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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; spass</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Der Senator und Ich</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 11:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>S.Fronzeca</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er, nennen wir ihn Versager, stellte als erstes den Fernseher an, dann duschte er und begann Hand an mich zu legen. In den ersten zehn Sekunden wusste ich, die ganze Sache war ein Fehler, würde in einer Nullnummer enden. Dreimal wies ich ihn höflich darauf hin, wie ich es nicht will, doch nach 30 Sekunden schaltete sich wieder sein Autopilot ein, der auf die harte Nummer programmiert war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Walking_Street,_Pattaya,_Thailand.jpg?uselang=de"><img class="size-full wp-image-1675 alignright" title="thai_street_2 (Bild: Rak-Tai)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/thai_street_2.jpg" alt="(Bild: Rak-Tai)" width="190" height="374" /></a>Nach sieben Jahren waren der Senator und ich wieder zusammen in Bangkok gestrandet und schlenderten die Straße zum reudigen Frettchen entlang. Nach dem obligatorischen Abendessen in der Telephone Bar, deren tuntige Kellner-Crew, bis auf einen unattraktiven Sitzengelassenen, zwar gewechselt hatte, in der sonst aber alles seinen gewohnten Gang ging, landeten wir ziemlich schnell wieder in einer der einschlägigen Boy-Bars. Eigentlich verlangte es mich mittlerweile nicht mehr nach dieser Art Etablissement. Irgendwie waren die Zeiten, in denen ich knapp der Minderjährigkeit entschlüpfte, engbehoste Thaiboys aus ihrem Nuttendasein rauskaufte, vorbei. Dass ich dann doch knapp drei Stunden bei eiskalt blasender Klimaanlage in diesem Club ausharrte, zeugt davon, dass bei meiner Erziehung irgendetwas falsch gelaufen sein muss.</p>
<p>Der Senator ließ sich unterdessen reihenweise knapp bekleidete Frettchen vorführen, ließ an- und wieder abtanzen, ohne sich wirklich entscheiden zu können. Früher hatte er schneller zugeschlagen, doch mit zunehmendem Alter wurde er immer wählerischer. Vielleicht lag es aber auch am Nachlassen seiner Sehkraft, dass sich die Fehlgriffe an der Frettchenfront häuften. Während die Getränkerechnung ins Unermessliche wuchs, ging das Fretten-Angebot langsam gegen Null. Die besten Happen schnappten uns fette, hässliche Chinesen, die neue, betuchte Klientel von nebenan, weg. Keine Frage, die Chinesen waren drauf und dran, dem Abendländer auch noch seine letzte Freude zu vermiesen. Irgendwann quetschte sich ein schmalbrüstiger junger Kambodschaner mit dem sinnigen Namen Boy zwischen uns und blieb dort für geraume Zeit stecken wie das Gürkchen in einem fetten Schinken-Käse-Sandwich. Als der Senator seinen erneuten Missgriff bemerkte &#8211; Boy war weder aktiv noch passiv, sondern einfach nichts &#8211; versuchte er ihn an mich weiterzuschieben. Allerdings biss er damit auf Granit, ich hatte ein Auge auf die Nummer 19 geworfen, die mich dummdreist anbaggerte, indem sie sich ständig in den prall gefüllten Schritt griff. Letztlich konnte ich mich aber nicht dazu durchringen, sie mir an den Tisch liefern zu lassen. Ich hatte andere Pläne für diese Nacht, doch dazu später.</p>
<p>Im Grunde wartete ich auf nichts anderes als auf die bereits vor zwei Stunden von der Bedienungstucke mehrfach angekündigte Fucking Show, die einfach nicht anfangen wollte. Zur Überbrückung bot man uns allerlei Skurrilitäten wie Spiele mit Feuer, heißem Wachs oder Seifenschaum sowie das Gequake einer theatralisch dreinschauenden Transe, deren goldenes Krönchen auf dem rotperrückten Haupt beängstigend hin- und herwackelte. Die Show, die kurz vor Mitternacht endlich begann, konnte sich allerdings sehen lassen. Erstaunlich, was diesen vergleichsweise kleinen Thai-Männern plötzlich aus den engen, weißen Höschen wuchs und flutsch im Gesäß des Showpartners verschwand. Akrobatisch konnte die Nummer gut und gern mit dem Cirque du Soleil mithalten. Ich hatte selten kopulierende Männer kopfüber an der Decke hängen sehen. Fledermäuse hätten es nicht besser machen können! Der Senator hatte sich unterdessen für ein blondgefärbtes Reptil im Leopardenhöschen entschieden, dass sich in Straßenkleidung allerdings als leicht tuntig entpuppte. Doch der Senator wäre nicht der Senator&#8230; Ich machte den Abgang.</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Walking_Street,_Pattaya,_Thailand.jpg?uselang=de"><img class="alignright size-medium wp-image-1674" title="thai_street (Bild: Rak-Tai)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/thai_street-280x280.jpg" alt="thai_street (Bild: Rak-Tai)" width="280" height="280" /></a>Auf der Straße bot mir ein mittdreißiger, gut gebauter Thai seine Dienste an, die garantiert zu einem Happy End für alle Beteiligten führen würden. Doch was geht mich das Happy End anderer Leute an? Mir stand der Sinn nach einer Seifenschaum-Nacktschnecken-Komplettmassage durch eine Frau. Grundsätzlich traute ich Kerlen, die ein Happy End versprachen, keinen Meter weit über den Weg. Zurecht, wie sich später herausstellen sollte. Unter der Vorgabe, sich an der Seifenorgie beteiligen zu dürfen, wies er mir den Weg in die Gasse zum glitschigen Vergnügen. In der ersten Etage in einem dieser Freudenhäuser warteten rund zehn Frauen auf Kundschaft, kurz: auf mich. Die Nummer 10 &#8211; sie ähnelte einer süssen, kurzhaarigen Minigeisha mit einem Gesicht wie eine Porzellanpuppe &#8211; war ganz nach meinem Geschmack. Daraus, dass sie sofort aufsprang und mir entgegenlief, als ich den Raum betrat, glaubte ich zu deuten, dass auch sie meiner Nichtigkeit nicht abgeneigt war. Wir fuhren mit dem Lift in den dritten Stock. Sie trippelte einen langen Gang entlang und bog ins hinterste linke Badezimmer, ich trottete freudig erregt hinterher.  Dem Kerl wurde der Zutritt rigoros verwehrt, was mir sehr entgegen kam. Insgeheim hoffte ich, er würde die Fliege machen. Allerdings hatte die Fliege Sitzfleisch und mehr Biss, als man ihr zutraute.</p>
