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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; menschen</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Müder Morgen…</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 05:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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		<description><![CDATA[Entspanntes Rühren in Mojitoresten. / Sechsuhrgelaüt / und Hunger auf was ganz unbändig Ganzes.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein letzter Schluck. Wie schön der Morgen dräut.<br />
Die ersten Stunden sind die besten.<br />
Entspanntes Rühren in Mojitoresten.<br />
Sechsuhrgeläut<br />
und Hunger auf was ganz unbändig Ganzes.<br />
Schlafmangeldèjávus, die mild-heroisch,<br />
ins Atmen fallen. Stoisch<br />
das Amsellied. Des Sonnenglanzes<br />
Tautropfenglimmen weht durch Birkenzweige.<br />
Stadfenstermatinée.<br />
Ich träum ein schwarzes Haar im Milchschaumschnee,<br />
indes ich mich zum Abschied neige.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Ausflug mit Heinzi</title>
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		<pubDate>Sun, 31 May 2009 22:01:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heinzi hat mir seinen verfaulten Zahn geschenkt. Es war der drittletzte oben in der Mitte, die anderen beiden sind nur zu sehen, wenn er lacht. Heinzi lacht oft. Ich weiß, was ihm dieser Zahn bedeutete.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heinzi hat mir seinen verfaulten Zahn geschenkt. Es war der drittletzte oben in der Mitte, die anderen beiden sind nur zu sehen, wenn er lacht. Heinzi lacht oft. Ich weiß, was ihm dieser Zahn bedeutete, ein echtes Geschenk. Sonst macht Heinzi meistens kurzen Prozess, wacklige Zähne zieht er einfach raus, und dann röchelt er sich einen. Röcheln ist sein Lachen. Für einen Spastiker kann er ganz gut sprechen: langsam, vermurkst, gequetscht. Wir beide können uns unterhalten. Aber in der Schule ging's für ihn irgendwann nicht mehr weiter. Als sein Gelalle und Gezucke schlimmer wurden, schmissen sie ihm als Trost die Mittlere Reife hinterher - sein Traum vom Abitur war ausgeträumt, ein Tiefschlag für Heinzi, auch noch nach Jahren.<br />
„Nu brauch ich... ’n Gebiss.“<br />
Guter Witz, er röchelt, ich grinse ihn an.</p>
<p>Sie hätten ihn wieder vergessen – Heinzi, dieser Lügner. Ich sag’ dazu nichts mehr. Der Fahrer, der die Leute von der Werkstatt nach Hause fährt, ist Zivi wie ich, er hat mir vorher Bescheid gesagt.<br />
„Was grölst du hier so laut rum?“ Die sanfte Tour ist bei Heinzi nicht angesagt, steht er sowieso nicht drauf. Wenn er durchdreht, schnauz’ ich ihn voll an. Ein Mal schrie er so lange im Scherenlager, bis der Dorfpolizist anrückte.<br />
„Vergessen mich hier. Bin’n armes Schwein.“<br />
„Logo.“<br />
„Tour machen, hey? Vielleicht... kommt mein Kumpel.“<br />
„Du nervst.“<br />
<a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/rollstuehle_350x250.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/rollstuehle_350x250-250x250.jpg" alt="rollstuehle_350x250" title="rollstuehle_350x250" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1121" /></a>Bevor wir auf Tour gehen, muss ich den Rollstuhl vollpacken, er hat hinten ein extra großes Netz – obenauf die drei Sixpacks, die sind am wichtigsten, Zigaretten, eine Flasche Wasser, Pampers, Ersatzwäsche und den Beutel mit den Pillen.</p>
<p>„Alles okay... mit Carlo?“ Heinzi meint meinen Chef. Dem passt es nicht, dass ein Zivi mit einem seiner Behinderten säuft. Kein Alkohol bei der Arbeit, trotzdem haben Carlo und ich unser kleines Geheimnis: den abgeschlossenen Spind mit den Sixpacks. Er sorgt stillschweigend für Nachschub. Als Zivi seh’ ich nicht ein, auch noch das Bier zu bezahlen.</p>
<p>„Hab’ schon geschissen... ehrlich.“<br />
„Klasse“, lobe ich wahrheitsgemäß. Heinzi hat sich zwei Mal unterwegs vollgesaut, gibt Schöneres.<br />
