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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; rituale</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Yankee-Sugar</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-280x280.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="280" height="280" />Er heißt Rolf, aber alle nennen ihn Yankee-Sugar oder auch einfach Sugar. Sugar ist eine internationale Größe im Affiliate-Marketing, aber leicht strange, er ernährt sich fast ausschließlich von Cookies, die er aus Amerika einfliegen lässt: Brownies, Muffins, Bagles, Donuts. Sein absoluter Renner ist &#8220;Fluff&#8221;, eine homemade Marshmallow-Creme mit Cranberry-Geschmack von einer private Bakery aus Tallahassee. In Florida hat Sugar sein Eldorado gefunden, er jettet so oft wie möglich rüber, auch wenn er dort mit seinen 280 Pfund manchmal ins Schwitzen kommt.</p>
<p>Zwischen Boca Raton und Pompano liegt das Miccosucee Coconut Grove, sein Stamm-Hotel. Als der Rezeptionist Yankee-Sugar hereinstampfen sieht, verschwindet er sofort nach hinten, um die vorbestellten Schachteln zu holen, einen Stapel Nibble-Boxes mit Cookies der Firma &#8220;Leos Gourmandizer&#8221;, alle einzeln verpackt: ein Miss Chocoholic, ein Berry Berry Lady, ein Mrs. Crumbleberry, zwei Heidi On The Alm und zwei Sugardude.</p>
<p>&#8220;Too warm for the cookies&#8221;, grunzt Sugar statt einer Begrüßung. Der Rezeptionist heißt Solomon, er soll die Sachen gefälligst wieder in den Kühlschrank zurückpacken.<br />
&#8220;Back in the fridge?&#8221;<br />
&#8220;Yeah.&#8221;</p>
<p>Der Flug war anstrengend, das Essen ungenießbar, damn indischer Stuff mit Zitronengras. Sugar ordert bei Solomon &#8220;Pancake Special&#8221; mit echtem Ahornsirup, dazu ein Glas Fluff und Redbull. Für den Durst hat er sich ein eiskaltes Rootbier auf die Terrasse mitgenommen. Hier unter den Palmen sitzt es sich super-angenehm. Sugar streicht sich über seine Glatze, kaum Schweiß. Vor ihm der Highway, dahinter die Beach, auch richtig Traffic da und haufenweise hot Chicks. Sein Entschluss, nach Florida zu gehen, steht fest, es gibt keinen cooleren Platz auf der Welt.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1825" title="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/fluff-140x140.jpg" alt="Fluff (Bild: Durkee Mower Inc.)" width="140" height="140" />Solomon kommt mit einem Berg Pancakes. Lecker, looks delicious &#8212; die Boys von der Hotelküche wissen, was er braucht. Nachdem Sugar alles weggeputzt hat, holt er den Kautabak aus der Hosentasche, natürlich Sweet Black Pig von Gawith Hoggarth, ein anderer kommt nicht in Frage. Das Rauchen hat er cancelled, nervt nur in den Staaten, aber Kauen mit Redbull kommt genauso gut, wenn nicht sogar besser. Gleich heute nach dem Lunch hat er ein Meeting, könnte tuff werden, das Syndikation-Business wird härter, mit dem Cookie-Tracking muss man sich immer mehr in Acht nehmen, doch wenigstens läuft es beim Keyword-Advertising, da ist noch viel Luft. Yankee-Sugar seufzt zufrieden&#8230; nicht ganz zufrieden &#8212; zu den Girls fehlt ihm noch das passende Add-on.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Refraktärphasen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 06:11:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[ ]</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Du lebst in einer mittelgroßen Stadt. Was machst du hier? Du gehst einkaufen, du spülst, du putzt deine Wohnung. Du isst. Du wichst wie du pisst: 20 Sekunden oder ein bisschen mehr. Du erhältst dich am Leben; leihst dir Filme aus oder liest ein paar Bücher. Du versuchst von den Menschen nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu erwarten. Manchmal, wenn du ein Stück Wirklichkeit brauchst, gehst zu den Nutten, weil es einfach und unkompliziert ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Es gibt nichts zu tun. Du kannst weder den Tod noch das Leben annehmen. Du sitzt da in deiner Wohnung und hörst das Rauschen der Autos, die unter den geschlossenen Fenstern vorbeifahren. Du bekommst das Studiengeld von deinen Eltern, mit dem du deine Wohnung finanzierst; du hast einen kleinen Nebenjob. Du lebst nicht schlecht, du faule Sau: Du stehst spät auf, du hast keine dringlichen Pflichten, du studierst schon lange nicht mehr. Du hast dein schlechtes Gewissen, du hast deine kleinen Pseudo-Tätigkeiten, mit denen du dein Nichtstun kaschierst. Du hast soviel Zeit und keine Idee, wie es weitergehen soll. Du schiebst dein Leben auf. In dir ist schon lange eine latente Krise, die dein ganzes Leben überschattet. Du wartest auf ein Wunder, auf eine Verzauberung; du wartest auf eine Naturkatastrophe, auf einen Krieg. Du bist dir bewusst, dass alles in und bei dir selbst liegt. Du kennst deine Fehler in- und auswendig; du kannst deine Schwächen und Ängste vor- und rückwärts buchstabieren; du meinst ihre Gründe und Gegengifte zu kennen. Trotzdem änderst du dein Leben nicht.</p>
