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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; tod</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>The Amputee</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 14:17:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anton Velhagen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[leben]]></category>
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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/daseinsrinde.jpg" alt="Daseinsrinde" title="Daseinsrinde" width="580" height="580" class="aligncenter size-full wp-image-1831" /></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nachruf auf einen Freund #1</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 06:53:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Flamingo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Crocodile Dundee ist gestorben und danach schmerzten dir die Glieder immer öfter. Man hörte die Leute sagen, du könntest nicht mehr schlafen. Manchmal sogar nicht mehr gehen. Er starb auf seiner Harley Davidson mit den Krokodillederstiefeln eingekrallt in die Gangschaltung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Crocodile Dundee ist gestorben und danach schmerzten dir die Glieder immer öfter. Man hörte die Leute sagen, du könntest nicht mehr schlafen. Manchmal sogar nicht mehr gehen. Er starb auf seiner Harley Davidson mit den Krokodillederstiefeln eingekrallt in die Gangschaltung.</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:CubanCrocodile_001.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1807" title="Crocodile (Foto: Ltshears, PD)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/crocodile-140x140.jpg" alt="Crocodile (Foto: Ltshears, PD)" width="140" height="140" /></a>Viel früher, kurz nachdem ich die Parkettböden nicht mehr mit Schornsteinen aus Lego und Kerzenwachs verkratzte, warst du es, der ich sein wollte. Was hätte ich gegeben um dein immerglühendes, grobporiges Mondgesicht, um deinen Tennisverein, deine Jogginghosen, Fußballstiefeln und dein Waldhorn.</p>
<p>Zwischen Stachelbeeren, auf Staub und Sand, ging die Sonne unter. Deine Schwester war ein „steiler Zahn“! Du warst wunderschön. Hinter zwei Türen habe ich gewartet, während du mit der telefoniertest, die ich am zweitliebsten sein wollte. Doch ich kaufte mir keine verranzten, klobigen Skaterschuhe. Ich lackierte mir die Fingernägel nicht bröckelig und ungeschickt und auch biss ich erst viel später an ihnen. Ich weiß nicht mehr was davon es war, weswegen du mich nicht so mochtest wie sie, aber irgendetwas muss es gewesen sein.</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:CubanCrocodile_001.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1807" title="Crocodile (Foto: Ltshears, PD)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/crocodile-140x140.jpg" alt="Crocodile (Foto: Ltshears, PD)" width="140" height="140" /></a>Gestern starrte mich ein digitales, immerglühendes, grobporiges Mondgesicht an. Verschrocken wie ein aufgescheuchtes Reh. Zerbrechlich wie der ausgedörrte Stachelbeerstrauch in eurem Garten.</p>
<p>Crocodile Dundee ist seit zehn Jahren tot.<br />
Ich glaube sein Sohn ist es auch.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Trockenübung</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 06:37:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>doncish</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[Sterben]]></category>
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		<description><![CDATA[Den Anfang kenne ich nur vom Hörensagen. Diesen ganzen Klimastreit, die Debatten, den säuerlichen Geruch. Das war alles vor meiner Zeit. Unbestritten ist, dass wir uns irgendwann alle immer häufiger waschen mussten. Die anderen Mutmaßungen und Munkeleien, mit denen versucht wurde, das Systemproblem auf Einzelne abzuwälzen, erspare ich Ihnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full" title="blut" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/blut_2.jpg" alt="" width="65" />Der merkte nichts, bis zuletzt. Ich dachte immer, er hätte irgendeine Ahnung haben müssen. Heute glaube ich, als ich das zum ersten Mal dachte, war es schon zu spät. Da hätte auch ich nichts mehr für ihn tun können. Deshalb erzähle ich sie lieber selbst, meine Geschichte – unsere Geschichte. Nicht, dass mir einer mit unterlassener Hilfeleistung ankommt.</p>
