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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; schuld</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Ein Brief aus Buxxawaan</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 06:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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		<description><![CDATA["Wir sind uns fremd und dennoch haben wir beide das Leben des anderen eines Irrtums wegen grundlegend verändert."
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Freund,</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Daugavpils_prison.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1845" title="Zuchthaus (Foto: Gleb Borisov)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/02/zuchthaus.jpg" alt="Zuchthaus (Foto: Gleb Borisov)" width="90" /></a>Sie kennen mich nicht<br />
und ich kenne Sie nur vom Namen her.<br />
Ich weiß wo Sie sich gerade befinden<br />
und ich weiß, dass Sie nichts dafür können.<br />
Wir sind uns fremd und<br />
dennoch haben wir beide das Leben<br />
des anderen eines Irrtums wegen<br />
grundlegend verändert.<br />
Sie leben in einem Gefängnis,<br />
aus dem Sie frühestens in zehn oder elf Jahren<br />
wieder freikommen werden.<br />
Danach werden Sie nie wieder zu jenem Teil<br />
der Gesellschaft gehören, zu dem Sie vor<br />
Ihrer Inhaftierung gehört haben.<br />
Ich lebe noch in dieser Gesellschaft.<br />
Sie hingegen sind ein verurteilter Mörder.<br />
Doch umgebracht haben Sie niemanden.<br />
Ich weiß das so genau, da ich derjenige<br />
bin, der diese Tat verübt hat.<br />
Sie sind nun schon seit über vier Jahren<br />
für ein Verbrechen eingesperrt, das ich<br />
begangen habe.<br />
Ich möchte Sie nicht mit meinem Gewissen<br />
langweilen.<br />
Ich wüsste auch gar nicht, was ich<br />
sagen sollte.<br />
Ich bin nicht sehr geistreich.<br />
Ich hätte wahrscheinlich einen Dichter<br />
beauftragen sollen, Ihnen diesen Brief<br />
zu schreiben.<br />
So bleibt es nur ein Brief von einem<br />
bedeutungslosen Mörder, der nie<br />
verurteilt wurde und dem Sie, ohne<br />
es zu wollen, das Leben gerettet haben.<br />
Ich wünschte ich hätte wenigstens ein<br />
Zitat parat oder könnte Ihnen mitteilen,<br />
dass ich vor einem Jahr mehrere Kinder aus<br />
einem brennenden Haus gerettet habe.<br />
Doch so was passt nicht zu mir.<br />
Ich bin ein Feigling und das Glück<br />
war einfach auf meiner Seite.<br />
Ich habe eine Frau und ein Haus.<br />
<a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Daugavpils_prison.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1845" title="Zuchthaus (Foto: Gleb Borisov)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/02/zuchthaus.jpg" alt="Zuchthaus (Foto: Gleb Borisov)" width="90" /></a>Ich lebe ein gutes Leben und habe vor zwei Monaten<br />
einen Sohn bekommen.<br />
Ich habe überlegt ihm Ihren Namen zu geben,<br />
als nette Geste sozusagen, aber ich denke nicht,<br />
dass es ein gutes Omen wäre.<br />
Sie sind ein Held des Pechs.<br />
Sie sind mein Held.<br />
Ich hoffe Sie verbringen Ihre Tage einigermaßen<br />
sinnvoll und haben die Hoffnung auf ein<br />
besseres Leben noch nicht aufgegeben.<br />
Sollten Sie das Leben und Gott verfluchen,<br />
dann mache ich Ihnen auch keinen Vorwurf.<br />
Ich wünschte ich könnte sagen, Sie sitzen<br />
für eine gute Sache ein, dass durch Ihre<br />
Inhaftierung eine Art Revolution oder ein<br />
Umdenken bei den Menschen ausgelöst wurde.<br />
Aber nichts dergleichen ist passiert.<br />
Niemand interessiert sich für den Helden des Pechs<br />
und niemand für das Opfer des Glücks.<br />
So ist es nun mal.<br />
Es tut mir leid.<br />
Nun muss ich hier schließen, denn ich<br />
brauche noch Milch<br />
und der Supermarkt an der Ecke<br />
macht in zehn Minuten zu.<br />
Bleiben Sie tapfer.</p>
<p>Grüße aus Buuxxawaan!</p>]]></content:encoded>
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		<title>Refraktärphasen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 06:11:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[ ]</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