<p align="justify">Du weißt, dass menschliches Glück unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist: Gute soziale Kontakte, reichhaltige Aktivitäten, eine Arbeit, die Freude bereitet, eine gut funktionierende Partnerschaft, eine optimistische Einstellung dem Leben gegenüber – du musst dich also nicht wundern, dass du ständig am Rande der Verzweiflung lebst. Aber im Grunde interessiert dich das sehr wenig, du bist nicht unbedingt ein erfolgreicher Manager des glücklichen Lebens. Du wirst dich hier nie richtig wohl fühlen und hast dich daran gewöhnt. Du fühlst dich oft krank, aber sagst dir immer wieder: Gesundheit ist zum Ausgeben da. Für deine Rekonvaleszenz brauchst du, neben dem Schutzwall aus Gewohnheiten, die Einsamkeit, die Stille, das Ordnen der Dinge, die Gespräche mit dir selbst. Wie jeder suchst du nach angenehmen Momenten und Empfindungen; du lebst in der Postmoderne, dein Körper verbietet sich jegliche Ahnung von Deprivation. Das Bett ist deine Freundin. Viel schlafen, wenig leben: das ist deine Formel. Du magst den Winter, die Zeit der großen Nacht. Du willst die Ruhe fühlen, die Stille und die Dunkelheit; du willst das Aufhören spüren, die ewige Dämmerung. Du willst das Nicht-Sein aktiv miterleben.</p>
<p align="justify">Deine Augen sind in eine blinde Einstellung gerastet. Du siehst dich aufstehen, dann gehst du aus der Wohnung &#8230; Du kannst deinen ganzen Tagesablauf gedanklich vorwegnehmen: du tust alles nur, um es getan zu haben. Gedämpft hörst du hörst die Autos vorbeirauschen und fühlst dich krank. Du weißt, dass du nur aufzustehen brauchst, die Rollladen hochziehen und die Fenster öffnen musst, um den Kontakt zur Außenwelt wieder herzustellen. Es gibt einen Moment, wenn man so daliegt, einen Moment, wo man schon gewillt, wo man schon ganz kurz davor ist aufzustehen &#8230; und da ist dann dieses Grauen, ein Gefühl, ein absolutes Gefühl der Erschöpfung, der Unmöglichkeit, der Unfähigkeit – dies überwunden, steht man. Du weißt, dass der Ruck, den man sich dazu geben muss, eine Art Geburt ist. Es gibt jeden Tag drei Geburten: Aufwachen, Aufstehen, aus der Wohnung gehen. Alle sind immer wieder aufs Neue ein sanfter Schock.</p>
<p align="justify">Du hast deine Gewohnheiten: die Abfolge deines Waschrituals ist immer dieselbe. Die Griffe, die Bewegungen, die Handhabung der Dinge sind immer die gleichen. Wie du dich abtrocknest, wie du dich anziehst und alles weitere. Deine Gewohnheiten funktionieren wie eine Weiche: sie leiten dich in den Tag um – in das bisschen, was davon eben übrig bleibt.</p>
<p align="justify">Du lebst in einer mittelgroßen Stadt. Was machst du hier? Du gehst einkaufen, du spülst, du putzt deine Wohnung. Du isst. Du wichst wie du pisst: 20 Sekunden oder ein bisschen mehr. Du erhältst dich am Leben; leihst dir Filme aus oder liest ein paar Bücher. Du versuchst von den Menschen nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu erwarten. Manchmal, wenn du ein Stück Wirklichkeit brauchst, gehst zu den Nutten, weil es einfach und unkompliziert ist. Moralischen Einwänden weichst du aus wie den Leuten in der Innenstadt, du trennst den Müll nicht. Du bist unpolitisch, ein Idiot. Du hast dein kleines Leben und deine kleinen Genüsse; du hast deine Angst, da ist diese Leere, die undeutliche Wahrnehmung eines Fehlens, etwas, das du nicht benennen kannst. Da ist diese Entfremdung, die du empfindest, das Gefühl, das Leben wäre unerreichbar, diese unaufhebbare Distanz. Du hast deine Vergangenheit, deine Unwirklichkeit, vereinzelte Bilder. Du betreibst deine Studien: für dich ist alles tief, für dich ist alles ein Verweis. Oft glaubst du gar nichts zu wissen. Vom Leben und überhaupt.</p>
<p align="justify">Du hältst dich nicht für intelligent: du bist langsam. Deine Aufgabe ist es eher, Intelligenzen zu erkennen und dich im Unterschied zu ihnen zu begreifen. Du bist inkompetent. Deine Allgemeinbildung ist mangelhaft. Wozu, sagst du dir, gibt es Bücher, CDs, Festplatten, also verlässlichere Speicherplätze? Das Nichtwissen lastet: es ist schwerer als dein Wissen. Dunkel erahnst du mehr von dem, was du nicht weiß, als das, was du tatsächlich an Wissen vorzuweisen hast. Deine Weitsichtigkeit reicht aus, um deine totale Beschränktheit ins Unendliche ermessen zu können.</p>