<p><img class="alignleft size-full" title="blut" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/blut_3.jpg" alt="" width="65" />Den Anfang kenne ich nur vom Hörensagen. Diesen ganzen Klimastreit, die Debatten, den säuerlichen Geruch. Das war alles vor meiner Zeit. Unbestritten ist, dass wir uns irgendwann alle immer häufiger waschen mussten. Die anderen Mutmaßungen und Munkeleien, mit denen versucht wurde, das Systemproblem auf Einzelne abzuwälzen, erspare ich Ihnen. Wenn Sie mich fragen, da müssen ganze Generationen die ersten Anzeichen verpennt und untätig herumgesessen haben. Den Fetten, Faulen und Alten, den ganzen Spießern, die sich in ihrem Drecksnetz aus Sachzwängen und Feigheit gemütlich eingerichtet hatten, denen haben wir das zu verdanken. Auf uns Junge hört ja keiner. Dabei geht es um unsere Zukunft.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1802" title="blut" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/blut_3.jpg" alt="" width="130" height="146" />Als ich alt genug war mir eigene Gedanken zu machen, war das mit dem Waschzwang schon unerträglich, aber wir hatten uns irgendwie daran gewöhnt. Es stank überall. Arbeit blieb liegen, obwohl alle am rotieren waren. Seit ich denken kann, ging es darum, den endgültigen Systemkollaps hinauszuzögern, irgendwie im Spiel zu bleiben, nicht unterzugehen. Vielen war das zu stressig. Ein paar von ihnen gelang die Flucht aus dem Hamsterrad, aber vor diesem Schritt bin ich zurück geschreckt. Ich bin zu so einem Verrat nicht fähig, wissen Sie. Auf Kosten anderer leben, das wollte ich nie.</p>
<p>Nun ja, das jedenfalls war die Dreckswelt, in die ich hineingeboren wurde. Ob ich etwas hätte ändern können? Die Frage stellt sich nicht, wenn es ums Überleben geht. Ich wollte nur leben.</p>
<p>Leben, verstehen Sie?<br />
Und jetzt, endlich, der große Marsch!</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1804" title="blut" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/blut_2.jpg" alt="" width="130" height="153" />Ich wünschte, ich könnte sagen, dass die Ereignisse der heutigen Nacht Ergebnis unseres Widerstandes sind, dass wir auf die Barrikaden gegangen wären und uns gewehrt hätten. Das würde mich stolz machen. Aber wir verdanken diese neue Hoffnung ihm. Er, der uns so lange unterjocht und vergiftet hat, hat am Ende selbst den Schlussstrich gezogen. Fein säuberlich, vor knapp einer Stunde. Nun marschieren wir der Freiheit entgegen und er wird bald verrottet sein. Wenn Sie mich fragen: Ein guter Tausch. Die Welt ist eben doch gerecht, denn jetzt ist meine Zeit, unsere Zeit! Immerhin können wir noch etwas bewegen, alles in Ordnung bringen, was die Generationen vor uns zerstört haben. Mit jeder Minute fühle ich mich sauberer, befreiter, stärker. Ja, ich bin meiner neuen Aufgabe absolut gewachsen. Der Mensch hätte die Krankheit sowieso nicht überlebt, aber meine Genossen und ich, wir haben diese Chance auf ein besseres Leben verdient.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1803" title="blut" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/12/blut_1.jpg" alt="" width="260" height="326" />Jetzt bin ich einer der letzten Blutstropfen, der diesen stinkenden Körper verlässt. Da, ich kann sie schon sehen, meine Brüder. Was für ein herrlicher Anblick, dieser Zinnobersee dort unten auf den weißen Bodenfliesen.</p>
<p>Oh, Brüder – gleich bin ich bei Euch!<br />
Oh, Freiheit – ich komme!</p>]]></content:encoded>
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		<title>Tatort Schwarzwaldsteig: Dinner for two</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Sep 2011 05:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirt Diggin Dog</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Starke-Frauen-Krimis]]></category>
		<category><![CDATA[tod]]></category>
		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>

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		<description><![CDATA[„Töter, töten Sie mir nicht den Nerv und ziehen Sie die Wanderstiefel wieder aus!“ Kommissar Torsten Töter verzog missmutig das Gesicht, bevor er sich ächzend über seinen Wanst beugte und in Zeitlupe einen Schnürsenkel aufzog. „Ihre morgendlichen Kalauer in allen Ehren, Chefin, aber so kämen Sie nie zu einer Hauptrolle im Tatort“. Er keuchte beim Sprechen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Töter, töten Sie mir nicht den Nerv und ziehen Sie die Wanderstiefel wieder aus!“</p>
