Die Echsen der Stadt    



Die Wände der großen Glasfelsen standen hinauf in das Wetter des Tages. In gestreckten Italolettern steht da »La Défense« und die Schrift zerlief in ihren Farben auf dem Metall, ohne dass es jemand bemerkte. Sie lief herab, aber die Zeit, die Fräsung zu erreichen und leise auf den Beton zu klatschen war noch nicht gekommen. Die Menschen sind hier sehr empfindlich. Ihre dünnen Hälse reichen kaum zum Kragen ihres Hemdes hinaus. Ihre langen Augen sehen sich ständig selbst auf die Schulter und dann tippen zwei schnelle Finger darauf. »Sterbe ich für etwas Gutes?«, fragte ich ihren König vor dem grauen Stahleck. Geometrie ragte über mich hinweg. Vierecke. Vierecke. »Lass Feuerworte sprechen«, sagte der König und seine Sprache rollte durch die leeren Schluchten. Die Menschen hier verstecken sich gut, sie sehen sich selbst nur in Spiegeln. Du siehst sie nie. Phantasmen. Phantasmen. »Aber ich kann nicht, mein Mund ist von Fäulnis bedeckt. Wie soll ich sprechen, mir fault der Mund davon« , und ich sehe auf meine Hände herab und sie sind todgelb. »Geh jetzt, und tu was getan werden muss.«

Er schreitet vor mir her, seinen Revolver in der Hose. Hinter mir zwei Schatten. Phantasmen. Meine Lippen schmerzen. Stinkender Sud läuft mir am Kinn entlang. Wir gehen mit gesenkten Köpfen und das Schafott steht bereit, schon sehe ich es hinter den langen Treppen. Ich werde es nicht tun. Ich bin so oft entkommen. Wer ist schon dieser König. Ich reiße meine Hand in seine Tasche, er hantiert, aber schon hat er eine Kugel tief im Hals stecken. Es schäumt aus meinem Mund. Vier Lange Hände strecken sich über mich. Ich bring euch um. Reiß euch die Augen aus. Ich zertrümmere euch. Es tut mir so leid. Vergebt mir. Ich fiel auf die Knie und konnte nicht sprechen. Vierecke stürzten auf mich ein. Glas brach. Die Worte liefen aus meinem Mund, und klatschten leise auf den Beton. »Ihr kriegt mich nicht.«

Da verkrochen sie sich hinter den Spiegeln, die Echsen der Stadt.

echsen_blau_

 
-


Bücher von Johannes Fightestörk:


Sinthom




"Die Echsen der Stadt" © , publiziert: ~12. Apr 2010
Toxikophiler. Bedroht Leute mit Waffenzeitschriften und stochert seine Beine in die Welt, bis ihm die Sohlen platzen. Lebt am rotäugigen Abgrund und fährt meistens zu schnell. Träumt tagsüber von Sintfluten, nachts trinkt er. http://www.facebook.com/pages/Johannes-Fightest%C3%B6rk/105400306221627

Abgestempelt als: Bild, Text, Titelstory, , , , ...

Beitrag , twittern oder facebooken,
Beitrag kommentieren oder trackbacken.

Besuchen Sie auch:

Themenwolke: abrechnend absurd Alltag angst drogen enden erinnern essen experimentell global hass humoristisch idylle leben liebe menschen menschlich moderne oben rituale schreiben schuld sex sinn surrealseltsam tod trinkend tristesse TV urban verbrechen weise ZMK_Exponate
Bisher kein Kommentar.
Hinweis an Kommentarspammer: Nein! Weg! Pscht! Ksst! Aus! Bäh! Schämen Sie sich!
Ihr Kommentar

Ausstellungen:

Hanna Scotti: Ausstellung Wortbilder


Hanna Scotti

Wortbilder

Text auf Foto

Frisch:

Subway UBahn Animation

U-Bahn

Oh, Bahn Du mach(SSSSST!) mich an/aus/ R-Blick-N Aus-Mach-N Wort-N-"D"
Drink

Oscar Wilde’s Day At The Beach

Oscar Wilde’s Day At The Beach: 2 cl Gin / 2 cl Pastis / ....
Beobachter

Augenblick

In den Nächten, da träumen sie von den Gebüschen, aber nie würden sie darüber reden, denn ihr Reden ist zum Schweigen ...

Klassiker aus Krimi/Lyrik:

Kommissar Bredenbeck steigt aus

Günzel scheuchte das Einsatzfahrzeug mit 90 Sachen die Strasse hinauf. Kommissar Bredenbeck durchsaß derweil den ... …

Knife-Girl und der Bad-Guy

Die Leiche ist noch warm. Fast fiebrig fühlt sie sich an. Ein Toter mit Temperatur. ... …
Zuchthaus (Foto: Gleb Borisov)

Ein Brief aus Buxxawaan

"Wir sind uns fremd und dennoch haben wir beide das Leben des anderen eines Irrtums ... …

Gruß an Tommy G.

Gruß an Tommy G.   Deine goldblonde Mähne (und dein guter Riecher) haben dich berühmt gemacht, doch am Ende (wenn du in der Kiste liegst) bleiben nur die Supernasen, Haribo und Wetten dass …? …
Nordsee Wattenmeer

Nachtbegattung

Die Dämmerung ist eine Hündin / und reißt das dampfende Fleisch / aus den Bäuchen ... …


Literarische Blogroll: