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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; trinkend</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Oscar Wilde’s Day At The Beach</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 05:07:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Flamingo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[Oscar Wilde’s Day At The Beach: 2 cl Gin / 2 cl Pastis / ....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2 cl Gin<br />
2 cl Pastis<br />
2 cl Litschilikör<br />
1 cl Ananassirup<br />
4 cl Ananassaft<br />
Saft einer halben Limette<br />
Gurke<br />
Eiswürfel</p>]]></content:encoded>
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		<title>Gossenkinder</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 06:06:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[abenteuerlich]]></category>
		<category><![CDATA[dreck]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[feuer]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um.  „Niemand zu sehen“, sagte ich. „Gut, mach auf.” Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung. Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir lungerten uns noch sehr spät draußen rum. Frankie und ich balancierten die Bordsteine unserer Straße auf und ab. Zwei verlorene Kinder, er 14 und ich 12, die auf dem dunklen Asphalt irgendwo zwischen unseren Wohnhäusern herumturnten, während die anderen zu Hause waren und fernsahen. Wir wollten nicht nach Hause, vor allem nicht Frankie. Wir hatten seinen Vater besoffen nach Hause kommen sehen und nach trinkfesten Stunden in der Kneipe am Ende der Straße schlug er gerne mal zu. Frankie machte sich um seine Mutter Sorgen, aber er konnte ja an der ganzen Misere sowieso nichts ändern. Bei mir im trauten Heim lag ebenfalls ein überflüssiger Streit in der Luft und so schloss ich mich Frankies Abstinenz an. Wir hatten Glück, dass der Regen ausblieb, die Kälte war erträglich.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1841" title="Plattenjugend" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/plattenjugend1.jpg" alt="Plattenjugend" width="180" height="1770" />„Ich hab nen Hunderter”, sagte Frankie und zog einen Hundert-Mark Schein aus der Gesäßtasche seiner verwaschenen Jeans, die ihm mindestens zwei Nummern zu klein war. Ich war erstaunt. Das war erst das zweite Mal, dass ich einen Hundert-Mark Schein sah.<br />
„Ich hab auch Zigaretten”, sagte er und zog gleich mal vier Selbstgedrehte aus der linken Brusttasche seines gestreiften Hemdes, mit dem er wie einer von der Olsenbande aussah. Auch wenn seine Hose viel zu klein war, gefiel sie mir um einiges besser als meine. Meine sah so billig aus und barg nichts anderes als Sand und Kieselsteine.<br />
„Wo hast du das Geld und die Zigaretten her?”, fragte ich ihn.<br />
„Meinem Vater ausm Schrank geklaut.”<br />
Wir gingen runter zum Imbiss und kauften uns vier Portionen Pommes, sechs Bratwürstchen und jeder zwei Hamburger. Nach den Bratwürstchen waren unsere Mägen voll und wir ließen den Rest auf dem Spielplatz liegen.<br />
„Was jetzt?”, fragte ich und Frankie begann zu überlegen.<br />
„Lass uns ne Flasche Schnaps kaufen”, sagte er und ich willigte sofort ein. Ich hatte vorher noch nie Alkohol getrunken.<br />
Wir gingen runter zur Ecke, wo der Kiosk war. Der Kioskbesitzer war ein alter Witwer, den alle nur „Tasche“ nannten. Wieso wusste ich nicht. Er saß in seinem Kiosk und las wie immer in einem seiner Groschenromane. Ich blickte aufs Titelblatt und sah einen Cowboy, der einen Indianer erschoss.<br />
„Was macht ihr denn so spät noch draußen?”, fragte er.<br />
„Was für meinen Vater kaufen“, antwortetet Frankie.<br />
„Zigaretten?”<br />
„Nee, Weinbrand.”<br />
„Mariacron?”<br />
„Ja, wie immer.”<br />
Tasche legte sein Heft zur Seite und streckte sich, um die Flasche auf dem Holzregal über der Eistruhe zu greifen.<br />
„Das ist sie”, sagte Frankie und legte seine Hände erwartend auf dem Tresen ab. Ich blieb im Hintergrund. Frankie hatte mehr Erfahrung im Einkaufen von Alkohol und Zigaretten. Schon ein paar Mal hatte er für seinen Vater bei Tasche Nachschub geholt. Frankie nahm die Flasche in seine Hand und reichte sie an mich weiter. Da lag sie nun in meinen Händen. Ich wollte aus lauter Neugier sofort einen Schluck nehmen, doch musste erst mal warten, bis Frankie bezahlt hatte und wir in sicherer Umgebung waren.<br />
Frankie legte das Geld auf den Tresen und wir verabschiedeten uns.<br />
„Und sag ihm seine neue Drehmaschine ist hier,” sagte Tasche und Frankie nickte ihm zu. „Mach ich.”</p>
<p>Wir gingen zurück zum Spielplatz, beschattet vom sterbenden Plattenbau westlich von uns gesehen. Tauben hatten sich inzwischen über unser Essen hergemacht. Sie pickten mit ihren Schnäbeln durch die Alufolie und verstreuten die Gurken und Tomaten der beiden Hamburger über den Boden. Frankie lief rüber zum Tisch und schrie sie an. Panisch flogen die Vögel davon. Wir setzen uns auf den Tisch, die Schuhe auf die Bank und schauten uns gründlich um.<br />
„Niemand zu sehen“, sagte ich.<br />
„Gut, mach auf.”<br />
Wir drehten den Verschluss auf und rochen an der Öffnung.<br />
Beide verzogen wir das Gesicht und zögerten zu trinken. Es muss unglaublich auf der Zunge brennen, dachte ich mir.<br />
Frankie nahm einen kleinen Schluck und ließ ihn im Mund. Er versuchte zu Schlucken, doch es fiel ihm sehr schwer.<br />
„Was ist denn?”<br />
„Mmmm mmmm”, murmelte er mit vollem Mund und gab mir die Flasche zurück. Ich nahm den nächsten Schluck und ließ ihn sofort in den Magen wandern. Als Frankie das sah, schluckte er ebenfalls und beide fingen wir an zu husten, während unsere Kehlen wie das Höllenfeuer brannten.<br />
„Einen nehmen wir noch und dann kannste sie nach Hause bringen.“<br />