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		<description><![CDATA[Du lebst in einer mittelgroßen Stadt. Was machst du hier? Du gehst einkaufen, du spülst, du putzt deine Wohnung. Du isst. Du wichst wie du pisst: 20 Sekunden oder ein bisschen mehr. Du erhältst dich am Leben; leihst dir Filme aus oder liest ein paar Bücher. Du versuchst von den Menschen nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu erwarten. Manchmal, wenn du ein Stück Wirklichkeit brauchst, gehst zu den Nutten, weil es einfach und unkompliziert ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Es gibt nichts zu tun. Du kannst weder den Tod noch das Leben annehmen. Du sitzt da in deiner Wohnung und hörst das Rauschen der Autos, die unter den geschlossenen Fenstern vorbeifahren. Du bekommst das Studiengeld von deinen Eltern, mit dem du deine Wohnung finanzierst; du hast einen kleinen Nebenjob. Du lebst nicht schlecht, du faule Sau: Du stehst spät auf, du hast keine dringlichen Pflichten, du studierst schon lange nicht mehr. Du hast dein schlechtes Gewissen, du hast deine kleinen Pseudo-Tätigkeiten, mit denen du dein Nichtstun kaschierst. Du hast soviel Zeit und keine Idee, wie es weitergehen soll. Du schiebst dein Leben auf. In dir ist schon lange eine latente Krise, die dein ganzes Leben überschattet. Du wartest auf ein Wunder, auf eine Verzauberung; du wartest auf eine Naturkatastrophe, auf einen Krieg. Du bist dir bewusst, dass alles in und bei dir selbst liegt. Du kennst deine Fehler in- und auswendig; du kannst deine Schwächen und Ängste vor- und rückwärts buchstabieren; du meinst ihre Gründe und Gegengifte zu kennen. Trotzdem änderst du dein Leben nicht.</p>
<p align="justify">Du weißt, dass menschliches Glück unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist: Gute soziale Kontakte, reichhaltige Aktivitäten, eine Arbeit, die Freude bereitet, eine gut funktionierende Partnerschaft, eine optimistische Einstellung dem Leben gegenüber – du musst dich also nicht wundern, dass du ständig am Rande der Verzweiflung lebst. Aber im Grunde interessiert dich das sehr wenig, du bist nicht unbedingt ein erfolgreicher Manager des glücklichen Lebens. Du wirst dich hier nie richtig wohl fühlen und hast dich daran gewöhnt. Du fühlst dich oft krank, aber sagst dir immer wieder: Gesundheit ist zum Ausgeben da. Für deine Rekonvaleszenz brauchst du, neben dem Schutzwall aus Gewohnheiten, die Einsamkeit, die Stille, das Ordnen der Dinge, die Gespräche mit dir selbst. Wie jeder suchst du nach angenehmen Momenten und Empfindungen; du lebst in der Postmoderne, dein Körper verbietet sich jegliche Ahnung von Deprivation. Das Bett ist deine Freundin. Viel schlafen, wenig leben: das ist deine Formel. Du magst den Winter, die Zeit der großen Nacht. Du willst die Ruhe fühlen, die Stille und die Dunkelheit; du willst das Aufhören spüren, die ewige Dämmerung. Du willst das Nicht-Sein aktiv miterleben.</p>
<p align="justify">Deine Augen sind in eine blinde Einstellung gerastet. Du siehst dich aufstehen, dann gehst du aus der Wohnung &#8230; Du kannst deinen ganzen Tagesablauf gedanklich vorwegnehmen: du tust alles nur, um es getan zu haben. Gedämpft hörst du hörst die Autos vorbeirauschen und fühlst dich krank. Du weißt, dass du nur aufzustehen brauchst, die Rollladen hochziehen und die Fenster öffnen musst, um den Kontakt zur Außenwelt wieder herzustellen. Es gibt einen Moment, wenn man so daliegt, einen Moment, wo man schon gewillt, wo man schon ganz kurz davor ist aufzustehen &#8230; und da ist dann dieses Grauen, ein Gefühl, ein absolutes Gefühl der Erschöpfung, der Unmöglichkeit, der Unfähigkeit – dies überwunden, steht man. Du weißt, dass der Ruck, den man sich dazu geben muss, eine Art Geburt ist. Es gibt jeden Tag drei Geburten: Aufwachen, Aufstehen, aus der Wohnung gehen. Alle sind immer wieder aufs Neue ein sanfter Schock.</p>
<p align="justify">Du hast deine Gewohnheiten: die Abfolge deines Waschrituals ist immer dieselbe. Die Griffe, die Bewegungen, die Handhabung der Dinge sind immer die gleichen. Wie du dich abtrocknest, wie du dich anziehst und alles weitere. Deine Gewohnheiten funktionieren wie eine Weiche: sie leiten dich in den Tag um – in das bisschen, was davon eben übrig bleibt.</p>
