Werthers Echte

So sind sie, die Alten: gütig, geistig voll auf der Höhe, mit einem Bonbon in der Hand, nach dem der Wonneproppen von Enkel hechelt. Fernseh-Großväter, wie entfesselt tollen sie mit oder ohne Omma über Almwiesen, besoffen vor Glückseligkeit stapfen sie kniefrei durch die Toskana, mit ihren knallweißen Keramikzähnen zerknuspern sie telegen Salatblätter in linksdrehendem Schleimdressing, sie zeralbern den Tod zur Schimäre – sie frohlocken, dass die Schwarte kracht.

Schon wieder steht so ein Opa vor der Ampel, Mercedes-Schieber par excellence: E-Klasse, vorzugsweise silbermetallic, auch schon mal travertinbeige: Rentnergold. Die Ampel wurde neulich grün, doch er muss erst noch das Suspensorium zurechtrücken, bevor er aus Versehen in den Dritten schaltet. Abgewürgt, der Hintermann schreit los, Opa schreit zurück, läuft rot an, doch er überlebt und bringt es fertig, seinen ganzen Stolz auf vier Rädern in Bewegung zu setzen: In deutlich weniger als fünf Minuten wird er ihn auf 45 km/h beschleunigt haben – seine Marschgeschwindigkeit, mit der er unaufhaltsam den Supermarkt ansteuert, wo er sich eine Tüte Rasierwasser kaufen will.

Daudieck

– seit 1952 als Mensch geführt durchlatsche ich so meine Existenz, ich denke öfter nach, weiß aber nicht, warum, später möchte ich im Altersheim mit bunten Bällen werfen, meine Freundin ist die Tastatur, sie ist geizig, will immer die schönen Sätze für sich behalten – manchmal falle ich einfach über sie her. Ich hab jetzt übrigens einen eigenen Blog, wo ich bisher der einzige Besucher bin - macht trotzdem irgendwie Spaß: deeplooker.com

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