Ich nahm noch einen Schluck und dann wieder er.<br />
„Schaffst du noch einen?”, fragte er und ich wollte mich nicht geschlagen geben. Ich nahm einen weiteren Schluck und dann war er wieder am Zug.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1842" title="Plattenjugend2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2012/01/plattenjugend2.jpg" alt="Plattenjugend2" width="173" height="1534" />„Voll der Brennstoff”, sagte er und hechelte. Wir hatten den Flaschenhals leer bekommen und fühlten noch nichts. Ohne was zu sagen, nahm ich noch einen Schluck und hielt die Flasche triumphierend in meiner Hand. Frankie schaute nachdenklich und griff sich die Pulle siegeswillig. Er trank und gab sie wieder zur mir zurück. Mein Rachen war wie taub und ich spürte die Wärme im ganzen Körper. Wir saßen mitten in der Hölle und genossen es. Gossenkinder, die Spaß an Dummheiten hatten.<br />
„Glaubst du wir schaffen die ganze Pulle?”, fragte er und ich trank erneut.<br />
„Wir hätten Kaugummis kaufen sollen.”<br />
Er nahm den nächsten Schluck. Dann wieder ich und dann wieder er. Bald machte uns das Brennen im Hals nicht mehr viel aus und wir setzten die kleinen Schlucke fort. Wir gingen zu den Bäumen rüber und pinkelten. Wieder zurück auf dem Tisch nahmen wir jeder noch einen Schluck.<br />
„Mann, das Zeug ist echt hart”, lallte Frankie und übergab sich kurz darauf. Seine Augen waren ganz glasig und ich fühlte mich, als hätte ich seit Tagen schon nicht mehr geschlafen. Der Alkohol drückte mich runter. Ich sah sein Erbrochenes vor der Bank und schon wurde mir übel.<br />
„Mir ist ganz komisch”, sagte Frankie und konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten.<br />
„Ich glaube ich sterbe“, sagte er und fing an zu weinen. Ich legte ihm meine Hand auf den Rücken und versuchte ihn zu beruhigen, aber als ich mir anfing vorzustellen, wie wir beide in den nächsten Minuten das Bewusstsein verlieren würden, um dann kurz vor dem Sandkasten im Dreck zu krepieren kam es mir hoch. Er drehte den Kopf zur Seite, fiel fast vornüber und kotzte neben mir auf die Bank.<br />
„Mann, nicht auf die Bank“, sagte Frankie mit seiner weinerlichen Stimme und schubste mich von der Seite.</p>
<p>Frankie sah auf und deutet mit seinem Zeigefinger auf den Nachthimmel, als plötzlich ein Schuss die Luft zerriss und ihn am Oberschenkel traf. Frankie schrie kurz auf und blickte dann rüber zu den Balkonen des Plattenbaus. Irgendwo da oben stand er. Gerd, 15 Jahre alt und heißer Kandidat fürs Jugendamt. Er schoss auf Tauben, streunende Katzen und hatte nun Frankie und mich ins Visier genommen. Wir verschanzten uns hinter der Bank und warteten auf den nächsten Schuss, der aber nicht mehr kam. Frankie lachte und holte ein Taschentuch hervor. Für ihn war es der Anfang einer verheißungsvollen militärischen Karriere, die knapp 13 Jahre später im Norden Afghanistans durch einen Sprengstoffanschlag beendet wurde. Ich hingegen wurde Grundschullehrer und sah manchmal, wenn meine Schüler auf dem Pausenhof Krieg spielten, noch immer den binnen weniger Sekunden gebastelten Molotov-Cocktail aus Weinbrand in Richtung Plattenbau fliegen, dazu der Ruf von Frankie: „Den Hurensohn werden wir braten.“ Es zauberte stets ein Lächeln in mein Gesicht. Ja, mein Gesicht, das durch den steigenden Alkoholkonsum immer mehr an Ästhetik und Autorität verloren hatte. Zwei Jahre und zwei Monate nach meiner ersten Unterrichtsstunde ging ich in den Entzug. Zurück blieb nichts als ein schlechtes Gewissen, ein toter Freund und ein peinliches Feuer auf dem Rasen vor dem Plattenbau, das gefühlte vier Minuten gebrannt hatte.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Meister Sakul</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[rauchen]]></category>
		<category><![CDATA[surrealseltsam]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[Meister Sakul sprang mit einem großen Satz zum Feuer am Einbauschrank, der war vollgestellt mit Büchern und einzelnen abgestandenen Bieren die sicher schon stanken. Die Kronkorken wellten sich. Darunter erkannte ich eine deutsche Ausgabe der Commedia. Phaidon. Ich hechtete, fischte sie aus der Brunst und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Zieh den Scheiß einfach«, blökte Meister Sakul mit halb geöffneten, geschwollenen Augenschlitzen. »Wenn du dich hinrichten willst, dann mach doch«, sagte ich. Das würde einfach abscheulich werden in unserem Zustand. Tödlich. Keine Nacht für solche Präparate. Irrsinn. Wir diskutierten eine Ewigkeit, ziemlich sicher waren es ein paar Minuten. Rauchten, ließen die Fenster geschlossen und tranken Asbach. Ich ging mich erleichtern und schlug die Tür hinter mir zu. Was sollte noch werden bis zum Morgen, wenn der Zeitmesser  gedrückt wird und der Rekord wieder nicht gebrochen? Was für eine grausame Vorstellung, unabwendbar zwar, aber einfach grausam, daran jetzt einen Gedanken zu verschwenden. Reiß dich zusammen Störk, geh nicht aus dem Leim, schlag dem Morgen und dem Übermorgen und den ewigen Werbungseinlagen mit Reinigungsmitteln und Versicherungen ein Schnippchen oder zwei. Schizoide Bilder des himmlischen Endkampfs pochten an die Tür meines geistigen Auges. Ich fegte sie fort und stopselte zurück, mit dem festen Entschluss den Scheiß einfach zu ziehen. Gefährliches Zeug. Es kam wie es musste: Sakul hing über dem Haufen und stopfte sich den Scheiß ins Nasenloch. Das hielt doch kein Mensch aus. Er gröhlte laut auf und warf den Nacken in Falten. Strahlen gebündelter Energie schossen ihm aus den Nasenlöchern und versengten den Teppichboden. Mit dem Wahngott selbst in den Augen starrte er mich an und fackelte die ganze Garnitur ab. Stichflammen zischten aus den Schubladen. Er riss die Lider noch weiter auf und die Fensterscheiben platzten mit einem Donnern aus der Fassung.</p>
