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	<title>Zarathustras miese Kaschemme &#187; zigaretten</title>
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	<description>Blog &#38; Magazin für exzentrische Literatur</description>
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		<title>Befreiung mit schwerem Gerät</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 11:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Roßmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erzählung mit Bube und Dame : ... Ich krieche den Gang entlang, wobei der Morgenstern hinter mit eine tiefe Rinne in den Lehmboden gräbt. Ich bewege mich ungestört. Kein Wasser tropft in meine Augen, wenn ich zur Decke blicke. In der Nähe der Gitterstäbe atme ich den Geruch von Fleischresten und Ammoniak ein, aber selbst wenn nichts auf Leben hinweisen würde, hätte ich keine Sorge, meine Schwester aufzuspüren, die sich hier befindet, seit sie anfing, nach Luft zu schnappen und die Augen zu verdrehen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="560" height="315"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/kCkJFul8GBI?version=3&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/kCkJFul8GBI?version=3&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="315" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>]]></content:encoded>
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		<title>Zucht und Ordnung</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 09:59:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stöger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Story]]></category>
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		<description><![CDATA[Weder Uniform noch ähnliche Insignien machten ihn kenntlich. Und doch - dieses raumgreifende Wippen in den Beinen. Dieses stete Rearrangieren der Achselpartie, als müsse er imaginäre Schulterklappen zurechtrücken. Gestrengen Blickes musterte er alle Passanten, einem tatendurstigen Zerberus gleich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es begab sich eines schönen Mittages. Genauer gesagt, am letzten Februartag dieses Jahres.<br />
Ich hatte eben ein Geschäftslokal verlassen und war guter Dinge (eine für mein veraltetes Betriebssystem passende AGP-Karte in der Tasche, welche zufällig gerade &#8230; aber das gehört nicht hierher). Wie auch immer. Ich blinzelte in die Sonne, zündete mir eine Zigarette an und begab mich frohgemut zur U-Bahn-Station.<br />
Nicht, daß Sie nun denken, ich wollte Schwarzfahren. Weit gefehlt! Meine Finger umspielten bereits die Zwei-Euro-Münze, als ich mich der schweren Glastür näherte.<br />
Und da war er.<br />
Weder Uniform noch ähnliche Insignien machten ihn kenntlich. Und doch &#8211; dieses raumgreifende Wippen in den Beinen. Dieses stete Rearrangieren der Achselpartie, als müsse er imaginäre Schulterklappen zurechtrücken. Gestrengen Blickes musterte er alle Passanten, einem tatendurstigen Zerberus gleich.<br />
Sie ahnen, was folgt? Sie täuschen sich. Und ich &#8211; zumal in Unkenntnis narrativer Kausalität &#8211; registrierte die merkwürdige Gestalt nur im Augenwinkel, während ich auf die (wenige Meter hinter den erwähnten Türflügeln befindlichen) Automaten zuhielt.<br />
&#8220;Wann ihnan do drin wer mit da Zigarettn dawischt, kost des vierzig Euro!&#8221;</p>
<p>Ich hielt inne. Eine Hand am Türgriff, wandte ich den Kopf dem eifrigen Sprecher zu. Was wollte er? Lächelnd erkundigte ich mich, ob es wohl gestattet sei, mir einen Fahrschein zu kaufen und dann hier draußen fertigzurauchen.<br />
Seine Hände &#8211; eben noch amtlich am Steißbein gekreuzt &#8211; fuhren in abwehrender Geste nach oben. &#8220;Na, mir is jo wurscht! Ii bin ned von die Verkehrsbetriebe! Ii sog nua.&#8221;<br />
Leicht verwirrt betrat ich das Foyer, löste eine Karte und begab mich brav wieder hinaus. Wer immer dieser seltsame Heilige sein mochte; schließlich konnte ich auch von hier oben das Nahen der Züge verfolgen (für Ortskundige: es war die U4-Station &#8220;Unter St.Veit&#8221;).<br />
Ich rauchte. Ich wartete. Hinter mir waren durch den Verkehrslärm federnde Schritte zu vernehmen, auf und ab marschierend.<br />
Dann ging mit einem Male alles sehr schnell. Ich sah den Zug kommen, warf die Zigarette weg, griff nach der Tür &#8230;<br />
&#8220;Und wanns den Tschick do heraußn wegschmeißn, kost des sechsadreißig Euro!!!&#8221;<br />
&#8230; und ging hinein. Indes ich mir am Weg über die Stiege noch dieses Triumphgeheul zu erklären versuchte &#8211; von unten war bereits das Rattern nahender Räder zu hören -, ertönte die Stimme abermals, in meinem Rücken: &#8220;Hee! Sie! Se san verpflichtet, mir ihren Ausweis zu zagn!&#8221;<br />
Ich warf einen Blick über die Schulter, der Mann kam schnaufend hinter mir hergerannt, er schrie: &#8220;Wos is &#8211; werma de Polizei brauchn?!&#8221;<br />
Der Triebwagen hatte fast das Ende der Station erreicht. Ohne die Schritte zu verlangsamen, fragte ich den Wütenden konsterniert, was er überhaupt im Sinn hätte; ich wußte es wirklich nicht. Ein Verrückter? Oder hatte auch er Probleme mit seinem Betriebssystem?<br />
<img class="alignright size-medium wp-image-1764" title="Hund" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/10/Hund-280x210.jpg" alt="" width="280" height="210" />&#8220;Sie ham eine Zigarette weggeschmissen! Das ist verboten! Gemäß dem Wiener Reinhaltungsgesetz!!&#8221;</p>
<p>Stop.<br />
Halten wir den Film kurz an. Standbild: Zwei Personen auf der Treppe, noch etwa zehn Stufen vom Absatz entfernt. Ein Zug, eingefahren; am Bahnsteig Wartende, die sich den Waggontüren nähern.<br />
Ich überlege. Wer ist der Mann? Nach eigener Aussage kein Bediensteter der Verkehrsbetriebe. Warum läuft er mir dann jetzt nach? Ich beginne, zu verstehen. Ein Magistratsbeamter offenbar, mit der Tagesmission, achtlose Raucher zu stellen.<br />
Ah, ja. Der Stationsbereich der Wiener Linien ist nicht sein Revier, aber er weiß: davor lassen sich einschlägige Umweltsünder am ehesten ertappen. Wer nun &#8211; wie ich &#8211; samt Tschick hineingeht, entkäme ihm als Kandidat. Also zitiert er hilfsbereit die Vorschriften der Verkehrsbetriebe, lockt den Kunden zurück und harrt seiner Chance &#8230;<br />