<p align="justify">Du lebst in einer mittelgroßen Stadt. Was machst du hier? Du gehst einkaufen, du spülst, du putzt deine Wohnung. Du isst. Du wichst wie du pisst: 20 Sekunden oder ein bisschen mehr. Du erhältst dich am Leben; leihst dir Filme aus oder liest ein paar Bücher. Du versuchst von den Menschen nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu erwarten. Manchmal, wenn du ein Stück Wirklichkeit brauchst, gehst zu den Nutten, weil es einfach und unkompliziert ist. Moralischen Einwänden weichst du aus wie den Leuten in der Innenstadt, du trennst den Müll nicht. Du bist unpolitisch, ein Idiot. Du hast dein kleines Leben und deine kleinen Genüsse; du hast deine Angst, da ist diese Leere, die undeutliche Wahrnehmung eines Fehlens, etwas, das du nicht benennen kannst. Da ist diese Entfremdung, die du empfindest, das Gefühl, das Leben wäre unerreichbar, diese unaufhebbare Distanz. Du hast deine Vergangenheit, deine Unwirklichkeit, vereinzelte Bilder. Du betreibst deine Studien: für dich ist alles tief, für dich ist alles ein Verweis. Oft glaubst du gar nichts zu wissen. Vom Leben und überhaupt.</p>
<p align="justify">Du hältst dich nicht für intelligent: du bist langsam. Deine Aufgabe ist es eher, Intelligenzen zu erkennen und dich im Unterschied zu ihnen zu begreifen. Du bist inkompetent. Deine Allgemeinbildung ist mangelhaft. Wozu, sagst du dir, gibt es Bücher, CDs, Festplatten, also verlässlichere Speicherplätze? Das Nichtwissen lastet: es ist schwerer als dein Wissen. Dunkel erahnst du mehr von dem, was du nicht weiß, als das, was du tatsächlich an Wissen vorzuweisen hast. Deine Weitsichtigkeit reicht aus, um deine totale Beschränktheit ins Unendliche ermessen zu können.</p>
<p align="justify">Manchmal fehlen dir Wörter und Begriffe; manchmal wird dir aus der eigenen Sprache eine fremde. Es fällt dir schwer, dich in anderen Nervenbahnen zu orientieren. Du bist nicht diszipliniert, deine Konzentration ist schlecht, dein Hirn voller Löcher, das meiste fällt durch. Du musst öfters Nachfragen und die Leute wiederholen ihre Sätze. Deine Stimme im Kopf ist laut und beharrlich. Du hast deine Themen und Begriffe, die Gedanken, die einen eben haben. Du bist ein Klischee wie jeder andere. Du bist übervoll von dir. Du kotzt dich selbst an. Du kommst dir vor wie ein Behinderter, der gerade eben noch um seine Behinderung wissen kann, ohne sie überschreiten zu können. Dennoch sind, wie du pathetisch meinst, deine Verblödungsversuche allesamt gescheitert.</p>
<p align="justify">Du hast keinen Bereich des Könnens, du hast nie geübt, nie gelernt: weder eine Fremdsprache, noch ein Instrument oder Handwerk. Nicht mal tanzen kannst du. Du hast nie eine lange Zeit im Ausland verbracht, du hast, wie man sagt, nie wirklich etwas gewagt. Du hast dich einmal für eine Frau aufs Spiel gesetzt, aber das war kein Risiko, sondern die blinde Umklammerung eines Neugeborenen. Du warst oft peinlich. Du hast keine besonderen Talente, was die ganze Sache schwierig macht. Indem man sein Genre, seinen Beruf wählt, denkst du oft, wählt man sich selbst. Aber bei dir ist da nirgendwo ein fester Untergrund, auf dem sich wirklich bauen ließe.</p>
<p align="justify">Deine Interessen sind unsichtbar: es ist das Rätsel, sagst du romantisch, das dich verzehrt. Du hältst nicht viel von der Idee der Individualität: du empfindest dich als leeres Gefäß, das sich mit fremden Dingen anfüllt. Es gibt nur die wechselnden Einflüsse, die mit dir spielen wie der Wind mit allem Losen. Schwammig bist du und diffus. Du kannst dich schlecht abgrenzen, du verlierst dich im Abstrakten. Du bist unfähig, den Widerspruch zwischen Gedanke und Tat zu überwinden, du bleibst im Getriebe des Selbstzweifels stecken. Es werden keine Punkte für besser denken und besser wollen vergeben: Du weißt, dass nur die Tat, dass nur das Machen zählt. Du bist was du machst: du bist nichts. Du sprichst gerne von der Nichtigkeit des Lebens und weißt über sie Bescheid. Überhaupt gelingen dir die Überleitungen vom Persönlichen ins Allgemeine sehr gut.</p>
<p align="justify">Ein Tag wie jeder andere, der Tag geht um, es wird wieder dunkel draußen. Allein ist nichts wichtig; die Ereignisse versanden stumm in einem selbst. Du hast deine Erledigungen gemacht. Du hast tausendmal die gleichen Bewegungen ausgeführt, du hast tausendmal die gleichen Gedanken gedacht. Es ist still in deinem Zimmer, die Menschen sind wieder zur Ruhe gekommen, in deinem Zimmer ist es still. Dieses Leben, was du jetzt führst, ist eine Alternative, es wiegt nichts. Was du jetzt lebst, das ist schlechte Zwischenmusik, vieles, was man weglassen kann. Du hättest auch nicht sein können. Von dir gibt es Unzählige und keinen. Du weißt, dass dein Leid kein Anrecht auf Allgemeingültigkeit hat.</p>