<p>»Du Hurensohn!«, schrie ich ihm entgegen. »Du bringst uns noch um!«</p>
<p>In dem Moment war der Spuk vorbei. Was für ein Idiot. Er keuchte vor Erschöpfung, dann war er voll da und lachte kreischend wie ein kleines Mädchen.</p>
<p>»Hahahahahahast du das gesehen?«</p>
<p>Klar hatte ich. Die Bude stand in Flammen.</p>
<p>»MIR IST SCHEISSKALT!«</p>
<p>Meister Sakul sprang mit einem großen Satz zum Feuer am Einbauschrank, der war vollgestellt mit Büchern und einzelnen abgestandenen Bieren die sicher schon stanken. Die Kronkorken wellten sich. Darunter erkannte ich eine deutsche Ausgabe der Commedia. Phaidon. Ich hechtete, fischte sie aus der Brunst und trat Sakul vors Gesicht, dass er sich nicht bei lebendigem Leibe verbrannte. Resolut schmetterte ich das Buch auf den Boden, der Plastikeinband hatte schon angefangen zu schmelzen, und trat drauf so fest ich konnte. Das half nicht. Ich schnappte mir die erstbeste Flasche und hielt sie kopfüber auf die Commedia. Es war der Asbach. Das kostete mich die rechte Augenbraue. Um uns herum wurde es immer lauter, der Rauch stieg aus dem Fenster.</p>
<p>»Sieh nur, was du uns eingebrockt hast!«, rief ich über das konstante Rauschen des Feuers hinweg. »Du Kotzbrocken! Ruf die Feuerwehr! Aber bloß nicht die Bullen! Nicht die Bullen! Dafür kriegen wir die Giftspritze!«</p>
<p>Er hantierte auf dem Hosenboden sitzend herum. Zwecklos. Ich hatte keine Wahl. Ich machte den Hosenstall auf und drückte mir das letzte Bisschen Bier raus. Hier bekam man nicht die Giftspritze. Das Buch war gelöscht.</p>
<p>»Was war das überhaupt für ein Scheiß?«</p>
<p>»DAS IST AUS DEM IRAK!«, brüllte er, dass man es noch in München hören konnte. Ich stopfte die Commedia in meine Jackentasche und zog sie zu. Meine Hosentasche vibrierte. Ich nahm ab. »JA?!«, stieß ich heraus. Verdammt, war dieses Fichtenholz laut. Es krachte und knisterte, dass man den Verstand verlieren konnte. Die Decke fing an schwarz zu werden.</p>
<p>»Feuerwehr Regensburg. Um was geht es?«, sagte eine entspannte Männerstimme am anderen Ende.</p>
<p>»Na sie haben doch angerufen!«</p>
<p>»In welchem Stockwerk befinden sie sich?«</p>
<p>Ich ging zum Fensterloch und sah nach.</p>
<p>»Glaube im dritten!«</p>
<p>»Sind sie sich nicht sicher?«</p>
<p>»Nein, könnte auch der Vierte sein! Hören sie mal-«</p>
<p>»Ist das Fichtenholz, das brennt?«</p>
<p>»Ja, aber-«</p>
<p>»Wir sind unterwegs!« Er legte auf.</p>
<p>Ich stopfte das Telefon zurück in die Tasche und machte mir das Hemd auf. Was für eine Hitze.</p>
<p>»LASS UNS IN DIE STADT GEHEN!«, rief der Meister vom Boden. Ich musste ein brennenden Brett wegkicken, das er aufheben wollte. »Eher bleibe ich hier mit dir! Ich begeb mich doch jetzt nicht unter Leute! In deinem Zustand! Du bringst jemanden um!«</p>
<p>»LASS UNS JEMANDEN UMBRINGEN!«</p>
<p>Sakul fand die Kraft aufzustehen und rauschte an mir vorbei, durch die Diele und fiel die Treppen runter. Ich kam gerade so hinterher und sah noch, wie er sich unten angekommen seine Jacke vom Ständer suchte. Ein Blick zurück sagte mir, dass die Wohnung nicht zu retten war. Ich prüfte, ob das Buch noch in meiner Jackentasche war und drehte den Schlüssel drei mal um.</p>
<p>Jemand musste ihn aufhalten.</p>
<p>Drei Gassen weiter hörten wir die Sirenen. Ich hatte Sakul an meinen starken Arm gekettet. Zum Glück war er vom ersten Schock runtergekommen. Keine Chance sich vor der Justiz zu verstecken, dachte ich. Oder vor der Feuerwehr. Wachmeisterköter mit dem Daumen am Mercedeslenkrad, ihre Verachtung für so gefährliche chemische Experimente wie wir welche waren im Anschlag würden uns verfolgen. Vielleicht würden sie uns die Brandstiftung verzeihen, aber nicht das was der wildgewordene Koch an meiner Rechten noch anstellen wird, wenn ich nicht aufpasse. Meine Güte, dieser dritte Stock. Oder vierte. Was war der schon wert. Unkalkulierbarer Schwund. Hätte ja ein Kleinstadtkrimineller abfackeln können, weil der Anwohner Wettschulden hatte. Konnte ja niemand wissen, dass wir nicht wetteten. Nicht aus Prinzip, sondern aus Geldmangel. Nichts zu investieren. Aber genug zu verlieren. Was würden mir für hunderte Filme durch die Latten gehen, wenn ich jetzt weggesperrt werde. Vier Uhr. Die Zeit lief uns davon &#8211; nicht daran denken. Irgendwo saßen Ebenbilder von uns in einem Geräteschuppen im nassen Stiefeldreck und gaben sich den letzten Schuss des Abends. Könnte schlimmer sein.</p>
<p>»Reden die einen süditalienischen Dialekt. Sag mal.«</p>
<p>Sakuls leerer Blick verhakte sich in ein vorbeilaufendes Paar. Zwei Männer.</p>
<p>»Ja, das passiert manchmal um diese Jahreszeit«, sagte ich.</p>
<p>Bilder von einer Platonbüste irgendwo in Athener Marmorfluchten tauchten vor mir auf. Doktor Faustus steht davor und Platon spuckt ihm entgegen: »Philosophieren ist wie Sterben.« Schauderlich.</p>
<p>»Er hätte ihn auch nicht retten können«, sagte Sakul nebenbei, als wäre es garnichts ungewöhnliches, meine Gedanken zu lesen. »Nicht vor diesem verdammten Mephistopheles.«</p>
<p>Die Haare auf dem Armen stellten sich mir auf. Warum wusste er, was ich dachte?</p>
<p>»Was war das überhaupt für ein Scheiß?«, fragte ich.</p>
<p>»Ach, das ist aus dem Irak. Fällt da unter irgend eine Sprengwaffenverordnung. Geheime Sache. Frag mich nicht. Hast du noch Schnaps?«</p>
<p>Er griff mir unwillkürlich in die Jackentasche und bekam die Commedia zu fassen. »Lass das, Arsch«, zischelte ich und schlug ihm auf die Finger. Hoffentlich jagte der Scheiß nicht die ganze Straße in die Luft, den wir liegengelassen haben. Weiß der Teufel, wie das auf Hitze reagiert. Oder die halbe Stadt. Geradeausdenken.</p>