Gleich hinter der Hauptstraße fängt das Moor an. Der schnurgerade Feldweg, den sie neu asphaltiert haben, ist ideal für den Rollstuhl. Sogar gutes Wetter, Frühjahr, die Bäume schlagen aus, die Wiesen grünen. Ich schieb’ so vor mich hin, Heinzi lässt sein erstes Holsten einlaufen, zappelt, sabbert, schmatzt vor Vergnügen. Er will schon wieder eine rauchen, pechschwarze Gitanes, normalerweise zwei Schachteln am Tag – seitdem sein linker Arm nicht mehr richtig mitmacht, qualmt er weniger. Ich stecke ihm die Zigarette an und schiebe sie zwischen seine braunen Finger.</p>
<p>„Kann sein... mein Kumpel kommt heut. Reich’... noch’n Holsten rüber.“<br />
Wir sind weit ins Moor gerollt, an unseren Platz, wo wir anhalten und zusammen saufen.<br />
Ich schnapp’ mir auch ein Bier, trinke es in einem Zug aus. Warm hier draußen.<br />
„Willst du heulen?“, frage ich.<br />
„Klar... muss sein... danach quatschen wir, wa?“<br />
Heinzi weint am liebsten allein. Auf der anderen Seite des Weges gibt es eine erhöhte Einfahrt zu einer Viehweide, sein Stammplatz. Es ist ein festgelegter Wechsel, ein Ritual, er winselt, dann wieder glotzt er stumm in die Landschaft.<br />
„Komm’ her!“</p>
<p>Ich bleibe sitzen, auf dem Erlenstamm, der schon seine Borke verloren hat, dessen Holz über den Winter schon weich wurde. Erlen sind nicht langlebig, ihr Holz taugt nichts. Heinzi hat sich aufgebäumt und ist in sich zusammengesackt. Der Rollstuhl steht noch. Sein Kumpel, wir haben beide auf ihn gewartet. Ich bleibe sitzen, ich schnapp’ mir das nächste Bier, trinke es in einem Zug aus – ist ja noch genug da, ein Glück.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Freunde, von denen man spricht</title>
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		<pubDate>Sun, 24 May 2009 22:01:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[absurd]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Zeitgeist arbeitet: als Federhalter oder Finderlöhner, als Lückenbüßer oder Zeitzerstreuer. Der Zeitgeiz zerhackt den Tag in immer kleinere Teile, bis zur Unkenntlichkeit, bis nichts mehr von ihm übrigbleibt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>I. Der Zeitgeist</strong></p>
<p>Wohin ich auch blicke, an wen ich mich auch wende: Spießer, jung und alt, groß und klein, Bauchbürger und die, die es werden wollen. Und mitten unter ihnen der Zeitgeist, ein kleiner Geist in großem Körper, mit verfettetem, nahezu erstarrtem Mienenspiel. Dieser Herr schert sich um nichts, er überläßt sich und sein Schicksal anderen, unbekannten Mächten, die „schalten und walten, wie sie wollen“, wie er sagt.</p>
<p>Der Zeitgeist arbeitet: als Federhalter oder Finderlöhner, als Lückenbüßer oder Zeitzerstreuer. Er arbeitet, um einzukaufen. Während seiner Freizeit findet er sich in Kramgewölben wieder, in Zeitschriften und Katalogen. Oder er macht Urlaub, zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Kein Land, kein Erdteil, in dem er nicht auf Liegen liegt, auf Plastikliegen am Strand, verwöhnt und verhätschelt, von Zäunen und Sicherheitspersonal abgeschirmt – alles im Preis inbegriffen - abgeschirmt von Einheimischen, die vor den Zäunen verhungern und verdursten.<br />
Der Zeitgeist sieht das Elend anderer nicht. Alle seine Sinne sind auf ihn selbst gerichtet. Die anderen werden zusammen mit der Vergangenheit in die Verließe des Vergessens geworfen, immer und immer wieder, so oft sie auch ausbrechen sollten.</p>
<p>Der Zeitgeist hat mindestens ein Auto, das größte und schnellste im Kollegen- und Bekanntenkreis, trotz ständig steigender Preise, trotz allem. Mit dem Auto fährt er überallhin: zum Bäcker, zur Arbeit und in den Park, wo sich „Hansi“ oder „Hector“, sein Hund, an Enten und Langläufern austobt. Der Kampfhund ist sein bester, sein einziger Freund, denn der Zeitgeist lebt allein. Er hat keine Freunde, nur Bekannte, keine Frau, keine Kinder. „Frauen und Kinder kosten Nerven, Zeit und Geld. Sie kosten die Freiheit“, sagt der Zeitgeist.<br />
