Schnapsideen
Das Hirnfass anstechen und Gedanken laufen lassen, dieses versoffene Gesindel: Gott ist ein buchentsprungener Bettelbube, mit Würmern und Maden in den Waden, ein mit Schmutzrunzeln und Gesichtsgeschwüren übersätes Gespenst, dessen Denkwerk sich in Schnaps und Schmerz aufgelöst hat, ein Capricenkapitän und Flegeleiathlet, der jede Schamschwelle, alle Peinlichkeitsbarrieren überspringt. Und Gott raucht … Kette. Und er rülpst und furzt nach Kräften. Seine Schäfchen aber trauen sich abends nicht mehr aus dem Häuschen … Die Unsicherheit geht um … und die Angst, all die Ängste in Faschingskostümen: Das Flüchtlingsmotiv ist mal wieder in Mode. Und so führen sich die Schäfchen wie Fliegen auf, die immer wieder mit dem Kopf durch die Fensterscheibe wollen. Wir wissen, wo das endet: In Auschwitz, in Belzec und Majdanek …
Aber wenigstens waschen sie sich mittlerweile. Manche halten das für Fortschritt, andere zünden Nebelkerzen am Firmament der Vernunft, sie werfen mit Wegwerfbegriffen wie postfaktisches Zeitalter um sich. Weiß Gott oder der Geier, warum sie das tun. Mein Freund, der Friedhof, mahnt zu Gelassenheit. Er meint, die Wahrheit liege unter der Erde. Denk-ende eines Denkenden.
Selbst in den entlegensten Sackgassen: Staus, Stockungen, zähfließender Verkehr. Und am Wochenende marschieren Staubsaugerbataillone auf: hinter den Fenstern der Halben und der Lauen. Vor den Fenstern: von Smogschleiern verhüllte Baukranalleen und Baukranwälder.
Zehn Grad minus am Morgen. Der eisige Atem Sibiriens streicht durch die Straßen, und der Himmel hustet Schneeflocken. Den Klimawandel habe ich mir anders vorgestellt. Und nicht nur das. Habe mich heute zu den kleinen Leuten herabgelassen, habe versucht, freundlich zu sein. Doch überall Kanaille, die man züchtigen möchte, Affen und Papageien, die ihre schlechten Manieren breitbeinig spazieren tragen. Während ich den Herren Drogenbaronen noch einen guten Morgen wünschte, fiel die Begrüßung der Herren Herumtreiber bereits viel kühler aus …
Die Medizin ruft! Schon heißt es Haschanflug auf Traumlandschaften, morgendliche Mondstudien in der Brandung des Berufsverkehrs. Und Gott raucht Kette, und seine Schäfchen sind ganz und gar aus dem Häuschen. Aber wenigstens waschen sie sich mittlerweile: veilchenfarbene Vorurteile, lavendelnder Hass …