<p>Vielleicht sollte ich ihm kaltes Wasser rüberschütten. Oder mir. Vielleicht war ich ja unkontrollierbar. Sakul kam mir plötzlich so nüchtern vor. Ich gab mir eine Ohrfeige und hielt noch die andere Backe hin. Keiner schlug zu. Er fing an irgend eine Melodie zu pfeifen, die mir bekannt vor kam. Wir bogen um die Ecke und ich stimmte ein.</p>
<p>Kurz darauf fanden wir uns wider jeder Vernunft in einem gefüllten Lokal wieder und bestellten Single Malt Scotch. Nach fünf Minuten des Waffenstillstandes sagte der Meister, einen letzten Schluck gurgelnd: »So.« &#8211; er schluckte &#8211; »Jetzt bringen wir jemanden um!« Und er schlug auf die Theke mit seinen Kochpratzen, sehnig und fest vom Gemüsehacken und Saitenschlagen, dass sämtliche Flaschen und Gläser auf dem Tresen den Halt verloren und zu Bruch gingen. Er war nicht kräftig, das waren Österreicher nie. Das musste dieses irakische Plutonium sein.</p>
<p>»Das werdet ihr alles bezahlen!« Die stämmige Barfrau kam hervorgeschossen. Sie hielt einen langen Glassplitter in der Hand. Ich wollte etwas sagen, aber Sakul flüsterte mir laut hörbar ins Ohr, ob er sie umbringen sollte. Er mache das ganz schnell, dann verpissen wir uns. »Garkein Problem«, sagte ich, um ihn zu übertönen. Ich knallte alles auf den Tisch was ich hatte. Zwei oder drei größere Scheine. »Wartet mal.« Wir gingen, und kaum waren wir vor der Tür, war die Musik zu Ende und lautes Gesplitter und Gekreische kam von hinten. Eine Frau. Sie schrie jemanden an, warum er sowas behaupte und dass er ein Hurensohn sei. Wieder splitterte ein Glas. Nur raus hier. Ich überlegte, ob wir uns in irgend einer Spielhölle verkriechen sollten. Sonst würden wir noch draufgehen.</p>
<p>Zwei Tauben schissen den Stadtplatz voll.</p>
<p>Wir landeten in einer einsamen Einkaufspassage. Schuhgeschäfte, Ballkleider, Krankenhauslicht. Nicht mehr weit vom Geräteschuppen entfernt. Halb 6 sagte der Chronometer. Bald ging die Sonne auf und wir hatten einen Scheiß erreicht.</p>
<p>»Scheiße«, brachte Sakul heraus und kotzte Asbach. Wir setzten uns eine Bank tiefer in die Passage.</p>
<p>»Stell dir vor, die Nacht ist gelaufen. Bald kaufen hier irgendwelche Wichser Schuhe.«</p>
<p>»Ist heute Sonntag?«, fragte der Meister. Es war Freitag. Das heißt Samstag.</p>
<p>Auf ein mal hatte er wieder diese Augen. Er zog saugend an seiner Zigarette und blies den Rauch aus den Nasenlöchern wie ein Drache aus einem Rittermärchen. »Hahahahaha!« Er bekam sich nicht mehr ein.</p>
<p>»ICH KRIEG BEIM AUSATMEN KEINE LUFT MEHR!«</p>
<p>Bevor ich etwas sagen konnte, kamen da diese Schritte. Das Plutonium kochte in Sakul hoch. Rauch stieg ihm einfach so aus der Nase. Ich machte mich auf alles gefasst. Endkampf. Der nie zum Engel gewordene Ikarus schnellt im Kamikazesturzflug auf die Heerschaaren des Bösen herunter, nur mit seinen Fingernägeln bewaffnet.</p>
<p>Es waren drei Türkendeutsche mit Pelzkapuzen. Volltrunken von Energizergemisch. Sie hätten deutscher nicht sein können.</p>
<p>Sakul nahm einen Zwei-Zentimeter-Zug von seiner Kippe und stand auf. Jetzt war es unvermeidlich, dachte ich. Aber er stand nur da und schaute und aus seiner Nase stieg eine Unmenge Rauch.</p>
<p>»He!«, plärrte der mittelgroße von den dreien. Er war am besten frisiert.</p>
<p>»Was macht ihr hier?!«</p>
<p>Ich witterte eine letzte Möglichkeit, den Zusammenprall zu verhindern. »Und ihr?«, fragte ich nicht zu höflich.</p>
<p>»Ich wohn&#8217; hier! Verpisst euch!«, rief ein anderer. Sakuls Augen wurden groß. Tut das nicht, flehte ich in mich rein. Fasst ihn bloß nicht an. Sie wussten nicht, worauf sie sich da einließen. Keine Ahnung.</p>
<p>»Lasst es bleiben!«, schrie ich in einem ungemäß kleinen Anflug von Verzweiflung.</p>
<p>Sie kamen schnurgerade auf den Koch zu. Keine Ausweichmöglichkeit. Der Gang war einfach zu eng. »WAS?!«, brüllte der Größte und war bald da. Er holte schon aus. Es sollte ein rechter Schwinger werden. Ich saß unbeweglich auf der Bank. Die drei mit ihrem osmanischen Temperament und den gleichen Jacken hatten heute Nacht sicher schon einige Banksitzer umgehauen. Wir sollten die letzten werden.</p>
<p>Meister Sakul war nicht stark, oder groß, oder schnell. Aber er war schnaubend auf den Einfall der Osmanen gefasst. Er hatte die gefährliche Fehleinschätzung von Adolf Hitler, Österreicher war er ja. Ergebnis von jahrelangen Testreihen. Es war aus. Mephisto hatte uns am Kragen. Ich dachte kurz, der Boden würde Risse bekommen. Meine Augenbraue tat weh.</p>
<p>Dann ging alles schnell.</p>
<p>Sakul riss einen Feuerlöscher am Schlauch in einem Rutsch aus dem Putz heraus. Er holte aus wie ein berittener Kreuzritter mit einem Morgenstern. Er erwischte den Kerl mit einer aberwitzigen Geschwindigkeit am Ohr. Er fiel um wie ein Blatt im Oktober. Nur war es für ihn noch zu früh. Sein Gesicht splitterte und es trieb ihm das Jochbein ins Hirn. Er war sofort tot.</p>
<p>Sakul schnaubte wie ein riesiger Deckhengst. Er ließ den verbeulten Metallklumpen sofort fallen und stieg über den Typen hinweg. Die anderen beiden hatten in ihrem Rausch noch nicht wahrgenommen, was passiert war. Er bekam sie gleichzeitig mit chirurgischer Präzision an der Kehle zu fassen. Der eine wand sich und verpasste ihm einen kräftigen Schlag auf die Stirn.</p>
<p>»Heeeeh!« schrie der andere und trat ihm, noch halb im Lauf, auf die Kniescheibe. Noch eine Gerade. Sie verirrte sich und brach Sakul die Nase quer durch. Er drückte zu. Steckte in den Magen und auf die Brust ein. Es rauchte ganz schön. Er hatte ihre Luftröhren im Griff. Nach einer halben Sekunde, in der garnichts zu passieren schien konnte man sehen, wie er die Finger dahinter schloss. Sakul blieb so stehen. Sie wehrten sich nicht mehr. Sie drehten die Augen nach innen und zuckten epileptisch. Es kam noch mal ein Schlag von einem. Dann war Ruhe. Er drückte nochmal fester zu, bevor er sie fallen ließ. Ihre Köpfe knallten auf den Fließenboden. Der Koch röchelte kurz Luft in sich rein und beugte sich dann, um munter darauf einzuschlagen.</p>
