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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; unten</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Licensing Agent</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 11:04:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven Klöpping</dc:creator>
				<category><![CDATA[Scifi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[futuristisch]]></category>
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		<category><![CDATA[verbrechen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich seh' noch, wie das hologene 3D-Logo auf seinem T-Shirt klebt, kurz bevor es in NanosekundenschneIIe beginnt, seine Konturen zu verzerren und seine Spuren verwischen ins Nichts. Der rötliche Schimmer um den weißen Schriftzug flackert kurz auf wie bei einer defekten Lichtröhre, bloß um Zeitbruchteile später in der unendlichen Hintergrund-Schwärze des realen T-Shirts zu versinken ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>in a world of brands<br />
</em></p>
<p><em> Alarmsignal.</em></p>
<p>Ich seh&#8217; noch, wie das hologene 3D-Logo auf seinem T-Shirt klebt, kurz bevor es in NanosekundenschneIIe beginnt, seine Konturen zu verzerren und seine Spuren verwischen ins Nichts. Der rötliche Schimmer um den weißen Schriftzug flackert kurz auf wie bei einer defekten Lichtröhre, bloß um Zeitbruchteile später in der unendlichen Hintergrund-Schwärze des realen T-Shirts zu versinken:</p>
<p>Scheiß Schmarotzer.</p>
<p align="left"><img class="alignright size-full wp-image-1637" title="futuristic_building2" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/futuristic_building2.jpg" alt="" width="260" height="462" />Aber gerade hat ihm der Strahl des Gesetzes &#8216;n verdammtes Loch in seine Arroganz gebohrt. Der hat wohl gedacht, mit &#8216;nem geklauten Cola-Schriftzug in 3D lassen sich die Weiber hier unten besonders gut abschleppen &#8230; Aber die Tour hab ich ihm gründlich versaut. Jetzt steht er da wie &#8216;n Exhibitionist ohne Weichteile und glotzt Löcher in die verblüfften Mädchengesichter um ihn herum. Wenn er &#8216;ne Waffe zieht, muss ich ihn löschen &#8230;</p>
<p>„Hey, kannste bei meinem Logo nich ma ne Ausnahme machen? Morgen komm ich eh an Credits, dann ist alles wieder okay mit meinem Account und ruf doch mal deine Virtual Memory Card ab, du &#8230;“</p>
<p>Von wegen. Der steckt bis zum Hals in Credits, das kauft ihm doch keiner ab. Verdammt. Soll er schwarz sehen, bis sein Account wieder sauber ist, Scheißkerl. Gar nicht drauf hören. Ich leg&#8217; den ersten Gang rein, flieg weiter, hör noch seine Argumente in meinen Arsch kriechen &#8230;</p>
<p>„Ja ja, ich zahl dir deine gottverdammten Royalties, mach doch nich so &#8216;n Umstand wegen dem beschissenen <em>holografic problem</em>, Alter ..“</p>
<p align="left">Ich reih&#8217; mich wieder in den Verkehr ein und fahr’ einfach weiter. Mittelfinger bringen nichts bei den Typen.</p>
<p align="left"><em>On the road again.</em></p>
<p align="left">Im <em>Visual Sound Channel</em> hinter meinem Lenkrad verrenken sich gerade &#8216;n paar intergalaktische Kometenschweif-Surfer die Knochen, dazu spielen sie „Was ihr wollt&#8221; von den Smashers. Geht echt in die Beine, das Zeug, obwohl&#8217;s ja schon ziemlich alt ist &#8230;</p>
<p align="left">Ich flieg&#8217; bis zum Goethe-Schild, das schon seit &#8216;n paar Jahrzehnten da hängt und Werbung macht für irgendso&#8217;n After Shave, das es wahrscheiidich gar nicht mehr zu kaufen gibt und nur noch aus Image-Gründen da in der Gegend rumhängt, was weiß ich &#8211; auf jeden Fall ist die Lizenz in Ordnung und ich muss rechts ab, auf den Highway.</p>
<p align="left">Im Vorbeischweben seh&#8217; ich noch einen alten Bekannten: Stevie Notrix nennt er sich, hat seine Haare hochgestellt, Seiten abrasiert und aus dem voll Iizensierten Sound-Shirt dröhnen vergangene Melodien von Slime und den Sex Pistols in meine Richtung. Der Typ ist halt &#8216;n echter Nostalgiker.</p>
<p align="left">„Hey Agent, alles okay? Willste nich heute abend im „Anarchy UK&#8221; mit deinem piekfeinen Alabaster-Schlitten mal aufkreuzen &#8211; denn heute ist mein erster Auftritt!<em>“</em></p>
<p align="left">Er grinst mich fett und flashig an, als ob er sich was von den neuen, frisch lizensierten Mutter-Theresa-Pillen besorgt hätte, schraubt mit ungeheurem Taktgefühl weiter an dem glänzenden Stahlrundrohr, das den ganzen Highway erleuchtet und weiß ganz genau, dass ich mit meinem gestylten Privat-Glider niemals in seiner Anarcho-Spelunke aufkreuzen würde, hab ja auch keinen Grund: da ist alles zu 100 % lizensiert.</p>
<p><em>Zweites Alarmsignal.</em></p>
<p>Verdammt, ausgerechnet jetzt.</p>
<p>Ein knallroter Cursor blinkt irgendwo in der Navigationsleiste, das sind stark verkleinerte 3D-Hologramme, die sich bei der geringsten Berührung in ihre virtuellen Moleküle zerstreuen und meinen aktuellen Standpoint anzeigen.</p>
<p>Per Touchscreen bestimme ich meine Route quer durch den Dschungel aus Straßen, Highways, Fluglinien, Seitenstraßen &#8230; bis ich innerhalb weniger Standard-Zeiteinheiten am Ort des Verbrechens eintreffe.</p>
<p>Schäbige Wohngegend, Vorstadt-Ghetto, eintönige Fassaden: hinter der 5. Mülltonne hockt einer von diesen verlausten Sprayertypen und wartet auf sein Urteil.</p>
<p>So steht&#8217;s im Protokoll, das aber normalerweise viel schneller reagiert &#8230;</p>
<p>Und als ich mich umblicke, merke ich auch schon bald, was los ist: Der Typ hat doch tatsächlich die komplette Fassade des <em>Buckingham Palace</em> auf die schmierigen, verrußten Wände der ganzen verdammten Scheiß-Straße gesprayt!</p>
<p>Das gibt Ärger.</p>
<p>Verdammt &#8211; warum bin ich über so eine Scheiße nicht schon früher informiert worden? Das kann mich den Job kosten, verfluchte Scheiße &#8230;</p>
<p><em>Sorry, control system failed.</em></p>
<p>Ja, ja, fail dich selbst, du beschissener Apparat. Ich kann jetzt sehen, wie ich aus dem Mist rauskomme, oder hast du &#8216;n besseren Einfall?</p>
<p><em>Keine Antwort.</em></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1638" title="futuristic_building" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/futuristic_building.jpg" alt="" width="260" height="462" />Kurz noch mal checken, ob der Strahler richtig sitzt, dann gleitet die Tür zur Seite und ich marschiere direkt auf den verdammten Junkie und halt&#8217; ihm meine Laserkanone direkt in seine holografische Mozart-Fresse &#8211; ich wette, dafür hat er keine Lizenz.</p>
<p>Allein das wär&#8217; schon ein Grund, ihn mitzunehmen, aber ich hab&#8217; noch was vor mit dem Wichser.</p>
<p>„Hey, Arschloch! Was hast du dir dabei gedacht?“ scheiß ich ihn an. Dabei muss ich mich noch kräftig zurück halten, damit ich ihm nicht gleich hier und jetzt zur Begrüßung ein paar aufs Maul trete.</p>
<p>Der langhaarige, zottelige Typ stottert mit weit aufgerissenen Augen durch die Gegend, fängt an zu winseln &#8211; anscheinend weiß er, was für&#8217;n verdammten Mist er mit seinem verstrahlten Schädel gebaut hat: „B &#8230; b &#8230; bitte &#8230; A-a-agent &#8230;&#8221; Die Nadel steckt noch in seinem Arm, das Blech mit dem Stoff liegt neben ihm und glüht wahrscheinlich noch von der Flamme des <em>burning tools</em>.</p>
