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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; street</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Klobalisierung</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 06:36:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Wirt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Klobalisierung ... Klobalisierung ... Klobalisierung ... Klobalisierung ... Klobalisierung ... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/05/klobalisierung-560x373.jpg" alt="Klobalisierung ... " title="Klobalisierung ... " width="560" height="373" class="alignright size-large wp-image-1898" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gossenkinder</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 06:06:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<description><![CDATA[Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um.  „Niemand zu sehen“, sagte ich. „Gut, mach auf.” Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung. Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir lungerten uns noch sehr spät draußen rum. Frankie und ich balancierten die Bordsteine unserer Straße auf und ab. Zwei verlorene Kinder, er 14 und ich 12, die auf dem dunklen Asphalt irgendwo zwischen unseren Wohnhäusern herumturnten, während die anderen zu Hause waren und fernsahen. Wir wollten nicht nach Hause, vor allem nicht Frankie. Wir hatten seinen Vater besoffen nach Hause kommen sehen und nach trinkfesten Stunden in der Kneipe am Ende der Straße schlug er gerne mal zu. Frankie machte sich um seine Mutter Sorgen, aber er konnte ja an der ganzen Misere sowieso nichts ändern. Bei mir im trauten Heim lag ebenfalls ein überflüssiger Streit in der Luft und so schloss ich mich Frankies Abstinenz an. Wir hatten Glück, dass der Regen ausblieb, die Kälte war erträglich.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1841" title="Plattenjugend" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/plattenjugend1.jpg" alt="Plattenjugend" width="180" height="1770" />„Ich hab nen Hunderter”, sagte Frankie und zog einen Hundert-Mark Schein aus der Gesäßtasche seiner verwaschenen Jeans, die ihm mindestens zwei Nummern zu klein war. Ich war erstaunt. Das war erst das zweite Mal, dass ich einen Hundert-Mark Schein sah.<br />
„Ich hab auch Zigaretten”, sagte er und zog gleich mal vier Selbstgedrehte aus der linken Brusttasche seines gestreiften Hemdes, mit dem er wie einer von der Olsenbande aussah. Auch wenn seine Hose viel zu klein war, gefiel sie mir um einiges besser als meine. Meine sah so billig aus und barg nichts anderes als Sand und Kieselsteine.<br />
„Wo hast du das Geld und die Zigaretten her?”, fragte ich ihn.<br />
„Meinem Vater ausm Schrank geklaut.”<br />
Wir gingen runter zum Imbiss und kauften uns vier Portionen Pommes, sechs Bratwürstchen und jeder zwei Hamburger. Nach den Bratwürstchen waren unsere Mägen voll und wir ließen den Rest auf dem Spielplatz liegen.<br />
„Was jetzt?”, fragte ich und Frankie begann zu überlegen.<br />
„Lass uns ne Flasche Schnaps kaufen”, sagte er und ich willigte sofort ein. Ich hatte vorher noch nie Alkohol getrunken.<br />
Wir gingen runter zur Ecke, wo der Kiosk war. Der Kioskbesitzer war ein alter Witwer, den alle nur „Tasche“ nannten. Wieso wusste ich nicht. Er saß in seinem Kiosk und las wie immer in einem seiner Groschenromane. Ich blickte aufs Titelblatt und sah einen Cowboy, der einen Indianer erschoss.<br />
„Was macht ihr denn so spät noch draußen?”, fragte er.<br />
„Was für meinen Vater kaufen“, antwortetet Frankie.<br />
„Zigaretten?”<br />
„Nee, Weinbrand.”<br />
„Mariacron?”<br />
„Ja, wie immer.”<br />
Tasche legte sein Heft zur Seite und streckte sich, um die Flasche auf dem Holzregal über der Eistruhe zu greifen.<br />
„Das ist sie”, sagte Frankie und legte seine Hände erwartend auf dem Tresen ab. Ich blieb im Hintergrund. Frankie hatte mehr Erfahrung im Einkaufen von Alkohol und Zigaretten. Schon ein paar Mal hatte er für seinen Vater bei Tasche Nachschub geholt. Frankie nahm die Flasche in seine Hand und reichte sie an mich weiter. Da lag sie nun in meinen Händen. Ich wollte aus lauter Neugier sofort einen Schluck nehmen, doch musste erst mal warten, bis Frankie bezahlt hatte und wir in sicherer Umgebung waren.<br />
Frankie legte das Geld auf den Tresen und wir verabschiedeten uns.<br />
„Und sag ihm seine neue Drehmaschine ist hier,” sagte Tasche und Frankie nickte ihm zu. „Mach ich.”</p>
<p>Wir gingen zurück zum Spielplatz, beschattet vom sterbenden Plattenbau westlich von uns gesehen. Tauben hatten sich inzwischen über unser Essen hergemacht. Sie pickten mit ihren Schnäbeln durch die Alufolie und verstreuten die Gurken und Tomaten der beiden Hamburger über den Boden. Frankie lief rüber zum Tisch und schrie sie an. Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um.<br />
„Niemand zu sehen“, sagte ich.<br />
„Gut, mach auf.”<br />
Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung.<br />
Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken. Es muss unglaublich auf der Zunge brennen, dachte ich mir.<br />
Frankie nahm einen kleinen Schluck und ließ ihn im Mund. Er versuchte zu Schlucken, doch es fiel ihm sehr schwer.<br />
„Was ist denn?”<br />
„Mmmm mmmm”, murmelte er mit vollem Mund und gab mir die Flasche zurück. Ich nahm den nächsten Schluck und ließ ihn sofort in den Magen wandern. Als Frankie das sah, schluckte er ebenfalls und beide fingen wir an zu husten, während unsere Kehlen wie das Höllenfeuer brannten.<br />