<p>&#8220;I wanna see your back first&#8221;, lispelte Geisha und als ich mich auf die rote Gummimatte schmiss, hatte sie mich auch schon mit ein paar kurzen Handgriffen eingeschäumt und flutschte mir fröhlich über den Rücken. Ich spürte den Druck ihrer kleinen Möse, wie sie sich über meinen ganzen Körper rieb. Es war wohlig warm, glatt und angenehm, ihren Körper und ihr Gewicht auf mir zu spüren. Als ich mich umgedreht hatte rieb sie ihre Muschi an meiner, stellte gewissermaßen Schneckenkontakt her, und tänzelte auf mir herum, als reite sie auf einem dieser aufblasbaren, medizinischen Gymnastikbälle. Ihre kleinen Brüste wippten dabei lustig auf und ab. Mit ihren flinken kleinen und doch zupackenden Händen glitt sie die Innenseiten meiner Schenkel entlang, flutschte immer wieder durch meine Ritze, bis plötzlich zwei Finger in mir steckten, während die restlichen acht neckische Kunststückchen vollführten, dass mir fast die Sinne schwanden. Während sie bei mir andockte, hatte sie die Augen geschlossen und stöhnte leise vor sich hin. Entweder war sie ebenfalls scharf oder höchst professionell. Ich nahm ihr ihre Lust ab, während meine zunahm, sodass ich fast ein wenig Trauer verspürte, bei dem Gedanken, es könnte zu schnell vorbei sein. Selten hatte jemand so geschickt bei mir Hand angelegt, um mir einen Orgasmus deluxe herbeizufingern. Wahrscheinlich hatte sich little Geisha diese Fertigkeit in jahrelangen Studien an der FOSSBH (Fakulty of sexuel satisfaction by hand) angeeignet. Die Kleine war jeden einzelnen der 2500 Bath wert! &#8220;Don&#8217;t tell men, what I did to you!&#8221;, sagte sie verschwörerisch und schüttete eine Schüssel Wasser über mich, bevor sie mit mir zusammen in die Badewanne stieg und mich wusch wie ihr Kind. Als sie mich abgetrocknet hatte, kniete sie nieder und machte mir die Riemchen meiner Sandalen zu, wobei sie mich ehrerbietend anlächelte. Ich erwog für einen kurzen Moment sie zu adoptieren und als meine persönliche Dienerin und Sexsklavin einzustellen. Kost und Logis gratis, versteht sich. Ich gab ihr ein Extra-Tipp und dackelte glückselig grinsend zurück in den ersten Stock, wo der Kerl schon einsatzbereit auf einem Schemel hockte.</p>
<p>Ich war ausgeschossen und hatte keine Lust, aber Geschäft, ist Geschäft. Also klapperten wir mehrere Stundenhotels ab, bis wir eines fanden, in dem ich die 600 Bath für das Zimmer mit Kreditkarte zahlen konnte, denn mein Bargeld hatte Geisha. Er, nennen wir ihn Versager, stellte als erstes den Fernseher an, dann duschte er und begann Hand an mich zu legen. In den ersten zehn Sekunden wusste ich, die ganze Sache war ein Fehler, würde in einer Nullnummer enden. Dreimal wies ich ihn höflich darauf hin, wie ich es nicht will, doch nach 30 Sekunden schaltete sich wieder sein Autopilot ein, der auf die harte Nummer programmiert war. Währenddessen &#8211; es war 2 Uhr morgens &#8211; lief im TV eine dämliche japanische Kindersendung, vielleicht lag&#8217;s also auch am Fernsehprogramm. Jedenfalls blieb mir nur noch der Coitus Totally Interruptus, um unbeschadet aus dieser Nummer wieder rauszukommen. Ich brach die Expedition auf Höhe des Basiscamps kurzerhand ab, zog mich an und ging. Leicht trötzelig, mit einem Blick wie ein geschlagener Hund, trottete Versager hinter mir her. Als Wiedergutmachung durfte er mich ins Hotel fahren. &#8220;Tomorrow, I&#8217;ll be better!&#8221;, sagte er noch. Ich ließ ihn weiterträumen und verschwand in der Lobby, wo der dummdreist grinsende Concierge bereits wartete, während der Senator im 8. Stock gerade das dritte Mal kopulierte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Seemannsgarn</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 06:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<category><![CDATA[abenteuerlich]]></category>