Nein. Man müßte wahrlich paranoid sein, anzunehmen, daß sich unsere wackeren Stadtbediensteten solch perfider Tricks befleißigten. Zumal nicht weggeräumter Hundekot auch 36,- einbringt. Respektive einbrächte; oder haben Sie schon jemals erlebt, daß ein Herrl von einem Organ des Magistrates angesprochen wurde (bzw. gar mit der Androhung von Polizeigewalt konfrontiert)? Eben.<br />
Lassen wir den Film also weiterlaufen.</p>
<p>Ich schnauzte den Echauffierten ungnädig an, mir gefälligst nicht auf die Nerven zu gehen, und setzte meinen Weg fort. Woraufhin er stehenblieb und drohend sein Handy zückte.<br />
An dieser Stelle hielt die Regie noch eine etwas unnötige Pointe bereit &#8211; die Garnitur fuhr nämlich durch. Es war eine Fahrschule. Die Anzeige am Perron verkündete &#8220;3 Minuten&#8221; bis zur Ankunft des regulären Zuges.<br />
Damit war das Spannungspotential aber auch schon erschöpft, denn weiter geschah nichts, das die Handlung zu einem originellen Ende gebracht hätte. Ich ging langsam zum hinteren Stationsbereich und überließ den Hüter der Reinlichkeit seinem Schicksal.<br />
Wen mag er wohl angerufen haben? Falls es die Exekutive war, benötigte sie anscheinend länger als drei Minuten, um den Tatort zu erreichen. Vielleicht hat er aber auch nur der Telefonseelsorge sein Leid geklagt.<br />
Ich jedenfalls war um die Erkenntnis reicher geworden, daß es theoretisch teurer kommt, in den Gefilden der Wiener Linien eine Zigarette zu rauchen, als eine solche auf die Straße zu werfen. Oder seinen Hund aufs Trottoir &#8230; na, Sie wissen schon.</p>
<p>Später in der U-Bahn dann &#8211; die Sonne schien freundlich durchs Fenster &#8211; plagte mich doch ein wenig das schlechte Gewissen. Schließlich hatte er mir ja nur helfen wollen, vier Euro zu sparen.</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
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		<title>Aussage</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 14:11:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>R.Gruwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Miniatur]]></category>
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		<description><![CDATA[Als er mit seinem blutenden Schädel in der Tür stand, dachte ich zuerst er kommt direkt aus dem Himmel und ein Engel wartete draußen im Taxi und die Zeit läuft gegen ihn und mich und wir haben bloß noch ein paar Minuten, um uns zu verabschieden. Doch es war nicht sein Blut, das meinen gerade, frisch abgezogenen und lackierten Fußboden versaute.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Als er mit seinem blutenden Schädel in der Tür stand, dachte ich zuerst er kommt direkt aus dem Himmel und ein Engel wartete draußen im Taxi und die Zeit läuft gegen ihn und mich und wir haben bloß noch ein paar Minuten, um uns zu verabschieden. Doch es war nicht sein Blut, das meinen gerade, frisch abgezogenen und lackierten Fußboden versaute. Es war ihr Blut. Sie kam von Amsterdam und hat seinen faulen Hintern, aus seinen dicken, verdammt bequemen, braunen Ledersessel gerissen und hat ihn durch die ganze Stadt geschleift, bis er nicht mehr wusste wo ihm der Kopf stand. Und er war glücklich wie noch nie in seinem Leben. Ja gut, sie war nicht einfach und leicht zu verstehen, sie konnte einem ganz gewaltig auf die Nerven gehen und dass sie mich ein versoffenes, arrogantes, altes Arschloch nannte, hab ich ihr schon ein bisschen übel genommen. Doch was soll´s, sie war schon eine tolle Frau. Und mit dem Trinken hab ich schon ein kleines Problem. Schuld war nur dieser verflucht heiße Sommer, in dieser beschissenen Stadt wo jeder Schritt in einem Hundehaufen endet und wenn dich dann auch noch die Frau verlässt, die du liebst und deine letzten Träume mitnimmt und nichts als ein riesengroßes Fragezeichen in deinem Kopf hinterlässt, dann kann man schon mal durchdrehen. Herr Kommissar.</p>
<p>&#8211;<br />
<strong>Text anhören:</strong><br />
<small><strong>&#8220;Aussage&#8221; &#8211; 3´57</strong><br />
Musik: M. Dreesen / R. Gruwe &#8211; Text: R.Gruwe -M. Dreesen: Gesang &#8211; Chr.Strauß: Git, Fender Rhodes &#8211; Samuel Beck: Bass, Gesang &#8211; Jakob Peters: Schlagzeug – Aufgenommen &amp; abgemischt von Stefan Hilbricht</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Portwein</title>
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		<pubDate>Sun, 08 May 2011 02:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Fightestörk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir reißen die Straßen auf mit unseren Hacken im Großstadtsuff, wütend, mit geblähten Hemden fackeln wir die müllgefütterten Bäuche der Glashäuser ab, und lassen uns nicht aufhalten von unsichtbaren Linien und Kreidestrichen, von Generaldirektoren und Agenturräten gezogen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>(Stimme: Alan Neon; Fotografie: Rafael Pielorz; Text: J. F.)</em></p>
<p><object width="600" height="371"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/f6_2ik6OdqI?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/f6_2ik6OdqI?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="371" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Wir reißen die Straßen auf mit unseren Hacken im Großstadtsuff,<br />
wütend, mit geblähten Hemden fackeln wir die müllgefütterten Bäuche der Glashäuser ab,<br />
und lassen uns nicht aufhalten von unsichtbaren Linien und Kreidestrichen, von Generaldirektoren und Agenturräten gezogen,<br />
von schmalgesichtigen Polizisten die aus Silberschweifen hechten und ihre Schultersterne sprechen lassen,<br />
von der kosmischen, unverzeihenden Investigationstruppe,<br />
von den Lou Salomés in den einladend pulsierenden musikzerrütteten Stätten mit den einladend pulsierenden Körpern,<br />
von den Blechmonstern, die uns am anderen Ende der Welt wieder ausspucken,<br />
von den Heilanstalten, den vollgestopften, die uns wild gestikulierend aufnehmen würden, denn nicht mal dort gibt es noch große Menschen,<br />
von den tollwütigen Hundebesitzern auf der Straße, den tollwütigen geprellten Laternennutten in ihrem Kiezer Zwirn,<br />
von hysterischen vollgeschnupften Halbglatzen, Diamantenhändlern, von philosophielosen Ärschen, die unter Röcken herausschießen,<br />
