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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; surrealseltsam</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Der Ringer beim Pulloverkauf</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 23:01:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tzara_by_Tihanyi.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1779" title="Image PD - based Portrait of Tristan Tzara by Lajos Tihanyi (1885–1938)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/tzara_by_tihanyi-280x280.jpg" alt="Image PD - based Portrait of Tristan Tzara by Lajos Tihanyi (1885–1938)" width="280" height="280" /></a>Der Ringer beim Pulloverkauf beobachtet auf dem Weg ins Kaufhaus diese Vorfälle: Als eine Giraffe in der Straßenbahn stolpert, richtet sich der vierbeinige Gregorio Scarta, seines Zeichens kriminalistischer Schäferhund, auf und wird kurzweilig zum Zweibeiner, der beim Fahrkartenkontrolleur einen Bourbon ordert und vom ihm bekommt, bevor er das gefleckte Savannen-Fluchttier befragt, warum es sich seinem Wesen unentsprechend geduckt in einem überdachten öffentlichen Verkehrsmittel aufhält – die Giraffe jedoch pocht statt zu antworten mit ihrem linken Vorderhuf auf einen Eisblock mitten im Durchgang der Straßenbahn, in dem ein tiefgekühlter Mittelstürmer erstarrt verharrt, ohne im Besitz eines gültigen Fahrausweises zu sein, woraufhin der dem Fahrkartenpflichtgesetz verpflichtete Fahrkartenkontrolleur mit seinem metallenen Kleingeldabzählkasten auf den tiefgekühlten Mittelstürmer einschlägt – allerdings bleibt der Schlag auf den Schädel physikalisch bedingt wirkungslos und lässt den Mittelstürmer durch die Reflexionen des Eismantels hindurch zu einer Schönheit werden. An der nächsten Haltestelle klärt Straßenbahnrevisor Chico Pipa, der dem Schäferhund Gregorio Scarta seine vergessenen Socken bringen will, die angespannte Situation auf, er ruft seinen Chef Carlo Manzoni an, der verfügt, dass die Giraffe ab sofort zu Fuß gehen muss und dass der Mittelstürmer nach dem Auftauen den doppelten Fahrpreis zu entrichten hat.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Meister Sakul</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Meister Sakul sprang mit einem großen Satz zum Feuer am Einbauschrank, der war vollgestellt mit Büchern und einzelnen abgestandenen Bieren die sicher schon stanken. Die Kronkorken wellten sich. Darunter erkannte ich eine deutsche Ausgabe der Commedia. Phaidon. Ich hechtete, fischte sie aus der Brunst und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Zieh den Scheiß einfach«, blökte Meister Sakul mit halb geöffneten, geschwollenen Augenschlitzen. »Wenn du dich hinrichten willst, dann mach doch«, sagte ich. Das würde einfach abscheulich werden in unserem Zustand. Tödlich. Keine Nacht für solche Präparate. Irrsinn. Wir diskutierten eine Ewigkeit, ziemlich sicher waren es ein paar Minuten. Rauchten, ließen die Fenster geschlossen und tranken Asbach. Ich ging mich erleichtern und schlug die Tür hinter mir zu. Was sollte noch werden bis zum Morgen, wenn der Zeitmesser  gedrückt wird und der Rekord wieder nicht gebrochen? Was für eine grausame Vorstellung, unabwendbar zwar, aber einfach grausam, daran jetzt einen Gedanken zu verschwenden. Reiß dich zusammen Störk, geh nicht aus dem Leim, schlag dem Morgen und dem Übermorgen und den ewigen Werbungseinlagen mit Reinigungsmitteln und Versicherungen ein Schnippchen oder zwei. Schizoide Bilder des himmlischen Endkampfs pochten an die Tür meines geistigen Auges. Ich fegte sie fort und stopselte zurück, mit dem festen Entschluss den Scheiß einfach zu ziehen. Gefährliches Zeug. Es kam wie es musste: Sakul hing über dem Haufen und stopfte sich den Scheiß ins Nasenloch. Das hielt doch kein Mensch aus. Er gröhlte laut auf und warf den Nacken in Falten. Strahlen gebündelter Energie schossen ihm aus den Nasenlöchern und versengten den Teppichboden. Mit dem Wahngott selbst in den Augen starrte er mich an und fackelte die ganze Garnitur ab. Stichflammen zischten aus den Schubladen. Er riss die Lider noch weiter auf und die Fensterscheiben platzten mit einem Donnern aus der Fassung.</p>
<p>»Du Hurensohn!«, schrie ich ihm entgegen. »Du bringst uns noch um!«</p>
<p>In dem Moment war der Spuk vorbei. Was für ein Idiot. Er keuchte vor Erschöpfung, dann war er voll da und lachte kreischend wie ein kleines Mädchen.</p>
<p>»Hahahahahahast du das gesehen?«</p>
<p>Klar hatte ich. Die Bude stand in Flammen.</p>