<p>Was soll ich nur der Zentrale melden, verdammt? „Unidentifizierter Penner sprüht seine Junkie-Visionen an Ghetto-Fassaden im 5. Bezirk?“ Klingt mehr wie aus&#8217;m schlechten 3D-ThriIIer, auch wenn&#8217;s leider wahr ist &#8211; verdammt! Vielleicht ist dieser beschissene Bezirk sogar &#8216;n drittklassiger 3D-Thriller und ich merk&#8217;s nicht mal, wie die Quoten sich über mich schräg lachen und die <em>touch rates</em> den TKP<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> in die Höhe treiben &#8230;</p>
<p>Die Zentrale meldet zwar, dass sie Bescheid weiß über den Ausfall des Kontrollsystems, aber trotzdem bin ich jetzt in einer beschissenen Scheiß-Situation und kann nix dagegen machen.</p>
<p>So eine herunter gekommene Sackratte, fast hätte ich abgedrückt.</p>
<p>Ich zittere, die Laserkanone kann jeden Moment losgehen, <em>private war against criminality</em> oder wie war das &#8211; einer gegen alle. Nur ein unkontrolliertes Zeigefinger-Zucken reicht aus und die Strahlung würde diesem lebensmüden Chaot das Gesicht zerfetzen wie &#8216;ner nordsibirischen Wassermelone.</p>
<p>„Du Wichser! Morgen ist das alles weg!&#8221; brülle ich dem Typen mitten durch seine Drogen vernebelten Wahnvorstellungen, mache eine ausholende Handbewegung, wobei der Penner zusammen zuckt und drehe mich wutschnaubend zu meinem Glider.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Buckingham Palace</em>, so ein Idiot. Talent hat er ja wenigstens, sonst hätt&#8217; ich ihn schon längst abgeknallt.</p>
<p>Verdammt. Wenn er sich wenigstens &#8216;ne Lizenz dafür leisten könnte, gäb&#8217;s überhaupt keine Probleme und vielleicht würde sogar &#8216;n verdammter Künstler aus ihm, mit &#8216;nem richtigen Markennamen auf seinem Identity- Chip.</p>
<p>Aber so &#8230; Eigentlich hätt&#8217; ich ihn abknallen müssen.</p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> TKP = Tausender-Kontakt-Preis (Werbedeutsch)</p>
</div>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&amp;x=0&amp;ref_=nb_sb_noss&amp;y=0&amp;field-keywords=sven%20kl%C3%B6pping&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;_encoding=UTF8&amp;site-redirect=de&amp;tag=sflex-21&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=19454" target="_blank">Sven Klöpping</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/394253309X/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=394253309X"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=394253309X&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Menschgrenzen</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
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		<title>Von der Unlust eines Vergewaltigers.</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 10:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Quentinadieu</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[job]]></category>
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		<description><![CDATA[Es riecht nach Pisse und einer Mischung aus nassen Fußabdrücken verbreiteter Kanalfäkalien und der undefinierbaren Masse aus verschiedeneren braun-gelben Rottönen am Boden vorm schlafenden Säufer auf dem Sitz über uns, der penetrant nach billigem Wein und osteuropäischen Zigaretten stinkt. Der windende, halb entkleidete Frauenleib erschlafft langsam, inzwischen hat sie ihre Kräfte ausgeschrien. Ein letzter Stoß, dann Stille.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das regelmäßige Einschlagen ihres Kopfes gegen die Wand des U-Bahnabteils geht in ihren spitzen, ungleichmäßigen Schreien unter, was meiner ohnehin schwindenden Konzentration nicht gerade gut tut. Diese verdammte Rentnerin, ein gestrandetes Wrack der guten alten Zeit, die sich auf den Geldern ihrer Enkel ausruht, glotzt die ganzen verdammten sieben Minuten Fleischkampf.<br />
Es riecht nach Pisse und einer Mischung aus nassen Fußabdrücken verbreiteter Kanalfäkalien und der undefinierbaren Masse aus verschiedeneren braun-gelben Rottönen am Boden vorm schlafenden Säufer auf dem Sitz über uns, der penetrant nach billigem Wein und osteuropäischen Zigaretten stinkt.<br />
Der windende, halb entkleidete Frauenleib erschlafft langsam, inzwischen hat sie ihre Kräfte ausgeschrien. Ein letzter Stoß, dann Stille.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1575" title="Subway UBahn Animation" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/04/subway_ubahn_animation.gif" alt="" width="240" height="180" />Ich stehe auf, ziehe meinen Reißverschluss zu, schnalle den Gürtel fest und richte meine Hemdärmel. Meine Krawatte liegt sorgfältig auf dem gefalteten Jackett neben mir.<br />
Während ich sie mir binde, betrachtete ich den schnaufenden, aufgegebenen Frauenkörper, der erschöpft in der Ecke kauert:<br />
Junges Mädchen, nicht ekelerregend jung mit Pferdestickern und Bravoausschnitten auf Grundschulheften, sondern deutlich mit den Ergebnissen einer zufriedenstellenden Pubertät beschenkt, doch bei weitem nicht ausgereift oder gar alt.<br />
Sieht aus wie Anfang zwanzig und schminkt sich wie es die Sorte von Disconutten eben so tut, um in jede Disconuttendisco reinzukommen, definitiv aber nicht älter als siebzehn. Achtzehn mit Ausschnitt.<br />
Ihr Make-Up verschmiert über das ganze Gesicht, der Kajal sieht aus, als hätte sie schwarze Tränen geweint, als wären ihre Pupillen ausgelaufen. Sie ist hübsch, wär aber eben nur gerne eine Disconutte. Nicht mein Typ, aber wen interessiert das schon.<br />
Ich werfe mir mein Jackett über und fummel aus der Tasche eine Zigarettenschachtel und ziehe eine Kippe heraus, Feuer, dann rauchendes Warten.<br />
Eigentlich ein trauriger Anblick, wie der schöne Mensch dort in den Unschönheiten der Welt vergeht und nicht einmal etwas dafür kann.<br />
Auf wieviel man sich eben nicht vorbereiten kann und wie viele Pläne sinnlos sind.<br />
Wann stoßen wir endlich auf Grenzen der garantierten menschlichen Willensfreiheit, in der man an jeder Ecke der Stadt, auf jedem Nachhauseweg von verrauchten Eckkneipen und an jedem IKEA-Einbaubüroschreibtisch zu entscheidungslosen Prostituierten der bestialen Befriedigungstriebe des Menschen werden kann?<br />
Entscheidungsfreiheit ist nicht, Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt.<br />
Endlich richtet sich die Kleine auf und stützt sich wacklig ab, lächelt und fährt sich die ruinierte Frisur aus dem ruinierten Disconuttengesicht.<br />
„Gott &#8230;“, grinst sie geil und beginnt, ihre Kleidung wieder zu richten, knöpft sich mit der Bedächtigkeit einer erfüllten Befriedigung endlos langsam ihre Bluse zu und sieht zu mir hinauf, wie ein junger Straßenköter auf seinem Nachtquartier aus Zeitungspapier und vergilbten Karton..<br />
„Du hast dir dein Geld verdient, Don Juane.“<br />
„Fick dich“, erwidere ich und ziehe genervt an meiner Zigarette.<br />
Sie steht auf, atmet noch einmal durch und greift nach ihrer Handtasche. Sie zittert noch immer erregt und holt aus ihrem Portmonee einige Scheine von Papas hart verdientem Geld hervor. Ich greife nach ihnen und stopfe sie in die Jackentasche. Die U-Bahn fährt in die nächste Haltestation ein.<br />