„Einen nehmen wir noch und dann kannste sie nach Hause bringen.“<br />
Ich nahm noch einen Schluck und dann wieder er.<br />
„Schaffst du noch einen?”, fragte er und ich wollte mich nicht geschlagen geben. Ich nahm einen weiteren Schluck und dann war er wieder am Zug.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1842" title="Plattenjugend2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/plattenjugend2.jpg" alt="Plattenjugend2" width="173" height="1534" />„Voll der Brennstoff”, sagte er und hechelte. Wir hatten den Flaschenhals leer bekommen und fühlten noch nichts. Ohne was zu sagen, nahm ich noch einen Schluck und hielt die Flasche triumphierend in meiner Hand. Frankie schaute nachdenklich und griff sich die Pulle siegeswillig. Er trank und gab sie wieder zur mir zurück. Mein Rachen war wie taub und ich spürte die Wärme im ganzen Körper. Wir saßen mitten in der Hölle und genossen es. Gossenkinder, die Spaß an Dummheiten hatten.<br />
„Glaubst du wir schaffen die ganze Pulle?”, fragte er und ich trank erneut.<br />
„Wir hätten Kaugummis kaufen sollen.”<br />
Er nahm den nächsten Schluck. Dann wieder ich und dann wieder er. Bald machte uns das Brennen im Hals nicht mehr viel aus und wir setzten die kleinen Schlucke fort. Wir gingen zu den Bäumen rüber und pinkelten. Wieder zurück auf dem Tisch nahmen wir jeder noch einen Schluck.<br />
„Mann, das Zeug ist echt hart”, lallte Frankie und übergab sich kurz darauf. Seine Augen waren ganz glasig und ich fühlte mich, als hätte ich seit Tagen schon nicht mehr geschlafen. Der Alkohol drückte mich runter. Ich sah sein Erbrochenes vor der Bank und schon wurde mir übel.<br />
„Mir ist ganz komisch”, sagte Frankie und konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten.<br />
„Ich glaube ich sterbe“, sagte er und fing an zu weinen. Ich legte ihm meine Hand auf den Rücken und versuchte ihn zu beruhigen, aber als ich mir anfing vorzustellen, wie wir beide in den nächsten Minuten das Bewusstsein verlieren würden, um dann kurz vor dem Sandkasten im Dreck zu krepieren kam es mir hoch. Er drehte den Kopf zur Seite, fiel fast vornüber und kotzte neben mir auf die Bank.<br />
„Mann, nicht auf die Bank“, sagte Frankie mit seiner weinerlichen Stimme und schubste mich von der Seite.</p>
<p>Frankie sah auf und deutet mit seinem Zeigefinger auf den Nachthimmel, als plötzlich ein Schuss die Luft zerriss und ihn am Oberschenkel traf. Frankie schrie kurz auf und blickte dann rüber zu den Balkonen des Plattenbaus. Irgendwo da oben stand er. Gerd, 15 Jahre alt und heißer Kandidat fürs Jugendamt. Er schoss auf Tauben, streunende Katzen und hatte nun Frankie und mich ins Visier genommen. Wir verschanzten uns hinter der Bank und warteten auf den nächsten Schuss, der aber nicht mehr kam. Frankie lachte und holte ein Taschentuch hervor. Für ihn war es der Anfang einer verheißungsvollen militärischen Karriere, die knapp 13 Jahre später im Norden Afghanistans durch einen Sprengstoffanschlag beendet wurde. Ich hingegen wurde Grundschullehrer und sah manchmal, wenn meine Schüler auf dem Pausenhof Krieg spielten, noch immer den binnen weniger Sekunden gebastelten Molotov-Cocktail aus Weinbrand in Richtung Plattenbau fliegen, dazu der Ruf von Frankie: „Den Hurensohn werden wir braten.“ Es zauberte stets ein Lächeln in mein Gesicht. Ja, mein Gesicht, das durch den steigenden Alkoholkonsum immer mehr an Ästhetik und Autorität verloren hatte. Zwei Jahre und zwei Monate nach meiner ersten Unterrichtsstunde ging ich in den Entzug. Zurück blieb nichts als ein schlechtes Gewissen, ein toter Freund und ein peinliches Feuer auf dem Rasen vor dem Plattenbau, das gefühlte vier Minuten gebrannt hatte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Ich bin Pisse</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 04:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven Klöpping</dc:creator>
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		<description><![CDATA[... / wenn ich an einer Rose dufte – Pisse, / wenn ich an einem Holzlager vorbei gehe – Pisse. / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin Pisse,<br />
<img class="alignright size-thumbnail wp-image-1562" title="perspective P" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/02/perspektive_toilette-140x140.jpg" alt="perspective P" width="140" height="140" />wenn ich nichts anderes mehr rieche,<br />
wenn ich an einer Rose dufte – Pisse,<br />
wenn ich an einem Holzlager vorbei gehe – Pisse.</p>
<p>Wenn mein Duft mich zu dem macht der ich bin,<br />
also ein Pisser,<br />
dann frage ich mich,<br />
was all die Schisser eigentlich von mir wollen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Slacken</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/09/slacken/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 05:01:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<description><![CDATA[So stehst du gut. Balance kommt aus der Mitte. / Den Blick nach vorn. Die Welt hört auf zu drehen. / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.blogfront.de/?p=203" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1203" title="Auf der Slackline (Foto: Paul Laub)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/slacken1_350x.jpg" alt="Auf der Slackline (Foto: Paul Laub)" width="350" height="250" /></a></p>
<h2>slacken…</h2>