<p>Ich griff in meine Jacke. Die Commedia war noch da. Ich saß rum und sah zu. Bei dem einen hörte er erst auf, als sich das Ohr vom Rest löste. Die Haut war aufgeweicht. Er drehte sich um.</p>
<p>»SCHAU MAL!« Er ließ das Ohr umherbaumeln. Der andere Osmane keuchte. Er bekam den Stiefel ins Gesicht und war ruhig. Dann war es vorbei. Sakul kicherte und kam her.</p>
<p>»Jetzt hast du es geschafft«, sagte ich vorwurfsvoll.</p>
<p>»LASS UNS WAS ESSEN GEHEN!«, schrie er.</p>
<p>»Du hast den Verstand verloren. Völlig den Verstand verloren.«</p>
<p>Meine Hosentasche vibrierte. Ich zog das Telefon raus und nahm ab. Eine Frauenstimme.</p>
<p>»Polizei Regensburg. Was kann ich für sie tun?«</p>
<p>Kaum zu fassen. Was für eine Scheiße. Ich hatte genug. Ich schmiss das Telefon in den Mülleimer und packte Sakul am Arm.</p>
<p>»Komm«, sagte ich.</p>
<p>Wir gingen rüber ins Parkhaus und verschanzten uns in einem nicht abgesperrten Wagen. Sakul schnallte sich mit vorfreudigem Blick an. »Ich will was rauchen!« Er war wieder etwas beruhigt, aber ihm kam immer noch Dunst aus der schiefgeschlagenen Nase. »Du Vollidiot«, setzte er noch dazu. Ich atmete durch und versuchte nicht an den Tod zu denken. Sie wussten nicht was sie tun. Selbst schuld. Das Parkdeck leuchtete. Ich drückte auf den Zeitmesser. Die Commedia schlummerte in meiner Tasche.</p>
<p>»Lass uns was Essen gehen«, sagte ich.</p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
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<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
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		<title>freier imbiss</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 15:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[dreck]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[krakauerwendend übt der wurstmaxe / heimlich den hüftschwung / brät prall bedärmtes kross / bedient bauernlümmel mit bier / ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1614" title="Pommes + Burger" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/freier_imbiss-280x280.jpg" alt="Pommes + Burger" width="210" height="210" />krakauerwendend übt der wurstmaxe<br />
heimlich den hüftschwung<br />
brät prall bedärmtes kross<br />
bedient bauernlümmel mit bier<br />
mit thüringern auf pappe<br />
mit toastbrot schneeweiß<br />
ein yuppie will mehr curry<br />
ein fettabscheider will salat<br />
ein junkie mehr senf zur bulette<br />
wirft wütend seinen heißen kaffee<br />
gegen den ostwind</p>
<p><img class="size-medium wp-image-1614 alignleft" title="Pommes + Burger" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/freier_imbiss-280x280.jpg" alt="Pommes + Burger" width="210" height="210" />die stadt versiegt in den straßen<br />
im land des hechelns<br />
verdämmert der tag zu restlicht<br />
lockt die nacht hinter vorhänge<br />
rattenscharfe konditoren zuckern schon<br />
die tortenheber trauen sich<br />
komasäufer kleckern in den rinnstein<br />
ein kleiner hund geht zu schnell<br />
kotelettfresser spähen nach kokotten<br />
am langen arm der schaltknüppel<br />
verhungert die liebe</p>]]></content:encoded>
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		<title>Aussage</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 14:11:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>R.Gruwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<category><![CDATA[abrechnend]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
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		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>
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		<description><![CDATA[Als er mit seinem blutenden Schädel in der Tür stand, dachte ich zuerst er kommt direkt aus dem Himmel und ein Engel wartete draußen im Taxi und die Zeit läuft gegen ihn und mich und wir haben bloß noch ein paar Minuten, um uns zu verabschieden. Doch es war nicht sein Blut, das meinen gerade, frisch abgezogenen und lackierten Fußboden versaute.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Als er mit seinem blutenden Schädel in der Tür stand, dachte ich zuerst er kommt direkt aus dem Himmel und ein Engel wartete draußen im Taxi und die Zeit läuft gegen ihn und mich und wir haben bloß noch ein paar Minuten, um uns zu verabschieden. Doch es war nicht sein Blut, das meinen gerade, frisch abgezogenen und lackierten Fußboden versaute. Es war ihr Blut. Sie kam von Amsterdam und hat seinen faulen Hintern, aus seinen dicken, verdammt bequemen, braunen Ledersessel gerissen und hat ihn durch die ganze Stadt geschleift, bis er nicht mehr wusste wo ihm der Kopf stand. Und er war glücklich wie noch nie in seinem Leben. Ja gut, sie war nicht einfach und leicht zu verstehen, sie konnte einem ganz gewaltig auf die Nerven gehen und dass sie mich ein versoffenes, arrogantes, altes Arschloch nannte, hab ich ihr schon ein bisschen übel genommen. Doch was soll´s, sie war schon eine tolle Frau. Und mit dem Trinken hab ich schon ein kleines Problem. Schuld war nur dieser verflucht heiße Sommer, in dieser beschissenen Stadt wo jeder Schritt in einem Hundehaufen endet und wenn dich dann auch noch die Frau verlässt, die du liebst und deine letzten Träume mitnimmt und nichts als ein riesengroßes Fragezeichen in deinem Kopf hinterlässt, dann kann man schon mal durchdrehen. Herr Kommissar.</p>
<p>&#8211;<br />
<strong>Text anhören:</strong><br />
<small><strong>&#8220;Aussage&#8221; &#8211; 3´57</strong><br />