<p>Kommissar Torsten Töter verzog missmutig das Gesicht, bevor er sich ächzend über seinen Wanst beugte und in Zeitlupe einen Schnürsenkel aufzog.</p>
<p>„Ihre morgendlichen Kalauer in allen Ehren, Chefin, aber so kämen Sie nie zu einer Hauptrolle im Tatort“. Er keuchte beim Sprechen.</p>
<p>„Das hier ist nicht der Tatort, Töter, das ist ein Regiokrimi, wie er leibt und lebt. Jemand hat nämlich zwei Wanderer gekillt. Aber nicht, wo Sie denken. Also beeilen Sie sich, andere Schuhe und Abmarsch!“</p>
<p>Sie hatte längst ihren zinnoberroten Lackmantel übergeworfen. Ihr Lieblingsstück, in dem man sie an jedem Tatort schon von weitem identifizieren konnte. „Sieht man die Blutspritzer nicht so“, sagte sie, wenn die Kollegen witzelten, sie würde im Wald die Böcke aufscheuchen und nicht nur dort.</p>
<p>„Nicht schon wieder tote Wanderer?“, schimpfte Töter.</p>
<p>„Ja, doch, aber die liegen wohl im vollen Ornat samt Rucksack und Butterbroten im Swimmingpool unseres allseits beliebten Wellnessluxushotels ‚Zur Sonne’, das wie jeden Donnerstag das <em>Dinner for two</em> anbietet – zwei Essen zum Preis von einem.“</p>
<p>„Wieso quatschen Sie so gestelzt?“</p>
<p>„Weil wir am Schwarzwaldsteig sind, mein Guter. Weil sich ein Regiokrimi für Werbeeinschaltungen geradezu anbietet.“</p>
<p>Torsten Töter humpelte in Lederschuhen mit seiner grellroten Chefin die zwei Minuten zum Tatort. Man hatte Barbara Brenneisen in den Schwarzwald versetzt, weil sie in ihrer alten Dienststelle in Ludwigshafen zu oft während der Dienstzeit Komparsenrollen im ‚Tatort’ angenommen hatte. Seither litt sie an Depressionen, aß eimerweise Spreegurken und las während der Dienstzeit Eifelkrimis.</p>
<p>Sie trafen zuerst auf Hansi Schluchseher, den Wirt des ländlichen Nobel-Etablissements.</p>
<p>„Könnten wir bitte &#8230; die Gäste sitzen bereits &#8230; die Hintertür &#8230; bitte &#8230; mein Ruf &#8230; bitte mit Dezenz &#8230; bitte“, stammelte er.</p>
<p>„Das heißt Diskretion“, murmelte die Brenneisen.</p>
<p>„Bitte?“</p>
<p>„Diskretion, nicht Dezenz, bitteschön.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1617" title="Swimming-Pool" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/swimming_pool_280x.jpg" alt="Swimming-Pool" width="280" height="497" />Im Swimmingpool trieben pfundweise Rosenblütenblätter, erloschene Schwimmkerzen, Schluchsehers Tantrakarmatschigongfluidum zu 58 Euro die Flasche, in Alu verpackte flache Scheiben, jede Menge Blut, zwei nackte männliche Leichen mit Wollsocken und Wanderstiefeln und noch mehr Blut.</p>
<p>„Haben heute wohl Schlachttag!“, witzelte Torsten Töter.</p>
<p>„Nein, <em>Dinner for two</em>, Herr Kommissar. Nur verschrecken Sie mir nicht die Gäste, alles deze&#8230; bitte, äh, diskret bitte.“</p>
<p>Hauptkommissarin Brenneisen stach mit ihrem Zeigefinger dem Wirt fast die Augen aus. „Jetzt sag ich Ihnen mal was, Schluchseher. Wenn wir hier fertig sind und wenn wir hier alle Namen nennen, dann können Sie sich morgen vor Gästen kaum noch retten! Vergessen Sie das <em>Dinner for two</em>, denken Sie unternehmerisch, servieren Sie Tote zum Krimibrunch!“</p>
<p>Schluchseher blieb der Mund offen stehen. Inzwischen hatte der Gerichtsmediziner die Leichen auf dem Trockenen in Rückenlage gebracht. Blass und frisch gewaschen sahen sie aus. „Riechen nach Karma&#8230;“, brummelte der Mediziner.</p>
<p>„Wenn das mal nicht unsere Herren Doctores sind!“ Töter feixte. „Ich sag’s ja: Sport ist Mord. Was haben die mit ihrem Bergmarathon angegeben. Und jetzt schwimmen sie in Blutsoße.“</p>
<p>„Sagten Sie Blutsoße!?!?“ HK Brenneisen schleuderte den zinnoberroten Lackmantel von sich und bohrte mit dem rechten Daumen im linken Nasenloch. In diesem Stadium duldete sie keine Unterbrechung. Während sie bohrte, analysierte sie rattenmesserscharf jeden noch so vertrackten Fall.</p>
<p>„Ein Serienmord beim <em>Dinner for two</em>. Sozusagen alle beiden Gäste ausradiert. Ein Ritualmord mit Kerzen und Geruchsgedöns, Wasser, Wadenstrümpfe. Das hat sicher alles eine Bedeutung für den durchgeknallten Mörder, wir müssen ein kirchliches Umfeld in Betracht ziehen. Wegen der Wadenstrümpfe womöglich ein Internat, vielleicht ein in der Vergangenheit unaufgeklärter Missbrauchs&#8230; Nein. Warten Sie!“</p>
<p>Die Hauptkommissarin bohrte innig weiter und drehte dann etwas Winziges zwischen Daumen und Zeigefinger. Schnippte es in Richtung der Leichen.</p>