Abends, wenn er müde von der Arbeit kommt, in seine leere, weiß geleckte Wohnung, dann raucht der Zeitgeist eine Zigarette. Er raucht auf dem Balkon, er raucht bei Wind und Wetter, damit die Wände seiner leeren, weiß geleckten Wohnung keinen Schaden nehmen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>II. Der Zeitgeiz</strong></p>
<p>Er ist der kleine große Bruder des Zeitgeists, ein dürrer, abgehetzter Vogel mit fliehendem Blick. Der Zeitgeiz ist der König der Sparkünstler. Er schlägt Menschen und Zeiten in die Flucht - ganze Erdteile und Epochen - in eine fortdauernde Flucht vor dem Leben, vor sich selbst, er jagt sie vor sich her wie gehetztes Wild, wie Schlachtvieh, von Termin zu Termin, von Fluchtpunkt zu Fluchtpunkt. Kein Anhalten, kein Aufatmen. „Nur nicht stillstehen!“ heißt die Devise des Daseins, wer stehenbleibt, hat verloren.</p>
<p>Der Zeitgeiz zerhackt den Tag in immer kleinere Teile, bis zur Unkenntlichkeit, bis nichts mehr von ihm übrigbleibt. „Wie heißt meine Frau noch, und wie sieht sie eigentlich aus?“ heißt es dann. „Wie viele Kinder habe ich? In welche Klasse gehen sie?“ Selbst der Urlaub wird nicht mehr wahrgenommen, der Kurzurlaub auf Mars und Mond. Ein Tag wie der andere, Jahre und Jahrzehnte auf der Überholspur. Und plötzlich spielt das Leben einen Streich, plötzlich zieht es einem einen Strich durch die Rechnung: wenn sich Krankheiten melden, wenn das Rentenalter, der Ruhestand winkt, wenn der Tod plötzlich auftaucht. Dann zeigt der Zeitgeiz sein wahres Gesicht: das eines aufgeplusterten, falschen Vogels, eines Wichtigtuers und Hochstaplers, der einen um die besten Jahre, wenn nicht ums Leben gebracht hat.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Tagtraum</title>
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		<pubDate>Sun, 17 May 2009 22:04:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich will Schönes sehen, ich will Gefühle ausleben, die vergraben sind unter euren Haufen von Machen und Tun. Seht, was ihr getan habt, so vieles, Enttäuschungen füllen eure Vitrinen, enden in Pappkartons auf Flohmärkten, rumoren digitalisiert auf den Festplatten, vagabundieren im Gespinst eurer Vorsätze, verhallen in Hirnen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-thumbnail wp-image-1110 alignright" title="Tagtraum (Foto: kaschemme.de)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/tagtraum_350x250-250x250.jpg" alt="Tagtraum (Foto: kaschemme.de)" width="250" height="250" />Ich will Schönes sehen, ich will Gefühle ausleben, die vergraben sind unter euren Haufen von Machen und Tun. Seht, was ihr getan habt, so vieles, Enttäuschungen füllen eure Vitrinen, enden in Pappkartons auf Flohmärkten, rumoren digitalisiert auf den Festplatten, vagabundieren im Gespinst eurer Vorsätze, verhallen in Hirnen. Die Zeit, das gnadenlose Agens, entsorgt sie auf Halden, formt Wanderdünen aus Weggeworfenem und Verzicht, verdichtet bis zur Unkenntlichkeit wälzen sie sich träge über Lebenswege bis zur Abbruchkante.</p>
<p>Ich will Schönes sehen, ich will ausblenden, die mich beschweren, mich endgültig abwenden von den Sojasachsen, von den Kalkülen der Ökoschwaben, vom Bionadenplausch in den Reihenhausschlössern des sozialästhetischen Neuadels, von Pornobrillenträgern und Potenzpiefkes im Wellnessambiente, von den bulimischen Arschgeweihträgerinnen, von den oberflächenversiegelten Zahnweißstrahlerinnen im Workoutlook, von Champagnersüfflern á la mode, von Geldschefflern, Kretins und Dekadenzbratzen – vom elephantiasisch wuchernden Schmock des Carpe diem im Fieber, dabei zu sein.</p>