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		<description><![CDATA[Es war irgendwo über der Mordsee, irgendwo zwischen Engelland und dem Rest der Welt. Die Tragflächen begannen zu zerbröckeln, zu zerbröseln, sich in Luft und Wohlgefallen aufzulösen. Dr. Tod, der Pilot, versuchte die Lage runterzuspielen, eine Lage, die sich der tosenden See zuneigte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><strong>I.</strong></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1663" title="ueberdenwolken_280px" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/ueberdenwolken_280px.jpg" alt="" width="190" />Nachdem mein Jollenkreuzer abgelegt hatte, sank der Luftdruck, sammelten sich Wolken. Eine Stunde flussabwärts wurde das Unwetter zur Gewissheit. Mein Boot schaukelte wie ein Papierschiff in der Fahrrinne: Das Vorsegel ließ sich nicht los machen. Ich klammerte mich ans Ruder und starrte auf ein Frachtschiff, auf ein Hochhaus im Wasser, das auf mich zu schoss. Vor dem Zusammenstoß aber sprangen so viele Wellen an Bord, dass ich kenterte. Ich blieb wie angenagelt sitzen, während wir sanken. Plötzlich wurden wir vom Sog des Frachters jäh empor gerissen. Regenbogengroße Schiffsschrauben schüttelten den Fluss wie der Barmixer den Cocktail. Immer schneller ging die Tauchfahrt, bis ich mit meinem Boot aus dem Wasser und im hohen Bogen durch die Luft, über die Gischt hinweg flog. Bei der Landung schwappte sämtliches Wasser über Bord, es löste sich die Rolle, das Vorsegel erschlaffte, es flatterte im Wind. Endlich hatte ich die Möglichkeit, ans Ufer zu kreuzen. Kaum hatte ich den Entschluss dazu gefasst, flaute der Sturm ab. Sonnenstrahlen zerfetzten den Wolkenvorhang, sie rissen ihn in Stücke.</p>
<p align="center"><strong>II.</strong></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1662" title="sturmwolken_280px" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/sturmwolken_280px.jpg" alt="" width="190" />Es war irgendwo über der Mordsee, irgendwo zwischen Engelland und dem Rest der Welt. Die Tragflächen begannen zu zerbröckeln, zu zerbröseln, sich in Luft und Wohlgefallen aufzulösen. Dr. Tod, der Pilot, versuchte die Lage runterzuspielen, eine Lage, die sich der tosenden See zuneigte. Die Düsendrohne schlingerte, die Stahlblechschnepfe stürzte ab. Ich nestelte einen Folianten aus der Aktentüte, ein Abschiedsgeschenk Höhensonnenheidis, meiner Gast- und Gunstgeberin. Der Titel „Die großen Katastrophen der Weltgeschichte“ reizten Nerven und Neugier. Ich warf einige Blicke, vielleicht meine letzten Lebensaugenblicke, hinein. Kaum, dass ich die Zeichnung „Titanic unter Eisbergen“ würdigen konnte, riss es mich aus Sitz und Stahlblechschnepfe heraus. Meine Flugbahn zeichnete die Form einer Bogenlampe nach. Rückblickend sah ich die Düsendrohne in Neptuns gischtzerwühltem Schlund verschwinden. Dann stemmte ich „Die großen Katastrophen der Weltgeschichte“ unter meine Sitzhälften. Ich prallte auf Neptuns Bauch auf. Doch Neptun hatte keinen Hunger mehr. Er schleuderte mich zurück in die Luft. Mit großen Sprüngen hüpfte ich über ihn hinweg, über seine Schuppenhaut. Ich tanzte wie ein Teufel oder Derwisch auf der Gischt, über fauchende Wellen hinweg. Legoland ließ ich links liegen, obwohl es freundlich grüßte. Ich raste über die Tumbtonische Bucht, dann die Elbe hinauf, bis ich, nach und nach an Fahrt verlierend, meine Anker auf den Strand von Blankenese warf.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Von der Unlust eines Vergewaltigers.</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 10:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Quentinadieu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es riecht nach Pisse und einer Mischung aus nassen Fußabdrücken verbreiteter Kanalfäkalien und der undefinierbaren Masse aus verschiedeneren braun-gelben Rottönen am Boden vorm schlafenden Säufer auf dem Sitz über uns, der penetrant nach billigem Wein und osteuropäischen Zigaretten stinkt. Der windende, halb entkleidete Frauenleib erschlafft langsam, inzwischen hat sie ihre Kräfte ausgeschrien. Ein letzter Stoß, dann Stille.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das regelmäßige Einschlagen ihres Kopfes gegen die Wand des U-Bahnabteils geht in ihren spitzen, ungleichmäßigen Schreien unter, was meiner ohnehin schwindenden Konzentration nicht gerade gut tut. Diese verdammte Rentnerin, ein gestrandetes Wrack der guten alten Zeit, die sich auf den Geldern ihrer Enkel ausruht, glotzt die ganzen verdammten sieben Minuten Fleischkampf.<br />
Es riecht nach Pisse und einer Mischung aus nassen Fußabdrücken verbreiteter Kanalfäkalien und der undefinierbaren Masse aus verschiedeneren braun-gelben Rottönen am Boden vorm schlafenden Säufer auf dem Sitz über uns, der penetrant nach billigem Wein und osteuropäischen Zigaretten stinkt.<br />
Der windende, halb entkleidete Frauenleib erschlafft langsam, inzwischen hat sie ihre Kräfte ausgeschrien. Ein letzter Stoß, dann Stille.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1575" title="Subway UBahn Animation" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/04/subway_ubahn_animation.gif" alt="" width="240" height="180" />Ich stehe auf, ziehe meinen Reißverschluss zu, schnalle den Gürtel fest und richte meine Hemdärmel. Meine Krawatte liegt sorgfältig auf dem gefalteten Jackett neben mir.<br />
Während ich sie mir binde, betrachtete ich den schnaufenden, aufgegebenen Frauenkörper, der erschöpft in der Ecke kauert:<br />
Junges Mädchen, nicht ekelerregend jung mit Pferdestickern und Bravoausschnitten auf Grundschulheften, sondern deutlich mit den Ergebnissen einer zufriedenstellenden Pubertät beschenkt, doch bei weitem nicht ausgereift oder gar alt.<br />
Sieht aus wie Anfang zwanzig und schminkt sich wie es die Sorte von Disconutten eben so tut, um in jede Disconuttendisco reinzukommen, definitiv aber nicht älter als siebzehn. Achtzehn mit Ausschnitt.<br />
Ihr Make-Up verschmiert über das ganze Gesicht, der Kajal sieht aus, als hätte sie schwarze Tränen geweint, als wären ihre Pupillen ausgelaufen. Sie ist hübsch, wär aber eben nur gerne eine Disconutte. Nicht mein Typ, aber wen interessiert das schon.<br />