von Fixern in der leergesaugten Morgendämmerung,<br />
wir sind uns selbst überdrüssig, der Linke ist dem Rechten überdrüssig, wir spucken auf unsere eigenen Gräber,<br />
der Linke auf den Epitaph des Rechten, wir rotzen auch den Generaldirektoren und den Louise von Salomés und den Psychiatern und dem Linken aufs Grab,<br />
in lustloser Masturbation gegen die Würde selbst gerichtet, den rechteckigen Tullamore Dew im Holster, die Revolvertöpfe in Fensterspalten prustend koksen wir für die Ehrlichkeit,<br />
eingerahmt für die nächsten Stunden, mit teuren Lederstiefeletten und wildwüchsigen Haaren, ungewaschen und unparfümiert die Straße tretend,<br />
die Welt wird nach hinten geschoben, nicht wir vorwärts – im Staccatogalopp vorbei am Morgengrauen,<br />
an Persiluhren und Abendkinos, an alten, verschmutzten und verfetteten Göttern,<br />
Existenzialisten in Mindestpreis-Polyesterhosen,<br />
berühmt an den Tastaturen, von der Kritik gefeiert,<br />
mit Starkstromkabeln im Zirkus Maximus,<br />
irgendwann Essen an Zechenhäuser in dunkelroten Vans ausliefernd oder<br />
in Apartments mit Glasfronten und rauchenden Mädchen auf dem Balkon<br />
oder in der Strafvollzugsanstalt wegen Selbstjustiz und Exhibitionismus,<br />
mit einer biologischen Uhr mit siebzehn Zeigern und keiner einzigen Zahl,<br />
unbenutzte italienische Stillets in der Brusttasche und keine zwei Zentiliter Blut zu vergeuden,<br />
mit Kiloweise Hass auf großmäulige Scharen in Theatersälen und unter Wärmepilzen in Wintergärten,<br />
auf kalte deutsche Wälder, auf Lichterketten in den multiplen dreckigen Seitenarmen von Imbiss-Hauptstraßen,<br />
auf Richard Wagner, auf alle Zigarettenmarken außer Marlboro, mit Hirnen wie Boas im Kampf,<br />
sich um sich selbst windend, luftlos, glatt und tödlich,<br />
Sie sperren sich in Toilettenkabinen weg, mit Antibiotika im Rachen und Melonenkernen in den Taschen,<br />
Herbie Hancock die ganze Nacht in den Ohren, und trinken Filterkaffee am nächsten Morgen:<br />
Guten Morgen ihr norwegischen Bärenjäger, ihr Frühaufsteher, Shaolinmönche mit Eiern wie Zwei-Euro-Stücke, ihr Taschentotschläger,<br />
guten Morgen Brandlöcher in Anzughosen, guten Morgen Kiew, guten Morgen ihr Fensterläden und Chesterfieldsessel,<br />
guten Morgen ihr runden Arschlöcher rotgerieben vom abendlichen Schiß, guten Morgen Vietnam,<br />
guten Morgen ihr dänischen Biere die nach Brausepulver schmecken, guten Morgen Kolibris die für einen Fick 500 Herzschläge brauchen,<br />
guten Morgen Galgen, du wirst vom Berg geschnitten!<br />
Und sie reißen den Tag runter und fürchten sich vor nichts und trinken Portwein am nächsten Abend.</p>
<p><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2011/05/portwein.jpg" alt="Fotografie: Rafael Pielorz" title="Fotografie: Rafael Pielorz" width="600" height="300" class="aligncenter size-full wp-image-1586" /></p>
<p>&nbsp;<br />
-<br />
&#8211;<br />
&#8212;</p>
<hr />
<p><strong>Bücher von <a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;search-alias=books-de&#038;ref_=ntt_athr_dp_sr_1&#038;field-author=Johannes%20Fightest%C3%B6rk&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454" target="_blank">Johannes Fightestörk</a>:</strong></p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" align="center" bgcolor="#FFFFFF">
<tbody>
<tr style="vertical-align: top; horizontal-align: left;">
<td width="280">
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3868585230/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;tag=sflex-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3868585230" target="_blank"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;Format=_SL160_&#038;ASIN=3868585230&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=AsinImage&#038;WS=1&#038;tag=sflex-21&#038;ServiceVersion=20070822" /><br />
<small>Sinthom</small></a></td>
<td width="280">
</td>
</tr>
</tbody>
</table>]]></content:encoded>
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		<title>Ausflug mit Heinzi</title>
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		<pubDate>Sun, 31 May 2009 22:01:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heinzi hat mir seinen verfaulten Zahn geschenkt. Es war der drittletzte oben in der Mitte, die anderen beiden sind nur zu sehen, wenn er lacht. Heinzi lacht oft. Ich weiß, was ihm dieser Zahn bedeutete.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heinzi hat mir seinen verfaulten Zahn geschenkt. Es war der drittletzte oben in der Mitte, die anderen beiden sind nur zu sehen, wenn er lacht. Heinzi lacht oft. Ich weiß, was ihm dieser Zahn bedeutete, ein echtes Geschenk. Sonst macht Heinzi meistens kurzen Prozess, wacklige Zähne zieht er einfach raus, und dann röchelt er sich einen. Röcheln ist sein Lachen. Für einen Spastiker kann er ganz gut sprechen: langsam, vermurkst, gequetscht. Wir beide können uns unterhalten. Aber in der Schule ging&#8217;s für ihn irgendwann nicht mehr weiter. Als sein Gelalle und Gezucke schlimmer wurden, schmissen sie ihm als Trost die Mittlere Reife hinterher &#8211; sein Traum vom Abitur war ausgeträumt, ein Tiefschlag für Heinzi, auch noch nach Jahren.<br />
„Nu brauch ich&#8230; ’n Gebiss.“<br />
Guter Witz, er röchelt, ich grinse ihn an.</p>
<p>Sie hätten ihn wieder vergessen – Heinzi, dieser Lügner. Ich sag’ dazu nichts mehr. Der Fahrer, der die Leute von der Werkstatt nach Hause fährt, ist Zivi wie ich, er hat mir vorher Bescheid gesagt.<br />
„Was grölst du hier so laut rum?“ Die sanfte Tour ist bei Heinzi nicht angesagt, steht er sowieso nicht drauf. Wenn er durchdreht, schnauz’ ich ihn voll an. Ein Mal schrie er so lange im Scherenlager, bis der Dorfpolizist anrückte.<br />
„Vergessen mich hier. Bin’n armes Schwein.“<br />
„Logo.“<br />
„Tour machen, hey? Vielleicht&#8230; kommt mein Kumpel.“<br />
„Du nervst.“<br />
<a href="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/rollstuehle_350x250.jpg"><img src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/04/rollstuehle_350x250-250x250.jpg" alt="rollstuehle_350x250" title="rollstuehle_350x250" width="250" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-1121" /></a>Bevor wir auf Tour gehen, muss ich den Rollstuhl vollpacken, er hat hinten ein extra großes Netz – obenauf die drei Sixpacks, die sind am wichtigsten, Zigaretten, eine Flasche Wasser, Pampers, Ersatzwäsche und den Beutel mit den Pillen.</p>