<p>Ich will Schönes sehen, ich will meine Bedürfnisse von allem Extrinsischen befreien, nur genießen, ein stilles Lachen auf Gesichtern von Menschen in sich hinein, das mich mitnimmt, bis ich auch lachen muss, zusammen sitzen unter der Sonne, einfach essen, Brot und Früchte, klares Wasser und gewöhnlichen Wein trinken, reden, sich über Sensationen des Alltäglichen unterhalten, über die Dinge, die interessieren, sich vor Regen schützen, gemeinsam das Gewitter fürchten, sich der Natur ausgesetzt wissen, endlich nichts mehr verstehen wollen – wozu – nicht mehr besser oder schlechter sein müssen als andere, verletzlich bleiben dürfen, offen und gelassen, Geborgenheit fühlen, ein bisschen geliebt werden im unfassbaren Verlorensein.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Ausgeträumt</title>
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		<pubDate>Tue, 12 May 2009 22:04:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susann Klossek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich stell es mir furchtbar vor / So ein Künstlerleben / Immer auf Tour / In fremden Käffern herumtingeln / Aufwachen mit schalem Geschmack im Mund / In geschmacklosen Mittelklassehotels]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stell es mir furchtbar vor<a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/hotezimmer_200hoch.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/hotezimmer_200hoch.jpg" alt="Geschmackloses Mitteklassehotel (Foto:aw)" title="Geschmackloses Mitteklassehotel (Foto:aw)" width="200" height="583" class="alignright size-full wp-image-1136" /></a><br />
So ein Künstlerleben<br />
Immer auf Tour<br />
In fremden Käffern herumtingeln<br />
Aufwachen mit schalem Geschmack im Mund<br />
In geschmacklosen Mittelklassehotels<br />
Nicht genau wissen<br />
In welcher Galaxie man gerade herumwabert<br />
An schlecht bezahlten TV-Serien schreiben<br />
Auf Autobahnen zwischen Hier und Dort<br />
Und wenn’s einem schlecht wird<br />
Nicht genau wissen<br />
Ist jetzt der Text oder der Fahrstil Schuld<br />
Abends auf der Bühne<br />
Das Highlight des Tages<br />
Die Rampensau raushängen<br />
Wissen wofür man lebt<br />
Sich kurz im Ruhm sonnen<br />
Wissen wofür man blutet<br />
Doch dann fällt er wieder<br />
Viel zu früh<br />
Der Vorhang<br />
Manchmal trifft man auf Frauen<br />
Verfängt sich in ihren Klauen<br />
Das ist manchmal schön<br />
Meistens aber nur anstrengend<br />
Dann sitzt man an Tischen<br />
Mit fremden Leuten<br />
Die meinen sie hätten Anspruch auf dich<br />
Die Unterhaltung nach der Unterhaltung erwarten<br />
Und wenn du dann müde und wortkarg<br />
Auf dem Stuhl sitzt und gähnend am Rotwein nippst<br />
Sagen sie: Den hab ich mir aber auch amüsanter vorgestellt<br />
Und dann liegst du allein im Hotelbett<br />
Und hast nicht mal mehr die Kraft<br />
Zu onanieren<br />
Was auch nicht weiter tragisch ist<br />
Weil Lust dazu hast du auch nicht wirklich<br />
Und am Sonntag willst du den Bus nehmen<br />
Abstand von der Truppe<br />
Die dir langsam auf den Sack geht<br />
Mal wieder nach Hause fahren<br />
Die Kinder und die Frauen durchzählen<br />
Und dann steht an der Haltestelle<br />
Auf der LED-Anzeige ‚Momentan von hier keine Abfahrt geplant‘<br />
Früher träumte ich auch<br />
Von so einem Leben<br />
Heute halte ich mich lieber<br />
In der Nähe von Vögeln auf<br />
Als dummdreist vom Fliegen zu träumen</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Schuld</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 19:15:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[angst]]></category>
		<category><![CDATA[grusel]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf dem Waldboden liegt ein Teppich aus Moosen, Blumen und Gräsern, und in der Nähe rauscht ein Bach. Und plötzlich steht ein Junge vor ihm, ein Junge wie er.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da steht er vor ihm, der Wald, die Gehölzgesellschaft, da steht er nun davor, vor dem Wald, vor dem ihm Großmutter so oft gewarnt hatte. Und dann ist er drin im Wald, trotz der Warnungen, trotz der Furcht vor dem dunklen, undurchdringlichen Dickicht. Vor einem Jahr hätte er sich das noch nicht getraut, vor einem Jahr und in den Jahren davor, während der Sommerferien, die er bei Großmutter auf dem Land verbrachte. Da hatte er noch an die Märchen vom schwarzen Mann geglaubt, vom Kinderfresser und von den Seelen seiner Opfer, die durch den Wald geisterten.