<p>Kniehoch, die Fatsche. Sprung! &#8211; der rechte passt,<br />
den linken Huf davor. Den Rücken grade.<br />
Ganz ruhig. Hände in die Luft. Die Wade,<br />
die Standfußwade straff. Das Band braucht Last!</p>
<p>So stehst du gut. Balance kommt aus der Mitte.<br />
Den Blick nach vorn. Die Welt hört auf zu drehen.<br />
Und alles fließt geschmeidig, ist ein Gehen,<br />
ein losgelöstes Setzen sanfter Schritte.</p>
<p>Der Wind singt leise – dass doch alles sänge!<br />
Das Slacken ist wie Joga in der Luft:<br />
Du überwindet nicht zuletzt die Kluft,<br />
die in dir ist – auf ihrer ganzen Länge.</p>
<p><a href="http://www.blogfront.de/?p=362" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1204" title="Slacken am Abend (Foto: Paul Laub)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/slacken2_350x.jpg" alt="Slacken am Abend (Foto: Paul Laub)" width="350" height="250" /></a></p>
<h2>Monolog beim Aufbau einer Slackline…</h2>
<p>Mach du die Schlingen, mon ami, ich bau die Leine.<br />
Die Welt ist schlecht. Wir können nichts dafür.<br />
Drum lass uns für ein Weilchen über ihr<br />
(und wenn’s auch nur ein Meter ist) in’s Reine<br />
und endlich auch zur Ruhe kommen. Das Gespür</p>
<p>für uns wird selbst die dröge Welt uns abzuschlagen<br />
nicht wirklich für notwendig halten wollen.<br />
Und wenn ich irre? Niemand irrt! Es sollen<br />
uns Sorgen nicht und keine Freuden plagen,<br />
wenn wir uns Schritt für Schritt des allzu übervollen,</p>
<p>des endlos überreizt-, zerlebten Seins entfernen.<br />
Wenn wir des Abgrunds fürchterlichem Gähnen<br />
entgegen gehn: ein Sich-hinüber-sehnen!<br />
An diesem also end-, unendlich lernen,<br />
dass all dies halbherzlose An-der-Freiheit-lehnen</p>
<p>nicht Freiheit ist? Oh, Freund, will ich es so bedenken,<br />
ist zwischen diesem Schäkel dort, und hier<br />
dem Ellington mehr Freiheit als du dir<br />
erhoffen kannst! &#8211; - Noch straffer? Klar. Wir lenken<br />
noch einmal um. Zur Potenzierung. Dann ein Bier!</p>
<p><a href="http://www.blogfront.de/?p=298" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1207" title="Slacker schwebt (Foto: Paul Laub)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/09/slacken_hoch.jpg" alt="Slacker schwebt (Foto: Paul Laub)" width="350" height="458" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vor der Disco</title>
		<link>http://kaschemme.de/2007/04/vor-der-disco/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2007 16:51:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bielefelder</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[dreck]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
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		<description><![CDATA[Nicht zu erwarten, was danach kommt.
Das Mädchen sitzt dort alleine und flennt.
Die Leute kommen und gehen vorbei.
Ihr Lippenstift schmiert und sie pennt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht zu erwarten, was danach kommt.<br />
Das Mädchen sitzt dort alleine und flennt.<br />
Die Leute kommen und gehen vorbei.<br />
Ihr Lippenstift schmiert und sie pennt.</p>
<p>Drönt doch die Musik so laut drinnen.<br />
Hier draußen klingt sie dumpf.<br />
In ihren Augen ist Nacht<br />
und ihre Klamotten sind schwarz.</p>
<p>Auf der Bordsteinkante ist ihr Platz jetzt.<br />
Viel getrunken hat sie heute.<br />
Und es ist nicht ihre Schuld,<br />
dass sie viele Backpfeifen kassiert hat.</p>
<p>Nachts sieht es keiner und<br />
der Sekt aus der Flasche schmeckt doch so gut.<br />
Lieber draußen und frei<br />
als drinnen und verschmäht von den Idioten.</p>
<p>Kühl ist es geworden und es zieht.<br />
Doch ziemlich geil sind ihre Strumpfhosen<br />
und reflektieren das Licht<br />
der Laternen, die sie vereinzelt umgeben.</p>
<p>Die Pfütze aus Kotze ist frisch<br />
und alles verschwimmt in dieser Nacht.<br />
Und niemand denkt daran nach Hause zu gehen.<br />
Die Nacht ist jung und lockt sie hinein. </p>]]></content:encoded>
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		<title>Als Trinker unterwegs</title>
		<link>http://kaschemme.de/2005/08/als-trinker-unterwegs/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2005 19:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<description><![CDATA["Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat. Ein Trinker, dem nicht alles egal ist und der etwas auf sich hält, hat dauernd Angst. Auch wenn er cool ist.</p>
<p>Ein Trinker hat entweder genug Geld in der Tasche, viele Freunde, oder eine &#8211; möglichst zwei &#8211; Kreditkarten. Neben der EC-Karte, die er ja per se bei sich führt, weil sie einem sowieso geklaut wird. Vorausgesetzt, er ist ein richtiger Trinker. Falsche Säufer haben Glück. Mehr als Kinder. Die fallen aus dem sechsten Stock eines Hochhauses und landen in einem Buchsbaum. Unverletzt. Die werden nicht vom Bus überrollt, dass die Knochen krachen, die werden lediglich zur Seite geschubst. Die stehen auf bevor der Notarzt eintrifft, schütteln ihr Sakko und gehen weiter wie jemand, der sich eine Fliege aus dem Gesicht wischt. Aber die Angst sich zu blamieren bleibt. Es könnte ja sein, dass man am nächsten Tag gefragt wird, was man so getrieben hat. Ein positives Zeichen, wenn jemand fragt, denn es bedeutet, er weiß es selbst nicht.</p>
