Vision 2009…

Es kommt die Zeit, in der wir nicht mehr denken:
Die Stammtischphilosophen trinken still.
Der Bürger darf sich seine Meinung schenken
und endlich ruhig fernsehn, wann er will.

Das Grundgesetz hat man zum Amt geschickt.
Für einen Euro piekst es Blätter auf.
Im Internet wird zu viel rumgef**** –
Es wird geschlossen. Freiheit?-Schlussverkauf!:

In kleinen Stücken kann man sie erwerben.
Erinnerung, der schönen Tage wegen.
Wer etwas sagen will, muss einen Antrag erben…
so hat man Zeit, sich’s gut zu überlegen.

Bei Nacht benötigt man kein Straßenlicht,
denn keiner geht -wozu auch- aus dem Haus.
Man trifft sich zwar, doch man vergnügt sich nicht –
man schenkt Verdacht wie einen Blumenstrauß.

Zensoren rütteln an den Wohnungstüren.
Wer nackt ist, gilt als potenziell pervers.
Den Terrorismus sucht man auch bei Tieren,
zumindest sind die Viecher kontrovers.

Es kommt die Zeit, in der wir nicht mehr singen:
Die Dichter haben endlich andre Sorgen.
Und falls wir singen, wird es düster klingen.
Es kommt die Zeit. Vielleicht schon morgen.

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Paul Laub

Baujahr '77. Sachse. Zuweilen manisch produktiver Poet von mild-heroischem Gemüt. Gelernter Straßenbauer mit nachgeholtem Abitur. Vorerst akademische Ausbildung verweigert, da Autodidakt mit Hang zur funktionellen Ästhetik. Genießt die Lektüre Nietzsches, ohne dessen Allüren anheim zu fallen. Versucht die "alten" Regeln der deutschen Dichtung in all ihrer bewährten Schönheit beizubehalten und segelt in ihrem Wind zeitgemäß hart am Schaum. Zum Zwecke der Ideenfindung sind ihm Entmenschungen sowohl, als auch Beobachtungen des Alltäglichen und vor allem entspannte Sessions auf bockharten Slacklines notwendiges Elixier. Verdient sein Geld mit Kino. Besuchen Sie ihn auf seinem Projekt "Lyrische Blogfront" (www.blogfront.de).

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