Musik: M. Dreesen / R. Gruwe &#8211; Text: R.Gruwe -M. Dreesen: Gesang &#8211; Chr.Strauß: Git, Fender Rhodes &#8211; Samuel Beck: Bass, Gesang &#8211; Jakob Peters: Schlagzeug – Aufgenommen &amp; abgemischt von Stefan Hilbricht</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Portwein</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/05/portwein/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 May 2011 02:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir reißen die Straßen auf mit unseren Hacken im Großstadtsuff, wütend, mit geblähten Hemden fackeln wir die müllgefütterten Bäuche der Glashäuser ab, und lassen uns nicht aufhalten von unsichtbaren Linien und Kreidestrichen, von Generaldirektoren und Agenturräten gezogen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>(Stimme: Alan Neon; Fotografie: Rafael Pielorz; Text: J. F.)</em></p>
<p><object width="600" height="371"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/f6_2ik6OdqI?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/f6_2ik6OdqI?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="371" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Wir reißen die Straßen auf mit unseren Hacken im Großstadtsuff,<br />
wütend, mit geblähten Hemden fackeln wir die müllgefütterten Bäuche der Glashäuser ab,<br />
und lassen uns nicht aufhalten von unsichtbaren Linien und Kreidestrichen, von Generaldirektoren und Agenturräten gezogen,<br />
von schmalgesichtigen Polizisten die aus Silberschweifen hechten und ihre Schultersterne sprechen lassen,<br />
von der kosmischen, unverzeihenden Investigationstruppe,<br />
von den Lou Salomés in den einladend pulsierenden musikzerrütteten Stätten mit den einladend pulsierenden Körpern,<br />
von den Blechmonstern, die uns am anderen Ende der Welt wieder ausspucken,<br />
von den Heilanstalten, den vollgestopften, die uns wild gestikulierend aufnehmen würden, denn nicht mal dort gibt es noch große Menschen,<br />
von den tollwütigen Hundebesitzern auf der Straße, den tollwütigen geprellten Laternennutten in ihrem Kiezer Zwirn,<br />
von hysterischen vollgeschnupften Halbglatzen, Diamantenhändlern, von philosophielosen Ärschen, die unter Röcken herausschießen,<br />
von Fixern in der leergesaugten Morgendämmerung,<br />
wir sind uns selbst überdrüssig, der Linke ist dem Rechten überdrüssig, wir spucken auf unsere eigenen Gräber,<br />
der Linke auf den Epitaph des Rechten, wir rotzen auch den Generaldirektoren und den Louise von Salomés und den Psychiatern und dem Linken aufs Grab,<br />
in lustloser Masturbation gegen die Würde selbst gerichtet, den rechteckigen Tullamore Dew im Holster, die Revolvertöpfe in Fensterspalten prustend koksen wir für die Ehrlichkeit,<br />
eingerahmt für die nächsten Stunden, mit teuren Lederstiefeletten und wildwüchsigen Haaren, ungewaschen und unparfümiert die Straße tretend,<br />
die Welt wird nach hinten geschoben, nicht wir vorwärts – im Staccatogalopp vorbei am Morgengrauen,<br />
an Persiluhren und Abendkinos, an alten, verschmutzten und verfetteten Göttern,<br />
Existenzialisten in Mindestpreis-Polyesterhosen,<br />
berühmt an den Tastaturen, von der Kritik gefeiert,<br />
mit Starkstromkabeln im Zirkus Maximus,<br />
irgendwann Essen an Zechenhäuser in dunkelroten Vans ausliefernd oder<br />
in Apartments mit Glasfronten und rauchenden Mädchen auf dem Balkon<br />
oder in der Strafvollzugsanstalt wegen Selbstjustiz und Exhibitionismus,<br />
mit einer biologischen Uhr mit siebzehn Zeigern und keiner einzigen Zahl,<br />
unbenutzte italienische Stillets in der Brusttasche und keine zwei Zentiliter Blut zu vergeuden,<br />
mit Kiloweise Hass auf großmäulige Scharen in Theatersälen und unter Wärmepilzen in Wintergärten,<br />
auf kalte deutsche Wälder, auf Lichterketten in den multiplen dreckigen Seitenarmen von Imbiss-Hauptstraßen,<br />
auf Richard Wagner, auf alle Zigarettenmarken außer Marlboro, mit Hirnen wie Boas im Kampf,<br />
sich um sich selbst windend, luftlos, glatt und tödlich,<br />
Sie sperren sich in Toilettenkabinen weg, mit Antibiotika im Rachen und Melonenkernen in den Taschen,<br />
Herbie Hancock die ganze Nacht in den Ohren, und trinken Filterkaffee am nächsten Morgen:<br />
Guten Morgen ihr norwegischen Bärenjäger, ihr Frühaufsteher, Shaolinmönche mit Eiern wie Zwei-Euro-Stücke, ihr Taschentotschläger,<br />
guten Morgen Brandlöcher in Anzughosen, guten Morgen Kiew, guten Morgen ihr Fensterläden und Chesterfieldsessel,<br />
guten Morgen ihr runden Arschlöcher rotgerieben vom abendlichen Schiß, guten Morgen Vietnam,<br />
guten Morgen ihr dänischen Biere die nach Brausepulver schmecken, guten Morgen Kolibris die für einen Fick 500 Herzschläge brauchen,<br />
guten Morgen Galgen, du wirst vom Berg geschnitten!<br />
Und sie reißen den Tag runter und fürchten sich vor nichts und trinken Portwein am nächsten Abend.</p>
<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/05/portwein.jpg" alt="Fotografie: Rafael Pielorz" title="Fotografie: Rafael Pielorz" width="600" height="300" class="aligncenter size-full wp-image-1586" /></p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
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		<title>Ein erfülltes Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 05:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
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		<category><![CDATA[ausweglos]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich machte dort weiter, wo ich letzte Nacht irgendwann gegen Viertel vor 4 aufgehört hatte. Jede Nacht holte ich mir zwei Dosen Bier verfeinert mit Ginseng, Taurin und Erdbeerextrakten und las auf dem Boden sitzend den schwarzen Himmel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich saß um kurz nach 3 Uhr morgens auf dem Bordstein vor dem Supermarkt und biss gierig in den Schokoriegel. Ich dachte an meine Fahrt auf dem Fahrrad hier her, die schmalen leeren Gehwege entlang mit den Autos, die links an mir vorbeizogen. Darin saßen ihre Fahrer auf dem Weg zu ihren warmen Apartments oder Häusern. Dort wo ihre Freunde oder die Familie auf sie warteten um zu trinken, zu reden und Partys zu feiern. Ich feierte für mich selber, den kalten Abend, entlang den hart arbeiteten Sprinklern, die au?er den Rasenflächen vor den Häusern auch meine Hosenbeine bespritzten. Verdammt. Die Autofahrer hatten ihre Scheibenwischer, ich hatte die feuchten Bremsspuren. Die hatten die warmen vollen Häuser, ich hatte die dunklen leeren Gassen.</p>