<p>Ab wann muss man zurückfragen, ab wann kann man die eigenen Löcher mit Phantasie füllen? Tja, die Angst des Trinkers. Solange man alleine unterwegs ist, kann man anderen eine Menge erzählen, aber wenn man mit zwei ebenbürtigen Säufern raus geht, bleiben dreimal soviel Gehirnzellen übrig, die einem das Geschehen rekapitulieren.</p>
<p>Ich war mit zwei Trinkern unterwegs. Fatal. Schicksalsgeschwängert, wie man so schön sagt. Der eine hatte etwas mit Literatur zu tun. Der andere auch. Ausgangsposition: Dortmund, Rock Cafe. Was das mit Literatur zu tun haben sollte, wusste ich nicht. Rock und Literatur. Fragezeichen. Als ich reinkam, wusste ich nicht, was der Laden mit mir zu tun hatte. Ausrufezeichen.</p>
<p>Aber keine Sorge, ich bekam ein Bier, wurde sogar nach einem großen oder kleinen gefragt. Durch den Spiegel hinterm Tresen konnte ich die Gäste betrachten, und wenn sich die Bedienung hinterm Zapfhahn bückte, ob sie einen BH trug.</p>
<p>Sie trug einen BH. Definitiv. Das machte die Sache nicht gerade leichter. Die beiden Literaturtypen, nennen wir sie ruhig Thomas und Michael, schätzten mich von der Seite ab und mutmaßten, wieviel Bier ich in meinen Bauch kriegen würde. Dummerweise stand mein Ruf, den ich noch aus vergangenen Jahren in die Gegenwart gerettet hatte, schlechter dar als mir das Alter und die Umstände gestatteten. Wäre noch erwähnenswert, dass die beiden Literaturtrinker &#8211; jeder für sich &#8211; gut ein Dutzend Jahre jünger waren.</p>
<p>Ihr wisst ja, wie das so läuft: einer gibt das Trinktempo vor, die anderen ziehen mit. Ohne es klar auszusprechen, findet eine &#8220;Kampfhandlung&#8221; statt, wenngleich auf sportlicher Basis. Trinken ist Volkssport Nummer Eins, erst dahinter kommen Fußball, Tennis, Boxen und so weiter. Als erfahrener Sportler fängt man im kleinen Bieranzug an, und versucht der Letzte zu sein, der zuerst auf Toilette geht. Damit beweist man eine durchtrainierte Blase. Wichtig ist, sich wie ehemals Mohammed Ali, während der Rundenpausen nicht zu setzen, bzw. das erste Dutzend Gläser Bier stehend zu sich zu nehmen. Anfangs steht man freihändig, das Glas in der Hand oder die Hände in den Hosentaschen. Später lehnt man sich leicht gegen den Tresen, seitlich, so mit den Schultern, und es muss aussehen, als würde man gelangweilt auf den Bus warten.</p>
<p>Das Thema Literatur handelten wir während der ersten 10 Gläser Bier ab. Warm up. Suche nach der nötigen Gelassenheit. Kontrolle der Mimik im Barspiegel. Verbale Lockerungsübungen.</p>
<p>Dann der erste Schnaps. Nachschub aus dem Zigarettenautomaten. Die Bedienung leerte den Aschenbecher, hatte aber vergessen den BH auszuziehen. Macht nichts. Phase Numero Zwo. Man gefällt sich mit der nötigen Promillezahl, Schulterklopfen, Anerkennung über dies und das, und beste Gelegenheit über zukünftige Projekte zu sprechen.</p>
<p>Klar, uns kam nichts besseres in den Sinn, als der Menschheit eine Art Kaschemmenführer präsentieren zu wollen, obschon die Branche, gleich neben Kochbüchern, von Reiseführern überschwemmt wird. Doch Thomas und Michael hatten den Ruf von reisewütigen Beobachtern weg &#8211; Paris, 36 Kneipen in 5 Stunden. Zum Beispiel.</p>
<p>Ich dagegen besuchte alle paar Monate die Kneipe an der Ecke, blieb bis zum Zapfenstreich und torkelte anschließend über die Straße zur Haustür. Es gab selten etwas darüber zu berichten, weil selten was passierte. Es sei denn, ich stieß aus Versehen ein Bierglas um. Allerdings ist das meiner Beherrschung zu verdanken, denn früher war alles anders. Erst mit 30 hatte ich den Dreh raus, und konditionell befand sich meine Leber in der Lage 3,5 bis 4 Promille Alkohol zu verarbeiten, ohne dass ich gleich die Bedienung vergewaltigen wollte. Damals hielten sich Genuss, Exzess und Erinnerungsvermögen die Waage.</p>
<p>Noch ein Bier? Einen Absacker? Wir schließen gleich.</p>
<p>Schöne Worte von der Frau mit BH unterm T-Shirt. Mittlerweile saßen wir vor dem Tresen, Thomas und ich leicht angelehnt, Michael in der Mitte, sozusagen freischwebend und wegen der lauten Musik und dem Umstand, dass wir eine Unterhaltung führten. Wir saßen im Dreieck. Wir redeten übers Goldene Dreieck, übers Reisen, und weil Träume aufgekommen waren, die erst durch die Phantasie des Alkohols beflügelt werden. Dementsprechend lautete unser nächstes Ziel: Thai-Pub, Westenhellweg.</p>
<p>Folge einem Trinker nur, wenn du ihn nicht aus den Augen verlierst. Halte einen oder zwei Schritte Abstand, so kann er nicht sehen ob du schon torkelst. Bleib im Gespräch, damit er sich nicht umdreht und sieht, wie du torkelst. Schließe hin und wieder auf, klopfe ihm auf die Schulter und bleibe wieder zurück. Aber mache keine Gewaltmärsche &#8211; den Westenhellweg hoch und runter ist genug. Nehme für längere Strecken ein Taxi.</p>
<p>Phase Numero Drei. Auf der Spitze des Besoffenseins. Wäre man vernünftig, würde man zwischendurch ein Wasser trinken. Das verringert den Kater am nächsten Morgen. Eventuell weniger rauchen. Das lindert den Kopfschmerz.</p>
<p>Aber nein, der Laden war nett und in bläuliches Schummerlicht getaucht. Ein freier Platz am Tresen, und die Frauen wirkten schöner, als sie vor Stunden reingekommen waren. Typische Trinker-Fatamorgana. Die dritte Phase beleuchtet den Schluss, dem man wie im Kino, nach 80 Minuten, entgegenfiebert. Happyend? Horror?</p>
<p>Thomas und Michael zogen ihrer Register. Und zwar komplett. Schnaps und Longdrinks. Mai-Tai. Ich ging zur Toilette und erwartete, dass mir, wie Michael schon geschehen, jemand an den Schwanz packt. Blick in den Spiegel. Ich war allein. Wasser ins Gesicht, aufatmen und wieder raus zur letzten Runde.</p>