<p>„Warten Sie, das ist ja interessant. Der Leiter der Schönheitsklinik, tot, der Leiter der Fastenklinik, tot. Das sind alles Ingredienzien, nach denen die Hausfrau beim Krimi giert, schön übergossen mit Blutsoße und Sauerei. Und vielleicht gibt’s von unserem Sternekoch Bernauer ja noch das Gratisrezept dazu, was, Schluchseher?“</p>
<p>Sie schnippte etwas von seiner Schulter und redete weiter: „Das Tableau hat leider einen Schönheitsfehler.“</p>
<p>„Welches Tabu bitte?“, fragte Schluchseher hilflos.</p>
<p>„Tableau bitte“, grunzte Töter und fragte vorsichtig: „Mit dem Schönheitsfehler, meinen Sie da den Schönheitschirurgen, Chefin?“</p>
<p>„Ach was, Blödsinn, bitte!“, rief die. „Schauen Sie doch hin auf das Tableau.“</p>
<p>Schluchseher stierte die Kriminalerin an. Töter schaute erst auf die eine Leiche, dann auf die andere. Der Gerichtsmediziner fixierte Töter und meinte: „Keine Spuren von äußerer Gewalteinwirkung. Wir müssen erst die Obduktion abwarten.“</p>
<p>Die Chefin fixierte einen nach dem anderen. „Seid Ihr denn komplett verblödet? Das ungeheure Verbrechen hier fällt doch jedem ins Auge. Wenn das publik wird, kann hier jemand dichtmachen, Schluchseher. Ich meine, das ist doch ungeheuerlich, was da passiert ist, also bitte, das ist so was von ungeheuerlich!“</p>
<p>„Also bitte?“, fragte der Wirt.</p>
<p>„Passen Sie mir auf, dass Sie nicht noch als Mittäter verhaftet werden“, schnauzte die Brenneisen ihn an.</p>
<p>„Wie bitte?“</p>
<p>„Beihilfe!“</p>
<p>Töter trippelte von einem Bein aufs andere. Insgeheim war er froh, nicht mit Wanderstiefeln herumtrampeln zu müssen. Wenn seine Chefin doch nur nicht immer Fernsehen spielen und alles derart dramatisieren würde! Aber wenn sie etwas Winziges zwischen Daumen und Zeigefinger gerollt und weggeschnippt hatte, war in der Regel der Höhepunkt gekommen. Nur wenige Sekunden später würde sie nämlich den Finger wechseln: linker Daumen ins rechte Nasenloch. Das war der Augenblick, in dem sie noch jeden Fall allein durch Nachdenken gelöst hatte. Wieder schnippte sie etwas Winziges in Richtung der fußbekleideten Klinikchefs.</p>
<p>„Hirnschmalz“, sagte sie lapidar. Griff nach ihrem Lackmantel, grinste in die Runde und klärte sie auf: „Alles mit Hirnschmalz zu eruieren. E-ru-ieren, Schluchseher. Steht im Fremdwörterlexikon vor Tableau. Und dieses Verbrechen ist so ungeheuerlich, dass es nicht eruiert werden muss. Die Lösung drängt sich von selbst auf.“</p>
<p>Töter hibbelte herum. „Nun sagen Sie schon.“</p>
<p>„Sieht das denn keiner außer mir? Der Chef der Fastenklinik geht zum <em>Dinner for two</em>. Der Fa-sten-klinik!“</p>
<p>Sie drehte sich zur Spusi. „Leute, packt zusammen. Lasst die Leichen wegschaffen. Die Zimmermädchen können putzen. Wir ermitteln hier nicht in einem Mordfall, sondern in einem gastronomischen Betrugsfall. Das hat ja nicht gut gehen können. Der Chef der Fastenklinik beim Essen, mit Zeugen, Schluchseher! Kein Wunder haben die ihre belegten Brote in den Pool geschmissen!“</p>
<p>„Bitte, ja bitte?“</p>
<p>„Was servieren Sie denn heute zum <em>Dinner for two</em>?“</p>
<p>„Wildschweinragout an Hagebutten-Rotwein-Mousse mit handgeschabten Spätzle und Salaten der Saison, als Vorspeise eine hausgemachte Entenleberpastete auf Tokayergelee – und zum Schluss die Kastanien-Cassata mit Mandelsahne auf einem Rosenlikörspiegel, bitteschön.“</p>
<p>„Kein Wunder.“</p>
<p>„Bitte äh, bitte wie?“</p>
<p>„Ausgebittet hat sich’s. Reservieren Sie uns zwei Plätze und keiner zahlt und schreiben Sie das Mordsrezept für die Leserinnen auf.“</p>
<p>„Darf ich bitte auch die Adresse und die Öffnungszeiten &#8230; ?“</p>
<p>„Na klar. Wir sind ja hier im Regiokrimi, da soll man sogar.“</p>
<p>Töter lachte schallend und fragte: „Wenn ich auch ein Witzlein einschalten dürfte, Chefin?“</p>
<p>„Keinen Kalauer?“</p>
<p>„Keinen Kalauer. Wollte abschließend nur bemerken, dass es mit der Fastenklinik jetzt Essig ist.“</p>
<p>„Balsamico bitte“, ließ sich Schluchseher vernehmen. „Wir verwenden hier ausschließlich Balsamico!“</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Serie &#8216;Kranke Hirne&#8217;: Abbes Ohr</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 15:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirt Diggin Dog</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[märchenhaft]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Starke-Frauen-Krimis]]></category>