Ich trete einen angewiderten Schritt zurück, als sie mir verabschiedend einen Kuss auf die Backe drücken möchte, winkend aus dem Zug springt und nach Hause läuft, zu Eltern, die jeden Tag 12 Stunden im Büro und vier vor dem Fernseher oder in frustrierten Bars sitzen, sich gegenseitig und selbst betrügen und ihre elterlichen Pflichten mit einem überziehungsvollberechtigten Bankkonto erfüllen. Sie wird jetzt Zuhause ankommen, sich durch die Hintertür einschleichen, auf dem Weg in ihr Zimmer ihre kleine Schwester vor dem Kühlschrank treffen, die wieder einmal nicht schlafen konnte, „du kommst spät, Mama sollte dich schimpfen“, „ja“, dann die Treppen hoch, Tür zu, noch ein Schluck aus der Pulle, heimlich versteckt im Sockenfach, dann Schlafen.<br />
Morgen würden ihre Eltern mit ihr am Frühstückstisch sitzen, Zeitung lesen, vielleicht peinlich berührt vom erzwungenen Sonntagsfrieden in ihre Kaffeetassen starren und dann mit kargen Wortbrocken gemurmeltes Interesse heucheln.<br />
Pflicht erfüllt und somit eine von Millionen glücklichen Familien in Deutschland.<br />
Ich lasse mich neben die Rentnerin nieder und zähle das Geld.<br />
„Die Schlampe hat mich um &#8216;nen Zehner beschissen“, murmele ich und spucke genervt den Zigarettenstummel auf den stinkenden Kerl gegenüber.<br />
Die alte Frau tippt mir auf die Schulter, hält mir beschämt lächelnd einen grünen Schein vor die Nase und meint: „Werde ich nicht tun.“<br />
Erwartungsvoll kichert sie mich an.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1690" title="U-Bahn U7" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/10/ubahn_u7.jpg" alt="" width="560" height="420" /></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Der Mann, der die Suppe ausbröckelt [sic].</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 10:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna Jorek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Hund]]></category>
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		<category><![CDATA[suppe]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Freund hat ihm eine Stelle in einem Büro besorgt, da hat er dann drei Jahre lang gesessen, immer von acht bis vier. Eines Morgens ist er aufgewacht, und konnte drei Sprachen fließend. Einfach so. Englisch, französisch und portugiesisch. Das war mal was, sagte er sich, und hat seinen Freund angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht mehr kommt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Himmel vor seinem Auge verdunkelt sich, mischt an seinem Rand ein bizarres Spiel aus orange und rot. Die wenigen Häuser stehen wie dunkle Schatten in dem Bild, das ein Maler nicht besser hätte zeichnen können, denkt er sich.</p>
<p>Der Ausblick erinnert ihn an eine Welt in einer Lavalampe, die kalten schwarzen Gebäude sind die Luftblasen, der blutrote Himmel das heiße Gestein.</p>
<p>Der Mann sitzt in der Straßenbahn und starrt nach draußen. An der Leine der große Hund, den er hat, seit der klein ist. Er hört auf den Namen Otto. Heute Morgen beim Aufwachen war noch alles weiß, der Reif hat sich auf die Landschaft gesetzt, jetzt ist er verschwunden. Otto hat wie immer sein Herrschen geweckt und ihm die Zeitung und heißen Kaffee ans Bett gebracht. Bei dem Gedanken muss der Mann lächeln.<br />
Er trägt eine Stofftüte mit einer unbekannten Stickerei. Wenn er sein ganzes Hab und Gut, also das von Wert, denkt er, nur das von Wert, von persönlichem Wert, natürlich, zusammensuchen würde, es passte in zwei Stoffbeutel, denkt er. Der Rest ist doch nur unnötiger Ballast, da hängt sein Herz nicht dran.</p>
<p>Wieder wandert sein Auge nach draußen. Noch muss er nicht aussteigen, ein geübter Blick verrät ihm das. Die Türen schließen sich und er schaut ob Otto noch neben ihm liegt. Mit geschlossenen Augen saugt er die Umgebung auf. Das was er zu fassen kriegt, sind Gesprächsfetzen. Eine Stimme möchte die Unisachen verbrennen, eine andere rät ihr dazu, zu warten, bis sie mit der Uni fertig ist, dann könnte sie gleich ein Feuer im Hinterhof veranstalten und die Sachen hinein werfen. Er stellt sich eine junge Frau vor, die nackt um ein Feuer springt und dabei Blätter zerreißt, die sie Stück für Stück in das Feuer wirft. Dann wendet er seine Gedanken nach innen. Er hat selbst einmal studiert. Siebeneinhalb Jahre lang. Dann ist er entlassen wurden, ohne Abschluss. Er hat nie geraucht und keinen Alkohol getrunken. Ab und zu mal einen Kaffee und zum Frühstück ein dunkles Brötchen. Ein Freund hat ihm eine Stelle in einem Büro besorgt, da hat er dann drei Jahre lang gesessen, immer von acht bis vier. Eines Morgens ist er aufgewacht, und konnte drei Sprachen fließend. Einfach so. Englisch, französisch und portugiesisch. Das war mal was, sagte er sich, und hat seinen Freund angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht mehr kommt. Jetzt vergewissert er sich, dass Otto noch neben ihm liegt. Ein Magen knurrt, welcher das ist, weiß er nicht, der vom Hund oder sein eigener. Otto ist sein bester Freund.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1649" title="china-restaurant" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/china-restaurant.jpg" alt="" width="200" height="355" />Ich bin der, der immer die Suppe aufbröckelt, schiebt er einen Gedanken vor sich her, doch der will nicht so recht passen.</p>
<p>Einbrockt<br />
Aufbröckelt<br />
Otto schaut ihn an und kann ihm nicht helfen.</p>
<p>Dann wiederholt der Mann den Satz in den anderen drei Sprachen. Englisch, französisch und portugiesisch, die er beherrscht. Er kam nie dazu, sein Können unter Beweis zu stellen, aber Otto nickt ihm jetzt zustimmend zu.</p>
<p>Sie möchten bitte?, fragt der kleine Mann hinter dem Verkaufsfenster.<br />
Ich habe noch nicht entschieden.<br />
Ahso.</p>
<p>Heute hat das kalte Licht ganz scharfe Konturen geschnitten; jetzt sieht man nicht einmal mehr die Umrisse der Häuser. Die Knie des Mannes sind ganz wund, weil die Federn des Bettes hervorstechen. Eine neue Matratze kann er sich nicht leisten. Noch nicht. Der Rücken ist ganz krumm, vom vielen Lesen.<br />
Dann kommt eine dicke Frau mit Pudel auf dem Arm und stellt sich neben ihn. Der Pudel zwinkert dem Mann zu, er lächelt zurück, leicht verlegen, der Pudel erinnert ihn an wen. An wen nur, überlegt er und kommt nicht drauf. Die Dame kennt er nicht.<br />
<img class="alignright size-full wp-image-1648" title="china-food" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/china-food.jpg" alt="" width="200" height="355" />Darf ich bitten, sagt er zu dem Hund und lässt ihn dem Vortritt. Der frisierte Pudel wedelt mit dem Schwanz. Die Frau bestellt. Ente knusprig.<br />
Otto läuft das Wasser im Mund zusammen.<br />
Ja bekommst gleich dein Süppchen, sagt der Mann und überlegt er wieder, wie hieß das gleich nochmal?<br />
Aufbröselt?</p>
<p>Als die Frau und der Pudel in der Nacht verschwinden, schüttelt der Mann den Kopf, nein, das kann nicht sein, in dieser Gegend, eine solche Dame von Welt.<br />
Sie möchten.<br />
Ich nehme die Suppe.<br />
Er zählt sein Kleingeld.<br />
Eins, fuffzich.<br />
Hier bitte.</p>
<p>Er trägt nun, außer dem Stoffbeutel noch eine Plastiktüte mit Suppe nach Hause. Ja, ja, ich bin der, der die Suppe auslöffelt, denkt er, und für Otto wird etwas abfallen.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Beschützte kleine Buben fliegen high</title>
		<link>http://kaschemme.de/2011/09/beschutzte-kleine-buben-fliegen-high/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 15:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven Klöpping</dc:creator>