<p align="justify">Manchmal fehlen dir Wörter und Begriffe; manchmal wird dir aus der eigenen Sprache eine fremde. Es fällt dir schwer, dich in anderen Nervenbahnen zu orientieren. Du bist nicht diszipliniert, deine Konzentration ist schlecht, dein Hirn voller Löcher, das meiste fällt durch. Du musst öfters Nachfragen und die Leute wiederholen ihre Sätze. Deine Stimme im Kopf ist laut und beharrlich. Du hast deine Themen und Begriffe, die Gedanken, die einen eben haben. Du bist ein Klischee wie jeder andere. Du bist übervoll von dir. Du kotzt dich selbst an. Du kommst dir vor wie ein Behinderter, der gerade eben noch um seine Behinderung wissen kann, ohne sie überschreiten zu können. Dennoch sind, wie du pathetisch meinst, deine Verblödungsversuche allesamt gescheitert.</p>
<p align="justify">Du hast keinen Bereich des Könnens, du hast nie geübt, nie gelernt: weder eine Fremdsprache, noch ein Instrument oder Handwerk. Nicht mal tanzen kannst du. Du hast nie eine lange Zeit im Ausland verbracht, du hast, wie man sagt, nie wirklich etwas gewagt. Du hast dich einmal für eine Frau aufs Spiel gesetzt, aber das war kein Risiko, sondern die blinde Umklammerung eines Neugeborenen. Du warst oft peinlich. Du hast keine besonderen Talente, was die ganze Sache schwierig macht. Indem man sein Genre, seinen Beruf wählt, denkst du oft, wählt man sich selbst. Aber bei dir ist da nirgendwo ein fester Untergrund, auf dem sich wirklich bauen ließe.</p>
<p align="justify">Deine Interessen sind unsichtbar: es ist das Rätsel, sagst du romantisch, das dich verzehrt. Du hältst nicht viel von der Idee der Individualität: du empfindest dich als leeres Gefäß, das sich mit fremden Dingen anfüllt. Es gibt nur die wechselnden Einflüsse, die mit dir spielen wie der Wind mit allem Losen. Schwammig bist du und diffus. Du kannst dich schlecht abgrenzen, du verlierst dich im Abstrakten. Du bist unfähig, den Widerspruch zwischen Gedanke und Tat zu überwinden, du bleibst im Getriebe des Selbstzweifels stecken. Es werden keine Punkte für besser denken und besser wollen vergeben: Du weißt, dass nur die Tat, dass nur das Machen zählt. Du bist was du machst: du bist nichts. Du sprichst gerne von der Nichtigkeit des Lebens und weißt über sie Bescheid. Überhaupt gelingen dir die Überleitungen vom Persönlichen ins Allgemeine sehr gut.</p>
<p align="justify">Ein Tag wie jeder andere, der Tag geht um, es wird wieder dunkel draußen. Allein ist nichts wichtig; die Ereignisse versanden stumm in einem selbst. Du hast deine Erledigungen gemacht. Du hast tausendmal die gleichen Bewegungen ausgeführt, du hast tausendmal die gleichen Gedanken gedacht. Es ist still in deinem Zimmer, die Menschen sind wieder zur Ruhe gekommen, in deinem Zimmer ist es still. Dieses Leben, was du jetzt führst, ist eine Alternative, es wiegt nichts. Was du jetzt lebst, das ist schlechte Zwischenmusik, vieles, was man weglassen kann. Du hättest auch nicht sein können. Von dir gibt es Unzählige und keinen. Du weißt, dass dein Leid kein Anrecht auf Allgemeingültigkeit hat.</p>
<p align="justify">Die Uhr in deinem Zimmer. Die Stille. Das Ticken. Der Aufstand, der nie kommt. Manchmal zuckt noch eine Welle Wut durch dich. Doch Überdruss und Langeweile warten wie Schlangen in jedem Winkel deines Zimmers. Man muss alle Systeme verlassen, um wahrhaftiger zu sein, denkst du und starrst auf den Wasserhahn, aus dem in unregelmäßigen Abständen ein Tropfen Wasser tropft. Man wird nie klüger. Du spürst den Abgrund in jeder Abteilung deiner Sinneswahrnehmung, in Geräuschen, in Gerüchen, in deinen Gedanken, in jeder Tätigkeit. In der Stille. Du steigst hinter den Alltag, hinter die Zeit; du bist jenseits des Trubels, jenseits der Massen.</p>