<p>Wenn man betrunken aus der Toilette kommt, hat man das Gefühl von allen Augen beobachtet zu werden. Wer da nicht ein bisschen schauspielern kann, ist verloren. Man glaubt es zumindest. Also Tür auf, Augen geradeaus und schnurstracks zum Tresen, zu den Mitstreitern. Gott sei Dank wirkt der Alkohol bei jedem &#8211; mal eher, mal früher. Thomas kriegte nicht mal mit, dass ich auf Toilette war, Michael wiederholte eine Frage, die er mir in meiner Abwesenheit gestellt haben musste. Mai-Tai lächelte. Eine Milchschokoladenschönheit stand auf dem Podest und übte sich im Mitsingen eines thailändischen Schlagers. Karaoke. Zumindest asiatisch. Etwas fern der Heimat. Dann der Gong, als jemand reinkam und berichtete, dass es draußen mittlerweile hell sei.</p>
<p>Uhrenvergleich. Die zwölfte Runde.</p>
<p>Ich konnte nur hoffen, dass es auf ein Unentschieden hinauslaufen würde, dann bestellte Michael ein Taxi aus Witten, guter Kumpel, wie er sagte, und ich überlegte, ob ich auch so ein Kumpel gewesen wäre, und wir traten in die Lichtung des Morgens, die unsere Augen blendete, und wir warteten.</p>
<p>Zaghaft zeigte sich ein Stück der Sonne. Wir standen da zu dritt, Hände in den Hosentaschen, mit wippendem Oberkörper, wir gingen einen Schritt vor und zurück, um das Gleichgewicht auszupendeln, nahmen anschließend die Hände zur Hilfe sobald wir etwas sagten.</p>
<p>Ein Taxi brauste heran. Im Begriff schon einzusteigen stutzten wir, als uns ein zweiter Wagen mit quietschenden Reifen fast über den Haufen fuhr. Aha. Der Kumpel aus Witten. Thomas und Michael grinsten, zwei Literaturfreaks, denen ich auf den Leim gegangen war, die mich runtergesoffen hatten und mir nun zeigten, wie man sich ohne Blamage aus der Affäre ziehen kann.</p>
<p>Wie gesagt, als Trinker hat man immer Angst sich zu blamieren. Ich tat es erst, nachdem ich mit dem Autoschlüssel versuchte die Haustür zu öffnen. Genauer, ich blamierte mich, indem ich sämtliche Nachbarn aus dem Bett schellte und im Flur offenbarte, der Weltuntergang würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.</p>
<p>Wenigstens hatte ich nichts auf die Schnauze bekommen. Soweit ich mich erinnern kann.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Als der GEZ-Mann dreimal klingelte</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2005 19:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Ding Dong. Ich wohnte in der ersten Etage und öffnete, weil ich dachte, es wäre eine Nutte die bevorzugt Hausbesuche macht."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Wirklichkeit klingelte er nur ein Mal. Ding Dong. Ich wohnte in der ersten Etage und öffnete, weil ich dachte, es wäre eine Nutte die bevorzugt Hausbesuche macht. Schon durch den Spion betrachtet, erschien mir die Person nicht wie eine hübsche langbeinige Nutte, zumal ich keinen Stöckelschlag auf den Stufen gehört hatte und meine Freundin im Begriff war sich auszuziehen.</p>
<p>Dummerweise war ich selbst bereits so leicht bekleidet, wie man eine Nutte auf Hausbesuch erwartet. Ich öffnete etwas entnervt, mein Ding verlor die Hälfte seines Volumens.</p>
<p>&#8220;Guten Tag, ich bin vom WDR&#8221;, dabei zeigte er einen Ausweis, den er, noch bevor ich ihn richtig begutachten konnte, wieder dezent in der Jackentasche verschwinden ließ. Natürlich, wie sich gleich darauf herausstellte, war der Typ nicht vom WDR. Er arbeitete im Auftrag des WDRs und wollte wissen, ob ich Radio- oder Fernsehgeräte besaß. Was ich verneinte.<br />
&#8220;Wir haben konkrete Hinweise, dass sie Rundfunk- und Fernsehempfänger betreiben.&#8221;</p>
<p>Er sprach dezent leise. Vermutlich einer von der besseren Sorte, dachte ich. Oder alleinstehend und ohne große Ansprüche.<br />
&#8220;Guter Mann&#8221;, begann ich, und hatte eigentlich keine Lust weit auszuholen und hätte lieber die Tür zugeknallt und mich meiner abklingenden Erektion gewidmet, &#8220;nun mal keine falschen Beschuldigungen, wir sind hier nicht in Simbabwe.&#8221;<br />
Die Wohnzimmertür stand offen. Von drinnen hörte man die charakteristischen Dialoge einer Daily-Soup. Aus dem laufenden Fernseher.<br />
Nach zwei Sekunden sagte der Typ: &#8220;Sollen wir anmelden?&#8221;<br />
&#8220;Wenn ich dann den Pulitzerpreis kriege?&#8221;</p>
<p>Was einem in solchen Fällen klar sein sollte: Die GEZ, sprich Gebühreneinzugszentrale der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands, beschäftigt keinen Außendienst. Die sind viel zu schlau, um sich selbst in die Nesseln zu setzen, sie heuern Freiberufler an, arme Selbständige, die von Provisionen leben müssen. Manche leben nicht schlecht, das sind eben jene, die über ein Repertoire an Phantasie verfügen.<br />
Zuerst würden sie gerne Einlass in die Wohnung bekommen. Aber das dürfen sie nach ihrem Status genauso wenig wie ein Zeitschriftenwerber.<br />
&#8220;Und, was höre ich da? Sind das nicht die Geräusche aus einem Fernseher?&#8221;<br />
&#8220;Nee, das ist meine Freundin, die macht nach was sie vorhin, in ihrem eigenen angemeldeten Fernseher gehört hat. Sie will gleich gefickt werden. Keine große Sache.&#8221;<br />
&#8220;Darf ich mich davon überzeugen?&#8221;, fragte der GEZ-Scherge.<br />
&#8220;Wie ich meine Freundin ficke???&#8221;<br />