<p align="justify">Die Uhr in deinem Zimmer. Die Stille. Das Ticken. Der Aufstand, der nie kommt. Manchmal zuckt noch eine Welle Wut durch dich. Doch Überdruss und Langeweile warten wie Schlangen in jedem Winkel deines Zimmers. Man muss alle Systeme verlassen, um wahrhaftiger zu sein, denkst du und starrst auf den Wasserhahn, aus dem in unregelmäßigen Abständen ein Tropfen Wasser tropft. Man wird nie klüger. Du spürst den Abgrund in jeder Abteilung deiner Sinneswahrnehmung, in Geräuschen, in Gerüchen, in deinen Gedanken, in jeder Tätigkeit. In der Stille. Du steigst hinter den Alltag, hinter die Zeit; du bist jenseits des Trubels, jenseits der Massen.</p>
<p align="justify">Die Tür öffnet sich, der Raum ist dunkel. Da ist ein Winkel, aus dem Licht zu kommen scheint; da ist ein Buchrücken, den man befühlt. Aus dem Unmerklichen tritt etwas ins Merkliche über. Transduktion. Man lebt. Es gibt ein Auge, das sieht, und ein Auge, das blind ist und in dem man sich spiegelt. Du bläst den Zigarettenrauch gegen deine Fresse und dein Blick ist glasig. Alles ist sinnlos. Hinter dem Spiegel ist nichts. Wir befummeln die Wahrheit mit tausend Dietrichen: sie ist nicht kitzelig; sie bleibt unbeweglich, starr, unbekannt. Nein, du Trottel, das sind keine Zeichen: das sind Selbstverweise. Wir sind eingesperrt in unsere Ordnung. Da liegt ein kaputter Regenschirm im Rinnstein. Der Mensch ist allein. Du bist allein. Draußen zwitschern schon die ersten Vögel. Was sie singen? Morgen wird wie heute sein.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Aussage</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 14:11:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>R.Gruwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als er mit seinem blutenden Schädel in der Tür stand, dachte ich zuerst er kommt direkt aus dem Himmel und ein Engel wartete draußen im Taxi und die Zeit läuft gegen ihn und mich und wir haben bloß noch ein paar Minuten, um uns zu verabschieden. Doch es war nicht sein Blut, das meinen gerade, frisch abgezogenen und lackierten Fußboden versaute.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Als er mit seinem blutenden Schädel in der Tür stand, dachte ich zuerst er kommt direkt aus dem Himmel und ein Engel wartete draußen im Taxi und die Zeit läuft gegen ihn und mich und wir haben bloß noch ein paar Minuten, um uns zu verabschieden. Doch es war nicht sein Blut, das meinen gerade, frisch abgezogenen und lackierten Fußboden versaute. Es war ihr Blut. Sie kam von Amsterdam und hat seinen faulen Hintern, aus seinen dicken, verdammt bequemen, braunen Ledersessel gerissen und hat ihn durch die ganze Stadt geschleift, bis er nicht mehr wusste wo ihm der Kopf stand. Und er war glücklich wie noch nie in seinem Leben. Ja gut, sie war nicht einfach und leicht zu verstehen, sie konnte einem ganz gewaltig auf die Nerven gehen und dass sie mich ein versoffenes, arrogantes, altes Arschloch nannte, hab ich ihr schon ein bisschen übel genommen. Doch was soll´s, sie war schon eine tolle Frau. Und mit dem Trinken hab ich schon ein kleines Problem. Schuld war nur dieser verflucht heiße Sommer, in dieser beschissenen Stadt wo jeder Schritt in einem Hundehaufen endet und wenn dich dann auch noch die Frau verlässt, die du liebst und deine letzten Träume mitnimmt und nichts als ein riesengroßes Fragezeichen in deinem Kopf hinterlässt, dann kann man schon mal durchdrehen. Herr Kommissar.</p>
<p>&#8211;<br />
<strong>Text anhören:</strong><br />
<small><strong>&#8220;Aussage&#8221; &#8211; 3´57</strong><br />
Musik: M. Dreesen / R. Gruwe &#8211; Text: R.Gruwe -M. Dreesen: Gesang &#8211; Chr.Strauß: Git, Fender Rhodes &#8211; Samuel Beck: Bass, Gesang &#8211; Jakob Peters: Schlagzeug – Aufgenommen &amp; abgemischt von Stefan Hilbricht</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Besucher</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 07:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eines Tages war er sogar bereit, ins Lager zurückzukehren, nicht als Gefangener, wie damals, sondern als Besucher, auf Einladung der Kinder und Kindeskinder seiner Häscher.