<p align="justify">Die Tür öffnet sich, der Raum ist dunkel. Da ist ein Winkel, aus dem Licht zu kommen scheint; da ist ein Buchrücken, den man befühlt. Aus dem Unmerklichen tritt etwas ins Merkliche über. Transduktion. Man lebt. Es gibt ein Auge, das sieht, und ein Auge, das blind ist und in dem man sich spiegelt. Du bläst den Zigarettenrauch gegen deine Fresse und dein Blick ist glasig. Alles ist sinnlos. Hinter dem Spiegel ist nichts. Wir befummeln die Wahrheit mit tausend Dietrichen: sie ist nicht kitzelig; sie bleibt unbeweglich, starr, unbekannt. Nein, du Trottel, das sind keine Zeichen: das sind Selbstverweise. Wir sind eingesperrt in unsere Ordnung. Da liegt ein kaputter Regenschirm im Rinnstein. Der Mensch ist allein. Du bist allein. Draußen zwitschern schon die ersten Vögel. Was sie singen? Morgen wird wie heute sein.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Tatort Schwarzwaldsteig: Dinner for two</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/09/tatort-schwarzwaldsteig-dinner-for-two/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Sep 2011 05:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirt Diggin Dog</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Starke-Frauen-Krimis]]></category>
		<category><![CDATA[tod]]></category>
		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>

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		<description><![CDATA[„Töter, töten Sie mir nicht den Nerv und ziehen Sie die Wanderstiefel wieder aus!“ Kommissar Torsten Töter verzog missmutig das Gesicht, bevor er sich ächzend über seinen Wanst beugte und in Zeitlupe einen Schnürsenkel aufzog. „Ihre morgendlichen Kalauer in allen Ehren, Chefin, aber so kämen Sie nie zu einer Hauptrolle im Tatort“. Er keuchte beim Sprechen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Töter, töten Sie mir nicht den Nerv und ziehen Sie die Wanderstiefel wieder aus!“</p>
<p>Kommissar Torsten Töter verzog missmutig das Gesicht, bevor er sich ächzend über seinen Wanst beugte und in Zeitlupe einen Schnürsenkel aufzog.</p>
<p>„Ihre morgendlichen Kalauer in allen Ehren, Chefin, aber so kämen Sie nie zu einer Hauptrolle im Tatort“. Er keuchte beim Sprechen.</p>
<p>„Das hier ist nicht der Tatort, Töter, das ist ein Regiokrimi, wie er leibt und lebt. Jemand hat nämlich zwei Wanderer gekillt. Aber nicht, wo Sie denken. Also beeilen Sie sich, andere Schuhe und Abmarsch!“</p>
<p>Sie hatte längst ihren zinnoberroten Lackmantel übergeworfen. Ihr Lieblingsstück, in dem man sie an jedem Tatort schon von weitem identifizieren konnte. „Sieht man die Blutspritzer nicht so“, sagte sie, wenn die Kollegen witzelten, sie würde im Wald die Böcke aufscheuchen und nicht nur dort.</p>
<p>„Nicht schon wieder tote Wanderer?“, schimpfte Töter.</p>
<p>„Ja, doch, aber die liegen wohl im vollen Ornat samt Rucksack und Butterbroten im Swimmingpool unseres allseits beliebten Wellnessluxushotels ‚Zur Sonne’, das wie jeden Donnerstag das <em>Dinner for two</em> anbietet – zwei Essen zum Preis von einem.“</p>
<p>„Wieso quatschen Sie so gestelzt?“</p>
<p>„Weil wir am Schwarzwaldsteig sind, mein Guter. Weil sich ein Regiokrimi für Werbeeinschaltungen geradezu anbietet.“</p>
<p>Torsten Töter humpelte in Lederschuhen mit seiner grellroten Chefin die zwei Minuten zum Tatort. Man hatte Barbara Brenneisen in den Schwarzwald versetzt, weil sie in ihrer alten Dienststelle in Ludwigshafen zu oft während der Dienstzeit Komparsenrollen im ‚Tatort’ angenommen hatte. Seither litt sie an Depressionen, aß eimerweise Spreegurken und las während der Dienstzeit Eifelkrimis.</p>
<p>Sie trafen zuerst auf Hansi Schluchseher, den Wirt des ländlichen Nobel-Etablissements.</p>
<p>„Könnten wir bitte &#8230; die Gäste sitzen bereits &#8230; die Hintertür &#8230; bitte &#8230; mein Ruf &#8230; bitte mit Dezenz &#8230; bitte“, stammelte er.</p>
<p>„Das heißt Diskretion“, murmelte die Brenneisen.</p>
<p>„Bitte?“</p>
<p>„Diskretion, nicht Dezenz, bitteschön.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1617" title="Swimming-Pool" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/swimming_pool_280x.jpg" alt="Swimming-Pool" width="280" height="497" />Im Swimmingpool trieben pfundweise Rosenblütenblätter, erloschene Schwimmkerzen, Schluchsehers Tantrakarmatschigongfluidum zu 58 Euro die Flasche, in Alu verpackte flache Scheiben, jede Menge Blut, zwei nackte männliche Leichen mit Wollsocken und Wanderstiefeln und noch mehr Blut.</p>
<p>„Haben heute wohl Schlachttag!“, witzelte Torsten Töter.</p>
<p>„Nein, <em>Dinner for two</em>, Herr Kommissar. Nur verschrecken Sie mir nicht die Gäste, alles deze&#8230; bitte, äh, diskret bitte.“</p>
<p>Hauptkommissarin Brenneisen stach mit ihrem Zeigefinger dem Wirt fast die Augen aus. „Jetzt sag ich Ihnen mal was, Schluchseher. Wenn wir hier fertig sind und wenn wir hier alle Namen nennen, dann können Sie sich morgen vor Gästen kaum noch retten! Vergessen Sie das <em>Dinner for two</em>, denken Sie unternehmerisch, servieren Sie Tote zum Krimibrunch!“</p>