<p>»MIR IST SCHEISSKALT!«</p>
<p>Meister Sakul sprang mit einem großen Satz zum Feuer am Einbauschrank, der war vollgestellt mit Büchern und einzelnen abgestandenen Bieren die sicher schon stanken. Die Kronkorken wellten sich. Darunter erkannte ich eine deutsche Ausgabe der Commedia. Phaidon. Ich hechtete, fischte sie aus der Brunst und trat Sakul vors Gesicht, dass er sich nicht bei lebendigem Leibe verbrannte. Resolut schmetterte ich das Buch auf den Boden, der Plastikeinband hatte schon angefangen zu schmelzen, und trat drauf so fest ich konnte. Das half nicht. Ich schnappte mir die erstbeste Flasche und hielt sie kopfüber auf die Commedia. Es war der Asbach. Das kostete mich die rechte Augenbraue. Um uns herum wurde es immer lauter, der Rauch stieg aus dem Fenster.</p>
<p>»Sieh nur, was du uns eingebrockt hast!«, rief ich über das konstante Rauschen des Feuers hinweg. »Du Kotzbrocken! Ruf die Feuerwehr! Aber bloß nicht die Bullen! Nicht die Bullen! Dafür kriegen wir die Giftspritze!«</p>
<p>Er hantierte auf dem Hosenboden sitzend herum. Zwecklos. Ich hatte keine Wahl. Ich machte den Hosenstall auf und drückte mir das letzte Bisschen Bier raus. Hier bekam man nicht die Giftspritze. Das Buch war gelöscht.</p>
<p>»Was war das überhaupt für ein Scheiß?«</p>
<p>»DAS IST AUS DEM IRAK!«, brüllte er, dass man es noch in München hören konnte. Ich stopfte die Commedia in meine Jackentasche und zog sie zu. Meine Hosentasche vibrierte. Ich nahm ab. »JA?!«, stieß ich heraus. Verdammt, war dieses Fichtenholz laut. Es krachte und knisterte, dass man den Verstand verlieren konnte. Die Decke fing an schwarz zu werden.</p>
<p>»Feuerwehr Regensburg. Um was geht es?«, sagte eine entspannte Männerstimme am anderen Ende.</p>
<p>»Na sie haben doch angerufen!«</p>
<p>»In welchem Stockwerk befinden sie sich?«</p>
<p>Ich ging zum Fensterloch und sah nach.</p>
<p>»Glaube im dritten!«</p>
<p>»Sind sie sich nicht sicher?«</p>
<p>»Nein, könnte auch der Vierte sein! Hören sie mal-«</p>
<p>»Ist das Fichtenholz, das brennt?«</p>
<p>»Ja, aber-«</p>
<p>»Wir sind unterwegs!« Er legte auf.</p>
<p>Ich stopfte das Telefon zurück in die Tasche und machte mir das Hemd auf. Was für eine Hitze.</p>
<p>»LASS UNS IN DIE STADT GEHEN!«, rief der Meister vom Boden. Ich musste ein brennenden Brett wegkicken, das er aufheben wollte. »Eher bleibe ich hier mit dir! Ich begeb mich doch jetzt nicht unter Leute! In deinem Zustand! Du bringst jemanden um!«</p>
<p>»LASS UNS JEMANDEN UMBRINGEN!«</p>
<p>Sakul fand die Kraft aufzustehen und rauschte an mir vorbei, durch die Diele und fiel die Treppen runter. Ich kam gerade so hinterher und sah noch, wie er sich unten angekommen seine Jacke vom Ständer suchte. Ein Blick zurück sagte mir, dass die Wohnung nicht zu retten war. Ich prüfte, ob das Buch noch in meiner Jackentasche war und drehte den Schlüssel drei mal um.</p>
<p>Jemand musste ihn aufhalten.</p>
<p>Drei Gassen weiter hörten wir die Sirenen. Ich hatte Sakul an meinen starken Arm gekettet. Zum Glück war er vom ersten Schock runtergekommen. Keine Chance sich vor der Justiz zu verstecken, dachte ich. Oder vor der Feuerwehr. Wachmeisterköter mit dem Daumen am Mercedeslenkrad, ihre Verachtung für so gefährliche chemische Experimente wie wir welche waren im Anschlag würden uns verfolgen. Vielleicht würden sie uns die Brandstiftung verzeihen, aber nicht das was der wildgewordene Koch an meiner Rechten noch anstellen wird, wenn ich nicht aufpasse. Meine Güte, dieser dritte Stock. Oder vierte. Was war der schon wert. Unkalkulierbarer Schwund. Hätte ja ein Kleinstadtkrimineller abfackeln können, weil der Anwohner Wettschulden hatte. Konnte ja niemand wissen, dass wir nicht wetteten. Nicht aus Prinzip, sondern aus Geldmangel. Nichts zu investieren. Aber genug zu verlieren. Was würden mir für hunderte Filme durch die Latten gehen, wenn ich jetzt weggesperrt werde. Vier Uhr. Die Zeit lief uns davon &#8211; nicht daran denken. Irgendwo saßen Ebenbilder von uns in einem Geräteschuppen im nassen Stiefeldreck und gaben sich den letzten Schuss des Abends. Könnte schlimmer sein.</p>
<p>»Reden die einen süditalienischen Dialekt. Sag mal.«</p>
<p>Sakuls leerer Blick verhakte sich in ein vorbeilaufendes Paar. Zwei Männer.</p>
<p>»Ja, das passiert manchmal um diese Jahreszeit«, sagte ich.</p>
<p>Bilder von einer Platonbüste irgendwo in Athener Marmorfluchten tauchten vor mir auf. Doktor Faustus steht davor und Platon spuckt ihm entgegen: »Philosophieren ist wie Sterben.« Schauderlich.</p>