		<category><![CDATA[tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Arzt sagt, wenn ich immer alles schlucke, werden meine Magenbeschwerden nie besser. Also gestehe ich meine Verbrechen und den Wunsch, nach Möglichkeit weitere zu begehen, sofern mir das mein Magen erlaubt, der äußerst empfindlich auf Chilli reagiert. (Damit habe ich eine Spur gelegt, fangen Sie mich, wenn Sie können).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1620" title="Tasse Kaffee" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/tasskaff-140x140.jpg" alt="Tasse Kaffee" width="140" height="140" />Im KDD von Castor-Bauxit ging es wieder einmal zu wie in einer Fernsehserie. Die diensthabende Leiterin warf sich mit der Rechten eine zweifelhafte Tablette ein, rührte mit der Linken hektisch im Kaffee und schaffte es, fast gleichzeitig ihrem Kollegen einen apfelgrünen Brief zuzuschieben. „Lies das!“</p>
<p>Mehmet hob entschuldigend die Hände und rief: „Geht nicht, fettige Finger!“ Dann hob er den Telefonhörer ab, horchte und brüllte: „Der schon wieder, den haben wir doch gestern erst zweimal in die Psychiatrische geschafft! Nee, macht ihr das, bei uns brennt der Laden, kennste ja.“</p>
<p>„Und wenn du jetzt nicht sofort mit deinen Dönerfingern die Arbeit anpackst, brennt gleich noch was anderes“, schnauzte die Chefin.</p>
<p>„Das war Pizza Mafia vom Schwaben gegenüber“, maulte Mehmet zurück und griff sich das Schreiben. „Ein Bekennerbrief. Riecht nach Moschus?“ Zufrieden nickte die Chefin, auf diese Spürnase konnte sie sich verlassen.</p>
<p>„Abbes Ohr?!“</p>
<p>„Lies endlich, frag nicht so blöd!“</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-family: Tahoma,Helvetica,Arial,sans-serif;">
<p>„Verehrte Polizei, werte Pathologen,</p>
<p>Mein Arzt sagt, wenn ich immer alles schlucke, werden meine Magenbeschwerden nie besser. Also gestehe ich meine Verbrechen und den Wunsch, nach Möglichkeit weitere zu begehen, sofern mir das mein Magen erlaubt, der äußerst empfindlich auf Chilli reagiert. (Damit habe ich eine Spur gelegt, fangen Sie mich, wenn Sie können).</p>
<p>Meinen ersten Mord haben Sie nicht entdecken können, weil ich ein abbes Ohr an meine Pyranhas verfüttert habe und das andere meinem Nachbarn in den Koi-Teich warf. Das war einer, der nicht hat zuhören wollen, also der mit den abben Ohren, die die Fische gemampft haben. Mit dem Rest habe ich meine Schwiegermutter glücklich gemacht, indem ich ihn in die Musmaschine warf und einen feinen Edelbrand daraus herstellte, garantiert dreimal destilliert im Kupferkessel, so wie es die alte Schnapsdrossel liebt. Ich gestehe, dieses Lebenswasser ganz leicht mit Sternanis und Orangenschalen aufgepeppt zu haben, falls Sie das Rezept wollen, ich mache immer alle gern glücklich, glücklich mach ich alle.</p>
<p>Beim zweiten Mal war mir langweilig, weil mich eine Tussi zu lang hat warten lassen. Früher ging das ja noch, vier Wochen, dann acht Wochen, aber die hat 13 Monate gebraucht, um Nein zu sagen. Möglich, dass Sie noch Spuren an der alten Druckerpresse finden, die ich benutzt habe. Ich habe ganz schön kurbeln müssen, aber dann doch davon abgesehen, sie binden zu lassen. Also trocknet das flache Weibsstück an einem geheimen Ort. Meinen Sie, da wird noch wenigstens ein Ledereinband draus? Dann könnte meine Schwiegermutter ihre Flachmänner drin verstecken, weil ich doch immer alle gern glücklich mache, glücklich mach ich alle.</p>
<p>Gestern ist es wieder passiert. Ich hab den Lackaffen zuerst gefoltert, weil er mich ausgelacht hat. Ich wär eine Versagerin, sagt der (jetzt haben Sie noch eine Spur), und meinen Scheiss will eh keiner, sagt der. Muss ich mir einen solchen Jargon bieten lassen? Und dann sagt der noch, die Leute stehen auf Blut und Ekel und Krankes und Brutales. Das hab ich mir nicht zweimal sagen lassen und ihn mit der Bronzefigur auf dem Schreibtisch kurz angetippt, bis ich ihn gefesselt hatte.</p>
<p>Der hat gewinselt, gewinselt hat der, als ich ihm Hänsel und Gretel vorgelesen habe und bei jedem Absatz einen Fingernagel rausgezogen und dann bei lebendigem Leib Hautstreifen &#8230; aber das wollen Sie sicher nicht so genau wissen, außer dass ich Hänsel und Gretel zwanzig Mal lesen musste, bis ich mit dem fertig war. Weil ich doch immer alle gern glücklich mache, glücklich mach ich alle.</p>