<p>Schluchseher blieb der Mund offen stehen. Inzwischen hatte der Gerichtsmediziner die Leichen auf dem Trockenen in Rückenlage gebracht. Blass und frisch gewaschen sahen sie aus. „Riechen nach Karma&#8230;“, brummelte der Mediziner.</p>
<p>„Wenn das mal nicht unsere Herren Doctores sind!“ Töter feixte. „Ich sag’s ja: Sport ist Mord. Was haben die mit ihrem Bergmarathon angegeben. Und jetzt schwimmen sie in Blutsoße.“</p>
<p>„Sagten Sie Blutsoße!?!?“ HK Brenneisen schleuderte den zinnoberroten Lackmantel von sich und bohrte mit dem rechten Daumen im linken Nasenloch. In diesem Stadium duldete sie keine Unterbrechung. Während sie bohrte, analysierte sie rattenmesserscharf jeden noch so vertrackten Fall.</p>
<p>„Ein Serienmord beim <em>Dinner for two</em>. Sozusagen alle beiden Gäste ausradiert. Ein Ritualmord mit Kerzen und Geruchsgedöns, Wasser, Wadenstrümpfe. Das hat sicher alles eine Bedeutung für den durchgeknallten Mörder, wir müssen ein kirchliches Umfeld in Betracht ziehen. Wegen der Wadenstrümpfe womöglich ein Internat, vielleicht ein in der Vergangenheit unaufgeklärter Missbrauchs&#8230; Nein. Warten Sie!“</p>
<p>Die Hauptkommissarin bohrte innig weiter und drehte dann etwas Winziges zwischen Daumen und Zeigefinger. Schnippte es in Richtung der Leichen.</p>
<p>„Warten Sie, das ist ja interessant. Der Leiter der Schönheitsklinik, tot, der Leiter der Fastenklinik, tot. Das sind alles Ingredienzien, nach denen die Hausfrau beim Krimi giert, schön übergossen mit Blutsoße und Sauerei. Und vielleicht gibt’s von unserem Sternekoch Bernauer ja noch das Gratisrezept dazu, was, Schluchseher?“</p>
<p>Sie schnippte etwas von seiner Schulter und redete weiter: „Das Tableau hat leider einen Schönheitsfehler.“</p>
<p>„Welches Tabu bitte?“, fragte Schluchseher hilflos.</p>
<p>„Tableau bitte“, grunzte Töter und fragte vorsichtig: „Mit dem Schönheitsfehler, meinen Sie da den Schönheitschirurgen, Chefin?“</p>
<p>„Ach was, Blödsinn, bitte!“, rief die. „Schauen Sie doch hin auf das Tableau.“</p>
<p>Schluchseher stierte die Kriminalerin an. Töter schaute erst auf die eine Leiche, dann auf die andere. Der Gerichtsmediziner fixierte Töter und meinte: „Keine Spuren von äußerer Gewalteinwirkung. Wir müssen erst die Obduktion abwarten.“</p>
<p>Die Chefin fixierte einen nach dem anderen. „Seid Ihr denn komplett verblödet? Das ungeheure Verbrechen hier fällt doch jedem ins Auge. Wenn das publik wird, kann hier jemand dichtmachen, Schluchseher. Ich meine, das ist doch ungeheuerlich, was da passiert ist, also bitte, das ist so was von ungeheuerlich!“</p>
<p>„Also bitte?“, fragte der Wirt.</p>
<p>„Passen Sie mir auf, dass Sie nicht noch als Mittäter verhaftet werden“, schnauzte die Brenneisen ihn an.</p>
<p>„Wie bitte?“</p>
<p>„Beihilfe!“</p>
<p>Töter trippelte von einem Bein aufs andere. Insgeheim war er froh, nicht mit Wanderstiefeln herumtrampeln zu müssen. Wenn seine Chefin doch nur nicht immer Fernsehen spielen und alles derart dramatisieren würde! Aber wenn sie etwas Winziges zwischen Daumen und Zeigefinger gerollt und weggeschnippt hatte, war in der Regel der Höhepunkt gekommen. Nur wenige Sekunden später würde sie nämlich den Finger wechseln: linker Daumen ins rechte Nasenloch. Das war der Augenblick, in dem sie noch jeden Fall allein durch Nachdenken gelöst hatte. Wieder schnippte sie etwas Winziges in Richtung der fußbekleideten Klinikchefs.</p>
<p>„Hirnschmalz“, sagte sie lapidar. Griff nach ihrem Lackmantel, grinste in die Runde und klärte sie auf: „Alles mit Hirnschmalz zu eruieren. E-ru-ieren, Schluchseher. Steht im Fremdwörterlexikon vor Tableau. Und dieses Verbrechen ist so ungeheuerlich, dass es nicht eruiert werden muss. Die Lösung drängt sich von selbst auf.“</p>
<p>Töter hibbelte herum. „Nun sagen Sie schon.“</p>
<p>„Sieht das denn keiner außer mir? Der Chef der Fastenklinik geht zum <em>Dinner for two</em>. Der Fa-sten-klinik!“</p>
<p>Sie drehte sich zur Spusi. „Leute, packt zusammen. Lasst die Leichen wegschaffen. Die Zimmermädchen können putzen. Wir ermitteln hier nicht in einem Mordfall, sondern in einem gastronomischen Betrugsfall. Das hat ja nicht gut gehen können. Der Chef der Fastenklinik beim Essen, mit Zeugen, Schluchseher! Kein Wunder haben die ihre belegten Brote in den Pool geschmissen!“</p>
<p>„Bitte, ja bitte?“</p>
<p>„Was servieren Sie denn heute zum <em>Dinner for two</em>?“</p>
<p>„Wildschweinragout an Hagebutten-Rotwein-Mousse mit handgeschabten Spätzle und Salaten der Saison, als Vorspeise eine hausgemachte Entenleberpastete auf Tokayergelee – und zum Schluss die Kastanien-Cassata mit Mandelsahne auf einem Rosenlikörspiegel, bitteschön.“</p>