<p>Ich a? meinen Riegel auf und steckte mir eine Zigarette an. Mein Fahrrad stand drüben an dem Pfeiler, der eine Reklametafel hielt, angelehnt, zwischen den ganzen Autos meiner Mitarbeiter. Einmal mehr spielte ich mit dem Gedanken, auf den feuchten Sattel zu springen und einfach nach Hause zu fahren. Scheiß doch auf alles. Dieser Job war es nicht wert zu leiden. Ich rauchte auf und ging zurück in den Markt.</p>
<p>Bevor es zehn Uhr war, hatte ich Frühstück und Mittag gegessen und setzte den Tag mit kanadischem Whisky für 9 Dollar die Flasche fort. Ich machte dort weiter, wo ich letzte Nacht irgendwann gegen Viertel vor 4 aufgehört hatte. Jede Nacht holte ich mir zwei Dosen Bier verfeinert mit Ginseng, Taurin und Erdbeerextrakten und las auf dem Boden sitzend den schwarzen Himmel. Keine Sterne, nur der Vollmond, der zwischen den Palmen, die am Straßenrand standen hindurch strahlte. Was tat ich hier? Jede Nacht war dieselbe Nacht und jede Nacht war derselbe passive Wutanfall, der in Form eines Rülpsers nach draußen brach. Jede Nacht zählte ich die Sekunden und sehnte mich dem Feierabend entgegen, nur um nach Hause zu fahren, dort noch ein Bier zu trinken und dann todmüde zum nächsten Job, der sowieso nicht genug Geld einbrachte zu eilen. Vielleicht war es an der Zeit für eine Veränderung? Nein, ich denke, diese war schon lange überfällig.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1355" title="nachtmarkt" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2010/04/nachtmarkt-250x250.jpg" alt="nachtmarkt" width="250" height="250" />Nachts füllte ich die Regale im Vierundzwanzig-Stunden-Supermarkt, tagsüber saß ich dann zu Hause, rauchte eine Zigarette nach der anderen und sah wie das Bier und der Whisky immer weniger wurde, bis schließlich nichts mehr da war, nur die Müdigkeit, die es mir versagte, noch mal los zu ziehen, um Nachschub zu holen. Bald war der zweite Job dahin.</p>
<p>Es war ein Montagmorgen. Ich legte mich aufs Sofa und döste vor mich hin. Ich stand wieder auf, tippte ein paar Zeilen und spielte ein wenig Musik. Kein Buch, das ich begonnen hatte, war fertig, und ich hatte das Gefühl, mir lief die Zeit davon. Zu viele Jahre waren schon verschenkt, doch den Jahren war es egal. Die zogen vorbei wie die Wagen und Flugzeuge jede Nacht, in denen ich hätte sitzen können auf dem Weg in die lohnende Erleichterung, die sich von der Seligkeit nährte. Alles nur dummer Idealismus. Ein Traum &#8211; mal wieder. Ein weiterer Traum, der eine Nummer zog und brennend darauf wartete erfüllt zu werden. Wie sah denn die Realität aus? Zu wenig Schlaf, zu wenig fertige Bücher, zu wenig Geld und zu viel Alkohol. Ende.</p>
<p>Die Tage gingen so dahin. Ich schaute mir koreanisches Glücksrad im Fernsehen an. Ich hatte mir zwei Pizzabrote für drei Dollar besorgt und kaute nun auf der flauen Salamischeibe herum und hoffte, dass ich bald satt sein würde. Das ganze Ding würde ich nie und nimmer runter bekommen. Der Käse schmeckte nach abgestandener Milch und die Wurst nach Salz und das war‘s. Bloß schnell den Magen voll kriegen, dann eine rauchen und anschließend vor dem Fernseher einschlafen bis der Wecker klingelt.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Müder Morgen…</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/08/mueder_morgen/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 05:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[dionysisch]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>
		<category><![CDATA[menschen]]></category>
		<category><![CDATA[moderne]]></category>
		<category><![CDATA[phantastisch]]></category>
		<category><![CDATA[träumend]]></category>
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		<category><![CDATA[urban]]></category>

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		<description><![CDATA[Entspanntes Rühren in Mojitoresten. / Sechsuhrgelaüt / und Hunger auf was ganz unbändig Ganzes.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein letzter Schluck. Wie schön der Morgen dräut.<br />
Die ersten Stunden sind die besten.<br />
Entspanntes Rühren in Mojitoresten.<br />
Sechsuhrgeläut<br />
und Hunger auf was ganz unbändig Ganzes.<br />
Schlafmangeldèjávus, die mild-heroisch,<br />
ins Atmen fallen. Stoisch<br />
das Amsellied. Des Sonnenglanzes<br />
Tautropfenglimmen weht durch Birkenzweige.<br />
Stadfenstermatinée.<br />
Ich träum ein schwarzes Haar im Milchschaumschnee,<br />
indes ich mich zum Abschied neige.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Wolkenschwimmer</title>
		<link>http://kaschemme.de/2009/08/wolkenschwimmer/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 05:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[apollinisch]]></category>
		<category><![CDATA[dionysisch]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[idylle]]></category>
		<category><![CDATA[menschlich]]></category>
		<category><![CDATA[träumend]]></category>
		<category><![CDATA[trinkend]]></category>