<p>Und jetzt mach ich Sie glücklich: Fassen Sie mich, bevor ich die nächste umbringe. Wieder so eine Tussi, die nichts Englisches mag, sagt sie. Wie wär’s mit einem Steak, werde ich sagen, englisch vielleicht? Weil ich doch immer alle gern glücklich mache, glücklich mach ich alle und jetzt auch die Polizei.“</p>
</div>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1620" title="Tasse Kaffee" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/tasskaff-140x140.jpg" alt="Tasse Kaffee" width="140" height="140" />Mehmet warf den Brief zurück zur Chefin und lachte lauthals. Die sah ihn fragend, bohrend und zerknirscht an und rührte rasant im Kaffeesatz.</p>
<p>„Der Fall ist doch klar wie Kloßbrühe!“</p>
<p>„Du meinst, das ist diese Schriftstellerin mit den blutleeren Whodunnits, die wir gestern sturzvoll aufgegriffen haben, nachdem ihr eine Lektorin abgesagt hatte, weil ihr Geschreibsel zu englisch sei?“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Schwer verdaulich</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 06:49:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>R.Gruwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war natürlich nicht meine Schuld, dass dem Herrn, der gerade aus dem Lokal auf die Straße getreten war, der Ziegelstein auf den Kopf fiel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war natürlich nicht meine Schuld, dass dem Herrn, der gerade aus dem Lokal auf die Straße getreten war, der Ziegelstein auf den Kopf fiel. Auch wenn ich „Vorsicht!“ gerufen hätte: Der Mann war so mit dem verdauen des Eisbeins beschäftigt, das mit Erbsen- und Kartoffelpüree serviert wird und das er gerade zuvor mit einem halben Liter Bier verzehrt hatte, dass er auf mein Rufen gar nicht reagiert hätte.</p>
<p>Das Eisbein für den Unfall verantwortlich zu machen konnte der Herr auch nicht. Schon eher den Maurer. Aber dieser war bereits tot. Er hatte einen Arbeitsunfall. Ein Ziegelstein ist ihm auf den Kopf gefallen. Von einem Kollegen über ihm fallengelassen. Ein typischer Arbeitsunfall.</p>
<p>Aber das Eisbein hat sehr gut geschmeckt. Ich habe mich persönlich überzeugt. Ein Ziegelstein ist mir anschließend nicht auf den Kopf gefallen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
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		<title>Kopflos</title>
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		<pubDate>Tue, 10 May 2011 10:23:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>R.Gruwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Dass sie auch immer so neugierig sein musste", schüttelte eine Dame der Kartenspielrunde bei der Überbringung der schlechten Nachricht den Kopf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hätte die Dame ihren Kopf nicht so weit aus dem Oberlichtfenster herausgestreckt und hätte ein Signal eines Signalmastes in diesem Moment nicht auf Grün gestanden, so dass es die rasante Fahrt des zwölfuhrdreinundzwanziger Regionalzugs nicht unterbrechen konnte, müssten sich die drei Damen im Café „Lilienthal“ keine neue vierte Frau für ihr donnerstägliches Doppelkopfspiel suchen.</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:StateLibQld_1_126091_Women_golfers_add_up_their_score_cards,_1938.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1595" title="Frau (Vintage)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/05/woman_head.jpg" alt="Frau" width="200" height="200" /></a>„Dass sie auch immer so neugierig sein musste“, schüttelte eine Dame der Kartenspielrunde bei der Überbringung der schlechten Nachricht durch einen Bekannten, der im Ort wohnte und denselben Zwölfuhreinundzwanziger genommen hatte, den Kopf. Die zweite Dame wusste zu berichten, dass die aus der  Doppelkopfrunde ausgeschiedene Kartenspielerin schon einmal beinahe durch ihre Neugierde zu Tode gekommen war: „Auf dem Rummelplatz wurde ein Kinderkarussell aufgestellt und sie hat, weil sie unbedingt sehen musste, wie es unter den Fahrrädern, der Lokomotive, dem Polizeiwagen und den anderen Fahrzeugen, die sich im Kreise auf der Platte drehen, aussieht, sich in große Gefahr gebracht. Eine Luke, von den Monteuren nicht verschlossen, bot sich ihr als Gelegenheit, den Kopf hineinzustecken. Da setzte sich das Karussell in Gang und einer von den Monteuren zog ihren Kopf in allerletzter Minute aus der Luke.“</p>