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/wald_350.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/wald_350.jpg" alt="wald_350" title="wald_350" width="350" height="250" class="alignright size-full wp-image-1065" /></a>Buchen und Eichen zu beiden Seiten des Feldwegs, Baumstämme wie hohe, braune Pfeiler und Kronen wie lichte grüne Kirchenkuppeln. Auf dem Waldboden liegt ein Teppich aus Moosen, Blumen und Gräsern, und in der Nähe rauscht ein Bach. Und plötzlich steht ein Junge vor ihm, ein Junge wie er, wie aus dem Gesicht geschnitten, er steht da und lächelt. „Keine Angst“, sagt sein Ebenbild, „ich bin auf deiner Seite!“</p>
<p>Die Jungen setzen sich an den Bach. Der eine erzählt seine Geschichte, er erzählt die Geschichte vom Alleinsein, von der Einsamkeit in der Stadt. „Hat dich jemand in den Wald gehen sehen?“ unterbricht ihn der Waldjunge plötzlich. Noch ehe der andere den Kopf schütteln, noch ehe er verneinen kann, knackt es hinter ihnen. Und als sie sich umdrehen, sehen sie die Dorfgemeinschaft, sie sehen hundert, zweihundert Menschen auf sich zukommen. Die Großmutter tritt aus dem Pulk heraus und giftet: „Ich habe dir hundertmal gesagt, wer in den Wald geht, kommt nicht wieder heraus. Ich habe dich hundertmal gewarnt, du aber konntest nicht gehorchen.“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Bilanz eines Wochenendes</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 15:56:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
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		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[(Die Bilanz eines Wochenendes, als Miniatur literarisiert.)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die ausreichende Leidensdosis: zwei Liter Bier, zwei Whisky, zwei verlorene Pullover, ein Fahrradsturz und ein pochender, blau angelaufener großer Zeh, dazu eine halbwegs ruinierte Hose und drei Tage strenge Bettruhe.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Unterschiede</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 06:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
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		<category><![CDATA[dreck]]></category>
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		<category><![CDATA[menschen]]></category>
		<category><![CDATA[surrealseltsam]]></category>

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		<description><![CDATA[Während die Menschen im Schlaf Kraft suchen für den nächsten Tag in den Ketten der Arbeit, fahndet meine Hand im Küchenschrank nach einem Glas. Es fällt zu Boden, eine fette Fliege fangend.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>I.</strong><br />
Während die Menschen im Schlaf Kraft suchen für den nächsten Tag in den Ketten der Arbeit, fahndet meine Hand im Küchenschrank nach einem Glas. Es fällt zu Boden, eine fette Fliege fangend. Ich greife nach einem andern Glas und sehe ein anderes Insekt auf mich zu brummen. Ich weiche zurück und schlage nach meinem Verfolger, nach einer geflügelten Kröte, deren Beine wie gelähmt herabhängen. Mein Hirn führt mich zur Tür, gebietet mir, sie zu öffnen und hinauszutreten. Die Flügelkröte mir nach. Mit einer Drehung bin ich wieder zur Küche hinein, ich schlage die Tür zu und atme auf.<br />
„Du warst voll daneben, letztens auf dem Fest“, grinst Atze feist vom Tisch. „Du warst so voll, daß du Froster, der keiner Fliege was zu Leide tun kann, so gereizt hast, daß auch er dich verprügeln wollte.“<br />
„Hör auf!“ schreie ich. „Ich kann die Scheiße nicht mehr hören.“</p>
<p><strong>II.</strong><br />