				<category><![CDATA[Scifi]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
		<category><![CDATA[autoritär]]></category>
		<category><![CDATA[experimentell]]></category>
		<category><![CDATA[fliegen]]></category>
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		<category><![CDATA[seltsameWelt]]></category>
		<category><![CDATA[unten]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon schwebe ich über dem Boden, kein Wunder, der Glider hat fünfzigtausend Credits gekostet, ein Batzen für so'n armen Schlucker wie mich, verdammt. Aber jetzt erst mal zum first flash springen, ja so ist das gut, das klingt richtig abgefahren, und schon bin ich wieder high ... Heute ist Zeitfahren, keine Zeit für lange Starts, ich will sofort und für immer los und nie wiederkommen, genau das hab' ich vor, heute nacht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>for all the overviewed</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Stadt ist wieder total high, ich kann sie nicht überblicken, tausend Stockwerke erstrecken sich über meinem Kopf, ich glaub&#8217;s nicht.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1623" title="Beschützte kleine Buben fliegen high" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/fliegenhigh2.jpg" alt="Beschützte kleine Buben fliegen high" width="200" />Schon schwebe ich über dem Boden, kein Wunder, der Glider hat fünfzigtausend Credits gekostet, ein Batzen für so&#8217;n armen Schlucker wie mich, verdammt. Aber jetzt erst mal zum <em>first flash</em> springen, ja so ist das gut, das klingt richtig abgefahren, und schon bin ich wieder high &#8230;</p>
<p>Heute ist Zeitfahren, keine Zeit für lange Starts, ich will sofort und für immer los und nie wiederkommen, genau das hab&#8217; ich vor, heute nacht.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>50 floors over normal-nill (after the first flash).</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Okay, jetzt sollte ich mal ‘n bisschen Gas geben, ist ja schließlich nicht umsonst so teuer, mein <em>rave-over-the-stars</em> Glider, den ich gerade zwischen meinen Fingern lenke. Der zweite Flash ist im Anflug, ja, meine Hand bewegt sich, nur ein paar Zentimeter und &#8211; jaaaaa! &#8211; geil, abgefahren, obergeil. Das war &#8216;n Schub von 200 Stockwerken, verdammt, 200! Das müssen mir die anderen erst mal nachmachen &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>freu</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignright" title="Beschützte kleine Buben fliegen high" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/fliegenhigh1.jpg" alt="Beschützte kleine Buben fliegen high" width="200" height="356" />Aber noch fliege ich nicht über dieser verdammten Scheiß-Stadt, kann nicht auf ihre winzigen Scheißdächer runterblicken, die mich aus tausend Lichtern anstarren, als wenn sie nichts besseres zu sagen hätten als zu schweigen, verdammt. Da unten, unter der beschissenen Asphalt-Decke, auf der die Leute sich Rattenburger reinmampfen, weil sie zu wenig Geld für&#8217;n besseres Leben haben, hab ich mein Leben zurückgelassen, denn heute bin ich frei, verdammt, so frei wie nur irgendein <em>Underzoner</em> sein kann.</p>
<p>So hab ich mir mein Leben da unten aber auch nicht vorgestellt: viel zu kleine Spelunke, in der ich im minus 305ten Stockwerk billige Lottokarten an irgendwelche Lebens-Idioten abdrücke, die sich was vom großen Glückskeks abknabbern wollen &#8230; Nein, verdammt, ich will höher, über den<em> Ground</em> an die Oberfläche &#8211; wo&#8217;s richtig abgeht und man für ‘ne Stunde ehrliche Arbeit noch genug verdient, um sich einigermaßen billig am äußeren Rand des Universums unterzumieten.</p>
<p>Oh Mann &#8211; genau da will ich hin, an den verdammten äußeren Rand &#8211; wo die Sterne noch glitzern und die Luft nicht durch Filter gepustet wird &#8211; wo die Miezen sich beim Sex noch ausziehen, weil sie keine Wunden zu verstecken haben, die man hier überall in den <em>sub-zero</em> Stockwerken bekommt, weil die Luft für die eigene Haut kaum noch zu ertragen ist &#8230;</p>
<p>Yeah, das wär&#8217; schon geil, mit ‘nem Transporter einfach abzuhauen.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>3rd flash.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und er kommt total plötzlich, hab&#8217; noch nicht mal gemerkt, dass meine Hand sich auf die Tastatur zu bewegt hat, um ihr den Befehl einzutrichtern, der mich noch mal 300 Stockwerke nach oben pustet, aber die Überraschung war&#8217;s wert, dass ich meine Hand nicht unter Kontrolle hatte &#8211; denn der Puls fiebert mit, steigt auf 180 <em>degrees</em>, und ich schwebe, nicht mal mehr in meinem Glider, sondern vor allem geistig, verdammt &#8211; meine Beine schweben im Kopf wie noch nie &#8211; irgendwie sehe ich unter mir die Mega-Stadt, die sich vor ca. dreihundert Jahren wie eine Flanier-Raupe über den ganzen Planeten ausgebreitet hat und jetzt alle Ozeane, und sogar den verdammten Himalaya überragt &#8211; im Geist fliege ich an kleinen Fenster-Löchern vorbei, die diese Stadt zusammenhalten: dahinter wohnen Techniker, Programmierer, kleine Denker, Studenten &#8211; sie alle sind Partikel des großen Städtemolochs, der fortwährend den Hals höher reckt und schreit: »ICH!«</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Chill down!</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Okay, weiß auch nicht, woher ich das hatte mit dem ‘fortwährend&#8217; &#8211; muss wohl aus irgendso&#8217;m Buch rausgesprungen sein, wo ich mich mal irgendwann dran vorbeigelesen hab&#8217;, aber stimmt schon, was da steht &#8211; vielleicht bis auf dass einem in diesem Drecks-Wälzer nicht verklickert wird, wie&#8217;s unterhalb der Normal-Null-Grenze aussieht, in den Löchern, wo man kaum atmen kann.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Nearly in space.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignright" title="Beschützte kleine Buben fliegen high" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/fliegenhigh2.jpg" alt="Beschützte kleine Buben fliegen high" width="200" height="356" />Mein Bauch bekommt Schmetterlinge und ich schwebe wie auf meinen ersten Flügeln &#8211; weil gerade hat mich der vierte Flash getroffen &#8211; ich hebe ab, noch höher, zum tiefen schwarzen Loch, das mich umgibt und überall <em>space</em> genannt wird, weil es sich in alle Richtungen unendlich ausdehnt wie eine große schwarze Wolke mit kleinen Lichtern, die das ganze zusammenhalten.</p>
<p>Aber verdammt &#8211; ich bin so nah dran, am tausendsten Stockwerk, das höchste der Gefühle: Mega-Kick, Schräg-Sprung, quer über das Dach und ab ins Universum, das nur einmal existiert und nicht auf mich wartet &#8230;</p>
<p>Gerade bin ich so weit, will mich in den fünften Flash reinklinken, der mich noch <em>higher </em>kickt, in die unendlichen Tiefen da oben &#8211; als vor mir das beschissene Licht auftaucht &#8211; hab&#8217; ich schon mal von gehört, aber live hab ich&#8217;s noch nie beschimpft. Großes, matt glänzendes <em>authorization light</em>, das sich wie eine Scheibe mit vier Adern über das ganze Dach der Welt mit ihren beschissenen Stockwerken legt, und blinkt und funkelt, wie man es von unten, 200 Etagen tiefer, gar nicht sehen konnte:</p>
<p>Die <em>ban wall</em> bedeutet totale Kontrolle über alles, was sich unter ihr aufhält. Mann, ich hab&#8217;s nie geglaubt, und jetzt grinst mich diese beschissene Wand an, als ob sie mir einen großen Strich durch die Rechnung gezogen hätte, verdammt, am liebsten würd&#8217; ich sie &#8230;</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Control reports to the police station.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignright" title="Beschützte kleine Buben fliegen high" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/09/fliegenhigh1.jpg" alt="Beschützte kleine Buben fliegen high" width="200" height="356" />So was ist echt übel, wenn man plötzlich mitbekommt, dass der ganze miese kleine Gedanke, den man hatte, als man sein ganzes Leben geopfert hat, um sich den Glider zu besorgen, sich seinen verdammten Traumsprung zu erfüllen, plötzlich aufgeht in gar nichts, sich verdunstet in irgendeinem drecks Disco-Nebel, von dem wir <em>Underzoner</em> echt die Nase voll haben.</p>
<p><em>Cop stop.</em></p>
<p>Ja, ja &#8230; Natürlich, weiß ich ja &#8211; mein Fehler! Ihr verdammten Cops braucht nicht rumzuschweben, als wenn ihr mich gleich abführen wollt &#8211; ich kann ja überhaupt nicht abhau&#8217;n, weil der fünfte Sprung ist doch eh schon seit mindestens 30 Nanosekunden vergessen! Oh Mann &#8211; da kommen sie an mein Heck geflogen und machen einen auf oberwichtig mit ihren Hyper-Zappern; dann verticken sie mir mega-phonisch, dass ich gar nicht befugt bin für die <em>ban wall</em>, ist ja auch alles total verboten und so weiter, und ich hör auch schon gar nicht mehr hin auf das Gebrabbel – ja, ja, sag ich, hab ich auch schon gehört und drehe um, zeige den Cops zum Abschied den geistigen Mittelfinger und hoffe, dass die beschissene <em>ban wall</em> nix davon scannt.</p>
<p>Bockmist. Dann flitz’ ich das Rennen halt <em>on earth</em> weiter, wie die anderen, die in Wirklichkeit nicht mal im Traum dran denken, durch die Grenze ins Weltall zu starten, wo eigentlich noch mehr Ungewissheit auf sie wartet als hier unten in ihrem kleinen dreckigen Kokon.</p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&amp;x=0&amp;ref_=nb_sb_noss&amp;y=0&amp;field-keywords=sven%20kl%C3%B6pping&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;_encoding=UTF8&amp;site-redirect=de&amp;tag=sflex-21&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=19454" target="_blank">Sven Klöpping</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
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<small>Menschgrenzen</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
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		<title>Im Land der Würmer</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 05:02:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Titelstory]]></category>
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		<category><![CDATA[enden]]></category>
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		<category><![CDATA[tod]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich klopfte gegen das Holz, aber niemand schien mich zu hören. Wie auch? Ich lag zwei Meter unter der Erde in einem Sarg mit einer Ladung Erde darauf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/friedhofsteine_350x-250x250.jpg" alt="Grab mal" title="Grab mal" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1217" />Ich konnte nicht mehr Schreiben. Ich konnte mich ja noch nicht mal mehr richtig bewegen. Ich klopfte gegen das Holz, aber niemand schien mich zu hören. Wie auch? Ich lag zwei Meter unter der Erde in einem Sarg mit einer Ladung Erde darauf. Saß ich nicht noch Minuten zuvor an meinem Schreibtisch und machte meinen ersten Eintrag in mein blankes Tagebuch? “Liebes Tagebuch…ich…ich…” Dann war es vorbei. Was für eine bescheuerte Idee es sowieso war, ein Tagebuch zu führen. Meine ehemalige Therapeutin hat mir mal dazu geraten, eins zu führen. “Das ist so was von verrückt, wenn man sich das Jahrzehnte später durchliest”, hatte sie mir gesagt. Gut, dass ich mir die Mühe nicht gemacht hatte, denn jetzt konnte ich nichts mehr lesen. Es gab nichts mehr zu schreiben und auch nichts mehr zu lesen. Alles was es gab, war die Dunkelheit, das schnelle Atmen, das tobende Herz in meiner Brust, der Druck der Innenpolsterung des Sarges gegen meinen Rücken und der Geruch von Erde und Holz. Meine Arme lagen auf meiner Brust und ich konnte meine Hände mit aller Mühe nur noch gegen das Holz über mir bewegen. Der Kasten war viel zu eng. Hatten sie mich hier mit einem Hammer reingeprügelt? Schmerzen hatte ich jedenfalls nicht und vom Tod war auch keine Spur. Ich war vor wenigen Minuten aufgewacht und suchte nach meiner Stehlampe, die neben meinem Bett stand, doch meine Arme steckten fest. Ich dachte ich würde in meinem Bett liegen. Dann fing ich an zu begreifen. Nun, ein wenig später, war mir meine aussichtslose Lage bewusst. Nein, ich konnte nicht mehr schreiben. Das war vorbei. Doch allmählich bekam ich wieder den Drang, einen Eintrag in mein neues Tagebuch zu schreiben. Es musste nun eben ohne Buch und Stift gehen. Mein Verstand musste diese Utensilien ersetzen. Die Schwärze vor mir, dann das leere weiße Blatt Papier drauf projiziert. Der Stift erschien direkt daneben und ich ließ ihn übers Blatt wandern. Es würde nie jemand lesen, aber was hatte ich schon zu verlieren? Ich hatte Unrecht gehabt: Es gab was zu schreiben und es gab was zu lesen.</p>
<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/friedhofstein_180hoch-180x250.jpg" alt="Friedhofstein" title="Friedhofstein" width="180" height="250" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1216" />“Liebes Tagebuch, der Eintrag, den ich eigentlich vor einigen Jahren machen sollte, mag heute nicht mehr ganz akkurat sein, aber das ist nun egal. Ich hätte es in dem mit leuchtenden Blumen bewachsenen Garten schreiben sollen. Nun schreibe ich aus dem Land der Würmer. In dem Garten mit den leuchtenden Blumen brachen wir Nachts immer ein und legten uns auf das Gras neben dem schmalen Steinweg, der zur Laube führte. Wir lagen da, jung und unerfahren, und machten uns Gedanken über die Zukunft. Wir zerbrachen uns die Köpfe, was denn nun werden soll. Vielleicht hätten wir uns einen eigenen Garten zulegen sollen, aber das Einbrechen machte schon Spaß. Jetzt allerdings wollte ich lieber ausbrechen, aber ich lag zu tief.” Da war wieder meine Therapeutin mit ihrer Brille, die ihr von der Nase zu rutschen drohte. </p>
<p>“Na, was machst du denn hier?” fragt sie mich.<br />
Ich hätte ja mit den Schultern gezuckt, aber ich konnte nicht.<br />
“Ich hab auch immer ein Tagebuch geführt”, sagt sie.<br />
“Ich weiß.”<br />
“Da steht so viel drin.”<br />
“Schön für dich.”<br />
“Willste mal was draus lesen?”<br />
“Klar, ich hab ja sonst nichts zu tun”, antwortete ich und war eigentlich nicht sonderlich interessiert. Sie begann ein paar Seiten vorzulesen. Über ihre Eltern, die sich immer so sorgsam um sie gekümmert hatten, und über ihre Studienzeit, die sie nie vergessen wird. Dort, an der Uni, hatte sie auch ihren Ehemann kennen gelernt.<br />
“Das war meine erste große Liebe”, sagte sie mir.<br />
“Schön.”<br />
“Mein erster Mann. Auf der Rückbank seines altes VW Käfers haben wir es zum ersten Mal getan”, fuhr sie fort.<br />