Ich werfe mir mein Jackett über und fummel aus der Tasche eine Zigarettenschachtel und ziehe eine Kippe heraus, Feuer, dann rauchendes Warten.<br />
Eigentlich ein trauriger Anblick, wie der schöne Mensch dort in den Unschönheiten der Welt vergeht und nicht einmal etwas dafür kann.<br />
Auf wieviel man sich eben nicht vorbereiten kann und wie viele Pläne sinnlos sind.<br />
Wann stoßen wir endlich auf Grenzen der garantierten menschlichen Willensfreiheit, in der man an jeder Ecke der Stadt, auf jedem Nachhauseweg von verrauchten Eckkneipen und an jedem IKEA-Einbaubüroschreibtisch zu entscheidungslosen Prostituierten der bestialen Befriedigungstriebe des Menschen werden kann?<br />
Entscheidungsfreiheit ist nicht, Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt.<br />
Endlich richtet sich die Kleine auf und stützt sich wacklig ab, lächelt und fährt sich die ruinierte Frisur aus dem ruinierten Disconuttengesicht.<br />
„Gott &#8230;“, grinst sie geil und beginnt, ihre Kleidung wieder zu richten, knöpft sich mit der Bedächtigkeit einer erfüllten Befriedigung endlos langsam ihre Bluse zu und sieht zu mir hinauf, wie ein junger Straßenköter auf seinem Nachtquartier aus Zeitungspapier und vergilbten Karton..<br />
„Du hast dir dein Geld verdient, Don Juane.“<br />
„Fick dich“, erwidere ich und ziehe genervt an meiner Zigarette.<br />
Sie steht auf, atmet noch einmal durch und greift nach ihrer Handtasche. Sie zittert noch immer erregt und holt aus ihrem Portmonee einige Scheine von Papas hart verdientem Geld hervor. Ich greife nach ihnen und stopfe sie in die Jackentasche. Die U-Bahn fährt in die nächste Haltestation ein.<br />
Ich trete einen angewiderten Schritt zurück, als sie mir verabschiedend einen Kuss auf die Backe drücken möchte, winkend aus dem Zug springt und nach Hause läuft, zu Eltern, die jeden Tag 12 Stunden im Büro und vier vor dem Fernseher oder in frustrierten Bars sitzen, sich gegenseitig und selbst betrügen und ihre elterlichen Pflichten mit einem überziehungsvollberechtigten Bankkonto erfüllen. Sie wird jetzt Zuhause ankommen, sich durch die Hintertür einschleichen, auf dem Weg in ihr Zimmer ihre kleine Schwester vor dem Kühlschrank treffen, die wieder einmal nicht schlafen konnte, „du kommst spät, Mama sollte dich schimpfen“, „ja“, dann die Treppen hoch, Tür zu, noch ein Schluck aus der Pulle, heimlich versteckt im Sockenfach, dann Schlafen.<br />
Morgen würden ihre Eltern mit ihr am Frühstückstisch sitzen, Zeitung lesen, vielleicht peinlich berührt vom erzwungenen Sonntagsfrieden in ihre Kaffeetassen starren und dann mit kargen Wortbrocken gemurmeltes Interesse heucheln.<br />
Pflicht erfüllt und somit eine von Millionen glücklichen Familien in Deutschland.<br />
Ich lasse mich neben die Rentnerin nieder und zähle das Geld.<br />
„Die Schlampe hat mich um &#8216;nen Zehner beschissen“, murmele ich und spucke genervt den Zigarettenstummel auf den stinkenden Kerl gegenüber.<br />
Die alte Frau tippt mir auf die Schulter, hält mir beschämt lächelnd einen grünen Schein vor die Nase und meint: „Werde ich nicht tun.“<br />
Erwartungsvoll kichert sie mich an.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1690" title="U-Bahn U7" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/10/ubahn_u7.jpg" alt="" width="560" height="420" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Mann, der die Suppe ausbröckelt [sic].</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 10:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna Jorek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Freund hat ihm eine Stelle in einem Büro besorgt, da hat er dann drei Jahre lang gesessen, immer von acht bis vier. Eines Morgens ist er aufgewacht, und konnte drei Sprachen fließend. Einfach so. Englisch, französisch und portugiesisch. Das war mal was, sagte er sich, und hat seinen Freund angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht mehr kommt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Himmel vor seinem Auge verdunkelt sich, mischt an seinem Rand ein bizarres Spiel aus orange und rot. Die wenigen Häuser stehen wie dunkle Schatten in dem Bild, das ein Maler nicht besser hätte zeichnen können, denkt er sich.</p>
<p>Der Ausblick erinnert ihn an eine Welt in einer Lavalampe, die kalten schwarzen Gebäude sind die Luftblasen, der blutrote Himmel das heiße Gestein.</p>
<p>Der Mann sitzt in der Straßenbahn und starrt nach draußen. An der Leine der große Hund, den er hat, seit der klein ist. Er hört auf den Namen Otto. Heute Morgen beim Aufwachen war noch alles weiß, der Reif hat sich auf die Landschaft gesetzt, jetzt ist er verschwunden. Otto hat wie immer sein Herrschen geweckt und ihm die Zeitung und heißen Kaffee ans Bett gebracht. Bei dem Gedanken muss der Mann lächeln.<br />
Er trägt eine Stofftüte mit einer unbekannten Stickerei. Wenn er sein ganzes Hab und Gut, also das von Wert, denkt er, nur das von Wert, von persönlichem Wert, natürlich, zusammensuchen würde, es passte in zwei Stoffbeutel, denkt er. Der Rest ist doch nur unnötiger Ballast, da hängt sein Herz nicht dran.</p>