<p>»Er hätte ihn auch nicht retten können«, sagte Sakul nebenbei, als wäre es garnichts ungewöhnliches, meine Gedanken zu lesen. »Nicht vor diesem verdammten Mephistopheles.«</p>
<p>Die Haare auf dem Armen stellten sich mir auf. Warum wusste er, was ich dachte?</p>
<p>»Was war das überhaupt für ein Scheiß?«, fragte ich.</p>
<p>»Ach, das ist aus dem Irak. Fällt da unter irgend eine Sprengwaffenverordnung. Geheime Sache. Frag mich nicht. Hast du noch Schnaps?«</p>
<p>Er griff mir unwillkürlich in die Jackentasche und bekam die Commedia zu fassen. »Lass das, Arsch«, zischelte ich und schlug ihm auf die Finger. Hoffentlich jagte der Scheiß nicht die ganze Straße in die Luft, den wir liegengelassen haben. Weiß der Teufel, wie das auf Hitze reagiert. Oder die halbe Stadt. Geradeausdenken.</p>
<p>Vielleicht sollte ich ihm kaltes Wasser rüberschütten. Oder mir. Vielleicht war ich ja unkontrollierbar. Sakul kam mir plötzlich so nüchtern vor. Ich gab mir eine Ohrfeige und hielt noch die andere Backe hin. Keiner schlug zu. Er fing an irgend eine Melodie zu pfeifen, die mir bekannt vor kam. Wir bogen um die Ecke und ich stimmte ein.</p>
<p>Kurz darauf fanden wir uns wider jeder Vernunft in einem gefüllten Lokal wieder und bestellten Single Malt Scotch. Nach fünf Minuten des Waffenstillstandes sagte der Meister, einen letzten Schluck gurgelnd: »So.« &#8211; er schluckte &#8211; »Jetzt bringen wir jemanden um!« Und er schlug auf die Theke mit seinen Kochpratzen, sehnig und fest vom Gemüsehacken und Saitenschlagen, dass sämtliche Flaschen und Gläser auf dem Tresen den Halt verloren und zu Bruch gingen. Er war nicht kräftig, das waren Österreicher nie. Das musste dieses irakische Plutonium sein.</p>
<p>»Das werdet ihr alles bezahlen!« Die stämmige Barfrau kam hervorgeschossen. Sie hielt einen langen Glassplitter in der Hand. Ich wollte etwas sagen, aber Sakul flüsterte mir laut hörbar ins Ohr, ob er sie umbringen sollte. Er mache das ganz schnell, dann verpissen wir uns. »Garkein Problem«, sagte ich, um ihn zu übertönen. Ich knallte alles auf den Tisch was ich hatte. Zwei oder drei größere Scheine. »Wartet mal.« Wir gingen, und kaum waren wir vor der Tür, war die Musik zu Ende und lautes Gesplitter und Gekreische kam von hinten. Eine Frau. Sie schrie jemanden an, warum er sowas behaupte und dass er ein Hurensohn sei. Wieder splitterte ein Glas. Nur raus hier. Ich überlegte, ob wir uns in irgend einer Spielhölle verkriechen sollten. Sonst würden wir noch draufgehen.</p>
<p>Zwei Tauben schissen den Stadtplatz voll.</p>
<p>Wir landeten in einer einsamen Einkaufspassage. Schuhgeschäfte, Ballkleider, Krankenhauslicht. Nicht mehr weit vom Geräteschuppen entfernt. Halb 6 sagte der Chronometer. Bald ging die Sonne auf und wir hatten einen Scheiß erreicht.</p>
<p>»Scheiße«, brachte Sakul heraus und kotzte Asbach. Wir setzten uns eine Bank tiefer in die Passage.</p>
<p>»Stell dir vor, die Nacht ist gelaufen. Bald kaufen hier irgendwelche Wichser Schuhe.«</p>
<p>»Ist heute Sonntag?«, fragte der Meister. Es war Freitag. Das heißt Samstag.</p>
<p>Auf ein mal hatte er wieder diese Augen. Er zog saugend an seiner Zigarette und blies den Rauch aus den Nasenlöchern wie ein Drache aus einem Rittermärchen. »Hahahahaha!« Er bekam sich nicht mehr ein.</p>
<p>»ICH KRIEG BEIM AUSATMEN KEINE LUFT MEHR!«</p>
<p>Bevor ich etwas sagen konnte, kamen da diese Schritte. Das Plutonium kochte in Sakul hoch. Rauch stieg ihm einfach so aus der Nase. Ich machte mich auf alles gefasst. Endkampf. Der nie zum Engel gewordene Ikarus schnellt im Kamikazesturzflug auf die Heerschaaren des Bösen herunter, nur mit seinen Fingernägeln bewaffnet.</p>
<p>Es waren drei Türkendeutsche mit Pelzkapuzen. Volltrunken von Energizergemisch. Sie hätten deutscher nicht sein können.</p>
<p>Sakul nahm einen Zwei-Zentimeter-Zug von seiner Kippe und stand auf. Jetzt war es unvermeidlich, dachte ich. Aber er stand nur da und schaute und aus seiner Nase stieg eine Unmenge Rauch.</p>
<p>»He!«, plärrte der mittelgroße von den dreien. Er war am besten frisiert.</p>
<p>»Was macht ihr hier?!«</p>
<p>Ich witterte eine letzte Möglichkeit, den Zusammenprall zu verhindern. »Und ihr?«, fragte ich nicht zu höflich.</p>
<p>»Ich wohn&#8217; hier! Verpisst euch!«, rief ein anderer. Sakuls Augen wurden groß. Tut das nicht, flehte ich in mich rein. Fasst ihn bloß nicht an. Sie wussten nicht, worauf sie sich da einließen. Keine Ahnung.</p>
<p>»Lasst es bleiben!«, schrie ich in einem ungemäß kleinen Anflug von Verzweiflung.</p>