<p>„Kein Wunder.“</p>
<p>„Bitte äh, bitte wie?“</p>
<p>„Ausgebittet hat sich’s. Reservieren Sie uns zwei Plätze und keiner zahlt und schreiben Sie das Mordsrezept für die Leserinnen auf.“</p>
<p>„Darf ich bitte auch die Adresse und die Öffnungszeiten &#8230; ?“</p>
<p>„Na klar. Wir sind ja hier im Regiokrimi, da soll man sogar.“</p>
<p>Töter lachte schallend und fragte: „Wenn ich auch ein Witzlein einschalten dürfte, Chefin?“</p>
<p>„Keinen Kalauer?“</p>
<p>„Keinen Kalauer. Wollte abschließend nur bemerken, dass es mit der Fastenklinik jetzt Essig ist.“</p>
<p>„Balsamico bitte“, ließ sich Schluchseher vernehmen. „Wir verwenden hier ausschließlich Balsamico!“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Heiliger Morgen</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 15:27:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanna M. Scotti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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		<category><![CDATA[Ausstellung Hanna Scotti]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
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		<description><![CDATA[Zum Gebet gen / Osten lockt / der Muezzin bellt / ein Maschinengewehr / im Namen Gottes / wimmert das ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-1787" title="Hanna M. Scotti: Heiliger Morgen" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/hanna_heiliger_morgen_neu.jpg" alt="Hanna M. Scotti: Heiliger Morgen" width="560" height="436" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>shake hands</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jul 2011 22:33:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anton Velhagen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[business]]></category>
		<category><![CDATA[fehler]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[völlig unbekannte / schüttelten mir auf messen / die hand / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>völlig unbekannte<br />
schüttelten mir auf messen<br />
die hand<br />
und freuten sich angeblich,<br />
mich zu sehen</p>
<p>nach 10 minuten<br />
unterhaltung / monolog<br />
gingen sie</p>
<p>und ich<br />
ich wusste nicht mal,<br />
wer sie gewesen waren</p>]]></content:encoded>
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		<title>hoffnungslos</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 06:41:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Hollinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[menschen]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[wenn sich der tag dem ende neigt / und es kühl wird / in den seelen / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>wenn sich der tag dem ende neigt<br />
und es kühl wird<br />
in den seelen<br />
wenn worte<br />
blank gezogen<br />
bereits tote herzen quälen<br />
rituale von fäusten und liebe bald<br />
schmerzhaft sich umarmen<br />
gebären stumme wünsche triebe<br />
und bitten einsam<br />
um erbarmen</p>]]></content:encoded>
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		<title>Eifersucht</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 16:02:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna Miel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung Anna Miel]]></category>
		<category><![CDATA[Eifersucht]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[ZMK_Exponate]]></category>

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		<description><![CDATA['Eifersucht' - ein Bild von Anna Miel]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1541" title="Anna Miel: Eifersucht" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/anna-miel__eifersucht.jpg" alt="Anna Miel: Eifersucht" width="560" height="874" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Gockel</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 16:55:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nachtschweigen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<category><![CDATA[absurd]]></category>
		<category><![CDATA[apollinisch]]></category>