<p>Wieder wandert sein Auge nach draußen. Noch muss er nicht aussteigen, ein geübter Blick verrät ihm das. Die Türen schließen sich und er schaut ob Otto noch neben ihm liegt. Mit geschlossenen Augen saugt er die Umgebung auf. Das was er zu fassen kriegt, sind Gesprächsfetzen. Eine Stimme möchte die Unisachen verbrennen, eine andere rät ihr dazu, zu warten, bis sie mit der Uni fertig ist, dann könnte sie gleich ein Feuer im Hinterhof veranstalten und die Sachen hinein werfen. Er stellt sich eine junge Frau vor, die nackt um ein Feuer springt und dabei Blätter zerreißt, die sie Stück für Stück in das Feuer wirft. Dann wendet er seine Gedanken nach innen. Er hat selbst einmal studiert. Siebeneinhalb Jahre lang. Dann ist er entlassen wurden, ohne Abschluss. Er hat nie geraucht und keinen Alkohol getrunken. Ab und zu mal einen Kaffee und zum Frühstück ein dunkles Brötchen. Ein Freund hat ihm eine Stelle in einem Büro besorgt, da hat er dann drei Jahre lang gesessen, immer von acht bis vier. Eines Morgens ist er aufgewacht, und konnte drei Sprachen fließend. Einfach so. Englisch, französisch und portugiesisch. Das war mal was, sagte er sich, und hat seinen Freund angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht mehr kommt. Jetzt vergewissert er sich, dass Otto noch neben ihm liegt. Ein Magen knurrt, welcher das ist, weiß er nicht, der vom Hund oder sein eigener. Otto ist sein bester Freund.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1649" title="china-restaurant" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/china-restaurant.jpg" alt="" width="200" height="355" />Ich bin der, der immer die Suppe aufbröckelt, schiebt er einen Gedanken vor sich her, doch der will nicht so recht passen.</p>
<p>Einbrockt<br />
Aufbröckelt<br />
Otto schaut ihn an und kann ihm nicht helfen.</p>
<p>Dann wiederholt der Mann den Satz in den anderen drei Sprachen. Englisch, französisch und portugiesisch, die er beherrscht. Er kam nie dazu, sein Können unter Beweis zu stellen, aber Otto nickt ihm jetzt zustimmend zu.</p>
<p>Sie möchten bitte?, fragt der kleine Mann hinter dem Verkaufsfenster.<br />
Ich habe noch nicht entschieden.<br />
Ahso.</p>
<p>Heute hat das kalte Licht ganz scharfe Konturen geschnitten; jetzt sieht man nicht einmal mehr die Umrisse der Häuser. Die Knie des Mannes sind ganz wund, weil die Federn des Bettes hervorstechen. Eine neue Matratze kann er sich nicht leisten. Noch nicht. Der Rücken ist ganz krumm, vom vielen Lesen.<br />
Dann kommt eine dicke Frau mit Pudel auf dem Arm und stellt sich neben ihn. Der Pudel zwinkert dem Mann zu, er lächelt zurück, leicht verlegen, der Pudel erinnert ihn an wen. An wen nur, überlegt er und kommt nicht drauf. Die Dame kennt er nicht.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1648" title="china-food" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/china-food.jpg" alt="" width="200" height="355" />Darf ich bitten, sagt er zu dem Hund und lässt ihn dem Vortritt. Der frisierte Pudel wedelt mit dem Schwanz. Die Frau bestellt. Ente knusprig.<br />
Otto läuft das Wasser im Mund zusammen.<br />
Ja bekommst gleich dein Süppchen, sagt der Mann und überlegt er wieder, wie hieß das gleich nochmal?<br />
Aufbröselt?</p>
<p>Als die Frau und der Pudel in der Nacht verschwinden, schüttelt der Mann den Kopf, nein, das kann nicht sein, in dieser Gegend, eine solche Dame von Welt.<br />
Sie möchten.<br />
Ich nehme die Suppe.<br />
Er zählt sein Kleingeld.<br />
Eins, fuffzich.<br />
Hier bitte.</p>
<p>Er trägt nun, außer dem Stoffbeutel noch eine Plastiktüte mit Suppe nach Hause. Ja, ja, ich bin der, der die Suppe auslöffelt, denkt er, und für Otto wird etwas abfallen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Krömel inne Tröt</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 18:22:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Axel Westphal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[absurd]]></category>
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		<description><![CDATA[Krömel inne Tröt. Ein Film von Rüdiger Abshalom Dalit Tarannum Tamerlan Mugiraneza Sylla TianMa Westphal, starring Gregor Bendel und Rolf Habel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="540" height="334" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/NI1n3FV7o7M?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="540" height="334" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/NI1n3FV7o7M?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bettgeschichten</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaya Presser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<category><![CDATA[liebe]]></category>
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		<description><![CDATA[Sie liegt rücklings auf mir und stöhnt. Ich spüre ihre junge, weiche Haut, die sich auf ihren Engelsflügelchen wegen des Sonnenbrands abschält, spüre das lange, über mich hingebreitete, gelockte Haar und die Kuhle ihres Rückgrats, die rauhe Hornhaut an ihren Füßen, die sich in mich stemmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1324" title="matraze_350x250" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/01/matraze_350x250-250x250.jpg" alt="matraze_350x250" width="250" height="250" />Sie liegt rücklings auf mir und stöhnt. Ich spüre ihre junge, weiche Haut, die sich auf ihren Engelsflügelchen wegen des Sonnenbrands abschält, spüre das lange, über mich hingebreitete, gelockte Haar und die Kuhle ihres Rückgrats, die rauhe Hornhaut an ihren Füßen, die sich in mich stemmen, ich spüre die Rundung ihres kleinen Hinterns schwer auf mich drücken. Ihr Unterleib bewegt sich immer schneller auf mir und plötzlich flucht sie: „Diese Scheißmatratze, es quietscht bei jeder Bewegung, das macht mehr Lärm als ich!“ Dann lacht sie auch noch. Ich aber finde das nicht komisch.</p>