<p>Sie kamen schnurgerade auf den Koch zu. Keine Ausweichmöglichkeit. Der Gang war einfach zu eng. »WAS?!«, brüllte der Größte und war bald da. Er holte schon aus. Es sollte ein rechter Schwinger werden. Ich saß unbeweglich auf der Bank. Die drei mit ihrem osmanischen Temperament und den gleichen Jacken hatten heute Nacht sicher schon einige Banksitzer umgehauen. Wir sollten die letzten werden.</p>
<p>Meister Sakul war nicht stark, oder groß, oder schnell. Aber er war schnaubend auf den Einfall der Osmanen gefasst. Er hatte die gefährliche Fehleinschätzung von Adolf Hitler, Österreicher war er ja. Ergebnis von jahrelangen Testreihen. Es war aus. Mephisto hatte uns am Kragen. Ich dachte kurz, der Boden würde Risse bekommen. Meine Augenbraue tat weh.</p>
<p>Dann ging alles schnell.</p>
<p>Sakul riss einen Feuerlöscher am Schlauch in einem Rutsch aus dem Putz heraus. Er holte aus wie ein berittener Kreuzritter mit einem Morgenstern. Er erwischte den Kerl mit einer aberwitzigen Geschwindigkeit am Ohr. Er fiel um wie ein Blatt im Oktober. Nur war es für ihn noch zu früh. Sein Gesicht splitterte und es trieb ihm das Jochbein ins Hirn. Er war sofort tot.</p>
<p>Sakul schnaubte wie ein riesiger Deckhengst. Er ließ den verbeulten Metallklumpen sofort fallen und stieg über den Typen hinweg. Die anderen beiden hatten in ihrem Rausch noch nicht wahrgenommen, was passiert war. Er bekam sie gleichzeitig mit chirurgischer Präzision an der Kehle zu fassen. Der eine wand sich und verpasste ihm einen kräftigen Schlag auf die Stirn.</p>
<p>»Heeeeh!« schrie der andere und trat ihm, noch halb im Lauf, auf die Kniescheibe. Noch eine Gerade. Sie verirrte sich und brach Sakul die Nase quer durch. Er drückte zu. Steckte in den Magen und auf die Brust ein. Es rauchte ganz schön. Er hatte ihre Luftröhren im Griff. Nach einer halben Sekunde, in der garnichts zu passieren schien konnte man sehen, wie er die Finger dahinter schloss. Sakul blieb so stehen. Sie wehrten sich nicht mehr. Sie drehten die Augen nach innen und zuckten epileptisch. Es kam noch mal ein Schlag von einem. Dann war Ruhe. Er drückte nochmal fester zu, bevor er sie fallen ließ. Ihre Köpfe knallten auf den Fließenboden. Der Koch röchelte kurz Luft in sich rein und beugte sich dann, um munter darauf einzuschlagen.</p>
<p>Ich griff in meine Jacke. Die Commedia war noch da. Ich saß rum und sah zu. Bei dem einen hörte er erst auf, als sich das Ohr vom Rest löste. Die Haut war aufgeweicht. Er drehte sich um.</p>
<p>»SCHAU MAL!« Er ließ das Ohr umherbaumeln. Der andere Osmane keuchte. Er bekam den Stiefel ins Gesicht und war ruhig. Dann war es vorbei. Sakul kicherte und kam her.</p>
<p>»Jetzt hast du es geschafft«, sagte ich vorwurfsvoll.</p>
<p>»LASS UNS WAS ESSEN GEHEN!«, schrie er.</p>
<p>»Du hast den Verstand verloren. Völlig den Verstand verloren.«</p>
<p>Meine Hosentasche vibrierte. Ich zog das Telefon raus und nahm ab. Eine Frauenstimme.</p>
<p>»Polizei Regensburg. Was kann ich für sie tun?«</p>
<p>Kaum zu fassen. Was für eine Scheiße. Ich hatte genug. Ich schmiss das Telefon in den Mülleimer und packte Sakul am Arm.</p>
<p>»Komm«, sagte ich.</p>
<p>Wir gingen rüber ins Parkhaus und verschanzten uns in einem nicht abgesperrten Wagen. Sakul schnallte sich mit vorfreudigem Blick an. »Ich will was rauchen!« Er war wieder etwas beruhigt, aber ihm kam immer noch Dunst aus der schiefgeschlagenen Nase. »Du Vollidiot«, setzte er noch dazu. Ich atmete durch und versuchte nicht an den Tod zu denken. Sie wussten nicht was sie tun. Selbst schuld. Das Parkdeck leuchtete. Ich drückte auf den Zeitmesser. Die Commedia schlummerte in meiner Tasche.</p>
<p>»Lass uns was Essen gehen«, sagte ich.</p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
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<small>Sinthom</small></a></td>
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		<title>Befreiung mit schwerem Gerät</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 11:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Roßmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erzählung mit Bube und Dame : ... Ich krieche den Gang entlang, wobei der Morgenstern hinter mit eine tiefe Rinne in den Lehmboden gräbt. Ich bewege mich ungestört. Kein Wasser tropft in meine Augen, wenn ich zur Decke blicke. In der Nähe der Gitterstäbe atme ich den Geruch von Fleischresten und Ammoniak ein, aber selbst wenn nichts auf Leben hinweisen würde, hätte ich keine Sorge, meine Schwester aufzuspüren, die sich hier befindet, seit sie anfing, nach Luft zu schnappen und die Augen zu verdrehen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="560" height="315"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/kCkJFul8GBI?version=3&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/kCkJFul8GBI?version=3&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="315" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>]]></content:encoded>