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		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[sinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Junge hatte einen Gockel, dem wollte er das Sprechen lernen. Der Gockel aber blähte immer nur die Brust und schrie laut sein Kikeriki. Der Junge wusste sich keinen Rat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brentano_Gockel_Hinkel_Gackeleia_1838.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1487" title="gockel" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/gockel-140x140.jpg" alt="" width="140" height="140" /></a>Ein Junge hatte einen Gockel, dem wollte er das Sprechen lernen. Der Gockel aber blähte immer nur die Brust und schrie laut sein Kikeriki. Der Junge wusste sich keinen Rat, wie er das Tier dazu bringen sollte, das Kunststück zu vollführen, und so schlug er ein jedes Mal wenn der Gockel die Brust aufblähte dessen Kopf gegen den Tisch, noch bevor das Tier krähen konnte. Die Benommenheit nach den Schlägen nutzte er, um ihm wiederholt eine Folge von Lauten vorzusagen, die sich der Gockel einprägen sollte. Dieser blähte immer seltener die Brust und krähte bald überhaupt nicht mehr. Dafür begann er irgendwann sein erstes Wort zu sprechen: „Ich…“. Der Junge dachte erst sein Gockel sei krank, doch als er genauer hinhörte, erkannte er das leise Krächzen: „Ich…“. Da schwoll ihm vor Stolz die Brust und er gab dem Gockel Pastete zu essen, um ihn dafür zu belohnen. Jetzt sollte das Tier aber weiter lernen, und der Junge ließ es dafür hungern. Ganz abgemagert klagte das Tier in leidvollem Ton: „Ich, ich, ich, ich…“. Doch der Junge blieb stur und gab dem Gockel kein Körnchen. „Ich, ich, ich, ich…“ bejammerte sich der Gockel selbst, bis er alle Hoffnung fahren ließ und leise sagte: „Ich bin…“. Da schrie der Junge vor Freude und drückte und herzte den Gockel. Der aber lag schon fast leblos in seinen Händen. Fragend blickte der Gockel den Jungen ein letztes Mal an und krächzte: „Ich bin…?“ Dann aber wich das Leben aus ihm. Der Junge bemerkte dies über seiner Freude erst nicht, als er aber des leblosen Körpers gewahr wurde, ergriff ihn ein solcher Ekel, dass er das Tier auf den Mist warf, um sich neue, glücklichere Zerstreuung zu suchen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Silberstreifen am Horizont</title>
		<link>http://kaschemme.de/2010/06/silberstreifen-am-horizont/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 05:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[office]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[tristesse]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Flure des Arbeitsamtes bevölkern Verwahrloste. Entweder stinken sie still vor sich hin, oder sie dehnen ihre Stimmtaue.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aurora, die Sau, grinst mir ins Gesicht, so dass ich Geist und Augen öffnen muss. Jetzt muss ich ihr zusehen, wie sie mich auslacht. „Nichtsnutz“, ruft sie, „füg’ dich in die Gesellschaft und steh auf!“<br />
Ich fauche: „Verpiss dich!“ Dann quäle ich mich aus dem Bett und hauche die Fenstervorhänge herunter.<br />
Telefonschrillen. Ich nehme den Hörer, frage ihn „Hallo?“ und höre ein hundertfaches Echo von überallher.</p>
<p>Die Flure des Arbeitsamtes bevölkern Verwahrloste. Entweder stinken sie still vor sich hin, oder sie dehnen ihre Stimmtaue. Ein Alkoholfahnenträger fällt aus dem Zimmer mit der Aufschrift „MK- MKM“ heraus. Er grölt: „Dich mach’ ich alle, Aller! Worauf du einen lassen kannst.“ Ich gehe an dem Giftgewöhnten vorbei ins Büro. Dort spielt mir ein blasensaftbesudelter Stuhl beinahe einen Streich. Der Beamte bedeutet die Gefahr. Er öffnet das Fenster und versprüht Fichtenduft aus der Dose.</p>
<p>Endlich sitzen wir uns gegenüber, und er fragt: „Was kann ich für Sie tun?“<br />
„Ich suche Arbeit.“<br />
„Aha. Name?“<br />
„Eos.“<br />
„Und weiter?“<br />
„Wie weiter?“<br />
„Ihr Nachname?“<br />
„Eos.“<br />
„Ja, dann sind Sie bei mir falsch. Melden Sie sich im Zimmer 0815.“<br />
„Wieso?“<br />
„Heute ist Vollmond.“ Der Amtmann dreht seinen Stuhl und mir den Rücken zu. „Und jetzt ist Mittag. Guten Tag.“<br />
„Aber ich such’ doch Arbeit.“&#8217;<br />
„Suchen Sie im Zimmer 0815!“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Affentheater (glutenfrei)</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 05:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Clemens Ettenauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[absurd]]></category>
		<category><![CDATA[job]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[sinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Boris und Malte sitzen in einem Zimmer; die Vorhänge sind geschlossen, weil die Sonne scheint kommt trotzdem ein bisschen Licht herein; unverkennbar schwebt der Duft von Marihuana und schalem Bier in der Luft.