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/11/krematorium_350x250-250x250.jpg" alt="krematorium_350x250" title="krematorium_350x250" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1242" />Irgendwann schien vieles weg, fort, verschwunden zu sein, das große Vergessen tauchte auf und verschluckte, was es kriegen konnte. Eines Tages war er sogar bereit, ins Lager zurückzukehren, nicht als Gefangener, wie damals, sondern als Besucher, auf Einladung der Kinder und Kindeskinder seiner Häscher. Und dann steht er auf dem Appellplatz, er steht stramm, wie einst, aber dann schon nicht mehr, denn dann steht er vor dem Krematorium, in dem so viele seiner Kameraden verschwanden. Er sieht sie vor sich: abgemagert, geschunden und geschlagen. Er sieht sie, wie sie aus dem Krematorium heraus auf ihn zukommen, eine ganze Schar in gestreiften Sträflingskleidern, mit offenen Armen und Tränen in den Augen, Tränen der Freude, ihn wiederzusehen. Doch da poltert plötzlich eine Stimme hinter ihm, eine brutale Stimme mischt sich hinterrücks in seine Freude und zertrampelt sie. Und als er sich nach ihr umdreht, sieht er einen Schergen in seiner schwarzen Uniform, mit der Reitpeitsche in der Hand und einem Satz im Mund, wie damals, mit dem Satz: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Kambodschaner schläft</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/09/der-kambodschaner-schlaeft/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 05:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<category><![CDATA[apollinisch]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Kambodschaner kann er sich unterhalten. Spark gefällt es, auf die unbewegte Miene vor ihm einzureden, er könnte sich keinen besseren Gesprächspartner vorstellen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An dem Herbsttag hält Spark vor seinem Tor. Es hat keinen Antrieb, er muss es von Hand aufmachen. Als er aus dem Auto steigt, zuckt er zusammen, ein Dröhnen, unangenehm laut – neuerdings wird das Laub der Bäume mit großen Maschinen von der Straße gesaugt. Einige Arbeiter folgen dem Ungetüm, sie kehren die Reste zu Haufen zusammen, ein trister Job.</p>
<p>Einer der Männer hat den Anschluss verloren. Er fegt den Rinnstein an der Einfahrt, so akkurat, dass Spark aufmerksam wird.<br />
„Saubere Arbeit!“, ruft er ihm zu.<br />
Der Mann dreht sich um, zeigt ein fremdländisches Gesicht, nickt unsicher.<br />
„Saubere Arbeit!“ Die Wiederholung ärgert Spark. Wie um sich zu entschuldigen spricht er den Mann noch einmal an: „Da, mein Garten.“ Er lacht verlegen. „Viel Laub, viel totes Holz. Sie&#8230; Sie könnten mir helfen, wenn Sie wollen. Natürlich gegen Bezahlung.“<br />
Es ist kein Türke, kein Russe, eher ein Chinese. </p>
<p>Ein Kambodschaner – er hat Samstag angefangen und bis Sonntagabend den ganzen Garten in Ordnung gebracht. Der hagere Mann strahlt eine faszinierende Ruhe aus, Spark ist beeindruckt. Obwohl er am Wochenende nur das Nötigste im Haushalt gemacht hat, fühlt er sich wie gerädert. Es muss an der Scheidung liegen, er kommt einfach nicht darüber hinweg. Manchmal besucht ihn eine neue Freundin, sie bleibt meistens nur für eine Nacht, bis zum Frühstück. </p>
<p>Mit dem Kambodschaner kann er sich unterhalten. Spark gefällt es, auf die unbewegte Miene vor ihm einzureden, er könnte sich keinen besseren Gesprächspartner vorstellen. Immer wieder huscht ein Ausdruck von Zustimmung, sogar von Humor über die fremden Gesichtszüge. Der Mann wird ihm von Minute zu Minute vertrauter, vielleicht kann er wirklich alles verstehen.</p>
<p>Das Gartenhaus stammt noch aus den schlechten Zeiten. Spark kann den Schlüssel nicht im Schloss herumdrehen – da sieht er neben sich die Hand des Kambodschaners. Innen riecht es muffig. Sie müssen sich durch Netze von Spinnweben hindurcharbeiten, um die Fenster zu öffnen. Der Kambodschaner schaut sich andächtig um, er berührt die Spinnennetze, als ob sie sehr kostbar wären. Spark ist nicht mehr allein. </p>
<p>Seine Freundin steht vor der Tür, eine schöne Frau, so wie er sie sich in seinen Träumen vorgestellt hat. Sie schlafen zusammen, später sehen sie fern.<br />
„Dahinten im Gartenhaus brennt Licht. Hast Du vergessen, es auszuschalten?“<br />
„Nein“, sagt Spark. „Da wohnt ein Mann, vorübergehend. Er hilft mir im Garten.“<br />
Er ahnt, dass sie sich damit nicht zufriedengeben wird.<br />
„Das passt gar nicht zu dir. Was für ein Mensch ist das?“<br />
„Ein Kambodschaner.“ In diesem Moment denkt er wieder an die Scheidung.<br />
„Wen Du alles so kennst&#8230;“ Sie schüttelt den Kopf und schaut wieder auf den Fernseher.<br />
„Er ist eben bei mir.“</p>