“Ich bin mir nicht sicher, ob ich das hören will,” sagte ich.<br />
“Wenn ich jetzt an das denke, wird mir ganz flau im Magen.”<br />
Ich konnte ihr Lächeln in der ganzen Dunkelheit erkennen.<br />
“Tat aber gar nicht weh.”<br />
“Freut mich.”<br />
“Er lag auf mir drauf und dann hat’s auch schon geflutscht.”<br />
“Warum liest du mir das vor?”, wollte ich wissen und ihr Lächeln wurde noch mal etwas breiter.<br />
“Na, du kannst es doch keinem mehr erzählen.”<br />
“Da hast du wohl recht.”<br />
Sie räusperte sich und feuchtete sich die Finger, um weiter zu blättern.<br />
“Das war vielleicht ein merkwürdiges Gefühl.”<br />
“Das glaub ich, aber jetzt reicht es wirklich.”<br />
“Es geht aber noch weiter.”<br />
“Verschwinde endlich, verdammt noch mal.”</p>
<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/friedhofstein_180hoch.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/08/friedhofstein_180hoch.jpg" alt="Friedhofstein" title="Friedhofstein" width="180" height="747" class="alignright size-full wp-image-1216" /></a>Mein Schrei hallte durch den ganzen Kasten und ließ die Erde darüber beben. Der Zorn eines untoten Mannes und seines toten Tagebuchs. Ich sollte vielleicht doch lieber was schreiben, bevor sich noch jemand anders hierher verirrt, der sich ebenfalls gezwungen fühlt, seine Vergangenheit indiskret vor mir auszubreiten. Jetzt wollte ich mal ein paar Worte loswerden. Ich wusste zwar noch nicht so richtig, wie ich anfangen sollte, aber wenn ich erstmal in Fahrt kam, dann würde sich vielleicht schon was brauchbares daraus ergeben. Wo sollte ich nur beginnen? Ich wurde geboren und ich bin bisher noch nicht gestorben, aber dennoch denken alle, ich wäre tot. Was für eine Überraschung es doch wäre, wenn ich es tatsächlich hier raus schaffte und ihnen wieder vor die Augen träte. Ich sehnte mich nach einigen Gesichtern und wünschte, ich könnte sie noch einmal sehen. Die Angst erreichte mich wieder und sie war wohl die beste Vorraussetzung, ein Tagebuch zu beginnen. So wie Antoine Roquentin. Ich bräuchte wahrscheinlich nur einen Sartre, der mir dabei half. Nein, das schaffe ich schon allein. Es war ja auch mein Leben und nicht Antoine’s. Der erste Satz würde sicherlich lauten: Ich weiß, dass ich hier nie mehr lebend rauskomme. Das war ein guter Anfang und ganz falsch war er auch nicht. Er war vielmehr absolut treffend, aber noch war die Angst zu groß, um diesem zweifellos zuzustimmen. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich keine Hoffnung mehr hatte. Noch immer spielte ich mit dem Gedanken, dass dies alles nur ein schlimmer Alptraum war oder falls nicht, dass ich mich doch noch irgendwie befreien würde. Falsche Hoffnung ist wie geliehenes Geld. Ich machte es meiner Therapeutin gleich und verlor mich in der Nostalgie meines kurzen Lebens. Es gab wahrscheinlich mehr schlechtes als gutes zu berichten, aber ich kann nicht sagen, dass ich mit dem Gesamtergebnis unzufrieden war. Ich bereute nichts. Natürlich habe ich mich des Öfteren zum Affen gemacht, habe falsche Entscheidungen getroffen oder meine Zeit mit nutzlosen Dingen verschwendet, aber all das hat mich letztendlich auch zu dem gemacht, was ich nun war: ein Mann, der lebendig begraben wurde. Dennoch bereue ich nichts, denn es gab ja auch so viel Schönes dort oben, an dem ich teilgenommen hab. Ich ging in der Zeit zurück und sah all die Gesichter, die meinen Weg gekreuzt hatten. Wer waren sie? Was haben sie getan? Was haben sie mir angetan? Jetzt wünschte ich mir meine Therapeutin zurück. Liegen tat ich ja schon. </p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Morgen nach der Nacht</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 05:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[unten]]></category>

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		<description><![CDATA[Hunde pissen gegen meine Tür / Bis der Gestank mich weckt / Ich halte die Luft an ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hunde pissen gegen meine Tür<br />
Bis der Gestank mich weckt<br />
Ich halte die Luft an<br />
Deck mich mit dem Kissen zu<br />
Frage mich, warum ich keine Decke hab<br />
Vergewisser mich, dass der Morgen eine Sonne hat<br />
Und schlaf dann weiter<br />
Nein, ich kann nicht<br />
Die Hunde kommen wieder<br />
Pissen nicht mehr, aber bellen laut<br />
Ich will nur wieder weg<br />
Doch der Morgen fragt mich nach der letzten Nacht<br />
Die noch schlimmer war als dieser Morgen</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Verwalter</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 22:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susann Klossek</dc:creator>
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		<category><![CDATA[politik]]></category>
		<category><![CDATA[unten]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer sitzt am Nebentisch / Irgendein Idiot / Und sondert lautstarke Redeschwalle ab / Man möchte aufstehen / Und selbigem die Fresse polieren]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer sitzt am Nebentisch<br />
Irgendein Idiot<br />
Und sondert lautstarke Redeschwalle ab<br />
Man möchte aufstehen<br />
Und selbigem die Fresse polieren<br />
Stattdessen sitzt man sich fest<br />
Und erhebt das Glas<br />
Auf die Errungenschaften der Zivilisation</p>
<p>Ich trank meinen Tall Chai Latte und dachte:<br />
Du balancierst besorgniserregend<br />
Am Rande eines grossen dunklen Lochs, mein Freund<br />
Zwischen seinen Beinen<br />
Hampelte ein Hund herum<br />
&#8220;Dein Herrchen wagt sich ganz schön weit aus dem Fenster&#8221;, flüsterte ich<br />
&#8220;Ich weiss, er ist ein Arschloch. Aber er verwaltet das Fressen.&#8221;<br />
Das ist genau das Problem: es gibt immer einen, der das Fressen verwaltet</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/mannmithund_xproc.jpg"><img class="size-full wp-image-1130 aligncenter" title="Mann mit Hund (Foto:aw)" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/05/mannmithund_xproc.jpg" alt="Mann mit Hund (Foto:aw)" width="258" height="80" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Für die Kinder</title>
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		<pubDate>Sun, 10 May 2009 22:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Mrosk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[unten]]></category>
		<category><![CDATA[weise]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier gab es sie alle: Junge, aufstrebende Literaturstudenten, die schon heimlich ihre Dankesrede für den Nobelpreis geschrieben hatten oder die verträumten Boulevard-Zeitschriften-Dichter, die Posie für ihre Blumentapete schrieben. Es gab Schreiber, die Kredite aufgenommen hatten, damit sie ihre Book-on-Demand Bücher in den Druck geben konnten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>“Warum schreiben wir? Wie oft hat sich das schon einer von euch gefragt? Geht es um die Dinge, die wir nicht vergessen können &#8211; oder wollen? Dinge, die wir nicht verstehen und….” Der Professor ließ seinen Kopf nach unten fallen, um über seine runde Brille schauen zu können, und zog die Augenbrauen hoch. Die Falten auf seiner Stirn waren so tief, dass man dachte, jemand hätte sie mit einem Messer in die Haut geritzt. Ein junger Teilnehmer des Schreibkurses, der weiter vorne saß hatte seine Hand gehoben.</p>