<p>„Alles okay&#8230; mit Carlo?“ Heinzi meint meinen Chef. Dem passt es nicht, dass ein Zivi mit einem seiner Behinderten säuft. Kein Alkohol bei der Arbeit, trotzdem haben Carlo und ich unser kleines Geheimnis: den abgeschlossenen Spind mit den Sixpacks. Er sorgt stillschweigend für Nachschub. Als Zivi seh’ ich nicht ein, auch noch das Bier zu bezahlen.</p>
<p>„Hab’ schon geschissen&#8230; ehrlich.“<br />
„Klasse“, lobe ich wahrheitsgemäß. Heinzi hat sich zwei Mal unterwegs vollgesaut, gibt Schöneres.<br />
Gleich hinter der Hauptstraße fängt das Moor an. Der schnurgerade Feldweg, den sie neu asphaltiert haben, ist ideal für den Rollstuhl. Sogar gutes Wetter, Frühjahr, die Bäume schlagen aus, die Wiesen grünen. Ich schieb’ so vor mich hin, Heinzi lässt sein erstes Holsten einlaufen, zappelt, sabbert, schmatzt vor Vergnügen. Er will schon wieder eine rauchen, pechschwarze Gitanes, normalerweise zwei Schachteln am Tag – seitdem sein linker Arm nicht mehr richtig mitmacht, qualmt er weniger. Ich stecke ihm die Zigarette an und schiebe sie zwischen seine braunen Finger.</p>
<p>„Kann sein&#8230; mein Kumpel kommt heut. Reich’&#8230; noch’n Holsten rüber.“<br />
Wir sind weit ins Moor gerollt, an unseren Platz, wo wir anhalten und zusammen saufen.<br />
Ich schnapp’ mir auch ein Bier, trinke es in einem Zug aus. Warm hier draußen.<br />
„Willst du heulen?“, frage ich.<br />
„Klar&#8230; muss sein&#8230; danach quatschen wir, wa?“<br />
Heinzi weint am liebsten allein. Auf der anderen Seite des Weges gibt es eine erhöhte Einfahrt zu einer Viehweide, sein Stammplatz. Es ist ein festgelegter Wechsel, ein Ritual, er winselt, dann wieder glotzt er stumm in die Landschaft.<br />
„Komm’ her!“</p>
<p>Ich bleibe sitzen, auf dem Erlenstamm, der schon seine Borke verloren hat, dessen Holz über den Winter schon weich wurde. Erlen sind nicht langlebig, ihr Holz taugt nichts. Heinzi hat sich aufgebäumt und ist in sich zusammengesackt. Der Rollstuhl steht noch. Sein Kumpel, wir haben beide auf ihn gewartet. Ich bleibe sitzen, ich schnapp’ mir das nächste Bier, trinke es in einem Zug aus – ist ja noch genug da, ein Glück.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Statt Karten</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jan 2007 13:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daudieck</dc:creator>
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		<category><![CDATA[essen]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Kneipen bleiben immer Trinkhallen, nur mit niedrigeren Decken und höheren Preisen. Dann gibt es Kneipen, in die man eintauchen muss, mit Sauerstoffmangel zu später Stunde. Die Ansteckungsrate der Zigaretten steigt, die Dunstglocke senkt sich langsam auf die Köpfe der Gäste herab. Am Tresen lacht einer rau die Blondine auf dem Bierdeckel an. Er kennt sie gut, schon viele Abende lang hat sie ihm zähnefletschend zugeprostet und niemals ihr Lächeln verloren. Sein Nachbar stiert abwesend in das Zwielicht unter der Blechlampe, er wird zum Fruchtzwerg, dem eine fahle Sonne die mütterliche Bauchdecke erleuchtet.</p>
<p>F sagt, dass P tot sei, gestorben vor ein paar Tagen. Nein, schon vor zwei Wochen. Genau weiß es keiner. M hat P kaum gekannt und findet das Thema blöd. Er versucht, es mit Bemerkungen über das warme Bier zu torpedieren. Der Wirt springt nicht darauf an, stattdessen baut er eine Reihe Schnapsgläser auf, um aus Pietät eine Runde Kurzen auf das posthume Wohl von P auszugeben. Noch vor dem Anstoßen beharrt M darauf, dass das Bier zu warm sei, und findet Unterstützung am anderen Ende des Tresens &#8211; günstiger Zeitpunkt, um einen auszugeben, denn er besänftigt den Unmut, in den man sich gern hineinsteigert, wenn es etwas auszusetzen gibt. Alle bis auf M, der gerade gegen einen Blackout ankämpft, stoßen an, aber schon nicht mehr auf P, dessen Verwesung unablässig fortschreitet.</p>
<p>Trotzdem gelingt es P, noch ein letztes Mal in den Mittelpunkt des Interesses gleichermaßen zu schweben, so dass ihm ein spröder Abgesang zuteil wird, wenn auch mit Verspätung. Der an sich wortkarge E fängt an: Echt Scheiße, wenn die falschen Leute zu früh sterben. Stimmt &#8211; und weil es jeder mit einem Anflug von Grauen auf die eigene Zukunft bezieht, werden die Gläser gehoben, um einen Schluck lauwarmes Bier zu trinken. Mit einem Nachruf &#8211; nein, mit einem Nachschrei vertreibt F die rührselige Melancholie, die sich zwischen die Rauchschwaden gekuschelt hat: P sei sowieso &#8211; JAWOLL, SOWIESO!! &#8211; viel zu gut für diese Welt gewesen. Stille. G hebt irritiert den Kopf und pflückt eine Kippe aus seinen Haaren, die eben noch in den vollen Aschenbecher hineinhingen. Immerhin rafft er sich auch noch zu einer Eloge auf, sogar dem Anlass angemessen, in weinerlichem Tonfall: Ja, zu gut für die Welt &#8211; aber an zwei Krebsen gleichzeitig gestorben: Lunge und Bauchspeicheldrüse. Damit verdient er sich ein beifälliges Nicken in der Runde. </p>]]></content:encoded>
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		<title>Als Trinker unterwegs</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2005 19:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malorny</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Trinker hat man immer Angst. Entweder man blamiert sich oder bekommt was auf die Schnauze. Oder man bekommt was auf die Schnauze, weil man sich blamiert hat. Ein Trinker, dem nicht alles egal ist und der etwas auf sich hält, hat dauernd Angst. Auch wenn er cool ist.</p>
<p>Ein Trinker hat entweder genug Geld in der Tasche, viele Freunde, oder eine &#8211; möglichst zwei &#8211; Kreditkarten. Neben der EC-Karte, die er ja per se bei sich führt, weil sie einem sowieso geklaut wird. Vorausgesetzt, er ist ein richtiger Trinker. Falsche Säufer haben Glück. Mehr als Kinder. Die fallen aus dem sechsten Stock eines Hochhauses und landen in einem Buchsbaum. Unverletzt. Die werden nicht vom Bus überrollt, dass die Knochen krachen, die werden lediglich zur Seite geschubst. Die stehen auf bevor der Notarzt eintrifft, schütteln ihr Sakko und gehen weiter wie jemand, der sich eine Fliege aus dem Gesicht wischt. Aber die Angst sich zu blamieren bleibt. Es könnte ja sein, dass man am nächsten Tag gefragt wird, was man so getrieben hat. Ein positives Zeichen, wenn jemand fragt, denn es bedeutet, er weiß es selbst nicht.</p>