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		<title>Widerlegung der Quantentheorie</title>
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		<pubDate>Mon, 02 May 2011 05:23:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Roßmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Also ich sitze da betrunken auf der Mauer ungefähr einen Meter über dem Boden kippe dann wie man es von einem Obdachlosen erwartet nach vorne und falle wie ein Sack auf den Gehsteig ...]]></description>
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		<title>Krömel inne Tröt</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 18:22:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Axel Westphal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Krömel inne Tröt. Ein Film von Rüdiger Abshalom Dalit Tarannum Tamerlan Mugiraneza Sylla TianMa Westphal, starring Gregor Bendel und Rolf Habel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="540" height="334" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/NI1n3FV7o7M?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="540" height="334" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/NI1n3FV7o7M?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sarkastische Dackelfrisuren und Kalauer-Klammern</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 05:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Maisel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[seltsameDinge]]></category>
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		<description><![CDATA[Bis vor kurzem lebte ich im Glauben, die Werbeleute des 21. Jahrhunderts hätten sich von bestimmten Methoden abgewendet, weil sie ihnen selbst zu blöd geworden sind. Mit diesem naiven Gedanken wandelte ich letzthin zwischen den Regalen eines Nahrungsmittel-Verticker-Stores, als ich auf eine Reklame eines Ketchups stiess.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1346" title="weisserturnschuh" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/weisserturnschuh.jpg" alt="weisserturnschuh" width="258" height="80" />Bis vor kurzem lebte ich im Glauben, die Werbeleute des 21. Jahrhunderts hätten sich von bestimmten Methoden abgewendet, weil sie ihnen selbst zu blöd geworden sind. Mit diesem naiven Gedanken wandelte ich letzthin zwischen den Regalen eines Nahrungsmittel-Verticker-Stores, als ich auf eine Reklame eines Ketchups stiess, dessen &#8220;(h)einzigartiges&#8221; Aroma angepriesen wurde. Die Zweckentfremdung der Klammer zur Konstruierung von hanebüchensten Kalauern lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und sei dieser noch so russig. Doch wer weiss, vielleicht ist das die Vorhut eines Kalauer-Klammer-Revivals. Vermutlich sollen wir bald &#8220;f(r)ische Heringe&#8221; oder &#8220;g(l)ute(inhaltige) Brötchen&#8221;, und was sonst noch in kranken Gehirnen gärt, kaufen. Solche Unhübschheiten sollte man ein für alle mal wegsperren, wie schultergepolsterte Blousons aus den Achtzigern. Doch leider kann ich das nicht entscheiden, bin ich leider kein Mitglied der sogenannten Meinungsführerschaft. Wenn die Oligarchie der Meinungsführer morgen beschlösse, es wäre doch ganz schön lässig, Frisuren in Form von Dackelköpfen zu tragen, übermorgen blickte ich in unzählige haarige Dackelaugen. Dackelfrisuren wären nur ein weiteres Kind des Techtelmechtels zwischen der Meinungsführerschaft mit dem Sarkasmus. Alles gar nicht so gemeint, Satire auf den Biedermann und die Kleinbürgerin. Doch in 30 Jahren wird man ein ernstes Problem haben, die Dackelfrisuren als Sarkasmus zu erklären. Die Jugendlichen der Zukunft werden sagen, oh Lord, was habt ihr denn da auf dem Kopf getragen? Es wird ihnen entgegnet, das sei eine Satire auf Biedermann und Kleinbürgerin gewesen. Doch in 30 Jahren wird der Sarkasmus wahrscheinlich ausgestorben sein, und die heutigen Dackelgirls und -boys stehen in sehr schlechtem, kaum vorhandenen Licht da. Damit werden sie noch mehr die Achtung ihrer Kinder verlieren, die sich dann erst recht nichts mehr sagen lassen wollen und sich ganz den synthetischen Drogen widmen, die von den Albert Hofmanns der Zukunft noch entwickelt werden. Wenn sie nicht auf dem Strich landen, müssen sie sich in einer Werbeagentur verdingen und den ganzen Tag im Wörterbuch blättern, um Wörter zu finden, aus denen sich per Klammer lustige Kalauer basteln lassen. Die so weit gesunkenen Individuen lassen sich meist nur noch per Rasterfahndung aufspüren.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Vatermörder</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 05:43:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>