<p>„Zu schade“, seufzte die dritte Dame, die bisher noch nichts gesagt hatte, und mischte das Kartenspiel, „dass heute Mittag keiner von den Monteuren im Zug anwesend war.“</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Träne für die Unbekannte</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 06:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Steiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie gern hätte er etwas mehr vom Leben gesehen. Wie gern. Auf seinem Weg hinab...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Geburt hatte der Niedergang für ihn bereits begonnen. Rastloses Fallen war sein Schicksal. Sein Leben war mit der Entstehung bereits verwirkt. Wie gern hätte er gelebt. Wie gern hätte er etwas mehr vom Leben gesehen. Wie gern. Auf seinem Weg hinab in die Wirren des Todes entdeckte er durch die feucht glänzende Schicht seiner Augen eine junge Frau. <img class="size-full wp-image-323 alignright" title="Eine Träne für die Unbekannte" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2007/01/femme_fatal.jpg" alt="Eine Träne für die Unbekannte" width="180" height="423" /> Und für einen Moment war aller Fatalismus vergessen. Die Neugier zwang ihn zum Anhalten. Selbst seine Brüder um ihn herum, die ebenso dem Niedergang geweiht waren, hielten für diesen Augenblick inne. Staunend war alle Aufmerksamkeit auf dieses Mädchen gerichtet, das vom Wind an den Haaren weggezerrt wurde. Trotz allem Widerstand bekamen ihre zitternden Finger nichts als Luft zu greifen. Und der Kuss den ihre Lippen zu verschenken hatten, fand keinen Empfänger. Er ging ins Leere und verhallte &#8211; ungespürt. Und der Wind zog ohne Unterlass. Was für ein Kuss. Was für eine unbeschreibliche Traurigkeit. Der kleine Regentropfen seufzte auf und setzte gemeinsam mit seinen Brüdern den todbringenden Fall fort, für den sie einst geboren wurden. Und kurz bevor er aufschlug und sein Leben verwirkt war, vergoss der Sterbende eine Träne für die Unbekannte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Wenn ich Kafka wäre, dann hieße es:</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 04:45:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jari N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
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		<category><![CDATA[politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Durch Zufall kommt eines Tages ein Mann vom Lande zu diesem Türhüter und fragt, ob dieser ihn nicht in das Gesetz einlassen könne. Der Türhüter aber antwortet, dass er ihm jetzt nicht gewähren könne, einzutreten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Durch Zufall kommt eines Tages ein Mann vom Lande zu diesem Türhüter und fragt, ob dieser ihn nicht in das Gesetz einlassen könne. Der Türhüter aber antwortet, dass er ihm jetzt nicht gewähren könne, einzutreten. Also fragt der Mann nach kurzem Überlegen, ob er später vielleicht eintreten dürfe. „Das ist möglich“, entgegnet der Türhüter, „nicht aber jetzt.“ Weil das Tor zum Gesetz aber geöffnet steht, wie es wohl immer geöffnet zu sein scheint, und der Türhüter zur Seite tritt, neigt sich der Mann, damit er durch das Tor ins Innere sehen kann. Der Türhüter merkt das, lacht und sagt schließlich: „Wenn du hinein willst, versuche doch, trotz meines Verbotes, einzutreten. Siehe aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der niederste Türhüter. Ich sage dir: von Saal zu Saal stehen Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon beim Anblick des dritten wird mir so übel, dass ich seine Gegenwart nicht einmal mehr ertragen kann.“ Derartige Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht vorausgesehen, das Gesetz soll doch jedem immer zugänglich sein, denkt er sich, und geht rastlos vor dem Tor hin und her.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1565" title="tor" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/03/tor-280x421.jpg" alt="" width="280" height="421" />Nach ein paar Stunden, in denen der Mann überlegt hat, fragt er: „Warum kommt kein anderer und bittet im Einlass?“ „Das Tor ist nur für dich bestimmt.“, antwortet ihm darauf der Türhüter und lacht. Plötzlich mit schäumender Energie geladen macht der Mann einen Satz zum Tor hinein und, obwohl ihn das gleißende Licht blendet, rennt ohne einen Gedanken an Luft und Licht zu verschwenden weiter, immer weiter. Auf seinem Weg kommt er durch viele Türen und Tore – alle bewacht und doch stehen sie ihm alle offen und lodern gewaltig im Licht. Er rennt gedankenlos. Er rennt getrieben. Eine unsichtbare Macht bewegt seine kräftigen Glieder. Alles rauscht vorbei. Aber wie er so rennt, scheint ihm der Sinn allmählich verloren und er fragt sich, was all dies Rennen solle.</p>