<p>Ich bin eine französische Federkern-Matratze, zehn Zentimeter dick, zwei Meter lang und einen Meter zwanzig breit, breit genug für zwei, die sich lieben oder besser: frisch verliebt haben. Seit fünfzig Jahren bin ich in diesem Hotelzimmer, ich habe Qualität. Ich muss mich jetzt beschimpfen lassen? Das Quietschen der Federn spricht nur für mich, es zeichnet mich aus als treu und ergeben. Ich stehe stets zur Verfügung, wenn jemand mich braucht, ich scheue keine Beschwerlichkeiten. Ich bin eine leidenschaftliche Matratze, ich könnte die Menschen hassen, aber ich liebe sie, sie sind alles, was ich habe. Ich liebe die, die auf mir leben, ich will sie fühlen und hören, ich mag es, wenn sie mich benutzen und beschmutzen, das ist mein Zweck. Ich liebe die Tragödien, die auf mir vonstatten gehen, ich liebe Ehebrüche und Entjungferungen, ich liebe das erste Mal und das letzte Mal, auch nach der Trennung, ich liebe den Schlaf, den bewegungslos erschöpften und den unruhigen, das Wachliegen und Hin-und-Her-Wälzen und ich liebe das Glück, das sich auf mir vollzieht, immer wieder.</p>
<p>Ich bin imprägniert von Schweiß und Blut, besudelt von Sperma und süß-saurer Frauenflüssigkeit, mit Speichel und Tränen und mit Urin und Rotwein und Kaffee, beschmutzt von den Menschen, die sich auf mir ausruhten, amüsierten, stärkten, betranken, rauchten, feierten oder trauerten. All das ist tief in mich eingedrungen. Mein blaues Blumenmuster ist verblasst, ich bin befleckt in unzähligen Farben, von verglimmenden Kippen durchlöchert, von Fingernägeln sprödgerissen, selbst gebissen wurde ich ab und an, aber auch geküsst vor Erwartung und vor Sehnsucht im Unglück.</p>
<p>Das Leben hat Spuren hinterlassen auf mir, ich bin nicht mehr makellos und nicht mehr schön anzuschauen und die dünnen Leintücher haben meine Fehler nur unzureichend bedeckt. Deshalb haben sie mir eines Tages einen Überzug verpasst, der die Befleckungen verstecken soll, mich auf allen Seiten fest umschließt und sich nach Plastik anfühlt. Ich erinnere mich an das Ruckeln des Reißverschlusses, es wurde immer enger und beengender und jedes Geräusch leiser. Wenn niemand im Zimmer ist, dann bin ich jetzt tatsächlich ganz alleine und langweile mich, ferne Geräusche dringen nicht mehr zu mir. Seitdem sie mich verpackten, schwitze ich, wenn die Sonne auf mich scheint, so wie heute. Ich spüre nicht mehr jeden sanften Windhauch, nur noch den Herbststurm, wenn jemand das Fenster geöffnet lässt. Der Vogelsang, das Rufen der Schwalben und Gurren der Tauben, das liebestrunkene Vibrieren der Luft und die Akkordeonklänge der Straße dringen kaum noch zu mir. Die Gespräche der Menschen muss ich erraten, wenn sie nicht direkt an mich, in mich sprechen, auf mir ruhend.</p>
<p>Das Zimmer, mein Zimmer ist klein, sehr klein, ich an Stelle der Menschen würde mich beschweren, aber die meisten, die hierher kommen, sind noch so jung, dass sie gar nicht wissen, wie das geht, nicht auf die Idee verfallen, es sei überhaupt möglich. Das macht sie angenehm. Oft ist es ihre erste Reise, ihre erste fremde Stadt gemeinsam mit ihrem Geliebten. Das Zimmer ist so eng, dass die Besucher nicht wissen, wo sie ihre Koffer abstellen, nicht wissen, wo sie überhaupt stehen sollen, man kann nicht einen Bogen schlagen um mich, man fällt geradezu auf mich, sobald man eintritt.</p>
<p>Ich mag das. Dann spüre ich ihre Körper, dann kann ich ihren Gesprächen lauschen, wenn sie mir nah sind, auf mir liegen, dann genieße ich. Vielen Gästen gefällt das auch und ich wundere mich dennoch ein wenig, wie oft sie wiederkehren im Laufe des Tages, wie kurz ihre Ausflüge sind, wie wenig Zeit sie in den Straßen dieser sogenannten Stadt der Liebe verbringen und statt dessen auf mir: mit Liebe. Gerade die Unumgänglichkeit des Niederfallens auf mich, die Unmöglichkeit eines anderen Tuns in diesem Zimmer scheint verlockend zu wirken. Das erfreut mich, jedes Mal.</p>
<p>Auch das junge Paar, das erst gestern hier angekommen ist, für das es noch viel zu entdecken gäbe dort draußen, auch sie sind heute bereits zum vierten Mal hier. Heute morgen leise, im Halbschlaf, mehr ein Schieben als Bewegen, heute Mittag nach dem mit Käse belegten Baguette, dessen Krümel auf mich niederregneten, nach dem Rotwein, laut und lachend, heute Nachmittag zärtlich und schläfrig vor einer kurzen Siesta und jetzt nur sie allein auf mir, das Becken kreisend, während er danebensteht.</p>
<p>„So geht das nicht!“, sagt sie. „Ach so, Du vertraust mir also nicht!“, er lässt sich neben ihr auf mich fallen, auch er jung, schlank, sein Körper fester als ihrer, sein kurzes Haar kitzelt mich. Er meint es nicht ernst, er ist sich ihrer so gewiss. „Doch,“ lacht sie, „ich vertraue nur der Matratze nicht.“ Ich will empört sein, bin aber schon viel zu beschäftigt mit dem Gerangel, das da entsteht, dem Armgewirr und Beinverknoten, dem lauten, schmatzenden Küssen und leisen Kichern, seinem neckenden Prusten auf ihrem Bauch, ihren flink-kitzelnden Händen an seinen Rippen. Dann wird es ruhiger, aber die Verknotungen lockern sich nicht.</p>