		<category><![CDATA[surrealseltsam]]></category>

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		<description><![CDATA[Warten vor der Residenzverwaltung, Blick auf die Speisekarte: Montag Putengeschnetzeltes auf Curryreis, Obst nach Saison, Dienstag Obst nach Saison, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warten vor der Residenzverwaltung, Blick auf die Speisekarte: Montag Putengeschnetzeltes auf Curryreis, Obst nach Saison, Dienstag Obst nach Saison, Mittwoch&#8230; ich habe die  Plastikhaube abgehoben und eine Mandarine entdeckt, ich glaube, sie hat sich vor mir erschreckt – eine verlorene schreckhafte Mandarine auf einer runden Plastikplatte, groß genug für eine Torte.</p>
<p>Die Residenz nimmt zwei Stockwerke in einem Neubau ein, der Residenzverwalter ist ein glatter Aal, er schwamm vom Sargasso-Meer bis in einen Schlickgraben vor der Stadt, aus dem er sich herausschlängelte, um ein Mensch zu werden. Sein Büro riecht nicht nach Tod, es riecht nach den Plastikpflanzen, die vor dem Fenster stehen und vom Blühen träumen. Nein, ich möchte nichts trinken, schon wieder, überall die giftgrünen Selterflaschen, für Babynahrung geeignet, auf den Fluren, in den Zimmern, unten im Foyer der Residenz stapeln sie sich kistenweise, alle Gäste der Residenz setzen ihr Gedärm unter kohlensaures Wasser, damit sie nicht austrocknen.</p>
<p>Die Formalitäten, der Aal lacht wie ein Aal eben lacht - Finanzstatus, Gesundheitsstatus, Familienstatus, Statusdenken einmal anders, Endstatusdenken. Vor mir Formulare, daneben ein Montblanc-Kugelschreiber. Ich kann alles unterschreiben für meinen Vater, ich frage ihn, warum die Alten hier so still sind, ich will vom Aal wissen, ob die Alten mit sehenden Augen tot sind. Er windet sich, er kriecht über seinen Kugelschreiber auf mich zu. Die Mandarine steckt noch in meiner Manteltasche, sie sollte es gemütlich haben. Ich nehme sie heraus, ich zerquetsche sie, der Saft tropft auf die Anträge, der Aal zuckt zurück, blitzschnell kriecht er an der Knopfleiste des weißen Oberhemds auf den Hals zu, auf den offenen Mund, auf das schwarze Loch zu. Bevor ich gehe, nehme ich die Selterflasche und gieße die Blumen.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Hackfleischtinte im Siphon</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 05:38:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Maisel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
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		<category><![CDATA[absurd]]></category>
		<category><![CDATA[experimentell]]></category>
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		<category><![CDATA[Traum]]></category>

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		<description><![CDATA[Gutmenschen spülen, als Belohnung für den Klempner, ein Stück des Stotzens hinunter. Natürlich kämen auch Hackleischtinte oder ein operativ entferntes Unterbewusstsein in Frage, Hauptsache es führt zu einem Aufleuchten der sonst so matten Klempneräugchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1343" title="bahnhof" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/bahnhof.jpg" alt="bahnhof" width="258" height="80" />Folgenden Traum schreibe ich zur Deutung aus: Ich fuhr mit meiner Mutter per Zug nach Prag, um dort billige Ersatzpatronen für den Drucker zu kaufen. Dort angekommen, riet ich ihr davon ab, da es keine Originalpatronen waren und somit die Gefahr ausblutender Buchstaben bestand. Ausgeblutete Buchstaben können höchstens Rabbis erfreuen. Doch ich glaube nicht, dass ein Rabbi in Prag Tinte für seinen Drucker kauft, die wie Hackfleisch aussieht. Denn wie Hackfleisch sah sie nämlich aus, die Tinte, wie Knetmassen-Hackfleisch. Es hiess, man müsse es zuerst schmelzen und es dann mit einer Spritze aufsaugen, um es der Patrone zuzuführen. Als wir dann zurück zuhause waren, trieb sich da ein grosser Bär rum, den ich mit einer mit Wasser gefüllten Spritzflasche spritzenderweise entfernen wollte; er wollte nicht.<br />