<p>Der Tag kommt, als Spark schreit. Es hat Ärger gegeben, er verlässt schon vormittags das Büro. In der Fußgängerzone entdeckt er seine geschiedene Frau mit seiner Tochter. Ein hübsches Mädchen, er sie hat sie so lange nicht gesehen. Seine Hand fährt hoch, sie bemerkt es nicht. Dann sieht er die Wodka-Flaschen im Schaufenster. Auf der Fahrt nach Hause nimmt er immer wieder einen kleinen Schluck. Über Nacht hat es geschneit. Spark schreit, er stiert durch das Fenster auf das schneebedeckte Dach des Gartenhauses. Der Wodka steigt ihm zu Kopf. Was macht der Kambodschaner noch hier? Seine Freundin ist auch misstrauisch. Er schiebt entschlossen die Terrassentür auf und steuert das Gartenhaus an.</p>
<p>„Warum sagst du nichts?“<br />
Aber der Kambodschaner reagiert kaum. Je lauter Spark wird desto gelassener wirkt der Fremde. Er bleibt stumm, er scheint nur überrascht zu sein.<br />
„Ich will dich nicht mehr sehen!“ Sparks Stimme schnappt über. Plötzlich ist diese Angst da, eine fürchterliche Angst, die ihn würgt. Er stürzt abrupt in die Nacht hinaus, fast wäre er lang hingeschlagen. Wie wild rennt er vor dem Kambodschaner weg, quer durch den Garten, den rettenden Eingang im Blick. Die Schnapsflasche fliegt in die Büsche. Drinnen schließt er sofort die Terrassentür ab. </p>
<p>Erst am Abend wacht Spark wieder auf. Er hält seinen Kopf unter den Wasserhahn, bis alle Gedanken ausgewaschen sind und er nur noch dumpfes Pochen spürt. Im Wohnzimmer sieht er die Vorhänge vor dem Terrassenfenster. Ungewöhnlich, er muss sie selbst zugezogen haben, dieser elende Wodka. Durch einen Spalt späht er hinaus – Dunkelheit&#8230; nein, nicht nur Dunkelheit, im Gartenhaus brennt Licht.</p>
<p>Spark reißt mit einem Ruck die Tür auf. Er wird diesen Zustand beenden, auch wenn er Gewalt anwenden muss. Als er seine Freundin entdeckt, erstarrt er vor Schreck. Sie sitzt allein im Gartenhaus, auf dem einzigen Stuhl, unter der nackten Glühbirne, die ihn blendet.<br />
„Was machst du denn hier? Wo ist der Kambodschaner? Ist er weg?“<br />
„Ich weiß nicht.“ Seine Freundin schaut ihn an. „Er ist irgendwo. Der Kambodschaner schläft. Lass’ ihn in Ruhe, dann lässt er auch dich in Ruhe.“ Sie kommt zu ihm, streichelt seine unrasierten Wangen, sie flüstert: „Denk’ einmal an nichts.“</p>
<p>Die Kälte hat ihn nüchtern gemacht. Er wartet vor der offenen Tür, wagt es nicht, sich umzudrehen. Dann tut er es doch. Das Gartenhaus ist leer, überall die Spinnweben. Seine Freundin verabschiedet sich nicht, sie geht einfach weg, eine Gestalt im Mondlicht. Spark wendet den Blick von ihr ab. Er friert.<code></p>]]></content:encoded>
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		<title>Triumph des Willens</title>
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		<pubDate>Thu, 14 May 2009 22:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war der Morgen eines blauen Frühlingstages, als Kain seinen kleinen Bruder Abel in den Kindergarten bringen mußte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/blauerhimmel_350px.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/blauerhimmel_350px-250x250.jpg" alt="blauerhimmel_350px" title="blauerhimmel_350px" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1071" /></a>Es war der Morgen eines blauen Frühlingstages, als Kain seinen kleinen Bruder Abel in den Kindergarten bringen mußte. Kain, der alles lieber tat, als sich mit kleinen Brüdern abzugeben, zog Abel wie einen Bollerwagen hinter sich her, er schleppte ihn eine Allee entlang, deren Bäume wie große, grüne Staubwedel aussahen, oder wie regungslose, salutierende Klobürsten. Plötzlich tauchte eine Raupe vor ihnen auf, ein Geschöpf, dem gegenüber sich die Brüder von kleinen Jungen in Riesen verwandelten. Kain hob sein Bein, so daß die Raupe im Schatten seiner Schuhsohle verschwand. Er fragte Abel, ob sie leben oder sterben solle. Obwohl sich Abel für das Leben entschied, zerquetschte Kain die Raupe unter seinem Fuß. Es war der Morgen eines blauen Frühlingstages, als das Leben seine Unschuld verlor, es war auf einer Allee, auf einer Klobürsten- oder Staubwedelallee, als der Tod eines kleinen Tieres einen kleinen Jungen zu Tränen rührte und einen andern zu einem Lächeln.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Ausgeträumt</title>