<p>“Ja bitte”, sagte der Professor und deutet auf den jungen Mann in der zweiten Reihe, der seinen Arm nun wieder runternehmen konnte.<br />
“Ich hab Angst vor Papier”, sagte der junge Typ verlegen.<br />
“Was hat das mit meiner Frage zu tun?”<br />
“Das nennt man Papyrophobie”, rief einer von ganz hinten.<br />
Paul mit dem Schnurrbart fing an zu lachen.<br />
“Der hat ja voll einen an der Waffel” platzte es aus ihm heraus.<br />
Der Typ aus der zweiten Reihe drehte sich zu Paul.<br />
“Was ist denn da so komisch dran?”<br />
“Nun lasst uns doch mal bitte zu meiner Frage zurückkehren.” Der Professor bat wieder um Aufmerksamkeit und klopfte mit seinem Stift auf das Pult.<br />
“Um unserer Fantasie ein Forum zu geben?”, rief ein anderer dazwischen.<br />
Der Professor nickte nicht ganz unzufrieden.<br />
“Um nicht zu vergessen”, sagte ein junges Mädchen aus der ersten Reihe.<br />
“Gut möglich”, so der Professor.<br />
“Weil wir nichts anderes können”, sagte ich ohne meinen Arm zu heben.</p>
<p>Unruhe kam auf. Einer sagte, dass es mit Sicherheit noch viel mehr gebe, dass er gut beherrschen würde, aber das Schreiben würde ihn halt reizen. Ein weiterer Teilnehmer machte auf das instinktive menschliche Verlangen, sich mitzuteilen, aufmerksam, während ein älterer Typ seine Brille zurecht rückte und noch hinzufügte, dass es auch den Reiz, nicht vergessen zu werden, in sich berge.<br />
“Das hab ich doch gerade gesagt”, sagte das Mädchen aus der ersten Reihe und drehte sich um.<br />
“Du hast gesagt, um nicht zu vergessen … nicht vergessen zu werden ist aber was ganz anderes”, antwortete der Typ mit der Brille prompt.<br />
“Glaubst du denn wirklich in hundert Jahren liest noch einer deine Geschichten?”, fragte das Mädchen kess.<br />
“In hundert vielleicht nicht, aber…” Der mit der Brille stockte und dachte nochmal eine Sekunde darüber nach. “Ja, warum denn nicht?”<br />
Das Mädchen drehte sich wieder zum Pult und lachte.<br />
“Ha, das Vierauge denkt, er wäre ein Apostel.”<br />
“Was ist denn das für eine schwachsinnige Aussage”, feuerte er gleich zurück.<br />
“Kinder, Kinder”, rief der Professor ins Klassenzimmer und hielt die Hände ermahnend hoch, “Wir wollen uns doch hier nicht gegenseitig die Motivation stehlen. Ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen.”<br />
“Ich hab die 75 Euro im Voraus bezahlt, gibt es die Möglichkeit, einen Teil davon wieder zubekommen, sagen wir mal, wenn man mit dem Seminar nicht zufrieden war?”, fragte Paul ganz beiläufig.<br />
“Das steht hier nicht zu Debatte, jeder von ihnen wird hier schon auf seine Kosten kommen”, versicherte uns der Professor.</p>
<p>Hier gab es sie alle: Junge, aufstrebende Literaturstudenten, die schon heimlich ihre Dankesrede für den Nobelpreis geschrieben hatten oder die verträumten Boulevard-Zeitschriften-Dichter, die Poesie für ihre Blumentapete schrieben. Es gab Schreiber, die Kredite aufgenommen hatten, damit sie ihre Book-on-Demand Bücher in den Druck geben konnten, um dann jeder Tussi im Bekanntenkreis von ihrer Autorenkarriere zu berichten. Eine junge Frau saß an einem Tisch in der Ecke des Raumes. Sie trug eine Brille mit schwarzem Gestell und stellte dauernd Fragen nach der Philosophie des Schreibens. Sie lächelte so gut wie nie und kümmerte sich stets um den korrekten Sitz ihres spitzen Kragens. Sie hatte eine lange Nase, ein sehr schmales Gesicht, das von dunkel-blonden Locken umgeben war. Im Sarah Jessica Parker Double Contest hätte ich ihr auf jeden Fall das Halbfinale zugetraut. In jüngeren Jahren war sie bestimmt mal die Herausgeberin der Schüler-Frauenzeitschrift, die in jeder zweiten Ausgabe ein Gratis-Kondom mit herausbrachte. Ficken ja, aber verlieben nein, denn Männer sind ja sowieso alles Arschlöcher und wir emanzipierten Frauen mit Designerbrillen und Zehner-Karte fürs Fitness-Center mit Gratis-Protein-Shake im Monat, haben etwas Besseres verdient. Hier saß ich nun und trauerte meinen 75 Euro nach. Das ich mich zur Teilnahme an diesem Kurs entschieden hatte, war mehr oder minder eine Kurzschlussreaktion gewesen. Ich saß zu Hause herum, blätterte durch meine Absagen zahlreicher Verlagshäuser und dachte mir, dass ich es vielleicht mal über einen akademischen Umweg versuchen sollte. Wie viele Schreiber hatten es denn schließlich schon von der Straße geschafft? Nicht jeder wird ein Bukowski, ein John Fante oder ein Hubert Selby Jr. Diese Leute haben doch den vielen verlorenen Schreiberseelen den ganzen Mist erst eingebrockt. Ich sehe diese verzweifelten Schreiberlinge vor meinem geistigen Auge: sie sitzen zu Hause, leeren eine Flasche Bier nach der anderen, schreiben von ihren Tagen in der Gosse und hoffen auf ihren großen Durchbruch. Fante hat&#8217;s geschafft. Dann pack ich das auch! Ich sollte vielleicht einfach eine Geschichte schreiben, sie zwanzigtausend Mal ausdrucken und dann die Blätter in der Innenstadt verteilen. Vielleicht kommt ja jemand daher und erzählt mir was für ein unglaubliches Talent ich doch besitze. Dann lächele ich und fühle mich geschmeichelt. Oh, Mann. Ich sollte vielleicht auch mal meinen Arm heben und eine Frage stellen. Schließlich habe ich einiges hingeblättert für diesen Kurs.</p>
<p>Ich hob meinen Arm und kurz darauf nahm mich der Professor auch schon dran.<br />
&#8220;Wann, denken Sie, ist der Punkt gekommen, an dem man sich eingestehen sollte, dass man es einfach nicht drauf hat?&#8221;, fragte ich und der Professor schaute nachdenklich zu Boden. Mit einer müden Bewegung stand er auf und trottete langsam durch den Raum. Er nahm seine Brille ab und begann auf dem Gestell herum zu kauen. Er bemerkte meine negative Haltung zu der ganzen Sache und wollte nun einmal mehr das Boot vor dem sicheren Untergang bewahren. Er atmete tief ein, kratzte sich die Stirn und machte seinen gekrümmten Rücken gerade. Er stand da, als wäre er im Begriff, vor der ganzen Nation die Nationalhymne zu singen, doch stattdessen sagte er einfach nur in lakonischer Art: &#8220;Jedem ist es selbst überlassen, wann er aufgeben will, aber raten würde ich es keinem.&#8221;</p>
<p>Ich war mit der Antwort nicht sonderlich zufrieden, aber wahrscheinlich wäre ich mit keiner Antwort zufrieden gewesen. Jeder schaute in diesem Moment auf zu unserem Kursleiter wie zu einem Fremdenführer, der uns aus der trostlosen Wüste hinein ins gelobte Land führen sollte. Doch dieser Führer hatte eigentlich gar keine Ahnung. Er wusste nicht mehr als wir. Jeder hier wusste eigentlich gar nichts und doch nahm er sich das Recht eines angehenden Fachmanns heraus. Wir waren doch nichts. Wir schrieben auch nichts. Wir sagten auch nichts. Wir verbrachten nur unsere gottgegebene Zeit hier und stierten Löcher in die Luft.</p>
<p>&#8220;Lasst uns eine Geschichte schreiben&#8221;, sagte der Professor schließlich und gab uns als Hausaufgabe für den nächsten Tag eine Geschichte ohne irgendeinen Themenbezug auf. Alle verabschiedeten sich und schmiedeten schon heimlich Pläne, wie man wohl am morgigen Tag den gesamten Kurs mit einer fetzigen Geschichte weghauen könnte. Ich ging nach Hause, trank zwei Flaschen Wein und machte mich an die Arbeit. Bis zu der Sekunde, in der ich vor den anderen Schreibern in spe den Text vortrug war mir eigentlich nicht ganz bewusst, was ich überhaupt geschrieben hatte. Ich setzte an und las vor. Immer wieder verdrehten die Leute im Kurs die Augen oder fingen an zu lachen, während ich vorlas. Dann war es irgendwann zu Ende und überraschenderweise blieb der Applaus aus. Vielleicht hätte ich vorher dem Kursleiter etwas besser folgen und den einen oder anderen Hinweis zur Kenntnis nehmen sollen.</p>