Ich weiss, mein Unterbewusstsein will mir irgendetwas damit sagen. Doch halte ich die Existenz eines Dinges, das sich in mir drin versteckt und mit mir nur mittels kryptischer Botschaften kommuniziert, für überflüssig. Für das Geld, das mir findige Drehbuchschreiber für die obige Synopsis eines Filmes zahlen werden, lasse ich mir mein Unterbewusstsein operativ entfernen. Nach erfolgter Operation wird der Chirurg mit meinem Unterbewusstsein neckisch vor meinen sich öffnenden Augen wedeln und bemerken, ich hätte es mir bestimmt grösser vorgstellt. Nein, habe ich nicht. Wenn ich Glück habe und es ein lieber Chirurg ist, darf ich mein Unterbewusstsein dann in Formalin eingelegt nachhause nehmen, um es ins Regal neben Mecki-Figuren zu stellen. Und wenn ich mal knapp bei Kasse sein sollte, kann ich es immer noch auf dem Flohmarkt für lau verschachern. Heutzutage wird alles gekauft, weil die Leute nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Und zählen kann man es ja auch nicht die ganze Zeit, zumal die wenigsten Menschen oder Enten ihr ganzes Vermögen in Hartgeld in einem Geldspeicher horten. Der Kauf eines in Formalin eingelegten Unterbewusstseins oder eine Reise nach Prag, um Hackfleisch-Tinte zu kaufen, sind da nur ein weitere Auswüchse der überbordernden Dekadenz. Mit den aus dem Portmonnaie herausquellenden bunten Noten soll man lieber serbelndes Kleingewerbe unterstützen und einen Klempner rufen. Damit er nicht vergebens kommt, kann man ja ein Schweinchen schlachten und die Schlachtabfälle das Spülbecken bis zur Totalverstopfung hinunterspülen. Gutmenschen spülen, als Belohnung für den Klempner, ein Stück des Stotzens hinunter. Natürlich kämen auch Hackleischtinte oder ein operativ entferntes Unterbewusstsein in Frage, Hauptsache es führt zu einem Aufleuchten der sonst so matten Klempneräugchen. Auch muss er nicht mehr zu den Muffen sausen, die samstags rampenverkauft werden, sondern kann an diesem Tag seinem Sohn beim Referat über Rokoko helfen, falls er überhaupt auch nur irgendetwas darüber weiss, der Prolet.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Echsen der Stadt</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 05:04:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[enden]]></category>
		<category><![CDATA[Sterben]]></category>
		<category><![CDATA[surrealseltsam]]></category>
		<category><![CDATA[tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wände der großen Glasfelsen standen hinauf in das Wetter des Tages. In gestreckten Italolettern steht da »La Défense« und die Schrift zerlief in ihren Farben auf dem Metall, ohne dass es jemand bemerkte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wände der großen Glasfelsen standen hinauf in das Wetter des Tages. In gestreckten Italolettern steht da »La Défense« und die Schrift zerlief in ihren Farben auf dem Metall, ohne dass es jemand bemerkte. Sie lief herab, aber die Zeit, die Fräsung zu erreichen und leise auf den Beton zu klatschen war noch nicht gekommen. Die Menschen sind hier sehr empfindlich. Ihre dünnen Hälse reichen kaum zum Kragen ihres Hemdes hinaus. Ihre langen Augen sehen sich ständig selbst auf die Schulter und dann tippen zwei schnelle Finger darauf. »Sterbe ich für etwas Gutes?«, fragte ich ihren König vor dem grauen Stahleck. Geometrie ragte über mich hinweg. Vierecke. Vierecke. »Lass Feuerworte sprechen«, sagte der König und seine Sprache rollte durch die leeren Schluchten. Die Menschen hier verstecken sich gut, sie sehen sich selbst nur in Spiegeln. Du siehst sie nie. Phantasmen. Phantasmen. »Aber ich kann nicht, mein Mund ist von Fäulnis bedeckt. Wie soll ich sprechen, mir fault der Mund davon« , und ich sehe auf meine Hände herab und sie sind todgelb. »Geh jetzt, und tu was getan werden muss.«</p>
<p>Er schreitet vor mir her, seinen Revolver in der Hose. Hinter mir zwei Schatten. Phantasmen. Meine Lippen schmerzen. Stinkender Sud läuft mir am Kinn entlang. Wir gehen mit gesenkten Köpfen und das Schafott steht bereit, schon sehe ich es hinter den langen Treppen. Ich werde es nicht tun. Ich bin so oft entkommen. Wer ist schon dieser König. Ich reiße meine Hand in seine Tasche, er hantiert, aber schon hat er eine Kugel tief im Hals stecken. Es schäumt aus meinem Mund. Vier Lange Hände strecken sich über mich. Ich bring euch um. Reiß euch die Augen aus. Ich zertrümmere euch. Es tut mir so leid. Vergebt mir. Ich fiel auf die Knie und konnte nicht sprechen. Vierecke stürzten auf mich ein. Glas brach. Die Worte liefen aus meinem Mund, und klatschten leise auf den Beton. »Ihr kriegt mich nicht.«</p>