<p>Ab wann muss man zurückfragen, ab wann kann man die eigenen Löcher mit Phantasie füllen? Tja, die Angst des Trinkers. Solange man alleine unterwegs ist, kann man anderen eine Menge erzählen, aber wenn man mit zwei ebenbürtigen Säufern raus geht, bleiben dreimal soviel Gehirnzellen übrig, die einem das Geschehen rekapitulieren.</p>
<p>Ich war mit zwei Trinkern unterwegs. Fatal. Schicksalsgeschwängert, wie man so schön sagt. Der eine hatte etwas mit Literatur zu tun. Der andere auch. Ausgangsposition: Dortmund, Rock Cafe. Was das mit Literatur zu tun haben sollte, wusste ich nicht. Rock und Literatur. Fragezeichen. Als ich reinkam, wusste ich nicht, was der Laden mit mir zu tun hatte. Ausrufezeichen.</p>
<p>Aber keine Sorge, ich bekam ein Bier, wurde sogar nach einem großen oder kleinen gefragt. Durch den Spiegel hinterm Tresen konnte ich die Gäste betrachten, und wenn sich die Bedienung hinterm Zapfhahn bückte, ob sie einen BH trug.</p>
<p>Sie trug einen BH. Definitiv. Das machte die Sache nicht gerade leichter. Die beiden Literaturtypen, nennen wir sie ruhig Thomas und Michael, schätzten mich von der Seite ab und mutmaßten, wieviel Bier ich in meinen Bauch kriegen würde. Dummerweise stand mein Ruf, den ich noch aus vergangenen Jahren in die Gegenwart gerettet hatte, schlechter dar als mir das Alter und die Umstände gestatteten. Wäre noch erwähnenswert, dass die beiden Literaturtrinker &#8211; jeder für sich &#8211; gut ein Dutzend Jahre jünger waren.</p>
<p>Ihr wisst ja, wie das so läuft: einer gibt das Trinktempo vor, die anderen ziehen mit. Ohne es klar auszusprechen, findet eine &#8220;Kampfhandlung&#8221; statt, wenngleich auf sportlicher Basis. Trinken ist Volkssport Nummer Eins, erst dahinter kommen Fußball, Tennis, Boxen und so weiter. Als erfahrener Sportler fängt man im kleinen Bieranzug an, und versucht der Letzte zu sein, der zuerst auf Toilette geht. Damit beweist man eine durchtrainierte Blase. Wichtig ist, sich wie ehemals Mohammed Ali, während der Rundenpausen nicht zu setzen, bzw. das erste Dutzend Gläser Bier stehend zu sich zu nehmen. Anfangs steht man freihändig, das Glas in der Hand oder die Hände in den Hosentaschen. Später lehnt man sich leicht gegen den Tresen, seitlich, so mit den Schultern, und es muss aussehen, als würde man gelangweilt auf den Bus warten.</p>
<p>Das Thema Literatur handelten wir während der ersten 10 Gläser Bier ab. Warm up. Suche nach der nötigen Gelassenheit. Kontrolle der Mimik im Barspiegel. Verbale Lockerungsübungen.</p>
<p>Dann der erste Schnaps. Nachschub aus dem Zigarettenautomaten. Die Bedienung leerte den Aschenbecher, hatte aber vergessen den BH auszuziehen. Macht nichts. Phase Numero Zwo. Man gefällt sich mit der nötigen Promillezahl, Schulterklopfen, Anerkennung über dies und das, und beste Gelegenheit über zukünftige Projekte zu sprechen.</p>
<p>Klar, uns kam nichts besseres in den Sinn, als der Menschheit eine Art Kaschemmenführer präsentieren zu wollen, obschon die Branche, gleich neben Kochbüchern, von Reiseführern überschwemmt wird. Doch Thomas und Michael hatten den Ruf von reisewütigen Beobachtern weg &#8211; Paris, 36 Kneipen in 5 Stunden. Zum Beispiel.</p>
<p>Ich dagegen besuchte alle paar Monate die Kneipe an der Ecke, blieb bis zum Zapfenstreich und torkelte anschließend über die Straße zur Haustür. Es gab selten etwas darüber zu berichten, weil selten was passierte. Es sei denn, ich stieß aus Versehen ein Bierglas um. Allerdings ist das meiner Beherrschung zu verdanken, denn früher war alles anders. Erst mit 30 hatte ich den Dreh raus, und konditionell befand sich meine Leber in der Lage 3,5 bis 4 Promille Alkohol zu verarbeiten, ohne dass ich gleich die Bedienung vergewaltigen wollte. Damals hielten sich Genuss, Exzess und Erinnerungsvermögen die Waage.</p>
<p>Noch ein Bier? Einen Absacker? Wir schließen gleich.</p>
<p>Schöne Worte von der Frau mit BH unterm T-Shirt. Mittlerweile saßen wir vor dem Tresen, Thomas und ich leicht angelehnt, Michael in der Mitte, sozusagen freischwebend und wegen der lauten Musik und dem Umstand, dass wir eine Unterhaltung führten. Wir saßen im Dreieck. Wir redeten übers Goldene Dreieck, übers Reisen, und weil Träume aufgekommen waren, die erst durch die Phantasie des Alkohols beflügelt werden. Dementsprechend lautete unser nächstes Ziel: Thai-Pub, Westenhellweg.</p>
<p>Folge einem Trinker nur, wenn du ihn nicht aus den Augen verlierst. Halte einen oder zwei Schritte Abstand, so kann er nicht sehen ob du schon torkelst. Bleib im Gespräch, damit er sich nicht umdreht und sieht, wie du torkelst. Schließe hin und wieder auf, klopfe ihm auf die Schulter und bleibe wieder zurück. Aber mache keine Gewaltmärsche &#8211; den Westenhellweg hoch und runter ist genug. Nehme für längere Strecken ein Taxi.</p>
<p>Phase Numero Drei. Auf der Spitze des Besoffenseins. Wäre man vernünftig, würde man zwischendurch ein Wasser trinken. Das verringert den Kater am nächsten Morgen. Eventuell weniger rauchen. Das lindert den Kopfschmerz.</p>
<p>Aber nein, der Laden war nett und in bläuliches Schummerlicht getaucht. Ein freier Platz am Tresen, und die Frauen wirkten schöner, als sie vor Stunden reingekommen waren. Typische Trinker-Fatamorgana. Die dritte Phase beleuchtet den Schluss, dem man wie im Kino, nach 80 Minuten, entgegenfiebert. Happyend? Horror?</p>
<p>Thomas und Michael zogen ihrer Register. Und zwar komplett. Schnaps und Longdrinks. Mai-Tai. Ich ging zur Toilette und erwartete, dass mir, wie Michael schon geschehen, jemand an den Schwanz packt. Blick in den Spiegel. Ich war allein. Wasser ins Gesicht, aufatmen und wieder raus zur letzten Runde.</p>
