch]]></category>
		<category><![CDATA[dionysisch]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
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		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[„Nach Paris.“ - „Willste mich verarschen? Ich radel dir hier bis zur Ecke, dann fliegt mir fast die Lunge raus.“ - „Ich fahr dir in fünf Tagen nach Paris.“ - „Ja, da komm ich mit. Ich schmeiß mir dann was, dann geht das.“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Ich hat schon so lange keinen Urlaub mehr. Irgendwo mal hin und wenn es an die Nordsee geht. Das ist mir scheißegal. Deshalb bin ich auch auf diesen Gartentrip gekommen. Daran lag’s. War wieder so’ne Phase, weisste? Kauf ich mir nen Garten ... hätte ich da bloß die Finger von gelassen.“</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg" alt="Gefangene Mohnblume" title="Gefangene Mohnblume" width="200" height="516" class="alignright size-full wp-image-1212" /></a>Wolly schlug sich an den Kopf und knickte zusammen.</p>
<p>„Erst hatte ich mir nen Zelt gekauft.“ Plötzlich saß er wieder gerade und steckte sich ne Zigarette an.</p>
<p>„Jetzt kannste wenigstens in deinem Garten zelten“, sagte Plunder und bog sich die Finger an der Tischkante nach hinten. Oben auf der Platte begannen die Gläser und Flaschen zu wackeln, doch alles blieb stehen.</p>
<p>Hajo verkroch sich in den Sessel, zog die Beine an und hielt sie mit beiden Armen ganz fest.</p>
<p>„Ist dir kalt?“ fragte Plunder, doch Hajo schüttelte nur den Kopf und drückte ihn dann zwischen die Knie.</p>
<p>„Bin nach Amsterdam letzte Woche gefahren. Hier ist tote Hose im Moment. Toteeeee ... Hoseeeeee! Nichts, nichts, nichts, nichts ...“, sagte Wolly und streute den Joint auf. „Und dann dieser Garten, sag ich euch.“</p>
<p>„Aber das ist ne gute Idee mit dem Zelt“, sagte Plunder und nahm sich sein Glas vom Tisch. Spanischer Weinbrand. Unverdünnt. Plunder trank ganz aus und Hajo schlief auf dem Sessel ein.</p>
<p>„Das Zelt schnallst du dir über und dann kannste mit dem Fahrrad fahren.“<br />
„Und wohin?“<br />
„Nach Paris.“<br />
„Willste mich verarschen? Ich radel dir hier bis zur Ecke, dann fliegt mir fast die Lunge raus.“<br />
„Ich fahr dir in fünf Tagen nach Paris.“<br />
„Ja, da komm ich mit. Ich schmeiß mir dann was, dann geht das. Hab mir was aus Amsterdam mitgebracht. Die <em>Coffeeshops</em> haben jetzt da was Neues, irgendwie erst nachmittags geöffnet und so, wegen den ganzen Schulschwänzern und so, was weiß ich, und dann auch nur zwei Gramm pro Person und solches Zeug. Ich dachte, was soll das denn jetzt? Musste extra zu nem Dealer in die Innenstadt. Kenn da ja nicht so viele, denen ich vertraue.“</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg" alt="Gefangene Mohnblume" title="Gefangene Mohnblume" width="200" height="516" class="alignleft size-full wp-image-1212" /></a>Hajo wachte wieder auf. „Oh, was ... nee ... nee ... also nach Paris komm ich auch mit ...“</p>
<p>Plunder schenkte nach und schmiss den CD-Spieler an. Es liefen die Rolling Stones mit<br />
<em>‚Can’t You Hear Me Knocking’</em>.</p>
<p>„Egal, hab mir dann noch zehn Gramm besorgt.“<br />
„Ziehste dir alles rein, dann biste schon in zwei Stunden da.“<br />
„Wann fahren wir denn nun?“, fragte Hajo und Plunder schenkte ihm erst mal nach. Dann brannte der Joint und Wolly nahm einen kräftigen Zug.</p>
<p>„Ich hab mal geträumt wie man richtig schnell reich werden kann. Dann bin ich aufgewacht und hatte es vergessen. Das war ne richtig gute Idee und ich hab jetzt so oft versucht mich zu erinnern und es klappt und klappt und klappt nicht. Hatte damals auch einen geraucht und bin dann eingeschlafen und jetzt hoffe ich jedes Mal wieder, dass mir diese Idee wieder kommt. Ich bete nur, dass ich mich das nächste Mal noch daran erinnern kann. Ich sag’s euch, dann schreib ich mir das auf. Dass ich mir wichtige Dinge nie merken kann.“ Wolly zog noch mal am Joint und blies dann nachdenklich den Rauch aus. „Ich weiß noch, was für ne Hose ich letzte Woche auf der Arbeit an hatte. An so’n Scheiß, da kann ich mich noch erinnern, weisste?“</p>
<p>„War das jetzt ernst gemeint mit Paris, dass wir da mit dem Fahrrad hinfahren wollen?“ fragte Hajo und streckte seine Hand nach dem Joint aus, den Wolly aber noch nicht hergeben wollte.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_350x.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_350x-250x250.jpg" alt="Mohnblume" title="Mohnblume" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1213" /></a>„Nun warte doch noch mal nen paar Sekunden.“<br />
„Ja, Hajo. Natürlich war das ernst gemeint. Was dachtest du denn?“</p>
<p>„Ich muss das wissen, damit ich mir nicht unnötig nen Schloss kauf. Ich stell mein Fahrrad nämlich immer in' Keller.“</p>
<p>Wolly reichte Plunder den Joint, doch der lehnte vorerst ab.</p>
<p>„Nee, nee, gib Hajo erstmal ...“</p>]]></content:encoded>
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