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		<description><![CDATA[„Nach Paris.“ - „Willste mich verarschen? Ich radel dir hier bis zur Ecke, dann fliegt mir fast die Lunge raus.“ - „Ich fahr dir in fünf Tagen nach Paris.“ - „Ja, da komm ich mit. Ich schmeiß mir dann was, dann geht das.“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Ich hat schon so lange keinen Urlaub mehr. Irgendwo mal hin und wenn es an die Nordsee geht. Das ist mir scheißegal. Deshalb bin ich auch auf diesen Gartentrip gekommen. Daran lag’s. War wieder so’ne Phase, weisste? Kauf ich mir nen Garten &#8230; hätte ich da bloß die Finger von gelassen.“</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg" alt="Gefangene Mohnblume" title="Gefangene Mohnblume" width="200" height="516" class="alignright size-full wp-image-1212" /></a>Wolly schlug sich an den Kopf und knickte zusammen.</p>
<p>„Erst hatte ich mir nen Zelt gekauft.“ Plötzlich saß er wieder gerade und steckte sich ne Zigarette an.</p>
<p>„Jetzt kannste wenigstens in deinem Garten zelten“, sagte Plunder und bog sich die Finger an der Tischkante nach hinten. Oben auf der Platte begannen die Gläser und Flaschen zu wackeln, doch alles blieb stehen.</p>
<p>Hajo verkroch sich in den Sessel, zog die Beine an und hielt sie mit beiden Armen ganz fest.</p>
<p>„Ist dir kalt?“ fragte Plunder, doch Hajo schüttelte nur den Kopf und drückte ihn dann zwischen die Knie.</p>
<p>„Bin nach Amsterdam letzte Woche gefahren. Hier ist tote Hose im Moment. Toteeeee &#8230; Hoseeeeee! Nichts, nichts, nichts, nichts &#8230;“, sagte Wolly und streute den Joint auf. „Und dann dieser Garten, sag ich euch.“</p>
<p>„Aber das ist ne gute Idee mit dem Zelt“, sagte Plunder und nahm sich sein Glas vom Tisch. Spanischer Weinbrand. Unverdünnt. Plunder trank ganz aus und Hajo schlief auf dem Sessel ein.</p>
<p>„Das Zelt schnallst du dir über und dann kannste mit dem Fahrrad fahren.“<br />
„Und wohin?“<br />
„Nach Paris.“<br />
„Willste mich verarschen? Ich radel dir hier bis zur Ecke, dann fliegt mir fast die Lunge raus.“<br />
„Ich fahr dir in fünf Tagen nach Paris.“<br />
„Ja, da komm ich mit. Ich schmeiß mir dann was, dann geht das. Hab mir was aus Amsterdam mitgebracht. Die <em>Coffeeshops</em> haben jetzt da was Neues, irgendwie erst nachmittags geöffnet und so, wegen den ganzen Schulschwänzern und so, was weiß ich, und dann auch nur zwei Gramm pro Person und solches Zeug. Ich dachte, was soll das denn jetzt? Musste extra zu nem Dealer in die Innenstadt. Kenn da ja nicht so viele, denen ich vertraue.“</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_200hoch.jpg" alt="Gefangene Mohnblume" title="Gefangene Mohnblume" width="200" height="516" class="alignleft size-full wp-image-1212" /></a>Hajo wachte wieder auf. „Oh, was &#8230; nee &#8230; nee &#8230; also nach Paris komm ich auch mit &#8230;“</p>
<p>Plunder schenkte nach und schmiss den CD-Spieler an. Es liefen die Rolling Stones mit<br />
<em>‚Can’t You Hear Me Knocking’</em>.</p>
<p>„Egal, hab mir dann noch zehn Gramm besorgt.“<br />
„Ziehste dir alles rein, dann biste schon in zwei Stunden da.“<br />
„Wann fahren wir denn nun?“, fragte Hajo und Plunder schenkte ihm erst mal nach. Dann brannte der Joint und Wolly nahm einen kräftigen Zug.</p>
<p>„Ich hab mal geträumt wie man richtig schnell reich werden kann. Dann bin ich aufgewacht und hatte es vergessen. Das war ne richtig gute Idee und ich hab jetzt so oft versucht mich zu erinnern und es klappt und klappt und klappt nicht. Hatte damals auch einen geraucht und bin dann eingeschlafen und jetzt hoffe ich jedes Mal wieder, dass mir diese Idee wieder kommt. Ich bete nur, dass ich mich das nächste Mal noch daran erinnern kann. Ich sag’s euch, dann schreib ich mir das auf. Dass ich mir wichtige Dinge nie merken kann.“ Wolly zog noch mal am Joint und blies dann nachdenklich den Rauch aus. „Ich weiß noch, was für ne Hose ich letzte Woche auf der Arbeit an hatte. An so’n Scheiß, da kann ich mich noch erinnern, weisste?“</p>
<p>„War das jetzt ernst gemeint mit Paris, dass wir da mit dem Fahrrad hinfahren wollen?“ fragte Hajo und streckte seine Hand nach dem Joint aus, den Wolly aber noch nicht hergeben wollte.</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_350x.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/mohnblume_350x-250x250.jpg" alt="Mohnblume" title="Mohnblume" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1213" /></a>„Nun warte doch noch mal nen paar Sekunden.“<br />
„Ja, Hajo. Natürlich war das ernst gemeint. Was dachtest du denn?“</p>
<p>„Ich muss das wissen, damit ich mir nicht unnötig nen Schloss kauf. Ich stell mein Fahrrad nämlich immer in&#8217; Keller.“</p>
<p>Wolly reichte Plunder den Joint, doch der lehnte vorerst ab.</p>
<p>„Nee, nee, gib Hajo erstmal &#8230;“</p>]]></content:encoded>
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		<title>Abend…</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 05:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paul Laub</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
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		<category><![CDATA[menschlich]]></category>
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		<description><![CDATA[Komm mit auf’s Dach. Der Sonnenuntergang / lieg blutrot schimmernd auf dem Tal.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für Anstand, Schönste, habe ich zuviel<br />
gesehen und &#8211; weiß Gott wie blöd &#8211; verkackt.<br />
Ich hab Oliven, Wein. Das alte Spiel.<br />
Man hält nichts fest, was man nicht richtig packt.</p>
<p>Komm mit auf’s Dach. Der Sonnenuntergang<br />
liegt blutrot schimmernd auf dem Tal.<br />
Am Schornstein küssend wird die Zeit nicht lang.<br />
Die Beine baumeln leicht vom Dachsteigstahl.</p>
<p>Der Blick nach West. Als ob der Himmel brennt.<br />
Mir brennt das Herz in allerlei Gedanken.<br />
Vergiss die Zeit, die rasend um uns rennt…<br />
und mit ihr noch der Welt entmenschtes Zanken.</p>]]></content:encoded>
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