<p>Wenn man betrunken aus der Toilette kommt, hat man das Gefühl von allen Augen beobachtet zu werden. Wer da nicht ein bisschen schauspielern kann, ist verloren. Man glaubt es zumindest. Also Tür auf, Augen geradeaus und schnurstracks zum Tresen, zu den Mitstreitern. Gott sei Dank wirkt der Alkohol bei jedem &#8211; mal eher, mal früher. Thomas kriegte nicht mal mit, dass ich auf Toilette war, Michael wiederholte eine Frage, die er mir in meiner Abwesenheit gestellt haben musste. Mai-Tai lächelte. Eine Milchschokoladenschönheit stand auf dem Podest und übte sich im Mitsingen eines thailändischen Schlagers. Karaoke. Zumindest asiatisch. Etwas fern der Heimat. Dann der Gong, als jemand reinkam und berichtete, dass es draußen mittlerweile hell sei.</p>
<p>Uhrenvergleich. Die zwölfte Runde.</p>
<p>Ich konnte nur hoffen, dass es auf ein Unentschieden hinauslaufen würde, dann bestellte Michael ein Taxi aus Witten, guter Kumpel, wie er sagte, und ich überlegte, ob ich auch so ein Kumpel gewesen wäre, und wir traten in die Lichtung des Morgens, die unsere Augen blendete, und wir warteten.</p>
<p>Zaghaft zeigte sich ein Stück der Sonne. Wir standen da zu dritt, Hände in den Hosentaschen, mit wippendem Oberkörper, wir gingen einen Schritt vor und zurück, um das Gleichgewicht auszupendeln, nahmen anschließend die Hände zur Hilfe sobald wir etwas sagten.</p>
<p>Ein Taxi brauste heran. Im Begriff schon einzusteigen stutzten wir, als uns ein zweiter Wagen mit quietschenden Reifen fast über den Haufen fuhr. Aha. Der Kumpel aus Witten. Thomas und Michael grinsten, zwei Literaturfreaks, denen ich auf den Leim gegangen war, die mich runtergesoffen hatten und mir nun zeigten, wie man sich ohne Blamage aus der Affäre ziehen kann.</p>
<p>Wie gesagt, als Trinker hat man immer Angst sich zu blamieren. Ich tat es erst, nachdem ich mit dem Autoschlüssel versuchte die Haustür zu öffnen. Genauer, ich blamierte mich, indem ich sämtliche Nachbarn aus dem Bett schellte und im Flur offenbarte, der Weltuntergang würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.</p>
<p>Wenigstens hatte ich nichts auf die Schnauze bekommen. Soweit ich mich erinnern kann.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Weihnachtsgeschichte</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2004 06:22:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrich Klein</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Erinnerung an die letzte Nacht trieben langsam in ihr Bewusstsein hoch. Wie das ins Klo geschüttete Öl einer Sardinenbüchse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Susanne schlug die Augen auf. Ihr Blick schweifte zum Fenster, während sie sich noch enger in ihre Bettdecke zu schmiegen versuchte. Nach und nach klärte sich ihr Blick und die Realität holt sie ein. Im Mund der Geschmack von zuviel Rotwein. Ein Chianti Superior, für dessen hohe Qualität die Hersteller laut Etikett zwanzig Prozent Ernteeinbußen hinnahmen &#8211; und dafür zwanzig Prozent auf den Preis aufschlugen. Pelzige Zunge am Tag danach inklusive. Auf dem Nachttisch ein Zettel mit der Nachricht &#8220;Ich ruf Dich an, Heiko&#8221;. Kein &#8220;es war toll&#8221; oder &#8220;in Liebe&#8221; oder &#8220;bis heute Abend&#8221;. Susanne schloss die Augen. Heiko. Die Erinnerung an die letzte Nacht trieben langsam in ihr Bewusstsein hoch. Wie das ins Klo geschüttete Öl einer Sardinenbüchse. Ein freier Abend ohne Ziel. Ein Cocktail und ein paar Zigaretten zuviel in einer hippen Bar im Münchner Glockenbachviertel. Und Heiko. Charmant, gutaussehend, smart und von sich überzeugt. Später ein kurzer, heftiger Fick und nun ein Eintrag mehr auf der Liste der Enttäuschungen.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-452" title="winter" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/winter.gif" alt="winter" width="177" height="202" />Es liegt Schnee. Vier Tage vor Weihnachten. Kälte schneidet ihr ins Gesicht und sie zieht den roten Schal etwas fester um ihr Gesicht. Komisch, denkt sie, dass sie jetzt an Joshua denken muss. Joshua Kahapka. Ihr erster Freund in der dritten Klasse. Klein, schmächtig und Außenseiter. Kind deutschstämmiger Einwanderer, die die Dorfkneipe im Ort ihrer Kindheit betreiben. Ihr erster Freund &#8211; echte Freundschaft. Unschuldig. Bild: U.Klein Ohne sexuelle Spannungen. Dritte Klasse Grundschule. Gespräche im Pausenhof über Fahrräder, Indianer oder die kommenden Weihnachtsgeschenke. Wer schneller laufen kann oder ob das Taschengeld jemals für die in Comics beworbenen Sea-Monkeys reicht &#8211; ein Pulver, das in Wasser geschüttet zu lebenden Seemenschen wird, für die sie dann sowas wie Königin und König wären. Was einem eben in dem Alter so interessiert. Verstohlenes Händchenhalten &#8211; zurückgezogen unter verlegenem Grinsen. Und große braune Augen. Die sind ihr bis heute in Erinnerung geblieben. Joshs große braune Augen. Genau wie Heikos, oder all der anderen. Vielleicht prägt einen die Kindheit doch, denkt sie.</p>
<p>Der Schnee knirscht unter ihren Stiefeln auf dem Weg zum Supermarkt. Komisch, denkt sie, dass sie ausgerechnet heute daran denken muss.</p>
<p>Heute vor dreiundzwanzig Jahren. Turnen in der fünften Stunde. Josh war den ganzen Tag nicht erschienen. Dafür kam die Turnlehrerin in Begleitung von zwei Polizisten. Josh wird nicht mehr zur Schule kommen, erklärt sie. Es wird still in der Turnhalle. Ob er umgezogen ist, will sie wissen. Und nein, kommt die zögerliche Antwort. Josh ist beim Spielen verunglückt. Hat sich beim Versteckspielen im Keller des elterlichen Gasthauses in einem alten, abgestellten Kühlschrank versteckt. Man hat ihn erst Stunden später gefunden. Erstickt. Die Innentür leicht eingebeult von den Schlägen seiner kleinen Fäuste. Es folgt eine Belehrung, sich nicht in alten Kühlschränken zu verstecken, danach gibt es Schulfrei.</p>