<p>Da verkrochen sie sich hinter den Spiegeln, die Echsen der Stadt.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1349" title="echsen_blau_" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/echsen_blau_.jpg" alt="echsen_blau_" width="500" height="376" /></p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
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		<title>Freunde, von denen man spricht</title>
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		<pubDate>Sun, 24 May 2009 22:01:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Zeitgeist arbeitet: als Federhalter oder Finderlöhner, als Lückenbüßer oder Zeitzerstreuer. Der Zeitgeiz zerhackt den Tag in immer kleinere Teile, bis zur Unkenntlichkeit, bis nichts mehr von ihm übrigbleibt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>I. Der Zeitgeist</strong></p>
<p>Wohin ich auch blicke, an wen ich mich auch wende: Spießer, jung und alt, groß und klein, Bauchbürger und die, die es werden wollen. Und mitten unter ihnen der Zeitgeist, ein kleiner Geist in großem Körper, mit verfettetem, nahezu erstarrtem Mienenspiel. Dieser Herr schert sich um nichts, er überläßt sich und sein Schicksal anderen, unbekannten Mächten, die „schalten und walten, wie sie wollen“, wie er sagt.</p>
<p>Der Zeitgeist arbeitet: als Federhalter oder Finderlöhner, als Lückenbüßer oder Zeitzerstreuer. Er arbeitet, um einzukaufen. Während seiner Freizeit findet er sich in Kramgewölben wieder, in Zeitschriften und Katalogen. Oder er macht Urlaub, zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Kein Land, kein Erdteil, in dem er nicht auf Liegen liegt, auf Plastikliegen am Strand, verwöhnt und verhätschelt, von Zäunen und Sicherheitspersonal abgeschirmt – alles im Preis inbegriffen &#8211; abgeschirmt von Einheimischen, die vor den Zäunen verhungern und verdursten.<br />
Der Zeitgeist sieht das Elend anderer nicht. Alle seine Sinne sind auf ihn selbst gerichtet. Die anderen werden zusammen mit der Vergangenheit in die Verließe des Vergessens geworfen, immer und immer wieder, so oft sie auch ausbrechen sollten.</p>
<p>Der Zeitgeist hat mindestens ein Auto, das größte und schnellste im Kollegen- und Bekanntenkreis, trotz ständig steigender Preise, trotz allem. Mit dem Auto fährt er überallhin: zum Bäcker, zur Arbeit und in den Park, wo sich „Hansi“ oder „Hector“, sein Hund, an Enten und Langläufern austobt. Der Kampfhund ist sein bester, sein einziger Freund, denn der Zeitgeist lebt allein. Er hat keine Freunde, nur Bekannte, keine Frau, keine Kinder. „Frauen und Kinder kosten Nerven, Zeit und Geld. Sie kosten die Freiheit“, sagt der Zeitgeist.<br />
Abends, wenn er müde von der Arbeit kommt, in seine leere, weiß geleckte Wohnung, dann raucht der Zeitgeist eine Zigarette. Er raucht auf dem Balkon, er raucht bei Wind und Wetter, damit die Wände seiner leeren, weiß geleckten Wohnung keinen Schaden nehmen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>II. Der Zeitgeiz</strong></p>
<p>Er ist der kleine große Bruder des Zeitgeists, ein dürrer, abgehetzter Vogel mit fliehendem Blick. Der Zeitgeiz ist der König der Sparkünstler. Er schlägt Menschen und Zeiten in die Flucht &#8211; ganze Erdteile und Epochen &#8211; in eine fortdauernde Flucht vor dem Leben, vor sich selbst, er jagt sie vor sich her wie gehetztes Wild, wie Schlachtvieh, von Termin zu Termin, von Fluchtpunkt zu Fluchtpunkt. Kein Anhalten, kein Aufatmen. „Nur nicht stillstehen!“ heißt die Devise des Daseins, wer stehenbleibt, hat verloren.</p>
<p>Der Zeitgeiz zerhackt den Tag in immer kleinere Teile, bis zur Unkenntlichkeit, bis nichts mehr von ihm übrigbleibt. „Wie heißt meine Frau noch, und wie sieht sie eigentlich aus?“ heißt es dann. „Wie viele Kinder habe ich? In welche Klasse gehen sie?“ Selbst der Urlaub wird nicht mehr wahrgenommen, der Kurzurlaub auf Mars und Mond. Ein Tag wie der andere, Jahre und Jahrzehnte auf der Überholspur. Und plötzlich spielt das Leben einen Streich, plötzlich zieht es einem einen Strich durch die Rechnung: wenn sich Krankheiten melden, wenn das Rentenalter, der Ruhestand winkt, wenn der Tod plötzlich auftaucht. Dann zeigt der Zeitgeiz sein wahres Gesicht: das eines aufgeplusterten, falschen Vogels, eines Wichtigtuers und Hochstaplers, der einen um die besten Jahre, wenn nicht ums Leben gebracht hat.</p>]]></content:encoded>
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