Es hat sich längst rumgesprochen, dass man weder Drücker noch GEZ-Schergen in die Wohnung lassen muss. Erstere kriegen meisten einen Fußtritt, zweitere werden noch höflich behandelt, obwohl bei beiden, rechtlich gesehen, kein Unterschied besteht. Die GEZ ist ein Teil der Öffentlich-Rechtlichen, und die sind keine Behörde. Einen Fernseher oder ein Radio nicht anzumelden entspricht einer Ordnungswidrigkeit. Wie falsch Parken.<br />
&#8220;Ich könnte die Nachbarn fragen, ob die gehört haben, ob Sie einen Fernseher besitzen&#8221;, sagte der Kopfgeldjäger.<br />
&#8220;Ich dachte, Sie hätten einen konkreten Verdacht?&#8221;<br />
&#8220;Also, es ist doch offensichtlich, machen wir das Formular. Ansonsten drohen bis zu 1000 Euro Strafe.&#8221;<br />
Er hatte das Antragsformular und den Kugelschreiber längst in der Hand.<br />
&#8220;Ich habe nichts&#8221;, murmelte ich, was gleichzeitig bedeuten konnte, ich sage nichts.<br />
&#8220;Dann müssen wir ein Ermittlungsverfahren einleiten.&#8221;</p>
<p>Ermittlungsverfahren, dachte ich, Heilige Scheiße, der Typ spinnt. Was ich ihm auch leicht abgeschwächt sagte. Mir war ebenfalls klar, dass die GEZ Adressen vom Einwohnermeldeamt kriegte und in der freien Wirtschaft, besonders bei Zeitschriftenverlagen, Adressen kaufte. Usus in der BRD. Nur zwei oder drei ostdeutsche Bundesländer, die berechtigte Angst vor einem findigen und im Datenschutz gewieften Kläger hatten, der selbst das Verfassungsgericht nicht scheuen würde, enthielten sich dieser Praxis.</p>
<p>Tja, der arme Mann, der lediglich Geld verdienen wollte, merkte, dass sein Argument eines sogenannten Ermittlungsverfahrens kläglich scheiterte. Mir war bewusst, wie die GEZ arbeitete: Das Haus in Köln-Bocklemünd beherbergt gut 800 Angestellte, hauptsächlich Frauen. Sie sitzen an weißen Schreibtischen die auf grünen Teppichböden stehen und lesen Briefe. Ca. 50 000 am Tag. Und verschicken noch mehr. Das komplette Forcieren der Sache fällt diesen Frauen zu: Adressen werden aus Datenbänken abgeglichen, werden von Fremdfirmen gekauft und vor allem wird jeder Umzug, jede An-und Abmeldung des Einwohnermeldeamtes registriert. Notorische Gebührensparer, wie ich es einer bin, bombardiert man insgesamt drei Mal: Die Erstaufforderung, nach 8 Wochen eine Erinnerung, dann, weitere 8 Wochen später, noch eine. Dann ist erst mal Schluss. Zumindest schriftlich. Jetzt muss man sich nur noch vor den rund 1000 Freiberuflern in Acht nehmen.<br />
Gebühreneinzugsbeauftragte bedienen sich der Angst und Einschüchterung, und selbst das Gerücht einer möglichen Hausdurchsuchung macht hartnäckig seine Runde.</p>
<p>&#8220;Sie müssen damit rechnen, dass wir ihnen einen Peilwagen vor die Tür setzen.&#8221;<br />
&#8220;Na ja,&#8221;, sagte ich, &#8220;solange der nicht im Halteverbot steht &#8230;&#8221;</p>
<p>Ich knallte ihm die Tür vor der Nase zu und betrachtete im Spion, wie er sekundenlang blieb wo er stand und etwas notierte. Vielleicht appellierte er an meine Angst, dass ich den Fernseher, die Musikanlage und das kleine Radio in der Küche demnächst verstecken oder verkaufen müsste, um nichts dergleichen in der Wohnung zu haben und meiner Freundin sagen, sie dürfe diese Geräte nicht mehr einschalten. Wegen dem Peilwagen.</p>
<p>Dumm ist nur, dass die GEZ gar keine Peilwagen besitzt. Was das Straßenbild an Transportern mit Antennen auf den Dächern hergibt, sind die Peilwagen der Telekom, und die sind allein im Auftrag IHRER Firma unterwegs, um elektromagnetische Störfelder aufzuspüren.</p>
<p>&#8220;Wer war denn das?&#8221;, fragte meine Freundin.<br />
&#8220;Ach, so ein Kerl der Zeitschriften verkaufen wollte.&#8221;<br />
&#8220;Du bist mir einer&#8221;, sagte sie, &#8220;ich hätte den Typen sofort vor die Tür gesetzt. Du mit deiner Freundlichkeit.&#8221;</p>]]></content:encoded>
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		<title>271</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2004 18:16:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>271</dc:creator>
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		<category><![CDATA[politik]]></category>
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		<category><![CDATA[unten]]></category>
		<category><![CDATA[urban]]></category>

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		<description><![CDATA[die fenster ohne griffe
KULTUR
Amt für 
ohne Grenzen
Einwohneramt
Ausländerangelegenheiten
für das
multikulturelle
Nürnberg]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>die fenster ohne griffe<br />
KULTUR<br />
Amt für<br />
ohne Grenzen<br />
Einwohneramt<br />
Ausländerangelegenheiten<br />
für das<br />
multikulturelle<br />
Nürnberg<br />
Wartemarken<br />
sin fronteras<br />
- Aufenthaltsgenehmigungen<br />
- Asylangelegenheiten<br />
Polnische Tänze<br />
senza frontiere<br />
- Duldungen<br />
- Einreise und Visaangelegenheiten<br />
Partnerstadt Krakau<br />
sinir tanimaz<br />
- Einladungen<br />
- Verpflichtungserklärungen<br />
without frontiers<br />
8 Euro<br />
&#8216;hoffentlich<br />
nimmt der automat<br />
auch kleine münzen&#8217;<br />
bez granic<br />
&#8216;das ging aber schnell, danke&#8217;<br />
- Aufenthaltsbeendigung<br />
(Ausweisung/Abschiebung)<br />
Schalter</p>]]></content:encoded>