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		<pubDate>Tue, 12 May 2009 22:04:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susann Klossek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich stell es mir furchtbar vor / So ein Künstlerleben / Immer auf Tour / In fremden Käffern herumtingeln / Aufwachen mit schalem Geschmack im Mund / In geschmacklosen Mittelklassehotels]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stell es mir furchtbar vor<a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/hotezimmer_200hoch.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1136" title="Geschmackloses Mitteklassehotel (Foto:aw)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/hotezimmer_200hoch.jpg" alt="Geschmackloses Mitteklassehotel (Foto:aw)" width="200" height="583" /></a><br />
So ein Künstlerleben<br />
Immer auf Tour<br />
In fremden Käffern herumtingeln<br />
Aufwachen mit schalem Geschmack im Mund<br />
In geschmacklosen Mittelklassehotels<br />
Nicht genau wissen<br />
In welcher Galaxie man gerade herumwabert<br />
An schlecht bezahlten TV-Serien schreiben<br />
Auf Autobahnen zwischen Hier und Dort<br />
Und wenn’s einem schlecht wird<br />
Nicht genau wissen<br />
Ist jetzt der Text oder der Fahrstil Schuld<br />
Abends auf der Bühne<br />
Das Highlight des Tages<br />
Die Rampensau raushängen<br />
Wissen wofür man lebt<br />
Sich kurz im Ruhm sonnen<br />
Wissen wofür man blutet<br />
Doch dann fällt er wieder<br />
Viel zu früh<br />
Der Vorhang<br />
Manchmal trifft man auf Frauen<br />
Verfängt sich in ihren Klauen<br />
Das ist manchmal schön<br />
Meistens aber nur anstrengend<br />
Dann sitzt man an Tischen<br />
Mit fremden Leuten<br />
Die meinen sie hätten Anspruch auf dich<br />
Die Unterhaltung nach der Unterhaltung erwarten<br />
Und wenn du dann müde und wortkarg<br />
Auf dem Stuhl sitzt und gähnend am Rotwein nippst<br />
Sagen sie: Den hab ich mir aber auch amüsanter vorgestellt<br />
Und dann liegst du allein im Hotelbett<br />
Und hast nicht mal mehr die Kraft<br />
Zu onanieren<br />
Was auch nicht weiter tragisch ist<br />
Weil Lust dazu hast du auch nicht wirklich<br />
Und am Sonntag willst du den Bus nehmen<br />
Abstand von der Truppe<br />
Die dir langsam auf den Sack geht<br />
Mal wieder nach Hause fahren<br />
Die Kinder und die Frauen durchzählen<br />
Und dann steht an der Haltestelle<br />
Auf der LED-Anzeige ‚Momentan von hier keine Abfahrt geplant‘<br />
Früher träumte ich auch<br />
Von so einem Leben<br />
Heute halte ich mich lieber<br />
In der Nähe von Vögeln auf<br />
Als dummdreist vom Fliegen zu träumen</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Taschenuhr</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 22:28:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Schida</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[leben]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[schuld]]></category>
		<category><![CDATA[tod]]></category>
		<category><![CDATA[vater]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie hat viele Jahre meinem Vater gehört
Er ist längst tot
und ich weine ihm keine Träne nach
Er war ein harter Hund]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich vor der Maschine sitze<br />
und meine Zeilen in sie hineinhämmere<br />
dann mach ich zwischendurch<br />
kleinere oder auch mal größere Pausen</p>
<p>Und dann schaue ich auf die kleine<br />
silberne Taschenuhr<br />
die neben dem Papierstapel auf dem Schreibtisch liegt</p>
<p>Sie hat viele Jahre meinem Vater gehört<br />
Er ist längst tot<br />
und ich weine ihm keine Träne nach<br />
Er war ein harter Hund<br />
und irgendwie schiebe ich ihm die Schuld<br />
für mein eigenes verkorkstes Leben zu</p>
<p>Er hat mich nie geliebt<br />
hat stets für Aufruhr und Unruhe gesorgt<br />
und mit mir oder meiner Mutter herumgebrüllt<br />
Auch den Riemen ließ er ab und zu<br />
auf mich niedersausen</p>
<p>Er war das Arschloch<br />
das meine Entwicklung um mindestens<br />
ein Jahrzehnt gehemmt<br />
und nachhaltig gebremst hat</p>
<p>Und jetzt liegt er schon längst bei den Würmern<br />
falls überhaupt noch etwas von ihm übrig ist<br />
und seine Taschenuhr zeigt mir täglich<br />
mehrmals die genaue Zeit<br />
Und jeden Morgen<br />
wenn ich sie aufziehe<br />
erregt mich ihr glattes kühles Metall<br />
und ihr schlankes zeitloses Aussehen</p>
<p>Ich finde, das ist mehr<br />
als man von einer Uhr verlangen kann</p>