<p>Im Supermarkt ist nicht viel los. Sie entscheidet sich für italienische Pesto, Kosmetiktücher, teure Spaghetti und einen schweren Merlot-Rotwein. An der Kasse vor ihr steht eine Frau mit einem geschulterten Säugling. Große braune Augen lächeln sie an.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Sicht der Dinge.</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Oct 2002 11:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Managerin_05</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als sie ankamen, hoffte sie, dass er sich gut benehmen würde, dass er nicht so viel trinken würde, dass sie sich nicht so viel dummes Zeug anhören mußte von Fremden, die sie nicht wirklich interessierten, dass der Abend nicht endlos würde, dass sie sich zumindest ein klein wenig amüsieren würde...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als sie ankamen, hoffte sie, dass er sich gut benehmen würde, dass er nicht so viel trinken würde, dass sie sich nicht so viel dummes Zeug anhören mußte von Fremden, die sie nicht wirklich interessierten, dass der Abend nicht endlos würde, dass sie sich zumindest ein klein wenig amüsieren würde, dass er sie nicht nur um der Höflichkeit Willen mitgenommen hatte, sondern, weil er stolz auf sie war, weil sie zu ihm gehörte und er das jedem zeigen wollte, ob&#8217;s interessierte oder nicht.</p>
<p>Jeder Augenblick zählte. Ab sofort oder auch schon länger. Sie wußte nicht mehr, wann das begonnen hatte. Irgendwann wurde ihr bewusst, dass ihre Zeit nicht endlos, ihr Leben nicht ewig so jung bleiben würde. Sie musste sich beeilen. Noch nie zuvor hatte sie so deutlich gespürt, dass sie alt werden würde. Nicht irgendwann, sondern schon sehr bald. Die ersten 31 Jahre waren bereits vorbei und die nächsten 30 würden genauso schnell vergehen. Nicht in diesem Augenblick, nicht in einer Woche, aber im Ganzen dennoch rasend schnell, sodass man sich ständig anstrengen musste, seiner Zeit bewusst zu werden, sich zu erinnern an jeden Augenblick so gut das in dieser Zeit eben ging. Misstrauisch war sie geworden. Guckte sich jeden und alles genau an und fragte sich schon so oft, wem oder was sie in der vergangenen Zeit begegnet war. So vieles hatte sie schon vergessen, an so viele Worte konnte sie sich nicht mehr erinnern, weil sie stets sorglos umgegangen war, mit dem kostbaren Jungsein.</p>
<p>Seine subtilen Gemeinheiten nagten schon so lange an ihr, deren er sich selbst noch nicht einmal bewusst war. Umso schlimmer traf es sie, wenn er sie mal wieder enttäuschte, ohne es zu wissen. Als sie ankamen, ging er vor ihr her, nahm sie nicht bei der Hand, auch nicht in den Arm. Sie kannte das schon und doch ärgerte sie sich darüber. Dieser Umstand wäre spätestens nach den ersten drei Drinks vorbei, dann erst würde er sie umarmen, vielleicht sogar mal küssen oder bei der Hand nehmen. Dieses Ritual war ihr wohlbekannt, schon so oft beobachtet und analysiert. Aber alle Gründe dieser Welt interessierten sie nicht. Sie sah nur, dass er sie nicht behandelte, wie man seine Geliebte behandelt. Alle sahen das, nur er selbst nicht. Seine Souveränität beschränkte sich darauf, sie mitzuschleppen, vorzustellen, meist jedenfalls und ansonsten gepflegte Konversation zu betreiben über banale Dinge, die jeder jedem erzählt, weil er nichts anderes zu erzählen hat. Nie kam er aus sich heraus, nie tanzte er mit ihr oder küßte ihr die Hand. Wie gern hätte sie sich ausgelassen mit ihm amüsiert bis in den frühen Morgen. Wie gern hätte sie in seinem Mittelpunkt gestanden, die anderen waren ihr egal. Ihn wollte sie betören, ihn wollte sie verführen und glücklich sehen.</p>
<p>Kaum dachte sie, dass es ein schöner Abend wird, verfing er sich in ein langweiliges Gespräch mit einem seiner Freunde und ließ sie sitzen. Lange sitzen. Viel zu lange. Die Blicke der anderen Männer sagten, was sie dachte: wieso läßt der Idiot sie so lange allein. So eine Frau läßt man nicht warten. Wenn ich an seiner Stelle wäre&#8230; sie kannte diese Blicke und wusste, was sie bedeuten. Sie ignorierte sie, stimmte ihnen aber insgeheim zu. Nicht um der anderen Männer Willen. Sondern, weil ihre Zeit so verdammt knapp war. Zu knapp, um in irgendeiner Barecke zu versauern.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-395" title="drin_und_zichte" src="http://kaschemme.de/wp-content/uploads/2009/02/drin_und_zichte.gif" alt="drin_und_zichte" width="200" height="130" />Sie wehrte sich dagegen böse zu werde, wollte keine schlechte Laune bekommen, wollte ihn mit ihren Zickigkeiten nicht bloß stellen vor seinen Freunden und Kollegen. Mühsam unterdrückte sie ihren Ärger, schluckte ihn mit ihrem Wasser hinunter, rauchte ihn mit ihren Zigaretten weg, so gut es ging. Immer wieder fragte sie sich, was er an ihrer Stelle machen würde, würde sie ihn so sitzen lassen. Aber diese Gelegenheit ergab sich nie.</p>
<p>Sie überlegt seine Reifen zu zerstechen, seine Wohnung anzuzünden, ihn vielleicht sogar umzubringen. Aber ach &#8211; dazu ist sie viel zu feige.</p>
<p>Und so scheitert eben alles, was wir tun und anfangen zu tun. Man bleibt immer an der Laune anderer hängen, fühlt sich ausgeliefert und sitzen gelassen, schlecht behandelt und ungeliebt. Was einst so heiß ersehnt und so kühn toleriert und geliebt, wächst zu einem Geschwür, dass man sich herausoperieren lassen will. Und dann wird aus Liebe Hass, aus Hass wird Wut und aus Wut Gleichgültigkeit. Und so wird es weitergehen, bis in alle Ewigkeit.</p>]]></content:encoded>
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		<title>das Sein</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Feb 2002 19:34:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kalle</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Dem Klo wird bewusst keinerlei Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Der Geruch nach Urin, der zarte Hauch, der an Erbrochenes erinnert und trotz mehrmaligen Putzens nicht zu beseitigen ist, erfüllt die unmittelbare Nähe des intimen Örtchens."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An dieser Stelle unterbricht ein lautes Rascheln die Stille, ans Licht kommen unsortierte Texte die, zwischen Weh &#8211; und Übermut, &lt;| das Sein |&gt; propagieren.</p>
<p>Mühsam versucht mein Hirn die neue Woche anzunehmen, sie in ihrer Struktur zu akzeptieren. Das einsetzende Treiben dringt durch die Jalousie, die ihrer Aufgabe mich nach außen hin abzuschotten nur mäßig bis ungenügend gerecht wird. Die quakenden Stimmen, das ewig gleiche Gedudel aus dem Radio martern das partiell noch schlafende Bewusstsein. Alles beherrschende Sinnlosigkeit wird in stechenden Neon Lettern auf die Netzhaut der zusammen gekniffenen Augen geschrieben.</p>