Boris (nach einer längeren Pause): Malte, wir sind wie Hamster, eingesperrt in einem Käfig trotten wir durch das Laufrad der Zeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1364" title="duerchdievorhaengelicht" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/duerchdievorhaengelicht-250x250.jpg" alt="duerchdievorhaengelicht" width="250" height="250" />Boris und Malte sitzen in einem Zimmer; die Vorhänge sind geschlossen, weil die Sonne scheint kommt trotzdem ein bisschen Licht herein; unverkennbar schwebt der Duft von Marihuana und schalem Bier in der Luft.</p>
<p>Boris (nach einer längeren Pause): Malte, wir sind wie Hamster, eingesperrt in einem Käfig trotten wir durch das Laufrad der Zeit.</p>
<p>Malte (nach einer ebenso langen Pause): Boris, gestern hab ich einen sogenannten „Verrückten“ in der Straßenbahn gesehen. Er brabbelte Unverständlichkeiten vor sich hin, aber er lächelte dabei. Darum habe ich ihn beneidet, offensichtlich war dieser Mensch glücklich.</p>
<p>Boris betrachtet die Knabberzeugschachtel in seiner Hand für ein paar Sekunden. Dann greift er zum Telefon (mit Wählscheibe!) und wählt sehr langsam die Nummer von der Packung.</p>
<p>Boris: Hallo? Bin ich hier bei Snackworld gelandet? Ich hätte da mal eine Frage: Auf ihrem Nuss-Mix steht: „Kann Spuren von verschiedenen Nüssen enthalten!“</p>
<p>Malte holt inzwischen die Post.</p>
<p>Boris: Was heißt „was meine Frage ist“? Ich mach mir nur Sorgen um euch…</p>
<p>Malte kommt mit einem Flugblatt in der Hand zurück (Werbung für Sicherheitsschlösser). Er nimmt Boris das Telefon vom Arm und wählt.</p>
<p>Malte: Hallo! Sie machen da ja Werbung auf Ihrem Flugblatt für mehr Einbrüche, aber sagen Sie mal: Wie kommen denn Sie eigentlich in die Wohnhäuser rein?</p>
<p>Pause.</p>
<p>Malte: Mhm.</p>
<p>Längere Pause.</p>
<p>Malte: Eigentlich interessiert mich das alles gar nicht…</p>
<p>Malte legt auf.</p>
<p>Boris: Lass uns weiter am Weihwasser-Unternehmen arbeiten…</p>
<p>Malte: Es läuft nicht, niemand will Weihwasser kaufen, das von Pfaffen am Fließband gesegnet wurde. Die Leute legen Wert auf Handarbeit bei solchen Sachen.</p>
<p>Boris: Um drei Uhr kommt eine Bewerberin.</p>
<p>Malte verrenkt seinen Kopf Richtung Wanduhr.</p>
<p>Malte: Das ist jetzt.</p>
<p>Die Türglocke bestätigt es.</p>
<p>Malte: Aber wir wollen doch gar niemanden einstellen…</p>
<p>Boris: Weißt du einen besseren Zeitvertreib?</p>
<p>Boris geht zur Tür.</p>
<p>Malte stopft inzwischen seine kleine goldene Marihuanapfeife.</p>
<p>Boris kommt mit einem etwa 20-jährigen Mädchen ins Zimmer.</p>
<p>Boris: Das ist Anne. Sie will sich hier bewerben. Hast Du die Unterlagen vorbereitet?</p>
<p>Malte (nimmt einen Zug): Hää?</p>
<p>Anne: Hallo…</p>
<p>Malte: Ähm, ja, hallo auch!</p>
<p>Boris geht zum Schreibtisch und holt eine paar zerfledderte Zettel aus einer der Laden hervor.</p>
<p>Boris: Also gut, Anne. Dann erzähl uns mal, warum du gerade in UNSERER FIRMA arbeiten willst?</p>
<p>Anne: Naja, da stand „keine Vorkenntnisse“ im Inserat, außerdem ist das hier nur fünf Minuten von mir Zuhause weg…</p>
<p>Boris (macht sich Notizen, verzieht dabei die Mundwinkel): Verstehe. Wo siehst du dich in FÜNF JAHREN?</p>
<p>Anne: Da hab ich noch nicht so drüber nachgedacht, hoffentlich nicht mehr im Studium (grinst).</p>
<p>Boris (macht sich wieder Notizen, schüttelt dabei den Kopf): Könntest du dir eine Affäre mit mir am Arbeitsplatz vorstellen?</p>
<p>Anne: Das ist ein Scherz, oder?</p>
<p>Malte lacht und hustet: Nein, das meint der schon ernst.</p>
<p>Anne: Kann ich jetzt noch nicht sagen, dafür kenn ich dich zu wenig.</p>
<p>Boris (nickt lächelnd und macht sich Notizen): Setz dich mal an den Tisch da drüben (deutet auf den Schreibtisch).</p>
<p>Anne geht hin, Boris legt ein Blatt vor sie.</p>
<p>Boris: Hier sind ein paar Denksportaufgaben, um deine analytischen Fähigkeiten zu überprüfen.</p>
<p>Anne: Kurvendiskussion? Das ist bei mir aber schon länger her… „Löse das P/NP-Problem“… ist das nicht eines dieser mathematischen Rätsel, für deren Lösung ein amerikanischen Institut eine Million Dollar ausgesetzt hat?</p>
<p>Boris: Die Zeit läuft. 15 Minuten.</p>
<p>15 Minuten später.</p>
<p>Boris sieht sich den Zettel an, schüttelt dabei den Kopf: Wir melden uns. Was machst du heute Abend?</p>
<p>Anne geht wortlos, Malte schlägt die Gratiszeitung „Austria“ auf.</p>
<p>Malte: Schlagzeile: „HASCH-NEGER RAUCHTE MARIHUANA. DROHT IHM JETZT DIE ABSCHIEBUNG?&#8221; Auf Seite 5, mit Foto einer Gruppe Neger, aufgenommen von einem unserer Lesereporter. Dafür gibt’s 50 Euro!</p>
<p>Boris reißt ihm die Zeitung aus der Hand, blättert herum: Wo ist das Horoskop?</p>
<p>Malte (genervt): Letzte Seite…</p>
<p>Boris (findet es): &#8220;Schneenashorn: Veränderungen stehen an in nächster Zeit. Riskieren sie nicht zu viel. Ein Freund wird etwas Unerwartetes tun. Das Wetter kann schwanken.“</p>
<p>Boris wirft die Zeitung in die Ecke.</p>]]></content:encoded>
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