<p>(2001)</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Kultursau</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 23:01:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[bücher]]></category>
		<category><![CDATA[enden]]></category>
		<category><![CDATA[erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[schuld]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf die Frage eines Einfaltspinsels, was der Morgensterngedichtband koste, antwortete er: bloß einen Ditscher, weil ein Gedicht fehle.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Trödelmarkt bekramte ich die Bücherkisten eines ergrauenden Vierzigers. Auf die Frage eines Einfaltspinsels, <a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/buecher_250x500.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-990" title="Antike Bücher" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/buecher_250x500.jpg" alt="Antike Bücher" width="250" height="500" /></a> was der Morgensterngedichtband koste, antwortete er: bloß einen Ditscher, weil ein Gedicht fehle. Er ließ sich nicht entblöden zu erzählen, daß er es herausgerissen habe, um sich irgendwo damit rezitativ bloßzustellen. Ein Dichter, schloß ich, war er also nicht. Sonst hätte er sich sicher mit eigener Ware wichtig gemacht. Aber warum dieses Beiwerk, dieser Schmuck? Warum spielte er sich auf? Sollte das sein Trödlerdasein veredeln, entschuldigen, oder dachte er, damit seinen Umsatz zu steigern? Immerhin, es ging um einen Ditscher.</p>
<p>Ich bog meinen Arm, streckte ihm zwei Taschenbücher entgegen und fragte „Wieviel?“ Der falsche Vierziger nahm die Bände und blätterte darin herum, vielleicht um auf irgendeiner Seite Antwort oder eine entblößende Glosse zu finden. Schließlich antwortete er: „Zwei Ditscher.“ Das war in Ordnung.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Schuld</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/04/die-schuld/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 19:15:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[angst]]></category>
		<category><![CDATA[grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
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		<category><![CDATA[schuld]]></category>
		<category><![CDATA[verbot]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem Waldboden liegt ein Teppich aus Moosen, Blumen und Gräsern, und in der Nähe rauscht ein Bach. Und plötzlich steht ein Junge vor ihm, ein Junge wie er.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da steht er vor ihm, der Wald, die Gehölzgesellschaft, da steht er nun davor, vor dem Wald, vor dem ihm Großmutter so oft gewarnt hatte. Und dann ist er drin im Wald, trotz der Warnungen, trotz der Furcht vor dem dunklen, undurchdringlichen Dickicht. Vor einem Jahr hätte er sich das noch nicht getraut, vor einem Jahr und in den Jahren davor, während der Sommerferien, die er bei Großmutter auf dem Land verbrachte. Da hatte er noch an die Märchen vom schwarzen Mann geglaubt, vom Kinderfresser und von den Seelen seiner Opfer, die durch den Wald geisterten.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/wald_350.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/wald_350.jpg" alt="wald_350" title="wald_350" width="350" height="250" class="alignright size-full wp-image-1065" /></a>Buchen und Eichen zu beiden Seiten des Feldwegs, Baumstämme wie hohe, braune Pfeiler und Kronen wie lichte grüne Kirchenkuppeln. Auf dem Waldboden liegt ein Teppich aus Moosen, Blumen und Gräsern, und in der Nähe rauscht ein Bach. Und plötzlich steht ein Junge vor ihm, ein Junge wie er, wie aus dem Gesicht geschnitten, er steht da und lächelt. „Keine Angst“, sagt sein Ebenbild, „ich bin auf deiner Seite!“</p>
<p>Die Jungen setzen sich an den Bach. Der eine erzählt seine Geschichte, er erzählt die Geschichte vom Alleinsein, von der Einsamkeit in der Stadt. „Hat dich jemand in den Wald gehen sehen?“ unterbricht ihn der Waldjunge plötzlich. Noch ehe der andere den Kopf schütteln, noch ehe er verneinen kann, knackt es hinter ihnen. Und als sie sich umdrehen, sehen sie die Dorfgemeinschaft, sie sehen hundert, zweihundert Menschen auf sich zukommen. Die Großmutter tritt aus dem Pulk heraus und giftet: „Ich habe dir hundertmal gesagt, wer in den Wald geht, kommt nicht wieder heraus. Ich habe dich hundertmal gewarnt, du aber konntest nicht gehorchen.“</p>]]></content:encoded>
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