<p>Da hielt er an und überlegte, ob er nicht umkehren und den Wächter, den er vor einigen Jahren gesprochen hatte, nach dem Weg befragen sollte. Das Licht, das ihn die ganze Zeit über gestört hatte, hatte nun aufgehört zu scheinen. Um ihn herum war es nun eher dunkel und leer. Die riesigen Hallen waren schwarz und in ihrer Höhe unschätzbar. Düstere Stille breitete sich aus. Als er auf seine Füße blickte, bemerkte er, dass sie bluteten. Den Schmerz hatte er den langen Weg über nicht gespürt, jetzt stach und folterte es ihn an seinem ganzen Körper und die Rillen zwischen den Pflastersteinen schienen sich mit seinem Blut zu füllen. Er drehte sich um und lief ein paar Tore zurück, um den Wächter um Hilfe zu ersuchen. Rennen konnte er nicht mehr, vielmehr stürzte er, fiel, weil er nicht mehr stehen konnte. Er war verloren. In der Leere tastete er sich auf allen Vieren vorwärts und rückwärts. Es war schon tiefe, tiefe Nacht. Weder Hand noch Fuß konnte er sehen. Blindlinks und schwer atmend kroch er noch einige Längen, ohne zu wissen, wie viel Zeit verging. Dann verließ ihn die Kraft und er streckte sich aus und blieb liegen. Seine Lungen füllten sich mit Blut. Er lag ruhig und schien in der Ferne plötzlich ein Licht aufflackern zu sehen. Es erlosch, als er in seinem Blut erstickte und das letzte Gurgeln in unerträglicher Weise sein Ohr füllte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Tür</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Mar 2011 23:13:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rüdiger Saß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Flur ist lang, kalt und kahl, und er wäre finster wie die Nacht, wie der Tod, wenn die Leuchtstoffröhren an der Decke schlafen würden. Kein Geräusch stört die Stille, Leben scheint an diesem Ort undenkbar, ein lebensfeindlicher Flur also, eine Wüste, eine Einöde. Doch dann taucht eine Tür aus der Flurschlucht auf, eine blaue [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-631 alignright" title="Büro Gang Flucht" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/buero_gang_flucht.gif" alt="Büro Gang Flucht" width="230" height="184" /></p>
<p>Der Flur ist lang, kalt und kahl, und er wäre finster wie die Nacht, wie der Tod, wenn die Leuchtstoffröhren an der Decke schlafen würden. Kein Geräusch stört die Stille, Leben scheint an diesem Ort undenkbar, ein lebensfeindlicher Flur also, eine Wüste, eine Einöde. Doch dann taucht eine Tür aus der Flurschlucht auf, eine blaue Tür in einer einstmals weißen Wand. Und neben der Tür bietet ein Klingelknopf seine Dienste an, vielmehr eine Leiste, eine schmutzigweiße Klingelleiste, auf die mein Zeigefinger zuschießt, nachdem sich die Tür als eine verschlossene herausgestellt hat. Anstatt eines Summens, das sich im Normalfall an ein Klingeln anschließt und signalisiert, dass ein Schloss elektrisch entsichert wird und die Tür zum Öffnen freigibt, bohrt sich eine Stimme in die Stille, eine Stimme, nicht aus heiterem Himmel, sondern aus dem Lautsprecher einer Gegensprechanlage, die unterhalb der Klingelleiste kauert. Die Stimme fragt nach meinem Begehren. Ich neige Kopf und Oberkörper zu der Gegensprechanlage hinab, ich verneige mich vor einer unsichtbaren Macht mit metallisch tönender Stimme und sage, dass ich mich bei Frau Sonstwo um eine Stelle als Aushilfsaushilfe bewerben wolle. Darauf werde ich gefragt, ob ich einen Termin habe. Mein Weltbild gerät ins Wanken, meine Identität treibt auf den aufgewühlten Wellen der Verunsicherung, von einer einzigen Frage aus der Verankerung gerissen. Jetzt ist Eile geboten, jetzt bedarf es eines ganzen Mannes: Ich muss mich innerhalb einer Sekunde entscheiden, ob ich die Frage bejahen und also lügen oder ob ich mir treu bleiben und sie verneinen solle. Dann spreche ich mir mit einem gehauchten Nein mein eigenes Urteil aus. Denn die Tür wird mir nicht geöffnet, sie bleibt so fest verschlossen wie ein Stadttor während einer Belagerung. Die unsichtbare Macht mit der metallisch tönenden Stimme bleibt unsichtbar, sie bedeutet mir, meine Bewerbung in den Briefkasten zu werfen und wünscht mir einen guten Tag.</p>]]></content:encoded>
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