Mit der Morgendämmerung überfüllte sich allmählich das Schwimmbecken neben dem verdreckten Fluß mit Uniformierten und Zivilisten. Ich faßte einen Kopf bei der Schaffnermütze und drückte ihn unter die Wasseroberfläche, ich drückte, bis er nicht mehr zappelte. Frauen flehten und kreischten am Beckenrand, sie falteten die Hände, sie fielen auf die Knie. Die Beamten sahen ihrer Niederlage entgegen. Sie wichen zurück, sie flohen in den Fluß. Wir ihnen nach. Sie Strömung riß uns mit sich, doch der Kampf ging weiter. Als ich auf dem Deich Soldaten entdeckte, strebte ich dem Ufer zu. Dort suchte ich mich zu verstecken. Ich sah einen Überlebenden, einen Geretteten neben einem Panzer hocken, den Blick aufs Gras gerichtet. Doch die starrenden Augen sahen nichts, und das Hirn hinter der Stirn nahm das Grün nicht wahr. Kein Elektron der Erkenntnis durchzuckte es.<br />
Dann fuhr ich mit dem Fahrrad auf die Stadt zu. An den Straßenseiten krochen und robbten die Frauen. Sie jammerten und weinten und fanden keinen Trost. Ohne einen Blick fuhr ich an ihnen vorüber - mich fror - bis ich plötzlich heiße Tränen auf den Wangen fühlte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die offene Rechnung</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2009 16:07:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aw</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[menschen]]></category>
		<category><![CDATA[optopoetisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Menschen beim Italiener, zwei mal Pasta, zwei Gläser Wein, ein Espresso hinterher - was will man mehr?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Menschen beim Italiener, zwei mal Pasta, zwei Gläser Wein, ein Espresso hinterher - das ist wahre Poesie:</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/03/alberto.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1001" title="alberto" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/03/alberto.jpg" alt="alberto" width="528" height="905" /></a></p>
<p>Man beachte, dass diese Art der Poesie schon die Werbebanner eingebaut hat...</p>]]></content:encoded>
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		<title>Leben:</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 11:30:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[hass]]></category>
		<category><![CDATA[leben]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[menschen]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[sinn]]></category>
		<category><![CDATA[tristesse]]></category>

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		<description><![CDATA[Er hat alles versucht. Hat bleiben versucht und weglaufen, lieben und hassen, war gleichgültig und engagiert, albern und ernst, hat es sich leicht gemacht und schwer, hat sich geärgert und gefreut. War zufrieden und hat sich nicht zufrieden gegeben. Er hat gekämpft, immer wieder -und gelebt. Und das Leben für wertlos befunden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat alles versucht. Hat bleiben versucht und weglaufen, lieben und hassen, war gleichgültig und engagiert, albern und ernst, hat es sich leicht gemacht und schwer, hat sich geärgert und gefreut. War zufrieden und hat sich nicht zufrieden gegeben. Er hat gekämpft, immer wieder -und gelebt. Und das Leben für wertlos befunden.</p>
<p>Er ist müde und enttäuscht. Es kostet zu viel und bringt zu wenig. Es hat keinen Grund und macht keinen Sinn. Die pure Existenz ist ihm zu wenig, aber mehr scheint er nicht vorzufinden, egal, wohin er geht, egal, was er auch macht, egal, wen er trifft. Es ist mal besser und mal schlechter, aber grundsätzlich scheint es sinnlos.</p>
<p>Anhäufen von Aktionen, aneinander reihen von Beziehungen, reden über Dinge - immer und immer wieder. Wozu, wenn es doch zu nichts führt?</p>
<p>Er ist kein Märtyrer, das Schicksal der Menschen im Allgemeinen ist ihm egal. Nur das seiner Brüder nicht, seiner Freunde, Menschen, die ihn lieben und nie fallen ließen. Grimmig lebt er für sie weiter. Sie sind der Grund, sie, und der Himmel und das Meer. Auf alles andere würde er gern verzichten.</p>]]></content:encoded>
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