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		<title>das Sein</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Feb 2002 19:34:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kalle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<description><![CDATA["Dem Klo wird bewusst keinerlei Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Der Geruch nach Urin, der zarte Hauch, der an Erbrochenes erinnert und trotz mehrmaligen Putzens nicht zu beseitigen ist, erfüllt die unmittelbare Nähe des intimen Örtchens."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An dieser Stelle unterbricht ein lautes Rascheln die Stille, ans Licht kommen unsortierte Texte die, zwischen Weh &#8211; und Übermut, &lt;| das Sein |&gt; propagieren.</p>
<p>Mühsam versucht mein Hirn die neue Woche anzunehmen, sie in ihrer Struktur zu akzeptieren. Das einsetzende Treiben dringt durch die Jalousie, die ihrer Aufgabe mich nach außen hin abzuschotten nur mäßig bis ungenügend gerecht wird. Die quakenden Stimmen, das ewig gleiche Gedudel aus dem Radio martern das partiell noch schlafende Bewusstsein. Alles beherrschende Sinnlosigkeit wird in stechenden Neon Lettern auf die Netzhaut der zusammen gekniffenen Augen geschrieben.</p>
<p>Mit den Ziel der inneren und äußeren Kälte zu trotzen, wird die Kaffeemaschine langsam zur Höchstform ihrer Dienstleistung animiert. Sorgfältig, ja beinahe sakral anmutend, wird das fein gemahlene Pulver mit dem verkalktem Nass aus alten Bleirohren versetzt. Nur im Rausche sprichwörtlicher Realitätsfremde kann dieses Etwas &#8216;Trinkwasser&#8217; genannt werden. Vermengt mit heißer, fettarmer Alibi-Milch und angereichert mit dem süßem Kokain für Arme, findet die entstandene gräulich braune Flüssigkeit ihren Bestimmungsort Magen respektive Blutbahn. Der Umweg über Mund, dem Gaumen und der Speiseröhre kostet Zeit. Viel Zeit.</p>
<p>Dem Klo wird bewusst keinerlei Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Der Geruch nach Urin, der zarte Hauch, der an Erbrochenes erinnert und trotz mehrmaligen Putzens nicht zu beseitigen ist, erfüllt die unmittelbare Nähe des intimen Örtchens. Ein Blick in Richtung Herd bestätigt die Annahme vom tobendem Mundraub, der im Schutze der Nacht vollzogen wurde. Kühlschrank auf, das kalte, eiweiß- und kalziumreiche Produkt, in Begleitung eines heftigen Stossgebetes, greifend, beginnt der Rückzug in den nun vollends vom grauen, öffentlichen Schwachsinn okkupierten Schutzgraben. An der Zivilisation wird gebaut, umstrukturiert, eingerissen, Lärm gemacht. Sorgsam bereite ich einen Ausfall vor. Nach einigen Schritten stehe ich, das kürzlich erworbene dicke Fell der Ignoranz übergeworfen, auf der Strasse.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Mit schweren, müden Schritten entsteige ich der U-Bahn. Langsam mühe ich mich in Richtung Rolltreppe. Schon sind all die Masken hinter mir vergessen. Der Wind aus dem U-Bahnschacht ist das einzige was mich noch mit denen verbindet, die weiter durch die Unterwelt Berlins reisen. Die Plastiktüte mit dem erjagtem Dosenbier raschelt im Wind und stößt im Takt meiner Bewegung gegen mein rechtes Bein.</p>
<p>Im Licht der Straßenlaterne erspähe ich die nackten Brüste einer Frau, die auf der Rückseite einer Tageszeitung ihr ganz persönliches In und Out preisgibt.</p>
<p>Das Schloss der schweren Eingangstür hakt immer noch. Nach einigem Rütteln und mehreren Flüchen wird mir Einlass in den dunklen Torbogen gewährt. Mit schnellen Schritten entkomme ich dem Uringeruch und trete in den ersten Hinterhof. Der Dreck, der stetig aus den übervollen Mülltonnen heraus kriecht, gewinnt langsam die Oberhand im territorialen Krieg mit dem &#8216;Hausmeister&#8217;. Das unidentifizierbare, weiche Etwas dem ich nicht mehr ausweichen konnte, verteilt sich auf den kaputten Stufen, während ich meinen Weg in das Dachgeschoss fortsetze. Fortsetzen tut sich auch das Abblättern der Farbe an den Wänden.</p>
<p>Nur an den Stellen, wo der Dreck die Farbe zusammen hält, sind letzte Fragmente von Anwesenheits- Protokollen erkennbar. Sorgsam das Bier hinstellend, öffne ich die Sperrholztür und trete in meine trockene und immer zu heiße Wohnung.</p>
<p>Fünfter Stock. Die Brüstung des Balkons ist höchstens einen Meter hoch und das Dach endet ohne Fanggitter. Der immer währende Regen trägt seinen Teil zur Glitschigkeit der Bitummatten bei, doch der Fernseher steht näher.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Wie immer, reißt mich der Wecker unsanft aus unsanften Träumen. Wie immer schwanke ich zu der Maschine, die einzig dem Zwecke dient, mir einen Teil erlogener Lebenskraft zu schenken. Ich trinke, wie immer, meine drei Tassen und erledige grobmotorisch die Morgentoilette</p>
<p>Das Türschloss zweimal zuschließen, mit einem Tritt die Haustür öffnen. Ich stehe draußen, wie immer.</p>
<p>Es regnet, die Sonne scheint, es ist windstill, ein Sturm tobt, es ist Wetter, wie immer. Der Motor will nicht wie ich. Eigentlich wollen wir beide doch wohl weiterschlafen. Dreimal, viermal, er kommt, ich fahre. Die Ampel ist rot wird gelb wird grün, der Idiot vor mir merkt es nicht, ich rege mich auf, wie immer.</p>
<p>Der Stau um acht ist weitestgehend bekannt, also fahre ich früher los. Andere sind genauso schlau wie ich, also steht der Verkehr, wie immer. Ich komme zu spät, wie immer.</p>
<p>Der Krach lebt sich in all seiner Vielfalt aus. Es stinkt, es herrscht der Dreck und auch der Stress hat Frühschicht, wie immer.</p>
<p>Zwei Stunden, drei Stunden, vier Stunden, zwei Brötchen, einen Kaffee, ein Wort. Zwei Stunden, drei Stunden, zwei Pflaster, vier Stunden. Noch ein Pflaster, wie immer. Umziehen, einen Kaffee, ein Wort. Zweimal, dreimal, viermal, der Motor läuft, ich fahre, wie immer. Die Ampel ist rot, wird gelb wird grün, ich merk es nicht. Der Idiot hinter mir regt sich auf, wie immer.</p>