<p>&#8220;Deine Geschichte ergibt doch überhaupt keinen Sinn&#8221;, sagte Paul zu mir und ich lächelte.<br />
&#8220;Der tiefere Sinn steckt im zweiten Absatz&#8221;, sagte ich und versicherte mich selbst nochmal. Ja, genau dort lag er verborgen. Aber das versteht ihr alle nicht. Ich nehm mir jetzt mein Robert-Frost-Gedichtebuch, stell mich in die Ecke und höre einfach nicht mehr zu. Da lerne ich doch bestimmt mehr, als in dieser inkompetenten Runde hier. Doch lasst mich vor meinem großen Abtritt noch einmal kurz jemanden zitieren. Ja, ein Zitat. Das passt hier so wunderbar her. Ich zitiere also Bertolt Brecht: <em>So mancher wollt so manches haben was für manchen gar nicht gab: Er wollt sich schlau ein Schlupfloch graben und grub sich nur ein frühes Grab.</em></p>
<p>&#8220;Der nächste, bitte&#8221;, sagte der Professor und die Blümchentapeten-Dichterin legte los. Nach der Vortragsstunde bat der Professor jeden von uns zu einem persönlichen, abschließenden Gespräch zu sich ins Büro.<br />
&#8220;Herr &#8230; ,&#8221; begann er und versuchte sich zu erinnern.<br />
&#8220;Nennen Sie mich wie Sie wollen.&#8221;<br />
&#8220;Genau da liegt das Problem.&#8221;<br />
Er goss sich Kaffee aus der Kanne in seine Peanuts-Tasse und begann ein paar Zuckertüten aufzureißen. Das Büro wirkte auf mich mehr wie eine kleine Kantine, als ein Büro. Ein Kühlschrank, eine Mikrowelle, Elektroherd, frische Weintrauben in einer mit Wasser gefüllten Schale, Bananen, glänzende Kirschen in einem Schälchen. Ein kleines Schlaraffenland mit einem schmalen Schreibtisch, einem hölzernen Stuhl davor und ein gerahmtes Mark Rothko Bild an der Wand, das hier ungefähr so gut reinpasste wie der Teufel in den Petersdom.<br />
&#8220;Also, Herr &#8230; .&#8221; Der Professor schob seine Brille hoch. &#8220;Wie spricht man das aus?&#8221;<br />
&#8220;Hat ihnen meine Geschichte gefallen?&#8221; fragte ich.<br />
&#8220;Im Großen und Ganzen &#8230; sagen wir mal &#8230; ja.&#8221;<br />
Ich schmunzelte und trauerte einmal mehr meinen 75 Euro nach.<br />
&#8220;Das Problem mit ihrem Text ist, dass ich nicht sonderlich schlau daraus werde.&#8221;<br />
&#8220;Ach ja?&#8221;<br />
&#8220;Was soll er aussagen und für wen soll er geschrieben sein?&#8221;<br />
&#8220;Sie meinen so eine Art Botschaft?&#8221;<br />
&#8220;Genau. Wie jede Geschichte sie hat.&#8221;<br />
&#8220;Könnte es nicht sein, dass Sie die Botschaft einfach nicht bemerkt haben?&#8221;<br />
&#8220;Aber wenn ich sie nicht bemerke, dann haben Sie doch irgendwie das Ziel verfehlt.&#8221;<br />
&#8220;Das Problem ist wohl, dass, und nun sind wir beim zweiten Punkt, den Sie angesprochen haben, meine Zielgruppe wahrscheinlich nicht aus solch hochangesehenen, akademischen Schwergewichtlern besteht.&#8221;<br />
&#8220;Und wer ist Ihre Zielgruppe? Für wen schreiben Sie?&#8221; fragte er abschließend und nahm seine Brille ab.<br />
Ich ging einen Moment in mich und überlegte mir, ihm eine Antwort darauf zu geben, aber ich dachte mir, er wird vielleicht selbst früher oder später darauf kommen oder er wird mich einfach vergessen. Keine fünf Sekunden nachdem ich aus der Tür bin, wird er schon den nächsten Kursteilnehmer zu sich herein bitten und ihn mit ähnlichen Kritikpunkten konfrontieren, ohne auch nur einen Funken Erinnerungsvermögen an mich zu verschwenden.</p>
<p>&#8220;Kann ich mir eine Banane mitnehmen?&#8221;, fragte ich höflich, und in seiner Perplexität brachte er es nur zu einem Nicken. Ich griff mir das Obst, begann schon beim Hinausgehen mit dem Schälen und verschwand.<br />
&#8220;Vielen Dank und viel Glück noch&#8221;, sagte ich und biss zu.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Nachmieter gesucht</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 06:17:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anton Velhagen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
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		<description><![CDATA[sie hatte die schufa selbstauskunft 
schon dabei
die blöde streberin
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/nachmieter_258px.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/nachmieter_258px.jpg" alt="nachmieter_258px" title="nachmieter_258px" width="258" height="75" class="alignright size-full wp-image-989" /></a><br />
erst kamen die anrufe<br />
dann die termine</p>
<p>da kam der alte mann<br />
er sei banker, sagte er,<br />
habe nicht damit gerechnet,<br />
5 jahre vor der rente<br />
noch nen job zu kriegen<br />
mein kleines bad, das sei okay für ihn<br />
derzeit wohne er<br />
für 300 mit stockwerksklo</p>
<p>dann kam dieses pärchen<br />
ein bisschen schnuffig<br />
fanden dies gut und jenes<br />
ob man da oben was ablegen könne<br />
ob das da unten so bleiben müsse<br />
sie wollten es sich nochmal überlegen</p>
<p>dann kam diese schnickse<br />
gepflegte erscheinung, gute zähne<br />
ipod-ohrhöhrer baumeln aus dem kragen<br />
guckte alles kritisch an<br />
nörgelte hier und da<br />
hatte die schufa selbstauskunft schon dabei<br />
die blöde streberin</p>
<p>dann kam dieses andere pärchen<br />
total nett und lieb und so<br />
fanden alles toll<br />
wollten sofort einziehen<br />
ich nannte sie im geiste maria und joseph<br />
sie war schwangere schauspielerin<br />
er student<br />
die kamen wohl nicht in frage</p>
<p>der banker wurde es dann auch nicht<br />
er wurde zum ende der probezeit gekündigt</p>
<p>ist mir auch egal<br />
ich will eure scheiss schicksale nicht<br />
ich will nur einen nachmieter</p>]]></content:encoded>
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		<title>271</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2004 18:16:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>271</dc:creator>
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		<category><![CDATA[politik]]></category>
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		<description><![CDATA[die fenster ohne griffe
KULTUR
Amt für 
ohne Grenzen
Einwohneramt
Ausländerangelegenheiten
für das
multikulturelle
Nürnberg]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>die fenster ohne griffe<br />
KULTUR<br />
Amt für<br />
ohne Grenzen<br />
Einwohneramt<br />
Ausländerangelegenheiten<br />
für das<br />
multikulturelle<br />
Nürnberg<br />
Wartemarken<br />
sin fronteras<br />
- Aufenthaltsgenehmigungen<br />
- Asylangelegenheiten<br />
Polnische Tänze<br />
senza frontiere<br />
- Duldungen<br />
- Einreise und Visaangelegenheiten<br />
Partnerstadt Krakau<br />
sinir tanimaz<br />
- Einladungen<br />
- Verpflichtungserklärungen<br />
without frontiers<br />
8 Euro<br />
&#8216;hoffentlich<br />
nimmt der automat<br />
auch kleine münzen&#8217;<br />
bez granic<br />
&#8216;das ging aber schnell, danke&#8217;<br />
- Aufenthaltsbeendigung<br />
(Ausweisung/Abschiebung)<br />
Schalter</p>]]></content:encoded>
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