<p>Ihre Unterhaltung gleicht jetzt einem Gurren, er spricht mit den Lippen nah an ihrem Hals und sie lacht leise und hell, ihr Glucksen bringt mich zum Beben. „Du, Du,“ flüstert er und sein Mund wandert, er haucht es ihr in die Haut, „Du, Du…“ wiederholt er immer wieder überall in ihren Körper. Ihr Leib vibriert auf mir, aber nicht mehr vor Lachen. „Duuuuu…“, raunt er lange in ihren Schoß. Wie glücklich die beiden sind. Doch dann steht er ganz plötzlich auf. „Was tust Du“, sagt sie kichernd, „Du brauchst nicht vor mir niederzuknien, ich bin eine emanzipierte Frau!“, reicht ihm ihre Hand hinunter und zieht ihn wieder auf mich. Sie sitzt jetzt und dann spüre ich, wie seine Knie sich ihr gegenüber in mich bohren, die beiden scheinen sich an den Händen zu halten. Und es wird ganz still.</p>
<p>„Für immer?“ Er schluckt an seinem Speichel. Ein Zittern läuft durch mich, als sie „Ja“ wispert. Ich würde weinen, wenn ich könnte. Die in mir bewahrte Feuchtigkeit sammelt sich als Kondenswasser an meiner Plastikhülle und ich erwarte ein Erdbeben.</p>
<p>Das Beben wird lang, sanft und für die Ewigkeit, ich höre ihre Münder unaufhörlich aufeinander ruhen, ihre jungen Körper lasten auf mir wie ein einziger und einige Tropfen fallen auf mich. Dann höre ich die junge Frau telefonieren, mit der Rezeption. Was ich kosten würde, fragt sie, ob sie mich mitnehmen kann, nach Hause. Vollkommenes Glück.</p>
<p style="text-align: right;"><em>8. Dezember 2007</em></p>]]></content:encoded>
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		<title>Natürlich</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 22:01:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>onkelhoste</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[global]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
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		<description><![CDATA[Natürlich wird unser Held auch in Teil Zwei einen für Normalsterbliche unlösbaren Auftrag annehmen, dessen Inhalte eigentlich so gar nicht in Einklang stehen mit seinem rudimentären Moral- und Demokratieverständnis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Natürlich wird unser Held auch in Teil Zwei einen für Normalsterbliche unlösbaren Auftrag annehmen, dessen Inhalte eigentlich so gar nicht in Einklang stehen mit seinem rudimentären Moral- und Demokratieverständnis, er aber auch offenkundig keine Lust mehr hat, sich dem Müßiggang hinzugeben, den die für Normalsterbliche astronomisch hohe Belohnung des ersten Teils mit sich brachte oder ihm jemand mit etwas Großkalibrigem den Tag zu versauen droht.</p>
<p>Natürlich wird ein neuer Antagonist erneut die Erde bedrohen und Bekanntschaft machen mit unserem Helden, dessen Namen er nie zuvor gehört hat, obwohl er schon den letzten Antagonisten Hollywood-Like weggepustet hat. Bösewichter pflegen offensichtlich keinen guten Kontakt untereinander.</p>
<p>Natürlich werden alle regulären Polizei-/ Geheim-/ und Sondereinheiten versagen, aber aus lauter Frust über den Erfolg unseres Helden diesen ebenso jagen wie verfluchen, obwohl sie ihn eigentlich für den Teufelskerl halten, der sie selber gerne wären, aber leider kein Kindheitstrauma mit erschossenen Eltern durchleben mussten oder einen geheimnisvollen chinesischen Mentor mit Kung Fu-Kenntnissen hatten und so bei den offiziellen Streitkräften unterschrieben.</p>
<p>Natürlich wird unser Held, der nie lange Sätze bildet, aberwitzige Stunts mit seinem Auto hinlegen, die Vorausberechnungen in Bruchteilen von Sekunden und Millimetern erfordern, der jemand, der im Physikunterricht immer gefehlt hat, eigentlich nicht lösen kann.</p>
<p>Natürlich bekommt der Zuschauer eine Reihe von aberwitzige Stunts zu sehen, von denen der Drehbuchautor eigentlich annimmt, sie einem Publikum zu zeigen, das im Physikunterricht immer gefehlt hat.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/01/natuerlich_ass-kicking-babe_350x250.JPG"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1318" title="natuerlich_ass-kicking-babe_350x250" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/01/natuerlich_ass-kicking-babe_350x250-250x250.jpg" alt="natuerlich_ass-kicking-babe_350x250" width="250" height="250" /></a>Natürlich möchte die natürlich gut aussehende Gerettete sofort Sex mit dem Helden, obwohl sie eben noch von einer Hundertschaft muskulöser, dumpf grunzender und primatenartiger Hau-Draufs stundenlang vergenußwurzelt wurde und das eigentlich ein stückweit suboptimal fand und die Tortur lediglich aufgrund einer Mischung aus Survivaltraining beim Klamottenshoppings und einer offensichtlich teflonbeschichteten Mumu locker wegsteckt.</p>
<p>Und natürlich liebe ich solche Filme &#8230;</p>]]></content:encoded>
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		<title>Manie in 4-hebigen Jamben…</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/09/manie-in-4-hebigen-jamben/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 05:02:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[apollinisch]]></category>
		<category><![CDATA[dionysisch]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>
		<category><![CDATA[menschlich]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[spass]]></category>