<p>Ein kräftiger Griff, die Tür zweimal aufschließen. Herd an, Herd aus. Mund auf, Mund zu, wie immer.</p>
<p>Schmeiß den Wecker nicht an die Wand, wie immer.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Langsam setzt die Wirkung des zu mir genommenen Alkohols ein. Eigentlich ein Punkt, der keiner genaueren Betrachtung würdig ist, da er ja zu diesem Zweck bezahlt und in seiner Existenz gerechtfertigt wird. Die angenehme Schwere, die aus der Flasche langsam in meinen Kopf wandert, verleit den Gedanken die gewünschte Samtigkeit. Die wiederum je weiter sie in Richtung Körpermitte strebt, in eine Art schwereloser Trägheit wandelt. Die letzten fünf Jahre verbrachte das Nass roter Trauben damit, Ruhe anzusammeln um sie jetzt in schönster Weise meinem Geist vorzugaukeln.</p>
<p>Mit einem Hauch Lethargie leere ich mein Glas und greife zu den Zigaretten, die nun sämtlichen Geschmacksnerven in Zunge und Gaumen wie ein Vorschlaghammer in Verbindung mit einer mühsam errichteten Glasfassade, die bittere Existenz der Realität ins Bewusstsein hämmert.</p>
<p>Selbst intensives Spülen mit klarem Wasser verfehlt seinen Zweck. So einfach lässt sich der Beigeschmack der Zivilisation nicht beseitigen. Doch auch in dieser Hinsicht bietet der Fluchtpunkt Wein ein immenses Kontingent an Lösungsvarianten.</p>
<p>Ich entscheide mich für kräftiges Gurgeln in Verbindung mit sorgfältigem Schlucken. Da diese Prozedur jedoch mehrere Gläser in Anspruch nimmt, ist es notgedrungen an der Zeit eine weitere Flasche ihrem Ruhebett zu entreißen, sie zu öffnen und atmen zu lassen. Ein leises &#8216;Plopp&#8217; erfüllt den leeren Raum, der Hals ist freigelegt, doch versagen die Lungen. Da hilft nur Mund zu Mund Beatmung.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Weihnachten in einer WG</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Dec 2001 19:08:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Nach Streichholzziehen und Knobeln und lauten Diskussionen bewaffnete ich mich mit einem Schlachtermesser und begegnete dem Fisch da unten im Keller, in der Kinderbadewanne."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_595" class="wp-caption alignright" style="width: 110px"><img class="size-full wp-image-595" title="hartmuth_ingolf_malorny" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/hartmuth_ingolf_malorny.gif" alt="Malorny" width="100" height="145" /><p class="wp-caption-text">Malorny</p></div>
<p>Wir bewohnten damals ein baufälliges Einfamilienhaus in einer baufälligen Gegend, und da die Bagger auch zum Ende des Jahres nicht anrückten, luden wir einen Bekannten zum traditionellen Weihnachtsabend ein. Mein Bruder und seine Verlobte, und ich und meine Verlobte, hatten einen Karpfen (blau) in der Röhre, und als der Bekannte endlich an die Tür klopfte, war die Hälfte der Geschichte bereits vorbei. Während unsere Verlobten noch die Rezepte studierten, tranken wir den Wein aus der Korbflasche, der für die Sauce vorgesehen war.</p>
<p> </p>
<p>Nach Streichholzziehen und Knobeln und lauten Diskussionen bewaffnete ich mich mit einem Schlachtermesser und begegnete dem Fisch da unten im Keller, in der Kinderbadewanne, und wie alle Beteiligten später bemerkten, eignete ich mich nicht zum Killer, und das Resultat war entsprechend. Wir schoben den Leichnam ohne Kopf und Schwanz in den Ofen, und die gefährlich aussehenden Stellen retuschierte meine Verlobte dezent mit einem Bund Petersilie.</p>
<p>Zuerst wollte mein Bruder den Karpfen mit dem Luftgewehr füsilieren, doch da sagte SEINE Verlobte: &#8220;Stop, so geht das nicht.&#8221;</p>
<p>Wie gesagt, als unser Besuch an die Tür klopfte, war das Massaker beendet und wir empfingen ihn mit glänzenden Augen, die uns der Wein aus der Korbflasche beschert hatte.</p>
<p>Nach dem Essen wurde es noch lustig.</p>
<p>Da wir den Frauen den Einkauf überlassen hatten, fehlte uns für die obligatorische Feuerzangenbowle der brennbare 54%ige Rum, und so stöberte mein Bruder im Keller eine Flasche Methylalkohol auf, und auch den Hinweis des Bekannten, der meinte, von Methylalkohol könne man blind werden, ignorierten wir gelassen, denn das was wir sahen bestand aus zwei Dauerverlobten und einem baufälligen Haus. Den Höhepunkt des Abends bildete dann auch die bläulich zur Decke zischende Flamme, die sich (unerklärlicherweise) in die vergilbte Wohnzimmergardine fraß, doch da war schon der Bekannte mit der feuerfesten Form zur Stelle, in der sich &#8211; neben Fischgräten &#8211; noch gut ein Liter Fischsud befand, welcher sich hervorragend zur Löschung anbot.</p>
<p>Anschließend tranken wir die kalte Bowle in der Küche. Dummerweise hatte unser Kumpel so eine Art Gewissensbisse, und nachdem er bemerkt hatte dass sich die Situation zuspitzte, verschwand er. Mein Bruder und ich tranken ohne Gewissensbisse die Bowle, den restlichen Wein und das Bier aus.</p>
<p>Irgendwann zwischen 6-7 Uhr morgens warf mir die Verlobte meines Bruders schräge Blicke zu, aber es war ja nicht meine Verlobte, und so tranken wir noch die drei Flaschen Sekt leer, die wir nach langer Suche in der Abstellkammer fanden. Dafür war es dann MEINE Verlobte, die mich sturzbetrunken aus der Küche in die Abstellkammer verfrachtete, und ich merkte es erst, als mein Bruder am späten Nachmittag in eben dieser Kammer nach Sekt, Wein oder Bier suchte.</p>]]></content:encoded>
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