<p>Mit den Ziel der inneren und äußeren Kälte zu trotzen, wird die Kaffeemaschine langsam zur Höchstform ihrer Dienstleistung animiert. Sorgfältig, ja beinahe sakral anmutend, wird das fein gemahlene Pulver mit dem verkalktem Nass aus alten Bleirohren versetzt. Nur im Rausche sprichwörtlicher Realitätsfremde kann dieses Etwas &#8216;Trinkwasser&#8217; genannt werden. Vermengt mit heißer, fettarmer Alibi-Milch und angereichert mit dem süßem Kokain für Arme, findet die entstandene gräulich braune Flüssigkeit ihren Bestimmungsort Magen respektive Blutbahn. Der Umweg über Mund, dem Gaumen und der Speiseröhre kostet Zeit. Viel Zeit.</p>
<p>Dem Klo wird bewusst keinerlei Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Der Geruch nach Urin, der zarte Hauch, der an Erbrochenes erinnert und trotz mehrmaligen Putzens nicht zu beseitigen ist, erfüllt die unmittelbare Nähe des intimen Örtchens. Ein Blick in Richtung Herd bestätigt die Annahme vom tobendem Mundraub, der im Schutze der Nacht vollzogen wurde. Kühlschrank auf, das kalte, eiweiß- und kalziumreiche Produkt, in Begleitung eines heftigen Stossgebetes, greifend, beginnt der Rückzug in den nun vollends vom grauen, öffentlichen Schwachsinn okkupierten Schutzgraben. An der Zivilisation wird gebaut, umstrukturiert, eingerissen, Lärm gemacht. Sorgsam bereite ich einen Ausfall vor. Nach einigen Schritten stehe ich, das kürzlich erworbene dicke Fell der Ignoranz übergeworfen, auf der Strasse.</p>
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<p>Mit schweren, müden Schritten entsteige ich der U-Bahn. Langsam mühe ich mich in Richtung Rolltreppe. Schon sind all die Masken hinter mir vergessen. Der Wind aus dem U-Bahnschacht ist das einzige was mich noch mit denen verbindet, die weiter durch die Unterwelt Berlins reisen. Die Plastiktüte mit dem erjagtem Dosenbier raschelt im Wind und stößt im Takt meiner Bewegung gegen mein rechtes Bein.</p>
<p>Im Licht der Straßenlaterne erspähe ich die nackten Brüste einer Frau, die auf der Rückseite einer Tageszeitung ihr ganz persönliches In und Out preisgibt.</p>
<p>Das Schloss der schweren Eingangstür hakt immer noch. Nach einigem Rütteln und mehreren Flüchen wird mir Einlass in den dunklen Torbogen gewährt. Mit schnellen Schritten entkomme ich dem Uringeruch und trete in den ersten Hinterhof. Der Dreck, der stetig aus den übervollen Mülltonnen heraus kriecht, gewinnt langsam die Oberhand im territorialen Krieg mit dem &#8216;Hausmeister&#8217;. Das unidentifizierbare, weiche Etwas dem ich nicht mehr ausweichen konnte, verteilt sich auf den kaputten Stufen, während ich meinen Weg in das Dachgeschoss fortsetze. Fortsetzen tut sich auch das Abblättern der Farbe an den Wänden.</p>
<p>Nur an den Stellen, wo der Dreck die Farbe zusammen hält, sind letzte Fragmente von Anwesenheits- Protokollen erkennbar. Sorgsam das Bier hinstellend, öffne ich die Sperrholztür und trete in meine trockene und immer zu heiße Wohnung.</p>
<p>Fünfter Stock. Die Brüstung des Balkons ist höchstens einen Meter hoch und das Dach endet ohne Fanggitter. Der immer währende Regen trägt seinen Teil zur Glitschigkeit der Bitummatten bei, doch der Fernseher steht näher.</p>
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<p>Wie immer, reißt mich der Wecker unsanft aus unsanften Träumen. Wie immer schwanke ich zu der Maschine, die einzig dem Zwecke dient, mir einen Teil erlogener Lebenskraft zu schenken. Ich trinke, wie immer, meine drei Tassen und erledige grobmotorisch die Morgentoilette</p>
<p>Das Türschloss zweimal zuschließen, mit einem Tritt die Haustür öffnen. Ich stehe draußen, wie immer.</p>
<p>Es regnet, die Sonne scheint, es ist windstill, ein Sturm tobt, es ist Wetter, wie immer. Der Motor will nicht wie ich. Eigentlich wollen wir beide doch wohl weiterschlafen. Dreimal, viermal, er kommt, ich fahre. Die Ampel ist rot wird gelb wird grün, der Idiot vor mir merkt es nicht, ich rege mich auf, wie immer.</p>
<p>Der Stau um acht ist weitestgehend bekannt, also fahre ich früher los. Andere sind genauso schlau wie ich, also steht der Verkehr, wie immer. Ich komme zu spät, wie immer.</p>
<p>Der Krach lebt sich in all seiner Vielfalt aus. Es stinkt, es herrscht der Dreck und auch der Stress hat Frühschicht, wie immer.</p>
<p>Zwei Stunden, drei Stunden, vier Stunden, zwei Brötchen, einen Kaffee, ein Wort. Zwei Stunden, drei Stunden, zwei Pflaster, vier Stunden. Noch ein Pflaster, wie immer. Umziehen, einen Kaffee, ein Wort. Zweimal, dreimal, viermal, der Motor läuft, ich fahre, wie immer. Die Ampel ist rot, wird gelb wird grün, ich merk es nicht. Der Idiot hinter mir regt sich auf, wie immer.</p>
<p>Ein kräftiger Griff, die Tür zweimal aufschließen. Herd an, Herd aus. Mund auf, Mund zu, wie immer.</p>
<p>Schmeiß den Wecker nicht an die Wand, wie immer.</p>
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<p>Langsam setzt die Wirkung des zu mir genommenen Alkohols ein. Eigentlich ein Punkt, der keiner genaueren Betrachtung würdig ist, da er ja zu diesem Zweck bezahlt und in seiner Existenz gerechtfertigt wird. Die angenehme Schwere, die aus der Flasche langsam in meinen Kopf wandert, verleit den Gedanken die gewünschte Samtigkeit. Die wiederum je weiter sie in Richtung Körpermitte strebt, in eine Art schwereloser Trägheit wandelt. Die letzten fünf Jahre verbrachte das Nass roter Trauben damit, Ruhe anzusammeln um sie jetzt in schönster Weise meinem Geist vorzugaukeln.</p>
<p>Mit einem Hauch Lethargie leere ich mein Glas und greife zu den Zigaretten, die nun sämtlichen Geschmacksnerven in Zunge und Gaumen wie ein Vorschlaghammer in Verbindung mit einer mühsam errichteten Glasfassade, die bittere Existenz der Realität ins Bewusstsein hämmert.</p>
<p>Selbst intensives Spülen mit klarem Wasser verfehlt seinen Zweck. So einfach lässt sich der Beigeschmack der Zivilisation nicht beseitigen. Doch auch in dieser Hinsicht bietet der Fluchtpunkt Wein ein immenses Kontingent an Lösungsvarianten.</p>
<p>Ich entscheide mich für kräftiges Gurgeln in Verbindung mit sorgfältigem Schlucken. Da diese Prozedur jedoch mehrere Gläser in Anspruch nimmt, ist es notgedrungen an der Zeit eine weitere Flasche ihrem Ruhebett zu entreißen, sie zu öffnen und atmen zu lassen. Ein leises &#8216;Plopp&#8217; erfüllt den leeren Raum, der Hals ist freigelegt, doch versagen die Lungen. Da hilft nur Mund zu Mund Beatmung.</p>]]></content:encoded>
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