		<category><![CDATA[träumend]]></category>
		<category><![CDATA[urban]]></category>

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		<description><![CDATA[Mir ist nach fetten Prodigy-dawn-epic-fickt-euch-Triphop-Bässen, nach krank-heroischem Esprit und morgendlichen Taulichtmessen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir ist nach fetten Prodigy-<br />
dawn-epic-fickt-euch-Triphop-Bässen,<br />
nach krank-heroischem Esprit<br />
und morgendlichen Taulichtmessen.</p>
<p>Mir ist nach Rausch und Liebelein -<br />
nach allem was sich sonder Gnaden<br />
in Hirn und Magen und Gebein<br />
einfrisst. Mir ist nach Maskeraden</p>
<p>von ignoranten Fressen hau‘n…<br />
nach Überwindung und Vollendung.<br />
Mir ist nach Stadtluftschlösser bau‘n<br />
und Tanz in manischer Verblendung.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Slacken</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/09/slacken/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 05:01:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[menschlich]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[spass]]></category>
		<category><![CDATA[street]]></category>
		<category><![CDATA[urban]]></category>

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		<description><![CDATA[So stehst du gut. Balance kommt aus der Mitte. / Den Blick nach vorn. Die Welt hört auf zu drehen. / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.blogfront.de/?p=203" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1203" title="Auf der Slackline (Foto: Paul Laub)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/slacken1_350x.jpg" alt="Auf der Slackline (Foto: Paul Laub)" width="350" height="250" /></a></p>
<h2>slacken…</h2>
<p>Kniehoch, die Fatsche. Sprung! &#8211; der rechte passt,<br />
den linken Huf davor. Den Rücken grade.<br />
Ganz ruhig. Hände in die Luft. Die Wade,<br />
die Standfußwade straff. Das Band braucht Last!</p>
<p>So stehst du gut. Balance kommt aus der Mitte.<br />
Den Blick nach vorn. Die Welt hört auf zu drehen.<br />
Und alles fließt geschmeidig, ist ein Gehen,<br />
ein losgelöstes Setzen sanfter Schritte.</p>
<p>Der Wind singt leise – dass doch alles sänge!<br />
Das Slacken ist wie Joga in der Luft:<br />
Du überwindet nicht zuletzt die Kluft,<br />
die in dir ist – auf ihrer ganzen Länge.</p>
<p><a href="http://www.blogfront.de/?p=362" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1204" title="Slacken am Abend (Foto: Paul Laub)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/slacken2_350x.jpg" alt="Slacken am Abend (Foto: Paul Laub)" width="350" height="250" /></a></p>
<h2>Monolog beim Aufbau einer Slackline…</h2>
<p>Mach du die Schlingen, mon ami, ich bau die Leine.<br />
Die Welt ist schlecht. Wir können nichts dafür.<br />
Drum lass uns für ein Weilchen über ihr<br />
(und wenn’s auch nur ein Meter ist) in’s Reine<br />
und endlich auch zur Ruhe kommen. Das Gespür</p>
<p>für uns wird selbst die dröge Welt uns abzuschlagen<br />
nicht wirklich für notwendig halten wollen.<br />
Und wenn ich irre? Niemand irrt! Es sollen<br />
uns Sorgen nicht und keine Freuden plagen,<br />
wenn wir uns Schritt für Schritt des allzu übervollen,</p>
<p>des endlos überreizt-, zerlebten Seins entfernen.<br />
Wenn wir des Abgrunds fürchterlichem Gähnen<br />
entgegen gehn: ein Sich-hinüber-sehnen!<br />
An diesem also end-, unendlich lernen,<br />
dass all dies halbherzlose An-der-Freiheit-lehnen</p>
<p>nicht Freiheit ist? Oh, Freund, will ich es so bedenken,<br />
ist zwischen diesem Schäkel dort, und hier<br />
dem Ellington mehr Freiheit als du dir<br />
erhoffen kannst! &#8211; - Noch straffer? Klar. Wir lenken<br />
noch einmal um. Zur Potenzierung. Dann ein Bier!</p>
<p><a href="http://www.blogfront.de/?p=298" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1207" title="Slacker schwebt (Foto: Paul Laub)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/slacken_hoch.jpg" alt="Slacker schwebt (Foto: Paul Laub)" width="350" height="458" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Morgen nach der Nacht</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/08/der-morgen-nach-der-nacht/</link>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 05:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[dreck]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[spass]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>
		<category><![CDATA[tristesse]]></category>
		<category><![CDATA[unten]]></category>

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		<description><![CDATA[Hunde pissen gegen meine Tür / Bis der Gestank mich weckt / Ich halte die Luft an ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hunde pissen gegen meine Tür<br />
Bis der Gestank mich weckt<br />
Ich halte die Luft an<br />
Deck mich mit dem Kissen zu<br />
Frage mich, warum ich keine Decke hab<br />
Vergewisser mich, dass der Morgen eine Sonne hat<br />
Und schlaf dann weiter<br />
Nein, ich kann nicht<br />
Die Hunde kommen wieder<br />
Pissen nicht mehr, aber bellen laut<br />
Ich will nur wieder weg<br />
Doch der Morgen fragt mich nach der letzten Nacht<br />
Die noch schlimmer war als dieser Morgen</p>]]></content:encoded>
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